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Wer kommt mit dem Mückstein?

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Den Nachfolger des ausgebrannten Gesundheitsministers wurde nicht die Wiener Patientenanwältin Pilz sondern der bislang in einer Gruppenpraxis, später dem ersten Primärversorgungszentrum in Wien und in der Ärztekammerfraktion der Grünen Ärzte Wiens agierende Dr. Wolfgang Mückstein. Seit heute 12:10 hat er auch seinen Wiki-Eintrag, an dem bis 14:00 18 Autoren betätigten.

Wer sei besser geeignet als ein Mann der Praxis, so präsentierte Vizekanzler Kogler seinen neuen Gesundheitsminister, und kaschierte erstmals perfekt das wahre Dilemma der grünen Regierungsbeteiligung.
Die Personaldecke der Grünen ist seit dem Hinauswurf aus dem Nationalrat erschreckend dünn und war im Gesundheitsbereich nie dicker. Kein Wort darüber, dass er, Kogler, zwar die Grünen in die Regierung geführt hat, aber nie und nimmer ein solches Superministerium (Gesundheit, Soziales, Pflege, Konsumentenschutz, …) jemanden wie Anschober (sorry für den alten Link: Ein ausgebrannter Gesundheitsminister) antun hätte sollen. Wäre es nicht die Pandemie gewesen, wären es andere Baustellen in diesem Resorts gewesen, die jeden Quereinsteiger zum Scheitern gebracht hätten, es sei denn er könnte auf genügend qualifizierte Personen in seinem Hintergrund zurückgreifen.

Weniger nachträglichen Respekt und mehr begleitender Unterstützung hätte man Anschober geben sollen, und ihn nicht gutgläubig Mitarbeitern wie den Herrn Auer, seine Chief Medical Officer-in und anderen auszuliefern. Das Gesundheitsministerium ist traditionell und politisch beabsichtigt machtlos ohne Unterstützung durch andere Ministerien.

Ja, und wird das Kollege Mückstein besser hinkriegen?

Ein so williges Opfer, wie Anschober wird er nicht werden, der sich auch noch dafür entschuldigte, als ihn Bundeskanzler, Innen- und Finanzminister anrennen haben lassen, dafür hat er sich sowohl beruflich als auch kammerstrategisch schon als beinharter Verhandler bewiesen. Ob das genügt, mag aber bezweifelt werden.

Als die Gesundheitspolitik, übrigens unter Rendi-Wagner, die Eier legende Wollmilchsau Primärversorgungszentren entdeckte, benannte er mit seinen Miteigentümer eine längst bestehenden Gruppenpraxis rasch um und kassierte die ausgeschriebenen Subventionen.
Gesundheitsökonom Pichlbauer meinte zu dieser einrichtung: Dort passiert nicht Primary Health Care, sondern das ist eine hausärztliche Gruppenpraxis, in der zufällig noch eine Krankenschwester auf Kosten des Landes angestellt ist.
Dass gerade neben einem Ambulatorium der Wiener Gebietskrankenkasse in der Mariahilferstraße der Bedarf an einem weiteren „Ambulatorium“ nicht zu dringend sein konnte, spielte keine Rolle, schließlich dürfte die Praxisgemeinschaft auch gleich deren Labor mitbenutzen. Dass kurz darauf keine weiteren Patienten mehr aufgenommen wurden (!), konnten treue Leser dieses Blogs hier lesen, (Die Primärversorgungszentren richten sich nicht gegen den Hausarzt, aber) interessierte aber niemanden. Hier hat sich die Vernetzung Mücksteins voll ausgezahlt.

Von den hochfliegenden Ankündigungen vor der letzten Wahl zur Wiener Ärztekammer 2017 (Es grünt so grün – Schlaglichter aus der Wiener Fraktion Grüne Ärztinnen und Ärzte) war nach der Wahl nichts mehr die Rede (Auflösung der Kurienreferate, Reduktion der Referate, Aufwertung des Referats für Ausbildung, Einführung einer Obergrenze für Referats- und Funktionär_innenkosten, Reduktion der Kammerumlagen) als Mückstein mit Thomas Szekeres im Schlepptau eine Koalition gegen den Wahlsieger bastelte und Posten gegen Stimme dealte, um Szekeres den Weg zum Wiener Ärztekammerpräsidenten zu ebnen, was die Voraussetzung war, dass er schließlich auch Präsident der Österreichischen Ärztekammer werden konnte. Auch da hat sich der Kollege als Machiavellis Schüler gezeigt.

Wenn er am kommenden Montag von Bundespräsident Van der Bellen angelobt wird, macht er praktisch einen Hausbesuch bei seinem eigenen Patienten. So gesehen hat Werner Kogler, schon recht, wenn er Mückstein als Macher präsentierte.
Kritikern, die an seiner Ausbildung in Traditioneller Chinesischer Medizin Anstoß nehmen und da eine Wissenschaftsfeindlichkeit vermuten, kann man vermutlich beruhigen, wenn es um Geld, Macht und Einfluss ging, schien der Kollege durch wenig konfuzianische Gleichmut gebremst.

So gesehen hätte Werner Kogler auf das richtige Pferd gesetzt, aber genügen diese Fähigkeiten, die Mückstein bislang stets auch zu seinem eigenen Vorteil eingesetzt hat? Qualifiziert das Medizin- und TCM Studium und einige standespolitische Kampferfahrung für ein Mammutresort, das weit über rein medizinische Fragen hinausgeht.

Wo sind die Sozialexperten der Grünen, die Mückstein gegen Kurz, Blümel, Kocher und die Wirtschaftskammer aufmunitionieren, wenn es um Geld zur Abfederung der sozialen Folgen der Pandemie geht. Dabei werden ihm weder Szekeres noch Ludwig helfen können, wenn er durch die Machtmaschinen Kurz und Nehammer ausgebremst und angepatzt wird.

