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Aus dem Lockdown in die Gondel: das Kleingedruckte, das der Bundesmaturant verschweigt

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https://just-the-covid-facts.neuwirth.priv.at/2020/11/27/covid-19-oesterreich-aktuelle-daten

Während der Herbstferien zwischen 27. Oktober bis Allerheiligen am 1. November waren Österreichs Schulen geschlossen. Auf den geglätteten Verlauf der Inzidenzen hatte das ganz offensichtlich keinen entscheidenden Einfluss.

Das führte uns in den Lockdown light ab 3. November.
2 Wochen danach erlebten wir noch immer keinen Effekt sondern den bisherigen Peak der Inzidenzen.
Unter Wenn die nächtliche Ausgangskontrolle nicht funktioniert hat, was sagt uns das? habe ich damals eine Selbstreflexion der professionellen Hochrechnern eingefordert, die dann – nur scheinbar auf meinen Wunsch – vom einem internationalen Wissenschaftsteam rund um den Complexity Science Hub Vienna der Medizinischen Universität geliefert wurde:

6.068 Anti-Corona-Maßnahmen aus 79 Regionen weltweit hat diese Studie analysiert und festgestellt: Schulschließungen sind ganz weit oben mit dabei, was die Wirksamkeit angeht.

OK, eine Woche geschlossene Schule ist vielleicht zu wenig gewesen, aber auch viele Maßnahmen des Lockdown light (z.B. Beschränkung von Personenansammlungen Small gathering cancellation) haben einen überwältigenden Z-Score. Blöd nur, dass sich die Realität nicht an die prädiktive Statistik hält. Vermutlich war die Old School gar nicht so blöd, dass sie aus der Beobachtung Hypothesen generierte und diese nur einer statistischen Analyse unterwarf und nicht durch komplexe Rechnungen ihre Hypothesen generierte, aber vielleicht bin ich einfach zu blöd für sowas.

Ist aber scheinbar eh egal. Bundesmaturant Kurz und sein Volkschullehrer Anschober vertrauen auf den Komplexcity Forschern auch nicht und hören eher auf die westösterreichischen Tourismusmanager und verordneten ab 16. November, also 12 Tage vor dem Ende des lighten den harten Lockdown.

Schon am nächsten Tag fielen die Inzidenzen, obwohl inzwischen der letzte Hobby Virologe weiß, dass Effekte durch Inkubationszeiten und zusammengebrochenes Tracing erst verzögert messbar werden.

Aber eh egal, die Impfungen kommen, alles nur eine Frage ob vor Silvester (Kurz) oder danach (Anschober).

Und dazwischen
feiern wir Nikolo (ohne Krampus),
entladen die gebremste Kaufgier (so die Arbeitslose reicht) ab 8.12.,
feiern ein besinnliches Weihnachtsfest (ob wir wollen oder aus religiösen Gründen gar nicht müssen)
und stürmen die Gondeln, natürlich nicht in Venedig, weil den Italienern redet die Köstinger ja auch nicht in den Karneval sondern in die der einheimischen Seilbahnen.

Das Licht kommt also nicht vom Ende des Tunnels sondern schon von den weihnachtlichen Sternspuckern und den Tiroler Almhütten.

Was uns noch verschwiegen wird,

dass uns auch mit Impfung noch für Monate der Rotzfetzen im Gesicht und das Abstandhalten nicht erspart bleibt. Erstens weil es dauert, bis ein individueller Impfschutz aufgebaut wird, zweitens weil noch lange kein ausreichender Anteil an Geimpften vorliegen wird, drittens weil unklar ist, ob ein individueller Impfschutz das Spreaden verhindert und viertens weil die Durchimpfung mit großer Wahrscheinlichkeit durch Freiwilligkeit nicht erreichbar ist (siehe unten).

dass die Dosierung und die Wirksamkeit des AstraZeneca/Oxford University Impfstoffes durch Produktionsfehler irgendwo zwischen 62 und 90% liegt und erst durch eine weitere Studie geklärt werden kann und völlig unklar ist, wie er in älteren Risikogruppen wirkt. Egal, bestellt ist bestellt.

dass von Pfizer/Binotech und Modena, noch keinerlei Details über ihre mRNA Impfstoffe offen gelegt haben, obwohl beide behaupten, dass ihr Stoff auch bei Älteren gut wirkt.

dass die Studien aller drei Hersteller in dem Sinn nicht wirklich doppelblind waren, weil die Nebenwirkungen (bis 70% Schwellung an Einstichstelle, bis 40 % zum Teil schwere grippeähnliche Erscheinungen über wenige Tage) hatten.

