Sprechstunde

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Wieso haben wir plötzlich einen Pflegenotstand?

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Vorab, plötzlich passierte das nicht und wenn Ihnen manche Politiker einreden wollen, dass man eben nur wieder ein paar Pflegekräfte aus dem Ausland einfliegen muss, damit alles wieder gut ist, dann belügt man Sie.
Ähnliche Aktionen in den letzten Jahrzehnten mit philippinischen, thailändischen, ost- und südeuropäischen „Diplom-GastpflererInnen“ haben letztlich das Problem verschärft.
Die Auslagerung der Kosten von „Krankenpflegeschulen“ aus den Spitalbudgets und die „Akademisierung“ der Pflegeberufe in Fachhochschulen hatte mehr mit ökonomischen und standespolitischen Erwägungen zu tun gehabt, als dass dies den Beruf attraktiveren konnte.

Wer glaubt, dass das alles ein mitteleuropäisches Problem wäre, dem sei folgender Bericht aus dem Februar 2022 zur Lektüre empfohlen.

In einem Webinar mit über 630 Teilnehmern aus 115 Ländern wurde der jüngste Bericht des International Council of Nurses (ICN), CGFNS, über die globale Pflegearbeitskraft diskutiert. Auch wenn die Veranstaltung unter dem Eindruck der Covid-19 Pandemie stand, legte ein Co-Autor des Berichts klar, wie ausgedünnt die Pflege weltweit bereits war:

„Wenn wir nur eine 4-prozentige Zunahme der Zahl der Krankenpflegefachkräfte haben, die das Unternehmen verlassen, haben wir eine weitere Million zu wenig. Das Ausmaß der Auswirkungen auf globaler Ebene wird enorm sein, wenn die Probleme rund um Burnout und Stress nicht schnell angegangen werden. Wir betrachten eine Situation, in der 4 % eine sehr konservative Schätzung des Ausmaßes der Auswirkung ist. In Richtung 8-12 % oder mehr bekommen wir ein Gefühl dafür, wie problematisch das Problem weltweit ist, insbesondere in Ländern, die mit großen Engpässen in die Pandemie kamen, weil sich diese Mangellücke noch verschärfen wird.“

Franklin Shaffer, Präsident und CEO von CGFNS International und Mitautor des Berichts, warnte vor einem „Tsunami“ internationaler Rekrutierungen aus Ländern mit niedrigem Einkommen in Länder mit hohem Einkommen, die nach einer schnellen Lösung für den Pflegemangel suchen. Dr. Shaffer erinnerte die Teilnehmer daran, dass jede Pflegekraft das Recht auf Mobilität hat, dass jedoch Richtlinien und bilaterale Vereinbarungen eingeführt werden müssen, um eine ethische Anwerbung von Pflegekräften sicherzustellen.

Neben Schutzmaterialien und Zugang zu Covid-Impfungen wurden von Mexiko bis Italien, Afrika bis Asien Kritikpunkte angesprochen, die auch bei uns – ganz unabhängig von der Akademisierung – diskutiert werden:

Es gibt keine keine Wunderwaffe zur Lösung sondern ein „Bündel“ aus politischer Initiativen und Unterstützung, die erforderlich seien, um Pflegekräfte zu halten: Bezahlung, Unterstützung bei der psychischen Gesundheit, befristete Verträge, Anerkennung, niedrie Personalquoten, hohe Arbeitsbelastung, Stress, Burnout, Gewalt am Arbeitsplatz,

Perpetual Ofori-Ampofo, Präsident der Ghana Registered Nurses and Midwives Association, sagte, dass die Krankenpflegefachkräfte, die das Land verlassen, derzeit eines der Hauptprobleme in Ghana seien. Der Verband arbeitete mit dem Gesundheitsministerium zusammen, um sicherzustellen, dass die internationale Rekrutierung ethisch einwandfrei erfolgt, und suchte nach Möglichkeiten, Pflegekräfte im Land zu halten, indem die Ausbildung verbessert und die Bedingungen verbessert wurden.

Dr. José Luis Cobos, dritter Vizepräsident des spanischen Generalrates für Krankenpflege, sagte, dass sein Land vor der Pandemie ein enormes Defizit an Krankenpflegefachkräfte hatte.

