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Covid-19 Risikopatient Faßmann: will er ins Home Office?

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Bildungsminister Faßmann kündigte an, dass es allen Bundeslehrer über 60 frei steht als Risikopatienten vom Unterricht freistellen zu lassen.
Unabhängig davon, dass er da ein Zerstörungswerk von ÖVP Ministerern fortsetzt; schon vergessen, wie Ministerin Gehrer agiert hat?

Vielleicht will er selbst ins Home Office fliehen, schließlich war er ja selbst Universitätslehrer und ist wie ihr Medicus im Risikoalter!

Aber ernsthaft, man ist sprachlos, wenn man die Situation an unseren Schulen kennt weiß man, dass sich diese vom Gehrer’sche Kahlschlag bis heute nicht erholt haben un dort in vielen Fächern Menschen unterrichten, die ihr Lehramts-Studium noch gar nicht abgeschlossen haben.

Für diejenigen ohne persönliche Erfahrungen mit unserem Schulsystem hilft es vielleicht die Faßmann-Regel auf den Bereich der niedergelassenen Ärzte (Daten 2018 siehe oben) anzuwenden, um klar zumachen, welchen Kahlschlag dieses Geschenk für das ÖVP Klientel bedeutet.
Mit einem Schlag wären 29% aller niedergelassenen Ärzte weg!

Links:
Unterrichtsfrei für über 60-jährige Bundeslehrer
Lehrer ab 60 freigestellt„Das ist anderen gegenüber nicht solidarisch“
Schnapsidee“: Heftige SPÖ-Kritik an ÖVP-Lehrerplänen
Massive Kritik an Lehrerfreistellung ab 60


Written by medicus58

10. Mai 2020 at 12:22

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Gottes Lohn und Teufels Beitrag

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Wie bei uns so auch beim deutschen Bruder spielen kirchennahe Krankenhausträger eine wesentliche Rolle im Gesundheitssystem.

Allein von den Katholen werden in Deutschland 400 Kliniken betrieben, wo 200.000 Beschäftigte 3.5 Millionen stationäre und 5 Millionen ambulante Patienten versorgen.

In 201 evangelischen Krankenhäusern versorgen 93.000 Beschäftigte über 2 Millionen stationäre und 3,5 Millionen ambulante Beschäftigte.

Die Gehälter liegen unter denen nicht konfessioneller Häuser und werden nicht mit der „Ärztegewerkschaft“ Marburger Bund verhandelt.

Mich würde mal ein Vergleich der Lohnniveaus zwischen konfessionellen und nicht konfessionellen Trägern in Österreich interessieren, vielleicht erklärt sich dann, weshalb die Gesundheitspolitik auch bei uns viele Leistungen (Geburten, Chirurgie,…) in die konfessionellen verschiebt.

Weshalb die Gesundheitspolitik (nicht zuletzt in Wien) es aber zulässt, dass teure und nicht lukrative Leistungen in den öffentlichen Bereich zurück verschoben werden, ist dann – zumindest ökonomisch – nicht mehr verständlich.

Written by medicus58

10. September 2019 at 23:03

Warum die SPÖ für die Rendi-Wagner rennen sollte und ein paar Zeilen gegen Zeiler et al.

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Ob man das aus den Trümmern der KERNspaltung empor gekommene SPÖ Duo Drodza & Rendi-Wagner nun persönlich oder politisch mag, soll hier nicht beplappert werden, aber Gerhard Zeiler (seit 1986 !!! Medienmanager) als rekurrierendes Murmeltier, das die SPÖ Ausjährigen (Teddy Podgorski geb. Juli 35 !! ) und Medien seit Jahren immer wieder exhumieren, um die Partei zu retten, kann doch nicht die Antwort auf den Türkisen Bummelstudenten sein.

Gewinnstreben und Nationalismus mögen Konservativen und Reaktionären als Beweggrund für ihr politischen Handeln reichen; doch auch wenn die Linke mitunter die Wissenschaftlichkeit ihrer Ideologie überschätzt haben mag, so kann vielen ihrer bedeutenderen Repräsentanten eines nicht abgesprochen Werden: Fachwissen

Auf die hohe Prävalenz von Ärzten in der Linken, habe ich schon einmal hingewiesen: Heilberuf und Berufung

Seit die Europäische Sozialdemokratie (New Labour) versucht hat, die Neoliberalen mit dem Ausverkauf der Daseinsvorsorge und die Konversativen mit noch mehr Volksdümmlichkeit rechts zu überholen, geht es mit ihr bergab.

