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Grüne Schizophrenie, die zweite

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Wie ist es erklärlich, dass sich ein Grüner Sportminister (Kogler) dafür einsetzt, dass sein Heimatbundesland das angebliche Ende der Coronakrise mit zwei Formel 1 Rennen feiert, während eine Grüne Verkehrsstadträtin (Hebein) den normalen PKW Verkehr behindert wo sie kann?

Link: Grüne Schizophrenie, die erste

Written by medicus58

17. Juni 2020 at 07:43

Grüne Schizophrenie, die erste

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Politische Positionen sollen ja vielfältig sein, aber tunlichst nicht in einer Partei, sonst kann man sich des Eindrucks nicht erwähnen, dass es der weniger um die Sache als um sich selbst geht:

Wie kann man gleichzeitig die „AUA retten“ und damit die Investitionen in die dritte Piste am Flughafen Schwechat (Gewessler) und vorgeben das Weltklima zu retten, indem in klammheimlichen Verhandlungen (Hebein) die Autos aus der Wiener Innenstadt verbannt?

So viele Kübel kriegst Du gar nicht in die engen Gassen, was ein Flugzeugstart an Kohlenwasserstoffe verbraucht.

Written by medicus58

16. Juni 2020 at 07:33

Entlarvende Nullen

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Jetzt kann und wird man in der Hektik schon mal ein paar Fehler machen, aber das absurde Theater um das aktuelle Budget ist entlarvend in beide Richtungen.

Das Fehlen einiger Nullen im Abänderungsantrag von Wögingers Club entlarvt die überhebliche Schluddrigkeit der Nullen, die den Antrag verfasst haben, spricht also für ein Übermaß an Nullen an der falschen Stelle.

Der nachgereichte Antrag zu veralteten und dadurch möglicherweise verfassungswidrig zur Abstimmung eingebrachten Budgetzahlen entlarvt auch die Überheblichkeit der Tückisch Grünen Nullen, die bis kurz davor die Notwendigkeit dieses Updates (Patches?) für null und nichtig erklärten.

Hinter der Fassade der teuren und wie geölt laufenden PR-Machine des Kurzschen Verehrungsvereines erblickt man fachliche Flachwurzler, die zwar behaupten von Evidenz geleitet (ÖVP die Wirtschaftspartei, Grüne die Partei der Transparenten und Guten) zu sein, in Wahrheit jedoch nicht regieren sondern nur im Sinne des Machterhalts reagieren.

Erbärmlich, dass es eines roten Steuerberaters bedarft einen tückischen Finanzminister und Wiener Spitzenkandidaten auf den Unterschied von ein paar Zehnerpotenzen hinzuweisen, über die die Abstimmungsmaschine der Regierungsparteien schon bedenken- und besinnungslos hinweggefahren ist. Da weiß man das Land in guter Hand.

Erbärmlich der Auftritt des regierungstreuen Oberrechners aus der TU, dessen andere Prognosen sich bereits als falsch erwiesen haben, das unruhige Volk davon zu überzeugen, dass die Regierungsmaßnahmen uns vor dem Armageddon bewährt haben, weil sie nicht schon vor der WK Wahl in Tirol aber keinen Tag später zur größten Wirtschaftskrise seit was auch immer geführt haben.

Arbeitslosigkeit und Perspektiven hat er in sein SIMS Game offenbar noch nicht einprogrammiert. Egal, seien wir dankbar für solche Führer.

Eine Nullnummer Milliarden zu versprechen aber nicht auszuzahlen wenn sie gebraucht werden. Erst ein paar Millionen locker zu machen, als der Unmut der Kunstschaffenden ein Regierungsmitglied gekillt hat, weil jetzt geht es ans Eingemachte. Den Claqueuren im Kleinwalsertal ist das Kellertheater eh Blunzengröstl. 

Ein paar Millionen in den nächsten Jahren in den Bahnausbau zu kippen, damit der Regierungspartner nicht so blass sondern wieder etwas grün aussieht, aber AUA und Laudamotion mit Steuergeld unters Gefieder zu greifen, damit sich der Ausbau der dritten Schwechater Piste doch noch lohnt, das macht auch Nicht-mehr-Grüne blass.

Jetzt mag man diskutieren, ob hier die Nullen im Budget entlarvend waren oder die Nullen dahinter entlarvt wurden.

Jedenfalls verdanken wir der tückischen Kurzbewegung und ihren Trittbrettfahrern ein Nullbudget, dass nichtmal die Kurz’schen PR Profis mehr schön reden können.

Written by medicus58

29. Mai 2020 at 08:24

Wie kam der Karl Farkas in die Regierung?

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Kennen Sie den (noch), den Karl Farkas, legendärer Blitzdichter und Conferencier des Kabarett Simpl? Sein Spruch, mit dem er sein Publikum in einen neuen Sketch geleitete, „Schau´n Sie sich das an“ wurde bald sein Markenzeichen.

Was das mit der gerade angelobten schwarz türkisen, sehr dunkel grünen Regierung zu tun hat?

Nun, nach 100 Tagen sondieren, verhandeln und 326 übereinkommenden Seiten (Tükisch-Grüne Gesundheit: Programm oder Übereinkommen) beantworten die frisch eingesetzten Regierungsmitglieder konkrete Fragen extrem vage und einem Appell doch darauf zu vertrauen, dass das alles gut werden wird, weil man ja zu den Guten zählt:

Ausweichend fiel die Antwort Kurz’ auf die Frage aus, warum im Regierungsprogramm nicht die Abschaffung des Dieselprivilegs festgeschrieben sei. Das Programm schaue so aus, wie es ausschaue. Er werde jetzt keine Frage beantworten, bei der man sich in der Koalition geeinigt habe, sie noch weiter zu diskutieren.
Aufs Ausweichen verstand sich freilich auch Kogler gut, als die Sprache auf die geplante Sicherungshaft kam. Auf die Frage, ob die Grünen bei einer womöglich nötigen Verfassungsänderung mitstimmen würden, verwies der Vizekanzler auf die entsprechende Stelle im Regierungsprogramm. „Wir gehen von der bestehenden Verfassung aus“, so Kogler. Ausschließen wollte er eine Änderung dann aber doch nicht, „weil die Formulierung grammatikalisch diese Möglichkeit zulässt“. Link

Offen ließ der Kanzler, ob die Abschaffung der Kalten Progression in dieser Legislaturperiode kommen werde. 
Ob der erhöhte Spitzensteuersatz von 55 Prozent tatsächlich auslaufen wird (weil im Regierungsprogramm nicht erwähnt), ist laut Kurz ebenso „noch nicht entschieden“.
Bei der Frage der (in der vergangenen Legislaturperiode von der Opposition heftig kritisierten) Generalsekretäre ließ Kogler die Möglichkeit offen, einen solchen etwa im großen Umwelt- und Verkehrsressort von Leonore Gewessler zu installieren. „Das kann da und dort schon Sinn machen“, so Kogler. Gewessler wollte sich hier im ORF-„Report“ noch nicht festlegen. Link

Erster Ministerrat – Kogler und Blümel verraten nicht viel

Wählte man Kogler bei der EU-Wahl für seinen Anspruch die Union zu verändern, sitzt dort neben Köchin Sarah Wiener, … ja wer eigentlich? 