Würden Kammerränkespiele für den bundespolitischen Einfluss ausbilden, hätte die Ärztekammer nichgt so viel Einfluß in der Gesundheitspolitik verloren.

Auch das Argument ein Arzt ist in jedem Fall ein besserer Gesundheitsminister schwächt ein Blick auf die Liste in der Wikipedia ab:
Wer kann aus dem Stand aufzählen, welche gesundheitspolitischen Weichenstellungen auf Staatsekretär Reinhart Waneck , BuMin Michael Ausserwinkler, BuMin Andrea Kdolsky und BuMin Sabine Oberhauser und Sektionsleiterin der Sektion III, „Öffentliche Gesundheit und medizinische Angelegenheiten“, Vorsitzende des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Mitglied der Bundesgesundheitskommission. und BuMin Pamela Rendi-Wagner zurück gehen.

Es steht also auch zu befürchten, dass es nicht vordringlich um fachliche Kompetenz geht, um gesundheitspolitisch etwas weiterbringen. Auch das Brennen für die Sache führt, siehe Anschober, rasch zum Ausbrennen. Zumindest das wird dem neuen Minister nicht so bald passieren.

Written by medicus58

13. April 2021 at 19:45

Dashboard: Zur Covid-19 Pandemie haben wir auch seit Jahren eine Epidemie der Gesundheitsdaten

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Seit vielen Jahren wird auf diesem Blog immer wieder die aburd miese Qualität österreichischer Gesundheitsdaten beklagt. Egal ob es der Datenfriedhof ELGA ist oder die zahllosen Beispiele
verrückter Spitals IT:

Krankenhaus EDV: erfassten Widerspruch im Anlassfall
Meine Paranoia mit der Spitals-EDV oder wenn alles steht, geht’s weiter wie bisher
Die Überraschungseier der Krankenhaus EDV
Kunstfehler waren gestern, heute haben wir die EDV
Risikofaktor medizinische Informatik

Jeder, der sich auf den Streit mit Gesundheitsökonomen und -politiker einlässt kommt bald darauf, dass jeder von anderen Zahlen spricht und am Ende keiner mehr weiß, wie viele Äpfel und Birnen in diesem Kompott verarbeitet werden.
Jeder der um Facharzt-Ausbildungsstellen angesucht hat realisiert sehr bald, dass die nachweisbar lokal erbrachten Leistungen in keinem Verhältnis zu den Zahlen stehen, die in Ärztekammer und Gesundheitsministerium aufliegen.

Natürlich ist das kein spezifisch österreichisches Problem, dass unrichtige Gesundheitsdaten zu beängstigenden Prognosen hochgerechnet werden, wie in diesem Blog an Hand der Die toten Seelen in der Computertomografie besprochen wurde.

Auch die an sich gute Initiative des Gesundheitsministeriums auf einem sogenannten Dashboard zeitnah die aktuellen Entwicklungen der COVID-Erkrankungen in Österreich zugänglich zu machen zeigt die (Immun-)schwäche der Gesundheitspolitik.

Am 19.3. jubelte man: Coronavirus: Neue Website des Gesundheitsministeriums informiert über Stand der Ausbreitung

Am 20.3. gab es den shut down: Datenleck bei Coronavirus-Seite des Gesundheitsministeriums Datenbank stand weitgehend offen und erlaubte Rückschlüsse auf einzelne Fälle

Danach lief die Seite wieder und wir freuten uns über den geringen Anteil an hospitalisierten und intensivpflichtigen Patienten bis vor ein paar Tagen die ersten Relativierungen in den Medien auftauchten, dass Zeitverzögerungen mit der Eingabe das Bild verfälschten und das Dashboard verschwand bald darauf.

Gestern gab es eine Pressemeldung des Gesundheitsministers:

Das System der Meldung jener PatientInnen, die eine stationäre Behandlung benötigen, wurde, EMS-basiert, auf direkte Einmeldung durch die Bundesländer umgestellt, da dies ein aktuelleres Bestandsbild ermöglicht. Dies erklärt den sprunghaften Anstieg bei jenen Menschen in Spitalsbehandlung, sowohl auf Normalstationen als auch insbesondere im intensivmedizinischen Bereich.
Wir bedauern die nötige Korrektur und die nun nötigen Wartungsarbeiten. Es ist uns ein Anliegen, möglichst transparent und im Detail richtige Zahlen zu kommunizieren.

Das Dashboard war heute bis am späten Nachmittag offline. Abends war die Seite wieder erreichbar: www.info.gesundheitministerium.at

Mittagsjournalbeitrag 26.3. 12:08


Was aber viel beunruhigender in diesem Zusammenhang ist, als die wohlbekannte österreichische Epidemie der Gesundheitsdaten:
Seit Beginn der Pandemie starren wir atemlos auf die Computersimulationen (Coronavirus: Künstliche Intelligenz vs. Menschenverstand) und entscheiden auf dieser Basis über einschneidenden Maßnahmen.

Da macht es schon einen Unterschied, ob der Datensatz sowohl hinsichtlich seiner absoluten vor allem aber seiner zeitlichen Dimension valide ist.

Written by medicus58

26. März 2020 at 17:46

Ein (aus)gebrannter Gesundheitsminister?

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Soll man sich als „Alter“ darüber freuen, wenn Urgesteine erneut ins Rollen gebracht werden und Silberrücken die Sache schultern müssen, die Küsserkönige versemmelt haben?