Ein bisschen Googeln fördert zahlreiche Beweise hervor:

2017: Sechs Länder (Ruanda, Uganda, Südafrika, Bulgarien, Tadschikistan, Pakistan) in drei Kontinenten – doch die Probleme sind ähnlich: niedrige Gehälter, schlechte Arbeitsbedingungen, geringes Ansehen. Viele Pflegende suchen ihr Heil im Ausland, was den Pflegemangel im eigenen Land oft verstärkt. Link

2010: PWC Publikation : Gesundheitswesen Fachkräftemangel Stationärer und ambulanter Bereich bis zum Jahr 2030 Link
Das heutige Versorgungsniveau im Gesundheitswesen lässt sich ohne Reformen auch kurzfristig nicht aufrechterhalten. Bereits 2020 fehlen annähernd 56.000 Ärzte und gut 140.000 nicht-ärztliche Fachkräfte.
Bis 2030 wird sich die Personallücke sogar auf fast eine Million Personen – gut
165.000 Ärzte sowie fast 800.000 nicht-ärztliche Fachkräfte – vergrößern.


Der Wettbewerb um Fachkräfte verschärft sich zwischen den ambulanten und stationären Einrichtungen dramatisch. Dazu trägt auch die zunehmende Beschäftigung von Ärzten und medizinischen Fachkräften außerhalb der Gesundheitsversorgung, … bei.

In den stationären Einrichtungen dürfte 2030 etwa jede dritte Arztstelle unbesetzt bleiben, im ambulanten Bereich sogar jede zweite. Sowohl stationäre Einrichtungen als auch ambulante Dienste steuern auf einen gravierenden Pflegenotstand zu. Im Jahr 2030 fehlen in Kliniken über 400.000 Krankenschwestern, -pfleger und Pflegehelfer, in ambulanten Diensten weitere 66.000. Dabei ist der Personalbedarf von Altenpflegeeinrichtungen in diesen Zahlen noch nicht berücksichtigt.

Die ganze Absurdität dieser weisen Worte von Price-Waterhouse-Cooper erschließt sich, wenn man sich vor Augen führt, dass derartige Publikationen ganz bewusst als Hinweis für unsere Mandanten bestimmt waren und für die Lösung einschlägiger Probleme .. die Unterstützung der in dieser Publikation genannten Ansprechpartner empfohlen wurde.

PWC, wie viele andere Berater wurden schließlich in großem Ausmaß auch gerufen und haben durch ihre Effizienzsteigerungen dann das Problem noch verschärft.

Warum hören wir nichts mehr von der klugen Erkenntnis in der ersten Hälfte der Pandemie, wo noch offen ausgesprochen wurde, dass Covid unsere Systeme so zerschossen hat, weil Effizienz auf Kosten von Resilienz gesteigert wurde.

Das erklärt viele unserer aktuellen Probleme, vom Ärztemangel, zum Pflegemangel bis zum Medikamentenmangel:

539 Arzneimittel fehlen in Österreich

Written by medicus58

4. Januar 2023 at 17:19

Alles beim Alten im Neuen Jahr: Energiewende

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1.1.2023, Mahü 14:23

Die Weihnachtsbeleuchtung (mit Glühbirnen!) brennen lassen, bei Tageslicht…

Meine Fresse

Written by medicus58

1. Januar 2023 at 15:05

Das öffentliche Gesundheitssystem gleicht inzwischen den öffentlichen Toiletten

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Kein Papier wo man es braucht, dafür massenhaft gebrauchtes am Boden, es riecht streng, und wer es noch woandershin schafft, der vermeidet es, das öffentliche Gesundheitssystem.

Wer wie ich seit Jahrzehnten dort arbeitet, den wundert der Verfall kaum und er wurde in Dutzenden Beiträgen hier aufgezeigt.

Seit Jahrzehnten wird es (übrigens wie das Bildungswesen, das Pensionssystem und das Bundesheer) reformiert und dadurch immer unreformierbarer.

Da dauernd an Schrauben gedreht wird könnte man doch glauben, dass rein zufällig mal was besser wird muss, aber weit gefehlt.

Warum ist das so?

Weil bewusst immer was anderes beabsichtigt wird, als das was vorgegeben wird, weshalb wer an einer Schraube dreht.

