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Keine Weihnachtslegende: Und es übergab sich

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Vor zwei Tagen vermeldete der ORF zur Prime Time, dass die Ermittlungen im Falle des Bootsunfall beim Girls‘ Day des Bundesheeres entgültig eingestellt wurden.

Verkürzt lautete die Begründung des Sachverständigen (?), dass allfällige Fehler in der Rettungskette des Bundesheeres eh egal gewesen wären, weil es „keinen Unterschied gemacht hätte, ob die beiden nach 5 oder erst nach 50 Minuten gefunden worden wären“.

In Kenntnis des Zustandes beider Verunglückten ist dies nicht nur zynisch sondern IMHO sachlich nicht nachvollziehbar! Nur es interessiert keinen mehr.

Es gibt keine Verhandlung mehr, es gab nie eine öffentliche Verhandlung mit Zeugenaussagen, es gab auch nie ein Urteil, es gab einer Diversion … und es interessiert auch außerhalb von den involvierten Ministerien auch niemanden mehr.

Sag mir noch einer, dass DAS ein Rechtsstaat ist.

Well done.

Written by medicus58

9. Oktober 2019 at 07:33

80 Jahre 2. Weltkrieg aber nur 366 Tage Girls‘ Camp beim Bundesheer

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Am 1. September 2018, also heute vor einem Jahr, kam es im Rahmen einer Propagandaveranstaltung des Österreichischen Bundesheeres (Girls‘ Camp 2018 Hainburg) zu einem Bootsunfall. Nach tagelanger Vernebelungstaktik wurde klar, dass zwei Opfer lange (10, 20, 30, 40 Minuten) unter Wasser blieben, bis sie gerettet wurden.
Der ORF NÖ dokumentierte eindeutig, dass lange Zeit die zwei am schwersten betroffenen Opfer niemanden abgingen. Auch wenn das Bundesheer diese Dokumente immer in Frage gestellt hat wissen wir inzwischen u.a. durch die Aussage des Bootsführers, dass die Suche zwischenzeitlich eingestellt wurde, weil am Unfallsort jemand (niemand anderer als ein Bundesheerangehöriger kommt dafür in Frage und es war nicht der Bootsführer) behauptet hätte, dass alle Teilnehmerinnen schon gerettet wären.
Der damalige Chefredakteur und Herausgeber des Kurier, der hinter den sehr kritischen Berichte seiner Redaktion stand, wurde bald abgelöst und kandidiert heute für die Neos.
Nach einem medial dann überwiegend als Bootsunglück hätte verhindert werden können kommunizierten Gutachten, das sich ausschließlich mit den technischen Unfallursachen, nicht mit den katastrophalen Vorgänge danach befasst hat, trat der Bootsführer am 13. Mai 2019 vor den Richter:

Er bekannte sich der fahrlässigen Gemeingefährdung schuldig und kam mit einer sogenannten Diversion ohne förmliches Strafverfahrens  davon, in dem er 3.400 Euro Geldbuße zahlte. Er ist somit formal ohne Gerichtsurteil und unbescholten.

Daraufhin verzichtete das Gericht auf die Anhörung angereister Zeugen und die Abklärung, wer denn fälschlich am Unfallort dem Bootsführer und anderen Rettern des Bundesheers gesagt hat:
Es sind alle da,
was erst dazu geführt hat, die Suche am Unfallort abzubrechen und was den tragischen Ausgang für die beiden unter dem Boot eingeschlossenen Teilnehmerinnen verursacht hat.
Aus meiner Sicht liegt hier für die Hauptverantwortung, das das Leben von zwei Teilnehmerinnen (und das ihrer Familien) zerstört wurde.

Durch den Kunstgriff der Diversion, die explizit bei schwerwiegenden Straftaten die z.B. den Tod eines Menschen zur Folge haben aber offenbar für die Staatsanwaltschaft im Falle des Wachkomas anwendbar schien, ersparte Richterin und Staatsanwaltschaft am Bezirksgericht Bruck an der Leitha dem Bootsführer ein formales Urteil und sicherte dem Berufssoldaten seine weitere Berufslaufbahn, was noch menschlich nachvollziehbar ist, aber sie erlaubte es auch dem Bundesheer mit seiner Vernebelungstaktik durchzukommen: Gratulation

Am anschaulichsten zeigt sich das in der bis heute unkorrigierten offiziellen Stellungnahme (FAQ) des BH:

Wann hat man die Suche eingestellt? Die Suche wurde erst eingestellt, als die Bergung abgeschlossen war.
Nein, der fatale Fehler war, dass durch eine Falschmeldung am Unfallort die Suche zwischenzeitlich eingestellt wurde.

Wurden die Angehörigen rechtzeitig informiert? Angehörige einer unmittelbar betroffenen Frau wurde leider zu spät informiert.
Nein, die betreffende Familie wurde überhaupt nicht informiert!

Nach einem Jahr interessiert das alles niemanden mehr und die Betroffenen können bestenfalls privatrechtlich vorgehen. Für Justiz und Medien ist der Fall im wahrsten Sinn des Wortes erledigt ….

Heute gedenken wir des Beginns des II. Weltkriegs, was ja praktisch ist, weil wir da alle nur Opfer waren ….

Stand 15. September 2018:
Das war der Girls’ Day beim Bundesheer, eine Materialiensammlung für alle, die sich ein Urteil bilden wollen

Stand 27. September 2018:
Girls‘ Camp cont.; ORF NÖ verliert die Geduld

Stand 1. Dezember 2018:
Falsche Spuren im Nebel: Der Endbericht des Bundesheeres kann noch nicht das Ende sein

Stand 14. Mai 2019:
Bootsunglück Bundesheer: War’s das? Scheinbar nicht …

Stand 25. April 2019:
Girls Day beim Bundesheer cont.

Das Er

Written by medicus58

1. September 2019 at 08:38

Bootsunglück Bundesheer: War’s das? Scheinbar nicht …

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Nach der gestrigen Nicht-Verhandlung, die ohne Anhörung der wartenden Zeugen mit einer Diversion endete, schien die Strategie der medialen Einschläferung endgültig geglückt.
Obwohl der erste interne Bericht des Bundesheers sowohl Material- als auch Fahrfehler ausgeschlossen hat, fand später der Gutachter zwei Fahrfehler des Bootsführers (Anschneiden der Welle, nicht Zurücknehmen des Schubs) und meint bis heute, dass der Unfall zu vermeiden gewesen wäre. Bei der Pressekonferenz legte er Wert auf die Feststellung dass die nachfolgende Rettungskette nicht in seinem Prüfauftrag lag …

Wenige Tage vor der anberaumten Verhandlung erfuhren die Medien, dass sich der Bootsführer im Sinn der Anklage (fahrlässige Gemeingefährdung) schuldig bekennen wird. Es bedarf wohl schon geschulten juristischen Gespürs um sich vorzustellen, dass das Instrument der Diversion in diesem Fall angewandt werden kann, um sich sogar ein Urteil zu ersparen. Letztendlich wurde die herbeigeführte Gefahr nach §177 nicht nur herbeigeführt sondern hatte schwerste und bleibende Folgen. Und nicht nur, wie wir gleich sehen werden, für die zwei reanimierten Teilnehmerinnen …

Als praktischen Nebeneffekt glaubte man auch jetzt keine Zeugenaussagen mehr zu benötigen, so einig war man sich, obwohl noch unmittelbar nach dem Unfall die damals noch interessierte Öffentlichkeit mit eben einer solchen Zeugenaussage beruhigt wurde:

Ein Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin schaffte es in die Medien, der dann aber auf die wesentlichen Probleme des Einsatzes nicht einging, da alles „außerhalb ihres Gesichtsfeldes“ passiert ist. Sie habe eine „sehr intensive Erfahrung“ gemacht, die im Nachhinein sogar noch stärker sei, sagte die 34-jährige Wienerin zur APA:

Die Tragik des Unfallausganges sparte man – rechtlich offenbar supersauber aus -, obwohl sie auch der Richterin nachweislich bekannt war. Ungereimtheiten bleiben unhinterfragt, die IMHO auch für die Beurteilung des Bootsführers nicht irrelevant wären:

Wie schon in früheren Stellungnahmen wurde die Suche unterhalb des Bootes (auch vom Bootsführer) eingestellt, weil
Irgendwann sei die Botschaft gekommen, dass „alle da“ seien. Von wem diese Falschmeldung kam, die essentiell für den Ausgang war, scheint niemand zu interessieren. Auch die Diskrepanz zum Pressesprecher des Bundesheers, der dieser Aussage per Twitter wiederholt widersprach („Es war sehr bald klar, dass zwei fehlten“) scheint für die Rechtsfindung belanglos.

Die Staatsanwaltschaft hat weitere Ermittlungen im Sinne eines Organisationsverschuldens des Bundesheeres schon früher eingestellt. Das ist insofern bemerkenswert, da es sich um eine explizite Werbeveranstaltung des Bundesheeres gehandelt hat und schon deshalb auch alles mitgefilmt wurde, um es medial weiterverarbeiten zu können (Girls Day beim Bundesheer cont. ). Gleichzeitig beschwichtigt man, dass angeblich ohnehin alle Schadenersatzforderungen dem Grunde nach von der Republik akzeptiert worden wären und webt neuerlich an dem Mythos, dass bis auf zwei Teilnehmerinnen ohnehin niemand Schaden genommen hätte.