Volksschullehrer, Journalist und Berufspolitiker Rudolf Anschober wird neuer Gesundheitsminister. Als Person ist Anschober integer und soll auch nicht kritisiert werden, meine schon früher geäußerten Bedenken (Sehe Schwarz für das Gesundheitssystem unter Türkis Grün) sind dadurch jedoch nicht zerstreut. Bei all seinen bisherigen Meriten (Verkehrs-, Sicherheits- und Atomsprecher im Nationalrat, Schutzpatron der Asyl-Lehrlinge, Energierevolutionär) hat er auch genug Erfahrungen als ÖVP-Beiwagerl unter Pühringer und Stelzer.

Mit Gesundheitsfragen hatte er bislang eher in eigener Sache zu tun (Zitat Standard): Als gewissenhafter Vielarbeiter zog sich Anschober, der mit einer Journalistin zusammenlebt, im Herbst 2012 ein Burn-out zu, mittlerweile sorgt er als passionierter Läufer und Spaziergänger aber für genug Ausgleich. 

Auch auf seiner privaten Homepage spielen Gesundheitsfragen keine Rolle.

Man kann also davon ausgehen, dass, sollte er überhaupt was weiterbringen, seine Schwerpunkte im Bereich Soziales setzen wird und uns die rauchenden Ruinen, die Hartinger-Klein hinterlassen hat erhalten bleiben:

Undurchsichtige Finanzierungsströme
Überproportionaler Arbeitgebereinfluss in den Sozialversicherungen
Kollaps der extramuralen Versorgung (unbesetzte Kassenstellen)
Versorgungszentren als Nebelgranaten
Überlastung des intramuralen Bereiches
Schleichende Privatisierung
Altenpflege
Fachkräftemangel, …

Ausbrennen kann nur wer einmal für eine Sache gebrannt hat. Wünschen wir uns einen Gesundheitsminister, der in den rauchenden Ruinen seines Ressorts nicht endgültig verkohlt.

Written by medicus58

2. Januar 2020 at 17:45

(A)soziale Perlen in tükisch-blau

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Pünktlich zum Jahreswechsel (1. Jan. 2018, 16:41) versendet der Freiheitlicher Parlamentsklub (!), nicht etwa das Ministerium selbst, folgende Presseaussendung der neuen Gesundheits- und Sozialministerin:

Hartinger-Klein: Aussetzung der Maßnahme „Aktion 20.000“

Gute Wirtschaftsentwicklung ermöglicht zukunftsorientierte Reformen

Wien (OTS) – Die Bundesregierung will eine umfassende Neuausrichtung der Arbeitsmarktpolitik erreichen. Besonders in Zeiten der Hochkonjunktur muss der Fokus unter anderem auf „Qualifizierungsprogramme“ bei Arbeitssuchenden gesetzt werden, um diesen nach Aus-, Fort- und Weiterbildung einen raschen und nachhaltigen Einstieg bzw. Wiedereinstieg am Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Aus diesem Grund erfolgt eine Aussetzung der „Beschäftigungsaktion 20.000“ sowie eine Evaluierung der Wirksamkeit der Maßnahme.

Das Arbeitsmarktservice wurde daher ersucht, keine neuen Zusagen zu erteilen und das Programm per 31. Dezember 2017 auszusetzen. In Bearbeitung befindliche Förderfälle und alle bereits genehmigten Fälle werden ohne Einschränkung abgearbeitet bzw. zu Ende geführt, so Hartinger-Klein.

Rückfragen & Kontakt:

Freiheitlicher Parlamentsklub 
01/ 40 110 – 7012 
presse-parlamentsklub@fpoe.at 
http://www.fpoe-parlamentsklub.at 
http://www.fpoe.at

wer kann sich da noch über die blonde Föhnwelle in den USA aufregen, die Außenpolitik via Twitter betreibt, wenn bei uns Absichtserklärungen der Bundesregierungen und eine Dienstanweisungen der Ministerin vom Parlamentsklub verbreitet werden ….

Written by medicus58

1. Januar 2018 at 18:05

Was das Christkind wirklich bringt ist nicht Rechtes Abbiegen bei Rot

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Ich weiß nicht ob man sich freuen soll oder nicht, dass alles so vorhersehbar ist.
Einerseits kann man sich überlegen fühlen, andererseits kommt es einem hoch.

So sehr die mediale Aufregungen über Rülpser von Rechts (Gudenus Asylantenghettos), Rechtes Abbiegen bei Rot (Hofers wichtigste Infrastrukturmaßnahme) und Gastronomische Rauchregeln verständlich sind und so viele weiteren Beobachtungen auf Kappachers geschätztem Radioblog zuzustimmen ist, ich kann mir nicht des Eindrucks erwehren, dass wir hier nur tükisch-blauen Nebengranaten aufsitzen und wichtigere Player übersehen.

Erinnern Sie sich noch der europa- und landesweiten Aufregungen während Blau(Orange)/Schwarz zu Beginn dieses Jahrtausends?
Atemlos diskutierten „die Guten“ früher jede Haider’schen Wuchtel (ordentliche Beschäftigungspolitik im III.Reich, Missgeburt Österreich, anständige SSler, Aufenthaltsberechtigung für Adamovich, Ariel, …) während das was bis heute die Justiz beschäftigt damals den Zeitungen kaum eine Zeile wert war:

Die radikale Änderung der Pensionsversicherung vom solidarischen Umlage- auf das individuelle Ansparmodell scheinen mir viele bis heute nicht realisiert zu haben.
Die Erkenntnis, dass das drei Säulenmodell dann weniger bringt, wenn man es bräuchte und denen mehr, die es weniger gebraucht haben, weil sie ohnehin Kapital zum Anlegen hatten, reifte naturgemäß auch erst nach dem offiziellen Ende der Ära Schüssel/Haiser/Passer. So ganz wurde die ja nie beendet, schon gar nicht unter den folgenden Regierungen und seine Gesinnung feiert ohnehin gerade ihre Auferstehung.
Auch, die offenbar unter ihrem Wert irreversiblen Verschleuderungen von Bundeseigentum standen damals viel weniger im Fokus der Berichterstattung als Regierungswandertage, Knittelfeld, und KH Grassers Society Auftritte.
Dass bald Lehramtsstudenten unterrichten mussten, nachdem die Volksschullehrerin im Unterrichtsministerium eine Frühpensionswelle unter den Gymnasiallehrern lostrat, war damals auch weniger ein Thema als ihr Sager über die fortpflanzungsunwilligen Party-Jugendlichen.