Jetzt auf einen Medienmanager setzen zu wollen, nur weil er gezeigt hat mehr auf Gewinn als auf ein Programm zu setzen, kann nur mehr als Bankrotterklärung einer Bewegung gesehen werden, die einst noch Lehrlingsbibliotheken und Volkshochschulen eingerichtet hat.

Und damit meine ich nicht nur Herrn Zeiler, sondern auch den Herrn Drodza (siehe Teil „Kontroversen„).

Written by medicus58

8. Juni 2019 at 13:27

Veröffentlicht in Nationalratswahlen 2019

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Mit 70 soll Schluss sein? Das Nachspiel zum Schlusspfiff

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Jeder kennt den Emeritus, der noch mit 80 durch die Gänge der Universität streifte und noch 2010 forderte  Der Standard 
Lasst die Uni- Professoren länger arbeiten!

Wir wollen nun nicht die Anekdoten der Chirurgen und Schauspieler bemühen, die praktisch im OP oder auf der Bühne das Leben aushauchten. Weshalb trotz sichtbarer Altersdefizite das Publikum beider zufrieden (und lebendig) den Ort des Geschehens verlassen konnte, erklärt sich durch die tägliche Erfahrung mit dementen Patienten, die ihre Alltagsroutine weitgehend problemlos bewältigen, während ihr Mini-Mental-Status bereits besorgniserregend ist. 

Obwohl wir seit mindestens einem Jahrzehnt wissen, dass wir zwischen 2017 und 2024 eine Pensionswelle unter Ärzten zu erwarten haben (siehe Beitrag vom 15.2.2010) haben Regierung und Ärztekammer durch Studien- und Ausbildungsreform den Nachwuchs kontigentiert.  
Ehe nun der berechtigte Einwand kommt, dass wir in Österreich eh im OECD Vergleich zu viele Ärzte haben: Das stimmt zum Teil, das wird aber zum Großteil durch das insuffizienten System bedingt und das hat zwischenzeitlich niemand verbessert.

In typischer Manier löst man kein Problem sondern verschafft sich durch Übergangsregelungen die Zeit, in der man auf ein Wunder hofft, dass sich das alles dann schon irgendwie ausgehen wird. Das war bei der Ärztearbeitszeit so und auch 2009 im Sozialrechtsänderungsgesetz so, wo sich Regierung und Ärztekammer einigten:

Dass es heute noch zehn Ärztinnen und Ärzte mit GKK-Vertrag gibt, die älter als 70 Jahre sind, ist einer Einschleifregelung zu verdanken, die 2009 auf Drängen der Ärztekammer Steiermark aufgenommen wurde: Für Ärztinnen und Ärzte, die vor dem 1. Jänner 2010 das 60. Lebensjahr vollendet haben, gilt als Altersgrenze das vollendete 70. Lebensjahr, frühestens jedoch ab dem 1. Jänner 2019. Link

Pünktlich „warnen aber nun Kammerfunktionäre erneut vor Zwangspensionierung„:

Derzeit würden knapp fünf Prozent der Kassenvertragsärzte und -ärztinnen 70 Jahre oder älter sein, sagte Helga Azem, Standesvertreterin bei der Österreichischen Ärztekammer, im Ö1-Morgenjournal. Im kommenden Jahr kommen nochmals sieben Prozent dazu, die die Altersgrenze erreichen werden. Wegen der „Zwangspensionierung“ komme ein „großes Versorgungsproblem auf die Patienten zu“, so Azem weiter.

Fluglinien dürfen ihre Piloten mit 65 Jahren zwangspensionieren, das hat der Europäische Gerichtshof entschieden und ich kenne keinen Fluggast, der das schlecht findet, geklagt hat damals ein Lufthansa-Pilot.
Aber so ein Flieger ist natürlich auch viel teurer als ein Kassenpatient

Dabei ist das ohnehin alles Spiegelfechterei: 
Junge Ärzte wollen zu den bestehenden Konditionen weder Kassenverträge noch Stellen in den Krankenhäusern und angestellte Ärzte verlassen lange vor ihrem gesetzlichen Pensionsalter die Spitäler.