Wählte man einst die Liste Pilz vulgo Liste Jetzt wegen deren eloquenten Justizsprecherin Zadic fand man jene ab Oktober 2019 bei den Grünen und ab sofort als Bundesministerin für Justiz.

Wählte man Altkanzler Kurz wegen seines Versprechens einer ordentlichen Mitte-Rechts-Politik erklärt er nun, dass Mitte und Rechts schon allen von seiner ÖVP repräsentiert wird und sein Koalitionspartner halt eine Ökobewegung wäre.

Nahm man das Angebot der ehemaligen EU-Abgeordneten Lunacek (Grüne) bei der vorletzten Wahl nicht an, bekam man sie nun in letzter Minute als Kulturstaatssekretärin wieder.

Das Spielchen könnte man noch lange weiterführen um zu beweisen, dass wir die Old School Demokratie (Parteien sagen was sie wollen und werden dafür proportional zum Wählerwillen gewählt) längst hinter uns gelassen haben und uns nach der Wahl halt anschauen dürfen, was da mit unseren Stimmen aus der Wahlurne gemacht wird.

Wählen dürfen wir ja noch, danach tritt dann irgendwer vor den Vorhang und sagt: Schau’n Sie sich das an.

Leider ist das aber nicht mehr der Farkas. Bei dem wusste man wenigstens noch, dass er auf der Bühne stehen wird, als man sich die Eintrittskarte gekauft hat. Heute sucht man ihn vergeblich.

Liegt aber voll im Trend, oder war ihnen vor der EU-Wahl klar, dass wir einen Green Deal mit der ehemaligen Bundesverteidigungsministerin Frau Kollegin Van der Leyen gewählt haben?

Written by medicus58

8. Januar 2020 at 16:53

Sehe Schwarz für das Gesundheitssystem unter Türkis Grün

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Jetzt zählt Ihr Medicus ja zu denjenigen, die sich in seiner Schwarzmalerei gerne falsifizieren lassen, aber bei allen Jubelmeldungen zum kuscheligen Stil der laufenden Koalitionsverhandlungen fällt doch auf, dass das Gesundheitssystem kaum Thema sein dürfte.

Haben Gerüchte Recht, sprechen gerade Wöginger (HAK Absolvent, Rot Kreuz Präsi, OÖ ÖABBler und Sozialsprecher der VP) und Hebein (diplomierte Sozialarbeiterin, Caritas Bahnhofsozialdienst, ARGE Wehrdienstverweigerung (Gruppe für Totalverweigerung und Planunsstadträtin in Wien) über die zukünftige türkis-grüne Gesundheitspolitik.

Angesichts der riesigen Baustellen, die Hartinger-Klein und ihr VP Verteidiger August Wöginger zurück gelassen haben (holprige Kassenzusammenkegung, Übermacht der Arbeitgeber und Wirtschaft, fehlende Leistungsharmonisierung, Pflegeversicherung, Primärversorgungszentren am Papier, Rettungswesen, sinnlose telefonische Helpdesk,….), fehlt mir die Hoffnung, dass der verhaltensauffällige Innviertler unter dem Einfluss seines grünen Gegenübers plötzlich all den Grauslichkeiten der letzten Regierung abschwören wird, den überproportionalen Einfluß der Wirtschaftskammer zurück drängen oder nicht erneut dem Koalitionspartner die Kastanien rüberschieben wird.

Erinnern wir uns welche Projekte der letzten Regierung den größten Staub aufgewirbelt haben, wird uns meist eine völlig überforderte FP Ministerin Hartinger-Klein einfallen, die zu letzte immer hysterischer und faktenbefreiter schönreden musste, was der FPÖ und ihrem Klientel weniger nützte als dem türkisen Fanclub.

Vielleicht verstehen Sie nun meine Sorge, wie wenig aus den Koalitionsverhandlungen über die Gesundheitswesen zu hören ist.

Written by medicus58

4. Dezember 2019 at 19:46

Schwitzend erregt

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Sommer hieß doch früher:

ab in die Sonne,

auch wenn das für viele nur mit dem Golf bis nach Bibione bedeutete.

Angesichts der aktuellen Temperaturen bei uns, klingt die Vorstellung von noch mehr Sonne und noch mehr blauem Himmel am Ende eines aus gebuchten Charterfluges eher nach Strafverschärfung als nach Traumurlaub. Und nur Zyniker erinnern an Rudi Carells Wann wird’s mal wieder richtig Sommer.

Im Netz wird heiß über Klimaanlagen v. s. Jalousien debattiert und bei den Salzburger Festspielen erkennt Peter Sellars dass bereits Mozart vor dem Klimawandel warnte.

Alle sind sich einig, dass die Politik etwas gegen die Klimaerwärmung tun sollte, aber seit Jahren werden in erster Linie Lösungen präsentiert, an denen irgendwer nur gut verdienen kann, deren ökologische Wirkung aber hinterfragbar ist. Wir erinnern uns an die Förderung von Neuwagen und – LKWs und jetzt eben der Schrei nach E-Mobilität.

Wenn aktuell die österreichischen Grünen wieder die seit Jahren geforderten und durchaus berechtigt Einschnitte fordern, wie einen Planungsstopp bei Fehlinvestitionen im Verkehrsbereich, die Abschaffung „perverser“ Steuerprivilegien etwa bei Kerosin oder Diesel, dann kommt klarerweise auch der Ausbau des Radverkehrs und die Deadline für die Neuzulassung von mit fossilen Treibstoffen betriebenen Fahrzeugen aber keine Kritik am globalisierten Handel. So links wollen wir es dann doch nicht und damit den Wähler verschrecken. Dass man sich aber damit kaum vom Umweltgesäusel der Mitbewerber abhebt, ist egal.

