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Ausgeschlafene Ärzte interessieren keine Sau, es geht um die Marie

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time

Wie kürzlich hier unter Nebenfront Nebenbeschäftigung? (https://medicus58.wordpress.com/2016/09/18/nebenfront-nebenbeschaeftigung/) berichtet, ist das Problem der Ärztearbeitszeiten in den Spitälern  noch längst nicht gelöst.
Wenn da treuherzig u.a. von der Patientenanwältin Pilz vom „Recht der Patienten auf einen ausgeschlafenen Arzt“ gesprochen wird (ttp://wien.orf.at/news/stories/2787686/), kann dem kaum widersprochen werden, nur entlarvt sich die Politik ohnehin.

Im Gesundheitswesen geht es schon längst nicht mehr um unsere Gesundheit, sondern nur mehr ums Geld.

Nachdem die Politik in Wien drei Jahrzehnte den Ärzten die  Wochenruhezeit vorenthalten und sie dann mit Urlaubstagen (ZZ Tagen) abgespeist hat, was natürlich jetzt ohne Schuld der Ärzte die Überstundenkosten weiter hoch treibt (30 Jahre braucht der KAV um ein Gesetz zu lesen – muss nun der Generaldirektor gehen? https://medicus58.wordpress.com/2013/02/16/30-jahre-braucht-der-kav-um-ein-gesetz-zu-lesen-muss-nun-der-generaldirektor-gehen/ ) 

und man in ganz Österreich bis zur kurz bevorstehenden Bestrafung aus Brüssel das Arbeitsruhe-Gesetz für Ärzte  hinausgezögert hat und es dann mit Übergangsbestimmungen bis 2021 (!) eingeführt hat (Da ist irgendwo der Hund drinnen, Herr Minister Hundstorfer! https://medicus58.wordpress.com/2015/03/10/da-ist-irgendwo-der-hund-drinnen-herr-minister-hundstorfer/ ),

laufen jetzt die Finanz(!!!)-Landesräte der  Bundesländer dem aktuellen Sozialminister die Türen ein, er möge doch die Übergangsbestimmungen des Gesetzes über 2021 verlängern.

Österreich hätte sich zu einer „überschießende Umsetzung“ der europarechtlichen Erfordernisse hinreißen lassen.
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/5096473/Aerztearbeit-eint-Laender-und-Schelling

Nicht unlustig nach einer Bedenkzeit von 13 Jahren!

Nachdem es Jahrzehnte lang billiger war, die Krankenkassen zu entlasten, in dem man die Patienten in Richtung des überwiegend mit Steuergeldern (und nicht durch Arbeitgeberbeiträge co-finanzierten !!!)  Spitalssystem verschoben hat, wurde nun durch die weitgehend (keine Rede von + 50%) einkommensneutrale Reduktion der maximalen Ärztearbeitszeit dieser Schleichweg für die Länder (Politik) einfach zu teuer.
Länder und Gemeinden rechnen im Rahmen des anlaufenden Finanzausgleichs zwischen Bund und Ländern bis 2018 dafür mit
MEHRkosten von 1,2 Milliarden Euro! 

Auf den ersten Blick könnte man meinen, nur das alte Schema zu erkennen:
Die Politik agiert und die Ärztekammer protestiert: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20161005_OTS0027/aerztekammer-lehnt-vorstoss-der-finanzlandesraete-strikt-ab

In Wirklichkeit erleben wir eine der drastischsten Umstrukturierungen im Gesundheitswesen der letzten Jahrzehnte.
Der alleinige Fokus auf die Ärzte ist zwar am Boulevard populär, greift aber viel zu kurz.

Nur deshalb werden Nachtdienste reduziert, nicht weil man plötzlich draufkommt, dass man George Clooney in einer Notfaufnahme installieren kann, sondern weil man es sich nicht mehr leisten kann, die extramuralen Defizite (Kassenverträge, Rettungswesen ohne Notärzte, …) durch die Gangbetten im Krankenhaus auszugleichen,

nur deshalb werden immer mehr der ehemals von Jungärzten erbrachten Tätigkeiten der Pflege umgehängt, nicht weil man plötzlich die Kompetenzen der Pflege erkannt hat, sondern schlicht, weil deren Stundenlohn (Lohn/Gesamtarbeitszeit!) nun -nach der Gehaltsreform (!) – niedriger als der der Ärzte ist,

nur deshalb wurden PHCs erfunden, weil dort, im Gegensatz zur klassischen Hausarztordination, die Öffnungszeiten billiger auch von Nicht-Ärzten abgedeckt werden können, und nicht weil es wirklich Bereiche gibt, für die ein interdisziplinäres Team zu besseren Ergebnissen führt (Diabetes, … etc.)

nur deshalb wurde kürzlich die Pflegeausbildung akademisiert, nicht weil man zukünftig nur mehr akademisierte Pflege einstellen will, sondern weil man beabsichtigt einer „FH Krankenschwester“  nur mehr kostengünstigeres (und geringer ausgebildetetes) Personal zur Seite stellen zu können und trotzdem jemand haben wird, der die Verantwortung übernimmt.

nur deshalb wurde schon vor Jahren die eigenständige Berufsausübung der medizinisch-technischen Dienste (Physio-, Ergotherapeuten, Radiologie-Technologen, ….) ermöglicht, nicht weil man plötzlich deren Kompetenzen zu schätzen gelernt hat, sondern um sich den teuren Umweg über die Ärzte (Diagnose, Indikationsstellung, Erfolgskontrolle, …) zu erparen.

Die Liste könnte ich endlos fortsetzen, aber einen Punkt hat man politisch übersehen:
Unter diesen Umständen stimmen die Menschen mit den Füssen ab und verlassen das politisch kontrollierte Gesundheitswesen.

Gut für die G’stopften und die Privatversicherungen, blöd für den Rest.

Noch macht man den Bürgern, die das so (Pflichtversicherung) oder so (Steuergelder) finanzieren, vor, es würde hier nur um einen Konflikt mit den „Betonierern in der Ärztekammer“ und ein paar „Göttern in Weiß“ gehen. Bin neugierig bis auch die Medien begreifen, welche Veränderungen hier seit Jahren ablaufen.
Vermutlich erst, wenn auch die Pflege und die MTDG begreifen, wie sehr sie instrumentalisiert und verkauft werden …..

 

 

 

 

Written by medicus58

5. Oktober 2016 at 16:50

Wer lange schläft, ist früher tot

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Koelldorfer

wer gestern Heute las,
der stolperte auf der Webseite der Gratiszeitung auf obige Pressekonferenz,
wo Frau Magistra Direktor Kölldorfer-Leitgeb sich u.a. über den Schlafrhythmus der Ärzte verbreitete.
Vermutlich unter das Redaktionsgeheimnis fiel, weshalb dieser Beitrag gemeinsam mit zwei anderen gelistet wurde:

Eine Schock-Studie hat die Universität von Sydney veröffentlicht, nachdem Untersuchungen an 200.000 Personen durchgeführt wurden.
Untersucht wurde das erhöhte Sterberisiko bei Alkoholkonsum, Rauchen und Bewegungsmangel. Eigentlich nichts Neues, würde das Ergebnis nicht heißen,
dass langes Sitzen und langes Schlafen ebenso tödlich wie Saufen und Rauchen wäre.
http://www.heute.at/lifestyle/gesundheit/Wer-laenger-schlaeft-ist-frueher-tot;art23696,1243039

Vermutlich hat das inhaltlich ebenso wenig mit den Ärzten zu tun, wie die gleich darunter verlinkten Essstörungen von Schülerinnen,
andererseits führt uns der Link zum lachenden Konterfei unserer Gesundheitsstadträtin (http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/Drei-Viertel-der-Schuelerinnen-wuenschen-sich-Untergewicht;art23652,1227678),
so dass dass man ob der inhaltlichen Zusammenhanglosigkeit der gebotenen Informationen ins Grübeln kommen könnte.

