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SARS CoV2 der Reichstagsbrand des 21.Jahrhunderts? 1/2

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Bis heute weiß man nicht genau, wer im Februar 1933 den Deutschen Reichstag abgefackelt hat, aber unbestritten sind die politischen Folgen. Mit der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat (Reichstagsbrandverordnung) wurden die Grundrechte der Weimarer Verfassung de facto außer Kraft gesetzt und der Weg freigeräumt für die legalisierte Verfolgung der politischen Gegner der NSDAP durch Polizei und SA.

Wem nützt also die COVID-19 Epidemie heute?

Nein, sie haben sich hier auf diesem Blog nicht in irgendeine Verschwörungstheorie verirrt, die ihnen gleich beweisen wird, dass das Virus vorzeitig aus einem Geheimdienst- oder Militärlabor entkommen ist (Nature: It is improbable that SARS-CoV-2 emerged through laboratory manipulation of a related SARS-CoV-like coronavirus).

Funfact: auch während der Russischen Grippe 1977/1978, die hinsichtlich der Opferzahlen der aktuellen COVID-19 nicht unähnlich war (weltweit spricht man von 500.000-700.000 Toten) aber in erster Linie Personen unter 25 Jahren tötete) vermutete Greenpeace dass der Erreger A/H1N1 Mitte der 1970er-Jahre aus einem sowjetischen oder chinesischen Labor entwichen wäre.

Was uns die Geschichte der Weimarer Republik aber gelehrt haben sollte ist, dass die historische Wirkmächtigkeit von Ereignissen auch davon abhängt von wem diese wozu instrumentalisiert werden:

Hier finden Sie eine grafische Aufbereitung großer Pandemien der Menschheitsgeschichte.

Nutznießer der Antoninischen Pest (vermutlich eine Pockenepidemie, die über 24 Jahre ca 5% der Bevölkerung im Römischen Reich ausrottete) waren ohne weiteres Zutun die Germanischen Stämme, die letztendlich das Weströmische Reich stürzen konnten. Hier mag aber noch bezweifelt werden, dass das den MArkomannen und Quaden selbst bewusst war, Wenn Sie einen Österreich-Bezug suchen finden Sie ihn im Philosophenkaiser Marc Aurel, den vermutlich diese Krankheit in  Vindobona oder Sirmium dahinraffte.

Für die politischen Folgen des Schwarzen Todes (einer bakteriellen Erkrankung, die zwischen 1346 und 1353 ein Drittel Europas dahinraffte) zeichnen sich schon deutlichere Profiteure ab.

Um die offenkundige Hilflosigkeit kirchlicher und weltlicher Herrscher zu kompensieren fand man Sündenböcke und führte zu schweren Judenpogromen, die anfänglich von den Machthabern veurteilt, im weiteren Verlauf jedoch zumindest hingenommen wurden. Der römisch-deutsche König Karl IV verpfändete das königliche Judenregal, unter anderem an Frankfurt am Main um sich selbst zu entschulden.
In seinem Decamerone beschrieb Giovanni Boccaccio wie sich im Verlauf der Seuche althergebrachte sittlicher und religiöse Regeln und Klassenschranken auflösten.
Die „Stunde der neuen Männer“ brach an und herrenlos gewordener Boden konnte übernommen werden, der Arbeitskräftemangel hob die Löhne an, die starren Grenzen der Zünfte zerbrachen,die Peasants’ Revolt fegte in England die Leibeigenschaft hinweg und all das beflügelte die Mechanisierung.
Die katholische Kirche war zwar Nutznießer vieler Erbschaften, ihre offenkundige Hilflosigkeit führte u.a. zur Spaltung in der Reformation. Für Egon Friedell (Kulturgeschichte der Neuzeit ) läutete die Pest die Renaissance ein.

Jeder „Unterstufler“ hat gelernt, dass die Spanische Eroberung Amerikas durch die mitgebrachten Seuchen erleichtert wurde. Neure Untersuchungen bringen den Tod von 56 Millionen Indigenen im 16. und 17. Jahrhundert im Zusammenhang mit einer weltweiten Klimaabkühlung.

Wenden wir uns der nach der Spanischen Grippe (40-50 Millionen Tote, die vermutlich eine amerikanische Grippe war) zweit tödlichsten Pandemie des 20.Jahrhunderts zu, der HIV/AID Pandemie, die bislang 25-35 Millionen Menschen das Leben gekostet hat, dann kommen wir kaum an der Frage vorbei, wie sehr die anfänglich als Schwulenkrebs oder Sexseuche von konservativen Kreisen instrumentalisiert wurde. Natürlich ist HIV/AIDS hinsichtlich der Übertragungart und der Möglichkeit zum Selbstschutz (U.S. Centers for Disease, Control and Prevention: Verzichten Sie auf Sex!) nicht mit Covid-19 vergleichbar, aber eine rezente Analyse stellte weltweit einen Zusammenhang zwischen dem Grad an Demokratisierung einer Gesellschaft und der Chance, dass Betroffene ihren Status erfahren und damit eine Therapiechance haben.

Halten wir vorerst einmal die beileibe nicht neue Erkenntnis (Pandemics That Changed History) fest, dass zufällig oder von anderen verursachte Ereignisse politische Nutznießer haben können und wir uns deshalb rechtzeitig damit beschäftigen sollten, wem die SARS Cov2 Pandemie in die Karten spielt.
Im zweiten Teil dieses Blogbeitrages werden wir genau das tun.

Written by medicus58

9. April 2020 at 16:52

Wär’s das, 2018?

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Jahresrückblicke befassen sich mit dem was wichtig war und nicht mit dem was wichtig sein hätte können. Vielleicht nennt man sie im post-Farkasch’en Zeiten deshalb auch nicht man mehr Jahresbilanzen, um sich neben der Haben-Liste das hier unumgängliche Soll und somit den Bilanzselbstmord zu sparen.

Was hätte 2018 nicht alles bringen können:

Den ersten grünen Bundespräsidenten, der einlöst, was alle seine Vorgänger vor ihrer Wahl versprochen haben, einen aktiven Präsidenten und nicht nur einen weiteren Staatsnotar. VdB unterschrieb bis jetzt alles brav (Indexierung der Familienbeihilfe) und versteckte sich bei CETA hinter dem Europäischen Gerichtshof, um zum Jahreswechsel plötzlich mehr Budget für das Bundesheer zu verlangen. Bis jetzt wären ihm sogar noch die Fußstapfen eines Klestil zu groß.

Die Türkis-Blaue Regierung, die den großkoalitionären Proporz aufbrechen hätte können, der in diesem Land alles, vom Schulsystem bis zu den Abendnachrichten so fest im Griff hat wie anderswo es nur die Mafia schafft, hätte rein theoretisch ja auch etwas Neues bringen können, wären die Mitspieler und ihre Worthülsen nicht schon seit Jahren bekannt gewesen. Gekommen ist weder echte Schul-, Gesundheit-, Sozial-, Rechts- noch Demokratiereform sondern auf allen Gebieten eine politische Umfärbung ohne Rücksicht auf Kollateralschäden (BVT, Gebietskrankenkassen,…).

