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Kaffee-Tratsch oder akkordierte Investigation?

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Am 7. März 2019, 10:34 deckt FP-Seidl per Presseaussendung auf:
Kaffeewärme-Check um 18.000 Euro im KH-Nord spiegelt Sittenbild der KAV-Geldvernichter wider

Definitiv eine #MeeToo Aktion, im Sinne von Shakespeares Lasst mich den Löwen auch spielen, denn die Krone hat schon um 8:54 aufgedeckt:
Projektteam prüfte Wartezeit bei Kaffeeautomaten

Die pinke Opposition liest offenbar weder Heute noch Krone aber eventuell die blaue Konkurrenz, denn erst um 11:02 ging die Presseaussendung der NEOS los, grammatikalisch verwirrend aber nicht ohne Schmäh:
NEOS Wien/Wiederkehr zu KH-Nord Kaffeeautomaten: Teuerste Melange-Tester aller Zeiten

Wobei die Krone auch von den eigenen Kollegen abgeschrieben haben, weil Heute schon am 6.3. 16:44, definitiv online dann am 7.3. um 7:00 entdeckte:
Um so „brühende“ Fragen wie die Wartezeit auf einen Kaffee und die Vorwärmzeit des Automaten zu klären, setzte der KAV ein externes Projektteam ein.

Jetzt mag man sich fragen, wer da von wem abschreibt, aber die selbst ernannte Qualitätspresse hinkt da gewaltig nach, denn Der Standard ging erst um 12:31 dem neuen Skandal nach:
18.500 Euro für Kaffeetest: Nächste Aufregung um Spital Nord und lockte in den ersten 7,5 h 389 Forumbeiträge an.

Fast könnte man glauben, dass die ORF Kritiker diesen zu Recht als Rotfunkt bezeichnen, denn der schloss sich dem allgemeinen Kaffeetratsch erst um 18:04 an und mit grad mal 4 Zeilen Text an.

Ehe nun der Konsum der braunen Bohnen eine Blutdruckkrise auslöst erlaube ich mir hinzuzufügen, dass bei einem Projekt dieser Dimensionen wie einem neuen Krankenhaus weder ein Energetiker noch ein Kaffeautomat die Bilanz rot macht.
Wenn man dem P.T. Publikum die wirklichen Probleme nicht zumuten kann oder mag, dann führt der wöchentliche Zeitungs- und Politikskandal nur zur Abstumpfung, aber vielleicht ist es gerade das, was beabsichtigt wird ….

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Written by medicus58

7. März 2019 at 20:53

Asylgrund Homosexualität

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Asylbescheid gegen Homosexuellen zieht internationale Kreise alarmiert gerade Die Presse.
„Die irrste Abschiebebegründung Europas“ titelte etwa die deutsche „Bild, wie die Presse auch nicht gerade die Speerspitze gesellschaftspolitischer Liberalität.

In Unkenntnis der Details dieses Falles kann und will ich dazu auch nichts zum Fall des nun 18-Jährigen sagen und hoffe regelmäßigen Lesern dieses Blogs nicht ausdrücklich betonen zu müssen, dass ich jede einvernehmliche Sexualität zwischen zwei gesunden Erwachsenen für legitim halte und – eh klar – Homosexualität ist keine Krankheit.

Ich möchte auch nicht in der Haut jener stecken, die seit einigen Jahren unter enormem Zeitdruck zwischen Asylberechtigten und jenen unterscheiden müssen, die das tun, was wohl jeder für uns anstrebt, die eigenen Lebensbedingungen zu verbessern.
Was mich in die Tasten greifen ließ ist ein Aspekt, der mir in all den aufgeregten Berichten über die hier erwähnten „schwulenfeindlichen Klischees“ (Copyright Falter) völlig untergeht:

Das Verbot sexueller Handlungen zwischen Männern hat – weshalb auch immer – weltweit eine lange Tradition.
Gerade die Bibel, die doch von Medien wie den oben zitierten immer wieder als gemeinsamer Wert beschworen wurde, ist da ziemlich erbarmungslos:

„Wenn ein Mann seinem Genossen beiwohnt, man es ihm beweist und ihn überführt, so soll man ihm beiwohnen und ihn zu einem Verschnittenen machen.“(Wikipedia)

Dass sich die sonst doch stets auf die Alten Griechen berufenden gutbürgerlichen Kreise jemals nach deren Vorbild zur allgemeinen Einführung der päderastiellen homoerotischen Freundschaft aufgerufen hätten, ist mir im Schulunterricht ebenso entgangen, wie die Lobpreisung Goethes für seine homoerotischen Grenzgänge.