Allein die fünfzehn grössten Schiffe der Welt stossen pro Jahr so viele Schadstoffe aus wie 750 Millionen Autos. (Link SFR)

Schön wenn sich der Bobo gut fühlt, wenn er mit seinem Bike durch die Begegnungszone düst und dabei stolz seine Funktionswäsche designed in Germany made in China herzeigt.
Wenn er nicht bereit ist Politiker
zu wählen, die eine Umstellung unseres gesamten kapitalistischen Wirtschaftssystems einleiten wollen, dann wird das nix mit der Rettung der Welt. Wo er aber solche Politiker findet, das wäre ein anderer Beitrag.

Der Chia Samen am Smoothie,
Quinoa im Weckerl wurde bei uns zum Statussymbol und selbst in Zweite Ländern am anderen Ende der Welt wird schon (wie bei uns) Knoblauch aus China angeboten. Für den Preis einer guten Weinflasche aus Chile kann der hiesige Winzer Ihnen nichtmal einen leere Flasche etiketten und verkorken.

Wer am Friday for future wieder was von der Politik verlangt und sich dabei auch noch revolutionär fühlt, sollte sich mal überlegen, ob er jemals eine Partei gewählt hat, die ihm nur ansatzweise sinnvolle Einschnitte abverlangt hätte und auch darauf aufmerksam gemacht hat, dass das alles kaum innerhalb unseres jetzigen globalisierten (Wachstums-)Kapitalismus gehen wird.

Nein, es geht nicht primär um die Mobilität des Einzelnen sondern um die Produktion und den Transport all seiner Ge- und Verbrauchsgüter.

Das alles muss nicht den Verzicht auf jeden Spaß bedeuten, aber irgendwie wieder den Knoblauch aus dem Burgenland, das Korn aus dem Marchfeld und den Urlaub in Hotels in denen ein Teil der Wertschöpfung den Einheimischen zu Gute kommt und nicht auf riesigen schwimmenden Hotelburgen, die ihre Gäste nur kurz ans Ufer lassen, ihre Gewinne aber off shore behalten,… um wieder zum Thema Urlaub zurück kehren.

Written by medicus58

26. Juli 2019 at 18:40

Woran es im KAV krankt ist nicht nur die Arbeitszeit, und wofür wir streiken sollten

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Für ein Ende der politischen Nebelgranaten!

Die Stadt Wien ist pleite und spart massiv in den öffentlichen Krankenanstalten und Pflegeheimen.
Die Patientenversorgung wird herunter gefahren.
Hinter dem Titel der Schwerpunktbildung werden Kontingentierungen für die Patientenversorgung eingeführt.

Die Potemkinschen Spitäler https://medicus58.wordpress.com/2012/07/11/die-potemkinschen-spitaler/

Schwerpunktbildung ist das gesundheitspolitische Codewort für Einsparung https://medicus58.wordpress.com/2015/12/04/schwerpunktbildung-ist-das-gesundheitspolitische-codewort-fuer-einsparung/

Schwerpunktbildung: Öffis und das neue Mantra der Gesundheitspolitik: Schwerpunktbildung https://medicus58.wordpress.com/2012/12/07/schwerpunktbildung-offis-und-das-neue-mantra-der-gesundheitspolitik-schwerpunktbildung/

Für eine Gesamtreform der extra- und intramuralen Versorgung dieser Stadt

Die extramurale Versorgung in Wien funktioniert nur mehr durch die Spitalsambulanzen und für einige Fächer durch die stillen Selbstbehalte in Wahlarzt- oder Privatordinationen, da die Kassenordinationen durch unbesetzte Stellen, Kontingentierungen, Bürokratie und nicht mehr kostendeckende Tarife die Versorgung nicht-spitalsbedürftiger Patienten nicht mehr leisten können.
PHCs werden nicht im Sinne der Versorgungswissenschaften als additive Versorgungsstruktur geplant, sondern, um den freien Beruf des Arztes und die freie Arztwahl des Patienten zu umgehen.

Wartezeiten, stilles Regulativ im Gesundheitssystem https://medicus58.wordpress.com/2016/02/08/wartezeiten-stilles-regulativ-im-gesundheitssystem/
PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich? https://medicus58.wordpress.com/2015/08/31/phc-fuer-wie-bloed-halten-uns-die-eigentlich/ 

Für eine echte Interessenvertretung von Patienteninteressen

Jeder Steuerzahler wird früher oder später zum Patienten. Die sogenannten Patientenanwälte sind aber parteipolitisch von den Landesregierungen ausgewählte Personen, um individuelle Streitfälle zu schlichten, sich aber – im Gegensatz zur ihrer Bezeichnung – einer strukturellen Kritik der Gesundheitsversorgung enthalten, da sie damit in Konflikt mit den Personen geraten, deren Bestellung sie zu verdanken haben.

Wessen Anwalt ist denn ein Patientenanwalt? https://medicus58.wordpress.com/2016/06/29/wessen-anwalt-ist-denn-ein-patientenanwalt/
Patientenanwaltschaft muss dringend reformiert werden https://medicus58.wordpress.com/2015/06/12/patientenanwaltschaft-muss-dringend-reformiert-werden/
Sigrid Pilz: Von Traumjobs kann man nie genug kriegen http://wp.me/p1kfuX-wh

Für eine echte arbeitsrechtliche Vertretung von Ärzte und Pflege

Weder eine politisch mit der Arbeitgeberin personell und ideologisch verlinkte Gewerkschaft/Personalvertretung noch eine
durch gesetzlich vorgegebene Bruchlinien (Kuriensystem) an inneren Konflikten scheiternde Ärztekammer
konnten sich in den letzten eineinhalb Jahren gegen eine Arbeitgeberin durchsetzen.
Der Maulkorb des Dienstrechts erleichtert es der Dienstgeberin ohne sachlichen Widerspruch die mediale Meinungshoheit zu behaupten.
Kritiker werden mundtot gemacht.

PSST: Ohne Worte https://medicus58.wordpress.com/2016/04/21/psst-ohne-worte/

Räderwerk der Macht: Wie das alles zusammenhängt https://medicus58.wordpress.com/2016/03/02/raederwerk-der-macht-wie-das-alles-zusammenhaengt/

Für eine neue politische und organisatorische Führung des Wiener Krankenanstaltenverbundes 

Diese sicher sehr weitgehende Forderung muss Außenstehenden detaillierter erklärt werden, um zu erkennen, wie hier mit Hilfe gut dotierter Berater und eines kleinen „parteipolitischen Freundeskreises“ seit Jahren die intramuralen Strukturen demontiert wurden und der Schein einer früheren Versorgungsqualität nur noch durch die Selbstausbeutung von Ärzteschaft und Pflege aufrecht erhalten wird.

