Sprechstunde

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Da mir Minister Stöger kein Interview zu ELGA gibt

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erlaube ich mir hier seine in der Presse erschienenen Aussagen zu kommentieren. Ob trollig oder drollig, mögen Sie selbst entscheiden. Eigentlich hätte ich mir diese Beiträge von meinem Ärztekammerpräsidenten gewünscht, aber vermutlich hat der auch noch nie was vom Produktivitätsparadoxon gehört:

Sobald Befunde im System sind, sollte man sich also Sorgen machen?

Alois Stöger: Nein. Es (=ELGA) ist ein großer Nutzen für Arzt und Patienten, dass der Allgemeinmediziner den Befund seiner Kollegen kennt. Dadurch kann er eine noch qualifiziertere Diagnose stellen.

1.) Wenn der Allgemeinmediziner, der ja in der Regel die Patienten zu den anderen Kollegen (=Fachärzten) geschickt hat, bisher deren Befunde nicht kannte, frage ich mich, weshalb man ihn für die Überweisung bezahlt hat.
2.) Der Patient kommt vom Facharzt entweder MIT einer Diagnose (und einem Therapievorschlag) oder eben der Erkenntnis, dass die Verdachtsdiagnose, die den Allgemeinmediziner zur Überweisung geführt hat, falsch war. Weshalb der Allgemeinmediziner MIT ELGA zu einer BESSEREN Diagnose kommen kann, erschließt sich mir nicht.

Stöger: Jetzt gehören die Daten den Ärzten. In Zukunft werden die Daten dem Patienten zurückgegeben. Der Patient soll entscheiden, wer auf Daten zugreifen kann.

1.) Mit die „Die Daten gehören den Ärzten“ bringt Stöger seine Weltsicht so „auf den Punkt“ wie die Gratiszeitschrift heute; übrigens auch mit einer vergleichbaren Intellektualität. Hier wird ein dümmliches Feindbild aufgebaut.
2.) Wenn der Patient frei entscheidet, wer die Daten sehen kann und er entscheidet sich dagegen, dass sein Allgemeinmediziner sie sehen darf, widerspricht Stöger seiner oben gemachten Aussage, dass ELGA zu einer besseren Diagnostik des Allgemeinmediziners führen muss. Ganz im Gegenteil, die Zeit in der der Arzt in der EDV nach möglichen Informationen sucht verliert er im Patientengespräch. In Summe wird das die Informationsqualität der Patienten/Arzt-Beziehung verschlechtern.

Wechselberger: Die Stärkung der Patientenautonomie durch den elektronischen Zugriff ist sehr eingeschränkt: Gerade ältere Menschen haben oft keinen Zugang zu elektronischen Medien.

Stöger: Man soll ältere Menschen nicht unterschätzen. Es haben viele Zugang zu elektronischen Medien. Aber wir haben auch bei der Patientenanwaltschaft Ombudsstellen eingerichtet, die Menschen unterstützen.

Wir schreiben in den Ambulanzbrief eine Therapieempfehlung (1×1 Tabletten täglich am Morgen) und haben den Patieten mit der Frage am Telefon, ob er denn diese Tabletten auch wirklich einnehmen soll, obwohl er die Anweisung schriftlich vor sich hat. Es freut mich, wenn ich die Patienten ab sofort an die Patientenanwaltschaft weiterleiten darf, die ihnen dann ELGA vorliest.

Wäre die Akzeptanz für ELGA höher, wenn man von Anfang an die Frage nach der Entschädigung geklärt hätte?

Stöger: Es gibt eine Entschädigung. Ärztliche Leistungen werden schon bezahlt.

Aber es gibt keine zusätzliche Entschädigung für ELGA.

Stöger: Nein, weil es keine Computerentschädigung gibt. Ärztliche Leistung wird in Österreich bezahlt, und das gar nicht einmal so schlecht. 

Die eben innerhalb des KAV (sowohl im AKH als AKIM als auch in den anderen Häusern als Impuls) eingeführte EDV reduziert nachweislich die Systemeffizienz um ein Drittel, d.h. in der selben Zeit können wir ein Drittel weniger Patienten durch die Ambulanzen schleusen, weil wir mit Hunderten Mausklicks und dem Suchen nach verschwundenen Befunden befasst sind. Ähnliches wird auch in der Niederlassung passieren.

Man nennt das Produktivitätsparadoxon:
We see the computer age everywhere except in the productivity statistics“ [Solow, 1987]
http://de.wikipedia.org/wiki/Produktivit%C3%A4tsparadoxon

Komplexe Prozesse, wie sie im Dienstleistungssektor (z.B. im Gesundheitswese)n ablaufen werden durch eine enge Bindung an die EDV, insbesondere bei derartig unintelligenter Anwendung, wie wir sie täglich erleben, eher behindert als erleichtert.