Aber zurück zur Frau Direktor K-L für Organisationsentwicklung , der Generaldirektor ist in der augenblicklichen Diskussion ja ebenso wie Frau Wehsely im medialen Mariannengraben abgetaucht.

Magistra Kölldorfer-Leitgeb, die es durch bemerkenswertes Engagement schaffte, parallel zum Hauptjob als Pflegedirektorin des KFJ auch Akademische Health Care ManagerIn zu werden und ein Studium für Gesundheitswissenschaften zu absolvieren, weiß,
dass die ganze Aufregung in ihrem Konzern ausschließlich von der Ärztekammer angefacht wurde:

Man darf aber auch nicht vergessen, dass es im kommenden Jahr Ärztekammer-Wahlen gibt. Es gibt jedenfalls in unseren Häusern sehr viele engagierte Ärzte, die den Kopf darüber schütteln, dass hier permanent versucht wird, nötige Veränderungen zu blockieren und zu verhindern.

Kein Wort von den Einsprüchen der Personalvertretungen.
Den „Führungsstil“ des KAV kritisiert auch Wolfgang Weismüller, Personalvertreter der Ärzte im KAV und Vorsitzender des Personalgruppenausschusses Ärzte. Der KAV wolle die wöchentliche Arbeitszeit der Ärzte um jeden Preis von wöchentlich rund 55 Stunden auf 42 reduzieren, was zu einer „unglaublichen Arbeitsverdichtung“ führe und die Aufrechterhaltung des Spitalsbetriebs gefährde.
http://diepresse.com/home/panorama/wien/5043300/Aerzte-drohen-nach-Kurzungen-mit-Streik?from=suche.intern.portal

So ganz sicher ist sie im geforderten Neu-Sprech noch nicht, lässt sie doch durchblicken, wie einseitiger der Prozess war:

Seit einem Jahr sind wir mit den Mitarbeitern im Gespräch, haben unzählige Workshops veranstaltet und dargestellt, wie das neue Dienstzeiten-Modell umzusetzen ist.

http://kurier.at/chronik/wien/krankenhaus-managerin-es-geht-nicht-um-einsparungen/209.260.728

Die ganze Verhöhnung geht aus der Pressemappe zum Thema, die der KAV am 4. Juli verteilt hat hervor:

Die Generaldirektion hat die Umsetzung massiv unterstützt und den Stand der Umsetzung genau beobachtet. Ergebnisse:

  • In den Abteilungen, die auf das neue Dienstzeitmodell umgestellt haben, sind die Vorteile für die MitarbeiterInnen und die PatientInnen evident.

Liest sich doch nach dem wohlwollenden Auge von Big Brother und delegiert wie immer die Schuld nach unten:

  • In vielen Bereichen ist noch nicht gelungen, die Dienstpläne der ÄrztInnen gemäß dem neuen Modell umzugestalten

Warum wohl, weil es nicht genug Ärzte mehr gibt?
Weil sich die Patienten noch immer in den Nachtstunden einbilden akut zu erkranken?
Weil da die Rahmenbedingungen doch noch nicht so erfüllt sind, wie behauptet?

OK, da kann man wirklich nur mehr den Kopf schütteln …

Wir wollen aber auch nicht vergessen, wer bei dieser Pressekonferenz neben Frau Direktor saß und ebenfalls „im Namen der KAV Ärzte sprach“::

Dr. Lothar Mayerhofer,
Ärztlicher Direktor (und ehemaliger OA auf der Notaufnahme, machte seine Managementausbildung auch neben seinem Direktionsjob), Donauspital
Donauspital: Ein Arzt weniger in der Nacht auf der Notaufnahme
http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/Donauspital-Ein-Arzt-weniger-in-der-Nacht;art23652,1302344
Die in Notfallambulanzen notwendige Vorhalteleistung für unvorhersehbare Spitzenbelastungen wird durch die Zusammenarbeit mit der Internistischen Stammabteilung sichergestellt“, betont Mayerhofer.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160620_OTS0120/donauspital-weist-oevp-und-aerztekammer-kritik-an-fehlenden-nachtdiensten-zurueck

… die gerade Dienste einspart und (siehe unten) nicht einmal mehr am Tag genügend Ärzte hat …

Prim. Prof. Dr. Christian Sebesta
2.Medizinische Abteilung, Donauspital UND
Medizinische Abteilung KH Floridsodorf
In den Monaten Juli und August 2016 sind an der Onkologischen Ambulanz der 2. Medizinischen Abteilung keine planbaren Neuvorstellungen von Patienten möglich.“
http://diepresse.com/home/panorama/wien/5048195/Aufregung-um-Sommersperre-im-SMZ-Ost
http://kurier.at/chronik/wien/machtkampf-um-wiens-spitaeler/82.938.022

Prim. ao. Univ.-Prof. Dr. Andreas Steiner 
Dermatologische Abteilung, Wilhelminenspital UND
Dermatologische Abteilung, Krankenhaus Hietzing
http://hautarzt-wien.at/ordination/

Prim. Univ.-Doz. Dr. Christoph Wenisch
Medizinische Abteilung, Kaiser-Franz-Josef-Spital
Seine Ordinationszeiten (gemeinsam mit seinem eigenen  OA Dr. Hermann Laferl)
Mo und Do 15:00 – 18:00

http://www.praxisplan.at/17117/Christoph-Wenisch

Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Hilbe 
Medizinische Abteilung, Wilhelminenspital
Seine Ordinationszeiten im Privaten Ordinationszentrum Döbling
Montag: 16:00 – 18:00

 

Written by medicus58

12. Juli 2016 at 20:16

S=T=R=E=I=K

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Streikabstimmung a
Das war der Stimmzettel vor einem Jahr, jetzt soll wieder abgestimmt werden …
Manchmal holt einen die Wirklichkeit schneller ein als man glaubt ,und man glaubt kaum noch, dass das alles wahr sein kann.

Gestern Sonntag um 18:14 habe ich meinen Beitrag Urlaubszeit, gefährliche Zeit: Management aus dem Hinterhalt (https://medicus58.wordpress.com/2016/07/03/urlaubszeit-gefaehrliche-zeit-management-aus-dem-hinterhalt/) gerade fertig getippt, und auf unsere bösen Erfahrungen  hingewiesen, dass einschneidende Maßnahmen von der KAV Führung traditionell vor dem Wochenende oder Feiertagen oder während der Ferienzeit getroffen werden.
Drei Stunden später kam dann die Mail eines Personalvertreters in dem er mitteilte, dass ihm und anderen Personalvertretern schon am Freitag mitgeteilt wurde, dass ab September
50 Ärzte-Nachtdiensträder – auch „gegen den Willen der Ärzte im KAV“ gestrichen
 und
die Hälfte der restlichen Dienste in einen 12,5 Stunden Schichtdienst umgewandelt werden.

Als ich meinen Beitrag tippte, wusste ich weder von der Sitzung am Freitag, noch von dem eigentlichen Beschluss der Ärztlichen Direktoren des bereits auf Abteilungsebene herunter gebrochenen Einsparungsprogramms vom 8.6.2016, das inzwischen aber auch allgemein zirkuliert.

MERKE: Wer die letzten Jahre im KAV gearbeitet hat, darf getrost immer das Schlimmste annehmen und wird selten falsch liegen!

