Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Privat bin I vielleicht a Trottel, aber beim Covid kenn I mi aus

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Sorry Grünmandl für den Titel, aber wos woahr is isch holt woahr.

Eigentlich wollte ich mich ja nicht Impfen lassen. Influenza, FSME, Pneumokokkennund und all das neumodische Zeug hab ich auch ohne Impfung überlebt und Masern war halt a einfache Kinderkrankheiten zu meiner Zeit. Die Punkterln haben wir alle einmal gehabt, auch wenn es vielleicht die Röteln waren.

Jetzt aber, wenn ich mich erstmal Impfen lassen will, gegen das Corona, da hat die Regierung zu wenig von dem Stoff bestellt, die Dodln.

Seit ein paar Tagen ist der Impfstoff zugelassen und noch immer nicht im Land. Jetzt fangen’s zwar nach Weihnachten an, aber statt der versprochenen 4000 Dosen kriegt Niederösterreich jetzt nur 1500.

Viel zu wenig von dem Superimpfstoff der Pfizer, des sind die mit die blauen Pulverln, du weißt schon, hat der Kurz gekauft, weil’s ihm für uns zu teuer waren. Den kriegen’s nur in die Spitäler und Altersheime.

Für die Masse setzen’s auf den AstraZeneca. Aber dieser braucht bereits Hilfe vom russischen „Sputnik V“. (Zitat Zackzack.at)

Die werden auf dem Astra sitzen bleiben. Ich nehme sicher den Biontech oder Moderna. (Zitat Standard Forum)

In Kärnten wird der erste Impfstoff erst Anfang Jänner geliefert. Zu wenig für die Bewohner und das Personal in den Pflegeheime, die zuerst geimpft werden sollen. (Zitat ORF Kärnten)

Ein Planungsdesaster. Im Kampf gegen Corona versagen EU und Bundesregierung bei der Impfstoffbeschaffung, Hunderte Millionen Dosen wurden abgelehnt. Nun kommt der Stoff zu spät – und reicht nicht für alle. (Zitat Der Spiegel)

In den USA: 100 Millionen Impfungen in 100 Tagen/3 Monaten! Warum müssen EU-Bürger noch länger zwischen Lebensgefahr und Lockdown vegetieren? Bürokratie ist keine Entschuldigung! Die ist von Menschen gemacht und muss von Menschen überwunden werden, wenn sie sich als hinderlich erweist. Die Menschen sind nicht für die Bürokraten da, sondern die Bürokraten für die Menschen! Da wäre ein Horizont von 6 Monaten für die paar Österreicher? Gehts noch? Anschober und Auer könnens einfach nicht…. Ablösen! (Zitat Standard Forum)

Ich lass mich in den USA impfen ,wenn überhaupt. Ich vertraue den anderen Impfstoffen hier nicht. (Zitat Standard Forum)

Oder, wenn ich es mir genau überlege, und ich habe mich schon tief in die Materie eingelesen, dann lass ich mich überhaupt nicht Impfen. Da sollen ja Nanochips drinnen sein und man weiß gar nicht ob von Intel oder Apple.

Written by medicus58

22. Dezember 2020 at 22:27

Die kurze Begegnung mit dem Kurz-Wähler

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In unserer, schon vor letzten Nationalratswahl 2013 begonnenen Serie, suchen wir auch heuer wieder das Gespräch mit den typischen Wählern der kandidierenden Parteien, was aber im Fall der der „Schwarzwähler“ zu gewissen Schwierigkeiten führt, denn die müssen nun ein türkises Kreuzerl machen und nimmer die ÖVP sondern die Bewegung Kurz markieren.

Auch die wahren Schattenkanzler der Partei, die Spindeleggers und Mitterlehners waren ja eh was für die Fassade, also die Prölls und Pühringers sind verloren gegangen, die VolksPARTEI scheint es ja auch nimmer zu geben, mit all ihren Bünden und Kandidaten. Alles kam in Bewegung und führte über kurz oder lang zu Kurz und einigen medial bekannten Vorzeigekandidaten.

Entsprechend verwirrt schien auch unser heutiger Gesprächspartner.

Es ist Zeit, rechtfertigt er seine Entscheidung Kurz zu wählen, auch wenn er mir Recht gibt, dass die Kandidaten, wie der Polizist Mahrer,  auf den türkisen Wahlplakaten etwas unterbelichtet wirken, natürlich nur fotografisch gesehen. Außer die Porträts von Kurz, wirken sie grau in grau.
Auch mit Türkis fühlt er sich nicht wohl und assoziert wie ich in erster Linie eine türkische Dönerkette, was in bizarrem Gegensatz zur politischen Position unseres Außenministers steht. Ihn plagen auch ernste Fragen, ob ihm die Ex-Miss Austria mit seinen Problemen im Zuge einer Baugenehmigung seines Zweitwohnsitzes helfen kann, aber vielleicht kann ihn der Mathematiker Prof. Taschner wenigsten mit seinem komplizierten Raika-Kredit unterstützen. 

„Die Systeme müssen den Menschen dienen und nicht umgekehrt“ zitiert unser Wähler sein jugendliches Idol, stottert aber herum, als ich ihn frage, wie denn das zum Meinungsschwenk der ÖVP passte, als sie zuletzt plötzlich für die Wehrpflicht und gegen eine Berufsarmee war. Schließlich findet er ein anderes Zitat seines Spitzenkandidaten, das diese Haltung unterstützt: „In der Familie muss sich jeder einbringen – und in einem Land muss jeder seinen Beitrag leisten.“

Wie „der Basti aus Meidling“ ist unser Wähler für  „die Gleichstellung von Mann und Frau„aber natürlich gegen „die Homoehe“.
Kann auf Linie des slim fit Trägers Kurz ist er für einen schlanken Staat und das Streichen der Subventionen, aber zögert, wenn es um die Gelder für die Wirtschaftsförderung geht, denn „Nur ein wirtschaftlich erfolgsreiches Land kann auch soziale Absicherung garantieren.“  

Die Frage, ob er auch die Transferzahlungen von Steuergeldern an Boulevard-Zeitungen  für die missglückte „stolzdrauf“ Kampagne als Wirtschaftsförderung versteht, versteht der Wähler nicht. Ihm ist aber wichtig, dass die Balkanroute geschlossen wurde und Kurz endlich die Asylantenfrage so anspricht, dass man das auch in bürgerlichen Kreisen offen mittragen kann.
Weder die „Ausländer raus Kampagne“ der rechten Recken im deutschen Nachbarland, noch Jörgs blaue VarianteÖsterreich zuerst“ hatte doch immer so einen schalen Beigeschmack. „Der Sebastian Kurz hat eine Position vorgegeben, die wir auch als Christen mittragen können.

