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über alles was uns krank macht

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Haben wir das Ziel aus den Augen verloren, verdoppeln wir die Anstrengungen

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Ist ja logisch, trotz hartem Lockdown bleiben die Neuinfektionszahlen hoch, die Statistik Austria verkündet eine Übersterblichkeit gegenüber dem Mittel der letzten 5 Jahre, die britischen Schilehrer-Schüler brachten B 1.1.7. ins schein-heilige Land Tirol, dss Ende der Welt wie wir sie kannten steht bevor, da muss es Verschärfungen geben.

Ein Patient leidet an einer Hypothyreose (zu wenig Schilddrüsen – Hormon) und bekommt eine entsprechende medikamentöse Ersatztherapie. Über mehrere Visiten wird die Tablettendosis immer wieder gesteigert, trotzdem bleiben die Blutwerte zu niedrig. Man verdoppelt die Dosis, obwohl bereits die letzte Dosis das Mehrfache des täglichen Bedarfs abgedeckt hätte. Fällt nur im Trubel der Schilddrüsen-Ambulanz niemand auf. Eigentlich gäbe es nur zwei Erklärungen: Der Patient schluckt die vorgeschriebenen Pulverl einfach nicht richtig (>90 Prozent aller Fälle) oder er resorbiert sie nicht richtig. Im letzten Fall wäre nicht die Dosissteigerung sondern die Abklärung der Resorptionsstörung sinnvoll. Das Beispiel können Sie auch gern für andere Therapiesituationen durchspielen. In der Arbeit mit Asthmatikern habe ich mir immer die Anwendung der Dosieraerosole (Pumperln) vorführen lassen, wenn sie wirkungslos blieben. Ein Patient hat sie dabei de facto als Raumspray benutzt und sich gewundert warum die Lunge noch immer pfeift.

Zurück zur politischen Pandemiebekämpfung:

Funktioniert die Ausgangssperre nicht, verordnen wir Eingangstests.

Kommen wir nach monatelangem Streit drauf, dass dem Virus auch Kinderkehlen schmeckt, verbarrikadieren wir den langjährigen Pisa-Versagern den Präsenzunterricht auf ewig aber führen die Schulen als Hort weiter, damit die letzten noch nicht arbeitslos gewordenen Eltern erwerbstätig bleiben können.

Glaubt man aktuellen Schätzungen sind im Handel 100.000 Menschen gefährdet sich zu den anderen fast 500.000 Arbeitslosen zu gesellen, u. a. weil der Einzelhandel (ich rede nicht von der SCS) seit Wochen geschlossen ist.

Still ist es seit dem Sommer geworden, um die gesundheitlichen Kollateralschäden geworden, die Herz-Kreislauf-, Diabetes- und Krebskranke erleiden, weil keine extramurale zusätzliche Betreuung von nicht intensivpflichtigen Covid-19 Patienten aufgebaut wurde und deshalb jeder weitere Anstieg die seit Jahren am Limit fahrenden Spitäler rettungslos verstopft.

Eine Erreger mit dem noch kein Mensch zuvor konfrontiert wurde erhöht den Bedarf an medizinischer Versorgung, aber daran kann keiner verdienen bzw. mitschneiden.

An immer mehr Masken, Tests, und EDV verdienen einige hervorragend. Deshalb wird in der politischen Pandemiebekämpfung hier der Aufwand exponentiell gesteigert, kollateral-koste es was es wolle.

Immer mehr fordert der Herr Foitik, FFP 2,3,4,5,6 Masken, Nasen-, Rachen- und Analabstriche für 250% Abdeckung für zuhause. Natürlich über das RK beschafft. Und dann fehlen die Nadeln für die Impfungen, nicht nur in Salzburg sondern auch in Wien.

Vielleicht müssten wir die Anstrengungen gar nicht verdoppeln, wenn wir die einfachen Regeln flächendeckend durchsetzen könnten. Vielleicht könnten wir uns Schulkontakte leisten, wenn wir sie in vollgestopften Gondeln und illegal geöffneten Beherbergungsbetrieben einsparen würden.

Vielleicht könnten wir Impfnadeln besorgen, wenn man nicht Millionen für das Kaufhaus Österreich verpulvern würden.

Vielleicht könnten wir uns auch auf das Ziel einigen, das medizinische, soziale, intellektuelle und ökonomische Überleben von Covid-19 und Nicht Covid-19 Kranken UND Gesunden zu optimieren.

Written by medicus58

14. Januar 2021 at 19:13

Jedes Kind hat Talent: Gut gemeint kann auch ziemlich gemein sein

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#Talent

Obenstehendes Bild kam via Twitter von @AlevKorun, Nationalratsabgeordnete der Grünen und verbreitet einen scheinbar zutiefst humanistischen Grundsatz:

Jedes Kind hat Talent & will lernen & persönlich wachsen. Kein Kind zurücklassen!

Jetzt ist die Förderung des Nachwuchs keineswegs eine Erfindung der alternativen Linken:
Schon der keineswegs linksstehende Winston Churchill stellte fest, dass es keine bessere Investition gibt als die Milch die eine Gesellschaft in ihre Kinder gießt.
Und mir liegt es selbstverständlich fern, gegen die Förderung unseres Nachwuchs zu argumentieren, mich stört nur die eigenartige moralische Position, die hier eingenommen wird.
Statt das zu verlangen, wovon man überzeugt ist, verschanzt man sich hinter einem Postulat, das durch das erste Gegenbeispiel (und jeder kennt ein solches), falsifiziert werden kann,
und gefährdet dadurch eine an sich richtige Forderung.