Wir haben zu wenig fertige Mediziner, d.h.  wir ändern den Fragenkanon der Aufnahmeteste, fragen aber nicht weshalb wir Menschen selektionieren, die zwar das Studium schaffen, die aber kein Interesse an dem erlernten Beruf mehr haben.

Wir beschränkten Studienplätze, förderten private Medunis um sich Steuergeld zu sparen und kaufen dann dort mit Steuergeld Studienplätze.

Wir vergeben Stipendien an Studenten, die sich verpflichten nach dem Studium in die Allgemeinmedizin zu gehen ehe sie noch so genau wissen können, ob sie sich für diese Rolle interessieren. Parallel dazu ändern wir das Rollenbild, suchen also nach den „alten Praktikern“, die die noch zu gründenden Primärversorgungszentren bevölkern sollen.

In den Spitälern werden immer andere Strukturen geschaffen, um die Defizite des niedergelassenen Bereiches auszugleichen, dabei haben wir längst nicht mehr genug Personal, um den ureigendsten Bereich abzudecken, schielen aber auf Gelder aus den Gesundheitsfonds.

Personalengpässe (zu wenig Ordis, zu wenig Spitalsärzte) werden durch Zusammenlegungen (Primärversorgungszentren, Doppelprimariate) aus der Welt geschafft, weil sich immer jemand findet, dessen Ego oder Geldbörse freut, wenn er nach oben Entwarnung gibt. Wenn die doppelten Defizite offenkundig werden, ist er entweder in der Hierarchie aufgestiegen oder in Pension.

Ganz banale Medikamente sind am österreichischen Markt nicht mehr zu bekommen, weil die Preisverhandlungen so erfolgreich waren, dass sich anderswo damit Geld verdienen lässt. Die Gesundheitskasse hat also doppelt gespart.

Beispiele fänden sich zahllose, die alle auf ein und dieselbe Erkenntnis führen:

Wenn es um Geld geht, hüte Dich vor denen die zur Hilfe eilen.

Written by medicus58

17. November 2022 at 16:41

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Soll er doch kündigen, der Primat

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Erst kürzlich haben wir hier thematisiert, dass den Vorstand des Wiener Krankenanstaltenverbund, pardon der heißt ja jetzt Gesundheitsverbund, Gefährdungsanzeigen nichtmal mehr zu Dutzenden so wirklich aufregt. Vermutlich auch deshalb die Umbenennung von Krankenanstalten- in Gesundheitsverbund, klingt einfach positiver, unaufgeregter.

Das war falsch.

Vor ein paar Tagen wurde klar, dass dem Vorstand Gefährdungsanzeigen doch wichtig sind und es war ihm eine langatmige Anweisung wert: Im Kern sind Gefährdungsanzeigen schon irgendwie wichtig, aber halt unter Berücksichtigung von allerhand drohend aufgezählter Vorschriften und i. d. R. im Dienstweg.

Heute schaffte es eine Meldung in die Medien, die zeigt, dass diesem Wunsch auch entsprochen wird:

Primar kündigt wegen Personalmangels

Der Ärztliche Abteilungsleiter, so heißt der ehemalige Primat heute, weil er schon längst zur dualen Führung degradiert und seines Sekretariats beraubt wurde und ihm Personalrekrutierung nur so weit erlaubt ist, wie weit ihn die Personalabteilung ins TalenLink lässt, zog die Konsequenzen, weil er einfach nicht mehr genug Personal hat, um seine Abteilung zu betreiben. Wie lange das schon ging, dass Personal ohne erforderliche Qualifikationen vor sich hinwerkte, konnte man aus dem Artikel nicht erfahren, aber die übliche Lösung des Problems: ein neues Doppelprimariat

Lücken werden bei uns geschlossen, indem man sie fusioniert.

Das Debakel hat sich übrigens schon längst abgezeichnet, als vor fast zwei Jahren die Kinderabteulung in Floridsdorf mitten in der Husten- und Schnupfen-Zeit im Jänner gesperrt wurde (Link).

Personalmangel hat man damals natürlich abgestritten, obwohl man parallel dringend nach Fachärzten suchte.