Und natürlich müsse man Deutsch schon vor dem Schuleintritt lernen, denn in der Schule würde man das ohnehin nicht mehr lernen.
Die Liste Kurz vereinigt die Wirtschaftskompetenz der ÖVP mit den nationalen Anliegen der „echten Österreicher“ und löst überraschend auch noch den Neueinsteigerbonus eines Kern ein.

Seit den Wahlen in Frankreich provozierte ich die Kurz-Jünger in meiner Umgebung regelmäßig mit der Frage, ob den Kurz der österreichische Emmanuel Macron wäre, so von wegen Bewegung statt Partei. Bis vor kurzem erntete ich da euphorische Zustimmung, heute wird mein Gegenüber angesichts der aktuellen Demonstrationen gegen den französischen Präsidenten nachdenklich und meint nur, dass der Kurz (*1986) doch viel jünger, als der Macron (*1977) wäre und überhaupt sollte doch Österreich froh sein, dass so ein politisches Talent wie der Sebastian Kurz aufgetaucht ist, der nicht nur die ÖVP, sondern auch Österrreich, ja überhaupt die europäische Außenpolitik radikal verändern wird.

Kurz vereint den jugendlichen Rebellen mit dem Image des Lieblingsschwiegersohnes.
Sein Anzug sitzt enger als der des Bundeskanzlers, ohne dass er so abgehungert wirkt, wie jeden.
Sebastian 
verprellt in Ermangelung eines Studienabschlusses die vielen Nicht-Akademiker des Landes, der Lehrersohn wirkt andererseits aber noch immer wie der ideale Schulsprecher, um trotz seiner MeidLLinger Herkunft auch in den Döblinger und Hietzinger Salons bella figura zu machen.
Seit dem Grasser hatte keiner so ein Potential.

Kurz und gut, er findet Kurz gut
und wollte sich, so wie sein Idol,
keiner weiteren Konfrontation mehr stellen.

Auch gut.

 

Written by medicus58

17. September 2017 at 12:37

Die blauen Schläfer: Wir sprechen mit einem FPÖ Wähler

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Wie immer um Ausgewogenheit bemüht, suchen wir – wie schon 2013 – auch heuer vor den Nationalratswahlen das Gespräch mit den Wählern der kandidierenden Parteien. Während uns damals die Suche nach einem FPÖ Wähler in die Noble Wiener Vorstadt geführt hat, finden wir uns heuer in einer kleinen burgenländischen Gemeinde wieder.

Uns begrüßt ein jovial aussehender, etwas distanziert wirkender Mann mittleren Alters, der mir irgendwie bekannt vorkommt.
„Sagen Sie Hans zu mir!“

Sein grauer Anzug spannt um die Leibesmitte, also keine Rede von slim fit oder so. Der Hemdkragen in fadem Weiß ist ausgeschlagen, der Verzicht auf eine Krawatte scheint Programm. Er ist gepflegt, verströmt aber doch irgendwie Schweißgeruch.
Er hat als Polizist Karriere gemacht, hat sich aber auch schon früh politisch betätigt und saß im Vorzimmer mächtiger Gönner. Eine typische Karriere in der Republik der Sekretäre. Die Antwort auf meine Frage, welche seiner Aktivitäten für seine Karriere wichtiger war, bleibt inhaltlich unbeantwortet. Ein paar knappe Worthülsen hatte er aber offenbar vorbereitet.

Klar, dass wir bald auf Asylanten zu sprechen kommen: „Jeder Mensch, der illegal nach Europa kommt, muss in eines dieser Verfahrenszentren zurückgestellt werden. Wir müssen unsere Grenzen schützen, dazu benötigt es eben mehr Mittel, Notverordnungen können hier die rechtliche Legitimation bringen.

Als ich ihn frage, wie er sich denn die konkrete Umsetzung seiner Pläne vorstellen würde, scheinen die Grenzen zwischen Bundesheer und Polizei irgendwie durcheinander zu geraten. „Panzer sind ein abschreckendes Zeichen!“ Jedenfalls sollte diese Republik viel mehr für ihre innere und äußere Sicherheit ausgeben, da wurde in den letzten Jahren sehr viel versäumt.

Er käme aus einem Bundesland, das seit scheinbar ewig von der SPÖ regiert wurde und wäre das der Grund, weshalb er heuer sein Kreuzerl bei der FPÖ machen wird, versuchte ich ihn aus der Reserve zu locken. „Die SPÖ hat dieses Land zu dem gemacht, was es ist,“ erwiderte er und erinnerte an den legendären LH Theodor Kery, dessen Faible für Panzer und Maschinenpistolen indirekt für die Karriere eines Josef Cap mitverantwortlich war.

FPÖ und SPÖ arbeiten hier im Burgenland sehr konstruktiv zusammen„, er habe da keine Berührungsängste, schließlich teilt er mit dem SPÖ Landeshauptmann auch seine Vorliebe für den Fußball. Pragmatisch muss die Politik heute sein. Als Polizist könne er auch nicht immer mit allen Verhandeln, ob er einschreiten soll. Ihm ginge es darum, dass was bewegt wird und wenn etwas bewegt wird, will er es sein, der bewegt. Die Menschen wollen ja eigentlich nicht mit dem ganzen Unrat belästigt werden und wünschen sich jemanden, der sie beschützt, der vor ihnen steht und weiß was er tut, eben Führer-, pardon Führungsqualität bewiesen hat.

Als ich meinen Gesprächspartner aber konkret fragte, ob er denn auch Mitglied bei der FPÖ wäre, wirkte er verlegen und meinte, dass das aus anderen Gründen nicht so einfach wäre, schließlich gelte er ja unter seinen Freunden als Sozialist, nur müsse man heute die nationale Bedrohung endlich ernst nehmen und da wäre die FPÖ doch ein Garant dafür, dass dieses Land wieder ein Sozialismus einzieht, der sich in erster Linie um die eigenen Leute kümmert, also mit anderen Worten ein nationaler Sozialismus, ein ….

und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, mein Gesprächspartner war heute der Verteidigungsminister unserer Republik, Hans- Peter Doskuzil.

Written by medicus58

11. September 2017 at 18:18

Veröffentlicht in Nationalratswahl 2017

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(K)eine Wahlempfehlung oder die Wahl der Qual

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so-wahr

Da sich inzwischen jeder erdreistet dem angeblichen Souverän  eine Wahlempfehlung zu geben,
offenbar weil man dem mündigen Wähler sogar beim dritten Wahlgang noch immer keine eigene Entscheidung zutraut,
erlaubt sich auch Ihr Medicus seine unmaßgebliche Stimme zu erheben und Ihnen eine Entscheidungshilfe zu geben.