Während die Aufklärer so viel Selbstbewusstsein aufbrachten, Lernen und Wissen als einen Wert an sich zu definieren und konsequent forderten, dass allen Menschen ein Zugang zu Wissen und Bildung zu ermöglichen ist,
wird hier – ganz materialistisch –  die Berechtigung zur Förderung durch das Vorhandensein eines Talents begründet. Mit anderen Worten getraut man sich nicht, es als seine persönliche Überzeugung darzustellen, dass eine Gesellschaft ihren Nachwuchs zu fördern hat, sondern generiert sich scheinbar nur zum Sprachrohr des Talents (übrigens im Wortstamm die Bezeichnung einer Menge an Silbermünzen !!) , das sich seine Förderung verdient hat. Um die Kurve am Elitarismus vorbei zu kriegen, schiebt man die Behauptung voran, dass ohnehin jedes Kind Talent hätte, so dass ja eh alles, jede, jeder & jedes „mitzunehmen“ ist.

Gesellschaftspolitik im 21. Jahrhundert tut nur mehr, als wäre nichts mehr Überzeugung (Ideologie) sondern alles nur mehr alternativlose Logik.

Damit steht sie aber auf ziemlich wackeligen Füssen, denn es negiert die Unterschiedlichkeit von Menschen.
Klar, eine unmotivierter Lehrerin, ein mieser Kindergärtner demontiert den Lernwillen jedes Kindes und gute Kräfte holen auch noch viele Außenseiter und Minderbegabte ins Boot, nur vermutlich nicht alle.
Die postulierte Gleichheit führt konsequenterweise zu Absurdität (Achtung jetzt wird’s zynisch), dass letztendlich Rollstuhlfahrer verpflichtend an der Neigungsgruppe Hürdenlauf teilzunehmen haben und wir alle im Theater Hamlets Monologe nur mehr in Gebärdensprache sehen werden.
Selbstverständlich ist es unerwünscht, Kinder mit besonderen Bedürfnissen in „Hilfsschulen“ abzuschieben, jedoch bin ich davon überzeugt, dass es Grenzfälle gibt, in denen ein gemeinsamer Unterricht aller zu Benachteiligung aller wird, also ziemlich gemein wird.
Selbstverständlich ist es wünschenswert, dass allen Kindern alle Möglichkeiten eröffnet werden, um das Beste aus Ihren Wünschen und Anlagen zu machen, jedoch verweigere ich mich der Verpflichtung jeden radegebrochenen Text als Literatur, jedes quälende Geklimper als musikalische Talentprobe und jedes bekritzelte Stück Lehm als Lehrstück künftiger Michelangelos zu akzeptieren.

Jeder Mensch hat als Mensch geachtet, gefördert, -schlicht ermöglicht zu werden, wenn er will, eben weil er Mensch ist.
Wer hierzu eine weitere Begründung benötigt, sollte seinen geistigen Standpunkt hinterfragen.
Jeder Mensch hat alle Chancen verdient- auch wenn er – wie die meisten von uns – talentlos ist, weil er Teil der menschlichen Gesellschaft ist. Jede andere Position wäre ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Wir haben unsere Politiker ja auch gewählt, auch wenn sie uns immer wieder ihre Talentlosigkeit und ihr Unverständnis der europäischen Geistesgeschichte beweisen.
Wenn Sie aber keinen Mumm mehr haben, einfach zu sagen, was sie durchsetzen wollen sondern sich nur hinter gut klingenden, selbstimmunisierenden Bildern verstecken, drängt sich die Frage auf, ob man nicht zumindest derartige Geisteskinder zurücklassen sollte.

 

Written by medicus58

23. Dezember 2014 at 16:44

Es geht nicht darum wie wir uns Einsparungen in der Bildung sparen

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My beautiful picture

In der aktuellen Diskussion, wie das Unterrichtsministerium die offenbar fehlenden Millionen (heuer 75 Mill, nächstes Jahr 60 Mill)doch einsparen kann, häufen sich die Ratschläge.
Glaubte Heinisch-Hosek anfänglich noch mit dem guten alten neoliberalen Ruf nach mehr Kreativität der Betroffenendurchkommen zu können – schließlich klappte es doch schon seit drei Jahrzehnten, dem Steuerzahler der Rückbau des Sozialstaates schmackhaft zu machen – packen Leitl (WKÖ) und Moser (RH) die ebenso schon etwas abgelutschte Forderung nach Verwaltungsreformen aus. Während letzteres ja vielleicht wirklich Sinn machen würde, so nach dem Motto, wer den Lehrer anstellt, der möge ihn auch bezahlen, wird daraus kaum was werden, denn dann könnte man ja auch auf die Idee kommen, dass die

Krankenversicherungen für die Spitalsleistungen an ihren Versicherten zu 100% aufkommen sollen

die Verursacher von Umweltschäden diese auch begleichen müssen,

das Kerosin der Flugzeuge einer Mineralölsteuer zu unterwerfen wäre, 

die Shopping-Städte am Stadtrand auch die Infrastrukturkosten zahlen müssen, die sie selbst verursachen, …

Kurz das Verursacherprinzip auch für die Kommunen eingeführt werden könnte, wenn schon der einzelne Bürger sang- und klanglos seine Pension nur mehr vom eigenen Konto und abzüglich des Spekulationsgeschicks der Pensionsversicherungen ausgezahlt bekommt.

Also sehr unwahrscheinlich, dass das alles so passieren wird, aber in Zusammenhang mit den ebenfalls erforderlichen Einsparungen bei der Presseförderung verwies Prof. Josef Trappel, Leiter des FB Kommunikationswissenschaft, dem Leiter der Abteilung Medienpolitik und Medienökonomie an der Universität Salzburg darauf, dass
die öffentliche Hand 2013 203 Millionen Euro für Inserate ausgegeben hat.