Written by medicus58

29. Oktober 2018 at 16:19

Wie verhindern Sie unnötige Zuweisungen? Einfache Fragen statt komplexer Algorithmen

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In einer hier vor 5 Jahren eingestellten und vor 10 Jahren gehaltenen Vorlesung über Clinical Decision Making habe ich mich schon sehr kurz mit den unterschiedlichen Möglichkeiten „ärztlichen Denkens“ beschäftigt:

1. Vorgehen nach Daumenregeln
2. Suchen nach Pathognomonische Symptomen/Kasuistiken
3. Vorgehen nach Persönlicher Erfahrung (Eminence)
4. Lineare – Algorithmische Modelle

Inzwischen hat uns die Informationstechnologie natürlich auch noch nicht-lineare Algorithmen (lernfähige Artificial Intelligence) beschert, die scheinbar uns Ärzte übertreffen:

Babylon AI erreicht Genauigkeit bei Global Healthcare First, die menschlichen Ärzten gleichwertig ist 
Hautkrebs: Computer erkennt besser als Ärzte
Memorial Sloan Kettering Trains IBM Watson to Help Doctors Make Better Cancer Treatment Choices 

Auch wenn derartige Algorithmen wirklich Ärzteposten einsparen könnten und somit bei Ökonomen schon jetzt zu feuchten Tagträumen führen, werden die Kosten für die notwendige Hardware-Infrastruktur und für die beständige Wartung der Programme in der Regel unterschätzt.

13 Symptoma – Symptom für eine falsche Entwicklung der Medizin

Meine persönliche Ressentiments gegen den Zugang liegen aber in der problematischen Schnittstelle in der das vorliegende Problem einmal ausformuliert wird, bzw. wie es dem Algorithmus vorgelegt wird. Jeder in der Anamnese-Erhebung Erfahrene kann auf den ersten Blick einschätzen, ob eine Frage verstanden wird bzw. eine Antwort plausibel ist.
Denken Sie nur an so exemplarische Situationen wie die Frage nach dem aktuellen Alkoholkonsum. Glauben Sie, dass der Betroffene hier dem Algorithmus seine 5 Krügel und drei Schnäpse ehrlich eingibt, wenn er nach der Ursache seiner Übelkeit fahndet?

Auch bei der Kommunikation zwischen den Ärzten im Rahmen der sogenannten Zuweisung werden oft Nicht-Informationen geteilt:

Neben den Klassikern:
DU (=Durchuntersuchung) erbeten
BG (=Begutachtung) + TÜ (=Therapieübernahme)
Kardiale (Endokrinologische, Psychiatrische, Neurologische, … ) Abklärung erbeten

Kommen einem auch oft echter Zuckerln unter:
Hyperlipidämie, erbitte Therapievorschlag
(bei einem Cholesterninwert von 135 mg/dl, nur weil das entsprechende Labor auch einen unteren Normalwert hatte und deshalb das Ergebnis mit einem Sternchen als abnormal markiert hat)
Analpruritus (=Jucken am After), erbitte um Ausschluss einer Schilddrüsenerkrankung
Demenzabklärung
(bei einem multimorbiden, nach mehreren Schlaganfällen an den Rollstuhl gefesselten 92-Jährigen)

Wäre ich in der IT-Industrie würde ich beginnen einen sehr komplexen Algorithmus zu programmieren, um den Zuweiser zu einer minutenlangen Fragebeantwortung zu zwingen, um diese unsinnigen Zuweisungen abzufangen. Meine über Jahrzehnte in der Praxis erprobte, analoge Lösung beinhalten aber nur zwei einfache Fragen:

Was ist Ihre Verdachtsdiagnose?
Wie ändert sich Ihr Vorgehen, wenn die gewünschte Untersuchung positiv ausfällt, wie ändert es sich, wenn der Befund negativ ausfällt?

Natürlich lässt sich das auch programmieren, jedoch bezweifle ich, dass der Algorithmus das nachfolgende Gestottere, das „Muss den Arzt fragen“ der Ordinationshilfe, …
entsprechend gewichtet!

