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KAV: wird der Wahnwitz niemals enden?

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Niemand bezweifelt, dass bisweilen ein Blick von außen erhellt, was den inzwischen betriebsblind gewordenen Mitarbeitern längst nicht mehr auffällt, aber das hier schon viel zu oft angesprochene Beraterunwesen im KAV sollte inzwischen auch den Steuerzahler interessieren.

Dreimal kommen da eine Handvoll FastHochschüler um den „Lagerbestand“ eines Abteilungskühlschranks zu kontrollieren, um dann zu frohlocken, dass sie den angeblichen Überbestand von Arzneien und Reagenzien erfolgreich innerhalb eines Jahres um 10% reduziert haben.

Was vielleicht bei der VW Generalvertretung Sinn machen kann, nicht Kapital in zu vielen Ersatzteilen zu binden, ist in einem Krankenhaus absurd, wenn ein vorausschaubarer Bedarf an diesen Produkten besteht und nachweislich über Jahre keine einzige Packung verworfen wurde, weil das Haltbarkeitsdatum überschritten wurde.

Wenn aber der Inhalt des besagten Kühlschranks über das gesamte Jahr nichtmal 10% der Gesamtkosten aller Verbrauchsmittel der Abteilung ausmacht und die gezogenen Stichproben eher die Schwankungsbreite der Lieferungen als die absichtlich Hortung reflektiert, dann wird das alles nur noch absurd. Die Einsatzkosten der externen Kontrolleure waren sicher ein Vielfaches vom kontrollierten Warenwert.

Über den Esoteriker haben sich die Medien gar nicht mehr einkriegen können, über diesen viel teureren Wahnsinn, der in Berichten des Stadtrechnungshofes gut nachzulesen wäre, herrscht offenbar billigende Duldung.

Links:

Wien: Den Sound vernahm ich wohl, allein mir fehlte der Glaube 

Von Beratern, großen Zahlen, der Klimakatastrophe und der einfachen Lösung 

Beraten – Verraten: Das wahre Problem hinter externen Beratern

Der KAV beschäftigt die falschen Berater

Reich wird, wer das Seine jedem verkauft: Die Gesundheitsberater

Sicherheitsberater: Widerstand zwecklos

Wien: Den Sound vernahm ich wohl, allein mir fehlte der Glaube

Gangbetten – Liebe Kunden wir eröffnen in Kürze Kassa 3

Written by medicus58

10. Mai 2019 at 18:46

Wien: Den Sound vernahm ich wohl, allein mir fehlte der Glaube

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Nur kurz rauschte es im Blätterwald, als ein Stadt-Rechnungshofbericht wieder mal kein Haar am Wiener Krankenanstaltenverbund ungekrümmt ließ:
Es ging um das mit externen Beratern realisierte SOUND-Projekt und die Krone titelte süffisant: „Kostendämpfung“ lässt in Wien Kosten explodieren
während der Standard aus dem Bericht zitierte: Skurril ist auch, dass selbst die Beratungsfirma im KAV ein Einsparungspotenzial bei Beratungsleistungen in Höhe von 3,85 Millionen Euro erkannt hat.

Nun Leser dieses Blogs wird das kaum überraschen, da wir uns schon mehrmals (z.B.: Beraten – Verraten: Das wahre Problem hinter externen Beratern) über den Berater-Unfug im öffentlichen Dienst Gedanken gemacht haben und bereits 2014 über das angebliche Kostendämpfungs- und Sparprogramm im KAV berichtet haben: KAV: Wir sparen – koste es was es wolle
über den „Hauptberater“ dieses Projekts Erbauliches finden können: Accenture im KAV: Wir zahlen doppelt für den Strick an dem sie uns aufhängen 

Auch wenn der (IMHO zu zahme RH-Bericht) moniert, dass in all die Kosten die zusätzlichen Personalkosten der KAV Mitarbeiter, die den Externen Beratern Daten aufbereiten mussten, nicht einberechnet wurden, ist der Neuigkeitswert überschaubar, weil das konnte man vor Jahren in den Aussendungen der Personalvertreter lesen; korrigiere, natürlich nicht in denen der SPÖ-nahen Mehrheitsfraktion, die sah da offenbar kein Problem und hielt im Gemeinderat solidarisch den Mund. Es dürfen Wetten angenommen werden, ob sie bei den kommenden Personalvertretungswahlen dafür abgestraft werden!