Das heißt in unserem Zusammenhang, dass sich die Politik eigentlich nur entscheiden müsste auf die Jubelinserate zu verzichten, in denen sie uns – vorzugsweise von Wahlen – das mitzuteilen, was sie uns ohnehin – ohne Kosten für den Steuerzahler – aus allen Kanälen des Staatsrundfunks und in zahllosen Interviews mitzuteilen die Gelegenheit haben und kein Lehrer und keine Schulstunde muss eingespart – aber auch nicht sehr wahrscheinlich!

Statt dass man einfach auf die verdeckte Zeitungsbestechung, äh Inseratenverteilung, verzichtet, oder was der neueste Wahnwitzist, die Schulen gänzlich in den Einfluss der Spezialisten für die Regionalität statt Universitalität, eben die SPÖVP Landeshauptleute, zu geben, werden wir halt irgendwas dazwischen erleben – vielleicht auch PISA Tests erst in 10 Jahren wieder veranstalten, damit niemand auffällt, was aus der angeblichen Kulturnation Österreich geworden ist.

Links:
http://www.falter.at/falter/2014/04/15/wie-man-die-pressefoerderung-verzehnfachen-kann/

Als gäb’s kein Morgen und wär das Gestern nie passiert: Inserate eines Wr. Wohnbaustadtrats http://wp.me/p1kfuX-lC

Inserate: Unter Rot Grün wird alles anders? http://wp.me/p1kfuX-DG

Stoppt die Impertinenz: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=44479

Teflon Faymann:  http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=49948

Wo das Kanzleramt 2011 inserierte 
http://derstandard.at/1331780203138/Regierungswerbung-Krone-vor-Oesterreich-und-Heute-Wo-das-Kanzleramt-2011-inserierte

PS: Das Bild zeigt eine Schule weit hinten in Sikkim, Indien

Written by medicus58

22. April 2014 at 18:22

Inflationierung der Wissenschaft: Vom Plagiat über die Meduni OÖ zu gesellschaftlichen Seilschaften

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dissertationen

Über all die politisch relevanten Dissertations-Plagiate der Guttenbergs, Chatzimarkakis, Schavans und den Nicht-ausreichenden- Plagiator Gio Hahn wurde schon genug geschrieben.
Das Plagiatoren-Ranking Schummelte Schavan so wie Guttenberg? Welcher Plagiatsjäger zerstörte welche Karriere? Und wer wurde zu Unrecht beschuldigt? Diese Übersicht klärte schon im Oktober 2012 auf. http://www.zeit.de/studium/2012-10/Plagiatoren-Ranking-Schavan

Ob die Genannten so viel ihrer Lebenszeit in unsere politische Zukunft investiert haben, dass sie für die Weiterentwicklung der Wissenschaft die Zeitökonomie übertreiben mussten, kann ich nicht sagen. *end of irony*

Erinnern möchte ich an einen Gedanken, den ich schon vor einem Jahr hier entwickelte: Von Guttenberg zu Gio Hahn – Plagiate: Wer ist hier der Täter?http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=35010
Kernthese war hier die Inflationierung der Wissenschaft: Ist es überhaupt möglich all die geforderten wissenschaftlichen Arbeiten (von der geforderten Akademisierung der Kindergärtnerinnen über die vorwissenschaftlichen Maturaarbeit, bis zu Dissertation und Habilitation) in der erforderlichen Qualität zu erliefern?
Wenn da manche (Professoren) Dutzende Hausarbeiten, Dissertationen und Habilitationen gleichzeitig betreuen, dann kann einem schon mal was durch die Lappen gehen, jedoch stellt das auch dieses System an den Pranger. Kann man für die Honorare, die für eine bereute Disseration gezahlt werden eigentlich verlangen, dass das sorgfältig geprüft wird? Ist der Druck zur Akademisierung nicht so groß, dass da niemand so genau nachschauen möchte, wie deren Produktion in der Praxis abläuft?

Dass wissenschaftliches Arbeiten, jedenfalls in den Naturwissenschaften inzwischen auch enorme Geldmittel verschlingt, die der Einzelne ohnehin nicht aufstellen kann, sei hier nur kurz angerissen.

In die gleiche Kerbe schlägt die offensichtlich nun (rechtzeitig vor den Landtagswahlen) gefällte Entscheidung unseres Bundeskanzlers, dass auch Linz eine Medizinuni benötigt.
Auch darüber haben wir uns hier schon vor Monaten Gedanken gemacht, als das alles noch Theorie schien:
Inflation der Medizinerunis: Neue Spielwiese der Provinzpolitiker?
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=70488

Auf der einen Seite zahlt man den Trägern der akademischen Einrichtungen immer weniger: Was ist uns ein Universitätsprofessor wert? (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53526)

auf der anderen Seite will sich jeder gerne mit einem Titel schmücken …

Letztlich läuft all dies  – m.E. mit voller gesellschaftspolitischer Absicht – auf eine Inflationierung des akademischen Lebens hinaus, die den Menschen, die weder im Gotha (http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogisches_Handbuch_des_Adelsstehen noch Teil politischer, ökonomischer oder krimineller Seilschaften sind die einzige gesellschaftliche Aufstiegshilfe.
Wer trotz akademischer Würden unter dem Generalverdacht steht, dass „das ohnehin nichts heißt“, dem bleiben für den Aufstieg auf der sozialen Leiter nur mehr politische und außerpolitische Seilschaften.
Wohin das führt zeigt schon ein kurzer Blick auf die heute einflußreichen Eliten unserer Gesellschaft.