Also hoffen wir, dass diesmal wenigstens die „Sacklpicka“ ganze Arbeit geleistet haben und
wir den beiden Kandidaten und ihren Helfern weitere Selbstbeschädigungen ersparen.

Written by medicus58

27. November 2016 at 13:47

Der allem zum Trotz trotzkistische SLP Wähler

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Wahlurnen

Ich gebe es zu, zuletzt wurde mein Interview-Reigen schon ziemlich mühsam.
In Italien mache ich gerne Urlaub, möchte aber seine politischen Verhältnisse nicht bei uns auf dem Stimmzettel finden,
aber da muss ich durch.
Als vierzehnte (!) und letzte der bei den kommenden Wahlen zumindest in einem Wahlkreis kandidierenden Parteien, wollte ich nun auch
einen der knapp 2000 Wähler der Sozialistischen Linkspartei kennen lernen.
Gleich mit meiner ersten, eher zur Auflockerung gemeinten Frage verbockte ich den Termin aber gründlich:

„Gibt es denn auch eine sozialistische Rechtspartei, so dass man sich mit dem doppelt gemoppelten Parteinamen abgrenzen musste?“

„Ich habe in dieser Bewegung schon gekämpft als sie mich aus der Sozialistischen Jugend gemobbt haben und ich zum Verein „Vorwärts“ gestoßen bin, aus der sich die „Sozialistische Offensive Vorwärts“ entwickelt hat, die dann in der SLP aufgegangen ist.“

Den „Judäische Volksfront“ vs. „Volksfront von Judäa“ Witz verkneife ich mir und beobachte Jan, wie er seine speckigen Haare verzweifelt hinter seine abstehenden Ohren sperren möchte.

„Ich gehe davon aus, dass Du schon früher die SLP gewählt hast, aber ist das nicht frustrierend, dass die in Wien im Promillebereich herumdümpeln und im Rest von Österreich völlig unter der Wahrnehmungsschwelle bleiben?“

„Wir sind ja keine Partei im herkömmlichen Sinn, im Vordergrund steht bei uns die Aktion!“

„Ja, ich weiß,“ unterbreche ich ihn, „aber wenn ihr schon glaubt, dass diese Gesellschaft nicht über Wahlen zu verändern ist, was inzwischen sogar die KPÖ inzwischen an Stelle der großen proletarischen Revolution gestellt hat, dann könnt ihr doch nicht ernsthaft glauben Eure Ziele dadurch zu erreichen, wenn ihr einmal im Jahr, übrigens Schulter an Schulter mit SPÖ, Grünen und KPÖ gegen den Korporationsball der FPÖ demonstriert?“

„Wir wollen keine Ämter und Funktionen in dieser Gesellschaft erreichen …“

„Deshalb tretet ihr bei Wahlen an?“ unterbrach ich.

„Im Vordergrund steht bei uns die Aktion, jeder Aktivist, jede Aktivistin ist Parteimitglied und jedes Parteimitglied ist ein Aktivist und eine Aktivistin, unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Nationalität.“

„Euer Wahlslogan ist „Sozialismus statt kapitalistisches Chaos“. Jetzt scheint mir der Kapitalismus einen sehr hohen Organisationsgrad in unserer Gesellschaft erreicht zu haben, an dem letztlich auch die Occupy-Bewegung an der Wall Street zerbrochen wurde, aber ihr seht darin ein Chaos; OK, soll sein, nur dem setzt ihr die dauernde Einzelaktion, sozusagen die Zeitlupen-Revolution entgegen und verzichtet selbst auf höhere Organisationsstrukturen.“

„Du verstehst rein gar nichts und bleibst in einem bürgerlich-distanzierten Weltbild hängen“, versetzte mir Jan den erwarteten Schlag.

“ Die SLP ist gegen Arbeitslosigkeit, Prekärisierung und a leeres Börsl, für günstiges Wohnen und gegen die FPÖ.“

„Und das erreicht ihr mit ein paar Farbbeutel auf den Kashmirmantel von älteren Männern mit zerschnittenen Backen?“

„Dadurch setzen wir Markierungen für unseren Weg in eine sozialistische Gesellschaft!“

„Die aber die Putzerei wieder relativ mühelos entfernt, nicht?“, damit habe ich offenbar den Bogen überspannt, was mit den Titel eines „bourgeoisen, postmodernen Arschlochs“ eintrug.

„Mit Salonsozis wie Dir, die sich nicht einmal die Mühe machen die Grundsatztexte auswendig gelernt zu haben, sollte man sich gar nicht einmal unterhalten.
Du beruhigst Dich damit, dass ein zwei Demos genügen, um als „links“ zu gelten, sowas brauchen wir gar nicht, auf sowas verzichten wir.
Die SLP rekrutiert eine handverlesene Schar an In- und AusländerInnen“, die unseren Kampf mitkämpfen.
Für Gleichberechtigung der Frau, für Teilhabe aller an allem.
Für Gratisverhütung und Gratisabtreibung sowie für höhere Löhne für alle!“

Wie ein geschlagener Hund trotte ich von dannen, während sich hinter mir die anatolischen, afghanischen und nigerianischen Massen formieren und für die Gleichberechtigung der Frau kämpfen.
Auf den Straßen Wiens begegnen mir freudetrunkene Sozialarbeiter und Dauerarbeitslose, die den Lohn eines Nationalratspräsidenten erhalten und erst beim Bäcker merken, dass auch dieser seine Einkommenswünsche verwirklicht hat,
Schlussendlich vernehme aus der Ferne das dumpfe Grollen von tausenden Farbbeuteln, die auf die kugelsicheren Kunststoffröhren prasseln, durch die die FPÖ Granden in die Hofburg einziehen, als wäre sie Walhalla. Onkel Fränk winkt vom Ballhausplatz herüber, während aus dem Außenministerium fremdartige christliche Gesänge schallen.
Die Linkswende benötigt in diesem Lande noch etwas Zeit, soll sein.

Written by medicus58

6. September 2013 at 07:18

Der BZÖ Wähler

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Wahlurnen

Mein heutiger Gesprächspartner kommt mir irgendwie bekannt vor.
Schlanker Endvierziger, seine geföhnte, mittelgescheitelte Haarpracht so aufgeschüttelt wie sein ganzes, leicht gehetzt wirkendes Auftreten. Ein stets irgendwie fragendes aber zwanghaft lächelndes Bubengesicht mit leichten „kaantnerischen“ Zwischentönen im bemühten Hochdeutsch, egal:
Es war sehr schwierig einen bekennenden BZÖ Wähler aufzutreiben, so dass ich froh bin ein passendes Gegenüber zu finden.

