Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Wer lange schläft, ist früher tot

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Koelldorfer

wer gestern Heute las,
der stolperte auf der Webseite der Gratiszeitung auf obige Pressekonferenz,
wo Frau Magistra Direktor Kölldorfer-Leitgeb sich u.a. über den Schlafrhythmus der Ärzte verbreitete.
Vermutlich unter das Redaktionsgeheimnis fiel, weshalb dieser Beitrag gemeinsam mit zwei anderen gelistet wurde:

Eine Schock-Studie hat die Universität von Sydney veröffentlicht, nachdem Untersuchungen an 200.000 Personen durchgeführt wurden.
Untersucht wurde das erhöhte Sterberisiko bei Alkoholkonsum, Rauchen und Bewegungsmangel. Eigentlich nichts Neues, würde das Ergebnis nicht heißen,
dass langes Sitzen und langes Schlafen ebenso tödlich wie Saufen und Rauchen wäre.
http://www.heute.at/lifestyle/gesundheit/Wer-laenger-schlaeft-ist-frueher-tot;art23696,1243039

Vermutlich hat das inhaltlich ebenso wenig mit den Ärzten zu tun, wie die gleich darunter verlinkten Essstörungen von Schülerinnen,
andererseits führt uns der Link zum lachenden Konterfei unserer Gesundheitsstadträtin (http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/Drei-Viertel-der-Schuelerinnen-wuenschen-sich-Untergewicht;art23652,1227678),
so dass dass man ob der inhaltlichen Zusammenhanglosigkeit der gebotenen Informationen ins Grübeln kommen könnte.

Aber zurück zur Frau Direktor K-L für Organisationsentwicklung , der Generaldirektor ist in der augenblicklichen Diskussion ja ebenso wie Frau Wehsely im medialen Mariannengraben abgetaucht.

Magistra Kölldorfer-Leitgeb, die es durch bemerkenswertes Engagement schaffte, parallel zum Hauptjob als Pflegedirektorin des KFJ auch Akademische Health Care ManagerIn zu werden und ein Studium für Gesundheitswissenschaften zu absolvieren, weiß,
dass die ganze Aufregung in ihrem Konzern ausschließlich von der Ärztekammer angefacht wurde:

Man darf aber auch nicht vergessen, dass es im kommenden Jahr Ärztekammer-Wahlen gibt. Es gibt jedenfalls in unseren Häusern sehr viele engagierte Ärzte, die den Kopf darüber schütteln, dass hier permanent versucht wird, nötige Veränderungen zu blockieren und zu verhindern.

Kein Wort von den Einsprüchen der Personalvertretungen.
Den „Führungsstil“ des KAV kritisiert auch Wolfgang Weismüller, Personalvertreter der Ärzte im KAV und Vorsitzender des Personalgruppenausschusses Ärzte. Der KAV wolle die wöchentliche Arbeitszeit der Ärzte um jeden Preis von wöchentlich rund 55 Stunden auf 42 reduzieren, was zu einer „unglaublichen Arbeitsverdichtung“ führe und die Aufrechterhaltung des Spitalsbetriebs gefährde.
http://diepresse.com/home/panorama/wien/5043300/Aerzte-drohen-nach-Kurzungen-mit-Streik?from=suche.intern.portal

So ganz sicher ist sie im geforderten Neu-Sprech noch nicht, lässt sie doch durchblicken, wie einseitiger der Prozess war:

Seit einem Jahr sind wir mit den Mitarbeitern im Gespräch, haben unzählige Workshops veranstaltet und dargestellt, wie das neue Dienstzeiten-Modell umzusetzen ist.

http://kurier.at/chronik/wien/krankenhaus-managerin-es-geht-nicht-um-einsparungen/209.260.728

Die ganze Verhöhnung geht aus der Pressemappe zum Thema, die der KAV am 4. Juli verteilt hat hervor:

Die Generaldirektion hat die Umsetzung massiv unterstützt und den Stand der Umsetzung genau beobachtet. Ergebnisse:

  • In den Abteilungen, die auf das neue Dienstzeitmodell umgestellt haben, sind die Vorteile für die MitarbeiterInnen und die PatientInnen evident.