In der üblichen Beschwichtigungsshow der KAV GD wird den Journalisten am Montag zwar von Michael Binder, dem Leiter des Health Care Management im KAV, erklärt, dass
ein Großteil der Vereinbarungen zwischen Stadt und Ärztevertretern inzwischen umgesetzt worden sei und es sich letztendlich nur um die bereits vereinbarten Verlagerungen der Ärztepräsenz in die Tagesstunden handelt (http://wien.orf.at/news/stories/2783789/),

wahr ist vielmehr,

dass diese „neuen  Notaufnahmen“ in vielen KAV Spitälern aus Raum- und/oder Personalmangel NICHT so funktionieren, dass sie die vereinbarte  Entlastung der anderen Stationen gewährleisten können und

dass zum Beispiel im Donauspital mit dem Segen des Ärztlichen Direktors und ehemaligen Oberarztes der Notaufnahme noch am 20. Juni, also über eine Woche nach der besagten Sitzung der Ärztlichen Direktoren  (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160620_OTS0120/donauspital-weist-oevp-und-aerztekammer-kritik-an-fehlenden-nachtdiensten-zurueck) sogar die Reduktion der Nachtdienste an eben dieser Notaufnahme verteidigt hat:
„Diese neue Diensteinteilung wurde aus voller Überzeugung und zum Wohle sowohl der PatientInnen als auch der behandelnden ÄrztInnen getroffen“, fasste Mayerhofer zusammen. Generell weist der Krankenanstaltenverband darauf hin, dass in stärker belasteten Notaufnahmen, die Zahl der ÄrztInnen zuletzt deutlich aufgestockt wurde. In Hietzing von 11 auf 22 Dienstposten, im Wilhelminenspital von 17 auf 28 Dienstposten.

und dass in dem jetzt vorliegenden Papier auch Nachtdienste in Bereichen gestrichen werden, die, wie z.B. die Kinderabteilung, selbst durch funktionierende Notaufnahmen gar nicht entlastet werden können.

In dem Jahr, seit dem ein Streikbeschluss nur durch eine besonders perfide Zusammenarbeit vom Wiener Kammeramtsdirektor, drei selbstermächtigten Kammerfunktionären und der FSG dominierten Gewerkschaft, in letzter Minute – und natürlich vor der Sommerzeit, abgeblasen wurde, sind letztendlich alle Streichungen, Einschränkungen und anderen Bösartigkeiten eingetreten, die seitens Gesundheitspolitik und KAV Generaldirektion lauthals dementiert wurden.

Wörtlich beschreibt das das ein Personalvertreter so:

Das ist glatter Vertragsbruch!

Wörtlich der Auszug aus der auch von der Stadträtin und der KAV Leitung unterschriebenen Punktation aus 2015:

1. Bezüglich möglicher Reduktion von Nachtdiensten:

Voraussetzung dafür sind die folgenden Rahmenbedingungen, deren Vorliegen im Umsetzungszeitraum bis 2018 laufend geprüft wird:
· Reduktion des Leistungsaufkommens in den Abteilungen nach 20.00 Uhr
· fachliche Schwerpunktsetzungen in der Akutversorgung in der Nacht
· Reduktion medizinisch nicht notwendiger Rettungszufahrten (zum Beispiel über den Ärztefunkdienst)
· organisatorische Begleitmaßnahmen zur effizienten und zielgerichteten Patientensteuerung (zum Beispiel zentrale Notfallaufnahmen [ZNA])· vier Nachtdiensträder in den ZNA mit Ausnahme Floridsdorf (bis zur Eröffnung des KH
Nord)
· Poolassistenzen für chirurgische Eingriffe
· Übernahme des mitverantwortlichen Tätigkeitsbereichs im Zuge des Skill&Grade-Projekts

2. Bezüglich 12,5 Stunden Dienste

Weiterhin möglich sind verlängerte Dienste (25 Stunden), sofern folgende Vorrausetzungen
eingehalten werden:
· keine Erhöhung des Personalbedarfs durch Einrichtung der verlängerten Dienste,
· keine planbare Leistungserbringung an Patienten nach 20.00 Uhr und
· gesetzlich notwendige Ruhezeiten werden nicht verletzt

Das bedeutet eine Umsetzung von Reduktionen bei den Nachtdiensten ohne Umsetzung der Begleitmaßnahmen; diese werden statt dessen verschärft (so kommt es derzeit durch verheerende Arbeitsbedingungen und inadäquate Bezahlung bei der Wiener Rettung zu einem zunehmenden ärztlichen Personalmangel).

Nun ruft die Ärztekammer erneut zu einer Streikabstimmung auf und viele von denen die sich zu Wort melden, stimmen dem zu.
Was die denken, die sich nicht zu Wort melden oder die die auf Urlaub sind, wissen wir nicht.

Bald wird wieder die Diskussion losbrechen, „ob Beamte Streiken dürfen“ und es wird diese und jene Stellungnahme von Rechtsgelehrten eintreffen …

Wieder wird jemand sagen, dass ja schon wieder eine Wahl ansteht (Bpw2016, wenn wir lange diskutieren dann die nächste Nationalratswahl, oder was weiß ich ….
und wir uns nicht da nicht vereinnahmen lassen sollen …. etc., etc., etc., …

Natürlich sollten wir streiken.

Wir hätten dies schon vor einem Jahr tun sollen und (abgesehen von der Notfallversorgung) so, dass es die Bevölkerung merkt, … nur hätte ich eine andere Lösung!

Mit einem Streik werden wir die politischen Akteure und ihre hoch bezahlten Mietmäuler nicht beeindrucken ….
Vor zwei Jahren ließen diese schon „Change“ und „Konfliktexperten“ vor uns reden, die frank und frei (wenn auch nicht spesenfrei) versicherten, dass eben am Weg zu jeder Verbesserung mit Widerständen und Kollateralschäden zu rechnen ist!
Die werden unseren Aufschrei nur als Beweis für die Richtigkeit ihres Weges sehen, oder zumindest sehen wollen!

Was wir mit einem Streik eigentlich wollen, ist der Bevölkerung mitzuteilen, welche Form der Versorgung für sie unter diesen Rahmenbedingungen möglich ist und das sollten wir auch tun,
in zeitlich eskalierenden Patientengesprächen in den Ambulanzen, auf den Stationen und nicht bei einem einzigen Aufmarsch.

In der ersten Woche nur 10 Minuten:
Unterbrechung der Ambulanz- und Stationstätigkeit und Aufklärung über
die Gründe der Wartezeiten,
die Ursachen des oft chaotischen Bildes, das war alle abgeben, weil wir z.B. wegen insuffizienter EDV mehr Zeit vor dem PC verbringen müssen, als im Patientengespräch.

Ein strukturiertes auf allen Stellen ähnlich ablaufendes Informationsgespräch, z.B. mit den Themen, wie sie derzeit zwei Dienststellenausschüsse vorgegeben haben:

Es stimmt, dass das neue Dienstzeit- und Gehaltsmodell seit einem Jahr in Kraft ist. Es ist auch flächendeckend umgesetzt.
Was nicht umgesetzt wurde, sind die Rahmenbedingungen, die vereinbart wurden, damit es zu den tiefgreifenden organisatorischen Änderungen kommen kann, die jetzt überfallsartig bis zum Herbst umgesetzt werden sollen.
In der kurzfristig angesetzten Sitzung am 30.06.2016 wurden die Dienststellenausschussvorsitzenden der WSK Häuser erstmals mit den geplanten Änderungen konfrontiert.
Von Seiten der KAR und des DSP wurden stichhaltige Argumente dagegen gebracht und gefordert:

  1. dass die Bedingungen der Rahmenvereinbarung eingehalten werden.
  2. dass die Notwendigkeit/Sinnhaftigkeit jeder einzelnen Umstellung auf 12,5h Dienste überprüft und dargestellt wird.
  3. dass die Reduktion von Nachtdiensten auf Machbarkeit in Bezug auf Patientensicherheit und weiterer Erhöhung der Mitarbeiterbelastung evaluiert wird.
  4. dass eine Personalbedarfsberechnung auf Basis 40 Wochenstunden erstellt wird.
  5. dass ein Vergleich der Gesamt-Stundenleistung 1. Halbjahr 2015 und 1. Halbjahr 2016 vorgelegt wird.
  6. dass die Auswirkungen auf die Patientenversorgung(Wartezeiten, Sicherheit) öffentlich eingestanden werden.
  7. dass die Leistungsmatrix der Abteilungen, die als Grundlage für die Personalberechnung dient, zur Kenntnis gebracht wird.

