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Voll daneben: Lohnnebenkosten

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Der Neustart-Weltmeister unter Europas Regierungen, die unsere, hat in ihrem Arbeitsübereinkommen wieder einmal unter dem Jubel aller eine weitere Senkung der Lohnnebenkosten angekündigt:

Arbeitsübereinkommen 2017-18: http://archiv.bundeskanzleramt.at/DocView.axd?CobId=65201
Nach der schrittweisen Senkung der Lohnnebenkosten im Ausmaß von 1 Milliarde Euro werden die Lohnnebenkosten noch einmal gesenkt.

Dies scheint gut und richtig, wenn man sich vor Augen hält, dass z.B. für Metaller die WKO diese Nebenkosten für ausgelernte Kräfte (je nach Urlaubsanspruch) zwischen 84,7 % und 91,6% des Anwesenheitsentgeltes (!) ausmachen, für Lehrlinge (Lehrlingsentschädigung) sogar 127,2%.
Föderal und unübersichtlich ist das natürlich in jedem Bundesland immer etwas anders und die verschiedenen Rechner im Netz spucken etwas unterschiedliche Werte aus
http://www.bruttonetto-rechner.at/arbeitgeber-lohnkostenrechner/
https://www.siart.at/steuerinfo/berchnungstools/lohnnebenkostenrechner/

Klar ist jedenfalls, dass dem Arbeitgeber ein Arbeitnehmer nicht unwesentlich mehr kostet, als dieser selbst vor Steuern erhält und dass Arbeitnehmer weitgehend kommentarlos hinnehmen, wenn die Lohnnebenkosten gesenkt werden, denn sie fühlen sich dadurch nicht betroffen. Nur irren sie da gewaltig!

Lohnnebenkosten setzen sich überwiegend aus dem zusammen was das Soziale Netz des Sozial- und Wohlfahrtsstaates ausmacht:

Dienstgeberanteil zur Sozialversicherung:
Kranken-, Unfall-, Pensions- und Arbeitslosenversicherung

IESG-Zuschlag (Zuschlag zum Insolvenz-Entgeltsicherungsgesetz)
Wohnbauförderungsbeitrag 
Kommunalsteuer (in Wien z.B. sogar eine U-Bahnsteuer)
Mitarbeitervorsorgekasse
Dienstgeberbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds (dieser finanziert Familienbeihilfe, Kindergeld, Freifahrten, Schulbücher, Unterhaltsvorschüsse, Familienberatung, ….)
Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag (je nach Bundesland zwischen 0,36% und 0,44%)
Lohn während des Urlaubs, der Feiertage und der Krankenstände, Weihnachts- und Urlaubsgeld und Abfertigungen

Also alles Leistungen, die die Arbeitnehmer glauben „ihrer Regierung zu verdanken“ in Wirklichkeit zahlen sie es sich eigentlich selbst.
Ob es sich dabei eigentlich um einen Lohnverzicht handelt, denn den Arbeitgebern könnte es wohl egal sein, ob sie das Geld nun in einen der vielen Töpfe einzahlen oder ihren Mitarbeitern auszahlen,
oder ob man das als zusätzliche Besteuerung der Wirtschaft auffasst, wie es deren Vertretungen natürlich hinausposaunen,
Fakt ist, dass wir damit unseren Sozialstaat finanzieren.

Politiker, die also eine Senkung der Lohnnebenkosten beschließen oder gleichzeitig festlegen, woher das Geld dann kommen soll,
demontieren nicht nur Spitäler und Arztpraxen
sondern mindern auch die Mittel der Arbeitslosenversicherung,
des kommunalen Wohnbaus,
die Absicherung der unselbständig Erwerbstätiger gegen die plötzliche Insolvenz ihres Arbeitgebers,
des Kindergeldes und der Absicherung alleinerziehender Mütter gegen zahlungsunwillige Väter.

Eu-weit betragen die Lohnnebenkosten im Mittel 31%,  Österreich liegt im oberen Drittel, Deutschland etwa im Mittelfeld, der Anteils  wird aber in den meisten Ländern seit Jahren unter dem Argument der Wettbewerbsfähigkeit zur Freude der Arbeitgeber langsam reduziert.
Wenn schon die Mehrheit der Betroffenen nicht erkennen will, das ohne gesicherter Gegenfinanzierung ihr soziales Netz immer mehr durch hängt, sollten vielleicht die im Gesundheitssystem Tätigen erkennen, woher u.a. der immer größere Kostendruck an ihrem Arbeitsplatz kommt.

 

 

 

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Written by medicus58

4. Februar 2017 um 19:45

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