Liest sich doch nach dem wohlwollenden Auge von Big Brother und delegiert wie immer die Schuld nach unten:

  • In vielen Bereichen ist noch nicht gelungen, die Dienstpläne der ÄrztInnen gemäß dem neuen Modell umzugestalten

Warum wohl, weil es nicht genug Ärzte mehr gibt?
Weil sich die Patienten noch immer in den Nachtstunden einbilden akut zu erkranken?
Weil da die Rahmenbedingungen doch noch nicht so erfüllt sind, wie behauptet?

OK, da kann man wirklich nur mehr den Kopf schütteln …

Wir wollen aber auch nicht vergessen, wer bei dieser Pressekonferenz neben Frau Direktor saß und ebenfalls „im Namen der KAV Ärzte sprach“::

Dr. Lothar Mayerhofer,
Ärztlicher Direktor (und ehemaliger OA auf der Notaufnahme, machte seine Managementausbildung auch neben seinem Direktionsjob), Donauspital
Donauspital: Ein Arzt weniger in der Nacht auf der Notaufnahme
http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/Donauspital-Ein-Arzt-weniger-in-der-Nacht;art23652,1302344
Die in Notfallambulanzen notwendige Vorhalteleistung für unvorhersehbare Spitzenbelastungen wird durch die Zusammenarbeit mit der Internistischen Stammabteilung sichergestellt“, betont Mayerhofer.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160620_OTS0120/donauspital-weist-oevp-und-aerztekammer-kritik-an-fehlenden-nachtdiensten-zurueck

… die gerade Dienste einspart und (siehe unten) nicht einmal mehr am Tag genügend Ärzte hat …

Prim. Prof. Dr. Christian Sebesta
2.Medizinische Abteilung, Donauspital UND
Medizinische Abteilung KH Floridsodorf
In den Monaten Juli und August 2016 sind an der Onkologischen Ambulanz der 2. Medizinischen Abteilung keine planbaren Neuvorstellungen von Patienten möglich.“
http://diepresse.com/home/panorama/wien/5048195/Aufregung-um-Sommersperre-im-SMZ-Ost
http://kurier.at/chronik/wien/machtkampf-um-wiens-spitaeler/82.938.022

Prim. ao. Univ.-Prof. Dr. Andreas Steiner 
Dermatologische Abteilung, Wilhelminenspital UND
Dermatologische Abteilung, Krankenhaus Hietzing
http://hautarzt-wien.at/ordination/

Prim. Univ.-Doz. Dr. Christoph Wenisch
Medizinische Abteilung, Kaiser-Franz-Josef-Spital
Seine Ordinationszeiten (gemeinsam mit seinem eigenen  OA Dr. Hermann Laferl)
Mo und Do 15:00 – 18:00

http://www.praxisplan.at/17117/Christoph-Wenisch

Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Hilbe 
Medizinische Abteilung, Wilhelminenspital
Seine Ordinationszeiten im Privaten Ordinationszentrum Döbling
Montag: 16:00 – 18:00

 

Written by medicus58

12. Juli 2016 at 20:16

Warum die Kosten der Medizin immer der Inflationsrate vorauslaufen werden

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512px-The_Anatomy_Lesson

Aktuell wieder aufgeflammt, aber prinzipiell seit Jahren einfach verschlampt, erreicht der Arbeitszeitkonflikt in Wiens Spitälern erneut die Medien:

KURIER: Spitalsärzte sollen keine Überstunden mehr machen
http://kurier.at/chronik/wien/spitalsaerzte-sollen-keine-ueberstunden-mehr-machen/190.220.890

KAV Dementi

PRESSE: Überstundenverbot für Ärzte
http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/4969427/Ueberstundenverbot-fur-Aerzte

KAV Drohung an ÄK Präsident Szekeres

KAV-Überstundenverbot: Vorwurf der Lüge für Szekeres „vollkommen haltlos“
Schriftliche Beweise liegen vor – Ärztekammer erwägt rechtliche Schritte gegen KAV
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160418_OTS0179/kav-ueberstundenverbot-vorwurf-der-luege-fuer-szekeres-vollkommen-haltlos

 

Stadträtin Wehsely und GD Janßen wollen den Eindruck erwecken, dass es hier ausschließlich um einen Konflikt mit den angestellten Ärzten bzw. dem Njet-Sagern in der Ärztekammer geht, dabei rüstet die Gewerkschaft (Younion) aber gerade mit Dienststellenversammlungen und Demo-Drohungen zum globalen Kampf und da geht’s – wie in der Vergangenheit – gar nicht um die Ärzte, sondern um alle anderen im KAV Beschäftigten:

Auf zeitgleich stattfindenden Versammlungen in allen Dienststellen des Wiener Krankenanstaltenverbundes haben die örtlichen Gewerkschafts- und Personalvertretungen über den aktuellen Stand der Verhandlungen zu Gehalt und Rahmenbedingungen mit der Unternehmensführung des Krankenanstaltenverbundes informiert – und einen „heißen Frühling in Wien“ angekündigt.
„Wir lassen uns nicht spalten. Wir sind das Team Gesundheit und stehen hier für bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Entlohnung unserer Kolleginnen und Kollegen“, erklärt Wolfgang Hofer, Vorsitzender der Personalvertretung und des Gewerkschaftsausschusses im AKH. Auf den zentral in allen Dienststellen zeitgleich stattfindenden Dienststellenversammlungen kommen Mitglieder aus dem gesamten Team Gesundheit zusammen – die Beschäftigten aus dem Wiener KAV.
Anlass sind die aktuell ins Stocken geratenen Verhandlungen der younion Hauptgruppe II mit dem KAV-Management.
„Am 31. März 2016 ist die Frist abgelaufen, die wir dem Management gesetzt hatten, um auf unseren Forderungskatalog zu reagieren.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160414_OTS0092/younion-team-gesundheit-schafft-klarheit

Also nix nur Ärzte, im KAV kocht es an allen Fronten. Natürlich ist absehbar, wie man seitens der Politik, der Gesundheitsökonomie und der Generaldirektion reagieren wird:
Die Medizin wird immer teurer und das können wir uns nicht leisten!

Nur was heißt „immer teurer“?

Immer teurer heißt eigentlich, dass die Kosten im Gesundheitssystem schneller wachsen als das Bruttosozialprodukt.

Anders ausgedrückt lautet der Vorwurf an die im Gesundheitssystem Tätigen, dass sie ihre Effizienz weniger gesteigert haben, als andere Branchen.

Nun an den schönen Kassentarifen kann es wohl nicht liegen:
rektale Untersuchung 2,75 €
Juni 2012: Der typische Arzt ist ein Hausarzt mit Kassenverträgen und reich
https://medicus58.wordpress.com/2012/06/10/der-typische-arzt-ist-ein-hausarzt-mit-kassenvertragen-und-reich/

Natürlich steigen die Spitalskosten, aber: DIE OECD irrt, unsere Spitäler sind billig und werden jetzt ohnehin geschlossen
https://medicus58.wordpress.com/2015/11/05/die-oecd-irrt-unsere-spitaeler-sind-billig-und-werden-jetzt-ohnehin-geschlossen/

Was wir im Gesundheitssystem Tätigen (oder besser diejenigen, die behaupten unsere Interessen zu vertreten) aber immer wieder klar stellen sollten,
hat Meister Rembrand schon 1632 in seinem Gemälde Die Anatomie des Dr. Tulp erkannt.

Noch klarer kommt das bei dem 1875 von Thomas Eakins geschaffenen Gemälde Die Klinik Gross (The Gross Clinic) zum Ausdruck:

The_agnew_clinic_thomas_eakins

MEDIZIN IST EINE PERSONALINTENSIVE  DIENSTLEISTUNG

Ich habe dies hier schon vor vier Jahren unter dem Titel
Fordismus im Spital: Das Geld liegt auf der Strasse?
https://medicus58.wordpress.com/2012/04/27/fordismus-im-spital-das-geld-liegt-auf-der-strasse/
abgehandelt:
Die Effizienzsteigerungen der Fertigungsindustrie basieren auf Automation, Personalreduktion und Preisoptimierung für den Rohstoff,
die von großen Teilen des Dienstleistungssektors darauf, dass ein Teil der Arbeit an den Kunden auslagert wurde (Stichwort: Online-Banken, -Flugtickets, -Service, …).

In der Medizin kann ich zwar den Patienten einen Fragebogen geben und damit versuchen das Anamnesegespräch zu ersetzen (habe ich in meinem Bereich immer wieder versucht), nach diesen Ergebnissen, konnte aber niemand eine Diagnose stellen.

Ich kann gehfähigen Patienten zwar ein schönes SB-Buffet anbieten, für das löffelweise Füttern benötige ich Pflegepersonal.

