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Entlarvende Nullen

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Jetzt kann und wird man in der Hektik schon mal ein paar Fehler machen, aber das absurde Theater um das aktuelle Budget ist entlarvend in beide Richtungen.

Das Fehlen einiger Nullen im Abänderungsantrag von Wögingers Club entlarvt die überhebliche Schluddrigkeit der Nullen, die den Antrag verfasst haben, spricht also für ein Übermaß an Nullen an der falschen Stelle.

Der nachgereichte Antrag zu veralteten und dadurch möglicherweise verfassungswidrig zur Abstimmung eingebrachten Budgetzahlen entlarvt auch die Überheblichkeit der Tückisch Grünen Nullen, die bis kurz davor die Notwendigkeit dieses Updates (Patches?) für null und nichtig erklärten.

Hinter der Fassade der teuren und wie geölt laufenden PR-Machine des Kurzschen Verehrungsvereines erblickt man fachliche Flachwurzler, die zwar behaupten von Evidenz geleitet (ÖVP die Wirtschaftspartei, Grüne die Partei der Transparenten und Guten) zu sein, in Wahrheit jedoch nicht regieren sondern nur im Sinne des Machterhalts reagieren.

Erbärmlich, dass es eines roten Steuerberaters bedarft einen tückischen Finanzminister und Wiener Spitzenkandidaten auf den Unterschied von ein paar Zehnerpotenzen hinzuweisen, über die die Abstimmungsmaschine der Regierungsparteien schon bedenken- und besinnungslos hinweggefahren ist. Da weiß man das Land in guter Hand.

Erbärmlich der Auftritt des regierungstreuen Oberrechners aus der TU, dessen andere Prognosen sich bereits als falsch erwiesen haben, das unruhige Volk davon zu überzeugen, dass die Regierungsmaßnahmen uns vor dem Armageddon bewährt haben, weil sie nicht schon vor der WK Wahl in Tirol aber keinen Tag später zur größten Wirtschaftskrise seit was auch immer geführt haben.

Arbeitslosigkeit und Perspektiven hat er in sein SIMS Game offenbar noch nicht einprogrammiert. Egal, seien wir dankbar für solche Führer.

Eine Nullnummer Milliarden zu versprechen aber nicht auszuzahlen wenn sie gebraucht werden. Erst ein paar Millionen locker zu machen, als der Unmut der Kunstschaffenden ein Regierungsmitglied gekillt hat, weil jetzt geht es ans Eingemachte. Den Claqueuren im Kleinwalsertal ist das Kellertheater eh Blunzengröstl. 

Ein paar Millionen in den nächsten Jahren in den Bahnausbau zu kippen, damit der Regierungspartner nicht so blass sondern wieder etwas grün aussieht, aber AUA und Laudamotion mit Steuergeld unters Gefieder zu greifen, damit sich der Ausbau der dritten Schwechater Piste doch noch lohnt, das macht auch Nicht-mehr-Grüne blass.

Jetzt mag man diskutieren, ob hier die Nullen im Budget entlarvend waren oder die Nullen dahinter entlarvt wurden.

Jedenfalls verdanken wir der tückischen Kurzbewegung und ihren Trittbrettfahrern ein Nullbudget, dass nichtmal die Kurz’schen PR Profis mehr schön reden können.

Written by medicus58

29. Mai 2020 at 08:24

Wir Österreicher bremsen für Medikamente

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Grad haben wir (scheinbar) die Bremsen für CT und MR in unserem Gesundheitssystem gelockert (Der scheinbare Sieg: Verkürzte Wartezeiten in der Radiologie), erfindet der Nationalrat die Medikamentenbremse, also dass Medikamente nur mehr in den Erstattungskodex der Kassen aufgenommen werden, wenn auf ihrem Preiszetterl der EU-Durchschnittspreis steht.