More of the same mit besserer Medien- und Meinungskontrolle und ein Wunschkonzert der Finanziers.

Die Hoffnung, dass einem Ex-ÖBB Manager die SPÖ ebenso auf den Leib geschneidert sein könnte, wie sein slim-fit Sakko, hat sich ebenso nicht erfüllt wie die Annahme, dass die, die mit sprachlicher Eloquenz brillieren, am Ende noch wissen wofür sie sich bewerben oder wovon sie zurücktreten sollen. Vielmehr zeigte sich, dass slim-fit und Schweigen auch nach fast zwei Jahrzehnten noch als Sch(l)üssel zur Wahlkabine funktionieren.

Eine Selbstdemontage der Grünen (werde ich nicht Vizekanzler mach ich halt das Feigenblatt bei Novomatic), war zu erwarten, zu hoffen war, dass die bunte Bewegung (wir sind keine Partei) , die der Silberrücken Pilz JETZT aufgestellt hat, ein guter Ersatz sein könnte. Bislang bekam man da aber in erster Linie einen Crashkurs in Familienaufstellung zu sehen.

Wie bei NEOS-GURU Strolz scheint die Politik immer mehr als Bühne für den kurzfristigen Ego-trip herhalten zu müssen, wem die Tanzfläche zwischen Flipchart und Rednerpult zu eng und der Beamer zu wenig hell wurde.

Es hätte viel bringen können dieses Jahr, hat es aber selbst dort nicht, wo wir zumindest am Papier die Wahl hatten.

Written by medicus58

30. Dezember 2018 at 11:52

Politik zwischen Onanie und Egomanie

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Pilot seines Lebens wäre er, sagte der Strolz der Spitzenkandidat der Neos und verkündete, dass er seine Parteiobmannschaft und sein Nationalratsmandat zurücklegen wird, ein schlappes halbes Jahr nachdem er sich in diese Funktion wählen ließ. Überraschend kriegt er dafür nicht nur vom Fellner Respekt.

Immerhin erst nach zehn Jahre als Clubchef der Wiener Roten, beschloss SP Oxonitsch, dass er sich wieder darauf konzentrieren will was, was ihm Spaß macht, und zog sich zwar nicht gänzlich zurück, aber immerhin in die Kommunalpolitik, was auf’s Gleiche rausläuft.
Ja, und auch SP Kulturstadrat Mailath-Pokorny  ließ sich wählen, so wie SP Gesundheitsstadträtin Frauenberger, scheinen aber irgendwie die Lust am Job verloren zu haben.
Ja,  und dann gabs zuletzt auch bei der Liste Pilz (Peter Kolba) eine Art Rücktritt.
Salzburg.at bringt es überhaupt auf den Punkt und erklärt den Mai zum Rücktrittsmonat für Parteichefs (Werner Faymann (SPÖ), Reinhold Mitterlehner (ÖVP) , Eva Glawischnig (Grüne) und 2000 Bienenzüchter Jörg Haiders).

Nun freut man sich bei manchen, wenn sie gehen, bei wenigen, wenn sie kommen, aber ein Problem bleibt:

Demokratie basiert auf dem Grundvertrauen der Wähler, dass Parteien bei ihrem Programm bleiben (hihi, als ob das irgendjemand noch lesen würde) und dass die Personen, die vor Wahlen in gefühlten Quadratkilometer Plakatwänden die Umwelt verschandeln, eigentlich einen Großteil der Wahlperiode „zur Verfügung stehen„.

Schön, dass Strolz seinem Herz gehorcht, aber eigentlich sollte er meiner Meinung nach auch eine Verantwortung all denen gegenüber fühlen, denen er doch medienwirksam die Flügel heben wollte.
Das gilt auch für all die anderen, insbesondere auch die Regierungen, die nicht über die volle Legislaturperiode gehen.

Vielleicht ist das des größte Defizit der Motivationstrainer, Beraterhorden, Ich-AGs, Polit-Einpeitscher und Phrasendrescher, dass sie ihren Job mehr zur Selbstbefriedigung als als Aufgabe an der Gemeinschaft sehen.
Ja, natürlich, ein Buchprojekt, sehe ich auch schon seit Jahrzehnten vor meinen Augen, nein, natürlich nicht sowas wie meine bisherigen Kapitel und Lehrbücher, nein, etwas was wirklich befriedigt.

Tut mir leid, Patienten, die Arztbriefe und Befunde bleiben einfach liegen. Zu den kommenden Terminen werde ich halt einfach verhindert sein.
Wollte zwar noch den aktuellen ÖSG Entwurf lesen und kommentieren, aber ich werde Pilot meines Herzens und ich verwirkliche mich mal …..

Nur so viel zu dem Respekt, den nun die Medien Herrn Strolz zollen.
Mich würde interessieren, ob sie das auch so respektwürdig fänden, wenn ihnen ihre Putzfrau, ihre Flugkapitän oder Zugsführer, ihr Arzt oder ihr Rechtsanwalt mitten im Verfahren mitteilen, dass sie nun lieber fischen gehen werden.

Vielleicht verstehen sie was ich meine, wenn Sie sich an den nachfolgenden Dialog aus „Lawrence of Arbia“ erinnern:
Feisal: With Major Lawrence, mercy is a passion. With me, it is merely good manners. You may judge which motive is the more reliable.

Quereinsteiger oder Egomanen mögen Abwechslung bringen und den dumpfen politischen Alltag erheitern, verlässlicher sind wohl Menschen, für die es einen Unterschied gibt zwischen Feuer und Strohfeuer.

 

Strolz: „Ich ziehe weiter“ – ins Ungewisse

Written by medicus58

7. Mai 2018 at 19:56

Schwammerlsuche im Wahlkampf: Unser Gespräch mit einem Pilz-Wähler

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Heute suchten wir das Gespräch mit einem Pilzwähler. Als wir 2013 mit den Wählern sprachen und uns damals mit dem Grünwähler unterhielten, war für dieser der Peter Pilz schon nicht seine Sache und vom Öllinger hatte er noch nie gehört.
Welche Vorahnung hätte uns damals schon dämmern können!

Inzwischen hat das Gründungsmitglied von Die Grünen die Partei verlassen, so wie einige der Jungen Grünen, die Kärntner Landessprecherin und findet sich mit einigen alten Mitstreitern und neuen Gesichtern auf der Liste Peter Pilz, ja es geht wieder.

Mein Gegenüber ist nicht viel jünger als der nun schon 64-jährige Pilz, Akademiker aber nicht Volkswirtschaftler oder Politikwissenschaftler wie der rührige Kapfenberger und wirkt vom Politgetriebe weit stärker frustriert als „sein Spitzenkandidat“. Er hat nicht wie Pilz während seiner Studienzeit die Gruppe revolutionärer Marxisten unterstürzt, aber auch nicht die Die Rebellen vom Liang Shan Po.