“Wir haben genug Alimente und Steuern gezahlt, das muss sich ändern“, beginnt er das Gespräch. Ich war kurz verunsichert und frage, ob er denn nicht versehentlich doch ein Wähler der Männerpartei sei, aber er kommt sofort auf Kurs, in dem er über den heroischen Beitrag von Haiders Schwester, wie war doch gleich ihr Name, im Kampf der einzigen wirklich rechtsliberalen Partei des Landes gegen den „Rot-Schwarzen Kammerfilz“ erzählt.

Auf meinen Einwurf, dass Herr Stadler vermutlich rechts von Attila dem Hunnenkönig zu finden ist, aber nicht so wirklich als gesellschaftsliberaler durch geht, beruhigt er mich, dass der Ewald auf der niederösterreichischen Landesliste gut versteckt ist.

Auf meinen Einwurf, dass Petzners Aussagen über die Sonderanstalt Saualm doch auch ganz geschmeidig in die FPÖ passen, beruhigt er mich, dass der Stefan auf der Kärntner-Landesliste gut versteckt ist.

 „Das BZÖ macht einfach eine Politik mit Herz und Verstand, wobei das Herz oft seine Gründe hat, die der Verstand nicht versteht.“

Ah, ja, denke ich mir. 
Auf meine Frage, ob er denn nicht auch das Gefühl hat, dass nach Haiders Abgang das BZÖ nur mehr eine weichgespülte Hülle von früher ist, schüttelt er den Kopf und ringt sichtlich nach Argumenten. Schließlich platzt es aus ihm heraus:
“Das BZÖ hat, was die anderen nie haben werden, Werte!“

Ich protestiere, weil kein anderer Begriff eine derartige Entwertung erleben musste und das wohl kaum ein Alleinstellungsmerkmal des BZÖ sein kann!

„Wenn Stronach von Werten spricht, meint er wohl die Millionen mit denen er unsere Abgeordneten gekauft hat! Wir leben aber unsere Werte: Ich bin geschieden und werde sofort wieder heiraten, wenn die Alimente steuerlich absetzbar werden, Grosz ist verpartnert und Petzner hatte überhaupt einen Lebensmenschen ….“

Ich gebe mich geschlagen und frage nach seinen Forderungen an die österreichische Politik.

„Wir haben schon genug Alimente und Steuern gezahlt“, wiederholt er innbrünstig um danach fortzufahren:

“Ich will ein ordentliches Bildungssystem“
Wer nicht denke ich, wir „schulversuchen“ in dem Land zu diesem Zweck ohnehin schon seit Jahrzehnten herum.

“Ich bin für die Familie. Patchwork ist auch Familie“
OK, ich weiß, dass ich der einzige bin, der junge Hunde netter findet als das System Fritzl, aber was soll’s.

“Ich will mehr Sicherheit!“

OK, wer würde ihm widersprechen, insbesondere nicht die russischen Oligarchen, die sich aus diesem Grunde hier einbürgern haben lassen.

“Ich bin für den Mittelstand“:
OK, jetzt kann er mit den Oligarchen nimmer, aber „Sonst könnte das BZÖ doch eigentlich eh mit allen irgendwie, solange es selbst überlebt, nicht?“ versuche ich ihn zu provozieren.

“Wir sind eben konsensfähig, das ist unser Liberalismus!“

Ja, gäbe es irgendjemand, den er nicht in einer Regierung haben möchte, in der auch das BZÖ drinnen ist, frage ich zum Abschluss.

“Ja, den Stronach, weil das ohnehin nur eine Eintagsfliege ist, der glaubt alle kaufen zu können!“

Würde ER denn ein Angebot von Stronach annehmen so es einmal käme, frage ich verschmitzt?

“Nein, das habe ich schon einmal abgelehnt und würde es immer wieder tun“, sagte er und plötzlich fällt es mir ein, woher ich meinen Gesprächspartner, den BZÖ Wähler kenne,
es ist Pepi Bucher himself, sozusagen das Plus hinter den 5%, die er anstrebt!

Written by medicus58

27. August 2013 at 19:28

Der Piratenwähler

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Wahlurnen
Ich fand meinen Gesprächspartner in tiefer Verzweiflung an: Das WLAN war down. Er ist Anfang zwanzig, hat die Walddorfschule, in die ihn seine grünalternativen Eltern gesteckt haben, weil er mit seinem ADSH in der Regelschule scheiterte, so recht und schlecht abgesessen und selten sitzengeblieben.
„Ich war etliche Jahre lang Pfadfinderführer in der Gruppe 39 – Ober Sankt Veit, dann Bachelorstudium Innovationsmanagement und M.A. Informatik, OK, nicht ganz abgeschlossen, so wie bisschen BWL und Schienenfahrzeugtechnik in Graz auch nicht so ganz.“

Also zum „Hofrat“ wird der „Pirat“ wohl nie, schoss es mir durch den Kopf, aber das scheint aktuell ohnehin nicht seine Absicht. Ob und wenn dann welche Planung in antreibt, das kontne ich aber auch nicht ganz herausfinden.

„Zu den Piraten kam ich über ein „World of Warhammer Forum“ (ein MMORPG = multiplayer online role-playing game für die Uneingeweihten). Eine meiner ersten Aufgaben in der Piratenpartei war es Moderator im Bundesforum zu werden, nachdem ich Tage „gegrillt“ wurde, zuerst pseudonym mit dem Avartar „Liquid Delegate“. Ich habe mich damals echt sehr darüber gefreut, dass ich diese Aufgabe übernehmen durfte. Die Tätigkeit habe ich zwischen September 2012 und April 2013 innegehabt und bin durch so machen Shitstorm gegangen, habe fünf Abwahl-Versuche und ungezählte Flashmobs überlebt. Dennoch bin ich nicht zufrieden wie sich die Kommunikation in dem Forum seitdem entwickelt hat. Vielleicht ist es etwas, was man technisch lösen kann, z.B. durch ein gefiltertes LiquidFeedback, dass sowohl „top down“ als auch „bottom up“ über breit delegierte „Oligrachen“ moderiert wird und das „Dissen“ der „Ochlokratie“ algorithmisch ausblendet, in mir keimt aber immer mehr der Verdacht, dass es menschliche Probleme wirklich gibt, bzw. oftmals auch Verständnisprobleme, weil manche Leute nicht wissen wie man sich schriftlich ausdrücken soll, sodass andere Menschen einen verstehen und andere Leute wiederum Probleme damit haben Texte vollinhaltlich zu verstehen.“
Mit brummt der Schädel.
„Sarkasmus und schwarzer Humor sind auch Dinge, die nicht jeder Mensch verstehen kann. Für Diskussionen mit gewissen Personen ist das Forum also geeignet, andere Leute sollte man lieber auf Ignore stellen, mit diesen zu reden ist verschwendete Zeit.“ Er fügt jedoch sogleich hinzu, dass er „Natürlich niemanden auf „ignore“ stellt!“

