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Wer kommt mit dem Mückstein?

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Den Nachfolger des ausgebrannten Gesundheitsministers wurde nicht die Wiener Patientenanwältin Pilz sondern der bislang in einer Gruppenpraxis, später dem ersten Primärversorgungszentrum in Wien und in der Ärztekammerfraktion der Grünen Ärzte Wiens agierende Dr. Wolfgang Mückstein. Seit heute 12:10 hat er auch seinen Wiki-Eintrag, an dem bis 14:00 18 Autoren betätigten.

Wer sei besser geeignet als ein Mann der Praxis, so präsentierte Vizekanzler Kogler seinen neuen Gesundheitsminister, und kaschierte erstmals perfekt das wahre Dilemma der grünen Regierungsbeteiligung.
Die Personaldecke der Grünen ist seit dem Hinauswurf aus dem Nationalrat erschreckend dünn und war im Gesundheitsbereich nie dicker. Kein Wort darüber, dass er, Kogler, zwar die Grünen in die Regierung geführt hat, aber nie und nimmer ein solches Superministerium (Gesundheit, Soziales, Pflege, Konsumentenschutz, …) jemanden wie Anschober (sorry für den alten Link: Ein ausgebrannter Gesundheitsminister) antun hätte sollen. Wäre es nicht die Pandemie gewesen, wären es andere Baustellen in diesem Resorts gewesen, die jeden Quereinsteiger zum Scheitern gebracht hätten, es sei denn er könnte auf genügend qualifizierte Personen in seinem Hintergrund zurückgreifen.

Weniger nachträglichen Respekt und mehr begleitender Unterstützung hätte man Anschober geben sollen, und ihn nicht gutgläubig Mitarbeitern wie den Herrn Auer, seine Chief Medical Officer-in und anderen auszuliefern. Das Gesundheitsministerium ist traditionell und politisch beabsichtigt machtlos ohne Unterstützung durch andere Ministerien.

Ja, und wird das Kollege Mückstein besser hinkriegen?

Ein so williges Opfer, wie Anschober wird er nicht werden, der sich auch noch dafür entschuldigte, als ihn Bundeskanzler, Innen- und Finanzminister anrennen haben lassen, dafür hat er sich sowohl beruflich als auch kammerstrategisch schon als beinharter Verhandler bewiesen. Ob das genügt, mag aber bezweifelt werden.

Als die Gesundheitspolitik, übrigens unter Rendi-Wagner, die Eier legende Wollmilchsau Primärversorgungszentren entdeckte, benannte er mit seinen Miteigentümer eine längst bestehenden Gruppenpraxis rasch um und kassierte die ausgeschriebenen Subventionen.
Gesundheitsökonom Pichlbauer meinte zu dieser einrichtung: Dort passiert nicht Primary Health Care, sondern das ist eine hausärztliche Gruppenpraxis, in der zufällig noch eine Krankenschwester auf Kosten des Landes angestellt ist.
Dass gerade neben einem Ambulatorium der Wiener Gebietskrankenkasse in der Mariahilferstraße der Bedarf an einem weiteren „Ambulatorium“ nicht zu dringend sein konnte, spielte keine Rolle, schließlich dürfte die Praxisgemeinschaft auch gleich deren Labor mitbenutzen. Dass kurz darauf keine weiteren Patienten mehr aufgenommen wurden (!), konnten treue Leser dieses Blogs hier lesen, (Die Primärversorgungszentren richten sich nicht gegen den Hausarzt, aber) interessierte aber niemanden. Hier hat sich die Vernetzung Mücksteins voll ausgezahlt.

Von den hochfliegenden Ankündigungen vor der letzten Wahl zur Wiener Ärztekammer 2017 (Es grünt so grün – Schlaglichter aus der Wiener Fraktion Grüne Ärztinnen und Ärzte) war nach der Wahl nichts mehr die Rede (Auflösung der Kurienreferate, Reduktion der Referate, Aufwertung des Referats für Ausbildung, Einführung einer Obergrenze für Referats- und Funktionär_innenkosten, Reduktion der Kammerumlagen) als Mückstein mit Thomas Szekeres im Schlepptau eine Koalition gegen den Wahlsieger bastelte und Posten gegen Stimme dealte, um Szekeres den Weg zum Wiener Ärztekammerpräsidenten zu ebnen, was die Voraussetzung war, dass er schließlich auch Präsident der Österreichischen Ärztekammer werden konnte. Auch da hat sich der Kollege als Machiavellis Schüler gezeigt.