All das hätte in den letzten 12 Monaten in allen Häusern mit der Personalvertretung und mit den einzelnen Abteilungen von der Ärztlichen Direktion besprochen werden müssen.
Dies wurde verabsäumt, was vermuten lässt, dass eine sachliche Diskussion mangels schlagender Argumente nicht gewünscht war. Nicht einmal die Abteilungsvorstände wurden vor dem 04.07.2016 in diese -sie unmittelbar betreffende- Diskussion einbezogen.
Stattdessen wird von oben verordnet, ohne sich um Rahmenbedingungen, Vereinbarungen geschweige denn das Wohl der PatientInnen und KollegInnen zu kümmern.

Im Idealfall sollten wir diese Informationsgespräche gemeinsam mit der Pflege machen. Ich bin überzeugt, dass auch die einiges über die „mitverantwortlichen Tätigkeiten“ und die „Folgen der neuen Pflegeausbildung“ zu sagen haben.

Wie gesagt, 10 Minuten in der ersten Woche (so viel verbringen wir schon mit Beschwerdeführern über die langen Wartezeiten).

In der nächsten Woche 20 Minuten.

Dann 30 Minuten, usw.

Keiner kann uns vorwerfen, die Gesundheit der Wiener für unsere standespolitischen Kämpfe auf’s Spiel zu setzen, wir sind ja anwesend, wir streiken ja nicht, wir machen das, was die Juristen von uns fordern und die Politik verweigert
Patientenaufklärung!

PS:
Laut Presse (Link unten) …weist der KAV die Anschuldigungen auf Nachfrage zurück. Durch Reduktion der Nachtdiensträder stünden für Patienten „besonders in Nachmittagsstunden deutlich mehr Ärzte zur Verfügung“.
Heißer Tipp für die Journalisten für die nächste PK: Fragt einmal nach, ob den in den Nachmittagsstunden auch vom KAV vorgesorgt wurde, dass es auch genügend Pflege-, Sekretariatspersonal, Träger- und Transportdienste, OP-Kapazitäten mit Anästhesisten, Pathologen, Radiologen …. etc. gibt, weil sonst der angeblich in den Nachmittagsstunden verfügbare Arzt rein gar nix Produktives für den Patienten tun kann!

Links:

http://derstandard.at/2000040395215/Wiener-Spitaeler-40-Nachtdienste-sollen-in-den-Tag-wandern

Heftiger Widerstand gegen Reduktion von Nachtdiensten
http://kurier.at/chronik/wien/heftiger-widerstand-gegen-reduktion-von-nachtdiensten/207.927.509

„lediglich eine Provokation der Politik und der Leitung des KAV an das ärztliche Personal“
http://diepresse.com/home/panorama/wien/5043300/Kurzungen_Aerzte-drohen-mit-Streik?from=suche.intern.portal

Sparprogramm gelungen. Patient tot.
http://blog.szekeres.at/blog-post/2016/06/30/sparprogramm-gelungen-patient-tot.html

Die geplante Reduktion der Nachtdiensträder von zwei Ärzten auf einen geht Roland Paukner zufolge auf Kosten der Qualität in der medizinischen Versorgung:
http://diepresse.com/home/panorama/wien/4920930/Pflegewohnhaeuser_ExKAVDirektor-kritisiert-Kurzungen

2016 die Ausbildungsstellen um 52 reduziert
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160628_OTS0218/kav-bildet-aerztinnen-entsprechend-dem-bedarf-aus

Written by medicus58

4. Juli 2016 at 21:04

Zur Ökonomisierung des Gesundheitswesens

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Hörenswertes Ö1 Kolleg von Margarethe Engelhardt-Kranjek über die Hintergründe der aktuellen Ärzte- und Pflegeproteste, die weit über die reine Gehaltsdebatte hinausgeht, auch wenn der Titel Fit trotz Profit vielleicht anderes erwarten ließ:
http://oe1.orf.at/programm/404659

Für alle Interessierten wärmstens zu empfehlen und ein Beweis, dass es doch gar nicht so schwierig ist das Problem zu überblicken!
Wenn das eine promovierte Kulturwissenschaftlerin (http://oe1.orf.at/team/margaretheengelhardtkrajanek) schafft, weshalb kriegen das unsere Gewerkschafts- und Kammervertreter nicht hin?

Direktlink http://goo.gl/2bzNwR

Written by medicus58

18. Mai 2015 at 07:24

Da ist irgendwo der Hund drinnen, Herr Minister Hundstorfer!

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Hundstorf

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) zeigte „nicht wirklich Verständnis“ für die Ärzte.
Für Nachverhandlungen sah er „keinen Spielraum„, er meinte auch, dass gegenseitig viel Misstrauen vorhanden sein dürfte.
(http://www.news.at/a/wien-spitalsaerzte-oberhauser-fehler-kommunikation)

Eine deutlichere Handlungsanweisung an den Chef der Wiener Gemeindebediensteten, Christian Meidlinger, kann man sich ja wohl kaum vorstellen.
Meidlinger ist ja plötzlich für Stadträtin Wehsely der einzig relevante Verhandlungspartner, nachdem der Wiener Ärztekammerpräsident Szekeres – nach der fulminanten Ablehnung der ausverhandelten Rahmenvereinbarung durch die Ärzte des Wiener Krankenanstaltenverbundes – seine Unterschrift zurückgezogen hat (Lohn der Genossen: ÄK Chef Szekeres zum Abschuss freigegeben http://wp.me/p1kfuX-UT). Im Tumult geht übrigens leicht vergessen, dass die zuständige Kurie der Wiener Ärztekammer bis heute dem Pakt weder zugestimmt noch abgelehnt hat …., aber egal.

Für Wehsely zählt aber in erster Linie ein Ja oder Nein der Gewerkschaft. Diese sei – wie bei allen sozialpartnerschaftlichen Gehaltsverhandlungen – der maßgebliche Verhandlungspartner.
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/4681322/Spitalsaerzte_Was-bedeutet-das-Nein

und die Gewerkschaft wird, wie berichtet, erst morgen über den Pakt abstimmen, weil auch die hat den besagten Vertrag noch nicht formal abgesegnet
…  aber mit einer satten Mehrheit der FSG (Fraktion der sozialdemokratischen Gewerkschafter) scheint sich Wehsely offenbar sicher, dass die Gefolgsleute dort einen Pakt sanktionieren,
von dem sich nicht nur die Ärztekammer, sondern per Rundum-Mail auch Dr. Wolfgang Weismüller als Vorsitzender des Personalgruppenausschusses Ärztinnen und Ärzte lossagte.

Also hängt es nur noch vom dem (laut http://www.meineabgeordneten.at/Abgeordnete/Christian.Meidlinger seit 1989 mit 70% der Bezügen freigestellten Verkehrsbetrieblers) Ing. Christian Meidlinger ab, ob der Pakt in den Gemeinderat kommt.
Interessant, wie sich dort übrigens die Grünen verhalten werden, die bislang bemerkenswert effizient der Begegnungszone Krankenhaus ausgewichen sind …

Die Seite www.meineabgeordneten.at  ist überhaupt interessant, denn dort befällt einen ob der bemerkenswerten Karriere des 51-Jährigen Meidlinger im Umfeld von FSG und Gemeinderat fast ein Déjàvu :

1979-1983 Lehre bei den Wiener Verkehrsbetrieben, Elektromechanik für Schwachstrom, Elektromechaniker
ab April 2006 Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (FSG) – Vorsitzender
ab 2007 Österreichischer Gewerkschaftsbund (ÖGB) – stimmberechtigtes Mitglied des Vorstandes
ab 25.01.2007 Landtag/Gemeinderat – Abgeordneter (SPÖ) Wien
ab Mai 2011 Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG) Wien Vorsitzender und Mitglied des Landesparteivorstandes

daneben
ab 13.03.2009 VSW Immobilien GmbH Geschäftsführer
ab 20.02.2009 VSW Holding GmbH Geschäftsführer

und diesem Christian Meidlinger richtete Sozialminister Hundstorfer nun aus, dass „für Nachverhandlungen mit den Ärzten kein Spielraum“ wäre.