Written by medicus58

2. August 2018 at 17:00

Ruf mal den Arzt – was die EU so zu Bereitschaftsdiensten und Rufbereitschaft sagt

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Auch wenn es viele im täglichen Diskurs nicht wahr haben wollen, die Ausbildung eines Arztes ist teuer
(für die Gesellschaft und ihn persönlich),
sie ist
(bei niedrigen Anfangsgehältern auf den Stundenlohn runter gerechnet)
nicht sehr lukrativ und deshalb waren die meisten von uns gerne bereit ihr Gehalt durch lange Arbeitszeiten aufzufetten.
Dem hat die EU-Arbeitszeitregelung mit gutem Recht einen Riegel vorgeschoben.
In Zeiten des Ärztemangels behalfen sich dann beide Seiten mit Rufbereitschaft & Bereitschaftsdiensten.

Rufbereitschaft: Die Verpflichtung des angestellten Arztes (Arbeitnehmer) außerhalb seiner regelmäßigen Arbeitszeit auf Abruf (bspw. durch Diensttelefon) des Arbeitnehmers die Arbeit aufzunehmen. Rufbereitschaft darf nur dann angeordnet werden, wenn eine Arbeitsaufnahme nur in Ausnahmefällen anfällt.

Bereitschaftsdienst: Die Verpflichtung des angestellten Arztes sich außerhalb seiner regelmäßigen Arbeitszeit an einem vom Arbeitgeber bestimmten Ort aufzuhalten und im Bedarfsfall die Arbeit aufzunehmen. Der Arbeitgeber darf Bereitschaftsdienst nur anordnen, wenn zu erwarten ist, dass zwar Arbeit anfällt, erfahrungsgemäß aber die Zeit ohne Arbeitsleistung überwiegt.

In einem aktuelle Urteil des EuGH (Urteil v. 21.02.2018, Az.: C 518/15), dass explizit nur die angestellten Ärzte in Krankenhäusern betrifft und Notfalldienste niedergelassener Vertragsärzte nicht betrifft (!) entschied Brüssel aber nun, dass Bereitschaftsdienst – der die Anwesenheit des Arbeitnehmers an der Betriebsstätte voraussetzt – als „Arbeitszeit“  zu sehen ist, selbst wenn die tatsächlich geleistete Arbeit während des Bereitschaftsdienstes vom Einzelfall abhänge. Es müsse stets eine klare Zuordnung zur „Arbeitszeit“ oder „Ruhezeit“ erfolgen, da sich diese Begriffe gegenseitig ausschließen würden.

Etwas wässriger wurden die EU-Richter bei der Rufbereitschaft und wollen das im Einzelfall geregelt wissen:

Eine Rufbereitschaft ist dann nicht zur Arbeitszeit zu zählen, wenn der Arbeitnehmer während des Bereitschaftsdienstes zwar stets erreichbar sein müsse, er aber nichtsdestotrotz – aufgrund der Wahl des Aufenthaltsortes – frei über seine Zeit verfügen und eigenen Interessen nachgehen könne. Unter diesen Umständen ist nur die Zeit, die für die tatsächliche Erbringung von Leistungen aufgewandt wird, als „Arbeitszeit“ im Sinne EU-Arbeitszeitrichtlinie anzusehen.

Macht der Arbeitgeber also konkrete zeitliche und/oder geografische Vorgaben, die eine Freizeitgestaltung während der „Rufbereitschaft“ einschränken, muss im Einzelfall die Rufbereitschaft als Arbeitszeit gewertet werden.

in einer Online-Umfrage fanden das 67% der Leser einmal gut.

Beim deutschen Nachbarn hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) aber eine zeitliche Vorgabe von 20 Minuten zwischen Abruf und Arbeitsaufnahme für zu kurz, um eine Rufbereitschaft, die nicht als Arbeitszeit gewertet zu werden.
Bei einer solchen Zeitvorgabe ist der Arbeitnehmer faktisch gezwungen, sich in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes aufzuhalten, um die Arbeit bei Bedarf fristgerecht aufnehmen zu können. Eine derartige zeitliche Vorgabe (20 Minuten) kommt – so das BAG – der Anordnung von Bereitschaftsdienst gleich und ist daher als Arbeitszeit zu werten und entsprechend zu vergüten (BAG, Urt. 3101.2002, Az.: 6 AZR 214/00).

Eine entsprechende Klarstellung österreichischer Gerichte ist mir leider nicht bekannt ….