Links: Plagiatsgutachten, wenn Sie ein Problem haben http://plagiatsgutachten.de/person.html

Kinderuni 2012

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Mehrere Universitätsvertreter im Pelzkragen- mich wunderte bei dem vielen Hermelin, dass es keine Tierschützerproteste gab
… na ja, es war ja in der Uni und nicht vor dem Kleiderbauer

Mehrere Universitäten in Wien veranstalteten seit 2003 in den Ferien für 7 – 12 Jährige die sogenannte Kinderuniversität. Heute war eine der abschliessenden Sponsionsfeiern, bei der die Teilnehmer u.a. zu geloben hatten, niemals das Fragen aufzugeben. http://www.kinderuni.at/kinderuniwien/kinderuniwien-kurz-erklaert/

Ich gelobe, immer Fragen zu stellen … als Universitätsangehöriger kann das aber auch ins Auge gehen … 😉

Etwa 500 Universitätsangehörige sind mit großen Eifer dabei, eigene Erfahrungen sprechen eher dafür, dass vielen Kindern die Abschlußfeier als großes Theater besser als die Vorlesung gefallen hat, … egal.

Wie die Bilder zeigen, war das Publikum erfreulich bunt, ein türkischer Kameraman hat das auch festgehalten, waren schliesslich auch einige Vorlesungen in türkischer Sprache …


Ehrwürdig und bunt: Meine eigenen Erfahrungen mit dem universitären Leben waren nicht unähnlich:
Drohende Historie im Hintergrund einge ernste Minen davor und der Rest ein Kindergarten

Ich habe mich nur bei einigen ketzerischen Fragen ertappt:
Die meisten Kinder, die hier an die staatliche Universität herangeführt werden, werden später (wenn es sich ihre Eltern leisten können oder wollen) auf dann sehr teuren FHs (FastHochschulen) oder Privatuniversitäten angewiesen sein, weil die staatlichen Universitäten endgültig ausgehungert wurden.
Während man den Kindern nach einer Lehrveranstaltung ein schön gestaltetes „Sponsionsformular“ in die Hände drückt, bekommt man nach der Doktorrolle, fürdie man schon selbst bezahlen musste, die Verständigung über die Lehrbefugnis auf einem Fetzen Kopierpapier.

Schon eigenartig, dass Institutionen für ihre Mitglieder weniger Aufwand treiben, als für PR Veranstaltungen.

Trotzdem, eine nette Vormittagsstunde …

Written by medicus58

21. Juli 2012 at 20:18

Wer macht da den Köck zum Gärtner?

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Medial bis jetzt völlig unbemerkt, verriet die Stadt Wien, dass sie Ihrem Krankenanstaltenverbund einen Aufsichtsrat („Aufsichtsgremium“) vorzustellen beabsichtigt:
http://www.wien.gv.at/gesundheit/spital/kav-gremium.html
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20120309_OTS0067/neues-aufsichtsgremium-naechster-schritt-des-wiener-spitalskonzepts-2030

Verkauft wird das als Teil des Wiener Spitalskonzepts 2030, wobei bei dessen Präsentatio von diesem Gremium noch nicht die Rede war: http://www.wien.gv.at/gesundheit-soziales/spitalskonzept.html

Das Team umfasst lt Presseaussendung:

Dr. Richard Bock (Vorsitz, Chairman und Senior Partner von Ernst & Young Österreich und Mitglied der internationalen Konzernspitze. Seit 2004 selbstständiger Wirtschaftsprüfer und Aufsichtstätigkeiten, unter anderem als Vorsitz des Wirtschaftsrates der Statistik Austria und den Bundestheatern).
… viel beschäftigt, der Mann

DDr.in Regina Prehofer (Stv.-Vorsitzende, Vizerektorin der WU, Kontrollbank, Creditanstalt, BAWAG)

Univ. Prof. DDr. Christian Köck (Alleinvorstand der Health Care Company).

Mag.a Alice Kundtner (AK Wien)

Univ. Prof.in Dr.in Renate Meyer (Instituts für Public Management an der WU)

Dr.in Christine Scholten (Fachärztin für innere Medizin und Kardiologie)

Charlotte Staudinger (diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester i. R., akademisch geprüfte Krankenhausmanagerin, leitende Funktionen im KAV)
… noch viel beschäftigteres KAV Urgestein

DI Prof. Kurt Völkl (Generaldirektor der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau, Universitätsprofessor für angewandte Unternehmensführung und -Steuerung in der öffentlichen Verwaltung).

Der erste Name, der hier ins Auge springt, ist der von Christian Köck:

Ein „bunter Hund“ mit KAV Vergangenheit und in den letzten Jahren medial in erster Linie als „Gesundheitsökonom“ und „Gesundheitsinvestor“ in Erscheinung getreten.
http://www.wirtschaftsblatt.at/home/oesterreich/unternehmen/steiermark/330753/index.do

Seine Health Care Company (HCC) hat in Bad Gleichenberg für 62 Mill € das Kurzentrum modernisiert.

Zielgruppe von Gleichenberg seien „Privatgäste über 35, die im Beruf starkem Stress ausgesetzt sind und die sich bei uns in ein paar Tagen von Kopf bis Fuß durchchecken lassen wollen – in einem Fünf-Stern-Ambiente.“

Der Mann hat die Zielgruppe des Wienerkrankenanstaltenverbundes im Auge !

In den nächsten acht bis zehn Jahren will Köck drei bis fünf weitere derartige Resorts, in denen sich vor allem Manager und Unternehmer im Fünf-Stern-Ambiente medizinisch durchchecken lassen können, errichten.
„Wir verhandeln derzeit mit der Sozialversicherung der Bauern, die ihre Therapiezentren in Bad Gastein, Bad Schallerbach, Bad Hall und Baden privatisieren will und hoffen, dass wir einige der Zentren bekommen“, sagt Köck.

Bemerkenswert ist, dass man sich hier massiv auch in die Diagnostik einbringt: Wir können in unserem Life Medicine Resort Bad Gleichenberg fast jede Untersuchung durchführen, nur Kernspin-Tomographen haben wir keinen“, schwärmt Köck.
„Das klassische Krankenhaus wird in diesem Segment zunehmend an Bedeutung verlieren“, ist der Gesundheitsökonom überzeugt.