Die verspätete Umsetzung einer EU Richtlinie wird in Wien für Personalabbau missbraucht, da die Stadt Pleite ist, wird das aber mit enormem PR Aufwand als Qualitätsverbesserung (mehr Ärzte tagsüber) verkauft.
Wer sich dem entgegenstellt wird desavouiert und politisch kalt gestellt (Fall Rainer):

Im August 2014 wurde von SPÖVP das Österr. KA-AZG verspätet und unter Strafandrohung aus Brüssel an die seit 2003 (!) geltenden EU Ärztearbeitszeiten angepasst. Selbst jetzt vermeidet die Politik, wie im Jahrzehnt vorher, jede Diskussion mit den Betroffenen und der ehemalige ÖGB Chef und damalige Sozialminister Hundstorfer peitscht die Novelle ohne der üblichen Begutachtung durch.

Ärztearbeitszeitgesetz: Die Chronologie des Wahnsinns im KAV https://medicus58.wordpress.com/2015/01/15/arztearbeitszeitgesetz-die-chronologie-des-wahnsinns/

Die verzögerte Umsetzung passierte nicht zufällig, sondern war der politische Wille der Gesundheitspolitiker, allen voran Stadträtin Wehselys, um möglichst lange die ärztliche 24/7 Anwesenheit kostengünstig in den öffentlichen Spitälern anbieten zu können. Natürlich hatten die Arrivierten (nicht die Turnusärzte) auch daraus Vorteile, dass die Tagespräsenz durch die verpflichtenden Nachtdienste reduziert wurde (Privatprdination, -krankenhaus), aber in 11 Jahren wäre ein konsensualer Umbau des Wiener Krankenhausverbundes leicht möglich gewesen, hätte das die Politik gewollt.
Jetzt ersetzen rasch aus dem Hut hochbezahlter externer Berater gezauberter Konzeptpapiere eine konsensuale Sachpolitik und niemand kann verstehen, weshalb gesetzlich reduzierte Anwesenheit, gleichzeitig zu keiner Leistungsreduktion und zu einer höheren Tagespräsenz führen sollte. Das sprangen aber die hoch bezahlten externen Berater und der vom Schreibtisch aus Deutschland weg-engagierte Generaldirektor hilfreich zur Seite (siehe c) unten).
Bis auf den heutigen Tag bleibt aus der medialen Diskussion überdies heraus, dass eine höhere Tagespräsenz der Ärzte oder vermehrte (verlängerte) Präsenz von Pflege, Verwaltung und anderen Berufsgruppen überhaupt ein Schildbürgerstreich ist!

Als der Versuch sich alles zwischen KAV und SP-dominierter Gewerkschaft (GdG bzw. HG II) auszuschnapsen fehl schlug, wurden nach in Kraft treten des KA-AZG plötzlich Ärztekammer und Personalvertretungen zu (Schein-)verhandlungen geladen und unter enormen Zeitdruck und medialer Propaganda mehreres gleichzeitig „gelöst“:

a) die Umsetzung des KA-AZG, mit einer Reduktion der maximal möglichen ärztlichen Gesamtarbeitszeit
b) eine Neuberechnung und Neu-Entlohnung der ärztlichen Arbeitszeit, um den durch a) drohenden Gehaltsverlust und die absehbare Kündigungswelle abzufangen
c) eine Kostendämpfung durch eine Reduktion von Überstunden und Nachtdiensträdern und 24h-Diensten
d) implizit auch der neue Masterplan (Masterplan: Wir sparen, koste es was es wolle https://medicus58.wordpress.com/2016/03/16/masterplan-wir-sparen-koste-es-was-es-wolle/) nur schien dies den Verhandlern nicht so ganz bewusst ..

 

c) basierte wesentlich auf der Rechnung externen Berater, die Wehselys Problem zu lösen schienen, indem sie vorrechneten, dass die Stadt im Falle eines 24h-Dienstes auch für die gesetzlich zustehenden Ruhezeiten (wie viele das waren wurde sehr unterschiedlich kommuniziert) bezahlen müsse (Wehsely Originalton: „Bezahlen Ärzte nicht fürs Schlafen„) und eine Umstellung auf einen 12,5h Wechseldienst, wie in der Pflege, plötzlich pro Nachtdienst 5 Stunden ersatzlos einzusparen wären. Somit schien das Wiener Perpetuum mobile [ a)-d) ] wundersamerweise ins Laufen gebracht: Weniger Ärzte, mit weniger Arbeitszeit, leisten einfach mehr!
Insgesamt sollen so 112 Nachtdienste und somit 382 VollzeitÄquivalente (also Arztposten) eingespart werden können, wenn bis 2018 zusätzliche Rahmenbedingungen erfüllt würden:

Schwerpunktsetzungen in der Akutversorgung (=Reduktion des lokalen Leistungsangebotes)
Reduktion der Leistung nach 20 Uhr (=Notversorgung bis zum folgenden Morgen aller Patienten, die nicht sofort operiert oder auf einer Intensivstation landen, also eine Versorgungstiefe wie beim Praktiker, halt nicht im eigenen Bett)
Reduktion der Rettungszufahrten (=was die Stadt Wien nicht wirklich beeinflussen kann, insbesondere weil sie die Strukturprobleme bei der Wiener Rettung und in der extramuralen Versorgung durch die politisch gleichgefärbte Gebietskrankenkasse negiert)
Ausbau der Zentralen Notaufnahmen (= überall 4 ND Räder, nur im Donauspital ging es auch mit weniger ….)
Pooldienste bei chirurgischen Fächern (=Assistenzen assistieren Operateuren bei schwierigen Operationen, die sie gar nicht kennen ….)
Skill & Grade (=Übernahme von Blutabnahmen und Infusionsdiensten durch die Pflege, etwas was schon längst in anderen Spitälern umgesetzt wurde, aber nun der Pflege überfallsartig umgehängt wurde …)
eine allfällige Reduktion des  Personalstandes… durch Nichtnachbesetzung bei Pensionierungen und Nichtverlängerungen befristeter Dienstverträge sowie Reduktion der Aufnahmezahl von Turnusärzten analog des zukünftigen Versorgungsbedarfs.“

Die Gewerkschaft machte die Mauer und die Gehaltsreform (Wehsely: 30%-ige Gehaltserhöhung bei weniger Arbeitszeit)wurde im Gemeinderat mit Regierungsmehrheit beschlossen.
Die in sich zerstrittene Kammerführung zog ihre (unter Vorbehalt gegebenen?) Zustimmung nach Protesten und einer Mitgliederbefragung zurück und stimmte, nach einem Alleingang einiger weniger Kammerfunktionäre und des Kammeramtspräsidenten
im Juni 2015 knapp vor einer Entscheidung für den Streik, plötzlich Wehselys „Vereinbarung zum Paket Dienstzeitmodell und Besoldung der ÄrztInnen im KAV“ zu.