Das Schutzalter, ab dem Homosexualität straffrei war wurde in der DDR 1983 in der BRD erst 1973 auf 18 Jahre herabgesetzt.
In Österreich herrschte bis 1971 ein Totalverbot und wir waren zwischen 1920 und 1938 sogar in Bezug auf unsere Bevölkerungsgröße europaweit führend bei den diesbezüglichen Verurteilungen.
1971 wurde das Totalverbot zwar durch vier neue Bestimmungen aufgelockert, die aber erst schrittweise
bis 2002 (!)  modifiziert bzw. aufgehoben wurden, jedoch haben bereits ausgesprochene Vorstrafen formaliter weiterhin Gültigkeit.

Während die Homosexualität in Europa inzwischen legal ist, gibt Wikipedia einen guten Überblick, dass sie in vielen Ländern Afrikas und Asiens (z.B. auch im Urlaubsparadies Malediven) mit hohen Strafen bis zur Todesstrafe verfolgt wird bzw. in Ländern wie Russland und der Türkei zwar formal legal ist, die staatlichen Autoritäten aber keinen Zweifel aufkommen lassen, dass sie unerwünscht ist.

Es ist sehr einfach sich über die „irrste Abschiebebegründung Europas“ nun als liberal und human zu präsentieren, sollten sich „die Empörten“ doch einmal die Frage stellen, ob wir angesichts der unbestreitbaren gesellschaftspolitischen Entwicklungsunterschiede in dieser Welt etwas als Asylgrund akzeptieren, was (in geschichtlichen Zusammenhängen) kürzlich bei uns noch bestraft wurde.

Der bei uns erst 2002 aufgehobene §209 hatte einen
Strafrahmen für [männliche] Gleichgeschlechtliche Unzucht mit Personen unter 18 Jahren von 6 Monate bis 5 Jahre.
Laut Wikipedia ist der aktuell in Afghanistan gültige Strafrahmen 5 – 15 Jahre!

Würden sich insgesamt die gesellschaftspolitischen Freiheiten zwischen Afghanistan und Österreich nur um den Faktor 3 unterscheiden, wären wohl alle glücklicher!

 

 

Written by medicus58

16. August 2018 at 18:20

Veröffentlicht in Renaissance der Aufklärung

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Bittschrift? Nein! Rechte müssen verlangt werden.

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Betteln

Eine Petition (lateinisch petitio ‚Bittschrift‘, ‚Gesuch‘, ‚Eingabe‘; bildungssprachlich auch Adresse) ist ein Schreiben (eine Bittschrift, ein Ersuchen, eine Beschwerde) an eine zuständige Stelle, zum Beispiel eine Behörde oder Volksvertretung. Dabei kann grundsätzlich unterschieden werden zwischen Ersuchen, die auf die Regelung eines allgemeinen politischen Gegenstands zielen (z. B. den Beschluss oder die Änderung eines Gesetzes durch das Parlament, die Änderung einer Verfahrensweise in einer Behörde), und Beschwerden, die um Abhilfe eines individuell erfahrenen Unrechts (z. B. eine formal zwar zulässige, aber als unverhältnismäßig empfundene Behördenentscheidung) bitten. Der Einsender einer Petition wird Petent genannt.
Die Zulässigkeit von Petitionen ist ein allgemein anerkannter Bestandteil der demokratischen Grundrechte eines jeden Bürgers.

So definiert aktuell die Wikipedia eine Petition: https://de.wikipedia.org/wiki/Petition

Im Zusammenhang mit dem kommissionell beschlossenen Auslaufen des Arbeitsvertrages von Kollegen Rainer (Dr. Rainer kann nicht KAV Generaldirektor werden: Fehlendes Gesamtinteresse der Stadt Wien gegenüber http://wp.me/s1kfuX-titel) laufen derzeit zwei sogenannte Petitionen, die eine Rücknahme dieses Spruches vom Wiener Krankenanstaltenverbund verlangen:

 
Eine wurde von der Wiener Ärztekammer gestartet:

„Sehr geehrter Herr Generaldirektor Janßen,
Herr Kollege Gernot Rainer hat seitens seines Dienstvorgesetzten und der Patienten Bestnoten für seine fachliche Qualifikation erhalten. Trotzdem hat er den beantragten Dauervertrag nicht erhalten, dies aufgrund unserer Meinung nach berechtigter Kritik im Interesse seiner Patientinnen und Patienten und der Kollegenschaft. Wir fordern Sie auf, Ihre Entscheidung zu revidieren und Dr. Rainer weiter zu beschäftigen.“
http://www2.aekwien.at/py/petition.py