Jetzt mal ehrlich, provoziere ich ihn, der Pilz ist doch in erster Linie ein Selbstdarsteller, worauf er mir zwar zustimmt aber hinzufügt, dass die Öffentlichkeit ohne diese Performance vielleicht das Interesse am Noricum Skandal oder der Lucona-Affäre. Wie viele Skandale endeten nicht mit einer gerichtlichen Aufarbeitung, weil sie ohne Zutun das mediale und politische
Kurzzeitgedächtnis
verlassen.

JA, aber, setze ich fort, der Noricum-Skandal wurde vom österreichischen Botschafter Amry, der dann nicht mehr lange gelebt hat, und den Journalisten von Basta aufgedeckt, die Lucona Affäre wurde von  Gerald Freihofner und Hans Pretterebner aufgedeckt, der Pilz ist da eben in den Untersuchungsausschüssen nur drauf geblieben!

Stimmt, antwortete mein Gesprächspartner verschmitzt, das war ja sein Verdienst. 

Man könne Pilz seine Egomanie schon vorwerfen, aber, setzt er fort, ich möge ihm doch irgendeinen Politiker nennen, der so beharrlich Affären (Kurdenmorde) verfolgt hat, bei denen einige Menschen das Leben verloren haben oder, wie beim Baukartell-Skandal wo Gegenklagen in Millionenhöhe (Schilling) aufgefahren wurden.

Mir fiel jetzt grad kein Gegenbeweis ein, aber ich blieb dabei, dass Pilz auch bei „seinen beiden Eurofighter-Ausschüssen“ noch niemand endgültig überführen konnte, musste aber zu geben, dass beide Parlamentarische Untersuchungsausschüsse vorzeitig beendet wurden, so dass anders als bei Noricum, Lucona und dem Baukartell (noch) kein Hauptschuldiger von einem Gericht verurteilt wurde. Deshalb versuche ich es anders:
Glauben Sie nicht, dass der ewige Skandalisierer Pilz das Vertrauen in die staatlichen Institutionen untergräbt, so wie er die Grünen ins Desaster stürzte?  

Nun, begann mein Gegenüber etwas genervt, die Bundessprecherin Glawschnig hat ihren Job hingeworfen, noch ehe der Pilz die Grünen verlassen hat. Und natürlich untergräbt jede Kritik die Autorität, nur wollen wir den „Autoritäten“, die stark gegen den Einzelnen und korrupt im Großen sind? 

Ja aber was ist mit seiner Gemeindewohnung, greife ich einen der seit einem Jahrzehnt immer wieder geäußerten Vorwürfe auf, der Linke Großverdiener besetze eine Sozialwohnung.

Gut, ich weiß nicht ob unser jetziger Bundespräsident Recht hatte, als er seinen ehemaligen Dissertanten verteidigte, dass er ein einer „Bonsai-Wohnung seiner Großmutter“ wohnen würde, aber ob der Weltrevolution mehr geholfen wäre, wenn er, wie der ehemalige Bundeskanzler Schüssel in einer „auch geförderten Genossenschaftswohnung im 13. Bezirk logieren“ würde, mag doch bezweifelt werden.

Außerdem glauben Sie wirklich, dass der Pilz nicht von seinen Gegnern –
von der Waffenlobby bis zum ehemaligen Iranischen Staatspräsidenten, von der Baulobby bis zu den Populisten am rechten Rand  –
schon längst hopp genommen worden wäre, wenn man ihm wirklich etwas anhängen hätte können?
Allein dass beweist seine Integrität.

Ich holte zu meinem vorletzten Versuch aus, meinem Gegenüber die verlorene Stimme für eine Liste Pilz zu retten und erinnerte an den Konflikt zwischen dem Aufdecker Journalisten Florian Klenk mit Peter Pilz in der Affäre Kampusch:

21.12.2011: Florian Pilz gegen Peter Klenk
(Anmerkung: Die G’schicht findet sich auch auf unzensuriert.at aber die Seite wollen wir hier nur im äußersten Notfall verlinken)

Glauben Sie nicht auch, dass sich hier der wahre Aufdecker gezeigt hat, der den Pilz als das hingestellt hat, was er ist:
ein Polit-Egomane?

Wortlos zückt mein Gegenüber sein etwas in die Jahre gekommenes Smartphone und grinst:
Von der Kandidatur einer Liste Pilz erfuhr ich zuerst vom Florian Klenk und im Falter: 
https://twitter.com/florianklenk/status/889777384236474369

und wenn Sie die Threads weiter verfolgen, dann fällt es schwer zu glauben, dass Florian Klenk Peter Pilz nicht eine beachtliche Hochachtung entgegen bringt: z. B. @florianklenk 17. Sep. Sehr kluges Thesenpapier von Pilz. Das es von den Grünen skandalisiert wird („Österreich zuerst“ wird hier ja neu geframed) kapier ich nicht

Gut, aber der Pilz ist doch ein ewig gestriger Linker, das sind doch alles Lösungskonzepte von Vorgestern, wie kann man den mit dem überholten Ideologie-Schrott noch heute die Menschen überzeugen? rief ich in meiner Verzweiflung und beutelte mein stures Gegenüber.

Er entwand sich sanft meiner Umklammerung und meinte nur ruhig: Weil die sozialdemokratischen, konservativen oder neoliberalen Lösungskonzepte von gestern und heute so erfolgreich sind?

Written by medicus58

28. September 2017 at 18:52

Wien: Look back in anger oder wie brutal es wirklich wurde

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Das etwas verzerrte HEUTE-Cover verwendete ich nahezu exakt vor zwei Jahren erstmals für einen Blogbeitrag (14.12.20112 Krone vs. Ärzte und die PK von Wehsely und Häupl, jetzt wirds brutal ..http://wp.me/p1kfuX-vC), um mich mit Mitteln und Stil der Auseinandersetzung zwischen Politik und Ärzteschaft auseinander zu setzen.
Das Cover zeigt schön, wie man dabei vorgeht:

Bashing des Standes und gleichzeitige Jubelpolitik, wie schön die neue Spitalswelt für den Wähler wird.  

Nur zur Klärung: mir fielen als Arzt viel schwerwiegendere Kritikpunkte an der mir von der Politik oktroyierten Kammer (Zwangsvertretung) ein, nur geht es nicht darum. Es geht um das zynische Doppelspiel sich diepolitische Interaktion „mit den Ärzten“ dadurch zu vereinfachen, dass man sich per Gesetz nur eine legitime Vertretung der Ärzteschaft (Ärztekammer)
generiert, damit man diese dann einfach medial mundtot schießen kann, aber gleichzeitig so tut als könnte man ein Gesundheitswesen ganz ohne die Ärzte betreiben.
Sorry, Pflege, Medizinisch Technische Berufe, Medizinphysiker, Apotheker, Sozialarbeiter et al., natürlich ist Euer Beitrag unerlässlich für die Behandlung und/oder Heilung der Patienten, aber es sind die Ärzte deren Kernkompetenz per Ausbildung und Titel die „gesamte Heilkunde“ ist und sie mussten dafür eine theoretische und praktische Ausbildung absolvieren, die in Summe über ein Jahrzehnt dauerte.