Es überrascht immer wieder, dass man noch immer glaubt durch Drohungen nach inben und punktuelles Abstreiten nach außen den Zustand der Patientenversorgung vernebeln zu können.

Wenn FP Nepp zur Lösung ein Köpferollen verlangt (Versagen Hackers gefährdet auch das Leben von Kindern), ist dies aber auch nur billige Polemik. Der aktuelle Zustand der Gesundheitsversorgung in Wien verlangt zuerst ein schonungsloses Eingeständnis des IST-Zustandes durch die Politik. Dazu gehört auch die Diskussion warum grad wer wo installiert wurde. Erst dann kann man neue Köpfe suchen, sonst dreht sich das Karussell von Wunderwuzzis und Ja-Sagern immer weiter, irgendwie so wie im Fußball.

Written by medicus58

6. November 2022 at 22:04

Das entlastete Gesundheitssystem

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Die PR dsr Stadt Wien hat es wieder geschafft: Stadt Wien modernisiert Spitäler bis 2040.

Radio Wien und Wien heute starten pflichtschuldig mit einer Miniserie und berichten breit über die Umbaupläne in der Klinik Ottakring. Glückliche Planer, Hebammen und Hausaufsicht dürfen ihrer Freude Ausdruck verleihen und Stadrat Hacker wiederholt das Jahrzehnte-alte Mantra von Spitzenmedizin für alle Wiener.

Schließlich hat man ja nach dem Planungsfehlern im KH Nord nun auch gleich eine eigene Firma aus dem Boden gestampft, die nun, wie immer mit Hilfe vieler externer Berater und wenig Input des eigenen Personals nun hochprofessionell die altersschwachen Hütten neu bauen wird. Irgendwie war das schon auch im Spitalskonzept 2030 so vorgesehen, jetzt dauert es zwar bis 2040,einem Zeitpunkt zu dem wohl keiner der Verantwortlichen mehr in der GD oder der Stadtregierung sitzen wird, aber der Bericht verspricht Aufbruchstimmung.

Land der Hämmer, es tut sich was.

Keine Rede mehr von den ungefähr 50 Gefährdungsanzeigen, von der Urologiemisere, anderen wegen Personalmangel geschlossenen Abteilungen, den Querfinanzierungen der Gebietskrankenkassen durch die Spitalsträger, die das erst letzte Woche alles ganz anders haben wollten.

Bauten eröffnen, Großgeräte in Betrieb nehmen, das mag die Politik. Dass man aber ein Gesundheitssystem nicht ohne die abgewanderten und vergraulten Mitarbeiter betreiben kann, weil Berater es angeblich zwar besser wissen aber auch für das viele Geld keinen Patienten angreifen, darüber schweigt die PR Maschine.

PS: das wirklich Ärgerliche ist, dass all die jetzt groß verkündeten Umbauten schon vor Jahren der Belegschaft als Zuckerl vorgetragen wurden. Auch wenn sich das Projekt mit den inzwischen massiv gestiegenen Kosten durchführen liesse, was stark bezweifelt werden kann, haben wir dann 2040 einen Baubestand, den wir schin 2020 gebraucht hätten, nur eben mit noch weniger Personal.

Written by medicus58

27. Oktober 2022 at 20:43

Da geht einem doch das G’impfte auf: Länder wollen neue Gesundheitsfinanzierung im Finanzausgleich 2022

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Liest man die aktuellen Pressemeldungen nach einer gemeinsamen Sitzung der Landesgesundheitsreferenten in Wien, war nicht nur BM Rauch überrascht über die plötzliche Einigung, dass alles anders werden müsse, im Gesundheitssystem:

Der Pauschalbetrag der Gesundheitskassen für die Spitalsleistungen müsse leistungsadäquat valorisiert werden.
Peter Hacker verlangt eine andere Aufgabenteilung im Dreieck Bund/Länder/Sozialversicherung: Man wolle das permanente Herumgeschiebe zwischen niedergelassenem und Spitalssektor nicht mehr.
Minister Rauch verlangt überhaupt einen anderen Gesundheitsbegriff.
Und die Länder forderten mehr Studienplätze für Medizin.

Für wie dement hält uns denn die Politik?