Die andere wurde schon früher von AsklepiosGewerkschaft für angestellte Ärztinnen und Ärzte in Österreich (http://www.activism.com/de_AT/petition/petition-gegen-die-k-ndigung-von-dr-gernot-rainer/195076) ins Netz gestellt und richtet sich explizit an alle Wiener und Wienerinnen:

Wir rufen ALLE Wienerinnen und Wiener, die ihre Gesundheitsversorgung als wichtiges Interesse der Stadt Wien ansehen, ALLE MedizinstudentInnen und JungmedizinerInnen, die ihre Zukunft nicht in diesem KAV sehen, ALLE angestellten und niedergelassenen ÄrztInnen, die sich das Recht auf kritische Reflexion ihrer Arbeitsbedingungen erhalten wollen und die Ärztekammern auf, diese Petition gegen die Kündigung von Dr. Gernot Rainer und somit für Meinungsfreiheit zu unterstützen.
Der Vertrag des Lungenfacharztes Dr. Gernot Rainer wurde nach Beschluss einer Kommission nicht weiter verlängert. Für diese Entscheidung gibt es keinerlei fachliche Begründungen, einzig: er hat eine eigene Gewerkschaft gegründet, um die Interessen der angestellten Ärztinnen und Ärzte realitätsnaher vertreten zu sehen. Dieses Anliegen hat die bestehenden Strukturen angegriffen. Diese Strukturen leben von intransparenten Entscheidungen und fühlen sich in erster Linie ihren eigenen Interessen verantwortlich. Von dieser Willkür im Umgang mit kritisch-konstruktiven Geistern kann jeder existenziell betroffen sein, der sich um Verbesserung des Systems bemüht. Das darf nicht akzeptiert werden!

 

Ich ersuche alle Leser dieses Blog nachdrücklich zu überlegen, ob sie sich nicht einer dieser Aktionen anschließen sollten. Gerade weil ein rezentes Interview von Bürgermeister Häupl mit der Presse noch keinerlei Unrechtsbewusstsein zeigt:

Diese Woche wurde bekannt, dass ein Wiener Pulmologe vom Wiener Krankenanstaltenverbund recht unschön wegbefördert wurde mit dem Argument, er würde sich nicht mit den Gesamtinteressen der Stadt Wien identifizieren.
Und?
Ist das nicht eine komische Erklärung?
Das Nichtverlängern von befristeten Ärzten passiert ungefähr 180 Mal im Jahr in Wien. Wenn der Herr nicht über entsprechende mediale Kontakte verfügen würde, weil er Obmann eines privaten Vereins ist, der sich Gewerkschaft nennt, würde kein Mensch darüber diskutieren. Ich war mit diesem Fall jedenfalls nicht befasst. Und werde mich da auch nicht reinziehen lassen – auch wenn man sich größte Mühe gibt.
Das Ziel ist es also, den Bürgermeister über seine Frau anzugreifen?
Das ist naheliegend. Meine Frau ist Ärztliche Direktorin und hat daher sowohl die fachliche Beurteilung als auch den einstimmigen Beschluss der Kommission an den KAV weitergeleitet. Das ist ihr Job. Weder ich noch sie haben Einfluss genommen auf den Beschluss der Kommission.
Aber sollte nicht die fachliche Qualifikation des Arztes entscheidend sein?
Aber – meine Herren! Es war sicherlich der frühere Chefredakteur der „Presse“, Andreas Unterberger, ein ausgezeichneter Journalist. Trotzdem musste er gehen.
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/4930145/Haeupl_Kein-Doktor-Schussel-weit-und-breit?

Entlarvend für das ideologiefreie Machtverständnis Häupls ist dies Aussage auch deshalb, weil Chefredakteur Unterberger unter FPÖVP/BZÖ aus der Presse entfernt wurde und es 2005 Schüssel persönlich war (das aktuelle Presseinterview ist schließlich übertitelt: Michael Häupl: „Kein Doktor Schüssel weit und breit“) der ihn in die Wiener Zeitung brachte, eine Zeitung, die im Auftrag der Repuplik erscheint. Danach waren es Rot/Grün, die so lange gegen Unterberger geschossen haben (2007 http://derstandard.at/2921394/Unterberger-soll-bleiben) bis er 2009 auch von dort entfernt wurde. In all seiner Selbstgefälligkeit hat Häupl hier das gesagt, worum es auch im „Falle Rainer“ wirklich geht und was Sperl in seinem oben zitierten Standardkommentar schon 2007 über den „Fall Unterberger“ gesagt hat:

Pressefreiheit gibt es offenbar nur für jene, welche die gleiche oder eine ähnliche Weltanschauung vertreten. 