Wie gut das Ärztebashing funktioniert, nicht zuletzt weil unsere Ärztekammer höchst unprofessionell der Politik immer wieder ins Messer läuft, habe ich etwa ein Jahr später (6.1.2013) so formuliert:
Ärzte: Unser Image ist im Arsch, soviel scheint sicherhttp://wp.me/p1kfuX-yq )

Keine Frage, es gibt ein paar Eckdaten, die es manchen Stakeholdern im Gesundheitswesen (so spricht man doch heute neudeutsch?) scheinbar leicht machen, die Ärzte konsequenzlos zu vergraulen:

1) Österreich hat statistisch mehr Ärzte als viele andere OECD Länder, also wenn uns noch mehr verlassen, dann werden wir das schon aushalten.

.. aber trotz der großen Zahl finden sich jetzt schon zu wenige Ärzte, die die immer evidenter werdenden Lücken in der Versorgung (Landpraxis, Systemerhalter im Krankenhaus, …) füllen wollen/können

2) Österreich hat trotz sinkender Zahlen noch immer mehr Patienten in Krankenhausbehandlung als andere OECD Länder und das ist teurer als eine Behandlung in Ordinationen, Ärztezentren, …etc.

… die Frage, weshalb die Patienten aber mit ihren Füssen für die Spitalsambulanzen und -staionen abstimmen und sich nicht den Segnungen der extramuralen Medizin anvertrauen wollen/können bleibt undiskutiert, weil dann müssten wir
sowohl über Selbstbehalte und absurd niedrige Tarifen in Kassenverträgen als auch über die Wahlzuckerln:

„jedem Wähler sein Spitalsbett“,
„jedem Gemeindewirtshaus sein Krankenhaus“ reden,

über die enormen Mittel der Gesundheitsbudgets, die nicht für das verwendet werden, was sich der Laie so unter Medizin vorstellt, sondern für Infrastrukturmaßnahmen, Auslagerungen an befreundete Sektoren, Jobgarantien für Parteifreunde, … etc. und vieles mehr.

3) Das politische Wahlverhalten basiert in Bezug auf die Gesundheitspolitik (anders als z.B. in Bezug auf die Arbeitsmarktpolitik oder die Lebenshaltungskosten) mehr auf der Glaubwürdigkeit von Versprechen als auf der aktuellen persönlichen Betroffenheit.

die meisten sind am Wahltag weder in einem Spitalsbett noch in gefühlter ärztlicher Behandlung (die Dauereinnahme von Mediklamenten wird nicht als Therapie empfunden!)

Deshalb zahlt es sich noch immer politisch aus „die Wilhelmine wach zu küssen„, also konkret das Spital, in dem die Bürgermeistergattin ärztliche Direktorin ist, komplett abzureissen und mit öffentlichem Park, Kindergarten und sicher einem Volksfest neu zu errichten.

Aber kehren wir zum Titel zurück, was hat sich in der Wiener Gesundheitspolitik in den letzten zwei Jahren geändert:

Erstens scheint das Verhältnis zwischen dem Langzeitbürgermeister (mit heutigem Tag ist Häupl seit 20 Jahren im Amt) und seiner Gesundheitsstadträtin so zerrüttet, dass wir von einer gemeinsamen Pressekonferenz zukünftig wohl verschont bleiben werden. Man beachte den Gesichtsausdruck Häupls bei der rezenten Anlobung des neuen KAV Generaldirektors (http://www.wienkav.at/kav/ZeigeAktuell.asp?id=24358).

Zweitens setzte die Gesundheitsstadträtin schließlich gegen den kolportierten Willen des Stadtoberhaupts immer mehr Leute in Leitungsfunktionen des KAV ein

(Mann, ist der Mann gut, der nun im KAV aufräumt ….http://wp.me/p1kfuX-Kd,
Nach dem Köck auch den Bock zum Gärtner … http://wp.me/p1kfuX-cy)

deren Credo (Runter fahren, Schwerpunktbildung, Auslagern) in diametralem Gegensatz zu einem inklusiven, solidarischen und transparenten Gesundheitssystem steht, das doch nach guter sozialdemokratischer Tradition eine Vollversorgung anstreben sollte.

Drittens erleben wir eine immer größere Aufblähung des Verwaltungs- und Beraterapparates innerhalb des Krankenanstaltenverbundes:

der pensionierte ärztliche Direktor des AKH wird durch ZWEI Direktoren ersetzt, um die bisherige Bremse der Doppelträgerschaft (Bund für die Ärzte und Forscher, Rest die Stadt Wien) zu lösen ?!!?

der als Krankenhausorganisationsexperte in den KAV geholte Prof. Janßen benötigt ab dem Punkt, wo er zum Generaldirektor wurde sofort einen zusätzlichen Direktor für Organisationsfragen(Bewerbungsende Ende Nov 2014)

Noch nie wuselten soviele externe Berater durch den KAV wie heute
(KAV: Wir sparen – koste es was es wolle http://wp.me/p1kfuX-R4) und verdienen sich ihr Honorar durch die zusätzliche Beschäftigung der Mitarbeiter, die dafür aus dem Kernprozess abgehalten werden.

Und viertens, und damit beschließe ich das heutige Lamento, hat dieMedizin in der öffentlichen Diskussion mit dem Fussball gleichgezogen:

Ein paar Maxerln laufen einem kleinen Ball nach und alle Zuschauer, auch die, die die Tribünen nur mehr schnaufend erreichen können, wissen ganz genau, wie man es eigentlich macht… 

Exportschlager: Demokratie der Millionäre

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Wahl

 

Es bestand ja schon seit der Antike der nicht unbegründete Verdacht, dass sich Politiker nach ihrem aufopferungsvollen Dienst am Wähler als Millionäre in den wohverdienten Ruhestand zurückziehen.
Die aktuelle Präsidentenwahl in der Slowakei, wo ein parteiloser Millionär zum Staatsoberhaupt gewählt wurde, relativiert die obige Aussage jedoch.

Auch der Milliardär Andrey Babis, den die Tschechen kürzlich aus dem Stand zu 18 Prozent der Stimmen verholfen haben, hatte sein Konto schon übervoll ehe er in die Politik ging. Unter den 14 Personen, die sich nach dem Umsturz nun um das Amt des ukrainischen Präsidenten hat auch ein Schoko-Milliardär die Nase vorne.