Köcks HCC hat im Vorjahr mit rund 170 Mitarbeitern rund 20 Millionen € umgesetzt. Die Hälfte davon wurde durch die Holding mit Beratung und Management von Gesundheitseinrichtungen generiert..

also offenbar ist beraten mindestens ebenso lukrativ wie arbeiten

Frau Gesundheitsstadträtin Wehsely, die ja behauptet:
Die Stadt Wien geht bewusst nicht den Weg der Privatisierung städtischer Krankenanstalten.
http://www.wien.gv.at/gesundheit-soziales/spitalskonzept.html
Hat sich da ja den richtigen Mann ausgesucht.

Das Spielgeld für seine Investitionen in die lukrativeren Seiten des Gesundheitssystems, hat Köck von seinen Partnern Haselsteiner (STRABG), für dessen Liberales Forum er auch schon kurzfristig als Sprecher agiert hat und Raiffeisen Nö/Wien.

Die Health Care Company, kurz HCC, mit Sitz in Wien wurde 2001 gegründet und verfolgt das Ziel zu einem führenden privaten Betreiber von Gesundheitseinrichtungen in Österreich sowie Mittel- und Osteuropa zu werden.
http://www.healthcarecompany.at/DE/unternehmen/Unternehmen.aspx

In Martin Rümmeles lesenswerten Buch Kranke Geschäfte mit unserer Gesundheit (http://www.amazon.de/Kranke-Gesch%C3%A4fte-unserer-Gesundheit-Gesundheitsreformen/dp/3853263704/) wurde schon 2005 gezeigt, wie lange schon Haselsteiner konsequent Mitsteiter anwirbt, um auf den Gesundheitsmarkt Fuss zu fassen.
http://www.wirtschaftsblatt.at/archiv/unternehmen/kein-spitalsbett-fuer-haselsteiner-118917/index.do
http://www.krankegeschaefte.at/media/News_Okt06.pdf
Köck und Haselsteiner kaufen Spital in Ungarn
http://www.boerse-express.com/pages/432583

Wie wahr ist doch das wording aus 2007 auf:
http://oe1.orf.at/104275.html

Anders als beispielsweise in Deutschland ist in Österreich die Privatisierung von Krankenhäusern bzw. Private-Partnership-Projekten, also mit Unternehmen als Partnern eher unspektakulär verlaufen. Tatsache jedoch ist, dass sich immer mehr international agierende, zum Teil börsenotierte Unternehmen an Spitals-Privatisierungen beteiligen. In Österreich sind das Unternehmen wie etwa:

■die VAMED ist in den Wirren des AKH-Baus entstanden, infolge unklarer Vergabeabläufe wurde diese beauftragt, das AKH fertig zu bauen, macht heute die technische Betriebsführung, gehört mehrheitlich dem deutschen Medizintechnikkonzern Fresenius.
■die Humanomed-Gruppe, sie wurde 1991 gegründet und gehört mehrheitlich den privaten Krankenversicherungen Uniqa, Merkur und Wiener Städtische. Humanomed führt als Management-Holding u.a. die Privatkliniken Josefstadt, Confraternität und Döbling in Wien sowie Graz Ragnitz in der Steiermark. Die Humanomed hat auch die Führung des Krankenhauses Klosterneuburg (gemeinsam mit HCC) übernommen. Durch Leistungsausweitung und einen verbesserten Ressourceneinsatz soll das Spital zu einem Vorzeigemodell für andere Krankenhäuser werden. Weitere Pläne zur Effizienzsteigerung: Kooperation mit anderen Kliniken, neue Bereiche als Tageskliniken einbinden und einzelne Sektoren neu strukturieren.
HCC Krankenanstalten AG (Health Care Company), 2001 gegründet, Eigentümer sind u.a. die Köck-Privatstiftung, Melina-Privatstiftung, die Haselsteiner Familien-Privatstiftung (Strabag), Privatspitalsbetreiber Hermann Samonigg und die Raiffeisen Holding NÖ-Wien. HCC hat u.a. seit 2004 einen Managementvertrag mit der steirischen Kages (Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft) oder seit Juli 2006 mit dem Krankenhaus Klosterneuburg (gemeinsam mit Humanomed). 

Historischer Einblick
Mit 7. Juni 2001 erfolgte die erste Privatisierung eines öffentlichen Krankenhauses in Kitzbühel. Der private deutsche Krankenhauskonzern Helios Kliniken übernahm um 242.000 Euro von der Gemeinde Kitzbühl 74 Prozent des maroden Spitals, das um 1,9 Millionen ausgebaut wurde.

Immer öfter verhandeln finanzschwache Gemeinden mit privaten Klinikbetreibern über den Verkauf ihrer Spitäler, wie etwa Hohenems, Bludenz oder Baden bei Wien. Durchwegs wurden die Kliniken letztlich doch an die jeweiligen Landeskrankenhausgesellschaften verkauft. Ein Beispiel für private Unterstützung lieferte die Stadt Zwettl: Sie finanzierte den Spitalsumbau, indem sie ihr Krankenhaus an eine Tochterfirma – die Hypo Landesbank – verkaufte und zurückmietete. Der Erlös von sechs Millionen Euro wird bei der Hypo veranlagt und soll die Miete für 25 Jahre decken. Danach kauft die Stadt, sofern Geld vorhanden ist, das Krankenhaus zurück.