Sehr still ist es um die Möglichkeit von autoimmunologischen Folgewirkungen (ähnlich einer MS) in der AstraZeneca Studie geworden,

Ob es unter all diesen Auspizien wirklich verantwortungsvoll ist, die Fremdenverkehrssaison anzuwerfen, darf ich heftig bezweifeln.

Die rasche Entwicklung der Impfstoffe ist vermutlich eine wissenschaftliche Großleistung, hat aber aktuell noch mehr offene Fragen als Antworten.
Eine Therapie der Erkrankung (aktuell werden – no na net – die größten Hoffnungen in Antikörper gesetzt) ist frühestens mit Herbst 2021 zu erwarten.
Unter diesen Aussichten führt die Strategie der Regierung in den nächsten Lockdown im Frühjahr, wird das Triageproblem um verunfallte Wintersportler und Influenzakranke erweitert und Österreich endgültig zum europäischen Schmuddelkind, das im Sommer alle mit Reisewarnungen eindeckte und jetzt wieder vor den Tiroler Adler Runde einknickt, koste es was es wolle.

Lesestoff:

SARS CoV2 Spiegel, CNBC, Nature, Science, Faktencheck Deutschlandfunk

Schweunegrippe: NTV

Written by medicus58

27. November 2020 at 21:54

Konzepte und andere Illusionen

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Ich weiß ja nicht, wie es in Ihrer Arbeitsumgebung vor Covid ausgesehen hat, aber in den letzten zwei Jahrzehnten beschlich mich das Gefühl, dass sich eine ganze Industrie etabliert hat, die ihre Existenzberechtigung daraus zieht, schriftliche Lösungen für mögliche aber noch nicht eingetretene Probleme auszuarbeiten.

Diese Pamphlete werden dann als Risikoanalysen, Sicherheitskonzepte, Krisenkonzepte, Hygienekonzepte, Strahlenschutzkonzepte,… ut sim an das P. T. Publikum verkauft. Ja, verkauft, nicht nur verbreitet, weil es parallel dazu immer gesetzliche Vorgaben gib, dass der weitere Betrieb der Welt ohne diese Papiere gar nicht mehr gestattet werden kann.

Spätestens seit in der Covid-19 Pandemie von jedem Beis’l ein (selbstverständlich) strenges Hygienekonzept von jedem Greißler eine Risikoanalyse verlangt wurde, darf ich davon ausgehen, dass der Konzeptwahn auch in der breiten Bevölkerung angekommen ist.

Entsprechend meiner beruflichen Qualifikation musste ich in der Vergangenheit an so manchem Konzept mitarbeiten und staunte über den Realitätsverlust mit dem hier unschuldiges Papier vernichtet wurde, in dem Szenarien mit Mitteln gelöst wurden, von denen alle am Tisch wußten, dass sie nicht zur Verfügung standen. Da aber ohnehin nur davon ausgegangen wurde, dass das alles nie eintreffen würde, verstummten kritische Stimmen, da die Deadline für die Abgabe des Werks unmittelbar vor der Türe stand, das Konzept spätestens in zwei Jahren ohnehin einer Revision unterzogen wird, oder einfach nicht erwähnt werden dürfte, dass allfällige Daten, personelle, finanzielle oder intellektuelle Ressourcen fehlten.

Ich war zwar daran nie beteiligt, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es bei dem Pandemiekonzept vor Corona ähnlich war. Man hatte es zufrieden in der Schublade und das verströmte Sicherheit.

Nach neun Monaten Pandemie und unzähliche Revisionen von Gesetzen und Konzepten, Dutzenden widersprüchlichen Verordnungen später, warte ich auf den ersten, der hinterfragt, ob wir uns den Aufwand, den wir in all diese Schreibtischkonzepte steckten, die sich einerseits als unbrauchbar entpuppten und andererseits von der Politik ohnehin negiert wurden, nicht ganz sparen hätten sollen.

Ob wir einfach zu dumm oder nur zu oberflächlich sind uns auf Katastrophen vorzubereiten ist letztlich egal.