Jetzt hatte auch Italiens Berlusconi schon seinen finanziellen Schäfchen aufgeföhnt, eher er gewählt wurde und bei uns hat sichOnkel Strohsack mit seiner Portokasse auch einige Parlamentssitze kaufen können, so dass wir vorsichtig sein müssen, wenn wir uns über die jungen osteuropäischen Demokratien das Maul zerreissen, jedoch fällt auf, dass das was unsere Medien als Export demokratischer Verhältnisse preisen nach einem ziemlicheinheitlichen und unschönen Muster ablaufen:

Es gelingt zwar nicht immer auf den ersten Anlauf, der ukrainische Schoko-Milliardär Poroschenko galt schon als Geldgeber der ersten Ukrainischen Revolution von 2004, die aus heutiger Sicht weniger zu Demokratie als zu „prowestliche Korruption“ und beinahe NATO-Beitritt führte.

Letztlich erklimmen in Osteuropa unter kräftiger Mithilfe der EU immer mehr finanzstarke Politiker die staatlichen Führungspositionen und trachten danach den „eisernen Vorhang“ weiter gegen Osten zu schieben.
Mehr oder weniger lange dem Warschauer Pakt entflohen, zeigen sie sich als glühende Beitrittskandidaten zum westlichen Verteidigungsbündnis, das letztendlich eine Vorfeldorganisation des US-amerikanischen Militärs ist.

Wenn wir uns aber fragen, nach welchem Vorbild dieser Prozess abläuft,
hilft ein Blick in den Westen:

Von Kennedy bis Bush stellten in den letzten Jahrzehnten überwiegend extrem wohlhabende Familienclans die US-Präsidenten. Im US-amerikanischen Kongress sitzen mehr Millionäre als Nicht-Millionäre (http://www.opensecrets.org/news/2014/01/millionaires-club-for-first-time-most-lawmakers-are-worth-1-million-plus.html).
Man schätzte, dass 2012 ein Sitz im Repräsentantenhaus 1,7 Milliarden US$ kostete, übrigens ohne signifikante Unterschiede zwischen Demokraten und Republikanern.

Was hier mit nicht unbeträchtlichem Aufwand an europäischem Steuergeld in den Osten unter dem Titel „Demokratie“ exportieren wird, hat wenig mit dem zu tun, was in Mitteleuropa seit dem 2. Weltkrieg darunter verstanden wurde.
Es wäre schön, wenn einmal das Europäische Parlament befragt würde, ob das in seinem Sinn ist.

Written by medicus58

31. März 2014 at 06:46

In der Vorwahlzeit wird die Qualität einer Schimäre gerettet

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Szekeres Pilz

Der Boulevard tobt und die Retter der Patienten in Gestalt der Patientenanwältin Dr. Pilz und des Gesundheitsministers Stöger „greifen ein, um endlich Ordnung zu schaffen“.
Die beiden Politiker, erlangen rechtzeitig im Vorwahlkampf Kenntnis davon Kenntnis, dass seit Jahren (die Patientenanwaltschaft weiß von Vorwürfen seit 2009!) in der Ordination einer Wiener praktischen Ärztin (angeblich komplikationsreiche) Abtreibungen durchgeführt werden und stellen die Qualitätskontrolle der Ärztekammer in Frage.

Puls4 ließ auf „Guten Abend Österreich“ den Wiener Ärztekammerpräsidenten Szekeres, der gerade selbst einen Patientenanwalt wählen hat lassen (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=93952) und die von der Wiener Politik bestellte Patientenanwältin Pilz (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=82486) aufeinander los und sparte m.E. ein paar wichtige Punkte aus.

Vorausschicken möchte ich, dass meine Kenntnis des Falles ausschließlich auf Medienberichten beruht und ich weder Praktischer Arzt noch Gynäkologe bin (so wie übrigens weder Stöger noch Pilz!), so dass ich mir kein Urteil darüber anmaße, ob in dieser Ordination fachliche Fehler passiert sind oder nicht. Ich greife den Fall auf, weil er wieder einmal die Instrumentalisierung echten oder vermeintlichen ärztlichen Fehlverhaltens für politische Zwecke zeigt, ohne dass die dahinter liegenden Probleme aufgegriffen werden.

Diese sind:

Die Rolle des praktischen Arztes in Österreich
Qualitätssicherung als politisches Druckmittel
&
Die Problematik der Gesundheitsökonomie

Auch wenn die nun beschuldigte Ärztin nur die Narkose und nicht den gynäkologischen Eingriff selbst durchgeführt hatte (dies taten offenbar FÄ für Gynäkologie und diese wären also für die behaupteten Verletzungen zur Verantwortung zu ziehen), läge der Fall gar nicht anders, hätte die praktische Ärztin selbst die Abtreibung durchgeführt
Die Rechtslage ist hier eindeutig, ein praktischer Arzt, der in Rahmen seiner 3-jährigen Turnusausbildung viele Fachabteilungen durchläuft, darf alles, also von der Blutdruckeinstellung bis zum chirurgischen Eingriff, wozu ansonsten nur der jeweilige Facharzt (dessen Ausbildung mehr als das Doppelte dauert) berechtigt ist. Auch ein geschickter Internist darf zum Beispiel keinen gynäkologischen Abstrich anfertigen, der Praktiker schon. Passieren darf halt nix, sonst schlägt das Haftungsrecht zu. 
Die Absurdität betrifft natürlich auch die ärztlichen Sonderfächer: Ein (Bauch-)chirurg darf theoretisch auch Koronargefäße durchschneiden, weil die Herzchirurgie ein Teil des Sonderfaches Chirurgie ist. Dass die meisten Chirurgen im Rahmen ihrer Ausbildung bei einer Herzoperation nicht einmal assistiert haben werden, ist hier irrelevant. 
Wie berichtet hat sich das Gesundheitsministerium mit der Ärztekammer (Niedermoser) auch auf eine modulare Facharztausbildung geeinigt in der ganz explizit einige Teile des jeweiligen Faches  nicht einmal mehr auf dem Paier ausgebildet werden müssen (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=56548).

Der Streit über die Qualitätskontrolle, ohne der heute offenbar nichts mehr außer dem Bankensektor, dem Militär und der Politik betrieben werden darf (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=39411), führte dazu, dass sich die Österr. Ärztekammer, ohne breiter Rückversicherung unter ihren Zwangsmitgliedern, um deren Geld eine eigene Ges.m.b.H, die so genannte ÖQMED (http://www.oeqmed.at/index.php?id=39) leistet. 
Dass eine kammereigene Selbstkontrolle der Qualität kritisiert wird, erfolgt meines Erachtens völlig zu Recht. 
Was aber vergessen wird, ist dass (1.) allfällige ärztliche Fahrlässigkeit im individuellen Einzelfall von keiner Qualitätskontrolle verhindert werden kann und (2.) dass zwar der Ruf nach Qualitätskontrolle gratis, entsprechende Maßnahmen aber viel Geld kosten.
Da das Versprechen, dass sich diese Einrichtung dereinst einmal selbst erhalten wird, bislang uneingelöst ist, ebenso wie nei der ebenfalls kammereigenen Ges.m.b.H. für Arztprüfungen und Fortbildung (ARZTAKADEMIE), muss sie kräftig aus der Ärztekammerumlage querfinanziert werden. All das, nur weil man sich –vermutlich zu Recht – fürchtet, dass die Gesundheitspolitik mit Steuergeldern selbst so ein Vehikel errichtet, dass unter dem Deckmantel der Qualitätssicherung, nur die politischen Vorgaben durchzudrücken hat
Mit ÖBIG, AGES, Umweltbundesamt, … etc. hat die Politik genau das bereits gemacht.
Wenn Stöger also die – unabhängig von der Schuldfrage erschreckenden – Vorwürfe gegen die Abtreibungsordination sofort zum Anlass nimmt, mit so einer Struktur zu drohen, dann ist das eben reale Machtpolitik im Gesundheitswesen.