Und haben wir inzwischen dazu gelernt?

Über keines der neuen Regierungsmitglieder herrscht so viel mediale Stille, wie über Mag. Beate Hartinger, obwohl Sie nicht nur das zahnlose Gesundheitsministerium erhielt, sondern auch das budgetstarke Sozialministerium und die Mehrheit der bereits konkreten Reformaufgaben des Regierungsprogrammes umzusetzen hat.
Dabei geht es nicht um rote Ampeln, das Bundesheer als letzte Schule des Landes oder um Raucherabgaben. Da geht es, wie bei den genannten großen Brocken der Schüssel-Jahre, um das was unser aller Leben nachhaltig beeinflussen wird, wenn wir Hilfe brauchen.

Zusammenlegung der Sozialversicherungen

Gelingt dieses Vorhaben, dann kann es nur besser werden als das jetzige Gewirr von unterschiedlichen Leistungen und Verträgen und der Postenschacher.
Läuft es aber nur auf die übliche Umfärbung und das Einziehen einer zusätzlichen, politische willfährigen Entscheidungsebene hinaus,
entlasten wir die Wirtschaft durch das Schließen der AUVA und übersehen, dass zwar die Arbeitsunfälle abgenommen, viele arbeitsassoziierte psychische Erkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates und Freizeitunfälle zugenommen haben, dann wird es noch ungemütlicher in unserem Gesundheitssystem, und nicht nur für Asylanten.
Dass Hartinger das will, hat sie schon 2002 im Nationalrat postuliert!
Gewerkschaften, Landeshauptleute und Landesärztekammern haben hier nichts mehr zu gewinnen.

Neugestaltung des Arbeitslosengeldes

Endlos wurde über fehlende soziale Treffsicherheit der beabsichtigten Absenkung des Arbeitslosengeldes diskutiert. Die von Frau Hartinger umzusetzende „Reform“ bedeutet aber je länger man arbeitslos ist, umso weniger bekommt man. Das ist so wie die verschärften Zumutbarkeitsbestimmungen etwas, das aber – anders als die fehlende soziale Treffsicherheit – alle treffen wird!

Arbeits- und Teilhabepflicht für Sozialhilfebezieher eröffnen sich der neuen Ministerin jede Menge Möglichkeiten, ihre Ansätze in Gesetzesform zu gießen. Da darf nun erstmal eine Ministerin am ASVG herum schreiben, die nicht unter der Kontrolle des ÖGB steht. Dass der tükisch-türkise Teil der Regierung dem etwas entgegenhalten will, kann wohl als absurd angesehen werden.

Politisch flexibel war Hartinger auch und fand sich friktionslos in Blau, Orange und wieder in Blau zurecht. Wenn der Kurier nun schreibt „“Bürgerlich ist sie“, sagt ein ehemaliger Weggefährte. Nachsatz: „Aber schon auch freiheitlich, gell.“ dann fehlt mir die Nachfrage, wie denn das alles zusammen geht. Aus meiner persönlichen Erfahrung und mit Blick auf ihr CV der letzten Jahre (Deloitte, eigne Health-Consulting Agentur) scheinen ihr, so wie auch „ihrem Bundeskanzler“ der ganze nationalistische Rechte Mist über den wir uns jetzt aufregen ziemlich egal. Hartinger ist eine der forschesten neoliberalen Gesundheitsökonominen, die sich diese Regierung wünschen konnte.

Wie sehr sie sich jetzt auf ihre neue Aufgabe konzentriert ist auch daran zu erkennen, dass man sie auf der noch kürzlich in ihrem Mailverkehr verwendeten URL (http://www.hartinger-consulting.com/) nicht mehr kontaktieren kann.

Hartinger Consulting | Independent Health Care Consulting (Psychologische Berater) bleibt im 3. Bezirk, findet aber nicht mehr Hintzerstraße 3 sondern in der Radetzkystraße 2 statt.
Das sind schlappe 1,5 km Gehweg. Wir sollten aber mehr darauf achten, ob unsere Wege im Gesundheits- und Sozialbereich nicht bald viel länger werden!

 

Gesundheit: Zwischen den Zeilen des Regierungsprogramms

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Habemus Basti et Bumsti!
Wir haben aber auch ein Regierungsprogramm und mit Beate Hartinger-Klein eine Gesundheitsministerin, die mir als Garant dafür scheint, das in ihrem Bereich auch wortwörtlich umzusetzen.
Lesen wir also den Punkt Gesundheit des Regierungsprogrammes (Originaltexte in kursiv) und machen uns so erste Gedanken, was denn damit gemeint sein kann:

soll allen Bürgern ein niederschwelliger 
Zugang zu bestmöglicher medizinischer Versorgung sichergestellt werden.