Woran es in der Praxis scheitert, darf ich Ihnen an einem Beispiel aus meinem Umfeld illustrieren:

Selbstverständlich haben wir auch in unserem Spital für alles und jedes Notfallpläne. Als vor 2 Jahren zu kühlende Reagenzien für einige Tausend Euronen dadurch kaputt wurden, dass sich ein Kühlschrank defektbedingt als Backrohr verhalten hat, wurde er durch ein Modell ersetzt, das über das Netzwerk Alarm abgeben kann. Nachdem erneut Reagenzien kaputt gingen, weil der Kühlschrank überhitzt, stellte sich heraus, dass nicht ein Temperaturfühler den Alarm auslöst sondern die Geräte Elektronik.

Mit anderen Worten, im Falle eines Gerätedefektes vertraute man auf das Gerät, dass es seinen eigenen Defekt erkennen und melden sollte. Also irgendwie ein Konzept, bei dem sich der Patient mit Kammerflimmern selbst defibrilliert.

Beruhigend vermerkt aber unsere Risikoanalyse, dass die Kühlschränke für wichtige Medikamente und Reagenzien über das Netzwerk monitiert werden.

Nun legen wir das auf nationale Risikoanalysen und Lösungskonzepte um und hoffen gesund zu bleiben.

Written by medicus58

22. November 2020 at 12:48

Wenn alle ihre persönlichen Erfahrungen als allgemeingültig verbreiten, tu ich das auch mal, ausnahmsweise: Lockdown ist nicht Lockdown

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Unter Eminence based Medicine versteht man, im Gegensatz zur Evidenz basierten Medizin Entscheidungen, die primär auf persönlicher Erfahrung (Meinung) mehr oder weniger berühmter Leithammel (Ärzte, Pfleger, Gesundheitspolitiker,… Experten) beruht und nicht auf systematisch bewiesenen Nutzen, einer Entscheidung.

Auch wenn „Nutzen“ in der Medizin überraschend vielfältig interpretiert werden kann, und für viele notwendige Entscheidungen in der Medizin einfach keine ausreichende Evidenz (z. B. in Form von geeigneten Studien) vorliegt, hänge ich – wo geht – eher evidenzbasierten Entscheidungsprozesse an.

Wer sich da mehr vertiefen will, für den steht hier auf dem Blog eine entsprechende Online Vorlesung zur Verfügung (Links siehe unten).

Wenn ich aber ausnahmsweise meine persönlichen Erfahrungen in einem großen Spital für repräsentativ halten würde, dann würde ich davon ausgehen, dass sich die Patienten sich im zweiten Lockdown ganz anders als im ersten verhalten.

Im Frühjahr brachen in der Diagnostik, auch bereits terminlich vereinbarte, ambulante Kontrolluntersuchungen rasch auf ein sehr niedriges Niveau herunter und es verblieben überwiegend Patienten mit sehr schweren akuten Erkrankungen oder bereits laufenden Therapien. Geplante stationäre Aufnahmen für Spezialtherapien wurden überwiegend wahrgenommen, obwohl man sich im Spital oft nicht sicher fühlte. Zur Erinnerung, wir hatten damals viel weniger Virusträger im Lande als heute!

Applaus

Aktuell gibt es zwar vermehrte Anrufe, ob der Ambulanzbetrieb überhaupt aufrecht ist und vermehrte Umbuchungen durch Absagen und Neuanfragen, die Patientenzahl geht insgesamt aber kaum zurück.

Während im Frühjahr die ganzen „Ich möchte mir das mal anschauen lassen“ Selbstzuweiser mit einem Schlag von der Bildfläche verschwanden, ist es dazu bislang nicht gekommen.

Die Angst sich im Krankenhaus anzustecken scheint im Gegensatz zum Frühjahr aktuell kaum jemanden zu bekümmern.

Natürlich gilt das alles nur für geplante Termine und elektive (konservative) Therapien, jedoch scheint es mir plausibel, dass die Schützen wir die Spitäler Kampagne zu Jahresbeginn zu ganz anderem Patientenverhalten führte, als das jetzt im Vordergrund stehende Motiv der warnenden Intensivmediziner.
Da seit heute auch im Wiener Gesundheitsverbund (www.info.gesundheitsverbund.at vormals KAV) ein generelles Besuchsverbot und eine Aufforderung Ambulanzen nur bei medizinischem Erfordernis aufzusuchen (?!?) verkündet wurde wird sich das Verhalten ab heute auch wieder ändern.