Written by medicus58

18. Mai 2018 at 19:57

Krankenversicherungen und der angenähte Blinddarm (Teil I)

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Zuletzt (Der freie Beruf Arzt an der Angel der Versicherungen) haben wir hier das Problem angeschnitten, dass Ärzte den Versicherungen nachlaufen müssen, um an ihr Geld zu kommen. Natürlich ist es auch selbstverständlich, wenn Sie volltrunken ein fremdes Auto schrammen, dass ihre Autohaftpflichtversicherung die Spengler-Rechnung ihres Opfers einmal begleicht und sich gegebenenfalls von Ihnen das Geld zurück holt.
Die Medizin ist da anders. Medizinische Spengler (sry, couldn’t resist) erfahren manchmal erst nach getaner Arbeit, dass sie dafür je nach der Laune der Versicherung kein Entgelt sehen.
Liebhabern des Wiener Kabaretts fällt da sicher die Sauerbruchoperette (Merz, Qualtinger) ein, wo ab 5:20 schon ernstlich überlegt wird, den eben entfernten Blinddarm wieder anzunähen, weil die Krankenkasse sich weigert ein Honorar zu zahlen. Als Prof. Sauerbruch lieber auf sein Honorar verzichtet, als den „bereits in Spiritus eingelegten Blinddarm“ wieder anzunähen, bricht in der Kasse der Jubel aus …
Wir lernen daraus, dass das Problem nicht neu ist und auch schon unsere Ahnen im weißen Kittel und im Kabarett beschäftigte. Morgen geht es dann etwas konkreter um die privaten Zusatzversicherungen, oder wie das so schon heißt in unserer angeblich klassenlosen Gesellschaft: Die Sonderklasse

Written by medicus58

1. Februar 2018 at 17:47

Der freie Beruf Arzt an der Angel der Versicherungen

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Können Sie sich vorstellen, zwar im Rahmen Ihrer Rechtsschutzversicherung einen Rechtsanwalts konsultiert zu haben, dieser aber dann von Ihrer Rechtsschutzversicherung kein Honorar überwiesen bekommt und die Sache damit erledigt ist?
OK, nachdem Sie fertig gelacht haben glauben Sie vielleicht zu wissen was Versicherungen und einen freien Beruf ausmacht.
Vermutlich gehen Sie davon aus, dass die Abgeltung der Leistungen, die Sie von Ihrem Arzt erhielten, durch Ihre Pflichtversicherung oder sogar Privatversicherung ebenso eine Selbstverständlichkeit sein sollte.
Das irren Sie aber gewaltig.

Erinnern Sie sich noch an die Debatte um die Wartezeiten auf CT- und MR-Untersuchungen, auch hier gingen die Krankenpflichtversicherungen davon aus, dass sie jedem Institut eine maximale Anzahl von Untersuchungen („Deckel“) abgelten zu können und zusätzliche Untersuchungen im Quartal halt unentgeltlich durchgeführt werden müssen, weil man Patienten ja nicht warten lassen kann.
Die Privaten Krankenversicherungen verweigern seit Jahrzehnten rund 20% (exakte Zahlen sind schwer zu bekommen) der eingereichten Rechnungen und warten darauf, dass in den Schlichtungsstellen, die gemeinsam mit der Ärztekammer betrieben werden der Beweis geführt wird, dass die erbrachte Leistung unumgänglich im Zusammenhang mit dem stationären Aufenthalt erbracht werden musste. (Im Klartext wird darüber gestritten, ob sich der Herzinfarktpatient seinen zufällig jetzt entdeckten Fußpilz nicht auch nach der Entlassung vom Hausarzt behandeln lassen könnte.)

Wer bis jetzt glaubte, dass sowas nur hier bei uns in Bagdad passieren kann, wird augenblicklich auf einem deutschen Ärzteportal eines Besseren belehrt. Ärzte für erbrachte Leistungen nicht zu bezahlen, hat System:

Ich bekam gestern einen Brief der KV- Abrechnungsstelle, in dem mir mitgeteilt wurde, daß sie alle meine DMP-Ziffern „im Wege der sachlich-rechnerischen Richtigstellung“ gestrichen haben. Grund: Angeblich läge keine Dokumentation von der DAVASO Datenstelle vor. Meine Abrechnungsauswertung für 3/2017 kam in einem anderen Umschlag mit gleicher Post, und tatsächlich war keine DMP-Ziffer enthalten. Wer hat so etwas schon erlebt? Was tun?