Es ist fast 9 Jahre her, als hier unter Die verlogenen Finanzierung der Medizin: Was lange gewährt bricht endlich weg schon folgende Sätze über die Verschiebungen der Gesundheitsleistungen aus dem Niedergelassenen Bereich in die Spitäler geschrieben wurden:
Solange es §2 Kassenverträge gibt, kann man sich auch als Wahlarzt niederlassen und für „attraktivere Leistungen“wie Geburtshilfe, Dermatologie und Thyreologie kostendeckende Tarife verlangen, weil die Patienten den Selbstbehalt akzeptieren, wenn sie ihn nur einmal pro Jahr löhnen müssen.
Seit wir aber – an sich völlig zu Recht – die ganzen Taxifahrten in die Spitäler durch Rechnungslegung seitens der Krankenkassen unbeliebt machten,
seit durch Deckelungen und Wartezeiten immer mehr „kompliziertere Fälle“ in die Röntgenpraxen kommen,
seit die Arbeitsbelastung in den Spitälern auf immer weniger Köpfe fallen und in Zeiten der Aufnahmesperren die Hoffnung auf eine gehobene Dauerstellung in den öffentlichen Spitälern geschwunden sind und
seit die Krankenkassen immer mehr Wahlarztleistungen „ablehnen“,
kurz seit wir versuchen eine auf das Wesentliche fokussierte, effiziente Medizin zu betreiben (versuchen, nicht einmal noch ansatzweise geschafft haben)
stellt sich heraus, dass die bestehenden Tarif- und Versorgungsstrukturen völlig ungenügend sind.
Wenn wir auf das Unnötige verzichten wird das Nötige nicht billiger!

Heuer im Frühjahr erinnerte ich an die Uni brennt Bewegung der Jahre 2009/2010, als sich viele dagegen wehrten, wie die Ausgaben der öffentlichen Hand für die Universitäten scheinbar gesenkt wurden (durch Ausgliederungen der Unis, Reduktion der Studienplätze, Privatunis):
MedUni brennt? Nein, aber der Steuerzahler
Hat bis jetzt die so einigen Gesundheitsreferenten auch nicht brennend interessiert, oder? War ja auch schon vor 13 Jahren und seither hat man sich Geld gespart.

2020: Mehr Privatdoktoren sagte der Staat, jetzt zahlen nicht nur die Studierenden drauf

Ich langweise Sie jetzt nicht mit noch mehr Zitaten aus diesem Blog, wo all die augenblicklich thematisierten Probleme in unserem Gesundheitssystem seit vielen Jahren frustran angesprochen wurden, die dann immer wieder als neue Erkenntnis in den Medien hochpoppen: Nur noch ein Zitat aus 2020, weil das mehr denn je gültig ist:

Wer nun aller mit dem Leichentuch winkt

Einer der Gründe, weshalb ich vor über einem Jahrzehnt zu bloggen begonnen habe, war die Frustration miterleben zu müssen, wie ein öffentliches Gesundheitssystem von Außenstehenden zerschossen wurde und der Ärger, dass das diejenigen den Patienten zu erklären haben, deren Warnungen lächerlich gemacht wurden.
Wer auch immer vor den vielen Eingriffen in die Finanzierung, Ausbildung und Rollen einzelner Gesundheitsberufe warnte hörte früher oder später, dass man nicht mehr darauf reinfallen würde, dass wir Ärzte immer mit dem Leichentuch winken würden, um sich gegen Veränderungen zu wehren.

Eingriffe in das Arbeitsrecht, das Versammlungsrechtdas Persönlichkeitsrecht, wer hier warnt, den erwürgt man sogleich mit einem Leichentuch.
Da frägt man sich doch, weshalb inzwischen jeder mit den Drohungen mit Leichen durchkommt und diejenigen, die vielleicht gelernt haben, wie man sie verhinderterzeugt oder zumindest diagnostiziert, sich so leicht ins Bockshorn jagen ließen…

PS: das Christkindl am Titelbild bezog sich übrigens auf die Gesundheitsreform 2018 von BuMin Hartinger-Klein, die als nützliche Idiotin der damalig blau-schwarzen Regierung die Unfallchirurgische Versorgung herunter gefahren hat, damit die Arbeitgeberbeiträge gesenkt werden konnten: Aua, VA: weshalb sagt denn keiner das Richtige?