Nun scheint einem der Anwälte der Kragen geplatzt zu sein, und er sprach im Kurier endlich aus, was hinter der mühsam gewebten Nebelwand wirklich ablief:

Bootsunglück:
Opfer wurde Zeuge, wie die Schreie verstummten | kurier.at

Meine Mandantin hat ein psychisches Trauma erlitten. Es hat sogar zu einer Zwangseinweisung in die Psychiatrie geführt“

Die junge Frau hat in einer Luftblase unterhalb des Bootes die Schreie einer der beiden Frauen wahrgenommen, „bis diese irgendwann verstummt sind“.

„Sie hat massive psychische Probleme aufgrund der Tatsache, dass es ihr nicht gelungen ist, die anwesenden Soldaten gleich davon zu überzeugen, dass sich zumindest noch eine weitere Teilnehmerin unter dem gekenterten Boot befindet.

Aussagen, wonach alle Schadenersatzansprüche der Opfer von der Finanzprokuratur bereits dem Grunde nach anerkannt sind, weißt Korisek zurück. Im Falle seiner Mandantin stimme das nicht. „In Bezug auf meine Mandantin ist ein solches Anerkenntnis noch nicht erfolgt.“

Derartige Zeugenaussagen wollte offenbar vor Gericht niemand hören.

Keine noch so schwere Verurteilung des Bootsführers, dessen Beitrag am tragischen Ende wohl kausal aber nicht ausschließlich war, kann den Opfern und ihren Angehörigen ein normales Leben mehr zurückgeben.

Zwei Dinge müssten endlich eingefordert werden:

Eine ehrliche Klärung wer dafür Schuld trägt, dass ein Boot umkippte und wer dafür Schuld trägt, dass niemand so lange unter dem Boot suchte, bis die beiden Eingeklemmten gefunden wurden, weil offenbar irgendjemand am Unfallort die verhängnisvolle Meldung abgab, dass „alle da wären“.

Weiters sollte sich das Bundesheer nicht hinter den Leerformeln der „Anerkennung dem Grunde nach“ verschanzen dürfen, wenn es bereits im ersten dreiviertel Jahr Ungereimtheiten gab, wer für die bisherigen Kosten aufzukommen hat. Am Ende ist es sowieso der Steuer- und Unfall- und Krankenversicherungszahler (bis rezent übrigens auch die AUVA!), aber die Angehörigen brauchen die Sicherheit, dass sie neben ihrem Schmerz nicht mit Dutzenden Anträgen und Ansuchen gequält werden …

Was bisher geschah:

15.9.2018 Das war der Girls’ Day beim Bundesheer, eine Materialiensammlung für alle, die sich ein Urteil bilden wollen 

27.9.2018: Girls‘ Camp cont.; ORF NÖ verliert die Geduld 

1.12.2018 Falsche Spuren im Nebel: Der Endbericht des Bundesheeres kann noch nicht das Ende sein

Written by medicus58

14. Mai 2019 at 06:29

Girls Day beim Bundesheer cont.

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Am 1. September 2018 wurden bei so einer Werbeveranstaltung zwei junge Frauen, eine zum Unfall Zeitpunkt noch nicht 18 Jahre alt, lebensbedrohlich verletzt und für den Rest ihres Leben schwerstens invalidisiert. Nur auf den verständlichen Wunsch der Angehörigen verschweigen die Medien die ganze Tragödie.

Wie auf diesem Blog hier im Detail zitiert haben einige Medien, vorallem Kurier und ORF NÖ schwere Bedenken dokumentiert, dass der tragische Ausgang nicht zuletzt durch organisatorische Unzulänglichkeiten im Bundesheer mitverursacht wurde.

Jetzt ist mir der Unterschied zwischen Girls‘ Day und dem damaligen Girls‘ Camp schon klar, aber solange unklar ist, weshalb bei letzterem zwei „schnuppern“ Teilnehmerinnen so schwer zu Schaden kamen, halte ich ein „more of the same“ für mehr als hinterfragenswert.

Das BH hat nach dem Bootsunfall bei Hainburg davon gesprochen, diese Werbeveranstaltungen einzustellen, der Bundesminister ist ja immer praktischerweise gerade nicht verfügbar, wenn es mediale Neuigkeiten gibt, weil ohnehin alles nur ein Fahrfehler war. Inzwischen erhebt auch die Staatsanwaltschaft ausschließlich gegen den Bootsführer Anklage und in der Wien Extra der Kronen Zeitung erscheint heute (25.4.19) der abgebildete Artikel, in dem die Werbeaktion Girls Day offenbar fortgesetzt wird, als ob nix passiert wäre.

Einfach unglaublich.

Link: https://medicus58.wordpress.com/2018/12/01/falsche-spuren-im-nebel-der-endbericht-des-bundesheeres-kann-noch-nicht-das-ende-sein/

Written by medicus58

25. April 2019 at 18:15

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Falsche Spuren im Nebel: Der Endbericht des Bundesheeres kann noch nicht das Ende sein

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Am 28. November 2018 übertrug des Österreichische Bundesheer die Präsentation seines Endberichtes über den Bootsunfall im Rahmen des Girl’s Day vom 1. September 2018 auf seinem Facebook-Kanal.

Auch wenn dieser Bericht in den letzten fast drei Monaten immer wieder hinausgezögert wurde, schien dieses Vorgehen nun meine Kritik an der Intransparenz 
Im Nebel der Öffentlichkeitsarbeit oder die Grenze zwischen selektiver Information und Lüge 
ebenso zu widerlegen, wie die Vertreter des Bundesheeres danach den Bericht von zwei Journalisten aus dem ORF Landesstudie NÖ, das Bundesheer hätte zu lange auf die Suche nach zwei Vermissten vergessen (Girls‘ Camp cont.; ORF NÖ verliert die Geduld) als haltlos abtaten. Zumindest für Letzteres

Am Podium nahmen Platz:
der Generalsekretär Mag. Dr Wolfgang Baumann, 
der Sektionsleiter für Personal- & Rechtsangelegenheiten Mag. Christian Kemperle,
der Sachverständige Univ. Prof. DI Dr. Hermann Steffan und
der Kommissionsleiter Oberst Herbert Walzer.

Sehr ausführlich wurde der Unfallhergang aufgearbeitet, kein Wunder es existieren neben den Handy-Aufnahmen vieler Beteiligten auch Videoaufnahmen des Bundesheeres, schließlich sollte der Event auch PR-technisch verarbeitet werden.
Ob der Kamera-führende Soldat durch diese Aufgabe vielleicht auch abgelenkt war hat übrigens bis heute noch niemand öffentlich hinterfragt.

Für den Sachverständigen Univ. Prof. Dr. Dipl.Ing. Steffan war das
um 9:49:26 „in ungünstigen Winkel“ erfolgte
Durchfahren der Heckwelle bei starker Frontbeladung
(alle Girl’s Day Teilnehmerinnen saßen im vorderen Bootsteil)
ein „normales und an sich unproblematischen Fahrmanöver, das mit mittlerer Gleitgeschwindigkeit“ ausgeführt wurde, kein Fahrfehler.
Als man das Manöver am 5.Okt. nachstellen wollte, gelang es erst nach 30 bis 40 Versuchen, dass das Boot Wasser nahm. 
Ob es dabei auch zum Kentern gebracht werden konnte, wurde nicht angesprochen, mag aber bezweifelt werden. Weshalb das Unglücksboot nach rechts die Heckwelle der vorderen Boote durchfahren hat, obwohl die anderen Boote nach links fuhren, wurde erst von einem Journalisten hinterfragt und blieb nicht ganz klar.

Viele, die Erfahrung mit diesen Booten hatten gaben mir gegenüber an, dass „das halt so richtig Spaß machen“ würde, so wie man es auch im PR Video mit Herrn Kratky (mit anderen Bootstypen) sehen kann.

Auch das Eintreten des Wassers (Hunderte Liter pro Sec)
war für den Gutachter nicht der entscheidende Vorgang, der zum Überkentern führte.
Dass das Boot innerhalb von 13 Sekunden nach rechts überkippte und 09:49:45 erklärte der Gutachter mit dem beibehaltenen Schub,
der  das Boot weiter unter die unter die Welle tauchte und ein 
ungünstiges Fahrmanöver danach.
Der Gutachter legte aber Wert, sich nur bis zum Zeitpunkt des Durchkentern mit der Angelegenheit befasst zu haben.

Das legte die (gewünschte?) Fährte und von der APA abwärts stand für alle Medien nun fest:
Bootsunglück hätte verhindert werden können 
Es war ein Fehler des Bootsführers

Bereits vor Tagen gaben die Medien ohnehin bekannt, dass die Staatsanwaltschaft ohnehin schon gegen den Bootsführer ermittelt,
also alles rechtens im Rechtsstaat.