Ich bin total sauer, weil ich der Meinung bin, daß die KV-Mitarbeiter, welche die Abrechnung bearbeiten, verpflichtet sein sollten, bei der DAVASO und bei mir nachzuhaken, sobald sie merken, daß ein Nachweis fehlt – und nicht einfach kommentarlos streichen und 1/4 Jahr später vor vollendete Tatsachen stellen! Denn jetzt wäre die Frist für eine Nachmeldung an die DAVASO verstrichen (zum Glück habe ich den E-Mail-Versand-Nachweis, daß ich die Dateien ich fristgerecht versendet hatte).

Den Spass hatte ich in leicht modifizierter Form auch schon mal … die Dokumentationen im betreffenden Quartal angelegt, abgerechnet am Anfang des Folgequartals mit aktuellem Tagesdatum.
Die Datenverarbeitungsstelle hat dann sowohl diese als auch die Dokumentationen des Folgequartals automatisiert dem Folgequartal zugeordnet trotz des widersprechenden Erstelldatums.
Ich muss allerdings zugeben, dass ich damals die schriftlichen Rückmeldungen der Datenverarbeitungsstelle auch nicht lückenlos „Studiert“ habe 🙂
Da ist das fehlende Honorar ja nicht die einzige Misslichkeit, u.U. würden in ungünstigen Konstellationen Patientenauch ausgeschrieben werden etc.
Da offensichtlich ein softwaretechnischer Fehler seitens der Datenverarbeitungsstelle grundlegend war, habe ich trotz anfänglicher „Hartleibigkeit“ der dortigen Angestellten mit zwei oder drei „burschikosen“ Telefonaten das Problem aus der Welt gebracht … das geht aber nur durch konsequenten Einsatz der drei folgenden Strategien:
1. ärztliche Arroganz
2. ärztliche Arroganz und letztlich
3. ärztliche Arroganz!
Eventuell muss man da vorher ein wenig üben … 🙂

Written by medicus58

30. Januar 2018 at 23:33

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Gangbetten – Liebe Kunden wir eröffnen in Kürze Kassa 3

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Wieder rügt der Rechnungshof den KAV für Gangbetten, wieder darf (immer ein anderer) KAV-Verantwortlicher vor der Kamera etwas von „Bettenmanagement“ und „klinischer Notwendigkeit“ sprechen um anschließend zu ver-sprechen, „darauf ganz genau zu schauen„.
Brennpunkt ist wieder einmal die Unfallchirurgie.

Warum im angeblichen rot-grünen Bollwerk gegen die tückisch-blaue Regierung, der Stadt Wien, niemand sagt oder sagen darf, dass ein Teil des Problems daraus resultiert, dass die Leistungen der AUVA seit Jahren herunter gefahren werden und den anderen Krankenanstalten aufgebürdet wird, um Lohnnebenkosten zu sparen, ist einfach erklärt.
Dieser Prozess lief auf Druck von Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer schließlich auch unkommentiert während der rot-schwarzen Regierung!

Ob man das nun gut findet, weil die Anzahl der reinen Arbeitsunfälle, für die die AUVA gegründet wurde, zurück gehen,
oder schlecht finden, weil die parallel zunehmenden arbeitsbedingten Erkrankungen des Bewegungsapparates und der Psyche unhinterfragt dem allgemeinen Versorgungssystem aufgebürdet werden, ist ein gesundheitspolitisches Problem und somit
nicht von den Krankenhausträgern sondern von der Politik zu lösen!
Da die Landespolitik aber das Management der Krankenhausträger (und der ORF Landesstudios) aussucht, werden diese sich hüten sowas anzusprechen!

Auch eine andere, ganz primitive Wahrheit, die jeder von uns fast täglich im Supermarkt und nur fallweise im Gangbett erlebt, ist der Zusammenhang zwischen Aufwand, Effizienz und Ergebnis einer Versorgung.
Das ist im Kern wieder nichts Politisches sondern ein mathematisch zu formulierender Zusammenhang.

Die Parallele zwischen Supermarkt und Gesundheitssystem liegt nun darin, dass die jeweilige Inanspruchnahme sehr fluktuierend ist.
Arbeitende Normalos kaufen selten am späten Vormittag ein, bei Glatteis brechen mehr Schenkelhälse.
Das führt uns zur Warteschlangenformel.