Seither scheint aber unklar, welche der vielen Schriftstücke nun gilt oder nicht, einig scheint man sich aber zu sein, dass es zu einer Reduktion der ND-Räder kommen wird und dass eine Arbeitszeitflexibilisierung von beiden Seiten gut geheißen wird. Klar wird aber immer mehr, dass alle Beteiligten nicht ganz wussten, worunter sie ihre Unterschriften setzten.

Nachträglich sagen alle (einschließlich der FSG Gewerkschafter) , außer natürlich die Stadträtin und ihre Berater, dass sie ohnehin wussten, dass das Model durch den Wegfall früherer Pauschalen zu einer massiven Kostensteigerung führen würde, gesagt hat es aber offenbar damals keiner.
Obwohl die Arbeitgeberin schon zu Beginn 2015 offenbar genau wusste, wie viele Ärzte es braucht, um die erforderliche Leistung zu erbringen, versuchte sie (wiederum unterstützt vom roten gewerkschaftlichen Trachtenpärchen: Meidlinger und Jonak) im Frühsommer 2016 die ärztliche Arbeitsleistung erstmals via App zu erheben.
Für die Ärztekammer und eigentlich jeden gesundheitspolitisch Interessierten waren der Ausbau der zentralen Notaufnahmen die wichtigste Rahmenbedingung, um in der Nacht mit einer geringeren ärztlichen Präsenz das Auslangen finden zu können, der KAV und einige ärztliche Direktoren sahen das plötzlich anders.

In der unübersehbare Finanznot der Stadt Wien (http://kurier.at/chronik/wien/wien-startet-groesste-verwaltungsreform-der-geschichte/194.075.741) und bei
steigenden Ausgaben für das KH Nord (Nordlichter, weshalb der Stadt für Ärzte und Pflege kein Geld mehr bleibt https://medicus58.wordpress.com/2015/04/30/nordlichter-weshalb-der-stadt-fur-arzte-und-pflege-kein-geld-mehr-bleibt/), sowie die
Verzögerungen bei den Begleitmaßnahmen (Personalmisere Wiener Rettung, Flop  des PHCs beim Donauspital, keine Ausbaumöglichkeiten für einige Notfallaufnahmen, ….), bliebt nun nichts anderes mehr übrig,
als die Notbremse (Abteilungssperren, sofortige Nachtdienstreduktionen, 40 Stunden-Woche ungeachtet der anschwellenden Patientenströme, fehlendes Personalbudget, …. ) zu ziehen.

Auch wenn die APA und Gratismedien mit anderslautenden Wortmelden überschwemmt werden, letztendlich blieb von allen Planungen unter dem Diktat der leeren Kassen nur die Schnapsidee (Umstellung auf 12,5 h ND ohne Schlaferlaubnis) übrig.

Natürlich hat der Ärztekammerpräsident Szekeres Recht, wenn er der KAV Führung Unfähigkeit vorwirft, wie es heute GD Janßen in Wien heute beklagte).
Wer ernsthaft behauptet, dass es unter diesen Rahmenbedingungen (reduzierte Wochenarbeitszeit, mehr Dienstantritte und Übergaben, vermehrte gesetzliche Ruhephasen) ohne Personalaufstockung bei gleicher Leistung zu einer vermehrten Tagespräsenz der Ärzte kommen kann, der sollte Grundrechnungsarten üben und den Beratern, die sowas vorrechneten keine Millionen zahlen. Wenn es sowas bei den Metallern gegeben hätte, wären ÖGB und Arbeiterkammer Sturm gelaufen.

Wenn wir nun erneut über Streik abstimmen, dann geht es (im Gegensatz zu den Medienberichten) NICHT NUR um Ärztearbeitszeiten.

Es geht auch um den Umgang mit hochqualifizierten Mitarbeitern, deren dienstrechtlichen Maulkorb man ausnützt um unverfrorenen Agitprop zu betreiben.

Letztendlich haben sich in diesen eineinhalb Jahren alle Verhandlungspartner (Stadträtin, Gewerkschaft, Personalvertretung, Ärztekammer) in einem durch bewusstes politisches Versagen unter unnötigem Druck abgehaltenden Verhandlungen so lange gegenseitig über den Tisch zu ziehen, bis nichts mehr ging und die PR-Maschine der rot-grünen Stadtregierung nur mehr auf tiefstem Niveau foulte.

All das müsste die Wiener nicht interessieren.
Da diese Ereignisse  aber nur der vorläufige Schlusspunkt einer systematischen Aushöhlung der öffentlichen Gesundheitsversorgung dieser Stadt darstellen, handelt es sich nun
NICHT UM EINEN ARBEITSKAMPF UM ÄRZTEDIENSTZEITEN,
SONDERN OB UNS ÄRZTEN ODER EINER STADTRÄTIN UND IHREN MIT STEUERGELDERN HOCHDOTIERTEN MIETMÄULERN,  BERATERN UND PARTEIGENOSSEN GEGLAUBT WIRD,
DASS SIE UM EINE GUTE PATIENTENVERSORGUNG IN DIESER STADT KÄMPFEN.

 

Natürlich haben hier alle auch Partikularinteressen:
Wenn aber gerade Wehsely ihrem ehemaligen Parteimitglied Szekeres ausrichtet, dass es ihm nur um die nächste (Kammer-)Wahl gehen würde, klingt das aus dem Munde einer Berufspolitikerin nicht unlustig.

Natürlich wollen auch angestellte Ärzte ein gerechtes Gehalt und eine annehmbare Work-Life-Balance.
Aber lassen wir es einmal darauf ankommen, wenn alle Karten auf dem Tisch liegen, die wir aus dienstrechtlichen Gründen nicht öffentlich machen können, wem dann mehr geglaubt wird.
Jeder von uns kennt die Situation im Aufklärungsgespräch mit unseren Patienten, wenn diese uns die Frage stellen:

Und was würden Sie an meiner Stelle tun?

Ich bezweifle, dass dies Frau Wehsely, Herr Janßen oder Herr Hohenauer so oft hört!

 

PS: Frau Stadträtin, ich kandidiere für keine Fraktion bei den Kammerwahlen …..

Written by medicus58

17. August 2016 at 20:15

Bittschrift? Nein! Rechte müssen verlangt werden.