Wie ich aber hier schon am 15. September
(Das war der Girls’ Day beim Bundesheer, eine Materialiensammlung für alle, die sich ein Urteil bilden wollen)
darlegte, und was kurz danach vom ORF NÖ mit Fotomaterial und Aussagen der anwesenden Feuerwehren dokumentiert wurde,
handelt es sich bei dem tragischen Ausgang dieses Unfalls eben
nicht nur um die Frage des Unfallhergangs sondern viel eher um die vom Bundesheer als Organisation zu verantwortenden Rettungskette,
und da blieb man erneut bei aller sonstigen Detailtreue (bewusst?) vage. Gleich zu Beginn aber auch im Abschlussstatement sprach man von einer unübersichtlichen Lage, wo eben mancher auch einen falschen Blick haben konnte. Also können es ohnehin nur ein paar Leute genau wissen und die haben nun einen Abschlussbericht vorgelegt.
Die Kritik des Bundesheer an den angeblich widerlegten Berichten der ORF Journalisten ist bemerkenswert, weil sich die zeitlichen Angaben der Recherche des ORF NÖ mit der jetzt veröffentlichten Zeitleiste des Bundesheers decken. 
Ganz schön viel Arbeit für die Staatsanwaltschaft Korneuburg, die übrigens auch die Vorgänge im BVT untersuchen muss ….

Aber weiter zu den Fakten:
Bei der PK zeigte man auf einem Foto, dass sich 
um 9:51:10 fünf Insassen unterhalb des umgekippten Bootsrumpfes befanden.
So klar war diese Anzahl bis jetzt nicht kommuniziert worden. Auch schien der Präsentator bei der PK jetzt keinen Zweifel daran zu haben, dass eben 5 Leute noch im Boot waren.
Entlarvend auch, wie er die Art der nachfolgenden Rettung beschreibt:
„Es sind 3 Boote hingefahren, jedes hat Leute aufgenommen, es war natürlich nicht übersichtlich wer wen aufgenommen hat“. (=Originalkommentar PK)

Die Bugklappe des gekenterten Bootes wurde geöffnet. „Drei Teilnehmerinnen waren im vorderen Teil des Bootes in einer Luftblase, die so groß war, dass man reden konnten“. Innerhalb kürzester Zeit konnten sie von den beiden Bootsführern, die unter das Boot tauchten, gerettet werden.  Innerhalb von zwei Minuten wurden alle in Boote gezogen und mit den anderen auf das linke Donauufer gebracht. Niemand möchte den Einsatz der Soldaten mindern, die da ohne Westen in die Donau sprangen, aber es veranschaulicht, dass das bei einem treibenden Boot sehr wohl möglich ist, da Boot und Schwimmer annähernd gleich schnell abgetrieben werden! Auch das zeigten die präsentierten Fotos. 
Inzwischen ist das manövrierunfähige Boot innerhalb von 5 Minuten ca 1,5 km stromabwärts getrieben.
Um eine Eigen- und Fremdgefährdung der Schifffahrt zu verhindern wurde es dann mit Hilfe anderer Boote um 9:59 an die Sandbank geschoben. Wir werden sehen, dass die vielleicht fatalste Entscheidung war und bius heute wissen wir nicht, wer sie getroffen hat.
Die Kernfrage, ab wann das Fehlen der beiden Teilnehmerinnen nun wirklich klar war, versucht das Bundesheer so zu beantworten:

Es erfolgt eine mehrmalige Überprüfung der Vollzähligkeit durch Abzählen der Teilnehmerinnen am linken Donauufer.
Mehrmals lässt auf einen falschen Blick schließen, diesmal aber beim Bundesheer, denn so groß war die Zahl kaum, dass man sich verzählen konnte, es sei denn, die Personen befanden sich nicht in einem engen Umkreis.
Weshalb die früher vom ORF NÖ zitierte Aussage des Bundesheersprechers „Der Offizier (am Boot) hat mir versichert, dass noch auf der Donau eine Standeskontrolle durchgeführt worden ist.“ in der PK klar gestellt wurde mag durch den Zeitdruck erklär werden. Im schriftlichen Protokoll steht nur:
Suche nach den Vermissten auf der Donau, am Ufer stromabwärts und durch Tasten unter das Boot (Tauchen war nicht möglich)

Es werden aber nun (für mich erstmals)  Aussagen der Teilnehmerinnen (!) zitiert (die eigentlich von der Polizei verhört wurden), dass die Soldaten gleich mit der Suche nach den beiden Vermissten gesucht hätten.  Und man widerspricht der Darlegung, in der Rettungskette etwas Wesentliches falsch gemacht zu haben, räumte aber ein 
nicht selbst einen Notruf abgegeben zu haben,
vielleicht die Schulung der Bootsführer zu verbessern, bzw.
zukünftig kein weiteres Girl’s Camp veranstalten zu wollen.

Fast unter geht übrigens, dass sehr wohl ein Notruf innerhalb des Bundesheeres („SanReal“ durch den Kommandanten am Strom, also die Mitteilung nun einen Ernstfall zu haben) abgesetzt wurde, der aber von der übrigen Organisation offenbar nicht als so schwerwiegend interpretiert wurde, dass man sich weiterer Helfer versichern hätte müssen.
Man gestand auch zu, dass man keine Kontaktadressen der Teilnehmerinnen hatte aber betonte eine Unfallversicherung abgeschlossen zu haben, „die Tod, Invalidität und sonstige Maßnahmen, wie z.B. die Bezahlung des Rettungsfluges, abdecken würde„.
Ob diese Aussage so in der Vorbereitung trainiert wurde, mag bezweifelt werden, zumindest machte es unbeabsichtigt klar, was die Verantwortlichen über den Gesundheitszustand der beiden wissen.
Zum Abschluss äußerte der Generalsekretär Verständnis für das Verhalten des Bootsführer, wollte aber der Staatsanwaltschaft nicht vorgreifen.

Der Unfallhergang war klar und ging so durch die Medien. Die Rettungskette interessierte da nicht mehr.
Wird auch die Staatsanwalt nicht interessieren, wenn sie so oder so über das rein strafrechtliches Fehlverhalten des Bootsführers entscheidet. 
Ja, und durch die lange Zeitspanne ist das öffentliche Interesse auch schon gering. Die Materialzusammenfassung auf diesem Blog hatte damals ein Vielfaches der Zugriffe, die sich bis heute die Pressekonferenz auf Facebook ansahen.
Auch der verständliche Wunsch der Eltern nichts über den Zustand der beiden Teilnehmerinnen zu verlauten, erspart den Verantwortlichen vermutlich auch weitere unangenehme Fragen.
Litigation-PR, wie das @florianklenk immer nennt, macht privatrechtliche Klagen gegen das Bundesheer auch nicht leichter.

Von meinen früher hier gestellten Fragen wurden durch die PK, der Endbericht ist nicht veröffentlicht, nur wenige beantwortet:

Welche Einschulung haben die Teilnehmerinnen für den Fall eines Unfalls erhalten? 
Man zeigte ein Foto mit Teilnehmerinnen am Ufer und gab an, dass für die 15 minütige Fahrt eine Instruktion erfolgte.

Erhöhten Wetter und Sicht zum Unfallzeitpunkt das Risiko maßgeblich und wie wurde darauf reagiert?
Die Fotos zeigten, dass das Unwetter zu diesem Zeitpunkt offenbar bereits aus dem Raum Hainburg abgezogen war. Man sah nur relativ flache Wellen.
Obwohl noch lange nach dem Unfall der Sprecher des Ministeriums von „Wellen-“ und anderen -Gutachten und einzuholenden Daten sprach, hörten wir heute, dass es sehr rasch klar war, dass weder andere Schiffe noch Niederwasser ursächlich für den Unfall war. 
Warum es so lange dauerte, bis sich diese Nebelgranaten verzogen, darüber kann nur gemutmaßt werden. Die Erklärung wird wohl dieselbe sein wie die, weshalb andere, eigentlich unmittelbar nach dem Ereignis klare Fakten, wie Auffindungszeitpunkt und -ort der beiden der Öffentlichkeit verschwiegen wurden, davon aber noch später.

Ab wann ist das Fehlen der beiden Frauen wem bekannt geworden?
Hier gabt es nur die Aussage des Bundesheeres und das Zitat der anderen Teilnehmerinnen. Das ist bemerkenswert, denn schließlich wurden alle rasch vom Unfallort weggebracht. Andere Aussagen hatten wohl einfach einen falschen Blick.

Wer hat mit welchen Mitteln versucht zu klären wo sie sich befinden?
Wäre man der Annahme gewesen, dass sie (mit ihren Schwimmwesten) flussabwärts geschwemmt wurden, hätte eines der Boote sie sehen oder suchen müssen.

Da erfuhren wir nur: 
Da nicht klar war, wo die Vermissten wären, habe man „in mehreren Bereichen gesucht“.
Das halte ich für den zweiten Fehler, denn nach menschlichem Ermessen (Siehe Foto 9:51) konnten die zwei nur innerhalb des Bootes sein, und eigentlich hat das der Präsentator zu diesem Zeitpunkt auch so gesagt!

Welche Maßnahmen (Namensschilder, …) wurden für die Identifikation der Teilnehmerinnen getroffen.
Unklar.

Stimmt der mediale Eindruck, dass die Einsatzleitung federführend von anderen Organisationen und nicht dem Bundesheer selbst übernommen wurde und entspricht das der zu erwartenden Sorgfaltspflicht den Teilnehmerinnen gegenüber?
Nun, das scheint beantwortet …

Ganz am Ende der Pressekonferenz ergab eine Journalistenfrage noch ein ganz bemerkenswertes Detail: Es stellte sich heraus, dass die beiden Teilnehmerinnen, die wie alle anderen Girl’s Camp Teilnehmerinnen im vorderen Bootsteil saßen, aus dem Heck geborgen wurden. Als Erklärung bot man die Strömung beim Kentern an, die die beiden nach hinten gedrückt hätte, wo sie, anders als die drei gleich aus einer Luftblase im Bug geborgenen, schlechter gefunden werden konnten. 