Kurz: in den Gesundheitsberufen ist die persönliche diagnostische, therapeutische und pflegerische Tätigkeit am Patienten das Kernstück des Ganzen und das muss ich auch in der Ausbildung weitergeben. Deshalb standen bereirs im 17. Jhdt um einem Patienten schon so viele andere Personen herum, dabei gab’s damals noch nicht einmal Tumorboards und ausführliche Dokumentationsvorschriften.
Im 21. Jhdt ist die Medizin sicher nicht einfacher geworden…

Alle Bereiche, in denen ich mit den drei ökonomischen Feuchtträumen (Automation, Personalreduktion, billige Rohstoffpreise) nicht operieren kann, müssen in Relation zu den übrigen Bereichen „teuerer“ und/oder „weniger effizient“ scheinen.

Und genau darum geht es bei dem aktuellen Dienstzeitkonflikt:
Eine trotz neoliberalem Sprech und Tun ökonomisch ungebildete Politik, vertraute auf unsachliche Berater, die ihr weismachten, dass man in der Medizin in erster Linie am Personal sparen könnte, weil das schließlich der größte Kostenfaktor wäre. Mit dem eingesparten Geld könnte man EDV, Großgeräte, ELGAs bis hin zu Big Data basierten Algorithmen finanzieren, die die Medizin genauso effizient machen könnten wie die Fließbänder der Fertigungsindustrien oder die großen Handelsriesen vom Schlage Amazon oder Zalando.
Im Unterschied zur Medizin wird in diesen Branchen immer wieder der gleiche Prozess abgespult. In der Medizin haben wir es letztendlich immer mit einer „Einzelanfertigung“ in einem hoch komplexen und interdependenten Prozess zu tun und den beherrscht ebem nur qualifiziertes Personal. Seine Reduktion steigert nicht die Effizienz sondern vermindert die Qualität.

Bilder Copyright:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AThe_Anatomy_Lesson.jpg
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Klinik_Gross

Written by medicus58

18. April 2016 at 23:32

Wien 2015: Wählen wir eigentlich Wehsely?

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Wes
Kann sein, dass das lauter werdende Knistern im Zeitungswald Zufall ist, aber bemerkenswert ist es schon:

Am 27.August schrieb der Standard die Wiener SPÖ Stadträtin Wehsely ansatzlos zur roten Nachwuchs-(!)hoffnung  hoch (http://derstandard.at/2000020734637/Sonja-Wehsely-Die-mit-den-Aerzten-kaempft):
Sonja Wehsely, 45, seit ihrem 14. Lebensjahr politischer Vollprofi, legt diesen rhetorischen Köder natürlich bewusst aus. Die Wiener „amtsführende Stadträtin für Gesundheit und Soziales“ ist keine schlechte Rednerin.

Und zitiert auch völlig unkritisch die Behauptung der Patientenanwältin Pilz (Sigrid Pilz: Von Traumjobs kann man nie genug kriegen http://wp.me/p1kfuX-wh) mit den anerkennenden Worten, dass Wehselyden KAV gut im Griff“ hätte,
was Insider – und nicht nur die bösen Ärzte – augenblicklich doch etwas differenzierter sehen würden (5. September – CARE Revolution Wien ruft zur Demonstration auf http://wp.me/p1kfuX-11G).

In der aktuellen Ausgabe des Falters (S. 14 39/15), schiebt Barbara Toth einen weiteren Jubelartikel nach und betitelt die 45-jährige Nachwuchshoffnung gleich einmal als Frau Bürgermeister?

Beide Artikel erwähnen eher überraschend die jüdischen Wurzeln der Großeltern väterlicherseits und deren Flucht Ende der 30-Jahre, ein Faktum, das die in Eigen-PR (https://www.sonja-wehsely.at/) nicht gerade untätigen Politikerin bislang noch nicht breitgetreten hat.
Beide Artikel loben Ihr Spitals- und Pflegekonzept 2030 und bejubeln, dass sie es gegen alle Warnungen (gegen die Ärzte) durchboxte, als wäre Beratungsresistenz ein anbetungswürdiges Charakteristikum eines Politikers.

Halten Sie mich für einen unverbesserlichen Paranoiker, aber zwei über weite Strecken inhaltsidente Politikerporträts knapp vor einer Wahl entstehen kaum spontan.

