Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Wessen Anwalt ist denn ein Patientenanwalt?

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Shutdown

Der sogenannte Patientenanwalt Bachinger verlangt in der Wiener Zeitung die freie Artztwahl abzuschaffen und will chronisch Kranke für drei Jahre an ein PHC binden.
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/oesterreich/chronik/827955_Das-Dogma-der-freien-Arztwahl-muss-weg.html

 

PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich? https://medicus58.wordpress.com/2015/08/31/phc-fuer-wie-bloed-halten-uns-die-eigentlich

Dann schwärmen wir auch noch im Chor mit Wirtschafts- und Arbeiterkammer, den sicher die ausgewiesensten Patientenvertreter,  von einem Telefondienst nach Schweizer Vorbild:

Drücken Sie die 1 wenn Sie krank sind oder die 0 wenn sie tot sind
https://medicus58.wordpress.com/2014/07/02/drucken-sie-die-1-wenn-sie-krank-sind-oder-die-0-wenn-sie-tot-sind/

Da braucht man nicht lange zu überlegen auf welcher Seite diese politisch eingesetzten Patientenanwälten denn stehen, auf der Seite derer, denen sie ihren Posten verdanken.
Man kann nicht einmal sagen, auf seite derer, die sie bezahlen, denn bezahlt werden sie von den Steuer- und Abgabenzahlern.

In diesem Zusammenhang ist auch eine Bestandsaufnahme der PHCs
des sogenannten Bürgerlandtages lesenswert:

Die Primärversorgung in Österreich wird endgültig aussterben – es sei denn, wir drehen die Reformpläne um 180 Grad!
Wenn die Allgemeinmedizin ausstirbt, ist das System unfinanzierbar
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160627_OTS0113/die-primaerversorgung-in-oesterreich-wird-endgueltig-aussterben-es-sei-denn-wir-drehen-die-reformplaene-um-180-grad

Auch wenn man der Partei FRANK nicht ohne Grund reserviert gegenüber steht, vieler der vorgebrachten Aussagen treffen den Kern des Problems:

„Wir brauchen einen neuen, einheitlichen und kostendeckenden Katalog für alle Leistungen, die unter Primärversorgung fallen. Auch für nicht-medizinische Leistungen. Wir brauchen im Idealfall auch ein Hausarztmodell, also eine verpflichtende Langzeitbindung an einen Hausarzt bei freier Arztwahl.“

„Wir brauchen keine neuen bürokratischen Strukturen, die nur behindern und sich ohne Subventionen nicht finanzieren lassen, weil sie zumindest teilweise am Bedarf vorbeigehen.“

„Dann wird alles noch teurer und es muss noch mehr rationiert werden. Wollen wir das wirklich?“

Während wir alle über den BREXIT plappern übersehen wir, dass unser Gesundheitssystem inzwischen den freien Fall nachholt, den das britische Gesundheitssystem bereits in den 80ern hingelegt hat. Die Kräfte, die das betreiben sind dieselben, die Wähler haben aber nicht mehr die Ausrede nicht gewusst zu haben, wohin dies führen wird ….

Written by medicus58

29. Juni 2016 um 20:52

Veröffentlicht in Allgemein, Gesundheitssystem

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2 Antworten

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  1. Der zugedachte Aufgabenbereich der Patientenanwälte war doch die außergerichtliche Vermittlung zwischen Patienten und muralem Bereich, wenn ich mich recht erinnere. Speziell der Bachinger engagiert sich aber auch in anderen Bereichen – und ich finde das gar nicht mal blöd.
    Zu ein wenig Ehrenrettung muss ich auch gestehen, dass ich ihm bei jeder Gelegenheit mit meiner Bitte nach Patientenlenkung in den Ohren liege – und er immer meint, das wäre nicht so leicht.
    Es geht mir um die Patientenlenkung bei seltenen Erkrankungen, wo man die freie Arztwahl aus dem normalen Sprachgebrauch getrost in der Pfeife rauchen kann. Wenn ich nicht weiß, welcher Arzt sich bei meiner Krankheit ein wenig auskennt und bei dem die Fallzahl samt mir bei 1 liegt, ist die frei Wahl blanker Hohn. Dazu kommt noch, dass man bei vielen Seltenen nicht nur einen einsamen Arzt, sondern ein ganzes kommunizierendes Rudel brauchen würde.
    Leider hat auch die letzte Expertiseumfrage aus dem NAP.se (Q4/2015) nur wenig Hilfe gebracht – es stehen jetzt eben mehrere Kopien der Klinikbeschreibungen von den jeweiligen KH-Homepages auch im Orphanet – Expertise durch Homepage verfassen.
    Ich hätte gerne die frei Wahl zwischen Ärzten, die sich mit meinem Krankheitsbild auskennen. Bis es soweit ist, hätte ich gerne zumindest einen Art / eine Anlaufstelle, die sich um mich kümmert, auch wenn das wahrscheinlich nur die am wenigsten schlechte Lösung ist. Ist das jetzt ein dummes Ansinnen?
    7.-8.10.2016: 7. Kongress SE in Innsbruck – wär das nichts für einen Medicus?

    PS: Du hast keine Adresse bei deinem ersten Link zur Wiener Zeitung hinterlegt (aber der Linktext passt).

    Hansi

    29. Juni 2016 at 23:52

    • Erstmal Danke für das PS:, habe das repariert

      Zu den Aufgaben der PÄ:
      „Die Patientenanwaltschaften sind unabhängige und weisungsfreie Einrichtungen zur Sicherung der Rechte und Interessen von Patientinnen und Patienten sowie – in einigen Bundesländern – von pflegebedürftigen Menschen.“

      Zu meiner Wahrnehmung: Bachinger und Pilz, von den anderen ist medial ja wenig zu hören, sind willfährigen Mietmäuler der Gesundheitspolitik und meist stumm, wenn das Einfordern von Patientenrechten zu Ansprüchen oder auch nur zur Einforderung von Versprechen der Gesundheitspolitik führen müsste. Ich finde das nicht blöd sondern letztendlich eine Kompetenzüberschreitung und Themenverfehlung.

      Es geht mE aber bei der letzten Wortmeldung nicht um eine Patientenlenkung von orphan diseases sondern um eine komplette Umstellung der Versorgungsstrukturen hinter dem Rücken der Patienten, um politischen Intentionen anderer den Anschein einer Legitimation zu verleihen.

      Wenn es eine klare Willensbekundung der Patienten zu einem Managed Care System gäbe, dann würde ich den Schulterschluss mit den beiden Kämmerern gerne akzeptieren. MW gibt es aber ausschließlich Umfragen, in denen Patienten die freie Arztwahl wollten. Ein Anwalt unterscheidet sich vom Staatsanwalt dadurch, dass er die Interessen des Klienten wahrzunehmen hat, auch wenn dieser schuldig ist. In unserem Fall schuldig, die freie Arztwahl touristisch zu missbrauchen.

      medicus58

      30. Juni 2016 at 09:46


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