Aber auch dieser Bericht wird wie so viele „zur Kenntnis“ genommen werden, weil inzwischen natürlich alle Köpfe ausgetauscht sind und man zukünftig das alles besser machen wird.

Apropos Köpfe, wenn nächste Woche das Rätselraten ein Ende haben wird, ob nun eine akademisierte Krankenschwester (und Gemeinderätin für den 22.) Gesundheitsstadträtin wird und das Transdanubische KH Nord erben wird, pfeift sich kein Medium mehr, ob der KAV nun wie selbst behauptet 100 Mille eingespart oder mehr für die Berater ausgegeben hat, als die eingespielt haben.
Peanuts!

Ein Schelm der Böses dabei denkt, dass der Prüfauftrag an den Stadtrechnungshof ohnehin nur eine exemplarische Prüfung der über 100 Einzelprojekte umfasst hat, so dass man der KAV Führung die Rechtfertigung (ja aber in der Gesamtsicht war eh alles supi) quasi auf dem Tablett mitgereicht hat. Aber was mich viel mehr wundert, weil ich die Kompetenz und Gewissenhaft des Stadt-eigenen RHs kenne, weshalb wesentliche Punkte unbeachtet blieben:

Der Bericht moniert u.a., dass man durch eine Wechsel der Stromanbieter (weg von der Wien Energie) sparen hätte können, obwohl (mW bis heute) ein Erlass gilt, der Teilen und Unternehmungen der Stadt Wien verbietet andere Anbieter als die im Eigentum der Stadt Wien stehenden (Wien Energie, MA48, …) zu nutzen.
Andere Verträge mit externen Anbietern (Röntgen, …) aus dem Budget des KAV und somit der Stadt blieben unerwähnt, wobei selbst jetzt in den Diskussionen um die „Anstaltswerdung“ des KAV („Wien Kliniken“) nicht klar ist, in welchem Ausmaß solche Verträge rechtens sein würden (!).

Nach meinen eigenen Erfahrungen  war aber in all den von externen Beratern durchgeführten Projekten (IMPULS, SOUND, …) der wesentliche Fehler, dass externe Firmen den Mitarbeitern diktieren konnten was sie wollten, weil es keine begleitende Kontrolle durch einen Vertreter der (General-)direktion gab, der einschreiten hätte können, wenn die Firma etwas als Auftragsbestandteil behauptet, was möglicherweise mehr im Sinne der externen Firma als des KAV war.
Da Kritik stets als fehlende Identifikation mit dem Unternehmen geahndet wurde, nahm es auch nicht wunder, dass sie seitens der Mitarbeiter oft unterblieb. Wo sie geäußert wurde (wenn z.B. Einsparungssummen auf Basis von unrabattierten Listenpreisen berechnet wurden, die vor SOUND ohnehin nie gezahlt wurden aber nun als provisionsrelevantes Resultat der Berater gesehen werden) versickerten entsprechende Mails im Rundordner.
Und letztlich fehlt die Selbstkritik, weshalb sich trotzdem immer wieder genügend Mitarbeiter fanden, die für ein bisschen Hoffnung für die eigene Position (Abteilung) bereitwillig in die Kamera lächelten KAV: Wenn das alles ist.

Vielleicht sollte der Stadt-Rechnungshof auch einmal den Einfluss des seit mindestens einem Jahrzehnt systematisch ruinierten Betriebsklimas auf all die Skandale prüfen, auch wenn es schwierig wird das in Zahlen zu gießen, IMHO sprechen wir hier von vielen Millionen!