Mein Gesprächspartner, der verzweifelt während unseres Gesprächs an den Zugangscripts herumbastelt, ist derzeit „stark im Wiener LV“ engagiert, arbeite jedoch auch „stark mit den Bundesvorständen, sowie anderen engagierten Menschen“ zusammen. Egal welche Position man inne hat in der Piratenpartei, helfe ich überall mit, wo man was Positives voran bringen möchte oder negative Dinge verhindert.“

Natürlich hasst er FB (Facebook), hat aber ebenso natürlich einen pseudonymen Account dort, um wahllos jeden „als Freund zu akzeptieren“ der ihn anschreibt, um der NSA und der Werbeindustrie eine falsche Fährte über seinen tatsächlicher Freundeskreis zu legen. Gefinkelt, das hat ihm wohl kaum die Walddorfschule beigebracht. Kommunizieren tut er über Twitter nur „Trolliges“, den Rest über Identica (Open-Source Alternative).

„Offline Piraten sind sicher ebenso wichtig wie Online Piraten, jedoch sollten sie was onlinespezifische Themen angeht auf die Expertise der „Onliner“ vertrauen. Nicht alle Dinge in der Offline Welt sind 1:1 ins Online zu übertragen und umgekehrt.“
Ich nicke betreten.

Meine Frage nach seinen Sprachkenntnissen beantwortet er mit einer Aufzählung aller mir bekannten Computersprachen bis zu denen, die ich erst über Google von einem innerafrikanischen Slang zu unterscheiden lernte.

Seine Person charakterisierte er auf Nachfrage mit „transparent, flauschig offen und ahoi“.
Hackeln hat er nicht wirklich gelernt, dafür hackt er wie ein junger Assange, nur halt mit weniger Sexualkontakten.  Er ist für das Gute, soweit haben ihn seine Eltern sozialisiert, solange es gratis im Netz verfügbar ist und rettet den Wald, indem er nichts ausdruckt dafür ist starben bereits ein Dutzend chinesischer Bergleute, weil er alles auf den Seltenen Erden seiner Solid State Disks speichert.

Eigentlich ist er mir nicht unsympathisch und gerade die Enthüllungen der letzten Wochen, die uns bewiesen, dass uns die Mächtigen dieser Welt das scheinbare Paradies des Internet nicht ohne Hintergedanken und keinesfalls nur für das kostengünstige Masturbieren zur Verfügung gestellt haben, zeigten, dass seine Vorstellungen gar nicht einmal so weit weg von unseren aktuellen gesellschaftspolitischen Problemen sind, nur fehlte mir der Glaube, dass er uns von seiner Parallelwelt aus in unserem Universum wirklich helfen könnte, auch wenn er mit einem befriedigenten „drinn bin i“ kommentierte, dass er seinen WLAN Zugang wieder erzwungen hat. Zwar ins Netz des Nachbarn, aber was solls, ich habe aus dem Gespräch viel gelernt:
Unter A-Hörnchen, B-Hörnchen und C-Hörnchen versteht man Mitarbeiter, deren Namen aus Datenschutz- und sonstigen Gründen noch nicht genannt werden dürfen

Arrr sagten Piraten, warum werde ich noch nachliefern.

Aye heißt, dass man den Job annimmt.

BarCamp ist ein Treffen, auf dem man sich über verschiedene Themen und Projekte austauscht, wenn es sein muss auch offline

bashen tun die Bösen einen Blackhat, also einen Hacker der “dunklen” Seite, nur weil er eine bislang unbekannte Sicherheitslücken nutzt

Club-Mate, ein bis vor kurzem nur in Argeninien verbreiteten koffeinhaltigen Getränk, ist das Viagra für Nerds

Eichhörnchen sind Platzhalter für allgemeines Ablenkungs- und Defokussierungsmanöver: “Ein Eichhörnchen  sein”/”Eichhörnchen sehen” = leicht ablenkbar sein, “Eichhörnchen haben”  = sich grade ablenken lassen, “Eichhörnchen  fangen/dressieren/jonglieren/schießen” = viele verschiedene Dinge  gleichzeitig tun, die einen von den wirklich wichtigen Dingen abhalten. Eine andere Bedeutung hingegen hat transsexuelles Eichhörnchen.

Den „Motherfucker“ der Piratenszene nennt man „Internetausdrucker“.

Selten habe ich mich so als politischen Noob (= Neuling) gefühlt, wie in diesem Interview. „plus1“ (Zustimmung/gefällt mir) zu vielem, aber ich benötige jetzt dringend Ponytime (Unterbrechung durch eine Folge von “My little Pony” – dient der Beruhigung erhitzter Gemüter) um wieder zu downen um als „Transsexuelles Eichhörnchen“ (= legitime Ersatzbezeichnung für Pirat / Piratin / Piratenbraut / Mitglied der Piratenpartei als Antwort auf die Gender-Debatte) nach einem kurzen „twoff „ (=Offline) endlich auf „42“ zu kommen (= die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest).

Written by medicus58

24. August 2013 at 15:30

Der FPÖ Wähler

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Wahlurnen
Heute stehe ich vor der massiven Holztüre eines Gründerzeithauses in einem der besseren Wohnviertel Wiens. Das Messingschild verkündete den akademischen Grad des Bewohners. Nach einigen Augenblicken öffnete mir ein distinguierter älterer Herr.