Wenn er am kommenden Montag von Bundespräsident Van der Bellen angelobt wird, macht er praktisch einen Hausbesuch bei seinem eigenen Patienten. So gesehen hat Werner Kogler, schon recht, wenn er Mückstein als Macher präsentierte.
Kritikern, die an seiner Ausbildung in Traditioneller Chinesischer Medizin Anstoß nehmen und da eine Wissenschaftsfeindlichkeit vermuten, kann man vermutlich beruhigen, wenn es um Geld, Macht und Einfluss ging, schien der Kollege durch wenig konfuzianische Gleichmut gebremst.

So gesehen hätte Werner Kogler auf das richtige Pferd gesetzt, aber genügen diese Fähigkeiten, die Mückstein bislang stets auch zu seinem eigenen Vorteil eingesetzt hat? Qualifiziert das Medizin- und TCM Studium und einige standespolitische Kampferfahrung für ein Mammutresort, das weit über rein medizinische Fragen hinausgeht.

Wo sind die Sozialexperten der Grünen, die Mückstein gegen Kurz, Blümel, Kocher und die Wirtschaftskammer aufmunitionieren, wenn es um Geld zur Abfederung der sozialen Folgen der Pandemie geht. Dabei werden ihm weder Szekeres noch Ludwig helfen können, wenn er durch die Machtmaschinen Kurz und Nehammer ausgebremst und angepatzt wird.

Würden Kammerränkespiele für den bundespolitischen Einfluss ausbilden, hätte die Ärztekammer nichgt so viel Einfluß in der Gesundheitspolitik verloren.

Auch das Argument ein Arzt ist in jedem Fall ein besserer Gesundheitsminister schwächt ein Blick auf die Liste in der Wikipedia ab:
Wer kann aus dem Stand aufzählen, welche gesundheitspolitischen Weichenstellungen auf Staatsekretär Reinhart Waneck , BuMin Michael Ausserwinkler, BuMin Andrea Kdolsky und BuMin Sabine Oberhauser und Sektionsleiterin der Sektion III, „Öffentliche Gesundheit und medizinische Angelegenheiten“, Vorsitzende des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Mitglied der Bundesgesundheitskommission. und BuMin Pamela Rendi-Wagner zurück gehen.

Es steht also auch zu befürchten, dass es nicht vordringlich um fachliche Kompetenz geht, um gesundheitspolitisch etwas weiterbringen. Auch das Brennen für die Sache führt, siehe Anschober, rasch zum Ausbrennen. Zumindest das wird dem neuen Minister nicht so bald passieren.

Written by medicus58

13. April 2021 at 19:45

PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich?

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reformhaus

25.7.2015: OÖ Nachrichten
„Von 1000 Menschen, die ein gesundheitliches Problem haben, muss nur einer stationär im Krankenhaus behandelt werden.“

Mit diesen Worten bringt Andrea Wesenauer, Direktorin der OÖGKK, die Kernaussage der wissenschaftlichen Untersuchung des Sozialmediziners Harald Kamps auf den Punkt.
Demnach könnten 900 der Betroffenen ihr Problem (z. B. Fieber oder verstauchter Knöchel) selbst lösen,
„neun brauchen tatsächlich die Hilfe eines Facharztes oder einer Spitalsambulanz“.
Und die übrigen 90 Betroffenen wären in einem Primärversorgungszentrum (PHC) bestens aufgehoben“, sagt Wesenauer.

In diesem Versorgungszentrum werden 23 Gesundheitsexperten zusammen arbeiten, neben fünf Allgemein-Medizinern auch Diplomkrankenschwestern, Psychologen, Physiotherapeuten und Diätologen (wenn ich richtig rechne also 18 Personen!).
So könne der Physiotherapeut Kreuzschmerzen behandeln, der Diätologe Diabetes-Patienten beraten.

Gleichzeitig hat ein Arzt „mehr Zeit für die Patienten, weil ihm die Krankenschwester Arbeit abnimmt“, sagt der Ennser Stadtarzt Wolfgang Hockl, Projekt-Promotor.