Written by medicus58

24. Oktober 2022 at 16:17

Ein Wiener in Favoriten

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Es gab Zeiten, da zog mich mein Leben mit der eben eröffneten U1 immer wieder auf die Favoritenstrasse.

Nicht immer zum Tichy, auch zum Tlapa, (als Begleitung) zum Fürnkranz und auch mal ins Kepler-Kino, um alle der damals schin gedrehten Star Wars Filme in einem Zug durchzustehen, oder besser sitzen.

Rundherum gab es auch andere Geschäfte (Olympus Generalvertretung), die mich anzigen, ohne dass man die Gegend an sich als wahnsinnig attraktiv empfinden mußte. Aber auch als in Penzing Geborener fühlte ich micht völlig fremd.

Als mich das erbarmungslose Schicksal heute erneut in die Gegend lotste, keimte sehr bald ein gegenteiliges Gefühl in mir hoch.

In Ermangelung einer Gastwirtschaft, die diesen Namen auch nur abortiv verdiente und angesichts der späten Nachmittagsstunde, kaufte ich mir an einem Marktstand etwas Ungesundes und ein 16er Blech. Da der einzige Tisch vor der Theke besetzt war, balanzierte ich mein Mahl auf eine nebenan aufgestellte Heurigenbank. Sie gehörte, wie andere Bänke zwar offensichtlich zu der grindigen Schnapsbude „Rudy“, aber einerseits schlemmte dort eine neo-österreichische Jungfamilie auch ein von nebenan mitgebrachtes Gericht, und andererseits waren die anderen Bänke ohnehin gähnend leer, also wähnte ich mich sicher.

Sekunden später pflanzte sich die personifizierte Fettleber vor mir auf und fragte schmierig grinsend: Habn’S des Bier bei uns kauft?

Da er offenkundig Betreiber und Bedienung in Personalunion war, kann er für die saudumme Frage, die ihm wohl so flüssig über die Lippen kam, weil er sie seit Jahren mehrfach täglich einübt, nur eine schwere Demenz mit Sprachrest als Entschuldigung vorbringen.

Als ich vorbeugend meinen Platz räumte, da ich natürlich wirklich Gast des Nachbarstandes war und formalrechtlich nicht auf seinem wurmstichigen Bankl sitzen durfte, saftelte er mir noch nach, dass ihm das zwar leid tut, aber dass man da nix machen kann. Und das war nun auch formal eine Lüge.

Inzwischen war vor „meinem Standl“ nun doch ein Sitzplatz freigeworden und ich hatte genug Zeit mich der Frage hinzugeben, weshalb die Unterschichtsfamilie nebenan völlig unbehelligt das mitgebrachte Essens verzehren durfte und ihre Sitzplätze mit Speiseresten verdrecken durfte. Vielleicht sah der Lederjacken-tragende Familienvater so aus, dass er sich nicht so ohne weiteres verjagen ließ.

Ich hatte auch Gelegenheit den Rudy zu beobachten, der eine alte erschöpfte Frau von seinen Bänken wegscheuchte, als sie sich dort ohne Konsumationswunsch auszuruhen versuchte.

Aber immerhin ließ unser lautstarke Unterschichtsfamilie ihre Essensreste dann doch nicht beim Rudy sondern schob sie auf dem Tisch „meines Standls“ mir wortlos unter die Nase und zog ihrer Wege.

Nein, das ist nicht mehr mein Wien.

Written by medicus58

13. Oktober 2022 at 18:22

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

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Ein Wiener in Favoriten

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Es gab Zeiten, da zog mich mein Leben mit der eben eröffneten U1 immer wieder auf die Favoritenstrasse.

Nicht immer zum Tichy, auch zum Tlapa, (als Begleitung) zum Fürnkranz und auch mal ins Kepler-Kino, um alle der damals schin gedrehten Star Wars Filme in einem Zug durchzustehen, oder besser sitzen.

Rundherum gab es auch andere Geschäfte (Olympus Generalvertretung), die mich anzigen, ohne dass man die Gegend an sich als wahnsinnig attraktiv empfinden mußte. Aber auch als in Penzing Geborener fühlte ich micht völlig fremd.