Auf den ersten Blick scheint es doch sonnenklar, dass der zusätzliche Zugang zu einem Informationsspeicher wie ELGA für den Arzt und seinen Patienten nur Vorteile haben kann. Dies gilt aber nur dann, wenn die Informationen so aufbereitet sind, dass sie sich rasch und eindeutig finden lassen. Dass dies in den bestehenden Datenbanken nicht der Fall ist, habe ich hier schon öfters gezeigt (z.B.:http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=58118).

Der infantilen Fortschrittsglauben, den unser Minister hier mit seinem Glauben an die Heilkraft der IT an den Tag legt, blendet ganz offenkundig die fachliche Diskussionen der letzten Jahrzehnte aus und wird dem Gesundheitssystem viel Geld kosten und ein paar IT- und Hardwarefirmen aus dem Gesundheitsbudget reich machen.

Für den vermeintlichen Vorteil, dass der Hausarzt das Blutbild der letzten Woche abrufen kann, das ihm „sein“ Labor ohnehin schon übermittelt hat und der Patient ausgedruckt in Händen hält, werden wir alle in eine Spirale von kostenintensiven Hard- und Softwareupdates getrieben.
Im KAV erleben wir derzeit, dass nach der Einführung besagter Software gewaltsam Ambulanzmappen abgeschafft und durch personalintensives „Einscannen“ ersetzt werden; Befunddoubletten werden sich so explosionsartig vermehren.

Das jetzt schon oft undurchdringliche Dickicht einer Krankengeschichte wird durch einen unüberseh- und somit nicht mehr sinnvoll verwendbaren digitalen Misthaufen ersetzt. Wie die gesetzlich vorgeschriebenen Aufbewahrungsfristen über die nächsten Jahrzehnte realisiert werden sollen, bleibt unhinterfragt.

Aus Arbeitsplätzen mit einem Bildschirm werden zwangsweise solche mit Doppelbildschirmen, weil sonst kein vernünftiges Arbeiten mehr möglich ist.

Die rot unterlaufenen Augen des Arztes starren auf der Suche nach den Befunden seines Patienten unverwandt auf mehreren Bildschirmen, und unzählige Mausklicks mit nachfolgender Sehnenscheidenentzündung lösen den Tennisellenbogen als berufstypische Ärztekrankheit ab.
Vermutlich bemerkt er gar nicht, dass inzwischen sein Patient entweder schon tot oder am Weg zu seinem Esotheriker ist, der ihn dann vielleicht anschaut, anhört und angreift.
Dann endlich haben alle Kritiker der Schulmedizin Recht behalten.

Das volle Interview finden Sie hier:
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/1598149/ELGA_Wir-haben-vor-Mehraufwand-und-Kosten-Angst?from=gl.home_politik

Written by medicus58

25. April 2014 at 07:30

Was sich der Stöger hier wieder erlaubt hat …

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ÖBIG Pflegeexperten
Wir haben uns schon daran gewöhnt, dass uns zwar in der TV-Werbung 
Der Hofstädter, der was eine Marke von Billa und Merkur ist, das zu Tode gestreichelte nachhaltige Henderl persönlich ins Einkaufstaschl legt, während wir in den Filialen von den -vermutlich mies bezahlten- Anlernkräften nicht einmal erfahren können wo heute nach der letzten Umschlichtung das cellophanverschweisste Industriegeflügel gelagert wird.

Diese Tendenz höherqualifizierte Arbeiten von minderqualifizierten Mitarbeitern und damit billiger verrichten zu lassen ist auch im Gesundheitssystem im Gange und so kommen wir zu Gesundheitsminister Stöger..

Bereits 2008 hat der britische Gesundheitsminister mit Planungen begonnen (http://www.heise.de/tp/blogs/3/110249) die aus dem kaputt gesparten Gesundheitssystem NHS geflüchteten Ärzte durch Krankenschwestern zu ersetzen und angedacht, dass diese doch auch kleine Operationen selbst durchführen könnten.

Wie jetzt bekannt wurde, hat der österr. Gesundheitsminister schon ein Jahr später seine „Mietexperten“ im GÖG Ges.m.b.H (damals noch ÖBIG) ebenfalls darüber nachdenken lassen, wer die Arbeit der in Zukunft fehlenden Ärzte denn machen könnte (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33160). 