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Betteln

Eine Petition (lateinisch petitio ‚Bittschrift‘, ‚Gesuch‘, ‚Eingabe‘; bildungssprachlich auch Adresse) ist ein Schreiben (eine Bittschrift, ein Ersuchen, eine Beschwerde) an eine zuständige Stelle, zum Beispiel eine Behörde oder Volksvertretung. Dabei kann grundsätzlich unterschieden werden zwischen Ersuchen, die auf die Regelung eines allgemeinen politischen Gegenstands zielen (z. B. den Beschluss oder die Änderung eines Gesetzes durch das Parlament, die Änderung einer Verfahrensweise in einer Behörde), und Beschwerden, die um Abhilfe eines individuell erfahrenen Unrechts (z. B. eine formal zwar zulässige, aber als unverhältnismäßig empfundene Behördenentscheidung) bitten. Der Einsender einer Petition wird Petent genannt.
Die Zulässigkeit von Petitionen ist ein allgemein anerkannter Bestandteil der demokratischen Grundrechte eines jeden Bürgers.

So definiert aktuell die Wikipedia eine Petition: https://de.wikipedia.org/wiki/Petition

Im Zusammenhang mit dem kommissionell beschlossenen Auslaufen des Arbeitsvertrages von Kollegen Rainer (Dr. Rainer kann nicht KAV Generaldirektor werden: Fehlendes Gesamtinteresse der Stadt Wien gegenüber http://wp.me/s1kfuX-titel) laufen derzeit zwei sogenannte Petitionen, die eine Rücknahme dieses Spruches vom Wiener Krankenanstaltenverbund verlangen:

 
Eine wurde von der Wiener Ärztekammer gestartet:

„Sehr geehrter Herr Generaldirektor Janßen,
Herr Kollege Gernot Rainer hat seitens seines Dienstvorgesetzten und der Patienten Bestnoten für seine fachliche Qualifikation erhalten. Trotzdem hat er den beantragten Dauervertrag nicht erhalten, dies aufgrund unserer Meinung nach berechtigter Kritik im Interesse seiner Patientinnen und Patienten und der Kollegenschaft. Wir fordern Sie auf, Ihre Entscheidung zu revidieren und Dr. Rainer weiter zu beschäftigen.“
http://www2.aekwien.at/py/petition.py

Die andere wurde schon früher von AsklepiosGewerkschaft für angestellte Ärztinnen und Ärzte in Österreich (http://www.activism.com/de_AT/petition/petition-gegen-die-k-ndigung-von-dr-gernot-rainer/195076) ins Netz gestellt und richtet sich explizit an alle Wiener und Wienerinnen:

Wir rufen ALLE Wienerinnen und Wiener, die ihre Gesundheitsversorgung als wichtiges Interesse der Stadt Wien ansehen, ALLE MedizinstudentInnen und JungmedizinerInnen, die ihre Zukunft nicht in diesem KAV sehen, ALLE angestellten und niedergelassenen ÄrztInnen, die sich das Recht auf kritische Reflexion ihrer Arbeitsbedingungen erhalten wollen und die Ärztekammern auf, diese Petition gegen die Kündigung von Dr. Gernot Rainer und somit für Meinungsfreiheit zu unterstützen.
Der Vertrag des Lungenfacharztes Dr. Gernot Rainer wurde nach Beschluss einer Kommission nicht weiter verlängert. Für diese Entscheidung gibt es keinerlei fachliche Begründungen, einzig: er hat eine eigene Gewerkschaft gegründet, um die Interessen der angestellten Ärztinnen und Ärzte realitätsnaher vertreten zu sehen. Dieses Anliegen hat die bestehenden Strukturen angegriffen. Diese Strukturen leben von intransparenten Entscheidungen und fühlen sich in erster Linie ihren eigenen Interessen verantwortlich. Von dieser Willkür im Umgang mit kritisch-konstruktiven Geistern kann jeder existenziell betroffen sein, der sich um Verbesserung des Systems bemüht. Das darf nicht akzeptiert werden!

 

Ich ersuche alle Leser dieses Blog nachdrücklich zu überlegen, ob sie sich nicht einer dieser Aktionen anschließen sollten. Gerade weil ein rezentes Interview von Bürgermeister Häupl mit der Presse noch keinerlei Unrechtsbewusstsein zeigt:

Diese Woche wurde bekannt, dass ein Wiener Pulmologe vom Wiener Krankenanstaltenverbund recht unschön wegbefördert wurde mit dem Argument, er würde sich nicht mit den Gesamtinteressen der Stadt Wien identifizieren.
Und?
Ist das nicht eine komische Erklärung?
Das Nichtverlängern von befristeten Ärzten passiert ungefähr 180 Mal im Jahr in Wien. Wenn der Herr nicht über entsprechende mediale Kontakte verfügen würde, weil er Obmann eines privaten Vereins ist, der sich Gewerkschaft nennt, würde kein Mensch darüber diskutieren. Ich war mit diesem Fall jedenfalls nicht befasst. Und werde mich da auch nicht reinziehen lassen – auch wenn man sich größte Mühe gibt.
Das Ziel ist es also, den Bürgermeister über seine Frau anzugreifen?
Das ist naheliegend. Meine Frau ist Ärztliche Direktorin und hat daher sowohl die fachliche Beurteilung als auch den einstimmigen Beschluss der Kommission an den KAV weitergeleitet. Das ist ihr Job. Weder ich noch sie haben Einfluss genommen auf den Beschluss der Kommission.
Aber sollte nicht die fachliche Qualifikation des Arztes entscheidend sein?
Aber – meine Herren! Es war sicherlich der frühere Chefredakteur der „Presse“, Andreas Unterberger, ein ausgezeichneter Journalist. Trotzdem musste er gehen.
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/4930145/Haeupl_Kein-Doktor-Schussel-weit-und-breit?

Entlarvend für das ideologiefreie Machtverständnis Häupls ist dies Aussage auch deshalb, weil Chefredakteur Unterberger unter FPÖVP/BZÖ aus der Presse entfernt wurde und es 2005 Schüssel persönlich war (das aktuelle Presseinterview ist schließlich übertitelt: Michael Häupl: „Kein Doktor Schüssel weit und breit“) der ihn in die Wiener Zeitung brachte, eine Zeitung, die im Auftrag der Repuplik erscheint. Danach waren es Rot/Grün, die so lange gegen Unterberger geschossen haben (2007 http://derstandard.at/2921394/Unterberger-soll-bleiben) bis er 2009 auch von dort entfernt wurde. In all seiner Selbstgefälligkeit hat Häupl hier das gesagt, worum es auch im „Falle Rainer“ wirklich geht und was Sperl in seinem oben zitierten Standardkommentar schon 2007 über den „Fall Unterberger“ gesagt hat:

Pressefreiheit gibt es offenbar nur für jene, welche die gleiche oder eine ähnliche Weltanschauung vertreten. 