Auf den ersten Blick könnte man die veränderte Reaktion der Patienten einfach als Ermüdungserscheinung abtun, ich finde aber das Experiment in dieser riesigen gesellschaftlichen Skinnerbox verdient aber eine eingehendere Analyse unter Einbeziehung verschiedener extra- und intramuraler Fächer, um vielleicht bei der nächsten Krise etwas zielgerichtetere PR zu betreiben.
Die Kollateralschäden der Kampagne im Frühjahr (COVID -19: Was hilft werden wir zu spät wissen, was schadet sehen wir gleich) sind ja schon einigermaßen aufgedeckt, ob die aktuell ausgelösten Reaktionen so viel weniger Kollateralschäden auslösen, mag bezweifelt werden.

Links zur Vorlesung Clinical Decision Making (zT aus den 90ern des vorherigen Jahrhunderts):

1 Am Anfang war die Diagnose – Clinical Decision making Not only for Dummies
2 Anamnese – aber
3 Anamnese – wer hat das Wort?
4 Wie denkt der Arzt, wenn er denkt? Daumenregeln
5 Die Pathognomie finden Sie nur im Lehrbuch
6 Erfahrung hat man immer zu spät
7 Der unverzeihende lineare Algorithmus
8 Information und Bias
9 Was ist schon normal
10 Regenwarnung und Rettung durch einen Presbyterianer
11 ROC around the clock
12 Quite mean, the Regression to the Mean
13 Symptoma – Symptom für eine falsche Entwicklung der Medizin
14 Zebras revisited

Der ökonomische Trugschluss mit der Überbefundung in der Medizin
Babylonische Zustände in der Medizin
Wie verhindern Sie unnötige Zuweisungen? Einfache Fragen statt komplexer Algorithmen
Dr. Google is a Liar: Falschmeldung über Gesundheitsthemen und typische Folgefehler
Ja was nun, oder was an der medizinischen Wissenschaft so verwirrt

Written by medicus58

18. November 2020 at 17:34

Maskenpflicht Kurz gedacht

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Wer heute (19.7.) früh am Sonntag Morgen OE24, das Verkündigungsorgan der tückisch-grünen Bundesregierung, liest, der erkennt ihre ganze innere Widersprüchlichkeit. Ehe Kanzler Kurz heute offiziell die Wiedereinführung der Maskenpflicht in ganz Österreich verordnen wird, sitzt er (sichtlich ohne Babyelefanten und ohne Maske) der Interviewerin gegenüber und lächelt in die Kamera.

So geht Vorbild, wie im Kleinwalsertal, so in Österreich: Es mag bezweifelt werden, dass es sich auch hier um einen Familienverband handelt, oder hat man Fellners Radau-Blatt schon so viel Steuergeld zu gesteckt, dass man sich auch hier ganz familiär fühlt.

Written by medicus58

19. Juli 2020 at 12:25

Aus kranken Häusern werden Kliniken

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Es ist über ein Jahr her, wir scheiben März 2019, als man erstaunt las, dass Wiener Krankenanstaltenverbund und alle seine Häuser umbenannt werden.
Zwei Jahre vorher, im März 2017 stellte sich Bürgermeister Häupl im 22. Jahr seiner Tätigkeit urplötzlich die Frage, was den ein KAV Generaldirektor denn so tut, wenn er keine Personalhoheit über sein Unternehmen hat und kam bei der saisonbedingten Öffnung der Schanigärten zur Erkenntnis, dass der KAV eine neue Struktur benötigt.

Als dann der Wiener Gemeinderat am 19.12.2019 nach vielen abgebrochenen Anläufen der Änderung des KAV-Statuts beschlossen hat, lag ein KH Nord Fiasko hinter und die Covid-19 Pandemie vor der Wiener Spitalslandschaft. Namensänderungen von KH Nord in Klinik Floridsdorf schienen plötzlich auch PR-technisch richtig. Wir werden aber gleich sehen, dass diese Umsprachung weit über den Energetiker-Ring an der Brünnerstrasse hinaus ging.

Wer aber jedoch laubt, dass sich außer Namen, Drucksorten und Homepages Substantielles ändern wird, wurde enttäuscht, außer sie ist grad Generaldirektorin dieser Struktur:
Die Generaldirektorin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb freut sich … „denn die Umbenennung des Unternehmens ist viel mehr, als nur ein neuer Name. Es ist ein sichtbares Zeichen für all die Reformprojekte, an denen viele von Ihnen seit Monaten mitarbeiten: die Veränderungen in der Managementstruktur, der Sanierungs- und Modernisierungsplan für unsere Spitäler und die neue Rechtsform, die uns den notwendigen Handlungsspielraum für unsere weitere Unternehmensentwicklung geben wird.“

Weiterhin eng am politischen Gängelband von Magistrat und Gesundheitsstadtrat wird ab Juni 2020 der Wiener Gesundheitsverbund einfach nachvollziehen, was woanders längst umgesetzt wurde:

Aus krank wird gesund, aus Haus wird Klinik, weil es gut klingt.