In den letzten Tagen haben jetzt auch einheimische Medien Wind davon bekommen, so dass BuMin Stöger sofort abwimmelte, dass er nicht daran dächte das Ärztegesetz, das nicht ganz zu Unrecht bestimmte medizinische Tätigkeiten den dafür ausgebildeten Ärzten vorbehält, zu umgehen.
Nebbich, welcher Minister gibt denn zu, ein bestehendes Gesetz zu mißachten, jedoch erfährt man von den seit Jahren an dem OPUS 

Gesundheits- und Krankenpflegeberufe: Konkretisierung der Reformansätze Aufgaben- und Kompetenzprofile zu den Spezialisierungen
Projektkoordination: Elisabeth Rappold, Ingrid Rottenhofer
Fachliche Begleitung durch das BMG: Meinhild Hausreither, Paul Resetarics
Projektassistenz: Heike Holzer

Werkenden, dass sie ausdrücklich die Vorgabe hatten sich nicht an die bestehenden gesetzlichen Regelungen zu halten
Gesetze können ja schließlich geändert werden.

In diesem Auftragswerk des BuMin werden z.B. „Perioperative Pflegeexperte“ erfunden,

(allein die Namenswahl wird dazu führen, dass der geplante „Facharzt für Allgemeinmedizin“ bald ebenfalls in „FacharztEXPERTE für Allgemeinmedizin„umgetauft werden muss, um nicht gegen die Pflege rein begrifflich abzustinken,

die zukünftig zum Beispiel 

den „Hautschnitt vor Operationen“ durchführen dürfen; blöd nur, wenn dann der Operateur den Schnitt gerne 3 cm höher hätte …

und ein Röntgenbild interpretieren dürfen, um danach eine Therapie einzuleiten; blöd nur, wenn die Verschattung eine Ödem und keine Lungenentzündung ist und eher Diuretika als Antibiotika angezeigt wären …

Viele andere Absurditäten dieses angeblich bedarfs-  und kompetenzorientieren Skill- und Grade-Mix sollen hier gar nicht referiert werden, vielmehr fasziniert die Methode, wie man hier Gesundheitsberufe hinters Licht führt und mit ihrem Minderwärtigkeitsgefühl schamlos Politik betreibt.

Gebelendet von dem Versprechen es würde auf sie etwas vom angeblichen Glanz der Götter in Weiß abfallen, gaukelt man ihnen einen sozialen und finanziellen Aufstieg vor, den es so nicht geben wird.
 
Einerseits ist (Gott-sei-Dank) von dem Glanz der Götter in Weiß ohnehin nicht mehr viel übrig, andererseits zeigt die Erfahrung bei anderen Gesundheitsberufen, dass die trotz Akademisierung nicht mehr verdienen und letztendlich irgendwer die bisherige Arbeit machen muss, denn all die Theoretisierer und Wissenschaftler heilen nicht den durchgebrochenen Blinddarm, die Pneumonie oder den Herzinfarkt. Insbesondere haben wir im Gegensatz zu den USA oder den Emiraten kein Geld für eine Schar an Hilfskräften, die die ganz unwissenschaftlichen Tätigkeiten am Patienten ausüben, wie Füttern und Gesäßreinigung.

Wir haben den Prozess der Akademisierung, Kompetenzvertiefung und Kompetenzerweiterung bei den medizinisch-technischen Berufen (Physikalistinen, Laborpersonal, RadiologietechnologInnen, ..) schon hinter uns, denen ebenfalls per MTD Gesetz das eigenverantwortliche Tätigwerden erlaubt wurde.

Immer mehr „Master“ und „Dr. med. sci.“ erkennen aber nun, dass nur wenige Unterschlupf in den Reihen des GÖG oder den FHs finden, die anderen aber ohne Gehaltserhöhung die selben Tätigkeiten wie bisher ausüben müssen.

Dass in manchen Fällen die Routinequalität der Arbeit schlechter als früher wurde, weil man sich offenbar „zu gut für die Routine“ wähnt, ist nur meine unmaßgebliche – weil nicht notwendigerweise zu verallgemeinernde – Erfahrung.

Ganz absurd ist es, dass sich die Pflege (oft ohnehin nur die Pflegedirektorin) weigert im Nachtdienst ganz banale, schon jetzt mit dem gesetzlichen Berufsbild vereinbare Tätigkeiten durchzuführen:

subkutane Heparingabe (was i.d.R. sogar Angehörige daheim durchführen)oder das Umhängen von Infusionsflaschen, wenn die erste leer ist ….

aber nun noch mehr Kompetenzen einfordern.
Andererseits hat sicher jeder Arzt am Anfang seiner Ausbildung von einigen, erfahrenen Krankenschwestern viel gelernt. 
Auf Intensiv- oder Dialysestationen habe ich mehrfach erlebt, dass die Einschätzung der neurologischen Situation von schwer kranken Patienten durch die Pflege, die stundenlangen Kontakt zum Patienten hatte, mitunter besser war als durch den Konsiliarneurologen…

Persönlich hatte und habe ich auch nie ernsthafte Konflikte mit der Pflege und wurde im Nachtdienst i.d.R. nicht zum Heparinspritzen geholt, weil ich vorab immer klargestellt habe, dass ich natürlich käme, wenn sie der Meinung wären, dass sie die Verantwortung für „den Eingriff“ nicht übernehmen könnten.