Dass Bürgermeister Häupl sein Versprechen wahr machen wird auch nach der Wahl im Amt zu bleiben, nehmen ihm die Wähler ohnehin nicht mehr ab (http://www.vienna.at/bleibt-haeupl-buergermeister/4458172), so dass die Suche nach einem Konkursverwalter des kommenden Wahlergebnisses nicht sehr verwundert. Bizarr ist aber allemal, dass auch Andreas Schieder, Wehselys Lebensgefährte (Meet SPÖs First Couple http://wp.me/p1kfuX-Jl) an anderen Bassenas und Waschtrögen als kommender Bürgermeister gehandelt wird und dies ein eigenartiges Licht auf den Genpool der Wiener SPÖ wirft, aber egal.

Erschreckend ist meines Erachtens jedoch, wie zwei der noch etwas qualitativeren Medien des Landes eine Erfolgsbilanz herbeijubeln, die für mich nur sehr schwer nachvollziehbar ist:

Wehsely war (gemeinsam mit dem OÖ LH Pühringer) sicher für große Teile der letzten österreichweiten Gesundheitsreform verantwortlich.

Die als Erfolg zu bezeichnen erscheint mir kühn. Bislang ist das alles ein überbürokratisierter Papiertiger ohne konkrete Verbesserungen in der täglichen Praxis.
Die Operette mit den Primärversorgungszentren, die nicht einmal über das Pilotstadium hinausgekommen sind, aber sofort gesetzlich verankert werden sollen (PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich? http://wp.me/p1kfuX-11t) ist da nur ein Mosaiksteinchen.
Potemkinsche Spitäler (http://wp.me/p1kfuX-n8),
eingeschränkte fachärztliche Versorgung, reduzierte, dislozierte Organisationsformen,  (Alter Wein in Englischen Schläuchen: AGB der Gesundheitsreform müssen her http://wp.me/p1kfuX-D7) entpuppen sich als
Downsizing der medizinischen Qualität und Rationierung.

und das Presseecho ist auch nicht gerade euphorisch:

Übervolle Ambulanzen, „Mystery Shopping“, teure Kuren. Der KURIER beantwortet die drängendsten Fragen.
http://kurier.at/politik/inland/gesundheitsreform-das-sind-die-baustellen-im-gesundheitswesen/147.006.271
Mit Trippelschritten zur Gesundheitsreform
http://derstandard.at/2000020820383/Mit-Trippelschritten-zur-Gesundheitsreform
Doch auch als Wiener Gesundheitsstadrätin hat die Nachwuchshoffnung gezeigt, wohin mit ihr der Hase in den Pfeffer läuft:

Was im Spitalskonzept 2030 als Zentrumsbildung verkauft wurde, stellt sich als reines Runterfahren und Aushöhlen heraus:
Dass die alten, kleineren Spitäler wie das Kaiserin Elisabeth Spital geschlossen wurden hätte zumindest wirtschaftlich gewissen Sinn gemacht, hätte man nicht kurz vorher noch Millionen in deren Renovierung (z.B. in moderne Operationssääle) gepulvert,
aber das Spitalskonzept 2030 und die „wehsentliche“ Wandlungen seiner Produktdeklaration ( http://wp.me/p1kfuX-K9 ) begnügte sich nicht damit, neben dem AKH 6 Schwerpunktspitäler (Wilhelminen, KFJ, Hietzing, KFJ, SMZO) zu belassen, die jedes für sich die wesentlichen medizinischen Leistungen anbieten kann, sondern die Wiener Spitalslandschaft wird auf 3 Schwerpunktkrankenhäuser eingedampft, wo nur mehr ein Spitalspärchen (WIL/Hietzing, KFJ/RUD, SMZO/Nord) gemeinsam die Kriterien eines Schwerpunktspitals erfüllt, da in allen Spitälern Abteilungen ersatzlos geschlossen werden.
Wenn der Unfallchirurg vielleicht einen operativ versierten Augenarzt benötigt, egal.
Dermatologie? Genügt eine für ganz Wien.
Schilddrüsenuntersuchungen? Stellen Sie sich auf einige Monate Wartezeit ein.
Urologie
, vielleicht noch zwei?
Doppelprimariate wie die HNO mit nur einem Zweck, nämlich die eine Abteilung zu schließen.
Drei Onkologien für ganz Wien, recht auch.
Wozu braucht eine Kardiologie einen Herzkatheter?
Das Nord ist noch nicht eröffnet, aber man weiß schon, dass man nach ein paar Jahren die frisch eingezogenen Abteilungen wieder absiedeln wird!
Abteilungen werden kreuz und quer verschoben, die Projektpapiere des letzten Monats sind heute bestenfalls als Lachnummer geeignet, so überhaupt noch irgendwas schriftlich zu Gesicht bekommt.