Vereinfacht kann man sie auch (wie schon einmal hier angesprochen) so darstellen:

Auslastung / (1 – Auslastung) = erwartete Anzahl der Kunden an der Kasse

Die „primitive Wahrheit„, die zumindest den Verantwortungsträgern einmal ins Stammbuch zu schreiben ist, dass unter diesen Bedingungen, schon bei einer durchschnittlichen 80-prozentigen Auslastung der Kassenkraft mit einem phasenweise auftretenden Anzahl von 4 Kunden an der Kasse zu rechnen ist.
Für die Beckmesser: Auslastung * erwartete Anzahl der Kunden an der Kasse = erwartete Länge der Schlange = 0,80 * 4,0 = 3,2, d.h.
in manchen Fällen werden trotz eigentlich schon relativ hoher Systemauslastung immer wieder drei Patienten im Gangbett liegen!

Jede weitere Steigerung der Auslastung lässt phasenweise die Warteschlangen explodieren (z.B. 90% Auslastung der Kassenkraft = 9 Kunden).
Erst bei einer kaum finanzierbaren durchschnittlichen Auslastung der Kassenkräfte von 50 Prozent erreicht man das „Ideal“ von durchschnittlich nur einem Kunden pro Kasse bzw. einem systematisierten Bett pro Patient!

Wie man das Problem angeht, erleben wir bei Lidl, Billa, Hofer et al.  Seit einiger Zeit spielen die dort ein ständiges Kassa auf Kassa zu Spiel, um zwischen den Spitzenzeiten die Mitarbeiter mit anderen Arbeiten zu beschäftigen. Das führt wiederum dazu, dass Kunden auf den Gängen über immer mehr Paletten mit nur teilweise eingeschlichteten Produkten stolpern.
In den Krankenhäusern versucht man das Problem mit interdisziplinären Stationen und immer mehr Transferierungen zu lösen, was inzwischen zu einem überproportionalen Organisationsaufwand bei sinkender Effizienz führt, wenn ein Patient am Tag vor seiner Entlassung auf eine fachfremde Station transferiert wird, wo sich kaum jemand mit seinen speziellen Bedürfnissen zum Entlassungszeitpunkt auskennt.

Bei allem Verständnis dafür, dass die Verantwortlichen ja nach außen etwas dazu sagen müssen und deshalb immer hektischer an der internen Organisation herumdoktern, irgendwann werden es auch die Supermärkte begreifen, dass die Kollateralschäden durch hin- und herlaufender Mitarbeiter (Stress bei Mitarbeitern und Frust bei Kunden durch permanent unterbrochene Arbeitsabläufe, Folgefehler, Unübersichtlichkeit …) und der ebenfalls exponentiell ansteigende Organisations- und Überwachungsaufwand sich nicht rechnet.
Je höher der Spezialisierungsgrad einzelner Mitarbeiter wird, und da sind wir im Gesundheitssystem, desto früher wird dieser Punkt erreicht sein.
Meines Erachtens ist er in den Wiener Krankenhäusern schon längst überschritten und wir reiben uns nur mehr mit dem Organisieren und Optimieren auf.

Also abseits des politisch korrekten Geschwubels wäre es einmal erfrischend zu hören:

Das sind die Rahmenbedingungen, das sind die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen,
damit sind bestimmte Dinge machbar, wobei jede Organisationsänderung wieder zu anderen Kollateralschäden führt.
Machen Sie uns bitte für fachliche Fehler aber nicht für Dinge außerhalb unseres Einflussbereiches verantwortlich und
lernen Sie Mathematik, junger Mann,
um Kreisky zu paraphrasieren.

Würde man aber das sagen, wäre die Karriere sowohl im Gesundheitsmanagement als auch in der Politik abrupt beendet.

Links zum Thema:
Gangbetten gibt’s net
Indische Betten: Die Betten am Ende des Ganges (Director’s Cut)
Rock ’n’ Roll in der Geriatrie; Warum Wien bald mehr neurochirurgische Gangbetten hat
SP-Wagner: Engagiertes KAV-Personal stellt PatientInnen-Versorgung jederzeit sicher
Der scheinbare Sieg: Verkürzte Wartezeiten in der Radiologie
Ist 2030 schon vorbei, oder? Bemerkungen zum Wiener Spitalskonzept 
Selten liegt es daran, dass man es nicht besser wüsste 

 