Der letzte Punkt, Gesundheitsökonomie, scheint mir besonders aktuell. Ich selbst finde es als Mensch und Arzt höchst bedenklich, wenn gefahrengeneigte Eingriffe ambulant durchgeführt werden, jedoch ist das seit Jahren die Vorgabe jeder Gesundheitsreform. Während noch während meiner Ausbildungszeit viele Chemotherapieschemata unter stationären Bedingungen verabreicht wurden, läuft deren überwiegender Teil derzeit tagesklinisch, d.h. die Patienten sitzen am Gang oder in einem Nebenraum der Ambulanz am Tropf. Keine Frage, die Supportivtherapie (z.B. die Mittel gegen Erbrechen) haben sich in den letzten Jahrzehnten gebessert, aber wirklich menschenswürdig ist das in manchen Fällen nicht.

Bei jedem Todesfall nur kurz hinterfragt, sollen auch Mandeloperation tunlichst ebenfalls tagesklinisch erfolgen, auch wenn das Risiko der Nachblutung zu Hause nicht gänzlich auszuschließen ist. 
Die Stadt Wien reduziert die chirurgischen Betten in ihren Häusern, weil auch hier immer mehr „kleine Eingriffe“ tagesklinisch durchgeführt werden sollen
Das freut übrigens die Privatspitäler. 
Wer es sich leisten kann, lässt sich seinen Eingriff eben dort machen und wartet vor Ort ab, ob es zu Komplikationen kommt. 
Wer sich also – meines Erachtens zu Recht – entrüstet, weshalb ein Schwangerschaftsabbruch ambulant in der Ordination durchgeführt wird, sollte bedenken, dass das auch das Geschäftsmodell vieler darauf spezialisierter Institute ist und für immer mehr Eingriffe das erklärte Ziel der Gesundheitsökonomie darstellt. 
Weiters sollten wir den alten Wein in englischen Schläuchen der Gesundheitsökonomie (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=92970) immer wieder hinterfragen, die sich genau auf diese allumfassende Kompetenz des „Praktikers“ oder „Family Doctors“ berufen, die uns im konreten Fall so eigenartig anmutet:
Eine praktische Ärztin jenseits des gesetzlichen Pensionsalters macht Narkosen und beschäftigt Fachärzte für Gynäkologie, um die Preise anderer Abtreibungsinstitute unterbieten zu können.

Ich würde mir folgende Aufarbeitung des Falles wünschen:

Rasche Klärung, ob das ein STRAFRECHTLICHES oder HAFTUNGSRECHTLICHES PROBLEM ist und keine gegenseitigen Beschuldigungen über Qualitätskontrolle und Standesrecht, denn wenn hier jemand systematisch gepfuscht hat ist das in erster Linie ein Fall für den STAATSANWALT und nicht für eine Ehrengericht.

Erst sekundär, wenn der Staatsanwalt hier kein strafrechtliches Vergehen finden kann, müsste sich der Ärztestand fragen, ob der Fall, der sicehr dem Ansehen der Ärzte nicht genützt hat, standesrechtlich zu behandeln ist.

In beiden Fällen hat die Unschuldvermutung für en Arzt zu gelten, aber nicht für die Aufsichtsbehörden, man beachte den Plural, wenn ein Problem seit vier Jahren aktenkundig ist!

Eine prinzipielle KLÄRUNG welchen Grad an Qualitätskontrolle wir ALLE (Ärzte, Patienten, Hauptverband, Politik) im Gesundheitssystem bereit sind zu zahlen und Beauftragung einer weisungsfreien EXTERNEN EINRICHTUNG.

Eine ehrliche ANALYSE des Luftschlosses, dass ein einzelner praktischer Arzt (mit und ohne Lehrpraxis) jemals die Fertigkeiten erwerben kann auch nur die einfachsten Probleme der gesamten Medizin zu erkennen!

Am Dr. med. univ., also der Schimäre des Fachmanns/der Fachfrau gesamten Heilkunde wird nur mehr festgehalten, weil es für das Selbstwertgefühl von Ärzten praktisch und die Gesundheitsökonomie billig ist.

PRESSE: http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/1429348/Bei-der-Abtreibung-schwer-verletzt?_vl_backlink=/home/panorama/oesterreich/index.do
DERSTANDARD: http://derstandard.at/1373512271431/Mehrere-Patientinnen-verletzt-Wiener-Aerztin-bot-Billig-Abtreibungen-an  
OÖN: http://www.nachrichten.at/nachrichten/chronik/Frauen-bei-Abtreibungen-schwer-verletzt;art58,1155831  
NEWS: http://www.news.at/a/wien-abtreibung-verletzungen
KRONE: http://www.krone.at/Oesterreich/Wien_Frauen_bei_Abtreibung_schwer_verletzt-Schwere_Vorwuerfe-Story-368383

Faymann und Baumgartner: Der Absprung ins Nichts

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Felix Baumgartners gestriger Sprung war ja an sich etwas völlig Unösterreichisches,
auch wenn ich erst kürzlich darauf hingewiesen habe,
wie sehr RED BULL nun schon das Image Österreichs im Ausland (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=77329) prägt. 

WIR SIND FELIX

würde die Bildzeitung schreiben, wenn wir eine hätten,
so bleibts halt bei dem nur noch Altphilologen, Historikern und dem Restadel bekannten

TU FELIX Austria ….

Egal. 

Wir erlebten innerhalb von zwei Tagen, zwei Österreicher beim Absprung.