Mir stellt sich aber die Frage, ob es gerade in Zeiten der Pandemie, wo uns seit Monaten Medien, Politik und Verschwörungstheoretiker jeden Toten weltweit vor die Nase halten, wenn er mit oder an einem Virus verstorben ist und nicht namenlos verhungert, erschossen, an Malaria, Tuberkulose, Herzinfarkten oder Schlaganfällen verschieden ist, wirklich folgerichtig ist, den Begriff der Krankheit aus den Bezeichnungen im Gesundheitswesen zu verdrängen.

Wird irgendwas besser, wenn wir uns nicht mehr in Krankenhäuser sondern in Kliniken schleppen?

Klinik kommt von altgriechisch κλίνη klinē und heißt „Bett“ oder „Liege“, also genau das, was (IMHO fälschlicherweise) von der Gesundheitsökonomie reduziert und von Ärzten (genauso falsch) beibehalten werden soll, weil es uns angeblich in der Pandemie geschützt hätte: Experten für Abbau von Spitalsbetten

Dazu ein kleiner Einschub, eher wir wieder zum Thema der Umbenennung kommen:
Beide liegen m.E. falsch, die Gesundheitsökonomie, weil das Spitalsbett seit Jahrzehnten die falsche Stellgröße ist, weil man dort auch aus vielen nicht-medizinischen Gründen liegen muss , weil die extramurale Versorgung oder die Nachbehandlung versagt, weil die selbe Leistung dort höher oder überhaupt finanziert wird, … und diejenigen, die uns weiß machen wollen, dass wir das alles so beibehalten müssen, obwohl selbst zum Höhepunkt der Pandemie die prekärste Größe, das Intensivbett nie über 20% ausgelastet war … Das Spitalsbett, im Zimmer oder am Gang ist zwar die einfach zählbare Größe, mit der Gesundheitspolitik machbar scheint, sie ist aber die denkbar dümmste für diesen Zweck.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Der Übergang vom Krankenhaus zur Klinik suggeriert, obwohl sich an den Personalverhältnissen nichts geändert hat, dass nun der „kleine Mann direkt vom Professor“ behandelt würde„.

Das Etymologische Wörterbuch bereitet diese Bedeutungswolke schön auf:
Klinik f. ‘Krankenhaus’, zugleich ‘medizinische Unterrichts- und Ausbildungsstätte’, zunächst (Clinik, um 1800) ‘ausübende Heilkunde’, Mitte des 19. Jhs. (unter Einfluß von frz. clinique) ‘Anstalt für den Unterricht in der Heilkunde’, eigentlich ‘Anstalt für den Unterricht am Krankenbett’. Zugrunde liegt lat. clīnicē bzw. griech. klīnikḗ (téchnē) (κλινικὴ τέχνη) ‘Heilkunst für bettlägerige Kranke’, zu klī́nē (κλίνη) ‘Lager, Bett’, einer Ableitung von dem mit ↗lehnen1 verwandten Verb griech. klī́nein (κλίνειν) ‘(sich) neigen, (an)lehnen, niederlegen, beugen’.

Verkürzt könnte man aus Wiener Sicht auch einfach sagen: Seit sich die Meduni Wien, immer mehr aus der Routineversorgung der Kranken nimmt (versuchen Sie dort einmal einen Patienten unterzubringen, der nicht gerade in ein Forschungsprojekt passt), benennen wir halt alles in eine Klinik um, um den Patienten den scheinbaren Schein der Wissenschaft vorzuspiegeln.

Ohne entsprechende personelle und akademische Ressourcen bleibt das aber alles so realitätsfern wir der gerade wieder aufflackernde Streit um die Zahl der Krankenbetten.

Written by medicus58

19. Mai 2020 at 17:10

Covid-19 Alter Schwede

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Nein, wir wollen uns hier nicht auch mit der Frage beschäftigen, ob denn der schwedische Weg besser oder schlechter war als die lock-down and go Strategie, die die meisten Länder irgendwann mal eingeschlagen haben. Hier geht’s vielmehr um mich, also einen der Alten in der Covid Pandemie.