Unter seinem dunkelblauen, einreihigen Blazer trug er eine kleingemusterte, graue Weste, die Seidenkrawatte wurde von einer goldenen Krawattennadel in Position gehalten. Ein passends Einstecktuchquoll aus seiner Brusttasche. Im Schlaglicht des Stiegenhauses wirkten die beiden Narben, die sein Gesicht teilten, tiefer als sie vermutlich waren. Er stellte sich knapp und förmlich als „Dr. ……“ vor und bat mich in sein Wohnzimmer. Obwohl draußen die Sommersonne von einem unverschämt blauen Himmel herunter brannte, schluckten die dicken Vorhänge und die dunkel gebeizte, selbstverständlich altdeutsche Einrichtung fast jedes Licht. Wir ließen uns ihn breiten Samtfauteuils nieder und ich versuchte mein Gegenüber, das mit leicht überschlagenen Beinen und durchgestrecktem Rücken aus seiner Sitzgelegenheit ragte, mit den platten „Islam-Daham“-Sagern eines Herrn Kickl und den APA-Drohungen eines Peter Hojač in Übereinstimmung zu bringen.

„Das nationale Lager in diesem Lande braucht nach all den Enttäuschungen der letzten Jahrzehnte wieder eine, seiner kulturellen Bedeutung entsprechenden Repräsentation im Parlament“, begann er ungefragt das Gespräch. Auf mein Nachfragen, ob er denn auch Jörg Haider als eine solche Enttäuschung bezeichnen würde, weicht er aus indem er auf dessen untadeliges Elternhaus und seinen überraschenden Coup gegen Norbert Steger verweist, um dann fortzusetzen „ Der Jörg war ein kluger Kopf und hat viel für uns getan, hat das Rot-Schwarze-Machtkartell in unserem Kammerstaat den Menschen immer wieder ins Bewusstsein gerufen, aber es ist im Laufe de Lebens nicht leicht Kurs zu halten.“ Mein Gesprächspartner ließ keinen Zweifel, dass er weniger Probleme hatte seinen vor Jahrzehnten eingeschlagenen Kurs beizubehalten.
„Österreich ist ein Untertanenstaat in Geiselhaft einer sozialistischen Kaderpartei und einer in ihren bündischen Interessenskämpfen gefangenen Katholikenpartei, die das Volk, dessen Namen es in ihrer Parteienbezeichnung usurpiert hat, auf das Schändlichste verrät.“

„Österreich eine Missgeburt?“ warf ich ein, um ihn zu provozieren.
Er lächelte milde und ließ sich durch dieses plumpe Manöver nicht aus der Ruhe bringen. „Missgeburt würde eine Geburt voraussetzen und eine Geburt wurde diesem Land bis heute vorenthalten. Alle Versuche in dieser Richtung wurden mit kräftiger Hilfe des Auslandes und einiger inländischer Mittäter (ah, Dolchstoß, dachte ich) mit größter Brutalität und hohem Blutzoll niedergeschlagen.“
Auch ohne nachzufragen war mir bewusst, dass er jetzt nicht an Konzentrationslager dachte.

„Und wie stehen Sie denn zum Dritten Reich?“ versuchte ich es mit einer neuen Provokation.

Ohne nur den geringsten Einblick in seine wahre Befindlichkeit zu gestatten überraschte er mich mit folgender Analyse: „Versetzen Sie sich einmal in das Jahr 1933 und versuchen Sie die Parallelen zu heute zu erkennen. Die Auswirkungen einer Weltwirtschaftskrise, eine ungeheure Zunahme von Parteien, deren Führer kaum noch jemand auseinander halten konnte. Korruption wohin das Auge blickt, der Reichstag eine „Quatschbude“ in der über die wahren Probleme der Menschen kaum mehr gesprochen wird und Banken und Investoren als die wahren Staatslenker. Ist es da so schwer zu verstehen, dass sich die Menschen nach einer neuen, unverbrauchten Kraft sehnten? Politikern, die ihnen ihre Ehre als Bürger ihrer Heimat wiedergeben konnten. Eine Partei, die für jene da war, für die dieses Land schon seit Generationen Heimat war!“

„Sie leugnen also die Gräueltaten des Regimes?“ unterbrach ich ihn. „Unter dem Druck des Krieges gab es viele Entwicklungen, die aus heutiger Sicht zu verabscheuen sind, aber gilt das nicht für alle Länder? Haben die Engländer nicht deutschstämmige Juden, wie den Österreicher Max Perutz, der Nobelpreisträger für Chemie des Jahres 1953, nach Kanada in ein Internierungslager abgeschoben? Haben die USA nach Pearl Harbour nicht fast 120.000 Japaner und japanischstämmige Amerikaner in Internierungslager gesteckt und umgesiedelt? Polen haben Juden bei der Gestapo denunziiert und nach 1945 zu tausenden selbst liquidiert, wussten Sie das nicht?.“

So leicht, war der offenbar nicht zu kriegen, so dass ich das Thema wechselte und ihn auf seine „Schmisse“ ansprach. Er nannte stolz den Namen seiner Korporation und gab mir einen Exkurs über die „Träger der Revolution von 1848“ und die „lebenslange Verpflichtung für die Sache“ einzustehen.

„Wie erklären Sie es denn, dass diese akademische Tradition nun ein Nicht-Akademiker, ein Handelsschüler und Zahntechniker fortsetzen soll?“
„Der Strache war in der Phase nach den verschiedenen Spaltungen eine erstklassige Wahl. Er kam medial gut an, das ist heute leider enorm wichtig, und er konnte viele Themen unbelastet ansprechen, da er in der Sache ziemlich unbedarft ist.“
Eine harte Aussage über den eigenen Spitzenkandidaten, allemal, aber denken wir doch daran, wie der Erwin Pröll gemeinsam mit dem Faymann den Spindelegger durch den „G’mischten Satz“ gezogen hat, ohne ihn davon kosten zu lassen. Denken wir an den Seppi Bucher, wie er sein Chamäleon, die Witwe Petzner, von der Wahlliste kippte oder das Schwert mit dem Uncle Fränk in seinem Team teilt und herrscht. Jede Partei entledigt sich ab und an ihres „Grüßaugusts“.

Ich fragte meinen „alten Herrn“, was er denn vom aktuellen „Nächstenliebe-Wahlkampf“ der FPÖ hält. „Wenig! Es begann mit der peinlichen Anbiederung an die serbische Minderheit durch die zur Schau gestellte „Brojanica“ (=kordelähnliches Armband, das einen Rosenkranz symbolisieren soll), dann das Herumgefuchtel mit dem Kreuz als angebliches Symbol unserer abendländischen Kultur und nun lief der Junge mit seinem „Nächstenliebe-Gesülze“ dem Schönborn geradewegs ins Kruzifix und der weinte sich medienwirksam beim Bundespräsidenten aus. Ich komme da aus einer anderen Tradition….“

Auf die Frage, ob denn Strache – als Nicht-Akademiker – auf den nächsten Korporations-Ball geladen wird, um – wie zuletzt 2012- wieder von „der Reichskristallnacht für die neuen Juden“ sprechen zu können, lächelte er und meinte:
„2013 war er ohnehin verhindert und ….. mit dem neuen Bolognia-System kommt heute ohnehin jeder, der seinen Namen schreiben kann, irgendwann zu einem akademischen Grad. Für einen Mag. (FH) HC wird’s schon reichen, wenn er nach der Wahl wieder mehr Tagesfreizeit hat.“

Ich verlasse fröstelnd meinen Gesprächspartner und kann draußen auf der Gasse nicht einmal mehr den blauen Nachmittagshimmel völlig vorbehaltlos genießen.