Medizin ist ein multidisziplinäres Tun, wo jeder Beitrag gleichwertig für das Ziel, die erfolgreiche Behandlung eines Kranken ist. Trotzdem ist nicht jeder – auch von seiner Ausbildung und nicht zuletzt von seiner Haftungsfähigkeit – dafür geeignet jeden Schritt dieses Prozesses zu vollziehen.

In den aktuellen Aussgaen des Bundesministeriums zur Fachärzteausbildung wird auf ein modulares System übergegangen und billigend in Kauf genommen, dass die zukünftigen Facharzte nicht mehr in allen Aspekten ihres Faches gleich tief ausgebildet werden.
Aus Erzählungen sind mir noch Zustände bekannt, wo die Krankenschwestern an Patientennachthemden Knöpfe angenäht haben und die Zytostatika selbst angemischt haben
Ich wurde einmal von so einer „erfahrenen Schwester“ gefragt, ob den „Milligramm“ und „MilliMol“ des Ztostatikums nicht ohnehin dasselbe wären. Keiner will das wieder zurück.
Die Pflege hat sich – ausgehend vom anglikanischen Raum und dort auch weiter fortgeschritten als bei uns – zu einer Pflegewissenschaft weiterentwickelt. Diese hat andere Aufgaben als „Hautschnitte anfertigen“ und „Röntgenbilder zu befunden“.
Ich möchte mit einem akuten Cerebralinsult von einem qualifizierten Neurologen in einer Stroke Unit behandelt werden, weiß aber, dass ich nach der Akutphase auf die Qualifikation von anderen Berufen angewiesen bin, um meine größtmögliche Mobilität zu erhalten. Im Falle einer Hirnmassenblutung vertraue ich aber auf einen guten Neurochirugren und Intensivmediziner.

„Was sich der Stöger da erlaubt hat“ ist meines Erachtens fahrlässig und richtet sich sowohl gegen die Ärzteschaft, was wir gewöhnt sind, aber wird auf lange Sicht auch die Pflege frustrieren. Ich sage voraus, dass diese Akademisierung und Kompetenzaufwertung der Pflege dazu führt, dass man zukünftig nicht hinter der Pflegedirektorin, Oberschwester und Sttationsschwester nicht mehr diplomiertes Krankenpflegepersonal haben wird, das von nicht-diplomierten Stationshelferinnen unterstützt wird, sondern dass man der kompetenzaufgewerteten akademischen Pflegeexpertin nur mehr minderqualifiziertes Personal zur Seite stellt und sie mit ihrem vermeidlichen Prestigegewinn „im Regen der Routine“ alleinläßt. Erst dann wird es zu Kosteneinsparungen kommen.

Die Nachbesetzung von diplomierten Krankenschwestern- und -pflegern durch Stationshelferinnen ist in so manchem Krankenhausverbund bereits gelebte Realität. 

Wenn das von den Pflegeexperten realisiert wurde, dann werden die aus ihren akademischen Wolken gefallenen Pflegepersonen vielleicht wieder solidarisch mit uns Ärzten gegen diese Entwicklungen ankämpfen, 
nur dann wird es zu spät sein.

Written by medicus58

18. September 2013 at 19:36

Perlen aus Stögers Reich

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stoeger2

Wenn man sich so auf der Homepage unseres Bundesministeriums für Gesundheit herumklickt, stolpert man über Perlen, die einen sicher machen, dass unser Steuergeld hier gut investiert wird:

Nach all den Selbstbeweihräucherung über die Gesundheitsreform 2012/13, zuletzt gestern unterzeichneten den Zielvertrag (http://derstandard.at/1371170731868/Gesundheitsreform-Zielvertrag-soll-zu-Effizienz-verpflichten), liest man am 27.7.2013, dass „die Gesundheitsreform 2005 (!) den jüngsten und aus Sicht des Bundes wohl bedeutendsten Schritt zum Thema Qualität im Gesundheitswesen“ darstellt. http://bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Gesundheitssystem_Qualitaetssicherung/Qualitaetsentwicklung_im_oesterreichischen_Gesundheitswesen

In der Pressemappe zur Pressekonferenz zum oben genannten Zielvertrag liest man ergriffen: Österreich hat eines der besten Gesundheitssysteme der Welt und der Zugang zu medizinischen Leistungen ist international beispielgebend. http://www.bmg.gv.at/cms/home/attachments/2/8/3/CH1396/CMS1360225655870/pkunterlage_bundeszielsteuerungsvertrag.pdf Während in der Pressekonferenz selbst LH Pühringer von Rettung in höchster Not: „Das alte System wäre an die Wand gefahren“ zu sprechen müssen glaubte. Wenn das beispielgebend war?