Als mich das erbarmungslose Schicksal heute erneut in die Gegend lotste, keimte sehr bald ein gegenteiliges Gefühl in mir hoch.

In Ermangelung einer Gastwirtschaft, die diesen Namen auch nur abortiv verdiente und angesichts der späten Nachmittagsstunde, kaufte ich mir an einem Marktstand etwas Ungesundes und ein 16er Blech. Da der einzige Tisch vor der Theke besetzt war, balanzierte ich mein Mahl auf eine nebenan aufgestellte Heurigenbank. Sie gehörte, wie andere Bänke zwar offensichtlich zu der grindigen Schnapsbude „Rudy“, aber einerseits schlemmte dort eine neo-österreichische Jungfamilie auch ein von nebenan mitgebrachtes Gericht, und andererseits waren die anderen Bänke ohnehin gähnend leer, also wähnte ich mich sicher.

Sekunden später pflanzte sich die personifizierte Fettleber vor mir auf und fragte schmierig grinsend: Habn’S des Bier bei uns kauft?

Da er offenkundig Betreiber und Bedienung in Personalunion war, kann er für die saudumme Frage, die ihm wohl so flüssig über die Lippen kam, weil er sie seit Jahren mehrfach täglich einübt, nur eine schwere Demenz mit Sprachrest als Entschuldigung vorbringen.

Als ich vorbeugend meinen Platz räumte, da ich natürlich wirklich Gast des Nachbarstandes war und formalrechtlich nicht auf seinem wurmstichigen Bankl sitzen durfte, saftelte er mir noch nach, dass ihm das zwar leid tut, aber dass man da nix machen kann. Und das war nun auch formal eine Lüge.

Inzwischen war vor „meinem Standl“ nun doch ein Sitzplatz freigeworden und ich hatte genug Zeit mich der Frage hinzugeben, weshalb die Unterschichtsfamilie nebenan völlig unbehelligt das mitgebrachte Essens verzehren durfte und ihre Sitzplätze mit Speiseresten verdrecken durfte. Vielleicht sah der Lederjacken-tragende Familienvater so aus, dass er sich nicht so ohne weiteres verjagen ließ.

Ich hatte auch Gelegenheit den Rudy zu beobachten, der eine alte erschöpfte Frau von seinen Bänken wegscheuchte, als sie sich dort ohne Konsumationswunsch auszuruhen versuchte.

Aber immerhin ließ unser lautstarke Unterschichtsfamilie ihre Essensreste dann doch nicht beim Rudy sondern schob sie auf dem Tisch „meines Standls“ mir wortlos unter die Nase und zog ihrer Wege.

Nein, das ist nicht mehr mein Wien.

Written by medicus58

13. Oktober 2022 at 18:22

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

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Wer nimmt OE24 noch ernst? Bundespräsidentenwahl

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Innerhalb von drei Wochen hinterläßt einen das Fellner Tool fassungslos:

Erst Stichwahl, dann Kantersieg.

Written by medicus58

29. September 2022 at 16:42

Veröffentlicht in Bundespräsidentenwahl 2022

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Zuerst verdunkelt sich die Kunst: U3 Volkstheater

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Klar, wir müssen Energie sparen und unötigen Stromverbrauch vermeiden.

Zuerst glaubte ich noch den Wiener Linien wäre eine Sicherung durchgebrannt, aber nach über einet Woche scheint mir, dass die Stationsbeleuchtung in der U3 Volkstheater einfach abgedreht wurde.

Nicht am Bahnsteig, aber vor Anton Lehmdens Wandbild „Das Werden der Natur“.

Lehmden wurde 1987 von den Wiener Linien beauftragt, diese Station künstlerisch auszugestalten, fertiggestellt wurde die Arbeit 1991 als erstes U-Bahn-Kunstwerk in Wien.

Vermutlich hat eh keiner der Fahrgäste zuletzt mehr hinauf geschaut und ehrlich, gut fand ich die 360m2 aus winzigen Mosaiksteinen auch nicht.

Wenn aber wieder irgendwo in Wien was sinnlos angeleuchtet, heruntergekühlt oder raufgewärmt wird, sollten wir uns daran erinnern, welche Prioritäten gesetzt werden.

Written by medicus58

28. September 2022 at 18:05

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