Niederschwelliger als jetzt (jeder kann in ein öffentliches Spital gehen und hat das Recht von einem Arzt begutachtet zu werden, freie Arztwahl im niedergelassenen Bereich, 1x /Quartal freie Facharztwahl), kann es ja eigentlich nicht mehr gehen,
wenn wir nicht auf BeNeLux oder Skandinavien umschwenken wollen. Die wahre Absicht heißt in meinen Augen: vermehrte
Erstkontakte nicht mit einem Arzt sondern mit „aufgewerteten nicht-ärztlichen Berufen“, weil angeblich billiger.

Die Digitalisierung und Telemedizin werden dazu verstärkt eingesetzt; eHealth Anwendungen und Angebote erleichtern den Menschen den Zugang und helfen zukünftig, die Gesundheitskompetenz in der Gesellschaft zu erhöhen

Passt dazu: Zuerst googeln, dann Selbsthilfe, dann  Helpdesk und nur wenn es dann noch unbedingt sein muss kostenverursachender Kontakt mit dem traditionellen Gesundheitssystem, am besten mit der Pflege.
Ja, wenn dann noch Geld übrig ist, denn dem Ganzen liegt das Missverständnis zugrunde, dass Digitalisierung und Telefondienste vergleichsweise nichts kosten.

Und wer das alles für reine Hirngespinste hält, der sei auf den österreichischen Pilotversuch Teweb und einen ganz aktuellen, kritischen FAZ Artikel verwiesen: Bei Anruf Diagnose
Und dass die FAZ nun sehr wirtschaftsfeindlich und links positioniert ist, kann man wohl kaum behaupten.

Moderne Prävention als praktische Krankheits- und Unfallverhütung arbeitet darauf hin, eine spezifische gesundheitliche Erkrankung oder Schädigung durch gezielte Maßnahmen möglichst zu verhindern.

Über die Problematik der impliziten Schuldzuweisung an den Kranken, einfach selbst nicht genug für seine Gesundheit getan zu haben (Gesundheitskompetenz (Health Literacy) und Eigenverantwortung stärken (Bewegung, Ernährung, schädliche Substanzen, Spielsucht), habe ich schon einmal in der ÖKZ geschrieben (Gesundheit ist Pflicht), das hier zu wiederholen würde zu viel Raum benötigen.
Die Frage, ob es für die Wirkung flächendeckender Präventionsprogramme über mehrere Gesellschaftsschichten und lange Zeiträume eine ausreichende Evidenz gibt, kann man rasch beantworten: Nein
Interessant wird aber die Frage im Zusammenhang mit dem von oben her abgesagten Total-Rauchverbot in der Gastronomie. Wer sich freut nun doch weiter paffen zu können, wird sich eventuell die Immuntherapie seinen Lungenkrebses bald selbst blechen dürfen.
Sagen Sie nicht, Sie wären nicht gewarnt worden!

Über weite Strecken geht es dann mit dem Wording weiter, dass schon bisher die Wirtschaftskammer in den ÖSG einbrachte (Primärversorgung, Einbindung von Apothekern und Pflege, Evaluierung aller bestehenden Selbstbehalte im Gesundheitssystem mit Untersuchung auf Lenkungswirkung und Neukonzipierung von ökonomischen Anreizen im Gesundheitswesen), doch dann horcht man auf:

§-2-Kassenverträge sollen auch in Spitälern ermöglicht werden

Nichts wirklich Neues, versuchte man in vielen Spitälern (im Nord sogar ehe es in Betrieb geht), scheint aber nun zum Normalzustand zu werden.

Spannend wird es naturgemäß unter der Überschrift Reform der Sozialversicherungen

Die Abschaffung der Mehrfachversicherungen macht zwar Sinn, zielt aber vor allem auf diejenigen kleinen Versicherungen, zu deren finanzieller Stütze das Konstrukt eingeführt wurde.
Die Zusammenlegung aller Gebietskrankenkassen zur ÖKK leakte bereits früher, Landeshauptleute, Berufs- und Betriebskrankenkassen haben aber offenbar ein Hintertürl:

Wahrung der länderspezifischen Versorgungsinteressen sowie die speziellen Anforderungen der unterschiedlichen Berufsgruppen in den einzelnen Versicherungssparten berücksichtigt

Was hinter dem Passus steckt:
Eine einheitliche Prüfung der Lohnabgaben sowie eine einheitliche Abgabenstelle für die Einhebung aller lohnabhängigen Abgaben werden die Erreichung der Zielsetzungen nachhaltig unterstützen.
konnte man schon bei Klaus Kappacher nachlesen: Die Matchbälle

Und dass man damit den Landesärztekammern ihre stärkste Waffe nimmt, wenn nicht jede mehr mit ihrer eigenen Gebietskrankenkasse Tarife ausmachen kann, ist sicher nicht zufällig passiert.
Gemeinsam mit der beabsichtigten Absenkung der Pflichtmitgliedbeiträge wird die Ärztekammer nicht gerade gestärkt!

Und wieder hört man die Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer trappsen:
vereinbarten Lohnnebenkostensenkung im Ausmaß von 500 Millionen Euro
(Absenkung des Unfallversicherungsbeitrags auf 0,8%)
und der AUVA geht es an den Kragen, bzw. den Unfallpatienten!