Natürlich hat man davon bei der Präsentation des 2030-er Konzeptes von der Stadträtin nichts gehört. Ich befürchte, dass sie es zu dem damaligen Zeitpunkt nicht einmal selbst gewusst hat, vermutlich hat es sie auch nicht interessiert.

Und natürlich braucht der Norden Wiens ein Schwerpunktspital, aber die bisherige Baugeschichte des KH Nord als Erfolgsgeschichte zu verkaufen, fällt auch der Rathaus-PR-Maschine schwer (Nordlichter, weshalb der Stadt für Ärzte und Pflege kein Geld mehr bleibt http://wp.me/p1kfuX-X3).

Aber natürlich hat das Stadträtin Wehsely nicht allein geschafft. Seit Jahren umgibt sie sich mit unzähligen Beratern, die das öffentliche Krankenhaussystem sturmreif reformieren:

Dr. Ebner – Die „objektive“ Krake im Gesundheitssystem http://wp.me/p1kfuX-xw
Nach dem Köck auch den Bock zum Gärtner ... http://wp.me/p1kfuX-cy
Wer macht da den Köck zum Gärtner? http://wp.me/p1kfuX-cs
Was der KAV vom Billa lernen kann oder Je suis IFES http://wp.me/p1kfuX-10X

Wird der KAV privatisiert? Ein Indizienprozess bei dem wir baden gehen. http://wp.me/p1kfuX-Y2

Wohin der politische Auf- oder Gegenwind Sonja Wehsely auch hinwehen wird, im Gesundheitssystem hat sie gezeigt, worauf es ihr ankommt. Wenn alle politischen Stricke reißen, wird sich schon irgendjemand dankbar erweisen, für die eröffneteten Geschäftsfelder.
Beängstigend, wenn das Standard und Falter dem Wähler vernebeln.

I had a Dream: KAV for Sale http://wp.me/p1kfuX-L1

Written by medicus58

23. September 2015 at 18:03

Wehsely Leak: Ist die Mauschelei am Ende?

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Arztweg
Vor fast drei Wochen hat Stadträtin Wehsely vollmundig erklärt:

„Wir haben es geschafft, miteinander eine sehr große Strukturreform einzuleiten und die Spitalsorganisation auf neue Beine zu stellen.“
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/4649927/Wiener-Spitalsaerzte_Mehr-Gehalt-flexiblere-Arbeitszeit
Damit sollen vor allem in den Nachmittagsstunden mehr Patienten versorgt, während die Nachtdienste um ein Drittel reduziert werden.

Ihre „Verhandlungspartner“ (Gewerkschaft/Personalvertretung, Ärztekammer; angeblich auch Primarärzte- und Mittelbauvertreter) (http://wp.me/p1kfuX-Tm) freuten sich medial und verteidigten das Ergebnis online und in eilig einberufenen Versammlungen:

Dass seither das Original der Vereinbarung noch immer NICHT den 3000 betroffenen Ärzten im KAV zugänglich gemacht wurde, obwohl sie über seine Inhalte abstimmen sollen, ist ein schönes Beispiel für den Stil, mit dem die Dienstgeberin mit ihren Mitarbeitern umgeht!

Nur blöd, dass man es im KAV gemeinsam mit seinen externen Beratern (Dr. Ebner – Die „objektive“ Krake im Gesundheitssystem http://wp.me/p1kfuX-xw) so eilig hatte, dass man in einer Mail, die letzte Woche verschickt wurde, die Einsparung von 382 Arztposten als Rahmenbedingung für die Vereinbarung verschriftlichte. Es dauerte dann noch einige Tage, bis man die Meldung heute auch im Kurier lesen konnte:
http://kurier.at/chronik/wien/stadt-wien-spart-382-spitalsaerzte-ein/114.140.791

In Wirklichkeit hat Wehselys den Kahlschlag schon im Zuge der Pressekonferenz am 29.1. angedeutet:

„Dadurch wird der Personalbedarf in den KAV-Spitälern nicht steigen, sondern sinken“, erklärte Wehsely.
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/4649927/Wiener-Spitalsaerzte_Mehr-Gehalt-flexiblere-Arbeitszeit