Written by medicus58

18. Januar 2018 at 18:00

Bitte nicht noch mehr Entlastung der Ärzte

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Unsere neue Sozial- und Gesundheitsministerin Mag. Beate Hartinger-Klein packte gegenüber Dr. med. Wofgang Exel in einem Krone Gesund Interview wieder eine bewährte Waffe im Kampf gegen den Ärztemangel aus:
„Nun, ein Schlüssel zur erfolgreichen Neugestaltung des Gesundheitswesens wird sein, die Gesundheitsberufe besser zu vernetzen. Damit kann man beispielsweise auch dem drohenden Ärztemangel wirkungsvoll begegnen. Konkret:Die Angehörigen gesundheitsbezogener Berufe wie Apotheker, Pflegepersonal, Psycho- und Physiotherapeuten usw. sollen künftig unter ärztlicher Kontrolle mehr machen dürfen. Das entlastet die Mediziner entscheidend – sie können sich dann besser auf ihre Kerntätigkeit konzentrieren.“

„Der Grundgedanke von ELGA ist natürlich gut.  Aber derzeit tun mir die niedergelassenen Ärzte leid, weil sie begründet Mühe haben, sich in diesem bürokratischen Dschungel zurecht zu finden. Da werden wir
mit Hilfe von EDV-Experten gründlich ausmisten und für Klarheit sorgen!‘‘ 
(-Klarer Fall vom „Bock zum Gärtner“ machen, dafür die EDV-Experten heranzuziehen)

Im besten Fall steckt hinter diesem Konzept das Missverständnis, dass „Professor Sauerbrauch nur für den entscheidenden Schnitt benötigt wird“ und alles andere auch billiger zu bekommen wäre.
Im schlimmsten Fall ist es das Ergebnis guter Lobbyingarbeit.
In jedem Fall sind diese Schüsse in der Vergangenheit sets nach hinten losgegangen!

Millionen Steuerinvestitionen später hat ELGA bis jetzt niemand entlastet, keinem Patienten gerettet aber für Ärzten zusätzliche Administrationsarbeiten und EDV-Investitionen beschert.
Erfahrungsberichte von Patienten mit den neuen telefonischen Helpdesks, die ebenfalls die Ärzte entlasten sollten, schienen mir bislang wenig effektiv (Nach 10 Minuten Telefonat wird auf die Liste niedergelassener Fachärzte im Bezirk verwiesen….).
Die Entlastung durch Apotheker, die ihren Gebietsschutz dafür verwenden um neben rezeptpflichtigen Medikamente ihr sonstiges Sortiment abzubauen, erschließt sich mir ebenso wenig.
Keine Frage, langsam wurde durchgesetzt, dass das Pflegepersonal endlich diejenigen mit- und eigenverantwortlichen Tätigkeiten, deren sie sich in ihren Standesgesetzen schon längst rühmten, auch wirklich ausführen müssen. Im Zweifelsfall setzen aber dann doch die Ärzte die Zugänge …
Und was Physiotherapeuten, die schon längst freiberuflich ihre Diagnosen und Dienste anbieten dürfen, noch zur Entlastung der Ärzte beitragen sollen, überschreitet auch den Horizont meiner beruflichen Phantasie.

Ehe sich nun irgendjemand auf den Schlipps getreten fühlt, natürlich habe ich nicht all die Pflegepersonen vergessen, die kleiner und mittlere Probleme im Nachtdienst eigenverantwortlich gelöst haben und am nächsten Morgen nur darüber berichtet haben, wenn man nach über 40h Dauerdienst wieder auf die Station kam. Aber ich kann mich auch an viele Fälle erinnern, wo selbst die Inbetriebnahme eines selten genutzten Perfusors durch die Ärzte erfolgen musste …

Auch ich war schon manchem Apotheker dankbar, wenn er die Compliance meines Patienten durch ein erneutes Aufklärungsgespräch steigerte, aber (…. siehe oben).

Bitte, Frau Minister entlasten Sie uns Ärzte nicht,
in dem Sie die Anzahl der Köche vermehren
,
sorgen Sie dafür, dass
die Politik den Bürgern keine unerfüllbaren Versprechungen macht,
intra- und extramural tätige Ärzte von administrativen Aufgaben befreit werden
und
dass realistische Entgelte für ärztliche Leistungen bezahlt werden.

 

Written by medicus58

7. Januar 2018 at 18:36

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