Unbeirrbar betet man wie SPÖVP weiterhin Ausbau von Digitalisierung und Telemedizin an. Die Kassen der IT werden rauchen: Schließlich fand auch die jetzige Regierung nichts mehr dabei, dass man auch während der Woche ein Unfallröntgen ohne Fachärzte für Radiologie betreiben kann, solange eine Telefonverbindung (nach Indien?) besteht.
Das Konzept alles billiger, in dem man den Arzt möglichst weit vom Patienten ansiedelt konnte offenbar auch in diese Regierung herüber gerettet werden!

eRezept, eBefund, eMedikation, eTransportschein – E-Card am Handy forcieren
Verstärkter Einsatz von künstlicher Intelligenz (Content Analytic), um die Verwaltung und
Wissenschaft sowie die Versicherten noch besser zu unterstützen
Telefon- und webbasierte Erstversorgung flächendeckend ausbauen

Überarbeitung der Berufsrechte der verschiedenen Gesundheitsberufe, um ein effektiveres Angebot für den Patienten zu ermöglichen (Stärkung der nichtärztlichen Gesundheitsberufe nach internationalem Vorbild)

Und klar: Mehr Hayek, mehr Privat, weniger Staat – Anbieter mit Gewinnabsicht werden die Kosten dämpfen
Rahmenbedingungen für private Gesundheitsdiensteanbieter (finanzielle Weiterentwicklung
des PRIKRAF)

Ja, und wer die jetzige Gesundheitsministerin, ehemalige Controllerin der Steiermärkischen Krankenanstalten, unter blau/schwarz Hauptverbandschefin, dann Deloitte Mitarbeiterin und zu letzt im Healthcare Consulting tätige Frau Mag. Hartinger kennt, der weiß dass durch unser Gesundheitssystem ein scharfer Wind wehen wird, was vereinzelt sogar zu begrüssen sein wäre, wenn dieser nicht so deutlich vom Mont Pèlerin herunter wehen würde.

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Wickel oder Neustart der Ärzteausbildung: Komm auf die Schaukel, KollegIn

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buminöäkhgii

Es fällt schwer dem Ernest Pichlbauer, dem in Selbstdefinition „unabhängigsten Gesundheitsökonomen des Landes“ zuzustimmen, aber manchmal ist es unumgänglich ihm von anderen Ende des politischen Spektrums zuzustimmen.

Im August 14 schrieb er in einem Kommentar in der Wienerzeitung:
Die neue Ärzteausbildung – eine unglaubliche Mogelpackung
(http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/650356_Die-neue-Aerzteausbildung-eine-unglaubliche-Mogelpackung.html) und hatte Recht, obwohl er zu diesem Zeitpunkt (nachweislich) nicht wusste, was parallel dazu im Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV), immerhin der größte Ärzteausbildungsmühle, passierte.

In seinem Artikel prophezeihte er den Ärzte-Azubis, dass sie trotz anderslautender Versprechungen weiterhin als Systemerhalterherhalten müssen, weil niemand sonst für den Routinebetrieb (Blutdruckmessen, Blutabnehmen, Spritzengeben, Infusionen anhängen, …) zur Verfügung stehen würde.
Zu diesem Zeitpunkt hat aber der neue starke Mann im KAV Udo Janßen (Mann, ist der Mann gut, der nun im KAV aufräumt….http://wp.me/p1kfuX-Kd) – angeblich unmittelbar vor Urlaubsantritt – in einer Mail an alle KAV Mitarbeiter per Erlass die Aufgaben von Medizin und Pflege dahin geregelt

Achtung schweres Geschütz

dass die Pflege ab sofort, bzw. ab Oktober, spätestens aber ab 1.1.2015 all das, was sie die Pflegeberufe als Kompetenz in ihre Berufsgesetze schreiben hat lassen, auch zu tun hat … na, bummm

Damit war klar, dass Janßen den Ratschlag seines Vorgängers Marhold: „Wenn ich meinen Nachfolgern einen einzigen Rat geben darf, ist es der – arbeiten Sie eng mit der Personalvertretung zusammen.“ in den Sommerwind geschlagen hat und prompt nahm Bernhard Harreiter, Vorsitzende der Hauptgruppe II, den Fehdehandschuh auf:

Entweder provoziert der neue Mann an der Spitze des KAV mit dieser Vorgehensweise ganz bewusst eine völlig unnötige Auseinandersetzung oder es ist ihm „einfach passiert“.
Er grenzt damit die Möglichkeit der Zusammenarbeit extrem ein:
„Wickel“ oder Neustart.

Der Hintergrund für die hektische Verschiebung der ungeliebten Routine ist einfach, dass es spät aber doch auch dem KAV dämmerte, dass mit dem Wegfall der alten Turnusausbildung und dem aktuellen (natürlich auch von Wehsely mit bestimmten) Konsens der Spitalsträger, „nur mehr eine Ausbildung bieten zu wollen“, es zu einem massiven Engpass der Azubis kommen wird. Früher war es eher Standard, dass diejenigen, die eine Fachausbildung anstrebten die theoretisch 3- meist aber 4-jährige „Turnusausbildung zum Praktiker“ mehr oder weniger komplett durchliefen und dann je nach Eignung, Gelegenheit oder Zufall in eine 6-jährige Ausbildung zum Facharzt wechselten. Fast ein Jahrzehnt stand somit am unteren Ende der Karriereleiter ein Azubi zur Verfügung, der „Routine“ machen musste.

Wenn das wegfallen sollte, und das es das wird ist seit einigen Jahren politisch klar, dann muss jemand diese Tätigkeiten übernehmen.
Gleichzeitig hat sich die Ärzekammer mit dem Bundesministerium eine komplette Neuakkreditierung aller Ausbildungsstellen ausgemacht und tönt vollmundig, dass sie diejeneigen Stellen, an denen die Ärzte in Ausbildung zu Tätigkeiten herangezogen werden, die eigentlich von anderen Berufsgruppen erledigt werden könnten, einfach nicht anerkennen würde – will heissen,
den Spitälern droht ein weiterer Verlust billiger Arbeitskräfte …

Für den Aussenstehenden schien es also für die Ärzte zu laufen:
Die im „common trunk“ verdichtete Grundausbildung aller Ärzte in „Allgemeiner Interne und Chirurgie“ sollte nach dem letzten, nun praktischen Jahr des Studiums (KPJ) die Grundlage für einen prinzipiellen Überblick schaffen, um dann sich auf die beiden Ausbildungsschienen „Allgemeinmedizin“ und „Sonderfächer“ konzentrieren zu können.
Dass damit die sogenannten Gegenfächer (also die Rotation zB. eines angehenden Neurochirurgen an eine Neurologie) abgeschafft wurde (weil die Organisation für die Spitalsträger zu mühsam war), halte ich zwar für eine gefährliche Verschlechterung der Ausbildung, aber der Unmut unter den Fachvertretern wurde von der Kammer weggeredet.

