Sprechstunde

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Generika und die bösen Ärzte

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Dutzende Medikamente, vor ein paar Tagen sprach der Kurier von 50, heute der ORF von 80 und der Standard von 1% von 13.000 Produkten, sind aktuell nicht lieferbar. Stand heute geht es um 210 Präparate.

Auch Ihr Medicus zählt zu denen, die schon stundenlang herumtelefonierten, um ein akut benötigtes und wirklich lebensnotwendiges Präparat herbeizuschaffen. Die Gründe sind komplex und finden sich alle irgendwo zwischen Globalisierung und Gewinnmaximierung der Pharma Industrie und dem Parallelhandel des Großhandels, was man zumindest ersterer, sorry politisch Gleichgesinnter, börsennotierten Unternehmen nicht wirklich verbieten kann ohne unser Wirtschaftssystem prinzipiell in Frage zu stellen. Wozu ja kaum jemand bereit zu sein scheint …

Warum man über den Parallelhandel nicht spricht ist mir unverständlich…

Wie immer wenn es ein für die Politik brisantes Problem gibt, taucht Patientenanwalt Bachinger auf und findet eine Lösung, die zwar denen hilft, die ihn eingesetzt haben, aber weniger den (berechtigten oder unberechtigten) Interessen der Patienten.

Vergleiche:
Wessen Anwalt ist denn ein Patientenanwalt?
Spitalsranking: Freut Euch nicht zu früh

Jurist Bachinger weiß natürlich sofort, dass die Lösung in der ärztlichen Verschreibung von Substanznamen statt der Verschreibung bestimmter Präparate die Lösung wäre und erntet natürlich das Wohlwollen der Apothekerkammer, während Ärztekammerpräsident Szekeres im Interview nur die Rolle des Bremsers bleibt, wenn er darauf hinweist, dass es schon noch Sache des Arztes wäre, Medikamente für ihre Patienten auszuwählen. Was er nicht anspricht, kommt (siehe unten) dann nach einer Schrecksekunde als APA-OTS, war aber im Ö1 Morgenjournal weder aus seinem Munde zu hören (politische Korrektheit?) noch Thema für die Moderatorin.

Jetzt ist die Frage, in welchem Ausmaß Generika den Originalpräparationen gleichwertig sind eine endlos diskutierte Frage und wird hier nicht zu beantworten sein. Wie die meisten ist auch Ihr Medicus der Meinung, dass es für viele Präparate wirklich egal ist, aber der Gesetzgeber misst bei der erleichterten Zulassung von gleichen Wirkstoffen mit unterschiedlicher Galenik mit zweierlei Maß (Beispiel Schilddrüsenhormone). Auch soll nicht unterschätzt werden, dass vor allem betagte Patienten oft schon durch eine andere Packungsfarbe verwirrt werden.

Wie so oft im Gesundheitssystem geht es aber den Mitspielern um anderes: So wie Bachinger eher der Anwalt politischer Interessen ist als der der Patienten, kommt häufig das Gute nicht aus sondern in die Apotheke (Vergleiche: Das Gute kommt aus der Apotheke ….).

Die Liebe der Apotheker zur E-Medikation in ELGA ist nicht ausschließlich der Sorge um medikamentöse Interferenzen geschuldet sondern einerseits, so wie der Wunsch einer Wirkstoffverschreibung, der vereinfachten Lagerhaltung (wie viele Generika des selben Wirkstoffs soll man sich den aufs Lager legen?) sondern auch der Abwehr von DM, BIPA et al, die schon längst (wie übrigens auch international sehr häufig) rezeptpflichtige Präparate abgeben. Da habe ich übrigens noch keinen Apotheker erlebt, der so wie jetzt bei der Wirkstoff-Verschreibung (aut-idem) auf internationale Beispiele verweist.

Da hilft es nur wenig, wenn die ÖÄK dann eine OTS-Aussendung nachschießt und auf die finanziellen Interessen der Apotheker in dieser Frage verweist. Das liest dann eh niemand mehr …

Aut-idem: Hier geht es nur um finanzielle Vorteile für die Apotheken

Verstehen Sie mich richtig, persönlich besorge ich mir die meisten Medikamente in der Apotheke auch über den Wirkstoff und nehme das Präparat, das gerade im Lager liegt, aber ich mache auch begründete Ausnahmen.

Was mich hier viel mehr ärgert, ist das Missverhältnis wie mit der beruflichen Qualifikation einzelner Berufsgruppen umgeht:

Nach meiner Erfahrung ist es in vielen Apotheken gängige Praxis, dass verschreibungspflichtige Medikamente ohne akuten Notfall nur auf Basis der diagnostischen Fähigkeiten des Apothekers abgegeben werden (Der Kunde ist König und der Patient Kaiser) und das wirkliche Geschäft im zusätzlichen Verkauf anderer Produkte (Homöopathika, Vitamine, Kosmetika, ….) liegt.

Wird beim üblichen Husten-Schnupfen-Heiserkeit-Magenschmerzen, Schlafstörungs-Patienten eh egal sein, nur wird die Qualifikation zur Diagnosestellung im Pharmaziestudium nicht annähernd so ausführlich vermittelt, wie im Medizinstudium. (Meine Ärztegeneration hat auch eine Pharmakologieprüfung absolviert, nur kenne ich keinen Arzt der auf die Idee käme sich nun als Apotheker zu betätigen.) Für die Apotheker ist hier die Hemmschwelle deutlich niedriger.

Oder ganz trivial: Was würde die Behörde sagen, wenn Sie auf die Dienste eines Architekten oder Statikers beim Bau Ihres Eigenheims verzichten wollten, weil schließlich der Maurer schon seit Jahren Häuser baut und schon wissen wird, wie das geht …..

Sollen sich die Apotheker was ersparen, aber dann sollen sie das eingesparte Geld an das öffentliche Gesundheitssystem zurück geben …

Written by medicus58

13. August 2019 um 16:25

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