Dies wird für mich eine weitere Frage auf, die weniger den Unfallhergang als den Ablauf der Rettungskette als maßgeblich für das tragische Ende erscheinen lassen, und damit hat der Bootsführer rein gar nichts zu tun.

Nur Außenstehende (die Mannschaft des Rettungsbootes und der anderen beiden nicht gekenterten Boote) konnten wissen, wer (noch am Fluss) geborgen werden konnte und ob noch wer im Umfeld im Wasser treibt. Die Demonstration der Schwimmwesten machte auch klar, dass selbst Bewusstlose durch die Westen über Wasser gehalten werden. Bei dem geringen Wellengang wären sie leicht zu sehen gewesen. 
Die explizite Erwähnung einer mehrmaligen Zählung am Ufer legt nahe, dass dieser wesentliche Schritt vielleicht doch noch nicht am Fluss erfolgt war. Da schien mir die Gesamtorganisation wirklich versagt zu haben. 
Dafür spricht auch ein veröffentlichter Text des Bundesheeres:

Wann war bekannt, dass sich die beiden fehlenden Frauen unter dem umgekippten Boot befinden?
Es wurde bereits nach dem Umkippen vermutet, dass noch Teilnehmerinnen fehlen. Ob diese unter dem Boot waren oder vielleicht abgetrieben wurden war nicht klar. Es wurde die Donau auch stromabwärts abgesucht.
Es wurden auch die Donau und der Uferbereich mit Stangen abgesucht. 

Wie man zur Einschätzung kam, dass der Uferbereich abgesucht werden muss, wenn jemand in voller Strömung über Bord geht, nimmt Wunder.
Warum das alles keiner der anwesenden Journalisten so zu Papier brachte erschließt sich mir nicht.
Der Anprall auf die Heckwelle würde Insassen eher Richtung Bug schleudern. Die Strömung wirkt sich auf Boot und den in ihm gefangenen Personen annähernd gleich aus. Auch ein von außen Mitschwimmender wird ähnlich beschleunigt. Deshalb konnten die Retter ja mit den drei Eingeschlossenen vorne gut sprechen und sogar ins Boot hinein tauchen.
Erst wenn von außen eine weitere Kraft auf das Boot einwirkt, entsteht eine Strömung, die Personen in das Heck spülen kann.
Das führt mich zur Annahme, dass erst das Abdrängen des Bootes auf die Sandbank zur Verlagerung der beiden noch eingeschlossenen Personen geführt haben könnte. 
Um das genau zu beurteilen, müsste aber mitgeteilt werden, in welcher Position (relativ zur Strömung) das Boot abgedrängt wurde.

Wären aber die mindestens 10 Minuten seit dem Kentern genützt worden um klar zu stellen, dass sich die beiden nur innerhalb des Bootes befinden konnten, hätte es wohl niemand, der bei Sinnen war es abgebremst und in den Schotter gesetzt.
Auch wenn man dem Bundesheer Glauben schenkt, dass den Verantwortlichen bereits um 9:51 das Fehlen von zwei Teilnehmerinnen klar war und sie die Möglichkeit, dass die beiden noch im Boot waren, nicht gänzlich ausschließen können (was sie bis heute auch nicht behaupten) , dann war das Verbringen auf die Schotterbank ein fataler Fehler.
Aber wie gesagt, das hatte der anwesende Gutachter ja nicht zu beurteilen, der untersuchte nur bis zum Durchkentern.

Die selektive Auslassung von bereits vorliegenden Informationen schrammt ebenso messerscharf an der offen Lüge vorbei, wie ein Limited Hangout (Unentschieden, oder was?).

Weitere Antworten des Bundesheeres finden sich hier
Aus Sicht des BH wird der Endbericht in einer APA Aussendung so zusammengefasst. 

Darüber hinaus wird der Bund seinen rechtlichen Verpflichtungen nachkommen.

Written by medicus58

1. Dezember 2018 at 19:41

Girls‘ Camp cont.; ORF NÖ verliert die Geduld

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Ich habe hier kürzlich eine Medienübersicht über den Bootsunfall im Rahmen des Girls‘ Day des Bundesheeres (Das war der Girls’ Day beim Bundesheer, eine Materialiensammlung für alle, die sich ein Urteil bilden wollen) zusammengestellt, weil sich die Medien damals, 14 Tage nach dem Unfall seit dem zwei Teilnehmerinnen noch immer in intensivmedizinischer Behandlung stehen, offenbar nicht mehr über den wahren Unfallhergang zu interessieren schienen und die Informationen aus dem Bundesheer mehr als unbefriedigend waren: Im Nebel der Öffentlichkeitsarbeit oder die Grenze zwischen selektiver Information und Lüge Der Sprecher (@Bundesheerbauer) kritisierte mich postwendend, dass ich nicht alle Medienberichte und somit einseitig zitiert..

Nun stellt der ORF (!) NÖ ähnliche Fragen: Bootsunfall: Lage falsch eingeschätzt? Dem ORF liegen mehr als drei Wochen nach dem Unfall Aussagen, Unterlagen und Fotos vor, die vor allem die Rettungsaktion in einem neuen Licht erscheinen lassen. 10.11 Uhr: Sollte zu dieser Zeit nach den vermissten Frauen gesucht worden sein, wurden nicht alle Soldaten eingebunden 10.17 Uhr: Ein Soldat kniet in einem Boot, zwei weitere Soldaten stehen im Wasser. Anscheinend werden die beiden Frauen, die zum Zeitpunkt dieser Aufnahme unter dem Boot gefangen sind, weiterhin nicht vermisst

Auch die Theorie der Wellen durch ein vorbeifahrendes Frachtschiff, das eines von vier Booten im Verband umgekippt hätte, scheint nicht zu halten. Das Bundesheer verantwortet sich weiterhin, so wie unmittelbar nach dem Unfall damit, dass man „schnell“ bemerkt haben will, dass zwei Teilnehmerinnen gefehlt hätten. Ungeachtet eines eventuellen Fahrfehlers wird es davon abhängen, was das Bundesheer unter „schnell“ versteht. Auch der ORF NÖ spricht jetzt, wie bereits OE24 am 6.9. (Bundesheer-Boot: Frau erst nach 40 Minuten befreit) von 40 Minuten unter Wasser, während alle offiziellen Stellungnahmen und APA Abschreibeübungen in den ersten Wochen von 20 Minuten sprachen. Medizinisch ist das leider auch schon unerheblich, wie ich am Ende meiner Mediensammlung dargelegt hat, aber es wird immer unerträglicher, wie eine Einrichtung, die uns schützen sollte, in ihrer Medienarbeit vor allem sich selbst zu schützen scheint. Angesichts der offenkundig vorliegenden medialen Dokumentation der Ereignisse (Video, Fotos, Dutzende Einsatzkräfte), ist dies besonders kühn. Wenn man sich aber nun nur auf Einzelpersonen „abputzen“ wollte, würde das meine Meinung vom Bundesheer nachhaltig ändern: Am Mittwochabend meldete sich der Sprecher des Bundesheeres, Michael Bauer, noch einmal zu Wort und teilte nach Rücksprache mit einem Offizier, der sich auf einem der Boote befunden hatte, telefonisch mit: „Der Offizier hat mir versichert, dass noch auf der Donau eine Standeskontrolle durchgeführt worden ist.“ Hut ab, vor dem ORF NÖ (Gernot Rohrhofer und Werner Fetz), dass er sich der Angelegenheit angenommen hat.

Nun „wachen auch andere Medien aufHeeresboot-Drama: War alles ganz anders? O1 Morgenjournal  Bootsunglück: Warten auf Berichte

Written by medicus58

27. September 2018 at 07:59

Veröffentlicht in Allgemein

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Das war der Girls’ Day beim Bundesheer, eine Materialiensammlung für alle, die sich ein Urteil bilden wollen

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Die meisten Medien sprachen in Zusammenhang mit den folgenden Ereignissen immer vom Girls‘ Day beim Bundesheer, korrekt handelte es sich um das sogenannte Girls‘ Camp.