Dann wieder ganz praktische Hinweise zum Spielzeugkauf: Vorsicht bei Ziehenten oder ähnlichen Spielsachen! http://www.bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/VerbraucherInnengesundheit/Spielzeug/Ratgeber_zur_Spielzeugwahl Nachträglich läuft mir das kalte Grausen den Buckel hinunter, wie unverantwortlich mich meine Eltern aufwachsen liessen.

Aber letztlich kann man sichals Nutzer von Stögers Internetauftritt sowieso brausen, denn wenn auch Gesetzestexte, Gesundheitsempfehlungen und Datenbanken einen nicht unbeträchtlichen Anteil ausmachen, liest man unter
Haftung: Die bereitgestellten Inhalte sind ohne Gewähr. Das Ministerium übernimmt keine Haftung für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte auf dieser und anderer Internetseiten des Gesundheitsministeriums. http://www.bmg.gv.at/home/Informationen/Impressum/

Und das obwohl sich Stöger bereits mit einem zweiten Pressesprecher aufmunitioniert hat, der ehemaligen Leiterin des Referates für Öffentlichkeitsarbeit, die für den Internetauftritt verantwortlich zeichnet(http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20130619_OTS0110/neue-pressesprecherin-bei-gesundheitsminister-alois-stoeger),
Bei dieser offensiven Öffentlichkeitsarbeit in Vorwahlzeiten, scheint sich Stöger hinsichtlich seiner Zukunft an einen rezenten Hit von „Wir Helden“ zu orientieren:
Wir gehen nicht,
aber wenn wir gehen, dann gehen wir in Scheiben
Entschuldigung, aber ich sagte:
wir sind gekommen um zu bleiben.

Vergleiche: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=75845

Written by medicus58

27. Juni 2013 at 17:12

Für alle, die es noch immer nicht begriffen haben: Schwarze Zahlen im Gesundheitssystem

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Auf die Privatisierungstendenzen im österr. Gesundheitssystem wurde schon hier mehrfach hingewiesen (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53958).
Für alle, die noch irgendeinen Zweifel haben, dass es den heutigen Entscheidungsträgern nicht mehr darum geht mit einem Gesundheitssystem Menschen gesund zu erhalten oder wieder zu machen, darf ich folgende Mail im Original pasten, die mich gerade erreicht hat:

Einladung zum 11. Europäischen Gesundheitskongress München 11.-12.10.2012
Sehr geehrter XXXXX, 

Was macht den wirtschaftlichen Erfolg von Krankenhäusern aus?

Einem aktuellen Rating-Report zufolge lässt sich der wirtschaftliche Erfolg einer Klinik nicht der Trägerschaft – öffentlich, gemeinnützig oder privat – zuschreiben. Vielmehr ist es die Klinikleitung selbst, die durch Qualität und kaufmännische Fähigkeiten ihr Haus in die schwarzen Zahlen steuern kann. Auf der anderen Seite sind die Aufsichtsräte in der Position, die hierfür dringend notwendigen Freiheitsgrade der Führungsmannschaft einzuschränken oder aber zu erhöhen.

Zur Diskussion über die richtigen Freiräume und effektive Unternehmensorganisation haben wir die Politiker Dr. Carlo Conti für die Schweiz, Prof. Dr. Hubert Hrabcik für Österreich, Landrat Martin Sailer für Deutschland sowie den Aufsichtsratsexperten Dr. Axel Smend zum Europäischen Gesundheitskongress München eingeladen. Ihre Erfahrungen mit Krankenhäusern in schwarzen Zahlen bringen zudem Karsten Honsel, Klinikum Hannover, und Frank-Michael Frede, VAMED Deutschland, ein.