Written by medicus58

18. August 2013 at 14:46

Der Männerpartei Wähler

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Wahlurnen

Unseren heutigen Gesprächspartner treffen wir in einem Fitnessstudio. Kurz bevor mich die schweiß- und testosterongeschwängerte Luft um den letzten Rest meines Verstandes bringt, reißt er sich vom Stepper los und kommt, an einer isotonischen Drink saugend, zu mir herüber.

„Es geht bei uns nicht gegen Frauen sondern für die Gleichberechtigung der Männer“ eröffnet er das Gespräch, offenbar um mich zu beruhigen.
„Wir sind auch für die Familie“ setzt er fort und erinnert mich daran, dass es sich in diesem Land niemand leisten kann gegen Katzen, Kinder und Familie zu sein, weil ein Großteil des Wahlvolkes diese drei Elemente, in allerdings wechselnden Besetzungen, als seinen Lebensinhalt definiert.
„Der Staat hält die Hälfte der Bevölkerung, die Frauen, davon ab selbst Geld zu verdienen“, vollendet er seinen Satz und ist in Gedanken offensichtlich bei den Unterhaltszahlungen, die er für seine beiden geschiedenen „Ex-en“ monatlich blechen muss.

„Ja, aber;“ wende ich ein, „was wollen Sie denn für die „Männer“ erreichen, mit dieser Forderungen könnten Sie ja auch zwanglos eine Österreichische-Emanzen-Partei bewerben?“ „Wir wollen die ökonomische Eigenständigkeit der Frauen erreichen, um das politische Dogma zu beenden, dass Frauen versorgt werden müssen, koste es die Männer, was es wolle.“
„Männer werden durch das Familienrecht aber auch durch die vorgeschriebene „Positive Diskriminierung“ bei Ausschreibungen, durch die richterlichen Entscheidungen in Scheidungverfahren und den Gender-Zwang in der veröffentlichten Meinung ausgebeutet.

Unsere Söhne werden in Koch- und Nähkursen vergewaltigt. Ihnen fehlt im verwässerten Rollenbild, das ihnen unsere Gesellschaft vorspielt, ein echtes Vorbild!“
Ich verweise auf Hollywoods Blockbusterlinien von Batman zu Superman, aber er unterbricht mich sogleich. „ Aber Streifen wie 300 (http://www.imdb.com/title/tt0416449/? über König Leonidas heldenhaften Kampf gegen die Perser kommt nie ins TV, dafür bringen sie die Verulkung Meet the Spartans (http://www.imdb.com/title/tt1073498/releaseinfo?).
Kein Wunder, dass die Körperlichkeit der Männer verloren geht. Sie kennen doch die Studien, die seit Jahrzehnten von einer Abnahme der täglichen Spermienproduktion in unseren „Cochones“ berichten! Das kleine Y wird auch gesellschaftlich von dem riesigen X verdrängt!“

„Wir nehmen nicht mehr kommentarlos hin, dass das Geschlecht schon als individuelle Leistung anerkannt wird und in Ausschreibungen dazu führt, dass dem XX der Vorzug gegeben wird!“ Ich gebe ihm zu bedenken, dass er nur einen Buchstaben in seinem Satz ändern müsste, um bei Alice Schwarzer zum Tee geladen zu werden und bin überrascht, dass er gar nicht sauer reagiert. „Natürlich, Sie haben es begriffen, wie die seit Jahrzehnten medial gearbeitet und das Manntum herabgewürdigt haben. Unsere Gesellschaft ist männerfeindlich geworden. Dem militanten Feminismus setzen wir eine echte Gleichberechtigung der Geschlechter entgegen, die die Männer wieder an die Spitze der Pyramide bringen wird …..“

Bei der Frage, wann er seinen eigenen Sohn zuletzt gesehen hätte, wird er etwas ruhiger und gibt zu, „dass der sich gar nicht mehr so freut, wenn ich mit ihm Wandern, Rudern oder Fußballspielen gehe. Lieber sitzt er den ganzen Tag lang vor der Playstation bei den SIMS. Zahlen darf ich für ihn, und nicht zu knapp, aber das Besuchsrecht habe ich mir bitter erkämpfen müssen. Uns Männern bürdet man immer mehr auf, aber die Frauen kriegen ein eigenes Ministerium. Vermutlich soll sich nur mehr das Integrations-Staatssekretariat mit uns beschäftigen, auf einer Stufe mit all den Asylanten.“ Das Bild scheint ihm zu gefallen: „Asylant im eigenen Land!“

In einem letzten Versuch erinnere ich, dass in allen Entscheidungsgremien seit Jahrzehnten die Männer die Mehrheit haben. „“Es ist Tatsache, dass Frauen es gar nicht möchten, dass man sie in die Karriere hineinzwängt. Denen passt es ja ins Konzept, dass ihre Männer das im Lebenskampf durchsetzen, was sie ihnen am Abend abgepresst haben. “
Und was ist mit der Gewalt der Männer gegen Frauen, widerspricht das nicht Ihrer These?
„Väter werden oft schikaniert und benutzt. Mich wundert es nicht, wenn einer dann auszuckt. Wenn ich dermaßen diskriminiert und verarscht werde, würde mir auch der Kragen platzen.“ Ich werfe einen Blick auf seine auftrainierten Mukis und beendet rasch unser Gespräch. Ihm schien das ohnehin recht, denn er bewegte sich wieder zu den Steppern hin. Sein Gesicht sprach Bände als er bemerkte, dass zwischenzeitlich alle Geräte von weiblichen Wesen besetzt waren, die sich redlich bemühten „wieder in Form zu kommen“