Er muss es ja wissen, schließlich ist Hundsdorfer auch ein Beispiel für „Karriere mit Lehre“:

1966-1969 Lehre im Wiener Magistrat zum Bürokaufmann
1975-1983 Jugendreferent der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (FSG)
1983-1988 leitender Referent der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten Wien (FSG)
1990-2007 Mitglied des Wiener Landtags und Gemeinderats (SPÖ)
danach Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbunds
seit Dezember 2008 Bundesminister aktuell für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz

und nun wahlweise als potentieller Präsidentschafts- oder Bürgermeisterkandidat gehandelt.
http://www.gmx.at/magazine/politik/rudolf-hundstorfer-bundespraesidenten-check-30421330

Jetzt weiß Kollege Meidlinger wohl, was für ihn, den Wien-Gewerkschafter und Landtagsabgeordneten auf dem Spiel steht.

Was aber kein Medium in diesem Zusammenhang anspricht, ist dass Hundstorfer in Sachen Ärztearbeitszeiten in mehrfacher Hinsicht kein unbeschriebenes Blatt ist (http://www.parlament.gv.at/WWER/PAD_52689/):

Ein medial überhaupt noch nicht abgehandelter aber für die Verärgerung der KAV Ärzte wesentliche Punkt ist der skandalöse Umgang des Wiener Krankenanstaltenverbundes mit dem Arbeitsruhezeitgesetz:

1983 wurde das Gesetz erlassen, welches die Arbeitsruhezeit mit 36 Stunden pro Woche gesetzlich festlegte. In allen anderen Bundesländern wurde diese Ruhezeit gewährt, im KAV wurde es mit jedem Samstagdienst, jedem Freitag/Sonntagdienst und jedem Samstag/Sonntagdienst gebrochen. Weder als Wiener Gewerkschafter noch als erster Vorsitzender des Wiener Landtages schien sich Hundstorfer für das Problem interessiert zu haben. Hundstorfer war schon längst Bundesminister, als die Gewerkschaft …im Zusammenhang mit diesem Verhandlungserfolg von einem wirklichen Meilenstein für die Ärzteschaft (spricht). Ein freier Tag – ohne Wenn und Aber. http://www.hg2.at/237/news/arbeitsruhegesetz-aerzte/
Eingeweihten kommen jetzt vermutlich die Tränen.
Als Abgeltung für den jahrzehntelangen Raub wurden dann 3×11 Urlaubstage gewährt, jedoch ist nach dem neuen Pakt weiterhin unklar, ob diese Tage als 5 oder 8 Stunden Arbeitszeit gelten… will heißen, aufgearbeitet ist dieser Skandal bis heute nicht wirklich

Während Gewerkschafter für alle anderen Berufsgruppen stets für Arbeitszeitverkürzungen plädieren, hatte schon das KA-AZG 1997 den Rahmen für ärztliche Selbstausbeutung durch Arbeitsüberschreitungen sehr weit gesteckt und erst die Strafdrohungen der EU führten dazu, dass das KA-AZG novelliert wurde. In der jetzt gültigen Form wurde aber dafür gesorgt, dass die EU-Regelungen (mit Betriebsvereinbarungen und Opting-Out) erst schrittweise bis 2021 (!!!) gültig werden.
 http://derstandard.at/2000005957358/Neues-Aerzte-Arbeitszeitgesetz-soll-im-Oktober-beschlossen-werden

Und nun fragen wir uns, wer dieses Gesetz im Sinne der Spitalsträger novelliert hat?
Richtig geraten: Bundesminister Hundstorfer

Wir Ärzte wissen, dass DER kein Verständnis für uns hat!

Von der verschworene Phalanx der im Wiener Rathaus sozialisierten (oder sollte man eher sagen ent-sozialdemokratisierten) Genossen, haben wir wenig zu erwarten.
Wenn sich Kollege Meidlinger am 12.3. für die von Hundstorfer vorgezeigten Karriere entscheidet, werde ich nach über drei Jahrzehnten meine Gewerkschaftsmitgliedschaft beenden und mir wenigsten 70€/Monat ersparen.

ihm wird das egal sein, weil die Gewerkschaft der Wiener Gemeindebediensteten ohnehin nur einen kleinen Teil der Ärzteschaft zu ihren Mitglieder zählt, aber vielleicht finden sich noch andere Wege, um sich gegen diese Phalanx durchzusetzen.

Written by medicus58

10. März 2015 at 21:15

Lohn der Genossen: ÄK Chef Szekeres zum Abschuss freigegeben

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wehs

ORF Landesstudiochef Tesarek nennt gleich bei der Anmoderation den Schuldigen für die massive Ablehnung (http://derstandard.at/2000012705075/Klare-Abfuhr-fuer-neuen-Dienstvertrag) der von Gewerkschaft, Personalvertretung und Ärztekammer mit der Stadt Wien ausverhandelte Rahmenvereinbarung durch die KAV Ärzte:

Ärztekammerpräsident Szekeres hat unterschrieben und sich nicht durchgesetzt, drum muss er gehen.

Auch wenn hier die rhetorische Frage nach der unbedingten Wahrheitsliebe des Kollegen Szekeres schon vor Tagen gestellt (Lügt der Präsident? http://wp.me/p1kfuX-Ub ) und vom Angesprochenen sogar kommentiert wurde, ist dieser Spin nur absurd, weil er die Rolle der (SP-geführten) Personalvertreter- und GewerkschafterInnen an der jetzigen Zwickmühle (offensichtlich absichtlich) unter den Verhandlungstisch fallen lässt.

Im nachfolgenden Interview wirkte Testarek dann gegenüber Wehsely etwas angriffiger, wenn er die zentrale Frage (allerdings unbeantwortet) aufgreift, wieso denn die Stadt Wien mit weniger Ärzten auskommen kann, wenn die Ärztearbeitszeit (von der EU) beschränkt wurde und nachsetzt, dass der Steuerzahler offenbar seit Jahrzehnten zu viele Ärzte im KAV bezahlt hat, wenn man jetzt durch kurzes Nachrechnen von externen Beratern feststellen konnte, dass man sich ohne Leistungseinbuße von 382 der 3200 angestellten Ärzte trennen kann, aber mein Eindruck bleibt, dass sich das Landesstudio Wien einspannen hat lassen, um Szekeres „zu opfern“.

In der nachfolgenden ZIB bleibt der ORF dieser Linie treu und lässt Gewerkschafter Meidlinger bedauern, dass die Ärztekammer das Ergebnis nicht „gut verkauft“ hat. Seinen Part scheint er nicht kritisch reflektieren zu wollen. Beispielsweise soll hier nur daran erinnert werden, dass die Gewerkschaft kein Problem damit hatte, dass den Ärzten im KAV über viele Jahre gesetzlich zustehende Ruhezeiten vorenthalten wurden (30 Jahre braucht der KAV um ein Gesetz zu lesen – muss nun der Generaldirektor gehen? http://wp.me/p1kfuX-Ac).

