Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Ausgeschlafene Ärzte interessieren keine Sau, es geht um die Marie

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Wie kürzlich hier unter Nebenfront Nebenbeschäftigung? (https://medicus58.wordpress.com/2016/09/18/nebenfront-nebenbeschaeftigung/) berichtet, ist das Problem der Ärztearbeitszeiten in den Spitälern  noch längst nicht gelöst.
Wenn da treuherzig u.a. von der Patientenanwältin Pilz vom „Recht der Patienten auf einen ausgeschlafenen Arzt“ gesprochen wird (ttp://wien.orf.at/news/stories/2787686/), kann dem kaum widersprochen werden, nur entlarvt sich die Politik ohnehin.

Im Gesundheitswesen geht es schon längst nicht mehr um unsere Gesundheit, sondern nur mehr ums Geld.

Nachdem die Politik in Wien drei Jahrzehnte den Ärzten die  Wochenruhezeit vorenthalten und sie dann mit Urlaubstagen (ZZ Tagen) abgespeist hat, was natürlich jetzt ohne Schuld der Ärzte die Überstundenkosten weiter hoch treibt (30 Jahre braucht der KAV um ein Gesetz zu lesen – muss nun der Generaldirektor gehen? https://medicus58.wordpress.com/2013/02/16/30-jahre-braucht-der-kav-um-ein-gesetz-zu-lesen-muss-nun-der-generaldirektor-gehen/ ) 

und man in ganz Österreich bis zur kurz bevorstehenden Bestrafung aus Brüssel das Arbeitsruhe-Gesetz für Ärzte  hinausgezögert hat und es dann mit Übergangsbestimmungen bis 2021 (!) eingeführt hat (Da ist irgendwo der Hund drinnen, Herr Minister Hundstorfer! https://medicus58.wordpress.com/2015/03/10/da-ist-irgendwo-der-hund-drinnen-herr-minister-hundstorfer/ ),

laufen jetzt die Finanz(!!!)-Landesräte der  Bundesländer dem aktuellen Sozialminister die Türen ein, er möge doch die Übergangsbestimmungen des Gesetzes über 2021 verlängern.

Österreich hätte sich zu einer „überschießende Umsetzung“ der europarechtlichen Erfordernisse hinreißen lassen.
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/5096473/Aerztearbeit-eint-Laender-und-Schelling

Nicht unlustig nach einer Bedenkzeit von 13 Jahren!

Nachdem es Jahrzehnte lang billiger war, die Krankenkassen zu entlasten, in dem man die Patienten in Richtung des überwiegend mit Steuergeldern (und nicht durch Arbeitgeberbeiträge co-finanzierten !!!)  Spitalssystem verschoben hat, wurde nun durch die weitgehend (keine Rede von + 50%) einkommensneutrale Reduktion der maximalen Ärztearbeitszeit dieser Schleichweg für die Länder (Politik) einfach zu teuer.
Länder und Gemeinden rechnen im Rahmen des anlaufenden Finanzausgleichs zwischen Bund und Ländern bis 2018 dafür mit
MEHRkosten von 1,2 Milliarden Euro! 

Auf den ersten Blick könnte man meinen, nur das alte Schema zu erkennen:
Die Politik agiert und die Ärztekammer protestiert: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20161005_OTS0027/aerztekammer-lehnt-vorstoss-der-finanzlandesraete-strikt-ab

In Wirklichkeit erleben wir eine der drastischsten Umstrukturierungen im Gesundheitswesen der letzten Jahrzehnte.
Der alleinige Fokus auf die Ärzte ist zwar am Boulevard populär, greift aber viel zu kurz.

Nur deshalb werden Nachtdienste reduziert, nicht weil man plötzlich draufkommt, dass man George Clooney in einer Notfaufnahme installieren kann, sondern weil man es sich nicht mehr leisten kann, die extramuralen Defizite (Kassenverträge, Rettungswesen ohne Notärzte, …) durch die Gangbetten im Krankenhaus auszugleichen,

nur deshalb werden immer mehr der ehemals von Jungärzten erbrachten Tätigkeiten der Pflege umgehängt, nicht weil man plötzlich die Kompetenzen der Pflege erkannt hat, sondern schlicht, weil deren Stundenlohn (Lohn/Gesamtarbeitszeit!) nun -nach der Gehaltsreform (!) – niedriger als der der Ärzte ist,

nur deshalb wurden PHCs erfunden, weil dort, im Gegensatz zur klassischen Hausarztordination, die Öffnungszeiten billiger auch von Nicht-Ärzten abgedeckt werden können, und nicht weil es wirklich Bereiche gibt, für die ein interdisziplinäres Team zu besseren Ergebnissen führt (Diabetes, … etc.)

nur deshalb wurde kürzlich die Pflegeausbildung akademisiert, nicht weil man zukünftig nur mehr akademisierte Pflege einstellen will, sondern weil man beabsichtigt einer „FH Krankenschwester“  nur mehr kostengünstigeres (und geringer ausgebildetetes) Personal zur Seite stellen zu können und trotzdem jemand haben wird, der die Verantwortung übernimmt.

nur deshalb wurde schon vor Jahren die eigenständige Berufsausübung der medizinisch-technischen Dienste (Physio-, Ergotherapeuten, Radiologie-Technologen, ….) ermöglicht, nicht weil man plötzlich deren Kompetenzen zu schätzen gelernt hat, sondern um sich den teuren Umweg über die Ärzte (Diagnose, Indikationsstellung, Erfolgskontrolle, …) zu erparen.

Die Liste könnte ich endlos fortsetzen, aber einen Punkt hat man politisch übersehen:
Unter diesen Umständen stimmen die Menschen mit den Füssen ab und verlassen das politisch kontrollierte Gesundheitswesen.

Gut für die G’stopften und die Privatversicherungen, blöd für den Rest.

Noch macht man den Bürgern, die das so (Pflichtversicherung) oder so (Steuergelder) finanzieren, vor, es würde hier nur um einen Konflikt mit den „Betonierern in der Ärztekammer“ und ein paar „Göttern in Weiß“ gehen. Bin neugierig bis auch die Medien begreifen, welche Veränderungen hier seit Jahren ablaufen.
Vermutlich erst, wenn auch die Pflege und die MTDG begreifen, wie sehr sie instrumentalisiert und verkauft werden …..

 

 

 

 

Written by medicus58

5. Oktober 2016 um 16:50

5 Antworten

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  1. Hervorragende Analyse. Vielleicht begreifen einige doch früher…….

    Dr. Silvia Wogritsch

    5. Oktober 2016 at 18:49

  2. Madman32

    6. Oktober 2016 at 14:11

    • Seite 26

      Madman32

      6. Oktober 2016 at 14:12

    • Eine sehr gute und abgesicherte Darstellung eines Phänomens, dass viele von uns ohnehin gut kennen. Jetzt noch die angebliche Outcome Verbesserung durch Zentrumsbildung mit hohen Fallzahlen als (teilweise) Schimäre entlarven und die Gesundheitsgurus sind arbeitslos😉

      medicus58

      6. Oktober 2016 at 17:58

  3. Ärztekammer droht Kassenvertrag zu kündigen http://ooe.orf.at/news/stories/2808484/

    Christine Kainz

    12. November 2016 at 11:11


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