20.8.2015: WGKK: Primärversorgung wird von der Bevölkerung angenommen
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150820_OTS0024/wgkk-primaerversorgung-wird-von-der-bevoelkerung-angenommen

20.8.2015: Wehsely: Primärversorgung stärkt medizinische Versorgung durch bessere Rahmenbedingungen
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150820_OTS0105/wehsely-primaerversorgung-staerkt-medizinische-versorgung-durch-bessere-rahmenbedingungen

21. 8. 2015: „Primärversorgung erfüllt Patientenwünsche“
Albert Maringer: Vorsitzenden des Ausschusses für Krankenversicherung und Prävention im Hauptverband und Chef der OÖGKK
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150821_OTS0094/obmann-albert-maringer-primaerversorgung-erfuellt-patientenwuensche

21.8.2015: Pensionistenverband begrüßt Schaffung von medizinischen Primärversorgungszentren
Edlinger: Einrichtung kommt auch den Interessen der PensionistInnen entgegen
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150821_OTS0073/pensionistenverband-begruesst-schaffung-von-medizinischen-primaerversorgungszentren

Ich finde es super, dass mit den Primärversorgungszentren plötzlich der Stein der Weisen gefunden wurde und alle zufrieden sind, wobei ich nur noch einige Marginalien offen sind …

  1. Hat man den Sozialversicherten schon gesagt, dass 900 von 1000, die ein gesundheitliches Problem haben, es zukünftig gefälligst in Eigenregie zu lösen haben (siehe OÖN)?
  2. Auch interessant, wer die Kompetenz haben wird, den 1 von 1000 herauszufinden, der in ein Spital gehört …
  3. Es gibt dzt. nur ein einziges PHC in ganz Österreich (das in OÖ wird erst Ende (!) 2016 errichtet, für das zweite in Wien findet sich auch in der dritten Ausschreibung kein Interessent).
    Weshalb Frau Gesundheitsstadtätin Wehsely, Ex-Minister Edlinger und Herr Maringer schon wissen, dass das Konzept die Patienten freudig angenommen haben, grenzt scheinbar an Magie.
    In Wahrheit genügt ein Blick auf die persönliche Interessenlage, das Parteibuch oder die Aussicht auf Förderung des eigenen Projekts ….
  4. Aber wenn das alles funktionieren soll, was ich fachlich zwar bezweifle aber natürlich nicht ausschließen kann, solange nicht Erfahrungen mit einem flächendeckenden Netz an österr. PHCs  vorliegen (Vergleiche mit Ländern wie Belgien, das eine andere Versorgungsstruktur haben sind nicht aussagekräftig), bleibt aber eine Frage offen:

Woher kommt das Geld für all die zusätzlichen Gesundheitsdienstleistungsanbieter (Pflege, Psychologen, Physiotherapeuten, Diätologen, …) wenn schon die derzeitigen Kassentarife für Ärzte lächerlich niedrig sind (Der typische Arzt ist ein Hausarzt mit Kassenverträgen und reich  http://wp.me/p1kfuX-jY)?

Da fällt einem doch Erich Kästner ein, der einst sagte, man möge nie so tief sinken, um aus dem Kakao, durch den man gezogen wird, auch noch zu trinken!

 

Weiteres zu PHCs:
Entwarnung, alles wird gut http://wp.me/p1kfuX-XW
Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk http://wp.me/p1kfuX-Vz
Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s http://wp.me/p1kfuX-Un

 

Und noch ein PS: Wenn, was einer der wesentlichen Gründe für die Erfindung der PHCs ist, dadurch die Verhandlungshoheit der Ärztekammern mit den Krankenversicherungen aufgebrochen wird (laut Plan dürfen die Kassen direkt Verträge mit den Ärzten in PHCs schliessen), dann verlange ich ein Ende der Pflichtmitgliedschaft in der Ärztekammer. Es kann nicht sein, dass dann Ärzte weiterhin (übrigens verfassungsrechtlich abgesichert) gezwungen werden hohe Mitgliedbeiträge an eine Kammer abzuliefern, die ihre einzige Vertretungsberechtigung eingebüßt hat …  Wär sicher ein netter Musterprozess ….