Mein Mitleid mit dem Ärztekammerpräsidenten ist mehr als enden wollend, dafür haben mich seine taktischen Spielchen (auch in direkten Gesprächen) schon zu oft geärgert, nur sollten sich die Mitverhandler der Personalvertretung und der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten vielleicht überlegen, ob sie in ihrer Karriereplanung gut beraten sind, sich bei der Vorstandssitzung der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten am kommenden Donnerstag wieder gegen diejenigen zu stellen, die sie eigentlich zu vertreten hätten, denn auf Dank aus dem Rathaus ist wenig Verlass, wenn das Rathaus Schuldige braucht.

Nicht nur Szekeres hat Wochen mit den brisanten Details des Paktes (Postenreduktionen, Dienstradstreichungen, Unterstützung der Dienstgeberin um Mitarbeiter zum Opt out zu bewegen, „wenn es sich nicht ausgeht“, Berechnungsänderungen der zugesagten Ruhezeiten…) hinter dem Berg gehalten und nur das zugegeben, was Schritt für Schritt durch gezielte Indiskretionen bekannt wurde; ich denke jeder KAV Mitarbeiter hat seit Jahresbeginn genügend Halbwahrheiten und Missverständlichkeiten durch die Personalvertreter und Gewerkschafter erlebt. (Wehsely Leak: Ist die Mauschelei am Ende? http://wp.me/p1kfuX-TO).

Wehsely wäre gut beraten, nicht noch mehr verbrannte Erde zu hinterlassen, wenn sie – wie man von verschiedenen Seiten – hört das Rathaus verlassen möchte, denn das dicke Ende kommt schon in wenigen Monaten, nicht erst vor der Wahl im Oktober.

Mit den unzähligen Beraterhorden (EHC, Deloitte, Lohfert & Lohfert, …. http://www.stadtrechnungshof.wien.at/berichte/2014/01/01-12-KA-II-KAV-5-13.pdf),
einem nach baldiger Privatisierung riechenden „Aufsichtsrat“ (Nach dem Köck auch den Bock zum Gärtner … http://wp.me/p1kfuX-cy , I had a Dream: KAV for Sale http://wp.me/p1kfuX-L1) und
einem mit seinen Mitarbeitern kommunikationsunwilligen und -fähigen Generaldirektor (Mann, ist der Mann gut, der nun im KAV aufräumt …. http://wp.me/p1kfuX-Kd)

hat sie es die Stadträtin geschafft, jegliches Vertrauensverhältnis zu verspielen und die gesetzlich oktroyierten Vertreter der Ärzteschaft (ÄK, PV) zu demaskieren.
Den Ärztekammerpräsident nun zu schlachten und auf die Parteigenossen in der Gewerkschaft zu vertrauen, wird ihr nichts bringen, denn wenn Herr Meidlinger weiterhin den Büttel der Dienstgeberin abgibt,
werden ihm die Austritte aus dem ÖGB, der ohnehin nur einen immer geringeren Teil der Ärzte als Mitglieder führen kann (genaue Zahlen werden verschwiegen), und die Eintritte bei der neuen Ärztegewerkschaft Asklepios die Legitimation für weitere Verhandlungen schneller entziehen, als er „Freundschaft“ murmeln kann. Und es schaut nicht danach aus, dass sich Asklepios farblich an der Rathaus-Mehrheit orientieren wird.

Für Schadenfreude ist aber kein Anlass, die Zeit drängt!

Schon werden Abteilungen teilweise gesperrt, weil die ärztliche Besetzung durch vorenthaltene Nachbesetzungen seitens der Generaldirektion nicht mehr gewährleistet ist,
wer sich in Wahlarztordinationen oder in andere (Bundes-)länder absetzen kann, tut das,
die Verbliebene in vielen Abteilungen haben jetzt schon so viele Urlaubstage, Überstunden, Ausgleichstage, ..etc. angehäuft, dass sich schon bald (ohne Opt out) kein Dienst mehr aufrecht erhalten lassen wird, auch wenn ab Juli eine neue Betriebsvereinbarung gilt.
Ebner-Hohenauer-Consult haben nicht einmal ansatzweise genügend Personal, um den von Wehsely heute erneut im TV Studio versprochenen Dialog mit den Abteilungen zu führen, und der Versuch in den laufenden Workshops die Primarärzte durch Druck zu Unterschriften unter die neuen Strukturen zu zwingen, muss als gescheitert betrachtet werden.

Zehn nach Zwölf wird es Nachverhandlungen geben müssen, in denen sich die Dienstgeberin
endlich auch mit Ärzten und Pflege über die unerträglichen Rahmenbedingung (Einsparungen, Administration, EDV, undurchsichtige Stellenpläne, einander blockierende Hierarchien, Reinvestitionsstau….) auseinandersetzen muss und
endlich auch den Patienten/Wählern reinen Wein über die tatsächliche Aufgabe der Krankenhäuser in der Gesundheitsversorgung einschenken muss.

Mit der bisherigen Strategie kommt sie bestenfalls noch über ein paar TV Auftritte, aber dann ist Schluss.

 

Inzwischen gibt es Wien heute auf der ORFThek: http://tvthek.orf.at/program/Wien-heute/70018/Wien-heute/9367944/Nein-zu-KAV-Einigung/9370915

Written by medicus58

9. März 2015 at 21:59

Dreimal NEIN bei der Urabstimmung

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Nein

Auch wenn die ÄK von einer Urabstimmung über die mit der Stadt Wien vereinbarten Entlohnungs- und Strukturänderungen für angestellte Ärzte im KAV spricht, ist das was zwischen 5. und 8. März 2015 stattfinden soll eine pseudonymisierte Online-Befragung einer Subgruppe der Kammermitglieder ohne rechtliche Bindung.

Natürlich habe ich – wenn der Datenschutz bei dem Verfahren nur einigermaßen funktioniert – auch nur eine NEIN-Stimme, aber die möchte ich hier begründen.

1.) Während andere Spitalserhalter die bereits 2004 (!) für die gesamte EU beschlossene Beschränkung der maximalen Ärztearbeitszeit mit zusätzlichen Ärzteposten in ihren Spitälern beantworteten (alternativ wäre natürlich auch eine Lestungsreduktion denkbar), besteht die Lösung der Wiener Gesundheitsstadträtin für den KAV in einer Postenreduktion (fast 400 Posten minus, die bereits jetzt durch fehlende Nachbesetzungen exekutiert werden), einer Verlängerung der Ambulanzöffnungszeiten (bis 19:00) und Drohungen, dass Sie die Arbeitszeitänderungen per Weisung ohne Gehaltsanpassung  vornehmen wird, wenn man Ihr die Zustimmung zu dem bis heute nicht in Faksimile veröffentlichten Pakt verweigert.

Die gleichzeitig auf die Spitalsärzte eintreffenden

Ausbildungsverpflichtungen durch die 
Änderungen der universitären Ausbildung
(Stichwort KPJ: Das Chaos der Ärzteausbildung http://wp.me/p1kfuX-GQ ,Wie sich die Medunis auf Kosten der öffentlichen Spitäler abbürsten  http://wp.me/p1kfuX-NQ)

die Änderungen der postpromotionellen Ausbildung
wo der Wegfall der „Turnusärzte alten Stils“ durch die „KollegInnen in Basisausbildung“ (=früher common trunk) in vielen Fächern nicht kompensiert werden wird
Wickel oder Neustart der Ärzteausbildung: Komm auf die Schaukel, KollegIn http://wp.me/p1kfuX-Sc
Ärzteausbildung revisited oder leckt’s mich am 15a http://wp.me/p1kfuX-IC) sowie

die Änderungen der Ärztearbeitszeit mit angestrebter Regelarbeitszeit in den Wiener Spitälern bis 19:00
Ärztearbeitszeitgesetz: Die Chronologie des Wahnsinns im KAV
http://wp.me/p1kfuX-Tb ;
die spinnen, die Ärzte: Mehr Geld für weniger Arbeitszeit http://wp.me/p1kfuX-SY
Ärztemangel: Nimmst Du’s mir, so nehm‘ ich’s Dir – eine Art Viele-Jahre-Rückblick http://wp.me/p1kfuX-Sw

führen zwar absehbar zu einer Verdichtung des Arbeitsaufwandes, aber sollen durch das Streichen von über Hundert Nachtdiensträdern überkompensiert werden, so dass man zukünftig mit weniger Ärzten auskommen kann,
will uns Wehsely weismachen.  