Bei der Veranstaltung in Bruckneudorf ist es zu einem tragischen Unfall gekommen, über den zumindest in den ersten Tagen sowohl vom Bundesheer aber auch auf praktisch allen Medienkanälen berichtet wurde.
Über die Qualität von Öffentlichkeitsarbeit habe ich mir unter dem direkten Eindruck der Ereignisse schon hier sehr theoretische Gedanken gemacht:
Im Nebel der Öffentlichkeitsarbeit oder die Grenze zwischen selektiver Information und Lüge
Nun, zwei Wochen nach dem Geschehen ist das Thema aus den Medien, was zumindest im Sinne der Angehörigen zu begrüssen ist.
Es bestehen aber nach dem Erstbericht des Bundesheeres, der m.W. weiterhin nur in den Aussagen zugänglich ist, die das Bundesheer selbst veröffentlicht sehen wollte, noch eine Reihe von Fragen, um zwischen Schicksalhaftigkeit und Verantwortung differenzieren zu können.
Von den involvierten Blaulichtorganisationen werden praktisch keine Detailinformationen veröffentlicht. Bislang erfuhr die Öffentlichkeit nur, dass die Staatsanwaltschaft gegen den Bootsführer ermittelt und das Boot sichergestellt hat.
Ich fürchte, dass gerade das Umfeld für den zeitlichen Ablauf der Ereignisse eine wesentliche Rolle gespielt hat und möchte deshalb die vorliegenden Materialien sichern, um es Interessierten zu erlauben, sich eine eigene Meinung zu bilden.
Hier geht es nicht gegen oder für die Einrichtung des Österreichischen Bundesheeres sondern ausschließlich um die Frage, ob im Vorfeld ausreichende Vorkehrungen getroffen wurden, dass unausgebildete, z.T. minderjährige Gäste des Bundesheeres nicht leichtfertig in Gefahr gebracht werden.
Über die medizinischen Konsequenzen der zeitlichen Abläufe finden Interessierte gegen Ende noch ein paar fachliche Informationen. Zitate sind kursiv, Zwischentexte in blau.
Selbstverständlich gelten Medienberichte nicht als Beweis und was bisher glaubhaft widerlegt wurden, habe ich auch zitiert.
Alle Texte standen zum Zeitpunkt der Texterstellung in der hier wiedergegebenen Form im Netz.

Laut Wikipedia wurden die Girls‘ Camps erstmals Mitte September 2016 unter dem damaligen Bundesminister Hans Peter Doskozil begonnen, um das Interesse von jungen Frauen für eine Berufslaufbahn beim Bundesheer zu wecken.
Also letztendlich war es eine Werbeveranstaltung für einen m.E. prinzipiell legitimen Zweck.
Im Jahr 2017 nahmen ca. 220 Personen an den Girls Camps teil, bei den ersten Girls Camps im Jahr 2018 waren es 84.

Girls’ Camp 2018 Du liebst Sport, Action, neue Herausforderungen und bist ständig in Bewegung?
Auch dieses Jahr hast du die Möglichkeit, das Bundesheer live zu erleben.
2 Termine 6 Standorte

31. August, 11 Uhr – 2. September, ca. 16 Uhr
Die Teilnahme am Girls’ Camp ist ab 17 Jahren möglich!
Originaltext von http://soldatin.bundesheer.at/Girls-Camp-2018-260 abgerufen am 11.9.2018 (!)

  • 1. September 2018

Der Sprecher des Bundesheeres (@Bundesheerbauer) twitterte um 10:53:
Beim Girls Camp ist heute gegen 10.00 Uhr ein Boot auf der Donau bei Hainburg gekentert. 2 Mädchen werden reanimiert. Der Notarzthubschrauber ist gelandet. Wir befürchten das Schlimmste.

Um 11:11 schrieb er: 
Die beiden Mädchen wurden erfolgreich reanimiert. Sie sind allerdings in einem kritischen Zustand. 2 Notarzthubschrauber sind beim Unglücksort. Wir hoffen und beten.

Die erste Information über den Unfallhergang gab es auf Twitter um 12:27:
Was wir derzeit über die Unglücksursache wissen: Das Boot ist in eine Welle gefahren, die ins Boot geschwappt ist. Dadurch hat sich das Boot langsam gesenkt und ist über die rechte Seite abgeglitten. Gesteuert haben das Boot 2 dafür ausgebildete Berufssoldaten

Später werden wir erfahren, dass das Boot innerhalb von 15 Sekunden nicht nur gekentert ist sondern mehrere Insassen unter sich begraben hat.
Um 13:57 gab das Bundesministerium für Landesverteidigung folgende Pressemeldung heraus: 

Pionierboot des Bundesheeres gekentert – Unfallkommission ist eingesetzt und hat Arbeit aufgenommen
Wien (OTS) – Heute, Samstag den 1. September,  kurz vor 10:00 Uhr, kenterte auf der Donau im Raum Hainburg aus derzeit unbekannter Ursache ein Pionierboot des Österreichischen Bundesheeres. Dieses Boot war im Rahmen der Veranstaltung „Girls‘ Camp“ eingesetzt. Zurzeit des Unfalls befanden sich dreizehn Personen an Bord.
Zwei junge Frauen mussten, nachdem sie unter Wasser gekommen waren, reanimiert werden. Sie befinden sich zurzeit in ärztlicher Betreuung in Krankenhäusern der Stadt Wien. Alle anderen Personen werden psychologisch sowie medizinisch vor Ort bzw. im Krankenhaus Hainburg versorgt. …

Einem besorgten weil noch uniformierten Vater antwortete @Bundesheerbauer um 15:16:
Ja. Die Angehörigen wurden verständigt. Darüber hinaus wurden alle Frauen ersucht, die Angehörigen zu verständigen.

Das wird sich in einigen Fällen und gerade bei den beiden am schwersten Betroffenen als unrichtig herausstellen und dafür entschuldigte sich das Bundesheer mehrfach offiziell.
Um 18:30 kam eine weitere Pressemeldung aus dem Ministerium:

„Girls‘ Camp“ – Gesundheitszustand beider Frauen weiterhin unverändert
Bundesheer dankt allen eingesetzten Kräften für die schnelle und professionelle Hilfe

Wien (OTS) – Der Gesundheitszustand der beiden im Krankenhaus befindlichen Frauen ist weiterhin unverändert. Jene Frauen und Soldaten, die sich am Boot befunden haben sowie alle anderen Teilnehmer am „Girls‘ Camp“ werden psychologisch betreut. Dazu wurden alle verfügbaren Psychologen und Peers des Bundesheeres zusammengezogen.
Die Eltern der Teilnehmer wurden für eine direkte Information ins Camp eingeladen. Eine weitere Teilnehmerin bleibt über die Nacht zur Beobachtung in einem niederösterreichischen Krankenhaus. Dabei handelt es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme.
Verteidigungsminister Mario Kunasek: „Meine Gedanken sind bei den Familien und Freunden der beiden Frauen. Den beiden im Spital befindlichen Frauen wünsche ich an dieser Stelle eine rasche Genesung. Die Betroffenen erhalten seitens des Bundesheeres jegliche Unterstützung und Betreuung. Ich verspreche, dass der Unfallhergang untersucht und aufgeklärt wird.“
Der Generalsekretär des BMLV, Dr. Wolfgang Baumann, hat sich weiters im Auftrag des Verteidigungsministers vor Ort ein Lagebild des Unfallgeschehens gemacht.
Das Bundesheer dankt den eingesetzten Kräften, insbesondere der Feuerwehr, dem Roten Kreuz und dem ÖAMTC, für die professionelle Ersthilfe sowie die rasche Rettungskette. Die Feuerwehr führte zum Zeitpunkt des Unglücks in unmittelbarer Nähe gerade eine Übung durch und konnte daher sehr rasch retten, bergen und helfen. Das „Girls‘ Camp“ in Bruckneudorf wurde nach dem Unfall beendet.

Am Abend entbrennt plötzlich ein befremdliches Scharmützel zwischen Kurier und Bundesheer nachdem der Kurier auf Basis einer nach heutigem Wissenstand missverstandene Aussage des Roten Kreuzes spekuliert, dass der Unfall durch eine Überbelegung des Bootes verursacht wird. Trotzdem sind die folgenden Texte nicht uninteressant:

Heeresboot gekentert: Waren zu viele Menschen an Bord?
Zwei junge Frauen (18 und 22 Jahre) in kritischem Zustand. Laut Heer waren 13 Passagiere an Bord, das Rote Kreuz sprach von 24.
(Die Erstversion des Textes ist mir nicht mehr zugänglich)

Was da hinter den Kulissen ablief, lässt ein Twitterscharmützel zwischen Kurier-Herausgeber und (damals noch) Chefredakteurs des Kuriers Brandstätter erahnen:

@Bundesheerbauer: Warum wird in dem Artikel nicht erwähnt, dass es der Redakteur verabsäumt hat, bei der Primärquelle – in diesem Fall das #Bundesheer – zu recherchieren? Ist es nicht journalistische Sorgfaltspflicht, alle Seiten zu befragen? Ich hatte gestern viele Anrufe. Keinen vom Kurier.
@HBrandstaetter: Der Kurier hat Sie ausführlich zitiert, aber eben auch die Stellungnahme des Roten Kreuzes. Was ist daran schlimm? Und wenn es wirklich um die Wahrheit geht, wäre vielleicht eine externe, unabhängige Untersuchung ideal, oder? Ist aber auch nur eine Frage

MeinBezirk.at: stellte schon um 13:29 erste Bilder ins Netz und gibt einen Stimmungsbericht, der wiedergibt, wer aller vor Ort involviert war und wie die Einsatzleitung gesehen wurde. Hier wird auch erstmals klar, dass es einen großen zeitlichen Unterschied zwischen der Rettung der einzelnen Personen gab.

Bundesheer-Übung wurde zum Ernstfall
Am heutigen Samstag, 1. September, fand anlässlich des „Girls´Camp“ eine große Übung in Hainburg statt. Mit Pionierbooten sollten die jungen Frauen die Donau übersetzen. Zeitgleich fand eine Katastrophenschutzübung der Feuerwehren aus den Bezirken Bruck an der Leitha und Neunkirchen ebenfalls an der Donau statt.