Lassen Sie sich von 26 Foren mit über 150 Referenten dazu inspirieren, zum Gipfeltreffen der deutschsprachigen Gesundheitswirtschaft im Herbst nach München zu kommen.
Hier das gesamte Kongressprogramm:  http://www.gesundheitskongress.de/2012/programm.htm

Wer sich das Programm der Veranstaltung über den obigen Link ansieht, findet im erlauchten Kreis der privaten Gesundheitsdienstleistungsanbieter natürlich auch unseren Alois Stöger, Österreichs Bundesminister für Gesundheit, (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33251) der sich den Schritt ins bajowarische Ausland nicht nehmen läßt, um an der Zukunft unseres Gesundheitssystems (Logo auf der HP der Veranstaltung) zu arbeiten.

Hurra! Wir haben eine Gesundheitsreform!

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Österreich bebt, zumindest der mediale Teil davon:

Wir haben eine Gesundheitsreform!

Gesundheitsminister Stöger: „partnerschaftliches Zielsteuerungsmodell“
Landeshauptmann Pühringer:Ende des Verschubbahnhofs
Hauptverbandschef Schelling; „Der 13. Juni in einigen Jahren als „Tag der Patienten“ gesehen
SPÖ Kärnten Kaiser: Wichtiger Schritt um freien Zugang zur besten Gesundheitsversorgung für alle zu sichern!

http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/innenpolitik/art385,905172
http://fb.me/19Mi59eph

Déjà-vu, wir erinnern uns:

Rauch-Kallat  2004:
Mit dem Strukturplan soll Österreich in 32 Gesundheitsregionen eingeteilt werden, in denen das Leistungsangebot geregelt werden soll. Für die Umsetzung sollen eine Bundesagentur und neun Landesagenturen eingerichtet werden.
http://derstandard.at/1746613

Schüssel 2004: „Zum ersten Mal wird hier nicht nur Geld umverteilt, sondern es werden wirkliche Reformen angedacht und umgesetzt – vor allem miteinander und nicht gegeneinander“
http://www.oe-journal.at/Aktuelles/!2004/1104/W2/21211Pfinanzausgleich.htm

Rauch Kallat 2005: Es sei erstmals in der Zweiten Republik eine Qualitätssicherung im Gesundheitswesen gelungen http://www.news.at/articles/0504/10/103932/rauch-kallat-gesundheitsreform-neue-selbstbehalte

Rauch-Kallat 2005: Mit „ungeheuerlichen und völlig aus der Luft gegriffenen Vorwürfen“ versuche Kräuter nun, „die Erfolge der Gesundheitsreform herunterzuspielen“.
http://www.salzburg.com/sn/nachrichten/artikel/1618349.html

Rauch-Kallat 2006: Krankenkassen bilanzieren 2005 positiv
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/archiv/115338_Kassenbilanz-ohne-Konsens.html

Bures 2006: Rauch-Kallat schafft sich Machtbasis – aus unabhängigen Qualitätsinstituten wird weisungsgebundene Stelle
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20060420_OTS0116/bures-rauch-kallat-schafft-sich-machtbasis-aus-unabhaengigen-qualitaetsinstituten-wird-weisungsgebundene-stelle

Ach, ja Gesundheitsreformhttp://wp.me/p1kfuX-hF

Link: http://derstandard.at/1338559540525/Gesundheitsreform-Es-war-letztlich-keiner-bereit-wirklich-Kompetenzen-abzugeben

Written by medicus58

13. Juni 2012 at 17:51

Endlich ELGA: Cui bono?

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Jetzt kommt Bewegung rein, alle sind sich einig, da muss es ja was Gutes sein:
ELGA

Trotz aller hier immer wieder angeführter Bedenken http://wp.me/p1kfuX-9g http://wp.me/p1kfuX-hp
und den schlechten Erfahrungen anderer in
UK: http://www.bmj.com/content/344/bmj.e3739, http://www.aekwien.at/aekmedia/Healthcare_UK.pdf  Tschechien: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Tschechien-stoppt-elektronische-Patientenakte-IZIP-1587082.html trotz Kritik von
Ärztekammer: http://www.aekwien.at/index.php/aerztekammer/oeffentlichkeitsarbeit/kampagnen/elga/1098.html Datenschützern: http://www.argedaten.at/php/cms_monitor.php?q=PUB-TEXT-ARGEDATEN&s=76073ews Sozialdemokratischen Ärzten: http://www.initiative-elga.at/ELGA/pressespiegel_infos/Analyse_ELGA_kritische_Betrachtung_120206.pdf

sind sich nun  Niederösterreichs Schatten-Gesundheitsminister Sobotka (http://wp.me/p1kfuX-4g) und Wiens Gesundheitsstadträtin Wehselsy (über deren Planlosigkeit hier kürzlich berichtet wurde: http://wp.me/p1kfuX-jr) einig, (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20120604_OTS0235/sobotka-und-wehsely-zur-gesundheitsversorgung-in-der-ostregion) dass
ELGA kommt!