Die Entlastung durch die Übernahme der „GuK-Tätigkeiten“ (Blutabnahme, EKG-schreiben, Infusionen anhängen, …), so sinnvoll sie aus Sicht der auszubildenden Ärzte auch ist, ist derzeit im KAV/AKH weder flächendeckend umgesetzt, noch entlastet es den Mittelbau.
Die Entlastung durch die Primärversorgungszentren ist eine Schimäre (Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s http://wp.me/p1kfuX-Un).
Die zweimal 50 Stunden pro Woche, die diese 2 Zentren offen sein sollen, entsprechen gerade mal 4 verlängerten Ärztedienste und kosten 2,4 Millionen. Die laut Wehsely „sehr große Strukturreform“ des KAV für über 3000 Ärzte war ihr übrigens nur etwas mehr als 19 Millionen wert!

2.) Das Paket wurde bewusst und mit tatkräftiger Mithilfe der Personalvertretung erst 5 nach 12 beschlossen und ist daher lückenhaft, widersprüchlich und ermöglicht der Dienstgeberin flächendeckend den beabsichtigten 12,5h Dienst einzuführen.

In der ursprünglichen Fassung hätte man Ärzte gezwungen Feiertagsdienste noch zusätzlich einzuarbeiten! (was erst nach Wochen des Protests repariert wurde)
Durch die angestrebten 12,5h Dienste in der Regelarbeitszeit entfallen die Ruhezeiten eines verlängerten Dienstes uns verbilligen die Ärztearbeitszeit weiter als bisher.
Auf die Stationsärzte wurden offenbar vergessen.

Der erst wenige Tage vor der Abstimmung online gestellte Gehaltsrechner, um die individuellen Auswirkungen des Paktes berechnen zu können, funktioniert nicht.
Die Gehälter der Abteilungs- und Institutsleiter bleiben gleich, so dass diese oft weniger verdienen werden, als ihre Oberärzte.
Bei der PK wurde von den Unterzeichnern zwar behauptet, dass man ohne Opt-out (die vom SP-geführten Sozialministerium gesetzlich vorgesehene Möglichkeit die Selbstausbeutung der Ärzte bis 2021 fort zuschreiben) auskommen möchte, gleichzeitig versicherten die Unterzeichner der Dienstgeberin, dass man auf die Mitarbeiter einwirken werden, ein Opt-out zu unterschreiben, wenn dies benötigt würde. Im AKH, an der Wirkungsstätte des Ärztekammerpräsidenten, hat angeblich bereits die Mehrheit der Ärzte ein Opt-out unterschrieben, weil sonst der Dienst zusammenbrechen würde.
Seit die ausstehenden Postenreduktionen öffentlich wurden, verteidigen sich PV, Gewerkschaft und Ärztekammer, dass sie dem nur unter bestimmten Rahmenbedingungen zugestimmt hätten, während die Dienstgeberin seit letzter Woche mit der Umsetzung des Paketes begonnen hat, ohne dass irgendeine Rahmenbedingung erfüllt sind bzw. einige auch nie erfüllt werden können, da sie nicht im Einflussbereich von Stadt Wien und KAV stehen (Rettungsanfahrten, Reduktion der unfallchirurgischen Versorgung durch die AUVA, …).
Der scheinbare Geniestreich der Gewerkschaft, dass Dienstpostenstreichungen ohnehin durch ein Veto der Personalvertretung zu verhindern sind, hat sich schon längst in Luft aufgelöst. Posten werden einfach in noch größerem Ausmaß als bisher „einfach nicht nachbesetzt“, was zu den erwünschten Einsparungen führt, ohne dass die Personalvertetung dagegen etwas unternehmen kann. Beispiele für diese schon jetzt gelebte Praxis kennt jedes KAV Haus!

3.) Dieser Pakts war parteipolitisch vorbereitet und seine mediale Veröffentlichung einseitig und manipulativ. Die verschlechterten Arbeitsbedingungen werden zu einem weiteren Abzug erfahrener Mitarbeiter aus dem KAV führen und verhindern, dass hochqualifiziertes Personal von den Universitäten in den KAV wechseln. 

Die von der Wiener Landesregierung bereits am 13. Dezember 2011 bei Deloitte in Auftrag gegebene Stärken-Schwächen Analyse des Wiener Dienst- und Besoldungsrechts ergab, wie inzwischen selbst der Magistrat der Stadt unumwunden zugibt, dass die Stadt Wien ein unattraktiver Arbeitgeber wurde. In der Medizin wissen wir das schon längst, das Geld für die Berater hätte man sich auch hier sparen können.
Die Anzahl der Bewerber um Abteilungsleitungen im KAV nahm seit mind. einem Jahrzehnt stetig ab.
Die Hausberufungen, weil sich auch für große Abteilungen von extern kaum namhafte Kräfte bewarben, nahm zu.
Die Fälle mehren sich, wo designierte Abteilungsleiter nach monatelangen Verhandlungen ihre Berufung wegen der unzumutbaren Rahmenbedingungen zurückweisen.
Wenn die Kollegiensprecher der Primarärzte der großen KAV Häuser auf diese unzumutbaren Rahmenbedingungen hinweisen, wird der Aufstand der Primarärzte: einfach wegadministriert http://wp.me/p1kfuX-U2

Es ist völlig offen, was nach einer Ablehnung des Pakets passiert, jedoch ist es m.E. die einzige Möglichkeit ein Zeichen zu setzen, dass man mit über 3000 qualifizierten Mitarbeitern nicht umspringen kann, wie mit lobotomierten Arbeitssklaven, nur weil man sich seiner medialen und parteipolitischen Macht sicher ist.

Es wird vermutlich nicht mehr Geld geben,
obwohl die Stadt Wien mit allerhand politischer Tricks leicht 26,4 Millionen Euro für einen Fußballverein locker macht, wenn dort „die eigenen Leute das Sagen haben und wieder eine Baufirma einen Auftrag bekommen kann“
(http://derstandard.at/1353206836467/Stadt-macht-keine-zusaetzlichen-Mittel-locker , http://derstandard.at/2000002311151/Wiener-Gemeinderat-beschloss-Subvention-fuer-Rapid-Stadion )
aber in Nachverhandlungen müssen
die Postenstreichungen weg,
die Besetzung von Arztposten (Stand 1.1.2015) garantiert werden, solange keine Begleitmaßnahmen zur Lenkung von Patientenströmen etabliert sind,

Begleitmaßnahmen zur Reduktion des Patientenaufkommen definiert werden, die die Stadt Wien auch beeinflussen kann und will,
sowie der Öffentlichkeit gegenüber klar gestellt werden, wofür die öffentlichen Spitäler da sind und wofür nicht.

Wenn wir Ärzte diesen faulen und verlogenen Pakt nun durchwinken, wozu uns übrigens weder die Gewerkschaft noch die Ärztekammer explizit rät, die den faulen Kompromiss ja unterschrieben haben (!),
dann arbeiten wir all denen in die Hände, die Ärzte ohnehin schon längst aus der Diskussion über eine sinnvolle Gesundheitspolitik unseres Landes draußen haben wollen und EHC
(Dr. Ebner – Die „objektive“ Krake im Gesundheitssystem http://wp.me/p1kfuX-xw) hat sich sein Gehalt zu Recht verdient. 