Am Samstag sprang Werner Faymann auf seinem Parteitag ab und errang als einziger Kandidat für den Parteivorsitz 83%, so dass die Süddeutsche schloss:
Sieger sehen anders aus:
http://www.sueddeutsche.de/politik/spoe-straft-kanzler-ab-sieger-sehen-anders-aus-1.1495812

Am Sonntag, pünktlich zur Zeit-im-Bild sprang Felix Baumgartner aus der Stratosphäre,
kam zwar auch ins Trudeln,
landete aber unversehrt in der US-amerikanischen Steppe und
DIE WELT spricht von der Siegerpose, bei der Landung.
http://www.welt.de/newsticker/news3/article109833627/Furchtloser-Felix-schafft-Rekordsprung-vom-Rand-der-Stratosphaere.html

Oberflächlich betrachtet kommt es darauf an, 
wer springt und wohin er springt.
Bei näherer Betrachtung erkennt man aber, 
dass es ganz vordringlich auf die Vorbereitung und das Team ankommt.
Und dieses ist (pardon Herr Mateschitz, pardon Herr Baumgartner) im zweiten Fall ziemlich unösterreichisch.
http://www.redbullstratos.com/the-team/

Meine Abgeordneten

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Die Plattform „Meine Abgeordneten“ ist eine private Initiative, getragen von Respekt.net 

Medieninhaber:
Respekt.net – Betriebsgesellschaft m.b.H., Wien
FB-Nr.: FN 337892 a, Handelsgericht Wien
UID ATU65434158
Eintragung in das Datenverarbeitungsregister (DVR) beantragt
Unternehmensgegenstand: Internetdienstleistungen
Geschäftsführung: Mag. Josef Vinatzer, DI (FH) Paul Beyer
100%-Gesellschafter: respekt.net – Verein zur Förderung von Respekt, Toleranz, Offenheit und solidarischem Fortschritt in der Gesellschaft, ZVR: 389872535
Vereinsvorstand: Mag. Martin Winkler, Maria Baumgartner MA, Lena Doppel, DI (FH) Paul Beyer, Mag. Alexander Foggensteiner, Alexander Skrein, Mag. Josef Vinatzer, Dr.in Michaela Skrein

Erklärung über die grundlegende Richtung:
Die Plattform „Meine Abgeordneten“ ist eine Datenbank zur Herstellung von Transparenz über die Lebensläufe und die persönlichen und geschäftlichen Funktionen und Interessen sowie die öffentlichen Äußerungen der in ihr enthaltenen Politikerinnen und Politiker.
Haftungsausschluss:
Die Daten werden im Internet und in öffentlich verfügbaren Quellen und Verzeichnissen recherchiert und nach journalistischen Qualitätskriterien ausgewertet und beurteilt. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit kann jedoch keinerlei Haftung übernommen werden. Für Korrekturvorschläge, Änderungswünsche und Beschwerden stehen wir Ihnen unter untenstehender E-Mail-Adresse gerne zur Verfügung, wir werden uns bemühen, sämtliche Eingaben möglichst zeitnah zu bearbeiten.

http://www.meineabgeordneten.at/

Die Erstellung der Plattform wurde durch 200 Einzelspenden von privaten Spendern finanziert. „Meine Abgeordneten“ ist politisch strikt unabhängig und ausschliesslich der Schaffung von politischer Transparenz verpflichtet.

Written by medicus58

17. März 2012 at 19:39

Das wirklich ungelöste Rätsel von Frau K.

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Bis heute habe ich kein Wort über den Fall von Natascha Kampusch (http://de.wikipedia.org/wiki/Natascha_Kampusch) verloren, weil

1. mir schien, dass ohnehin zuviel darüber berichtet wird,
2. mir die Inhalte des Boulevards i.d. Regel gleichgültig sind und
3. mir beim Voyeurismus des kollektiven Mitleids immer übel wird.

Somit soll hier nicht die Frage der Einzel- versus Mehrtäterschaft oder die mögliche Existenz eines Kinderpornorings abgehandelt werden.
Es soll auch nicht über die Beweggründe von Helfern, Beratern, Experten, Journalisten und Politikern spekuliert werden, die Natascha Kampusch zu TV-Interviews, öffentlichen Briefen, Talkshows, sowie Buch- und Filmprojekte und Talkshows bewegt (oder verführt) haben, weil das einerseits in Ermangelung von Detailkenntnis wenig sinnvoll wäre und andererseits nur Relevanz für den Einzelfall und keine gesellschaftliche Bedeutung hat.

Das wirklich „ungelöste Rätsel“ des Falles ist die zähe Persistenz, mit der er sich, im Gegensatz zum Fall Fritzl (http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Fritzl), immer wieder in die Debatte mengt. Und dass es sich bei den Wortführern nicht um auflagengeile Gratismedien sondern honorige Repräsentanten unseres Staates handelt.

Chronik:

Am 2. 3.1998 wurde Natascha Kampusch um etwa 07.30 Uhr am Rennbahnweg in Wien-Donaustadt entführt. Am 23. 8.2006 gegen 13.00 Uhr konnte Kampusch ihre Gefangenschaft beenden und ihr Entführer starb am Abend desselben Tages auf den Schienen der S-Bahn.

Der später abgelöste Chef des Bundeskriminalamts, Herwig Haidinger übt Kritik an den Ermittlungen.

Die Staatsanwaltschaft stellte am 21.9.2006 mit der Feststellung, dass es sich bei ihrem Entführer um einen Einzeltäter gehandelt hat, das Verfahren ein. Ein zweites Verfahren gegen unbekannte Täter wird am 15.11.2006 eingestellt. 
Nachdem die Mitleids- und Bewunderungsorgien für das Opfer abgefackelt waren begann es zu brodeln.

2007 veröffentlichte der Richter (Landtagsabgeordneter, Bundesratsabgeordneter und glückloser Kandidat für die Bundespräsidentschaftswahlen 1998, 2004 und 2010) Martin Wabl „Natascha Kampusch und mein Weg zur Wahrheit“ und beschuldigte auch Nataschas Mutter der Mitschuld. Diese klagte auf Unterlassung, und bekam im November 2008 vor dem Bezirksgericht Recht.

Am 10.2.2008 setzt das Innenministerium eine „Evaluierungskommission“ für den Fall Natascha Kampusch ein, die am 9.6.2008 ihren Abschlussbericht vorlegt. Zur Aufklärung möglichen polizeilichen Versagens und politischer Vertuschung wurde am 3. 3.2008 auch ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingesetzt, der aber nach der vorzeitigen Auflösung des Regierung Gusenbauer/Molterer am 18.9.2008 „seine Arbeit kurz vor dem Kapitel „Kampusch“ abbrechen“ musste.

Am 26.1.2009 wird die Kommission nach Aufnahme neuer Ermittlungen in der gleichen Besetzung erneut einberufen, um die Erhebungen begleitend zu kontrollieren. In der Folge drängt die Kommission auf eine Weiterführung der Erhebungen und insbesondere zwei Kommissionsmitglieder gehen in die Medien. Ludwig Adamovich (Ex-VGH Präsident) beschuldigte das familiäre Umfeld von Kampusch und wurde später dafür wegen übler Nachrede in erster Instanz verurteilt. Auch Ex-OGH-Präsident Johann Rzeszut erhebt in den Medien wiederholt schwere Beschuldigungen und beharrt auf der Mehrtätertheorie.

Am 29.9.2010 löste er mit einem 25-seitigen Bericht (http://www.erstaunlich.at/images/pdf/priko01.pdf) Ermittlungen gegen fünf Staatsanwälte aus, wobei diese Causa am 24.9.2011 von der Justiz abgeschlossen wurde. Kurz danach kündigte Justizministerin Karl aber eine erneute, unabhängige Prüfung an.