Sperl, der damals selbst nur noch 2 Wochen Chefredakteur des Standards bleiben sollte, legte in seinem Kommentar auch noch nach:

Nur wenige Kommentare des Kollegen in der „Wiener Zeitung“ könnte ich unterschreiben. Aber das ist medialer Pluralismus. Und Unterbergers Stimme zusammen mit einigen seiner Kolumnisten eine wichtige Abrundung des Meinungsspektrums dieser Republik.

Der Wiener Krankenanstaltenverbund ist ebenso wie die Wiener Zeitung kein Privatunternehmen, die Eigentümer sind letztendlich die Bürger dieser Stadt bzw. dieses Landes.

Bürgermeister, Stadträtinnen, Generaldirektoren bzw. Bundeskanzler oder Chefredakteure haben ihren Einfluss in diesen Bereichen meines Erachtens nach nur „treuhänderisch“ von der Mehrheit der Wähler verliehen bekommen.
Der Treunehmer ist gebunden, die Sache im Sinne des Treugebers zu verwalten und nur zulässige Verfügungen vorzunehmen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Treuhand

Da zunehmend innerhalb des Krankenanstaltenverbundes die Angst umgeht, in Erwartung ähnlicher Konsequenzen für die eigenen Person, die Petition nicht zu unterzeichnen, sind vor allem definitiv-gestellte Mitarbeiter zur Solidarisierung aufgerufen.
Die Patienten aber mögen sich überlegen, ob sie von Ärzten behandelt werden wollen, denen zunehmend mitgeteilt wird, dass sie, sollten sie sich den Gesamtinteressen der Stadt Wien und ihrer Dienststelle nicht mehr unterwerfen, den Betrieb verlassen sollten.

In einem Betrieb, der per definitionem nicht gemein sondern gemeinnützig sein soll,
der nicht gewinnorientiert und privatisierungsfit gemacht sondern
mit unser aller Steuergeld unser aller medizinische Versorgung unabhängig von der persönlichen ökonomischen Leistungsfähigkeit sichern soll,
und der weder dem Herrn Bürgermeister, noch seiner Frau, noch einem Personalvertreter, noch all denen persönlich gehört, die parallel zu ihrer Tätigkeit im KAV für private Gesundheitsdienstleistungsanbieter arbeiten,
darf auch von diesen nicht geführt werden, als wären sie Mehrheitseigentümer eines börsennotierten Unternehmens oder wäre das einen Bananenrepublik.

Written by medicus58

21. Februar 2016 at 14:00

Gewerkschaft klagt Gewerkschaft, gut so …

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Shutdown

Wir haben uns hier schon öfters damit beschäftigt, wie wenig sich die Gewerkschaft der Wiener Gemeindebediensteten als Vertretung der angestellten Ärzte versteht.

Dem Wiener Gesundheitssystem droht der Kollaps
http://wp.me/p1kfuX-11T
Ärztearbeitszeiten oder die Welt des ÖGB http://wp.me/p1kfuX-Z7
Pflegeausbildung: Gewerkschaft kritisiert Ärztekammer http://wp.me/p1kfuX-11e
Da ist irgendwo der Hund drinnen, Herr Minister Hundstorfer! http://wp.me/p1kfuX-UX

Konsequenterweise entstand Asklepios, eine eigene Gewerkschaft für angestellte Ärzte (https://www.aerztegewerkschaft.at/ ).

Als die Wiener Gesundheitsstadtätin Wehsely ihr Dienstzeitmodell, das übrigens augenblicklich spektakulär crasht, gegen die angestellten Ärzte, gegen die Kurie der angestellten Ärzte in der Ärztekammer und natürlich auch gegen Asklepios  durchboxte, hatte sie nur die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten auf ihrer Seite.
Scheinbar klar, dass der eine Konkurrenz-Gewerkschaft nicht ins Konzept passte und die frischgebackene HGII Gewerkschaftsvorsitzende Jonak  sich und die Fakten völlig ausblendete, als sie verkündete:
Fest steht jedenfalls, dass es sich bei diesem Privatverein (Asklepios, Anm.) um keine Ärztegewerkschaft handelt.“
Eigentlich sollte sie es besser wissen, dass schließlich auch der ÖGB von seiner Rechtsform ein Verein ist, aber was soll’s, die Konkurrenz musste madig gemacht werden.