Gleich nach Beginn der Übung dann die Katastrophe: Eines der Pionierboote mit den jungen Frauen kenterte beim gegenüberliegenden Ufer, alle Personen gingen über Bord.
Zwei Frauen vermisst
Dann die nächste Hiobsbotschaft: Zwei Frauen werden vermisst. Sofort nachalarmiert wurden Rettung und Notarzt, der ÖAMTC Rettungshubschrauber, auch die Polizei war mit Hubschraubern vor Ort. Binnen weniger Minuten füllte sich der Hafen Hainburg mit Einsatzkräften. Hainburgs Feuerwehr-Kommandant Christian Edlinger übernahm gemeinsam mit Harald Fischer vom Roten Kreuz Bruck die Einsatzleitung, Oberstleutnant Sabine Zentner vom Brucker Bezirkspolizeikommando eilte ebenfalls mit Kollegen zum Einsatzort.

Bürgermeister Helmut Schmid traf zeitgleich mit den ersten Rettungskräften ein: „Ich werde bei jedem Einsatz informiert. Ob Brand oder technische Hilfeleistung, Wenn es um Menschenleben geht, bin ich immer vor Ort. Sofort nach Erhalt der Nachricht bin ich hierher gefahren.“
Bergung der Gekenterten

Sofort eilten Boote der Polizei, der Feuerwehr und des Bundesheeres mit Notarzt und an die Unfallstelle, die Mädchen wurden ans nahe gelegene Ufer gebracht, inzwischen fanden auch die angeforderten Hubschrauber von Polizei und ÖAMTC, der auf der Schotterbank landete, ein.
Nach und nach wurden die Mädchen wieder mit den Booten zurück ans Hainburger Ufer gebracht. Von den Einsatzkräften konnte vernommen werden, „dass zwei Mädchen unter dem Boot in einer Luftblase ausharren würden“. Zwei Wagen mit Taucher der Berufsfeuerwehr Wien trafen ebenfalls kurz später ein.

  • 2. September
Der Kurier fasst die Auseinandersetzung mit dem Bundesheer online so zusammen:
Über die Interventionen eines Heeressprechers und einen versuchten Maulkorb für die Rettungskräfte.

Was war passiert? Der KURIER hatte online den Titel „ Heeresboot gekentert: Waren zu viele Menschen an Bord?“ verwendet. Denn es gibt unterschiedliche Berichte, wie viele Personen tatsächlich auf dem Arbeitsboot waren. Um 12.35 Uhr hatte auch die Austria Presse Agentur berichtet, „das verunglückte Boot war laut Rotem Kreuz mit insgesamt 24 Personen besetzt“. Auch andere Helfer bestätigten das dem KURIER hinter vorgehaltener Hand.Intern kam es jedenfalls zu heftigen Debatten zwischen den Einsatzorganisationen. Nachdem sich die Meldungen weiter verbreitet hatten, wonach auch mehr Menschen als zugelassen im Unglücksboot gewesen sein könnten, wollte das Heer, dass keine Informationen mehr von den anderen Einsatzorganisationen an die Öffentlichkeit dringen. Feuerwehr, Rotes Kreuz und auch die Polizei ließen sich die Öffentlichkeitsarbeit aber nicht untersagen. Auch der KURIER stellte die Frage, ob nicht vielleicht doch zu viele Menschen an Bord waren. Natürlich wurde der Stellungnahme des Bundesheersprechers im Bericht entsprechend Raum gegeben.Bauer forderte via Twitter vom KURIER eine „ausgewogene und objektive Berichterstattung“ ein. Dass dafür auch andere zu Wort kommen müssen, scheint ihn aber zu verärgern.
Der Bericht der NÖ Nachrichten (um 15:31 online) beschreibt die Rolle des Bundesheers bei der Rettungsaktion (Notruf, Aufheben des Bootes (siehe unten), Reanimation) auch nicht gerade als professionell und es scheint auch hier als wäre die Aktion nicht federführend vom Bundesheer sondern von anderen Organisationen übernommen worden:

Neunkirchner Feuerwehrler als Lebensretter
„Wir hatten für die Übung im Rahmen des Katastrophenschutzdienstes 138 Kameraden aus dem Abschnitt Neunkirchen zur Zeit des Unglücks vor Ort“, erinnert sich Bezirksfeuerwehrkommandantstellvereter Josef Neidhart an den dramatischen Einsatz. Als die Truppe im Rahmen eines Stationsbetriebs bei der 2. Station gerade am Üben war, passierte in einer Entfernung von etwa 150 Metern das Unglück.
Die Feuerwehrkameraden machen sich mit Booten sofort auf die Rettung. „Zu Beginn hat es geheißen, dass es keine Verletzten gibt, erst später wurden die beiden jungen Frauen leblos aus dem Wasser geborgen“, so Neunkirchens Feuerwehrkommandant Stellvertreter Paul Pilshofer, der ausgebildeter Notfallsanitäter ist und sofort wusste, wie zu handeln war.
„‚Szenen waren ziemlich chaotisch“
Gemeinsam mit einem Notarzt und den Kameraden Patrick Ostermann, Alex Kain und Othmar Gruber übernahm er die Reanimation: „Wie man sich vorstellen kann, waren die Szenen rundherum am Anfang ziemlich chaotisch und wir haben uns immer beim Reanimieren abgewechselt“, so Pilshofer.
Laut seiner Einschätzung dürften die beiden Mädchen rund 15 bis 20 Minuten unter Wasser gelegen sein.
Ebenso lang reanimieren die Neunkirchner Kameraden die Frauen, ehe sie vom Notarzthubschrauber übernommen und ins Spital wurden. „Prognosen sind schwierig, aber ich hoffe natürlich das Beste!“, bleibt Pilshofer nach dem Einsatz optimistisch.
Und Neunkirchens Feuerwehrkommandant Mario Lukas ist stolz auf seine Männer: „Sie haben großartige Arbeit geleistet!“
Am 4.9. wird auch der ORF NÖ thematisieren:
Bootsunglück: 15 Minuten bis zum Notruf
Für den Vorfall medizinisch wesentlicher ist aber, dass die beiden Frauen offenbar lange, sehr sehr lange unter Wasser waren, bis mit der Reanimation begonnen werden konnte. Doch auch hier wurde die schreckliche Wahrheit nur sehr langsam der Öffentlichkeit mitgeteilt.
Medial gewinnt man den Eindruck, dass bei der Bergung und Reanimation der beiden am schwersten betroffenen Frauen das Bundesheer zumindest nicht federführend aktiv war.

Noch am Sonntag teilte der Kurier und andere Medien mit: 
und auch der Bundesheersprecher twitterte:
Es dauerte bis zu 20 Minuten, bis beide Frauen, die sich unterhalb des Bootes im Wasser befanden, gerettet werden konnten.
Wie wir sehen werden, könnte selbst diese Zeitspanne noch in einem Fall länger gewesen sein.
Schon am Abend des 2. September berichten mehrere Medien von ersten Ergebnissen der Untersuchungskommission des Bundesheeres:

Kein Fahrfehler – Kein Materialfehler

Nach dem Unfall eines Pionierbootes auf der Donau bei Hainburg gibt es nach Angaben des Verteidigungsministeriums vom späten Sonntagnachmittag „derzeit weder einen Hinweis auf einen Fahrfehler des Bootsführers noch auf ein technisches Gebrechen„. Ausgewertet wurde laut einer Aussendung ein Video, „das die entscheidenden Momente an Bord aufgenommen hat“.
Das Boot sei, nachdem eine Welle ins Innere geschwappt war, „innerhalb von weniger als 15 Sekunden gesunken“, teilte das Ministerium zu ersten Ergebnissen der noch am Samstag eingesetzten Unfallkommission mit. Untersucht werde, ob die Welle eines Großschiffes in Verbindung mit dem Niedrigwasser der Donau zum Unglück geführt haben könnte. „Dazu gibt es Aussagen von Beteiligten, die dies bestätigen.“ Die Auswertung der Transpondersignale der Donauschifffahrt fehlte noch.

@Bundesheerbauer Replying to @MatthiasSurvive @KURIERat Das Video zeigt jene 40 Sekunden, bevor das Boot umgekippt ist. 9:28pm

Das Video lag offenbar auch bereits der Staatsanwaltschaft vor und muss sehr detailreich sein, denn am 11.9. berichtete der Kurier, dass zum Zeitpunkt des Unfalls nicht Vollgas gefahren wurde, um Mutmaßungen zu zerstreuen, dass ein Renomiergehabe des Bootsführers zum Unfall geführt hätte:

Donau-Unfall: Heeresboot fuhr nicht mit Vollgas
Es sind Szenen, die zeigen, wie schnell Freude in Leid umschlagen kann, Sicherheit in Hilflosigkeit: Der Unfall eines Bundesheerbootes während des Girls’ Camp bei Hainburg an der Donau, bei dem zwei jungen Frauen schwerst verletzt wurden, ist – wie berichtet – auf Video gebannt. KURIER-Informationen zufolge könnte die Aufnahme den Ermittlern nun wichtige Rückschlüsse zum Unfallhergang geben.
Denn das Video wurde von einem Berufssoldaten erstellt, der sich zum Zeitpunkt des tragischen Vorfalls genau hinter dem Bootsführer Alexander Sch. auf dem Unglücksboot befand. In einer Momentaufnahme soll dabei auch die Stellung des Gashebels zu sehen sein, als das Boot auf die Welle traf, die schließlich das Unglück ausgelöst haben soll und das Boot zum Kentern brachte.
Beweisstück
„Der Hebel war in einer mittleren Position. Das Boot war also nicht mit vollem Schub unterwegs“, sagt ein Insider zum KURIER. Deshalb glaube man nicht, dass der Bootsführer den an Bord befindlichen Frauen mit seinem Fahrstil imponieren wollte und es deshalb zu dem Unfall kam.