Damit sind Sie in guter Gesellschaft:
Gesundheitsminister Stöger (der Patienten seit Jahren versichert, dass es trotz finanzieller Kürzungen keine Einschränkungen im Gesundheitssystem gibt http://wp.me/s1kfuX-lugen) verkündet ELGA Start 2012: http://orf.at/stories/2124009/ Wir halten für die Zukunft fest: Einrichtungskosten rund 130 Millionen € ab 2017 laufenden Kostenknapp 70 Mio. (oder zuletzt nur 18 Mill., je nach Quelle) €/Jahr
Für Hans Jörg Schelling (Vorstandsvorsitzender des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger und vom Möbelverschleißer umgeschulter Dirigent der Gesundheitsdienstleister https://medicus58.wordpress.com/tag/schelling/) ist die Lösung überhaupt klar: „Fragen Sie keinesfalls Ihren Arzt.“

Für Martin Gleitsmann von der Wirtschaftskammer wird durch die lückenlose Transparenz der Gesundheitsdaten „die Patientensouveränität gestärkt.“ http://www.schaffler-verlag.com/gw_artikel_dl/111208.pdf Ersetzen Sie Gesundheits- durch Finanzdaten und fragen Sie sich, weshalb wir dann ein Bankgeheimnis brauchen …

Und die Patientenanwälte sind ja ohnehin für ELGA: http://kaernten.orf.at/news/stories/2511593/ Weil Sie das Wohl der Patientenschaft im Auge haben, hoffe ich mal.

Und da das Ganze ja auch von der Europäischen Union auf das heftigste eingefordert wird:  Die Europäische Kommission will die digitale Wirtschaft verbessern, indem es allen Europäern einen Zugang zu Online-Krankenakten in ganz Europa bis spätestens 2020 ermöglichen will. Mit der neu in Kraft getretenen Richtlinie 2011/24/EU über Patientenrechte in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung und einer Umsetzung bis 2013, ist es unvermeidlichdass ein zentrales europäisches Gesundheitsakten System noch vor dem Jahr 2020 zur Realität werden wird. (Text Übersetzung Wikipedia) http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0267364911001257

Ja, wenn alle dafür sind und sich nur die Ärzte dagegen wehren, was liegt da auf der Hand?

„Fragen Sie keinesfalls Ihren Arzt“ der hat was zu verbergen …

Unsere Grafik stammt von der APA und ist einem Artikel der Presse entnommen: http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/762666/ELGA_Man-kann-die-Aerzte-nicht-in-Ketten-abfuehren
Das BuMin gliedert die für 2017 erwarteten Einsparungen wie folgt auf:
45 Millionen € werden eingespart, weil Arzneimittelwechselwirkungen vermieden werden! In anderen Worten E-MEDIKATION! Interessant, denn bisher war E-Medikation nur ein kleienr Teil von ELGA, jetzt ist es das Zugpferd. Über E-Medikation als machtpolitischer Prüfstein machte sich Pichlbauer so seine Gedanken (http://bit.ly/MwZDZM) um an anderer Stelle klar zu machen: “ e-Medikation und Arzneimittelsicherheitsgurt haben nur den einen Hintergrund (Patientensicherheit ist es nicht!): Die Apotheken brauchen einen USP, der ihre Privilegien schützt!” http://fb.me/1MlxBHNCk

Die bisher als Kostentreiber den Patienten verkauften Benefizien der durch ELGA  vermiedenen Doppelbefundungen (Labor, Röntgen) kommen überhaupt nicht mehr vor … komisch, nicht.
31 Millionen € werden eingespart, weil es weniger Arbeitsausfälle gibt! Eine Begründung habe ich nicht gefunden, weshalb jemand, der von sich glaubt krank zu sein erst durch einen Blick in ELGA als „gesund“ entlarvt werden kann; oder geht das BuMin davon aus, dass diese Krankenstände eine Folge von Arzneimittel-Wechselwirkungen darstellen? Na, dann ist der Spruch, dass das Gute aus der Apotheke kommt, schon sehr zu relativieren …