Am 21.10.2010 beantragten FPÖ, Grüne und BZÖ die „Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur näheren Untersuchung der politischen und rechtlichen Verantwortung im Zusammenhang mit dem staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren im Abgängigkeitsfall Natascha Kampusch“. Der Antrag wurde vorerst von SPÖ und ÖVP abgelehnt, danach wurde jedoch eine erneute Prüfung in einem Unterausschuss des Innenausschusses des Parlaments zur Causa Kampusch vereinbart. Am 1.12. 2011 nahm der Unterausschuss die Arbeit auf.

Als sich im aktuellen (Februar 2012) parlamentarischen Untersuchungsausschuss über staatsnahe Korruption die Meldungen überschlagen geht der Vorsitzende des Unterausschusses zur Untersuchung des Falles Kampusch, der ÖVP Abgeordnete Werner Amon, an die Öffentlichkeit: „Einzeltätertheorie nicht mehr zu halten, Selbstmord des Entführers Wolfgang Priklopil nicht ausreichend untersucht“. Ein endgültiger Bericht wird erst Ende März erwartet.

Diejenigen, die trotz der langen Einleitung bis hier her gelesen haben, muss ich – wie angekündigt – enttäuschen: 

Ich habe natürlich auch keine Ahnung was wahr war.

Aber, etwas anderes gibt mir zu denken:

innerhalb von fast sechs Jahren scheint es keinen Grundkonsens zwischen Instanzen und Proponenten unserer Gesellschaft zu geben, ob es sich hier um:

a.) eine schlampig aufgearbeitete Entführung,
b.) um die Vertuschung eines österreichischen Falles Dutroux
     (http://de.wikipedia.org/wiki/Marc_Dutroux) durch Teile von Exekutive,
     Legislative und Judikative oder
c.) irgendwas dazwischen handelt.

Die Parallele zu Belgien ist auch deshalb so beunruhigend, weil die pannenhafte Aufarbeitung derartige Fälle auch schwerwiegende gesellschaftliche Auswirkungen hat: (Zitat Wikipedia:)
Viele Bürger wurden mit der Zeit dem Staat gegenüber misstrauisch. Sie glauben, dass die Reichen und Mächtigen des Landes gedeckt werden, während der Staat, Justiz und Polizei die Normalbürger nicht zu schützen wissen.

Für mich ist das auch einer der Gründe, dass es den belgischen Bürgern offenbar schon ziemlich egal war, dass sie 535 Tage keine Regierung hatten. http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=48236  

Wenn das Grundvertrauen in die eine Gesellschaft konstituierenden Institutionen so weit verloren gegangen ist, dass man nahezu alles für möglich hält, dann bahnt man den Weg dafür, dass passieren wird, was man für unmöglich hält.

Meine persönliche Schlussfolgerung aus der enormen Diskrepanz zwischen den oben angeführten Szenarien a.) und b.) lautet:

  • Die trotz Befassung nahezu sämtlicher einschlägiger staatlicher Institution (Polizei, Innen- und Justizministerium, Staatsanwaltschaft, Parlament, …) nicht zu einem Konsens führende Groteske deckt für mich gegenläufige Interessen mächtiger Strömungen in unserem Staat auf, die offenbar von dem Dauerbrenner Kampusch profitieren.
  • Dass ausnahmsweise hier nicht der Boulevard das Heft in der Hand hat sondern der Fall immer wieder durch hohe Justizbeamte und Parteienvertreter angeheizt wird, spricht dafür, dass es eigentlich nicht um den Fall an sich geht und legt den Verdacht nahe, dass primär von anderen Sachverhalten abgelenkt wird.
  • Entweder weiß man was, kann es aber nicht beweisen, oder
    man benützt die Unklarheiten nur als Waffe

Wie der thematisch nahe liegende Fall Dutroux, erinnern mich die medialen Vorgänge (Buchpräsentationen, Untersuchungsausschüsse, Rücktritte, Selbstmord, …) auch an den inhaltlich völlig anders gelagerten Fall Lucona (http://de.wikipedia.org/wiki/Lucona) wo es 16 Jahre bis zu einem Urteil dauerte und am Weg dorthin sehr viele politische Verwicklungen (Club 45, Nationalratspräsident Gratz, Innenminister Blecha, …)

Kommt uns das späte Resümee der Presse zum Fall Lucona nicht bekannt vor?

„Jeder war jedem dienstbar . . .“
In einem Zusatz schreibt der grüne Mandatar Pilz: „Wichtige Teile der Bürokratie waren gemeinsam mit hohen Politikern in einem bisher unbekannten Ausmaß bereit, die Aufklärung eines kriminellen Vorgangs zu behindern und die strafrechtlich Verantwortlichen vor Verfolgung zu schützen. Von den Spitzen der Staatspolizei bis zur Oberstaatsanwaltschaft existierte im Fall Lucona ein dichtes Netz aus Beziehungen . . .“
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/weltbisgestern/350317 
 
Und somit ist die wahre Bedeutung des „Falls Kampusch“ seine aufdeckende Wirkung.

Er deckt das „Beziehungsgeflecht“ Österreich auf.

Da aber dieser Aspekt offenbar von keinem der Sprecher so wirklich ausgesprochen werden kann (höchstwahrscheinlich weil die Sprecher selbst  durch dieses Beziehungsgeflecht „etwas geworden sind“ oder zumindest dadurch „bleiben wo sie sind“) bleibt es bei Andeutungen, Vermutungen und Verdächtigungen

Diese Diskussion hat jedoch einen gefährlichen Effekt auf das, bereits durch Dutzende Skandale und Korruptionsfälle zerschossene, Grundvertrauen in unsere Gesellschaft.

Das wirklich ungelöste Rätsel im Fall Kampusch ist also die Frage, 
weshalb die Entscheidungsträger unseres Staates diese Gefahr nicht erkennen können oder wollen bzw. sich nicht zu einer konsensualen Sicht durchringen können, die die Diskrepanz zwischen Szenario a.) und b.) etwas verkleinert und somit zumindest ein Signal gibt, dass ggf. Fehler, Pannen und Instrumentalisierungen passieren können, diese aber nicht an den Kern der Struktur gehen. 

Wittgenstein hat in seinem Tractatus den Satz gesagt: 

Wovon man nicht reden kann, darüber sollte man schweigen… 

würde man dies immer beherzigen, wären viele Blogs plötzlich leer.

Andererseits muss es trotz aller Unsicherheit möglich sein, sich darauf zu einigen, ob die Welt untergeht oder nur ab und an ein Schiff ….

Links:
http://www.peterpilz.at/vorwort-1.htm  
http://www.peterpilz.at/die-affaere.htm  
http://www.bmi.gv.at/bmireader/documents/557.pdf 
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/723564/Das-UAusschussEinmaleins  
http://derstandard.at/1330389794140/Amons-Vorstoss-Politik-reagiert-zurueckhaltend-bis-befremdet  
http://derstandard.at/1330389821859/Kritik-am-Ausschussleiter-Kampusch-Staatsanwalt-bezweifelt-Amons-Fachkenntnis

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