Sperl, der damals selbst nur noch 2 Wochen Chefredakteur des Standards bleiben sollte, legte in seinem Kommentar auch noch nach:

Nur wenige Kommentare des Kollegen in der „Wiener Zeitung“ könnte ich unterschreiben. Aber das ist medialer Pluralismus. Und Unterbergers Stimme zusammen mit einigen seiner Kolumnisten eine wichtige Abrundung des Meinungsspektrums dieser Republik.

Der Wiener Krankenanstaltenverbund ist ebenso wie die Wiener Zeitung kein Privatunternehmen, die Eigentümer sind letztendlich die Bürger dieser Stadt bzw. dieses Landes.

Bürgermeister, Stadträtinnen, Generaldirektoren bzw. Bundeskanzler oder Chefredakteure haben ihren Einfluss in diesen Bereichen meines Erachtens nach nur „treuhänderisch“ von der Mehrheit der Wähler verliehen bekommen.
Der Treunehmer ist gebunden, die Sache im Sinne des Treugebers zu verwalten und nur zulässige Verfügungen vorzunehmen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Treuhand

Da zunehmend innerhalb des Krankenanstaltenverbundes die Angst umgeht, in Erwartung ähnlicher Konsequenzen für die eigenen Person, die Petition nicht zu unterzeichnen, sind vor allem definitiv-gestellte Mitarbeiter zur Solidarisierung aufgerufen.
Die Patienten aber mögen sich überlegen, ob sie von Ärzten behandelt werden wollen, denen zunehmend mitgeteilt wird, dass sie, sollten sie sich den Gesamtinteressen der Stadt Wien und ihrer Dienststelle nicht mehr unterwerfen, den Betrieb verlassen sollten.

In einem Betrieb, der per definitionem nicht gemein sondern gemeinnützig sein soll,
der nicht gewinnorientiert und privatisierungsfit gemacht sondern
mit unser aller Steuergeld unser aller medizinische Versorgung unabhängig von der persönlichen ökonomischen Leistungsfähigkeit sichern soll,
und der weder dem Herrn Bürgermeister, noch seiner Frau, noch einem Personalvertreter, noch all denen persönlich gehört, die parallel zu ihrer Tätigkeit im KAV für private Gesundheitsdienstleistungsanbieter arbeiten,
darf auch von diesen nicht geführt werden, als wären sie Mehrheitseigentümer eines börsennotierten Unternehmens oder wäre das einen Bananenrepublik.

Written by medicus58

21. Februar 2016 at 14:00

Rot Grün in Wien: More of the Shame

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rotgruen

Auch wenn nun alle darüber debattieren, wie Frau Vizelakou unter über oder durch die Lobau kommen wird, soll uns bei der Neuauflage unser Landesregierung hier eher beschäftigen, wie es denn mit dem Kahlschlag der öffentlichen Gesundheitsversorgung weiter geht.
Also nehmen wir das Regierungsübereinkommen 2015 zur Hand und lesen nach, was sich die alten und neuen HerrInnen der Stadt so vorgenommen haben.

Solidarische Gesundheitsversorgung, klingt einmal gut, übrigens auf Seite 74 zu finden …
und man warnt vor dem „europaweiten schleichenden Privatisierungsdruck„.

Nur eigenartig, dass man seit Jahren in die Führungsetagen des KAV ausschließlich Leute holte, die im Dienste privater Gesundheitsdienstleistungsanbieter stehen bzw. für die arbeiteten ….

Unter Vereinbarungen beruft man sich auf das 2011 vorgestellte (und seither mehrfach gänzlich veränderte) Wiener Spitalskonzept 2030, also den laufenden Prozess aus vielen kleinen und 5 Schwerpunktspitälern drei Paare ausgehöhlter „Schwerpunkte“ zu basteln. Natürlich vereinbaren auch Rot-Grün die Rolle des AKH, nur halt dumm, dass es weiterhin keine gemeinsame Führung (Stadt/Bund) in Österreichs größtem Spital gibt…

Mit einer Palette an aufeinander abgestimmten Maßnahmen wird die Stadt- und Landesregierung in der kommenden Legislaturperiode sicherstellen, dass Leistungsspektrum und Qualität auch in Zukunft der Erwartunghaltung der breiten Mehrheit der Wiener Bevölkerung entsprechen.

Da die breite Mehrheit der Stadt nicht so schwer krank ist, dass sie den KAV benötigt, kann dieses Vorhaben sogar gelingen. Eine Umfrage unter den ambulanten und stationären Patienten im Wiener Krankenanstaltenverbund würde sicher anderes ergeben. Schwer vorstellbar, dass monatelange Wartezeiten auf Spezialambulanzen, geschlossene Abteilungen und durch Bürokratie und sinnentleertem Reformismus gestresstes Personal der sehnlichsten Erwartung der Wiener entsprechen.

Dazu gehört der Medizinische Masterplan 2030 mit seinen interdisziplinären berufs- und fachübergreifenden Schwerpunktsetzungen sowie die entsprechende Transformationsplanung.

Will heißen, die die es in ein Krankenbett geschafft haben, werden von Eierlegenden-Wollmilch-Säuen betreut, denn Spezialisierung ist vielleicht für die Berater ein Thema, aber in der Medizin muss dann eh jeder alles so irgendwie können.

Die Stadt Wien ist sich bewusst, dass die 30.000 Mitarbeiter des KAV (sind es noch so viele?) … von den tiefgreifenden Veränderungen der letzten und der kommenden Jahre unmittelbar betroffen sind. Daher wird im Spitalskonzept der Fokus zukünftig gezielt aud fie medizinische Kernleistung und die dafür notwendigen Rahmenbedingungen gelegt.

Nur Naive glauben, dass das heißt, dass die desaströse EDV-Infrastruktur  ersetzt wird, die allen Berufsgruppen Nerven und produktive Arbeitszeit kosten. Die Millionen sind ausgegeben (Impuls-KIS, Dienstplanung, .. etc.) und für wirklich zeitgemäße Lösungen fehlt das Geld.

Die PatientInnen müssen optimalen Zugang in zeitlicher sowie räumlicher Hinsicht zu den für sie notwendigen Leistungen haben.

und am besten eine Öffi-Jahreskarte, wenn sie bald für ein Augenproblem nur mehr in die Rudolfstiftung fahren können, wenn die Schilddrüse imPrivatspital operiert wird und die Nachsorge in einer Ambulanz am anderen Ende von Wien erfolgt, wenn in manchen Häusern halt kein Urologe mehr im Nachtdienst zur Verfügung steht, …

Sämtliche Berufsgruppen im KAV werden geschult, um die Qualität der Versorgung von PAtientInnen mit Behinderungen sicher zu stellen und ausreichende Versorgung zu gewährleisten.