Written by medicus58

17. August 2013 at 17:27

Der Christenpartei Wähler

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Wahlurnen

Ich treffe meinen Gesprächspartner in Wien am Fleischmarkt.
Mit der einen Hand drängt er einen jungen Frau, die sichtlich mit dem Erbrechen kämpft, ein rosafarbenes Babypüppchen auf, mit der anderen klammert er sich an ein großes Plakat, das einen daumenlutschenden Fötus in einer transparenten Gebärmutter zeigt.
Nachdem ihm die Frau in den Toreingang entwischt ist und er trotz intensiver Suche kein weiteres zu rettendes Schäfchen ausmachen kann, kommt er mit einem kräftigen „Grüß Gott“ zu mir herüber. Meine Frage, ob er sich denn bewusst sei, dass der abgebildete Fötus bereits ein Alter hat, in dem in keinem Land der Welt eine indikationslose Abtreibung durchgeführt werden darf, beantwortet er mit einer Gegenfrage:
„Ist Ihnen bewusst, dass die Medien seit Jahrzehnten immer wieder den Holocaust der Juden hochschreiben, aber der „Stille Holocaust“ von Millionen ungeborenen Christenkindern totgeschwiegen wird?
Schon im alten Karthago wurden die überflüssigen Weisen und Witwen getötet, um Armut und Leid in der Stadt zu reduzieren. Wir sind das moderne Karthago und wir werden dasselbe Schicksal erleiden.“

Drohend setzte er ein „Ceterum censeo Carthaginem esse delendam!“ hinzu und beschwört so mühsam verdrängten Lateinstunden herauf.  Jetzt befält auch mich etwas Übelkeit und ich versuche das Thema zu wechseln.

Ich frage ihn, ob es denn für Ihn ein Problem sei, dass die CPÖ (Christliche Partei Österreichs) in einigen Bundesländern nicht genügend Unterschriften sammeln konnten, um auch in diesen zur Nationalratswahl antreten zu können und ob das nicht eigenartig wäre, da in diesem Land über 2/3 der Bewohner einer christlichen Religionsgemeinschaft zugerechnet werden und somit potentielle Unterstützer einer Christenpartei sein müssten?
Er schwadroniert zuerst von den schikanösen Gesetzen, mit denen Gottlose und Sozialisten das Antreten verhindern würde. Meinen Einwurf, dass mit der ÖVP doch ohnehin eine sich ausdrücklich auf christliche Werte berufende Partei in der Regierung wäre, trägt mir eine verächtliche Handbewegung ein:
„Eine christliche Partei erlaubt keine Schwulen-Ehe!“
„Verpartnerung“, werfe ich ein, nur um mir ein donnerndes
„Sodom und Gomorrha: Aber die Leute zu Sodom waren böse und sündigten sehr wider den HERRN (Gen. 13,13)“ einzuhandeln.
Als ich bezweifle, dass die CPÖ eine reale Chance hat in den Nationalrat einzuziehen, verweist er auf die 5,2% der Stimmen, die ihre Spitzenkandidat Gehring bei der letzten Bundespräsidentenwahl erreicht hat und setzt mit dem Lieblingszitat seines Vorbilds fort, der gerne die Hl. Katharina v. Siena zitiert:

„Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten.“
Im übrigen würde in diesem Land einiges anders ausschauen, hätte es Gehring gegen diesen Austromarxisten Fischer geschafft.

Um die Stimmung zu heben, frage ich welche Bedeutung für ihn der Begriff der „Familie“ hat. Bereitwillig erzählt er mir, dass er mit seienr Gattin 6 Kinder hat, eigentlich wären es 8, aber zwei wären bei der Hausgeburt verstorben. Dann setzt er fort: „Die Familie ist die Keimzelle jeder Gesellschaft und somit des Staates. Sie beruht auf der „natürlichen Hinordnung von Mann und Frau zueinander“. Der Mann ist an seine Position gesetzt …… und auch die Frau. Alles andere hat den Begriff nicht verdient.“

Mich sticht der Hafer und ich wende ein, dass doch auch Gleichgeschlechtliche Zuneigung füreinander empfinden könnten. Sogleich verfinstert sich seine Miene und seine Halsgefäße treten pulsierend hervor:
“ Bei dem Gedanken an ineinander verschlungen Männerkörper, die sich schwitzend und zuckend auf dem Boden wälzen wird mir kotzübel! Das ist wider die Natur, das ist wieder das gesetzt Gottes! Der Verkehr wurde dem Menschen von Gott gegeben um Nachwuchs zu zeugen. Eine „Kinder-Mindesquote zum Staats- und Volkserhalt liegt bei 2,1. Diese muss von uns erreicht werden, sonst überschwemmen uns Andersartige und unterminieren Volk und Glauben. Die, die uns zu anderem als den heilige Bund zwischen Mann und Frau verführen wollen, tun dies in der teuflischen Absicht das christliche Abendland zu schwächen. Öffnen Sie die Augen, durch diese Welt jagt eine Welle der Christenverfolgung nach der anderen“.

Mit zunehmender Verzweiflung werfe ich ein, dass niemand das Bungee-Seil von Dompfarrer Faber durchschnitten hat und ich weit und breit keinen christenverfolgenden Nero sehe. Er bekreuzigt sich: „Das liegt nur an unseren von sozialistisch-zionistischem Gedankengut unterwanderten Medien. Zwischen 80% und 90% aller religiös Verfolgten sind Christen. Im Durchschnitt wird heute alle drei Minuten ein Christ wegen seinem Glauben umgebracht.“
Bei meiner späteren Recherche verlor ich übrigens auch noch meinen Glauben an Wikipedia: http://www.kathpedia.com/index.php?title=Christenverfolgung)

„In unserer Neuheidnische Spass und Wegwerfgesellschaft muss man sich ja als gläubiger Mensch schon rechtfertigen, wenn man für christliche Werte eintritt. In unserem Alltag ist alles Heilige verpöhnt und das Unheilige wird umjubelt, deshalb müssen Christgläubige zusammenhalten und das Kreuzerl an der richtigen Stelle machen. Nicht nur damit wir unseren korrupten  Politikern, die längst vom wahren Glauben an Gott dem Herrn abgefallen sind, einen Dämpfer verabreichen, sondern auch um all den Abweichlern und Modernisierern in unserer  heiligen, katholischen und apostolischen Kirche ein mächtiges Signal zu geben.“

Am Horizont taucht eine junge Frau auf, die in Richtung des besagten Hauseinganges zu gehen scheint. Er lässt mich stehen und versucht ihr den Weg abzuschneiden.
Sein herausforderndes „Grüss Gott“ ruft er mir schon von der gegenüberliegenden Straßenseite zu, so dass er mein Gemurmel kaum mehr verstanden haben wird:
„Grüssen Sie Ihren Gott auch für mich, ich habe meinen noch nicht gefunden.“

Written by medicus58

14. August 2013 at 18:41

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