Erste Modelle in Österreich

Kitzbühel (T): Ende 2001 verkaufte die Gemeinde ihr Spital zu 74 Prozent an die private deutsche Klinikkette Helios.
Neunkirchen (NÖ): Spitalsdienstleister Vamed managt das neue Stadtspital. An der Betriebsgesellschaft ist die Vamed zu 49 Prozent beteiligt.
Schladming (Stmk): Vamed, Land und evangelische Diakonie finanzierenund betreiben das neue Spital.
Rosenhügel (W): Vamed managt nach dem Modell Neunkirchen das Rehab-Zentrum der SVA der gewerblichen Wirtschaft.

Aber wie würde das auf Radio Eriwan lauten:
Bekennt sich die Stadt Wien zum öffentlichen Gesundheitswesen?

Im Prinzip ja …. hahahahahaha….

Und wenn alle Spitäler privatisiert sind, dann gehts weiter mit den Schulen
http://www.koeck-stiftung.at/

Nachdem seit über einem Jahrzehnt die Pensionssysteme für den privaten Finanzmarkt geöffnet wurden und somit Milliarden zum Verzocken auf windige Finanzprodukte zur Verfügung standen, müssen jetzt auch die letzten Bereiche (Gesundheit, Bildung) der öffentlichen Hand entwunden werden, um damit Geschäfte machen zu können ….

Nicht im operativen Betrieb wohlgemerkt, sondern durch die nächste Runde der Finanzspekulation. Auch die „Subprime“ und Griechenlandanleihen waren nix wert und konnten trotzem mit Gewinn der Zwischenhändler an Pensionsfonds verkauft werden.

Gewinnentnahme jetzt, … der Nächste, bitte.

Was ist uns ein Universitätsprofessor wert?

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Als jemand, der seit über 28 Jahren (auch) Universitätslehrer ist, fand ich die aktuelle Meldung im Online Spiegel bemerkenswert:

Die Professorenbesoldung in Deutschland ist in Teilen verfassungswidrig. Das hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entschieden.

Konkret ging es um das Einstiegsgehalt des Jahres 2005  von zunächst 3890 Euro und Leistungsbezüge von zuätzlich knapp 24 Euro. 
Danach hat man in Deutschland das Besoldungsschema geändert und das Einstiegsgehalt weiter gesenkt, aber die jährlichen Zuwachsraten (das A&O der Beamtekarriere) abgeflacht. 
In Österreich kann man von solchen Summen nur träumen, da hat 
Frau Volkschullehrer und Bundesministerin Gehrer 
http://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_Gehrer überhaupt auf ein Vertragsbediensteten-System umgestellt, wo frisch in den Universitätsbetrieb einsteigende Mediziner 1982,20 €/Monat brutto bekommen und damit rechnen müssen, dass der Vertrag ohne Kündigung ausläuft. http://www.i-med.ac.at/betriebsrat1/info/gehalt2007-uni.html
An der TU ist es noch schlimmer: http://info.tuwien.ac.at/E093/main.htm

Das Brutto-Einstiegsgehalt lt. Spiegel von Hochschulprofessoren wa 2007 in
Deutschland 3744 Euro pro Monat, während es in
Großbritannien 5842, in 
Polen aber nur 1127 waren. 

In der Medizin hat man halt 10 Nachtdienste gemacht, um die Kongresse, Lehrbücher, Druckkostenbeiträge zu bezahlen, … etc.

Theoretiker“ hofften halt auf möglichst viele Praktika oder Seminare, um zusätzliches Einkommen zu lukrieren, … ist mir klar, aber unter all dem Eliteuni-Geschrei und frei vereinbaren Gehältern für einige Spitzenpositionen
(http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=52689) gilt noch immer

IF YOU FEED PEANUTS YOU’LL CATCH MONKEYS.

und die werden unsere Wissenschaft vorantreiben und unseren Kindern die Leidenschaft für die wissenschaftliche Forschung weitergeben.

Mir ist das Lachen vergangen und da ich nun einen anderen Brotberuf habe, halte ich viele Vorlesungen einfach gratis …

Besser als mit einem Bettellohn beleidigt zu werden, aber ich bin auch nimmer 26. Da hatte ich auch mit 14.000 ÖS/Monat eine 70 Stundenwoche (ohne Nachtdienste!) und täglich kündbaren Karenzverträgen.

Ob man sich aber gesellschaftlich immer darauf verlassen soll, solche Trottel zu finden, mag ich hinterfragen …

Link: 
http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,817360,00.html 
http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,815139,00.html
http://sciencev1.orf.at/science/news/133781 
http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/ls20120214_2bvl000410.html

 

Written by medicus58

7. März 2012 at 16:02

Österreich darf nicht sitzenbleiben

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Na wer sagt ’s denn ….
Kaum kümmert sich ein ehemaliger Finanzminister und „Wahlneffe“ ein wenig um die österreichische Bildungspolitik:
http://www.nichtsitzenbleiben.at/
schon wird sein Wille erfüllt:

Aufsteigen mit bis zu drei Fünfer
Die Koalition hat sich auf eine schon lange geplante Schulreform geeinigt. In der Oberstufe der AHS und BMHS (berufsbildende mittlere Schulen) soll künftig ein Aufsteigen mit bis zu drei Fünfern möglich sein.
http://tirol.orf.at/magazin/tirol/tirolerisch/stories/514642/
http://kurier.at/nachrichten/3914071.php
http://www.krone.at/Nachrichten/Sitzenbleiben_soll_abgeschafft_werden-Aufsteigen_mit_5-ern-Story-12542
Verstehen Sie mich richtig, ich habe in meiner Oberstufen-AHS und als Student insgesamt ca 10 Jahre sehr gut von der Nachhilfe gelebt und weiß, dass Noten nicht immer gerecht und schon gar nicht
KARDINAL,
vermutlich auch nicht einmal
ORDINAL sind.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Skalenniveau)
Trotzdem bin ich überzeugt, dass mehr Leute verdient als unverdient „durchfallen“. Jeder kennt den ungerechten Einzelfall, nur ist das nicht der Punkt:

Während wir in der „wirklichen“ Welt von Rankings nur so getrieben werden,
von Heidi’s Klums Supermodel Ranking bis
zu Standard and Poor’s Griechenland Bashing,
glauben wir denn wirklich, dass wir Kindern was Gutes tun, wenn wir ihnen in der Schule vorgaukeln, dass es keine Beurteilungen gibt?