Written by medicus58

10. Mai 2018 at 12:35

Accenture im KAV: Wir zahlen doppelt für den Strick an dem sie uns aufhängen

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AccentureNYSE

In Paraphrasierung von Lenins Sager „Kapitalisten werden uns noch den Strick verkaufen, mit dem wir sie aufknüpfen
könnte man im Falle der Stadt Wien wohl sagen, dass die öffentliche Hand den Leute, die sie in die Bredouille gebracht hat,
noch das Geld nach wirft, das sie nicht durch das segensreichen Wirken dieser Typen nicht mehr hat.

Sicher nicht ganz zufällig begannen mit dem segensreichen Wirken GenDirStv Janßen (http://wp.me/p1kfuX-Kd) im Frühjahr 2013 auch die Berater und Outsourcing Experten der Firma Accenture ihren Auftrag über die Sachkostenoptimierung im Rahmen der Umsetzung des Wiener Spitalskonzepts 2030 im Wiener Krankenanstaltenverbund.

Es soll nun gar nicht die Expertise dieser umsatzstärksten Consulting-Firma der Welt hinterfragt werden, $30,39 Milliarden und 275,000 Mitarbeiter in 56 Ländern sprechen eine so deutlich Sprache, dass Accenture gerade auch in den USA beauftragt wurden, das missglückte Health Portal Obamas in Schwung zu bekommen. (http://online.wsj.com/news/articles/SB10001424052702303819704579316944287311118).

Was mir so stinkt, ist die Historie der aus Arthur Anderson hervorgegangen Firma. Arthur Anderson, sie wissen, Enron Skandal und so …

Am 1. Jänner benannte sich  Andersen Consulting in „Accenture“ (Accent on the future) und ging im Juli 2001 in NY an die Börse, während das Headquarter steuerschonend auf die Bermudas verlegt wurde. Dies wurde im Oktober 2002 sowohl vom General Accounting Office des US Kongresses aber auch vom CNN Journalist Lou Dobbs heftigst kritisiert. 2009 wanderte man dann nach Irland aus, das aber ebenfalls dafür bekannt ist, sich mit einem minimalen Anteil an Unternehmensgewinnen zufrieden zu geben. Operativ belässt man aber seinen Schwerpunkt weiterhin in den USA, in New York City und Chicago.

Und hier schließt sich der Kreis. es ist ein offenes Geheimnis, dass die öffentliche Hand (neben Krisenfinanzierung, Bankenrettung, etc …) auch deshalb so illiquid ist, weil Steuerbeiträge fast ausschließlich noch über Einkommens- und Verbrauchssteuern hereinkommen. Multinational tätige Firmen haben schon längst Mittel und Wege gefunden ihre Gewinne dorthin zu verschieben, wo sie steuerlich kaum mehr zum Gemeinwohl beitragen müssen. Die Deutsche Bank schaffte es selbst zu Zeiten maximaler Boni in Deutschland keinen Cent Steuern abliefern zu müssen (http://www.amazon.de/Asoziale-Marktwirtschaft-Wirtschaft-enth%C3%BCllen-auspl%C3%BCndern/dp/346203412X).

D.h. die öffentliche Hand, im Falle des Wiener Krankenanstaltenverbundes in Form von Stadträtin Wehsely, bedient sich einer dieser Firmen, deren Steuerspielchen auch dafür verantwortlich sind, dass die Budgets ausgetrocknet sind …

Für die Beraterclique ist das auch aus anderen Gründen ein höchst zukunftsträchtiges Geschäft: Sie bekommt sogar Geld dafür, dass sie tiefe Einblicke in die Geschäftsgebarungen eines der größten öffentlichen Krankenanstaltenverbund Europas bekommt.
Diese Informationen lassen sich dann gewinnbringend dem nächsten Kunden verkaufen.
Eine echte Win-Win-Situation, wie es im Beratersprech so heißt …

Eigentlich zahlen wir für den Strick doppelt an dem sie uns aufhängen!

Image: Wikipedia GFDL

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