Nun schlägt Asklepios zurück und klagt den ÖGB, als Mutter der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten auf Ehrenbeleidigung und Kreditschädigung.
http://diepresse.com/home/panorama/wien/4826310/Gesundheit_Aerztegewerkschaft-klagt-OGB-?

Ein allfälliger Prozess wird interessant, weil er vielleicht aufdeckt, auf welcher weichen Rechtsgrundlage so mancher scheinbar mächtiger Player sein politisches Spiel solange spielt bis er ernsthaft hinterfragt wird.

Eigentlich hätte es der ÖGB ja ohnehin schon wissen können, dass er nur dort mitreden darf, wo es den politisch Mächtigen passt.

Zur Jahrtausendwende demonstrierte Blau-Schwarz sehr eindrücklich, dass der Gewerkschaftsbund (nicht zuletzt, da er sich durch eigene Fehler sinnlos schächte (Konsum, Bawag, …) ganz einfach negiert werden kann.
Kanzler Gusenbauer, der Gewerkschafter aus dem Nationalrat verbannen wollte, konnten die „Kollegen“ los kriegen (http://www.profil.at/home/alfred-gusenbauer-spitzen-gewerkschafter-144642 ), aber nur weil er einer der ihren war.

Wären die „Berufsgewerkschafter“ nicht so sehr ihrem selbst referentiellen Traumland verhaftet und mit der eigenen Politkarriere befasst, würden sie erkennen, dass ihre wahre Bedrohung nicht in einer entstehenden Teilgewerkschaft liegt, sondern die Abwanderung der einzigen, die einer Gewerkschaft wirklich Macht gewähren können: Mitglieder, so lange diese sich wirksam vertreten fühlen und dafür auch auf die Straße gehen.

 

Written by medicus58

21. September 2015 at 22:40

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Smart City Seestadt Aspern , der Smart steht aber am Gehsteig

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seestadt

Was schon in der Mahü nervte (WYSIWYG Nicht auf der Mahü http://wp.me/p1kfuX-S2), die enorme Diskrepanz zwischen geschönten Medienberichten der Rathauskorrespondenz und der eigenen Wahrnehmung, scheint auch für das größte Jubelprojekt Wiens, die Seestadt in Aspern, zu gelten.

Wien 3420 Aspern Development AG und die Projektleitung Seestadt Aspern sprachen jahrelang von einer Smart-City, bei der modernste Planungsideen u.a. einen autofreien Stadtteil ermöglichen sollen. Dafür wurden auch 380 Millionen Euro investiert, um gleich zu Beginn der Baustelle einen U-Bahnanschluss zu ermöglichen (http://diepresse.com/home/panorama/wien/1383802/Wiener-U2-faehrt-ab-5-Oktober-bis-zur-Seestadt-Aspern).

Inzwischen haben schon einige Medien das Projekt entzaubert

Aspern: Strafzettel-Flut für Seestadt-Pioniere Das Vorzeigeprojekt hat seine Schattenseiten. Parkplatznot bringt die ersten Bewohner in die Bredouille.
http://kurier.at/chronik/wien/aspern-strafzettel-flut-fuer-seestadt-pioniere/116.768.434

Seestadt: Wenig smartes Parkplatzproblem
http://www.news.at/a/seestadt-parkplatz-problem

und Videoblogs (https://youtu.be/_JZe9qQjba4) und Fotos zeigen m.E. aber nur einen Teil des Problems.

Der Grüne Immobilienexperte Christoph Chorherr und der Standardjournalist Robert Misik vermeiden in ihrem Video tunlichst die horizontale Kamerahaltung, um vollmundig von der Wiedergeburt einer Statdarchitektur Wiens sprechen zu können (http://derstandard.at/2000015218325/Wiedergeburt-der-Stadtarchitektur-Wiens-neue-Stadtteile) ohne den Verkehrssalat zeigen zu müssen.