Mir kommt das so vor wie der verunglückte Versuch aus den 70ern, aus der ehemaligen „Mittelschule“, also einer explizit allgemeinbildenden Schule in der Mitte zwischen „Grundausbildung“ und „weiterführender, spezialisierender Bildung“ an der Universität (ut sim), nicht zuletzt aus wahltaktischen Gründen in den Großstädten, die Regelschule für alle zu machen.

Das Ergebnis war – wieder in den Großstädten – der Niedergang der „Hauptschulen“, die zum Sammelbecken von denen wurden, die halt nix Besseres zusammen bringen und eine Entwertung der „Mittelschule“ zur „AHS“ (=Allgemeinschule)

Die „Neue Mittelschule“ als Euphemismus für die „Hauptschule A-Zug“ macht für mich schon semantisch wenig Sinn.
Alle schienen zufrieden, vor allem die, die ihre Kinder in „was Besseres“ unterbingen konnten.
Dass das letzendlich wenig Wert hatte,
weder am Arbeitsmarkt („wo sind die Zeiten, wo man sich um die Maturanten gebalgt hat?)
noch an der Uni, die jetzt „Eingangsprüfungen“ und „Eingangssemester“ benötigt, weil man sich nicht mehr sicher ist, dass das was „für reif befunden wurde“ auch was weiß,
wen juckt’s …
Also, Österreich darf nicht sitzenbleiben, aber ob es das alles weiterbringt, wage ich zu bezweifeln.

Written by medicus58

20. Oktober 2011 at 20:36

Bildung billig

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Im Online-Standard ist ein interessantes Interview mit Prof. emerit. Blum von der Boku zu lesen:
http://derstandard.at/1303291525159/derStandardat-Interview-Seit-dem-Wintersemester-halte-ich-Vorlesungen-kostenlos

Neben einigen Aussagen über die Folgen des Bolognia-Prozesses sticht vor allem seine Aussage ins Auge, dass er seit seiner Pensionierung weiterhin Vorlesungen hält, ohne dafür eine finanzielle Entschädigung zu bekommen.

Die Onlinekommentare zu diesem Artikel schwanken zwischen wissender Zustimmung und neidvollen Verweisen auf die guten Pensionsrechte „alter“ Univerträge.

Einmal fest zu halten, dass der Universitätsbetrieb stets ganz maßgeblich darauf setze, dass von ihrem Gegenstand begeisterte Akademiker gerne und für geringe oder gar keine Entschädigung ihr Wissen weitergeben, war wichtig.

Auch die stets prekären Vertragsverhältnisse am Beginn universitärer Karrieren gehören dazu. Ich selbst arbeitete die ersten 4 Jahre auf blind unterfertigten Karenzverträgen mit täglicher Kündbarkeit. Mir wurde der Zettel über meine Dienstzeiten schon mit der Versicherung überreicht dass man davon ausgeht, dass darüberhinaus selbstverständlich gratis zu arbeiten ist. Überstunden wurden weder monitiert noch bezahlt. Viel später bin ich dahinter gekommen, dass man jemanden anderen auf diese Ausbildungsstelle gemeldet hatte und sich so meine Ausbildungszeit verlängerte.

Und ich war kein Einzelfall!

In Wirklichkeit war das für uns auch kein Problem, denn Beruf war Hobby.

Erst als wir realisierten, dass wir von denen ausgenützt wurden, die sehr wohl mit unserer Arbeitsleistung Geld und (Publikations) Impact gemacht haben, fühlten wir uns mies.

Wenn nun die Erkenntnis Allgemeingut wurde, dass nur Wert hat was Geld bringt, darf man sich nicht wundern, dass es im System kracht.  Universitäre Verschulung benötigt noch mehr Lehrer als früher und die finden sich unter den augenblicklichen Rahmenbedingungen halt nicht.

Dozent heißt übrigens Lehrer! Professor heißt Bekenner!

In diesem Sinne ist Prof. Blum für seine Be- und Erkenntnisse zu danken.

Besser geht’s nicht

Im Standardforum schrieb ein „Gerhard Grabner“ am 16.12.2010 22:04

Den Markt als Allheilmittel für die Universitäten anzusehen, schließt darauf, dass der Verfasser nicht verstanden hat, was eine Universität im Kern ist: nämlich ein Diskurszusammenhang von Erkenntnissuchenden und keine Fabrik. Auch keine Berufsausbildung. Und ihre Gedeihen hängt ab: vom Willen der Gesellschaft, Wissenschaft zu finanzieren. Und von demokratischen Bedingungen statt Top-Down-Managment. Wer das nicht will soll die Unis abschaffen und Berufsausbildungsinstitutionen für die Industrie schaffen, von dieser bezahlen lassen und sie auch so nennen. Aber nicht Universität.

Ach tut das gut ….

http://derstandard.at/plink/1291455230164?sap=2&_pid=19227699#pid19227699

und immer wieda – PISA

Wozu die Aufregung, dass ein Großteil von uns nicht sinnverstehend lesen kann: Ist doch eine Alltagserfahrung!