Zukünftige Ärzte für Allgemeinmedizin – tönte es noch im Sommer – sollten auch verstärkt in Disziplinen wie HNO, Dermatologie, Kinderheilkunde ausgebildet werden, da sie ja in den gleichzeitig entwickelten PrimaryHealthCare-Konzepten, einfachere Krankheiten in diesem Bereich, erstversorgen sollen. In der Stadt geht man mit seinem fiebernden Kind am Wochenende eben in eine Spitalsambulanz, am Land steht dafür nur der von Allgemeinmedizinern geführte Ärztenotdienst zur Verfügung, so dass der schon noch Masern von Scharlach untersc heiden können sollte …

All das ist nun Makulatur:

Die Ärztekammer hat (gemeinsam mit dem Bundesministerium unter dem offenkundigen Druck der Landespolitik) zurück gerudert:

Damit auch alle offenen Lücken geschlossen werden können, wird man seine Allgemeine Interne an irgendeiner konservativen Abteilung (Originalzitat: auch Psychiatrie) und seine Allgemeine Chirurgie an irgendeinem operativen Fach absolvieren können.

Es gibt leider zuwenig dermatologische oder HNO Abteilungen, so dass diese Inhalte nur mehr fakultativ, vielleicht auch nur an der Seite eines stundenweise ins Spital kommenden Konsiliars ausgebildet werden können.

Is ja egal, wird auch in Zukunft der Hausarzt auf jede rote Hautveränderung zuerst ein Pilzmittel und wenn das nicht hilft ein Cortisonpräparat verordent werden … Diagnostik ist überbetont!

Aber auch im KAV läuft die Welle der Gegenreformation:

In der Novemberausgabe der Gewerkschaftszeitung frohlockt Harreither, dass Janßen von den beiden angebotenen Optionen nun den Neustartgewählt hätte.
„Das wiederum bedeutet, dass am 1. Jänner 2015 nun doch kein imaginärer Hebel umgelegt, der KAV-weit einfach nur Tätigkeiten innerhalb von zwei Berufsgruppen verschiebt.“ 

…verschafft Ihnen vor Ort Zeit. Zeit die Sie benötigen … analytische Funktionsbewertung … Rahmenbedingungen …

Im Klartext: Zwitscher, zwitscher, … schaun mir amoi …

Wie gesagt, es fällt schwer dem Pichlbauer zuzustimmen und auch wenn er seinen damaligen Artikel nicht in Kenntnis aller parallelen Entwicklungen getippt hat, mit einem vorausschauenden Pessimismus liegt man in unserem Gesundheitssystem leider meistens richtig …

Vom scheinbar Unzusammenhängenden: Das Kalifat der Medizin oder Wer Priester ist, bestimmen wir

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Kalif

Selbst in deutscher Sprache haben die Isis-Dschihadisten 
http://www.spiegel.de/politik/ausland/irak-isis-extremisten-rufen-islamisches-kalifat-aus-a-978202.html ein Kalifat ausgefrufen und von allen Muslimen die sofortige Anerkennung des neuen Führersverlangt.

Im Zuge der heute beschlossenen Primärversorgung im Gesundheitssystem beklagt Patientenanwälte-Sprecher Gerald Bachinger  im Ö1-„Mittagsjournal“ einen „Schwenk von der Patientenzentrierung hin zur Ärztezentrierung„. Nicht vom Team rund um den Hausarzt, sondern von jenem rund um den Patienten müsse die Rede sein.
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/3673000/primaerversorgung-gesundheitswesen-beschlossen.story

Assistiert wurde er von Ursula Frohner, der Präsidentin des Gesundheits- und Krankenpflegeverbands, die seit Wochen lautstark Kassenvertäge für freipraktizierenden Krankenschwestern verlangt und maßgeblich dafür verantwortlich war, dass imAuftrag des Gesundheitsministerium im ÖBIG ein Papier entstanden ist, das davon schwadronierte, dass „operierende Krankenschwestern“ Ärzte entlasten sollen.
http://derstandard.at/1379291686733/Krankenschwestern-die-operieren/ 

Und ebenfalls heute wurde von der ELGA Ges.m.b.H. zugegeben, dass sich der Start, vom Vollbetrieb ist nichtmal mehr die Rede, von ELGA von Beginn auf Ende 2015 verschieben wird.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140630_OTS0175/elga-der-aktuelle-fahrplan-zur-umsetzung-der-elektronischen-gesundheitsakte

Und wie, wenn Sie bisher gelesen haben, werden Sie fragen, soll das alles zusammenpassen?

Ganz einfach. Mit Gewalt lassen sich Reiche ausrufen, Gesetze verordnen und Fakten hinausschreien.  Am Ende des Tages, kann auch der Kalif auf diejenigen angewiesen, die die tägliche Arbeit verstehen und machen.