Entwarnung, alles wird gut

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smile

Wien heute brachte am 18. Mai 15 einen Beitrag unter dem Titel „Primärversorgungszentrum  (PHC) geht in den Testbetrieb“ (http://tvthek.orf.at/program/Wien-heute/70018/Wien-heute/9784398/Primaerversorgungszentrum-geht-in-den-Testbetrieb/9787605) zu dem ich ein paar Blogbeiträge in Erinnerung rufen möchte:

Der Beitrag möchte glauben machen, dass sich im Wiener Gesundheitssystem etwas Neues tut und alles noch besser wird:

„Neue Dienstzeiten in den Spitälern, mehr Versorgung für die Patienten draußen! „

In Wirklichkeit wurde hier nur eine bestehende Gruppenpraxis (im politischen Naheverhältnis zu den Wiener Grünen) mit massiver finanzieller und logistischer Unterstützung der Wiener Gebietskrankenkasse (Labor, Röntgen) zum PHC umgespritzt.
Was die WGKK bisher gehindert hat, den Patienten der Gruppenpraxis das Labor und Röntgen des benachbarten Ambulatoriums zu öffnen, bleibt unbeantwortet.

Und neu, wie schon mehrfach berichtet, ist da gar nix:

Alter Wein in Englischen Schläuchen: AGB der Gesundheitsreform müssen her http://wp.me/p1kfuX-D7  5/13
Wie oft wird kann man die Sau durchs Dorf jagen, ohne dass es den Medien auffällt? http://wp.me/p1kfuX-Tw 2/15
Aufstand der Primarärzte: einfach wegadministriert http://wp.me/p1kfuX-U2 2/15
Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s http://wp.me/p1kfuX-Un 2/15

Verschwiegen wird, dass das zweite projektierte PHC  weiterhin nicht zustande kommt, weil sich niemand findet, der trotz finanziellen Anreizes unter den sehr bewusst gewählten Bedingungen arbeiten kann oder will:

Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk http://wp.me/p1kfuX-Vz  2/15

Auch welches Spital in der Nähe der Mariahilferstrasse (!) die Betreiber hier entlasten wollen (das im Stadium der Schließung befindliche Sophienspital?) verrät uns dieser Beitrag nicht.

Wirklich ärgerlich wird es aber da, wo der Beitrag den Eindruck erweckt, dass das von über 80% der angestellten Ärzte abgelehnte neue Besoldungs- und Dienstzeitpaket irgendetwas für Ärzte oder Patienten in den Wiener Gemeindespitälern verbessert hätte.

Intern lässt die Generaldirektion permanent erheben, wie viele der Diensträder überhaupt noch bespielt werden können,
muss ein lange angekündigtes Tool für die Einteilung der Ärztedienste kurz darauf zurückziehen, weil offenbar auch dort offenkundig niemand mehr die Fallgruben der Dienstregelungen durchblickt,
und nimmt zur Kenntnis, dass immer mehr Leistungen reduziert, Ambulanzen ausgesetzt und „Lückendienste“ eingeteilt werden müssen …

Konkrete Details darf ich hier nicht ausplaudern, aber sie sind z.B. nachfolgender öffentlich zugänglicher Aussendung zu entnehmen:

„Wie können Patienten und Spitalsärzte bei überbordenden Ambulanzen, immer länger werdenden OP-Wartezeiten und nicht nachbesetzten Stellen gut bedient sein?“ http://www2.aekwien.at/1964.py?Page=1&id_news=8770 

Wer all die veröffentlichten Problemzonen als inexistent hinstellt, der sollte wenigstens den Mut haben, z.B. Notstandspital wegen Verleumdung zu klagen und nicht seinen Einfluss auf den (angeblich) öffentlich rechtlichen Rundfunk für Jubelberichte zu missbrauchen.

Was hilft es da schon, dass der dann auf Ö1 (Zur Ökonomisierung des Gesundheitswesens http://wp.me/p1kfuX-XP) die Sachlage viel objektiver darstellt.
Auch wenn Ö1 gehört gehört, weiß die Gesundheitsstadträtin genau, wie wenige es tun!

Marktanteil (TV leider nur für das gesamte Bundesgebiet bzw. Ö1 über 24h und nicht sendungsspezifisch erhebbar):
Bundesland heute 54%
Ö1 6%

http://mediaresearch.orf.at/c_fernsehen/console_aktuell/console.htm?y=1&z=3
http://mediaresearch.orf.at/radio.htm

Written by medicus58

20. Mai 2015 at 07:00

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