Gebrauchsanweisungen
(auch die, die nicht direkt aus dem Südchinesischen übersetzt wurden)
Nachrichtensendungen
(wo eine Digiwand mit unnötigen Grafiken die Leute bei der Stange hält, die sonst nur Bahnhof verstehen würden)
Krone, Heute, Österreich et al.
(wo die Verkürzung auf den einfachen Hauptsatz manipulatives Programm ist)
Nintendeo, Wii, PS, X-Box, 3D Movie et al.
(wo der Schauwert den kargen Inhalt überdeckt)
Gesetzestexte
(OK, da das war unfair, ich weiß)

Die visuelle Reizüberflutung schärft vielleicht die Reaktionsfähigkeit, jedoch geht dies auf Kosten der wichtigsten Kulturtechnik des Menschens: 
Lesefähigkeit

Das Problem ist vor allem, dass der funktionelle Analphabetismus unserer Gesellschaft die Basis ihres Funktionierens entzieht:

Wozu verlangen Patientenanwälte Aufklärungsblätter, Beipacktexte und Reverse, wenn das der Patient sowieso nicht versteht.
Wieso machen wir Volksabstimmungen, Wahlen und Umfragen, wenn wir befürchten müssen, dass in Ermangelung des Verständnisses ohnehin nur randomisierte Antworten erhoben werden.

Nur machen wir es uns zu leicht, die Schuld hier nur in der Schule zu suchen. Die Diskussion sollte auf jene begrenzt werden, die selbst im letzten Monat mindestens ein Buch gelesen haben!

Ich darf mitreden ….

und noch was zur Schreibschwäche unserer Politik: http://www.youtube.com/watch?v=ZkscI8_2vqU

Wir zahlen bereits Studiengebühren!

Weshalb leiste ich Steuern und Abgaben an den Staat, wenn dieser glaubt das Recht zu haben mich erneut zur Kasse bitten zu dürfen, sollte ich von ihm eine Leistung benötigen.

Bronner zu den Krankenkassen: „Ja, aber in der Not wird auch etwas geleistet.“
Qualtinger: „Beiträge“

Unselbständig Erwerbstätige haben in Österreich eine der höchsten Abgabenquoten. Der Staat „schneidet“ durch seine Verbrauchsteuern, durch die Mineralölsteuern, bei der ORF-Gebühr, … mit, ohne dafür eine Leistung zu erbringen. Hier wird Verursacherprinzip und Zweckbindung negiert.

Ich finde das OK, wenn dafür Grundbedürfnisse abgedeckt werden. Auch die Frau Burgstaller hat – so wie ich – in einer Zeit studiert, wo sowohl Schulgelder in den „Mittelschulen“ als Vorlesungsgebühren an den Unis aus dem Topf bezahlt wurden, die wir mit unseren täglichen Abgaben und Steuern füllen.

Burgstallers Deal: Tausche die selbstverständliche Verpflichtung des Staates den Kindern seiner Steuerzahler eine Universität bereit zu stellen, gegen die selbstverständliche Verpflichtung ein optimales Schulwesen zur Verfügung zu stellen, ist möglicherweise politisch der einzige Weg da was weiter zu bringen, moralisch ist das nicht. Und klug auch nicht.

Bürger können doch nicht so blöd sein, dass sie es hinnehmen immer mehr für den Staat leisten zu müssen und immer weniger Leistungen von ihm zu bekommen, weil wir Banken retten mussten; denn der Staat sind wir. 
Leistet er nichts mehr für uns, dann sollten wir ihn uns auch nicht mehr leisten.

http://derstandard.at/1288659508935/derStandardat-Interview-Das-faellt-uns-allen-auf-den-Kopf

Studiengebühren:Fachhochschulen:Lehrwerkstätten:Klassenkampf

Die östterreichischen Universitäten haben ab 2013 einen Mehrbedarf von ca. 250 Mio Euro. http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3858&Alias=wzo&cob=524869

2009/10 studierten in Ö 332.624 Personen. http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bildung_und_kultur/formales_bildungswesen/universitaeten_studium/021630.html

Das heißt, die Studiengebühren müssen pro Person 751,60 € betragen, wenn man glaubt, dass Studiengebühren das Finanzloch schliessen sollen. Aber Achtung: damit gibt’s noch keinen Seminar- oder Laborplatz, keinen Universitätslehrer mehr und weiterhin Stau bei den Prüfungsterminen.

Wo das hin führt, sieht man am schon weiterentwickelten neoliberalen Modell in UK, wo zuerst von den Konservativen, dann von Labour und nun wieder von den Konservativen die Studiengebühren auf 10 600 Euro erhöht wurden! 
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2010/12/10.mondeText1.artikel,a0064.idx,23

Und übrigens, zahlen eigentlich all die Lehrlinge, die in staatlich unterstützten Lehrwerkstätten ausgebildet werden und somit der Wirtschaft das Geld für die Ausbildung ersparen, dafür auch Lehrgeld?

Wenn wir hier – völlig zu Recht argumentieren, dass das eine Investition in die Zukunft unserer Bürger ist, weshalb verlangen wir von jungen Menschen, die einen höheren Bildungsweg anstreben plötzlich, dass sie selbst dafür zahlen?

Beispiel gefällig? Während früher medizinisch technische Dienste in Schulen und dann Akademien ausgebildet wurden, die Spitälern angeschlossen waren und aus dem Gesundheitsbudget finanziert wurden, besuchen sie heute Fachhochschulen und müssen in zunehmendem Ausmaß für ihre Berufsausbildung selbst zahlen.

Fazit: Alles was über die (Aus)Bildung zum Hackler hinaus geht, soll sich der Bürger mehrfach bezahlen: mit Steuern der Eltern, Studiengebühren, Prüfungsgebühren und eigenen Steuern als Werkstudent.

Auch wenn das unglaublich retro klingt, das ist Klassenkampf von oben herab! Auch so unterbinde ich Wettbewerb!

 

Siehe auch: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=32622

Written by medicus58

2. Mai 2011 at 11:50

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