Verlässlich bricht der Shitstorm zwischen dem Hoch der Freien Marktwirtschaft und dem Tief der unbezahlbaren Lebensverlängerung aus und führt zwanghaft zu den angeblich so hohen, andererseits wieder anteilsmäßig so geringen Medikamentenkosten.
Ein Blick auf http://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/gesundheit/gesundheitsausgaben/019701.html würde für die Vergangenheit beide (!) Positionen etwas relativieren, wobei es einem hier ähnlich wie in der Debatte der Klimaerwärmung geht,
Bezugszeitpunkt und Standpunkt bedingen die Empfindung:
Was bisher geschah war noch nicht so fürchterlich, extrapoliere ich einen gerade absehbaren Trend, wird es heiß.
Bin ich Eisverkäufer, sehe ich da aber wieder kurzfristige Vorteile.

Der Anteil der Medikamente an den Gesamtkosten der Gesundheitsversorgung ist wenig überraschen relativ gering, denn trotz der Debatte über Großgeräte und Wunderdrogen ist das Gesundheitssystem i.e.L. ein Dienstleistungsgewerbe, bei dem Menschen Zeit für andere Menschen aufwenden, die nicht so einfach wegzurationalisieren ist, und Löhne (inkl. Lohnnebenkosten) verhalten sich anders als der Preis des Flachbildschirms von gestern!
Für diejenigen Player, allen voran die Krankenkassen, die traditionell gerade diesen Teil der Gesundheitsversorgung chronisch unterbezahlen (Warum die Kosten der Medizin immer der Inflationsrate vorauslaufen werden), stellen die Medikamentenkosten einen relativ hohen Anteil in ihrem Gesamtbudget dar, und diese wurden von der Politik nun scheinbar gerettet.

Trotzdem kann nicht abgeleugnet werden, dass neue Medikamente für „Volkserkrankungen“  gegen das Fortschreiten der Makuladegeneration (des Auges), der Multiple Skelerose, Rheumatischer Erkrankungen, der viralen Leberentzündung und vor allem bösartiger Erkrankungen, auf allen Gebieten, inzwischen ganz astronomisch viel kosten.
Zum Missverhältnis zwischen erzielbarem Einkommen und Therapiekosten habe ich hier übrigens schon 2013 etwas gebloggt:
Was sagt uns Diskrepanz zwischen erzielbarem Einkommen und Therapiekosten?

Die ganzen Bremsmanöver bleiben aber weitgehend sinnentleert, solange wir die Finanzierung des Gesundheitssystems nicht ganzheitlich sehen, d.h.
die Finanzierung aus einer Hand durchsetzen!

Da könnte wir etwas vom – aus anderen Gründen zu Recht geschmähten – Britischen Gesundheitssystem (NHS) lernen!

Und verfolgt man die PV-Debatte schwebt ja manchen österreichischen Politikern auch so etwas vor, ohne aber etwas an den zersplitterten Finanzierungsströmen ändern zu wollen.
Das NHS kennt keine Krankenversicherung, sondern wird ausschließlich von der Regierung im Zuge der Budgetzuteilung ausfinanziert.
Vereinfacht heißt das,
dass jede neue medizinische Leistung innerhalb der Gesundheitsversorgung zu einer Reduktion einer anderen Leistung führen muss!
Klingt auf den ersten Blick einmal grauenhaft und nach: Keine Hüftprothese für die Großmutter!
Was auf den zweiten Blick natürlich auch stimmt, nur zwingt es zu einer fairen Diskussion:
Auch wenn in der Finanzwirtschaft so getan wird, als würde der Energieerhaltungssatz der Naturwissenschaften außer Kraft gesetzt worden sein, kann ein Pfund (oder Euro) natürlich immer nur einmal ausgegeben werden!
Auch wer bei teuren Pharma-Innovationen nur die Vorteile sieht („drei Monate Lebensverlängerung“) kann sich in unserem, unübersichtlichen Finanzierungssystem leicht darum herumschwindeln, dass diese drei Monate (ohne Erhöhung der Gesamtmittel) irgendjemanden eine Leistung wegnehmen werden.

