Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Sonnenuntergang am Zuckerhut

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Sonnenuntergänge sind der von den meisten herbeigesehnte Abschluss langweiliger Belästigungen mit Urlaubserinnerungen der Gastgeber.
Selbst in den Zeiten analoger Fotografie gelangen die Aufnahmen fast ausnahmslos und evozierten die ersehnten „ACHs“ und „OHs“ des pt. Publikums.
Gewiefte „Bilder-an-die-Wand-Werfer“, einschließlich der professionellen Erscheinungsformen, die die Audimaxe der Universitäten füllen, schießen vermutlich einige Sonnenuntergänge auf Vorrat, weil sie sich zwanglos in jede Slideshow einfügen lassen, da sie ohnehin selten eine exakte Ortsbestimmung zulassen. Deshalb erlaube ich mir, hier auch eine Geschichte und das nachfolgende Bild der Serie einzustellen, um dem präsentierten Bild eine gewisse Unverwechselbarkeit zu geben.

Es gibt Städte, die man am besten vom Erdboden aus mit dem Blick in die schwindelnden Höhen seiner Bauten betrachtet, so wie Chicago oder NY (Manhatten), und es gibt Städte, die man am besten von einem erhöhten Standpunkt aus genießt, wie Hongkong (nächtens vom Victoria Peak aus) und Rio de Janerio (vom Zuckerhut aus). Ich hatte dieses Erlebnis erstmals vor 22 Jahren und zuletzt vor zwei Jahren und fand es – trotz sehr unterschiedlicher Rahmenbedingungen – unbeschreiblich schön. 1990 war Rio chaotischer, schmutziger, billiger und es gab am Zuckerhut die Pina colada im großen Papierbecher, wobei der Anteil zwischen Kokosmilch und Rum massiv zugunsten des letzteren verschoben war, nach einigen Jahren der Regierung Lula wirkt die Stadt etwas geordneter, steckten unzählige Jugendliche der Favelas in orangen Uniformen und kehrten die zentralen Bereiche Rios blitzsauber, und für den Preis eines Palmherzensalats im Zentrum kann man in Wien ein Mittagsmenü bekommen und am Zuckerhut gibts keine Pina colada mehr sondern (relativ alkoholarme) Caipirihas aber der Blick auf eine der schönsten Stadtlandschaften der Welt bleibt wie er war: unvergesslich.

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Written by medicus58

23. September 2012 um 13:05

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