Auslöser war ein Tweet des geschätzten Kollegen @docjosiahboon (Klarname) in Bezug auf einen Artikel in der Süddeutschen:
Tödlicher Sonderweg
Während bei uns immer noch manche Alphas vom schwedischen Weg in der Pandemie schwärmen, wird dort jetzt aufgearbeitet, warum er dermaßen gescheitert ist. „Schweden hat die Alten geopfert.“

Da ich hier das Problem der Altersverteilung von an/mit Covid-Verstorbenen seit Ende März thematisierte
Fail? : Schützen wir wirklich die Alten, schützen wir die Spitäler?
stellte sich die Frage, ob der Unterschied zwischen beiden Ländern wirklich als gescheitert auf sehr unterschiedlichem Level zu bezeichnen ist.

Nun (und reiten wir nicht auf einzelnen Fällen herum, weil es natürlich immer Diskrepanzen zwischen verschiedenen Quellen gibt) gibt https://www.coronatracker.com/de/country/se

für Sweden heute
27,272 bestätigte und aktive Fälle
3313 Todesfälle
12,1 Sterblichkeitsrate aller Fälle
18,2 Genesungsrate aller Fälle

und https://www.coronatracker.com/de/country/austria

für Österreich heute
15961 bestätigte und aktive Fälle
623 Todesfälle
3,9 Sterblichkeitsrate aller Fälle
88,6% Genesungsrate aller Fälle

Auch unter Berücksichtigung unterschiedlicher Bevölkerungsgrößen (Schweden 10,2 Mill vs. Österreich 8,9 Mill) schaut es schlecht für die Schweden aus, sagt aber noch nichts über die Frage wie es um die Alten steht.

Vorerst schauen wir uns einmal (Quelle Coronatracker.com; Cave leicht unterschiedliche Bereich der einzelnen Säulen, normalisiert auf % der bekannten Gesamtfälle) ) die Altersverteilung an, so fällt auf, dass Schweden deutlich mehr Fälle in den höheren Alterskohorten > 60 hatten als Österreich:

Vergleicht man nun die Prozentätze (normiert auf alle Todesfälle (Quelle Coronatracker.at) erkennt man:

wieder unter Beachtung leider etwas unterschiedlicher Altersgrenzen der einzelnen Säulen, dass in beiden Ländern überwiegend jene bekannten Fälle starben, die über 65 Jahre alt waren. Das entspricht zB. auch den Zahlen aus den US, wo 72,3% der Todesfälle >65 Jahre waren. In Österreich waren es übrigens 94% aller Todesfälle in Schweden (wenn man die Gruppe 60-69 gewichtet) knapp darunter, wohl zwischen 92 und 93%.

Stimmt das Argument des geschätzten Kollegen:
In Ö liegt die Zahl der Todesfälle an #COVID19 unter den 85+ bei 105 pro 100.000 (Gesamtbevölkerung 65 pro 100.000). In SWE die der Gesamtbevölkerung bei 325 pro 100.000, 85+ deutlich höher.

OK, wieder eine andere „Stückelung“ wozu ich auf die Schnelle keine Daten finden konnte, dann schaut das erneut nicht so gut auf für die Schweden …

Ich sehe aber die oben angeführten Zahlen aber weiterhin etwas anders …

Die Schweden wussten von mehr „Alten“, dass sie sich angesteckt haben, wir sind offenbar erst zum Zeitpunkt ihres Ablebens (wenn überhaupt) drauf gekommen. Anders kann ich mir die Diskrepanz in er Altersverteilung zwischen Getesteten und Verstorbenen nicht erklären.
Bin aber gerne bereit mich eines Besseren belehren zu lassen.



Written by medicus58

12. Mai 2020 at 19:45

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Man mag Fleischhacker nicht mögen weil man Tierarzt ist, aber

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Aber sein aktueller Letter aus dem Homeoffice seiner Covid-19 Selbstisolation ist lesenswert:

Link

Written by medicus58

12. Mai 2020 at 07:36

Was noch fehlt: Die Covid WC Verordnung

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Präambel

In Zeiten der Covid-19 Pandemie entscheidet richtiges Verhalten über Leben und Tod. Im falschen Moment die falsche Maske aufgesetzt, den Baby Elefanten im Vorzimmer vergessen und die beste Infektionsflex kann uns nicht mehr retten.
Vorsorglich hat sich die türkis-grüne Einsatzgruppe schon der Auferstehung, dem Begräbnis und dem Tennisspiel gewidmet.
Die Alten wohl verräumt, den Jungen ihre Coronaparty versaut, haben die vor lauter Aktionismus einen wesentlichen Teil unseres Privatlebens noch unverordnet lassen, dem wird nun entgegen gehalten.