Das NICE geht seit 2004 davon aus, dass für den Gewinn eines zusätzlichen Lebensjahr in voller Gesundheit (QUALY) innerhalb des NHS eine Investition von 20.000 – 30.000 Pfund adäquat wäre. In einer lesenswerten Analyse  zeigte eine Arbeit aus der Universität York an Hand der wirklichen Ausgaben, dass der Durchschnittspreis für eine QUALY bei £12,936 lag, was aber auch schon ein schönes Sümmchen ist!

Der Punkt (Opportunitätskosten) ist aber, dass ein solcher, von vielen vielleicht als menschenverachtend aufgefasster Zugang das Bewusstsein dafür schärft, dass wir auch im Gesundheitssystem immer vor der Frage eines Entweder-Oder stehen und uns nicht mit einem Sowohl-als-auch aus der Affäre ziehen können.
Das per Gesetz „Verbilligen“ teurer Medikamente ist ein Placebo, die uns letztendlich nicht ersparen werden uns zu entscheiden, ob wir das Überleben des metastasierten Prostatakarzinoms durch die seit vielen Jahren fehlende Inflationsanpasssung der Erstattungssätze für den Mutter-Kind-Pass gegenfinanzieren wollen!

Da sind die Brexiter schon weiter …..

 

 

Written by medicus58

31. März 2017 at 18:01

Fassadenpolitik erreicht inzwischen die Universitäten

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bürgerkrieg

Seit Jahren verwende ich hier den Begriff der Potemkinschen Spitäler (Reform=Stillschweigen zur Errichtung eines Potemkinschen Dorfes http://wp.me/p1kfuX-8V, http://wp.me/p1kfuX-n8 ), um darauf hinzuweisen, dass die Gesundheitspolitik zwar den Schein einer fachärztlichen Vollversorgung in den öffentlichen Spitälern aufrechterhalten möchte, aber spätestens seit dem ÖSG 2012 die rechtlichen Grundlagen dafür geschaffen werden, auch schwer Kranke der fachlichen Kompetenz eines Allgemeinmediziners zu überlassen.
Ein Konzept, dass vorher ausschließlich in den gewinnmaximierten Privatkrankenanstalten zu finden war, die im Notfall aber ihre Patienten dann rasch in ein öffentliches Spital verlegen konnten.

Gestern hat nun SPÖVP mit Unterstützung ihrer neoliberalen Gesellen im Nationalrat die Rahmenbedingungen geschaffen, dass Derartiges auch im Olymp der medizinischen Krankenhausversorgung möglich wird, an den Medizinischen Universitätskliniken.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20151216_OTS0186/rufbereitschaft-von-fachaerztinnen-in-unikliniken-wird-ermoeglicht
Auch in Zentralkrankenanstalten muss künftig nicht mehr rund um die Uhr in jedem einzelnen Sonderfach ein Facharzt vor Ort anwesend sein. Vielmehr genügt es, wenn in den Nachtstunden bzw. vorübergehend auch im Wochenenddienst und an Feiertagen eine Rufbereitschaft eingerichtet ist. Das sieht eine Novelle zum Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetz vor, die heute vom Gesundheitsausschuss des Nationalrats mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP, NEOS und Team Stronach angenommen wurde. Damit werden für Zentralkrankenanstalten wie z.B. dem AKH künftig ähnliche Regelungen gelten wie jetzt schon für Schwerpunktkrankenhäuser.

Beruhigend wird hinzugefügt, dass ja ohnehin Innere, Chirurgie, Kinder-  und Intensivstation noch von einem Facharzt besetzt sein werden. Röntgenbilder können ja notfalls -wie in den USA- auch in Indien befundet werden und wer braucht einen Facharzt, der noch um Mitternacht einen Malariabefall im Blutausstrich ausschließen kann.
Da halten wir’s halt wie Scarlett O’Hara in Vom Winde verweht:

Darüber denke ich morgen nach. Morgen ist auch noch ein Tag.

Na, und irgendwie bewegt sich unsere Gesundheitssystem ja auch in Richtung 19. Jahhundert zurück. Schau’n mir mal, ob wir es auch noch bis zum Bürgerkrieg schaffen.

Vergleiche dazu auch: http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/794003_Universitaeten-ohne-Fachaerzte.html

Written by medicus58

29. Januar 2016 at 20:45

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