Ein eigener Ausflug (an einem Sonntag!!) war extrem bedrückend. Obwohl erst ein Bruchteil der Seestadt besiedelt ist, ist alles verparkt und die Gehwege zwischen den Wohnblöcken sind eng und, ebenso wie die Mahü, komplett mit grauem Stein, Asphalt oder dichtem Schotter versiegelt. Mag sein, dass sich unter den herrschenden finanziellen Rahmenbedingungen nicht mehr ausging. Es kann sich halt nicht jeder einen Porsche leisten, manchmal ist es halt nur ein Smart, nur wenn der dann illegal am Gehsteig parken muss, weil die Einwohner nur so ihre Einkäufe nach Hause bringen konnten, soll uns niemand einreden, dass das besonders smart wäre.

Die Sicht des Rathauses:

https://youtu.be/khvmsvU9OvA

Und das fand ich vor:

http://youtu.be/gi0nwHVQiy4

PS: Das Foto zu Beginn des Beitrags soll nur wiedereinmal zeigen, dass nicht nur der Rathausmann sondern auch ich ein paar digitale Tricks der Schönfärberei beherrsche (Vergleiche auch: Blaenau Ffestiniog und die Digitalisierung http://wp.me/p1kfuX-KX)

Written by medicus58

5. Juni 2015 at 07:40

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

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Da mir Minister Stöger kein Interview zu ELGA gibt

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erlaube ich mir hier seine in der Presse erschienenen Aussagen zu kommentieren. Ob trollig oder drollig, mögen Sie selbst entscheiden. Eigentlich hätte ich mir diese Beiträge von meinem Ärztekammerpräsidenten gewünscht, aber vermutlich hat der auch noch nie was vom Produktivitätsparadoxon gehört:

Sobald Befunde im System sind, sollte man sich also Sorgen machen?

Alois Stöger: Nein. Es (=ELGA) ist ein großer Nutzen für Arzt und Patienten, dass der Allgemeinmediziner den Befund seiner Kollegen kennt. Dadurch kann er eine noch qualifiziertere Diagnose stellen.

1.) Wenn der Allgemeinmediziner, der ja in der Regel die Patienten zu den anderen Kollegen (=Fachärzten) geschickt hat, bisher deren Befunde nicht kannte, frage ich mich, weshalb man ihn für die Überweisung bezahlt hat.
2.) Der Patient kommt vom Facharzt entweder MIT einer Diagnose (und einem Therapievorschlag) oder eben der Erkenntnis, dass die Verdachtsdiagnose, die den Allgemeinmediziner zur Überweisung geführt hat, falsch war. Weshalb der Allgemeinmediziner MIT ELGA zu einer BESSEREN Diagnose kommen kann, erschließt sich mir nicht.

Stöger: Jetzt gehören die Daten den Ärzten. In Zukunft werden die Daten dem Patienten zurückgegeben. Der Patient soll entscheiden, wer auf Daten zugreifen kann.

1.) Mit die „Die Daten gehören den Ärzten“ bringt Stöger seine Weltsicht so „auf den Punkt“ wie die Gratiszeitschrift heute; übrigens auch mit einer vergleichbaren Intellektualität. Hier wird ein dümmliches Feindbild aufgebaut.
2.) Wenn der Patient frei entscheidet, wer die Daten sehen kann und er entscheidet sich dagegen, dass sein Allgemeinmediziner sie sehen darf, widerspricht Stöger seiner oben gemachten Aussage, dass ELGA zu einer besseren Diagnostik des Allgemeinmediziners führen muss. Ganz im Gegenteil, die Zeit in der der Arzt in der EDV nach möglichen Informationen sucht verliert er im Patientengespräch. In Summe wird das die Informationsqualität der Patienten/Arzt-Beziehung verschlechtern.

Wechselberger: Die Stärkung der Patientenautonomie durch den elektronischen Zugriff ist sehr eingeschränkt: Gerade ältere Menschen haben oft keinen Zugang zu elektronischen Medien.

Stöger: Man soll ältere Menschen nicht unterschätzen. Es haben viele Zugang zu elektronischen Medien. Aber wir haben auch bei der Patientenanwaltschaft Ombudsstellen eingerichtet, die Menschen unterstützen.

Wir schreiben in den Ambulanzbrief eine Therapieempfehlung (1×1 Tabletten täglich am Morgen) und haben den Patieten mit der Frage am Telefon, ob er denn diese Tabletten auch wirklich einnehmen soll, obwohl er die Anweisung schriftlich vor sich hat. Es freut mich, wenn ich die Patienten ab sofort an die Patientenanwaltschaft weiterleiten darf, die ihnen dann ELGA vorliest.

Wäre die Akzeptanz für ELGA höher, wenn man von Anfang an die Frage nach der Entschädigung geklärt hätte?