§1 Toiletten stellen einen Infektionsbrennpunkt ersten Ranges dar und unserem zügel- und rechtlosen Verhalten muss nun ein Regel vorgeschoben werden:

§2 Es gibt nur drei Gründe, die einen kurzen Aufenthalt auf dem Abort rechtfertigen: Lulu und Aa und wenn Sie einen Dritten unterstützen müssen.

§3 lit a Die beengten Verhältnisse an den gewissen Örtchen erlauben nicht die Mitnahme eines Babyelefanten, so dass sich schon daraus ergibt, dass sich im ÖNORM WC immer nur exakt mehr oder weniger eine Person rein darf, außer zu Ostern. Ob das trotzdem in einer gesonderten Verordnung geregelt werden soll ist noch Teil der Kampfhandlungen zwischen Innen- und Gesundheitsministerium, das Justizministerium ist durch seinem Generalsekretär abgelenkt.

§3 lit b Eine Schlangenbildung vor der Toilette ist durch rechtzeitige Vorreservierung zu unterbinden. Laufkunden ist die Benutzung verboten, aber das haben die Wirten eh immer so gehalten.

§4 Hoch frequentierte Toiletten, müssen mit einer Mund-Nasen Maske und fakultativ mit einer zusätzlichen Nasenklemme betreten werden. Das gilt unbedingt für die Toiletten der Wiener Verkehrsbetriebe, so sie noch nicht privatisiert wurden, weil sie dann keinen öffentlichen Raum mehr darstellen, außer der OGH findet was anderes heraus.

§5 lit a Für das Urinieren, bei dem es selten zu Press-Atmung kommt ist keine Maske vorgeschrieben (Ausnahmen Herren in fortgeschrittenen Alter und großem Prostatavolumen).

§5 lit b Die Abgabe aller anderen Stoffwechselprodukte (Stuhl, Harnsteine, …) verlangt zwingend eine Maske, auch wenn die Regierung/Polizei/Miliz/Bundesheer vorerst von regelmäßigen Kontrollen absieht. Die Vorschriften über das verordnungskonforme Erbrechen sind noch in Ausarbeitung. Die Kulturstaatsekretärin schaut sich das noch an.

§6 Sollte während des Defäkationsvorganges Atemnot auftreten kontaktieren Sie umgehend 1540 und diskutieren Sie in einem standardisierten Interview mit einem Medizinstudenten im ersten Semester die wesentlichen Differentialdiagnosen zwischen Obstipation und Pulmonalembolie. Die Toilette ist in diesen Fällen für die nächsten 3 Stunden für den Publikumsverkehr gesperrt. Randalierende Mitmenschen werden von der Polizei abgeführt.

§7 Ist die Verwendung von Toilettenpapier unumgänglich, ist ein mindestens 3,5-lagiges, auf Vorschlag der Grünen recyceltes, Qualitätspapier vorgeschrieben. Selbiges ist vom Toilettenbetreiber vorzuhalten, aber nach den Erfahrungen mit dem Rewe-Konzern empfiehlt sich die Mitnahme des Eigenbedarfs.

Minderwertiges (chinesisches) Toilettenpapier birgt das Risiko einer Fingerpenetration und einen direkten Kontakt mit den Stoffwechselprodukten. Für diese Fälle ist vom Betreiber ein Notfallplan zu erstellen und eine direkte Sprechverbindung mit der AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH) herzustellen, die wahlweise den Ärztenotdienst oder das Hygienezentrum der Stadt Wien – MA 15 (Entlausung-Arsenal) schicken wird.

Der Gebrauch der Gratispresse (Heute, Österreich) zur Körperreinigung ist strengstens untersagt. Einerseits ist nicht nur der Inhalt sondern auch die Papierqualität von fraglicher Qualität, andererseits wurden Millionen an Steuergeld in Regierungsinserate in diesen Druckwerken investiert, so dass diese Blätter am WC nur gelesen aber nicht missbraucht werden dürfen.

§8 Ein verpflichtender Abstrich ist nach dem Toilettenbesuch nicht vorgesehen, wird aber in Privatlabor empfohlen.

§9 Eine befreundete Werbeagentur ist bereits mit einer Kampagne zur Öffentlichkeitsarbeit betraut, die ersten Videos haben sich aber für das Vorabendprogram als nur eingeschränkt verwendbar herausgestellt.