Nur wollten halt alle Verhandler glauben machen, dass die in den eingesparten Nachtdiensträdern freiwerdende Ärztestunden zur Patientenversorgung während der Tagesstunden verwendet werden sollen.
Eine Überschlagsrechnung ergibt aber, dass die eingesparten 112,5 Nachtdiensträder etwa 675 Ärzteposten entsprechen, wenn nun 382 Spitalsärzte (bis 2018) eingespart werden sollen, heißt das ganz offenkundig nicht die Verlegung der Ärztearbeitszeit in die Tageszeit die Triebfeder der „Reform“ war, sondern die Personalreduktion!

Dass selbst das ORF Landesstudio (Wien heute), also ein traditionell dem eigenen Bundesland wohlgesonnenes Sprachrohr über Wehsely-Leak berichtete, macht die Sache schon brisant, auch wenn man, ganz auf der Linie des Stadtratbüros einen Beitrag nach schob, der erneut die neuen Primary Health Care Piloten als Entlastung für die Spitäler hinstellte.
Dass es sich dabei nur um den Aufguss eines schon mehrfach durchs Dorf getrieben Schweiderls handelt, haben wir hier schon berichtet: Wie oft wird kann man die Sau durchs Dorf jagen, ohne dass es den Medien auffällt? http://wp.me/p1kfuX-Tw

Nun geht die große Absetzbewegung der Mitverhandler los, wobei es erneut zu ein paar Hopperlas kam. Der Facebook-Beitrag von Ärztekammerpräsident Szekeres:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

bitte finden Sie anbei das Rundschreiben der Ärztekammer, das soeben als Reaktion auf die KAV-Power-Point-Folien verschickt wurde.
LG Thomas Szekeres

war nicht abrufbar und führte zu folgender Fehlermeldung:

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Persönlich glaube ich ja, dass es sich in der nun öffentlich gewordenen Power-Point Folie einfach wieder um eine „nicht ganz bereinigten“ Version für den internen Gebrauch handelte, ja das kann schon mal passieren, bei der enormen Arbeitsleistung der Lieblingsberater unserer Dienstgeberin, aber sie lässt schon hinterfragen, ob die Verhandlungspartner der Stadträtin damals so ganz genau gewusst haben, über welche Tische sie gezogen wurden ….

Egal, lasst uns optimistisch sein und hoffen, dass irgendwann auch die Stadt Wien erkennt, dass man (leicht paraphrasiert) nicht alles vor allen und immer geheimhalten kann und von paternalistischer Verhaberung und Mauschelei endlich zu mehr Transparenz findet.

Dazu würde es auch gehören, dass sie:
Erstens den exakten Wortlaut der UNTERSCHRIEBENEN Betriebsvereinbarung offenlegt und
zweitens alle Verhandler die Betroffenen befragen und dies nicht dem unwichtigsten Verhandler, eben der Ärztekammer, überlässt.

Ob sich Wehsely nach diesem Desaster noch traut, wie angedroht, die Dienstzeitenänderung auch ohne Gehaltsanpassung per Erlass zu verfügen, mag bezweifelt werden.
Ihr großer Mitstreiter in Sachen Gesundheitsreform aus Oberösterreich (LH Pühringer) hat schließlich auch vor zwei Tagen das bereits geschnürte Paket vor der Abstimmung nachgebessert, warum wohl?

Lit:
„Der KAV (Wiener Krankenanstaltenverbund, Anm.) plant offenbar mehr als 10 Prozent der Ärzte (382 Dienstposten) zu streichen. Zusätzlich zur Ärztearbeitszeitverkürzung von 15 Prozent.“ Mit dieser Meldung ließ der Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer aufhorchen. Der Experte hatte auf seiner Facebook-Seite ein internes KAV-Dokument veröffentlicht (es liegt der „Presse“ vor), in dem wörtlich steht : „Bis Ende März 2015 soll ein abgestimmter Dienstpostenplan (…) vorliegen.“ Dann kommt der entscheidende Nachsatz: „Die Vereinbarung beinhaltet das Ziel, dass (…) 382 Dienstposten reduziert werden (Realisierung bis 2018)“.
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/4664195/Spitaeler-der-Stadt-Wien_382-Aerzteposten-gestrichen 

Written by medicus58

16. Februar 2015 at 21:05

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