Klingt gut, habe aber gehofft, dass das schon bisher der Fall war.

Noch ein bisschen Frauengesundheit und Gut versorgt im Alter und aus ist es mit dem Thema auf Seite 79 …
also Gesundheit und Pflege  auf weniger als 6 Seiten, des 139 Seiten dicken Pamphlets

Wir dürfen also davon ausgehen, dass die Aushöhlung der Spitalslandschaft weiter geht,
im Dezember 2017 jedenfalls die Ströck-Filiale im Krankenhaus Nord eröffnen wird,
die Erweiterung der Notfallaufnahmen aus Platzmangel und die PHCs wegen mangelnder Attraktivität Papiertiger bleiben und
die grüne Patientenanwältin nur jene Fragen aufwirft, die dem Koalitionspartner nicht allzu sehr stören und ihren Posten nicht gefährden …

http://images.derstandard.at/2015/11/14/regierungsuebereinkommen-2015.pdf 

 

 

Written by medicus58

17. November 2015 at 22:31

PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich?

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reformhaus

25.7.2015: OÖ Nachrichten
„Von 1000 Menschen, die ein gesundheitliches Problem haben, muss nur einer stationär im Krankenhaus behandelt werden.“

Mit diesen Worten bringt Andrea Wesenauer, Direktorin der OÖGKK, die Kernaussage der wissenschaftlichen Untersuchung des Sozialmediziners Harald Kamps auf den Punkt.
Demnach könnten 900 der Betroffenen ihr Problem (z. B. Fieber oder verstauchter Knöchel) selbst lösen,
„neun brauchen tatsächlich die Hilfe eines Facharztes oder einer Spitalsambulanz“.
Und die übrigen 90 Betroffenen wären in einem Primärversorgungszentrum (PHC) bestens aufgehoben“, sagt Wesenauer.

In diesem Versorgungszentrum werden 23 Gesundheitsexperten zusammen arbeiten, neben fünf Allgemein-Medizinern auch Diplomkrankenschwestern, Psychologen, Physiotherapeuten und Diätologen (wenn ich richtig rechne also 18 Personen!).
So könne der Physiotherapeut Kreuzschmerzen behandeln, der Diätologe Diabetes-Patienten beraten.

Gleichzeitig hat ein Arzt „mehr Zeit für die Patienten, weil ihm die Krankenschwester Arbeit abnimmt“, sagt der Ennser Stadtarzt Wolfgang Hockl, Projekt-Promotor.

20.8.2015: WGKK: Primärversorgung wird von der Bevölkerung angenommen
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150820_OTS0024/wgkk-primaerversorgung-wird-von-der-bevoelkerung-angenommen

20.8.2015: Wehsely: Primärversorgung stärkt medizinische Versorgung durch bessere Rahmenbedingungen
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150820_OTS0105/wehsely-primaerversorgung-staerkt-medizinische-versorgung-durch-bessere-rahmenbedingungen

21. 8. 2015: „Primärversorgung erfüllt Patientenwünsche“
Albert Maringer: Vorsitzenden des Ausschusses für Krankenversicherung und Prävention im Hauptverband und Chef der OÖGKK
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150821_OTS0094/obmann-albert-maringer-primaerversorgung-erfuellt-patientenwuensche

21.8.2015: Pensionistenverband begrüßt Schaffung von medizinischen Primärversorgungszentren
Edlinger: Einrichtung kommt auch den Interessen der PensionistInnen entgegen
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150821_OTS0073/pensionistenverband-begruesst-schaffung-von-medizinischen-primaerversorgungszentren

Ich finde es super, dass mit den Primärversorgungszentren plötzlich der Stein der Weisen gefunden wurde und alle zufrieden sind, wobei ich nur noch einige Marginalien offen sind …

  1. Hat man den Sozialversicherten schon gesagt, dass 900 von 1000, die ein gesundheitliches Problem haben, es zukünftig gefälligst in Eigenregie zu lösen haben (siehe OÖN)?
  2. Auch interessant, wer die Kompetenz haben wird, den 1 von 1000 herauszufinden, der in ein Spital gehört …
  3. Es gibt dzt. nur ein einziges PHC in ganz Österreich (das in OÖ wird erst Ende (!) 2016 errichtet, für das zweite in Wien findet sich auch in der dritten Ausschreibung kein Interessent).
    Weshalb Frau Gesundheitsstadtätin Wehsely, Ex-Minister Edlinger und Herr Maringer schon wissen, dass das Konzept die Patienten freudig angenommen haben, grenzt scheinbar an Magie.
    In Wahrheit genügt ein Blick auf die persönliche Interessenlage, das Parteibuch oder die Aussicht auf Förderung des eigenen Projekts ….
  4. Aber wenn das alles funktionieren soll, was ich fachlich zwar bezweifle aber natürlich nicht ausschließen kann, solange nicht Erfahrungen mit einem flächendeckenden Netz an österr. PHCs  vorliegen (Vergleiche mit Ländern wie Belgien, das eine andere Versorgungsstruktur haben sind nicht aussagekräftig), bleibt aber eine Frage offen:

Woher kommt das Geld für all die zusätzlichen Gesundheitsdienstleistungsanbieter (Pflege, Psychologen, Physiotherapeuten, Diätologen, …) wenn schon die derzeitigen Kassentarife für Ärzte lächerlich niedrig sind (Der typische Arzt ist ein Hausarzt mit Kassenverträgen und reich  http://wp.me/p1kfuX-jY)?

Da fällt einem doch Erich Kästner ein, der einst sagte, man möge nie so tief sinken, um aus dem Kakao, durch den man gezogen wird, auch noch zu trinken!

 

Weiteres zu PHCs:
Entwarnung, alles wird gut http://wp.me/p1kfuX-XW
Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk http://wp.me/p1kfuX-Vz
Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s http://wp.me/p1kfuX-Un

 

Und noch ein PS: Wenn, was einer der wesentlichen Gründe für die Erfindung der PHCs ist, dadurch die Verhandlungshoheit der Ärztekammern mit den Krankenversicherungen aufgebrochen wird (laut Plan dürfen die Kassen direkt Verträge mit den Ärzten in PHCs schliessen), dann verlange ich ein Ende der Pflichtmitgliedschaft in der Ärztekammer. Es kann nicht sein, dass dann Ärzte weiterhin (übrigens verfassungsrechtlich abgesichert) gezwungen werden hohe Mitgliedbeiträge an eine Kammer abzuliefern, die ihre einzige Vertretungsberechtigung eingebüßt hat …  Wär sicher ein netter Musterprozess ….

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