28 Millionen ersparen wir uns durch vermiedene Spitalseinweisungen! Weil wir aus ELGA erfahren, dass der frische Herzinfarkt nicht zu hospitalisieren ist? dass die verwirrte, alleinstehende Omi, gar nicht verwirrt und alleinstehend ist? dass der Hausarzt, seine Patienten allein dadurch heilen könnte, indem er alle Medikamente, die von den Fachärzten rezeptiert wurden, einfach absetzt? Endlich, ELGA!
Wenn Millionen Fliegen nicht irren können, dass Scheisse was Gutes ist, dann müssen auch alle Experten Recht haben,
die noch nie einem Patienten gegenüber saßen,
die nie aus einem alten, der deutschen Sprache nicht mächtigen Anatolier herausfinden mussten, wo es schmerzt,
die nicht täglich feststellen, dass immer wieder elektronischen Daten falsch, unzugänglich, doppeldeutig oder mißverständlich sind,
die nicht Stunden in diversen ELGA Lenkungsausschüssen über das fundamentale Unverständnis der Informatiker den medizinischen Entscheidungsprozessen gegenüber staunten durften …

Mein Tip: „Fragen Sie doch fallweise einen Arzt“

Der mag geldgierig sein
(aber warum betreibt Ihr Apotheker seinen Laden?)
Der mag hinter Ihrem Krankenschein her sein
(aber Ihr Politiker will doch auch nur Ihre Stimme)
Der will sich vieleicht nicht in seine Karten schauen lassen
(aber der Zeitungsherausgeber sagt Ihnen ja auch nicht freiwillig, dass er den Gesundheitsbeitrag nur gebarcht hat, weil auf der nächsten Seite ein einschlägiges Inserat geschaltet wurde)
Aber Ihr Arzt hat irgendwann sein Geschäft in mind. 5 Jahren Studium und mind. 3 – 6 Jahren praktischer Ausbildung gelernt …

und am Ende des Tages werden Sie wie alle anderen hier genannten Personen ihn brauchen,
wenn Sie krank sind,
aber auch, wenn Sie nur glauben, dass Sie krank wären!


Links:
Aus dem Institut für Informationssysteme des Gesundheitswesens 2008 http://iig.umit.at/dokumente/msc_hackl.pdf

Written by medicus58

5. Juni 2012 at 17:34

LÜGEN

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Herr Bundesminister Stöger
sagte heute im Parlament, dass das österreichische Gesundheitssystem im Gegensatz zun anderen Ländern ohne Leistungseinschränkungen auskommt. Gleiches hören wir von allen Seiten von den Gesundheitspolitikern (für Wien: Häupl, Wehsely, Marhold, …). Eine Lüge ist eine Aussage, von der der Sender (Lügner) weiß oder vermutet, dass sie unwahr ist, und die mit der Absicht geäußert wird, dass der oder die Empfänger sie trotzdem glauben. http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCge  Alle im Gesundheitssystem Arbeitenden wissen: Eine zunehmende Zahl an medizinischen Leistungen (Rö-Untersuchungen, Herzschrittmacher, …) ist gedeckelt, d.h. die verschreibenden bzw. behandelnden Ärzte müssen mit einem vorgeschriebenen Kontingent auskommen. Viele Kassenverträge sind ebenfalls gedeckelt, d.h. für Kranke, die der Arzt zusätzlich behandelt, bekommt er nichts. Wen wundert es, dass eine Politk der Warteschlange praktiziert wird. Der Druck auf Kassenvertragsärzte ist so hoch, dass sie medizinisch indizierte, aber teure Diagnostik oder Therapie nur zögerlich verschreiben. Zugelassene, indizierte Therapeutika bzw. leitliniengemäße Diagnostik werden unter fadenscheinigen Argumentationen zwischen Niedergelassenen und Spitälern hin und her geschoben, weil das eigene Budget geschont werden muss. Das LKF System (http://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsorientierte_Krankenanstaltenfinanzierung ) kennt keine qualitätsgesicherte Diagnostik, d.h. ein Spital bekommt für die Diagnose „Lungenembolie“ genau soviel Geld, wenn es die Diagnose mit geeigneten Labor-, Röntgen- und nuklearmedizinischen Testen beweist, wie wenn es der diensthabende Arzt einfach nur mit dem Stethoskop festgestellt haben will … Es zirkulieren, ausgehend von den Ordensspitälern (!) Optimierungsprogramme, in welcher Reihenfolge Diagnosen im LKF System anzugeben sind, um die maximale Punktezahl und somit Refundierung zu bekommen. Mit der medizinischen Wichtigkeit der Einzeldiagnosen hat das nichts zu tun. In NÖ wird eine Spitalsinstitut ersatzlos geschlossen, weil dort überwiegend ambulante Patienten untersucht werden und dafür der Spitalserhalter nicht aufkommen will. Warum wissen das die Patienten nicht, weil natürlich allen im System ein Maulkorb umgehängt wurde. Wenn es die Patienten einmal spitz kriegen, dass sie belogen wurden, dann wundern wir uns wieder wieviele Stimmen populistische Parteien abbekommen…..

Written by medicus58

4. März 2011 at 11:35

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