§10 Diese Verordnung wird gemeinsam mit dem Beschluss über eine Kurz-Milliarde für die AUA und die Verteilung von Gratis-Taschentücher in Flüchtlingsheimen abgestimmt und gilt bis zum St. Nimmerleinstag, außer die Neue ÖVP schafft in Neuwahlen die Zwei-Drittel-Mehrheit und das Bundesheer bekommt die Erlaubnis die Grenzen unserer Toiletten zu schützen bzw. eine Regelung tritt in Kraft, die die Benützung eine privaten Toilette ausschließlich mit Handy-App, Schlüsselanhänger und SIM-Nasenring erlaubt.

Written by medicus58

30. April 2020 at 17:32

Kollateralschäden der Rosskur

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Am 13. März schrieb ich hier: Covid 19:
Möge die Kur nicht schlimmer als die Krankheit werden
Nun, da die Meinungsdominanz der Regierungen in den Medien trotz weiterhin enormem finanziellen Aufwand (bei Kostenfreiheit im Österreichischen Rundfunk) etwas löchrig wird kann man immer häufiger lesen, dass die Warnung mehr als berechtigt war:

OÖ Nachrichten (Österreich) 29.4.:
Wir erleben traumatisierte Menschen, die sich richtiggehend davor fürchten,zu ihrem Hausarzt zu gehen.

Ganze Woche 18/20 (Österreich) S 15:

,,Ich darf diese Zahl eigentlich nicht laut sagen, denn sonst bin ich meine Stelle los. Aber seit der Krise, die jetzt gut fünf Wochen andauert, sind etwa ein Dutzend Menschen gestorben, weil sie in meinem Krankenhaus nicht operiert worden. …
Bei der Kärntner Patientenanwältin Angelika Schiwek landen dazu täglich Dutzende Hilferufe. ,,So sollte einem mutmaßlichen Krebspatienten eine Biopsie verwehrt bleiben, weil der Krebs, trotz Indizien, noch nicht formell
nachgewiesen war. Ein anderer Patient wiederum hätte am 23. März eine Prostataoperation gehabt, die abgesagt wurde. Er hat eine Harnsperre, starke Krämpfe und bekommt einfach keinen Termin“, sagt Schiwek, die sich eine baldige Rückkehr zum Normalbetrieb wünscht.

Der Bund (Schweiz) 9.4.

Viele Coronavirus-Opfer werden übersehen Masern, Herzkrankheiten, Depressionen: Das Coronavirus verstärkt auf der ganzen Welt medizinische Probleme – auch ohne Menschen direkt zu infizieren.

Der Tagesspiegel (Deutschland) 20.4.
Das erste Mal habe ich gestutzt, als wir erfahren mussten, dass von den über 1200 Todesfällen in der Schweiz bei acht Millionen Einwohnern, die überwiegende Mehrheit, vermutlich 75 Prozent, nicht im Krankenhaus, sondern zuhause stirbt

ARD Alpha (Deutschland) 23.4. Hintergrundpapier zu indirekten Gesundheitsfolgen

Wiener Zeitung 6.4.
Viele Corona-Tote in Italien bleiben unentdeckt

Written by medicus58

29. April 2020 at 16:23

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EILT: Österreich vermietet Intensivbetten auf Airbnb

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2015 gab es die Kampagne „Schützen wir unsere Spitäler“ in der die Ärztekammer viel Geld investierte und mit Hilfe der PR Agentur Milestones in Communications mehr Spitalsärzte gefordert hat. Wirklich mehr Ärzte gab es nicht, die Verwaltung wurde aufgebläht.

2020 schützten wir die Spitäler, in dem die Regierung ebenfalls mit vielen Millionen an den Boulvard und Notrufnummer 1540 die Kranken gar nicht in die Spitäler ließ.

Die wirtschaftlichen Kollateralschäden werden schlussendlich aber die Spitäler weiter schädigen, weil einfach kein Geld mehr da sein wird.

Wie viele Patienten nun daheim verstorben sind, darüber beginnt sich gerade die Statistik Austria Gedanken zu machen (Sterbefälle älterer Menschen im Zeitraum vom 16.3. bis 5.4.2020 überdurchschnittlich hoch), aber unsere Intensivbetten waren zu keinem Zeitpunkt zu mehr als 20% ausgelastet, weil wir ja auch unsre Spitäler vor allen elektiven Operationen geschützt haben: CoV: Ein Drittel der Beatmungsplätze frei

Aus diesem Grunde könnte man doch allen Ernstes daran denken, freistehende Betten auf Airbnb ….

Written by medicus58

23. April 2020 at 22:42

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