Das wichtige Beweisstück bleibt vorerst den Augen der Heeres-Untersuchungskommission, Polizeiermittlern und der Staatsanwaltschaft vorbehalten.

Das bestätigt auch der Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Korneuburg, Friedrich Köhl. Die Behörde hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Bootsführer wegen fahrlässig schwerer Körperverletzung eingeleitet, ähnlich wie wenn er einen Autounfall mit Verletzten verursacht hätte. Wegen des laufenden Verfahrens äußert sich Köhl nicht zum Inhalt des Videos.
Schwierige Befragung
Weitere Aufschlüsse soll außerdem die Befragung aller Augenzeugen des Unglücks bringen. Dies kann aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Weil die insgesamt 54 Teilnehmer des Girls’ Camp aus den verschiedenen Bundesländern stammen, wurden die Polizeidienststellen an den jeweiligen Wohnorten mit der Befragung der Zeugen betraut. Die Aussagen sollen in weiterer Folge auch in den Bericht der Heereskommission einfließen. Wann dieser fertig ist, steht noch nicht fest.

Das Bundesheer hat auch dieses Girls‘ Camp ganz offensichtlich für eine spätere Verwendung dokumentiert.
Bis jetzt wurde aber die späte Bergung der beiden Frauen ausschließlich durch die Umstände des Unfalls und insbesondere dadurch erklärt, dass sie mit ihren Schwimmwesten in den umgekippten Bootsrumpf gedrückt wurden, so dass sie nicht selbst befreien konnten, beziehungsweise auch von den suchenden Helfern nicht gesehen werden konnten.
Inzwischen stellt sich aber die ernsthafte Frage ab wann überhaupt gezielt nach den beiden gesucht wurde:

  • 3. September 
Heute deutete der Kurier an, dass zu lange nicht einmal klar war, dass zwei Teilnehmerinnen fehlten:

Bootsunglück: Mädchen wurden erst nach 15 Minuten vermisst
In der allgemeinen Panik und Hektik nach dem Kentern blieb das Fehlen der beiden Mädchen zunächst unbemerkt. Es dauerte etwa eine 15 bis 20 Minuten, bis die Verantwortlichen des Heeres die Abgängigkeit der beiden Opfer bemerkten und Alarm schlugen.
Zu dem Zeitpunkt waren Feuerwehrleute des Katastrophenhilfszuges aus Neunkirchen, die in der Nähe eine Übung hatten, mit eigenen Booten zur Stelle. „Das Bundesheer-Boot lag gekentert an der Sandbank im Wasser und die erschöpften Personen saßen verteilt am Ufer“, schildert Feuerwehrmann Paul Pilshofer.
Als das Unglücksboot bereits mit einer Seilwinde gesichert war, hieß es, es fehlen noch Zwei. „Wir haben sofort das Boot aufgehoben. Die Mädchen waren tatsächlich darunter“, schildert Pilshofer. Zusammen mit seinen Kameraden leitete der Notfallsanitäter Erste Hilfe-Maßnahmen und die Reanimation ein.
Meines Erachtens passt dies sehr gut zum schon zitierten Bericht der NÖ Nachrichten (um 15:31 online) vom 2.9.. 
  • 4. September 

Der Standard berichtet, dass Brandstätter als Chefredakteur von Martina Salomon abgelöst wird.

Am selben Tag titelt der Kurier aber noch, dass auch die 20 Minuten nicht die volle Wahrheit sein dürften: 

Opfer waren mehr als 20 Minuten unter Wasser

Und am 6.9. titelte dann OE24 nur mehr knapp:  Bundesheer-Boot: Frau erst nach 40 Minuten befreit

Ein ganz ähnliches Bild zeichneten die NÖN um 15:44:

Laut dem Erstbericht war das Pionierboot im Bezirk Bruck a.d. Leitha am Samstag um 9.49 Uhr gekentert. Ungefähr gegen 10.15 Uhr sei das Boot am Ufer aufgekantet worden, teilte das Verteidigungsministerium mit. In diesem Zeitraum seien Personen aus dem Wasser gerettet worden. Unter dem 8,5 Meter langen und 2,5 Meter breiten Boot sei es dunkel gewesen. Zwei Unteroffiziere seien unter das Boot getaucht, um Personen zu finden und zu retten, hieß es. Dies sei in einigen Fällen auch gelungen. Nach dem Kentern sei das Boot mit Hilfe von zwei anderen Booten aus der Flussmitte zum Ufer gedrückt worden, berichtete Bauer. Dort habe die Feuerwehr Unterstützung geleistet. Als das Boot am Ufer aufgekantet wurde, sei festgestellt worden, dass sich noch jemand darunter befand, sagte Bauer. Die beiden Frauen im Alter von 18 und 22 Jahren waren reanimiert und von Notarzthubschraubern in Wiener Krankenhäuser geflogen worden.

Laut Vienna.at lag bis 5.9. hinsichtlich des Zeitablaufes nur das Rumpfprotokoll des Bundesheeres vom Sonntag vor: 

9.49 Uhr: Das Boot kippt um.
10.04 Uhr: Von der Feuerwehr wird ein Notruf abgesetzt.
10.08 Uhr: Die Rettungsleitstelle erhöht ihre Alarmierung auf Großunfall.
etwa 10.15 Uhr: Das verunglückte Boot ist am Ufer und wird aufgekantet.
Danach gibt es – jedenfalls bisher – kein weiteres Zeitprotokoll

ORF Niederösterreich hat aber schon am Dienstagabend (4.9) berichtet, dass sich

aufgrund der Aussagen von Helfern und anhand verschiedener Einsatzprotokolle“ folgender Zeitablauf rekonstruieren lasse:
9.49 Uhr: Das Bundesheerboot kentert, fünf Soldaten und acht Frauen werden in die Donau geschleudert.
10.04 Uhr: Ein Feuerwehrmann, der auf der Donau an einer Übung teilnimmt, setzt einen Notruf ab. Das Bundesheer selbst setzt keinen Notruf ab.
10.08 Uhr: Die Rettungsleitstelle löst Großalarm aus.
10.15 Uhr: Das gekenterte Boot kann zu einer Sandbank in der Donau gebracht werden. Nach Angaben des Bundesheeres hatten Soldaten zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Personen unter dem Boot herausgezogen.
10.21 Uhr: Die örtlich zuständigen Feuerwehren werden alarmiert und rücken mit weiteren Booten aus.
10.28 Uhr: Die erste der beiden Frauen kann gerettet werden und wird reanimiert.
10.30 Uhr: Wie in einer Notiz vermerkt wurde, trifft ein Notarzt auf der Sandbank ein.

10.34 Uhr: Die zweite Frau wird aus dem Wasser gezogen. Laut einem Einsatzprotokoll ist jedoch noch unklar, ob noch jemand fehlt.
10.41 Uhr: In einer Statusmeldung wird festgehalten, dass beide Frauen reanimiert werden.

Bundesheer-Boot: „Wir haben es aus den Medien erfahren“ 

Das österreichische Bundesheer untersucht mit einer hauseigenen Kommission das Bootsunglück auf der Donau nahe Hainburg. Bereits zwei Tage nach der Tragödie mit zwei schwerverletzten Frauen im Rahmen des Girls’ Camp auf der Donau in Hainburg (NÖ) steht für Heeressprecher Oberst Michael Bauer nach derzeitigem Stand fest, dass der Bootsführer „alles richtig“ gemacht habe und auch kein technisches Gebrechen vorliege.

Die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Korneuburg prüft den Sachverhalt freilich unabhängig davon. Zum einen wurde gegen den Unteroffizier und Bootsführer, Alexander Sch., ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässig schwerer Körperverletzung eingeleitet. Und zum anderen behält sich der Staatsanwalt die Bestellung eines gerichtlich beeideten Sachverständigen vor. Das Unglücksboot wurde jedenfalls polizeilich beschlagnahmt. Wie Bauer im Gespräch mit dem KURIER erklärt, handelt es sich bei dem Bootsführer um einen „äußerst erfahrenen Mann“. „Er hat bereits 2006 den Wasserfahr-Grundkurs absolviert und alleine auf dem Bootstyp mit dem der Unfall geschah 300 Fahrstunden vorzuweisen“, erklärt Bauer.
Keine Sicht
Am Dienstag veröffentlichte das Heer Grafiken und Details zum Unfallhergang. Demnach sei das Boot mit fünf Bundesheerangehörigen und acht Frauen des Girls’ Camp um 9.49 Uhr aufgrund einer „großen Welle“ gekentert. Wie Bauer schildert, haben sich zwei Unteroffiziere ihre Rettungswesten vom Leib gerissen und sind auf der Suche nach Opfern unter das Boot getaucht. Das umgedrehte Boot wurde durch zwei andere Heeresboote von der Flussmitte ans Ufer gedrückt und dort gegen 10.15 Uhr gesichert. Erst danach, also mehr als 20 Minuten nach dem Kentern, wurde das Fehlen von zwei jungen Frauen bemerkt. Natalie T. (22) und Sophie K. (17) lagen leblos unter dem Boot und wurden mit vereinten Kräften von Feuerwehr und Heeresangehörigen heraus gezogen und reanimiert. Dass sie nicht vorher entdeckt wurden, erklärt man damit, dass die Sicht unter Wasser gleich null war.