Auch wenn es den Juristen Bachinger noch so gegen den Strich und gegen den Auftrag seiner politischen Einsetzer geht:
Es sind Ärzte, die in einem jahrelangen Studium und einer jahrelangen postpromotienellen Ausbildung für eine umfassende Ausübung der Medizin ausgebildet wurden, nicht die Pflegeberufe, nicht die Medizinisch Technischen Dienste, nicht die Masseure oder wer heute noch aller als Gesundheitsdienstleistungsanbieter angesprochen wird.

§2 AerzteG
(1) Der Arzt ist zur Ausübung der Medizin berufen.
(2) Die Ausübung des ärztlichen Berufes umfaßt jede auf medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen begründete Tätigkeit, die unmittelbar am Menschen oder mittelbar für den Menschen ausgeführt wird, insbesondere
die Untersuchung auf das Vorliegen oder Nichtvorliegen von körperlichen und psychischen Krankheiten oder Störungen, von Behinderungen oder Mißbildungen und Anomalien, die krankhafter Natur sind;
die Beurteilung von in Z 1 angeführten Zuständen bei Verwendung medizinisch-diagnostischer Hilfsmittel;
die Behandlung solcher Zustände (Z 1);
die Vornahme operativer Eingriffe einschließlich der Entnahme oder Infusion von Blut;
die Vorbeugung von Erkrankungen;
die Geburtshilfe sowie die Anwendung von Maßnahmen der medizinischen Fortpflanzungshilfe;
die Verordnung von Heilmitteln, Heilbehelfen und medizinisch diagnostischen Hilfsmitteln;
die Vornahme von Leichenöffnungen
.

Auch wenn ärztliche Kritik an ELGA als elektronisches Milliardengrab von Politik und IT-Industrie stets abgewimmelt wurde …

Der infantilen Fortschrittsglauben, den unser Minister hier mit seinem Glauben an die Heilkraft der IT an den Tag legt, blendet ganz offenkundig die fachliche Diskussionen der letzten Jahrzehnte aus und wird dem Gesundheitssystem viel Geld kosten und ein paar IT- und Hardwarefirmen aus dem Gesundheitsbudget reich machen.
http://wp.me/p1kfuX-N2

stellt sich eben heraus, dass diese Rufe aus der Praxis sehr fundiert waren.

Also kann darf man wieder einmal daran erinnern, dass nicht jeder, der sich zum Kalifen ausruft, auch die Wahrheit, keinesfalls aber die Weisheit, auf seiner Seite hat.

Bildnachweis: Wikipedia Portrait Caliph Abdulmecid II – Der letzte Kalif

Perlen aus Stögers Reich

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stoeger2

Wenn man sich so auf der Homepage unseres Bundesministeriums für Gesundheit herumklickt, stolpert man über Perlen, die einen sicher machen, dass unser Steuergeld hier gut investiert wird:

Nach all den Selbstbeweihräucherung über die Gesundheitsreform 2012/13, zuletzt gestern unterzeichneten den Zielvertrag (http://derstandard.at/1371170731868/Gesundheitsreform-Zielvertrag-soll-zu-Effizienz-verpflichten), liest man am 27.7.2013, dass „die Gesundheitsreform 2005 (!) den jüngsten und aus Sicht des Bundes wohl bedeutendsten Schritt zum Thema Qualität im Gesundheitswesen“ darstellt. http://bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Gesundheitssystem_Qualitaetssicherung/Qualitaetsentwicklung_im_oesterreichischen_Gesundheitswesen

In der Pressemappe zur Pressekonferenz zum oben genannten Zielvertrag liest man ergriffen: Österreich hat eines der besten Gesundheitssysteme der Welt und der Zugang zu medizinischen Leistungen ist international beispielgebend. http://www.bmg.gv.at/cms/home/attachments/2/8/3/CH1396/CMS1360225655870/pkunterlage_bundeszielsteuerungsvertrag.pdf Während in der Pressekonferenz selbst LH Pühringer von Rettung in höchster Not: „Das alte System wäre an die Wand gefahren“ zu sprechen müssen glaubte. Wenn das beispielgebend war?

Dann wieder ganz praktische Hinweise zum Spielzeugkauf: Vorsicht bei Ziehenten oder ähnlichen Spielsachen! http://www.bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/VerbraucherInnengesundheit/Spielzeug/Ratgeber_zur_Spielzeugwahl Nachträglich läuft mir das kalte Grausen den Buckel hinunter, wie unverantwortlich mich meine Eltern aufwachsen liessen.

Aber letztlich kann man sichals Nutzer von Stögers Internetauftritt sowieso brausen, denn wenn auch Gesetzestexte, Gesundheitsempfehlungen und Datenbanken einen nicht unbeträchtlichen Anteil ausmachen, liest man unter
Haftung: Die bereitgestellten Inhalte sind ohne Gewähr. Das Ministerium übernimmt keine Haftung für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte auf dieser und anderer Internetseiten des Gesundheitsministeriums. http://www.bmg.gv.at/home/Informationen/Impressum/

Und das obwohl sich Stöger bereits mit einem zweiten Pressesprecher aufmunitioniert hat, der ehemaligen Leiterin des Referates für Öffentlichkeitsarbeit, die für den Internetauftritt verantwortlich zeichnet(http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20130619_OTS0110/neue-pressesprecherin-bei-gesundheitsminister-alois-stoeger),
Bei dieser offensiven Öffentlichkeitsarbeit in Vorwahlzeiten, scheint sich Stöger hinsichtlich seiner Zukunft an einen rezenten Hit von „Wir Helden“ zu orientieren:
Wir gehen nicht,
aber wenn wir gehen, dann gehen wir in Scheiben
Entschuldigung, aber ich sagte:
wir sind gekommen um zu bleiben.

Vergleiche: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=75845

Written by medicus58

27. Juni 2013 at 17:12

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