Written by medicus58

1. März 2015 at 17:22

Ärztearbeitszeitgesetz: Die Chronologie des Wahnsinns im KAV

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Arzt

Als Nachtrag zum gestrigen Blog (die spinnen, die Ärzte: Mehr Geld für weniger Arbeitszeit http://wp.me/p1kfuX-SY) möchte ich die Chronologie dieses Wahnsinns, insbesondere die kaum als zufällig erklärbare Verzögerungstaktik von Ärztekammer, Gewerkschaft und Krankenanstaltenverbund zusammenfassen:

1998
wurde im Parlament erkannt, dass die in Österreich per Gesetz und Betriebsvereinbarung erlaubten  Ärztearbeitszeiten unhaltbar sein werden

2003
wird EU-Ar­beits­zeit­richt­li­nie 2003/88/EG be­schlos­sen, die die langen Ärztearbeitszeiten verbietet

2004
die EU droht der Re­pu­blik Ös­ter­reich ein Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren an, weil die Richt­li­nie für Kran­ken­an­stal­ten (KA-AZG) nicht um­ge­setzt wurde.

2014
Nach 10 Jahren passiert im Oktober (nach einem Initiativantrag und ohne vorheriger Begutachtung) eine Novelle des Kran­ken­an­stal­ten-Ar­beits­zeit­ge­set­zes (KA-AZG) den Na­tio­nal­rat, in der mit endlos langen Übergangsfristen und Ausnahmemöglichkeiten (wenn es die Versorgung unbedingt erfordert) der EU Richtlinie genüge getan wird und versucht wird die Selbstausbeutung von Ärzten zum Wohle der Krankenanstaltenträger (Landespolitiker) bis 2021 verlängern zu können. Seit damals gärt es in den meisten Bundesländern, mit Ausnahme Wien, denn dort herrscht nach außen Stille (siehe gestrigen Blog).

Am 21. Dezember wird per „Mail an alle Ärzte im KAV“ mitgeteilt, dass die Betriebsvereinbarung für verlängerte Dienste (Nachtdienste) und die Durchrechnungszeiträume für die durchschnittlich pro Woche erlaubten 48 Stunden Arbeitszeit bis 30.6.2015 verlängert.

Am 22. Dezember (!) 2014 verlangt die Gewerkschaft der Gemeindebedienteten (GgG-KMSfB Christian Meidlinger) per Mail mit hoher Wichtigkeit den START (!!!) der Ärzte-Gehaltsverhandlungen im Jänner.

In mehreren Dutzend Mails halten lokale Gewerkschaftsvertreter fest, dass sie selbst nach Rückfrage, keine klaren Informationen erhalten haben.

2015

Am 1.1. 2015 trat das neue KA-AZG in Kraft

Am 13.1.2015 verteilt die FSG nun plötzlich ein Positionspapier, in dem ein Ende der undurchsichtigen Dienstzeitregelungen (pauschalierte Nachtdienste, Zulagen und Überstundenkontingente, …) verlangt wird und die überraschende Forderung nach  „Anwesenheit ist bezahlte Dienstzeit„, nach „transparenten und jederzeit für einzelne MitarbeiterInnen zugängliche Darstellung der Arbeitszeit“ und nach einer „einheitlichen Berechnungsmethode der Arbeitszeit“ erhoben wird.

Am 14. Jänner 2015 kam es schließlich zur ersten Verhandlungsrunde zwischen Arbeitgeber, Gewerkschaft und Ärztekammer um ein Gesetz umzusetzen, von dem man seit 17 Jahren weiß, dass es kommen wird und von dem der Wortlaut seit Oktober des Vorjahres feststeht.

Möglich ist das alles u.a. auch deshalb, weil die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten noch im Vorjahr und vor Verhandlungsbeginn eine bestehende Betriebsvereinbarung bis Juni 2015 verlängert hat und sich dadurch ihres stärksten Druckmittels entledigt hat.
Das muss mit Beförderungen enden.

Written by medicus58

15. Januar 2015 at 16:30

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Ärztearbeitszeit: Ein Pyrrhus-Sieg der Ärztekammer

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Nachdem scheinbar plötzlich alles eitel Wonne und Waschtrog schien, weil Sozialminister Hundstorfer auf Druck der EU die Höchstarbeitszeit für Ärzte im Krankenhaus bis Mitte 2021 auf durchschnittlich 48 Stunden reduzieren will  (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140924_OTS0032/hundstorfer-neues-aerztearbeitszeitgesetz-macht-aerzteberuf-attraktiver-und-bringt-vorteile-fuer-patientinnen) , wird heute den Kärntner KollegInnen plötzlich klar, dass das mit deutlichen Gehaltseinbußen verbunden sein wird (http://derstandard.at/2000006043548/Aerzte-wollen-weniger-Arbeit-bei-gleichem-Lohn).

Wie immer wird an den Folgen (Ärztliche Selbstausbeutung durch überlange Arbeitszeiten) herumgebastelt, weil man die wahre Ursache nicht auszusprechen wagt. Natürlich auch nicht die Ärztekammer, die die neue Regelung nun mitbejubelt: Viele Ärzte verdienen relativ gut, nicht weil ihre Leistung gut entlohnt wird, sonder weil sie Überstunden und mehrere Jobs übernehmen. Die Dienstzeiten im Wiener Krankenanstaltenverbund sind dafür maßgeschneidert: Die ersten Nachtdienste werden nicht bezahlt sondern in die Normalarbeitszeit eingerechnet, so dass die Ärzte an den Tagen, an denen sie keine Nachtdienste absolvieren in der Regel den Nachmittag frei haben, um – je nach Fach – in ihren Ordinationen (mit kleinen Kassen) zu arbeiten, Ärztenotdienst zu fahren oder in Instituten zu arbeiten.

Dieser Aspekt der Ärztearbeitszeit wird nun sowohl von der Ärztekammer als auch von den Krankenhausbetreibern und der Politik tunlichst verschwiegen. Es bedarf keiner hellseherischen Fähigkeiten um vorherzusehen, dass es vermutlich zu einer gewissen Anhebung der Ärztegehälter kommen wird, aber in Hinblick auf die klammen Kassen wird es wohl kaum zu einem vollen finanziellen Ausgleich für die langsame Arbeitszeitreduktion kommen. Es werden auch kaum genügend Ärzte zur Verfügung stehen, um die fehlenden Stunden abzudecken. Das größte Problem wird aber wohl werden, dass sich die Krankenhausbetreiber wohl fragen müssen, weshalb sie mehr für weniger Arbeitszeit zahlen sollen, damit sie ausgeruhte Ärzte haben, wenn diese den Einkommensverlust weiterhin durch Mehrarbeit im extramuralen Bereich wettmachen wollen.

Auch wenn die Ärztekammer nun so tut, als wären mit einer Arbeitszeitreduktion alle Probleme gelöst, wird sie ihr lange negiertes Problem einholen. Wenn sie sich als Standesvertretung der Ärzte sieht, wird sie nicht umhin kommen, nicht Schlupflöcher auszuhandeln sondern ehrliche Entlohnung für ärztliche Leistungen.
Schwer vorstellbar, dass das die jetzigen Player fertigbringen.

PS: Das Problem der zu niedrigen Löhne ist übrigens nicht auf die Ärzte beschränkt. Auch wenn jetzt alle über Steuersenkungen reden(und hoffen, dass das Mehr an Barem in den Konsum geht und damit denVerbrauchssteuertopf füllt, obwohl zu befürchten steht, dass es nur zum Abdecken der bereits angelaufenen privaten Verschuldung verwendet wird), wäre den unselbstständig Erwerbstätigen eher mit einer Einkommenserhöhung gedient, die in jedem Fall zu einem mehr in der Staatskasse führt …. wem die Progression lästig ist, könnte ja die Rechner der Finanz leicht von den Steuerstufen auf ein lineares System umstellen …

 

 

Written by medicus58

25. September 2014 at 21:21

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