Stöger: Es gibt eine Entschädigung. Ärztliche Leistungen werden schon bezahlt.

Aber es gibt keine zusätzliche Entschädigung für ELGA.

Stöger: Nein, weil es keine Computerentschädigung gibt. Ärztliche Leistung wird in Österreich bezahlt, und das gar nicht einmal so schlecht. 

Die eben innerhalb des KAV (sowohl im AKH als AKIM als auch in den anderen Häusern als Impuls) eingeführte EDV reduziert nachweislich die Systemeffizienz um ein Drittel, d.h. in der selben Zeit können wir ein Drittel weniger Patienten durch die Ambulanzen schleusen, weil wir mit Hunderten Mausklicks und dem Suchen nach verschwundenen Befunden befasst sind. Ähnliches wird auch in der Niederlassung passieren.

Man nennt das Produktivitätsparadoxon:
We see the computer age everywhere except in the productivity statistics“ [Solow, 1987]
http://de.wikipedia.org/wiki/Produktivit%C3%A4tsparadoxon

Komplexe Prozesse, wie sie im Dienstleistungssektor (z.B. im Gesundheitswese)n ablaufen werden durch eine enge Bindung an die EDV, insbesondere bei derartig unintelligenter Anwendung, wie wir sie täglich erleben, eher behindert als erleichtert.

Auf den ersten Blick scheint es doch sonnenklar, dass der zusätzliche Zugang zu einem Informationsspeicher wie ELGA für den Arzt und seinen Patienten nur Vorteile haben kann. Dies gilt aber nur dann, wenn die Informationen so aufbereitet sind, dass sie sich rasch und eindeutig finden lassen. Dass dies in den bestehenden Datenbanken nicht der Fall ist, habe ich hier schon öfters gezeigt (z.B.:http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=58118).

Der infantilen Fortschrittsglauben, den unser Minister hier mit seinem Glauben an die Heilkraft der IT an den Tag legt, blendet ganz offenkundig die fachliche Diskussionen der letzten Jahrzehnte aus und wird dem Gesundheitssystem viel Geld kosten und ein paar IT- und Hardwarefirmen aus dem Gesundheitsbudget reich machen.

Für den vermeintlichen Vorteil, dass der Hausarzt das Blutbild der letzten Woche abrufen kann, das ihm „sein“ Labor ohnehin schon übermittelt hat und der Patient ausgedruckt in Händen hält, werden wir alle in eine Spirale von kostenintensiven Hard- und Softwareupdates getrieben.
Im KAV erleben wir derzeit, dass nach der Einführung besagter Software gewaltsam Ambulanzmappen abgeschafft und durch personalintensives „Einscannen“ ersetzt werden; Befunddoubletten werden sich so explosionsartig vermehren.

Das jetzt schon oft undurchdringliche Dickicht einer Krankengeschichte wird durch einen unüberseh- und somit nicht mehr sinnvoll verwendbaren digitalen Misthaufen ersetzt. Wie die gesetzlich vorgeschriebenen Aufbewahrungsfristen über die nächsten Jahrzehnte realisiert werden sollen, bleibt unhinterfragt.

Aus Arbeitsplätzen mit einem Bildschirm werden zwangsweise solche mit Doppelbildschirmen, weil sonst kein vernünftiges Arbeiten mehr möglich ist.

Die rot unterlaufenen Augen des Arztes starren auf der Suche nach den Befunden seines Patienten unverwandt auf mehreren Bildschirmen, und unzählige Mausklicks mit nachfolgender Sehnenscheidenentzündung lösen den Tennisellenbogen als berufstypische Ärztekrankheit ab.
Vermutlich bemerkt er gar nicht, dass inzwischen sein Patient entweder schon tot oder am Weg zu seinem Esotheriker ist, der ihn dann vielleicht anschaut, anhört und angreift.
Dann endlich haben alle Kritiker der Schulmedizin Recht behalten.