Eher überraschend kam dann ein einziger Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin in die Medien, die aber auf die wesentlichen Probleme des Einsatzes nicht eingeht, da er „außerhalb ihres Gesichtsfeldes“ passiert ist.

Sie habe eine „sehr intensive Erfahrung“ gemacht, die im Nachhinein sogar noch stärker sei, sagte die 34-jährige Wienerin zur APA:

Sie sei nicht mit dem letztlich gekenterten, sondern auf einem “Nachbarboot” unterwegs gewesen, erzählte die Zeugin. Ihrer Schilderung zufolge hatten sich auf jedem der drei Boote “acht bis neun Mädchen” und “vier bis fünf Soldaten” – Bootsführer und Betreuer des Girls’ Camp – befunden. “Zusätzlich fuhr ein Rettungsboot mit. Jeder Bootsinsasse trug eine Schwimmweste.”
Soldaten seien zu Mädchen ins Wasser gesprungen
Der Unfall selbst “ist außerhalb meines Sichtfeldes passiert”, so die Wienerin. “Unser Boot ist jedoch sofort zum gekenterten Boot gefahren, und hat, genau wie das dritte Boot, Mädchen, die ins Wasser gefallen waren, aufgenommen.” Soldaten seien auch “ins Wasser gesprungen, um nach weiteren, vermissten Mädchen zu suchen”. Alle hätten “ihr Bestes gegeben, um die Mädchen zu finden”, schilderte die Zeugin im APA-Gespräch ihre Sicht der Dinge.
Telefonisch sei sofort Hilfe und Unterstützung angefordert worden. Weitere Rettungsboote seien “sehr rasch zur Stelle” gewesen.
In der Folge seien ihre Gruppe und aus dem Wasser aufgenommene Mädchen an das am nächsten gelegene Landstück, ein Ufer bzw. einen Inselstreifen, gebracht worden, wo die “sehr gut angeleitete Versorgung” stattgefunden habe. Es sei dabei um die Abklärung gegangen, ob Verletzungen oder Schockzustände bestünden, zudem seien Handtücher und trockene Kleidung bereitgestellt worden. Das Boot sei indes wieder an die Unfallstelle gefahren, um zu helfen.
Die betreuenden Soldaten, “unter anderem eine Soldatin, die selbst ins Wasser gefallen war”, seien vom Unfall “sichtbar betroffen und erschüttert” gewesen, so die Wienerin. Trotzdem hätten sie “klaren Kopf” bewahrt.
Rasche Hilfe für junge Frauen
“Nachdem die vermissten Mädchen geborgen waren, wurde sofort mit der Reanimierung begonnen.” Bundesheer Sanitäter seien von Anfang an bei dem Ausflug im Rahmen des Girls’ Camp anwesend gewesen, weitere Rettungskräfte per Boot rasch dazugestoßen. “Zwei Rettungshubschrauber haben die Mädchen in Krankenhäuser geflogen.”
Ein Boot sei sofort nach Abflug der Helikopter zur Gruppe mit der 34-Jährigen gekommen, habe “zuerst die gekenterten Mädchen und später, in einer zweiten Fahrt, die Mädchen, die nicht ins Wasser gefallen waren, inklusive mir”, an Land gebracht, “wo wir von der Rettung erwartet wurden”. Auch bei dieser Flussquerung sei das Boot nicht überbelegt gewesen. Ein Transport ins Krankenhaus sei “einstimmig” abgelehnt worden, “da niemand von uns ins Wasser gefallen war und sich auch niemand verletzt hatte”.
Bundesheer-Boot gekentert: 13 Personen an Bord
Ein Boot mit 13 Personen ist gekentert”, betonte die Wienerin. “Die Insassen eines zweiten Bootes wurden durch Routineprozeduren ins Krankenhaus und dann zurück in die Kaserne gebracht. Die Insassen des dritten Bootes haben einen Krankenhausbesuch eigenständig abgelehnt.” Ihre Gruppe sei somit direkt in die Kaserne zurück gebracht worden, wo es – nach einem warmen Essen – Betreuung durch Psychologen gegeben habe.
Kontaktdaten von Heerespsychologen für eine eventuelle Nachbearbeitung des Geschehens seien mitgegeben worden. Eine WhatsApp-Gruppe für alle Teilnehmerinnen zum gemeinsamen Austausch sei eingerichtet worden. “Außerdem werden Gruppentreffen organisiert”, erzählte die Girls’ Camp-Teilnehmerin. “Wir erhalten auch im Nachhinein Unterstützung, sollte dies für uns notwendig sein.”

  • 8 September

@GTLMedicus: Es ist nun fast auf die Minute eine Woche her seit ohne Fahr-, Material–oder Organisationsfehler zwei Teilnehmerinnen vom Girls Day des Bundesheer in die Intensivstation gebracht wurden und bislang keine Besserung ihres Zustandes eingetreten ist. #Bundesheer #justsaying
@Bundesheerbauer Replying to @GTLMedicus Unsere Kommission arbeitet jeden Tag. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Es müssen alle Teilnehmerinnen befragt werden. Wir haben das größte Interesse, aufzuklären warum es zum Unfall gekommen ist. Und für den Unfall wird es Gründe geben. Wir wissen Sie nur noch nicht.

Fachlich kann ich natürlich nichts zu allfälligen Fahr- oder Materialfehler beitragen.
Hinsichtlich des Wetterriskos zum Unfallzeitpunkt, unabhängig wie dieses hinsichtlich Sicht und Wellengang beurteilt wird, soll daran erinnert werden, dass damals im Osten Österreichs zum Unfallzeitpunkt schwere Unwetter wüteten:

In den jüngsten Stunden gab es vielerorts markante Regenmengen, im Südosten wurden seit Freitagabend sogar über 20.000 Blitzentladungen detektiert. 

Gegen Mittag, also dem Zeitpunkt den die meisten Pressefotos eingefangen haben, machten die Regenfälle gerade wieder eine Pause, so dass sie die vorher herrschende Wettersituation nicht richtig wiedergeben.
Ob die unter den zu diesem Zeitpunkt herrschenden Bedingungen den unausgebildeten Gästen des Bundesheeres ein noch tolerables oder zu hohes Risiko zugemutet wurde, liegt fachlich auch außerhalb meiner Expertise.
Ob die Informationen über die offenbar schlechte Identifizierung der Teilnehmerinnen und Information ihrer Angehörigen Bedenken über die Gesamtorganisation aufkommen lassen, mögen Sie selbst entscheiden..
Medizinisch ist aber relevant, ob das alles dazu beigetragen hat, die Zeitspanne zwischen Unfall und Reanimationsbeginn zu verlängern.
Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, dass das Gehirn prinzipiell nur eine sehr kurze Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr toleriert.
Wie eng diese Zeitspanne ist hat eine rezente Analyse von 160 Fällen < 16 Jahren vor Augen geführt:
 https://www.bmj.com/content/350/bmj.h418

Auch eine ganz rezente Metaanalyse (Neurologic long term outcome after drowning in children) betont die Wichtigkeit jeder einzelnen Minute während und nach dem Unfallgeschehen:

However, the long-term outcome of survived drowning victims depend mainly on the severity of the initial ischemic brain insult, the effectiveness of immediate resuscitation with subsequent transfer to the ER, and also on the post-resuscitation management in the intensive care unit.
Important predictors for survival itself either with mild or severe neurological deficits include: the duration of submersion, the need of advanced life support at the site of the accident, the duration of CPR, and the establishment of spontaneous breathing and circulation on arrival to the ER.
Submersion time mainly determines the level of hypoxic-ischemic injury but it is at best an estimate given in an extremely stressful situation. It has been shown that a prolongation of submersion over 5 –10 min worsens the prognosis considerably.
Many other predictors of survival that have been reported in the literature are mainly consequences of the duration of the primary insult of CPR and the quality of the treatment the patient has received before or after the arrival to the ER.

Es steht zu hoffen, dass Bundesheer und Staatsanwaltschaft auch das organisatorische Umfeld in dem der Unfall passiert ist, sehr genau prüfen und folgende Fragen überzeugend klären:

Welche Einschulung haben die Teilnehmerinnen für den Fall eines Unfalls erhalten?
Erhöhten Wetter und Sicht zum Unfallzeitpunkt das Risiko maßgeblich und wie wurde darauf reagiert?
Ab wann ist das Fehlen der beiden Frauen wem bekannt geworden?
Wer hat mit welchen Mitteln versucht zu klären wo sie sich befinden?
Wäre man der Annahme gewesen, dass sie (mit ihren Schwimmwesten) flussabwärts geschwemmt wurden, hätte eines der Boote sie sehen oder suchen müssen.
Welche Maßnahmen (Namensschilder, …) wurden für die Identifikation der Teilnehmerinnen getroffen.
Stimmt der mediale Eindruck, dass die Einsatzleitung federführend von anderen Organisationen und nicht dem Bundesheer selbst übernommen wurde
und entspricht das der zu erwartenden Sorgfaltspflicht den Teilnehmerinnen gegenüber?

 

Written by medicus58

15. September 2018 at 09:49

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