Das volle Interview finden Sie hier:
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/1598149/ELGA_Wir-haben-vor-Mehraufwand-und-Kosten-Angst?from=gl.home_politik

Written by medicus58

25. April 2014 at 07:30

Nebelgranaten mit Steuergeld im Gesundheitssystem, oder wie uns Generaldirektor Marhold mit unserem Geld die Welt erklärt

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MARHOLD hat uns was zu sagen

 

In diesem Blog wurde schon mehrfach auf die horrenden PR Ausgaben des Wiener Rathauses hingewiesen:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31858
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=32406

Wenn sich nun die Bundesregierung darauf geeinigt hat ihre Werbungskosten offen zu legen ist das ein guter Anfang.
http://derstandard.at/1297819809647/Regierungsinserate-Koalition-einigt-sich

Lt. OÖ Nachrichten betrifft das Gesamtvolumen der PR Ausgaben von Gebietskörperschaften und staatsnahen Betrieben 95 Millionen €. 
http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/innenpolitik/art385,570496

Zusätzlich gibt es natürlich noch die Presseförderung 2010: 6,645 Mill € 
http://www.rtr.at/de/ppf/BesPF2010
und die Vertriebsförderung 2010: 2,44 Mill €
http://www.rtr.at/de/ppf/VertrPF2010
mit der man sich ja auch den guten Willen der Journaille kaufen kann …

Mir scheinen diese Zahlen geschönt, wenn man weiß, dass z.B. Frankreich in den Topf Presseförderung 1 Milliarde € fliessen lässt: 
http://derstandard.at/1284594494721/Frankreich-Eine-Milliarde-Pressefoerderung

Und ich kann diesem Blog nur zustimmen:
http://ungefragt.com/?p=963

Doch nun zum eigentlichen Thema:
Wie auch schon hier angesprochen, geht dzt eine massive Sparwelle durch den Wiener Krankenanstaltenverbund KAV,
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=32406
und Presseaussendungen zwischen Ärztekammer und Generaldirektor Marhold wogen hin und her:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34434

In einer unbeschreiblichen Beschwichtigungstour zieht Marhold nun durch „seine“ Spitäler und spricht von Mißverständnissen und versucht „seine“ Mitarbeiter beruhigen, dass ein Aufnahmestopp bei den Abteilungshelferinnen und eine Reduktion der Turnusärzte ohnehin nicht so schlimm wäre, und wir doch von der Wirtschaftskrise nichts spüren würden.

Die vorhandenen Gelder für substanzerhaltende Reinvestitionen fehlen aber. 
Das Reinvestbudget für große Häuser liegt so niedrig, dass nicht einmal ein defektes Großgerät ersetzt werden kann, aber in einer ganzseitigen BEZAHLTEN WERBUNG in HEUTE (vormals U-Bahn Express) spricht man von MODERNISIERUNG in den Wiener Gemeindespitälern. 
Liest man das aber genauer (Link am Ende des Beitrages), dann sieht man, dass Einsparungen und Schliessungen als Benefit verkauft werden sollen.

Die Schliessung der Abteilungen am Wochenende wird als Effizienzsteigerung verkauft; dass dann die Hausärzte auch nicht erreichbar sind und die Patienten mit Komplikationen sich in überfüllte Ambulanzen am anderen Ende der Stadt drängen wird verschwiegen.

Hinter der Überschrift „Hochwertige medizinische Leistung und die Rekonvaleszenz daheim verbringen“ verbirgt sich die Realität von vorzeitig entlassenen Patienten, die am nächsten Tag mit der Rettung wieder in ein anderes Spital gebracht werden müssen …

Hinter dem Jubel über das EDV Programm OPERA, das die Anmeldezeiten für Operationen regelt, verbirgt sich die Realität, dass Notoperationen nicht durchführbar sind, weil EDV-technische Probleme auftreten.

ES IST UNERTRÄGLICH, DASS UNSER ALLER GELD DAFÜR EINGESETZT WIRD, DASS ÖFFENTLICHE BETRIEBE UNS ÜBER IHRE FINANZIELLEN NÖTE UND UNZULÄNGLICHKEITEN MIT BEZAHLTER PROPAGANDA HINWEGTÄUSCHEN WOLLEN, UND DAMIT LETZTENDLICH POLITISCHE WERBUNG BETREIBEN.

WIR HABEN EINEN ÖFFENTLICHEN UND ZWANGSFINANZIERTEN RUNDFUNK. WENN MAN DEN WÄHLER INFORMIEREN MÖCHTE, DANN BITTE ÜBER DIESE KANÄLE. WENN MAN DAS NICHT TUT, WEIL MAN ANGST DAVOR HAT, DASS DIE AUFGESTELLTEN NEBELGRANATEN HINTERFRAGT WERDEN KÖNNTEN, DANN SOLLTE MAN BESSER SCHWEIGEN.

Die angesprochene Werbeeinschaltung finden Sie hier, denn auf der HP von www.Heute.at fehlt sie natürlich. Das war im Preis (40.000 € ?) nicht enthalten:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=35009

Written by medicus58

9. März 2011 at 10:44

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