Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Nix Neues aber viel Neo: Unsere Begegnung mit einem Neos-Wähler

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Erinnern Sie sich noch? Schon 2013 sprachen wir vor den Nationalratswahlen mit den Wählern.
Seither sind uns einige Gesprächspartner
Der Fränk Wähler (Team Stronach): http://wp.me/p1kfuX-Fg
Der Christenpartei Wähler: http://wp.me/p1kfuX-Fv
Der Männerpartei Wähler: http://wp.me/p1kfuX-FT
Der Piraten Wähler: http://wp.me/p1kfuX-G3
Der BZÖ Wähler: http://wp.me/p1kfuX-Gf
Der Wandel Wähler: http://wp.me/p1kfuX-Gi
Der EU-Austrittswähler: http://wp.me/p1kfuX-Gl

leider (oder vielleicht in einigen Fällen auch weniger leider) abhanden gekommen. Einige der bunten Vögel haben aber überlebt, auch wenn sich einige zu anderen Parteien oder zu einem Limohersteller verflogen haben.
Auch der NEOS-Wähler aus 2013 steht uns als Gesprächspartner nicht mehr zur Verfügung, seit seine behandelnden Ärzte ihn mit einer Überdosis Ritalin wieder auf den Boden der Tatsachen holen konnten, jedoch fand sich nach langer Suche erneut einen Ich-Tu-Was Wähler.
Er hatte das Brettl vorm neoliberalen Kopf durch eine etwas irritierende Spiegelschrift getauscht und sprudelsprach artgemäß von den DDR-Zuständen und dem notwendigen Perspektivenwechsel in eh allem.
Ich fand mein Gegenüber in einem Gründerzeithaus in der Wiener Innenstadt, adrett gekleidet vor einer riesigen Bücherwand. Ob er sich diesen gut-bürgerlichen Luxus mit seiner freiberuflichen Beratertätigkeit verdient hat, wollte er weder abstreiten noch bestätigen, jedenfalls sieht er sich als völlig unabhängig, total liberal und lebt von Projektaufträgen öffentlichkeitsnaher Auftraggeber.

Er war nie ÖVP Mitglied, aber selbstverständlich teilt er deren christliche Lebenseinstellung, hält aber nichts von bevormundender Caritas, was er zeitgemäß gendert:  Wir wollen niemandem vorschreiben, wie er oder sie zu leben hat, sondern vertrauen auf die individuelle Tatkraft und respektieren den eigenen Lebensweg.

Alles Linke ist ihm ein Graus, überall wittert er sozialistische Verschwörung, die sich den Staat und Institutionen untertan gemacht hat und uns seither in immer größere Verschuldung stürzen.
Der Peter Pilz ist für ihn überhaupt ein Kommunist, seine Bemühungen um die Aufklärung politischer Korruption nur Selbstzweck. Ganz anders sieht er seine eigenen Angriffe gegen den Kammerfilz, die Intransparenz der Krankenkassen und Pensionsversicherungen: Ihm geht es natürlich immer um die Sache und nicht die eigene Profilierung.
Das Umarmen von Bäumen überlässt er zwar seinem Idol Matthias Strolz, aber sonst „ist er da ganz bei ihm„. 

Die Linke dividiert die Menschen auseinander und macht sie unfrei, dabei haben doch Arbeitgeber und Arbeitnehmer die selben Interessen, kommt ihm ohne Eröten über die schmalen Lippen. Wenn er dazu aufruft „das Gemeinsame vor das trennende zu stellen“ blitzt hinter seinem Liberalismus ein bisschen Bibel hervor. Andererseits ist „ideologische Mottenkiste des Kommunismus„eine seiner liebsten Worthülsen

Das Negative in unserem Land kotzt mich nur mehr an. Was ihn aber nicht hindert über das Bildungssystem, das Gesundheitswesen und vor allem die her zuziehen, die es sich im Wohlfahrtsstaat bequem gemacht haben.

Er glaubt an die Menschen und setzt sich dafür ein, dass sie allein ihren Weg gehen. Wer’s nicht schafft, der wollte es halt nicht, auch gut. Unternehmergeist und Eigeninitiative verlangt er von allen und reagiert pikiert, wenn man ihn darauf aufmerksam macht, dass er völlig arbeitslos wäre, wenn seien Auftraggeber diese Tugenden besäßen.
Auch wenn er selbst sein Studium selbstverständlich kostenlos abschließen durfte, ist er für marktadäquate Studiengebühren, die man dann für den Rest seines Lebens zurückzahlt. Wer das administrieren soll, wenn die Verwaltung „drastisch zurückgestutzt“ werden soll, hält er für eine unzulässige Beckmesserei und schwadroniert weiter von mehr Rechtsstaatlichkeit und zu vielen Staatsdienern.
Chancen für alle ist ihm wichtig, Klassenkampf ist aber von gestern,
weil unter neoliberaler Politik ohnehin immer eine Win-Win-Situation erzielt würde.

inzwischen hat sich mein Gegenüber schon ziemlich heiß geredet und fällt mir permanent ins Wort, so dass ich es aufgebe, ihn auf seine Widersprüchlichkeiten hinzuweisen.
Er will die Steuern senken, weil die ja ein Wahnsinn sind, findet es aber voll OK, wenn der Bürger dann für jede Eingabe und jeden ausgestellten Behördenwisch zur Kasse gebeten werden soll. Wer was braucht vom Staat, soll dafür was zahlen.
Er will Spekulation verhindern, verlangt aber, dass die Arbeitnehmer ihre Altersvorsorge in die Börse und nicht mehr in die Pensionsversicherung einzahlen sollen.
Eigentlich findet er eh den Kurz besser als die Griss, aber …. und da kommt er ins Stocken und es will ihm so gar kein Argument dafür einfallen, weshalb er die Pinken wieder in das Parlament wählen möchte, in dem ihre Funktion primär darin bestand den grünen durch einen bürgerlichen Aktionismus zu ersetzen, seit erstere irgendwie am Weg durch die Institutionen eingeschlafen sind.
Von den toten Pferden:

Aber dann fällt ihm endlich eine Begründung ein: NEOS sind glühende Europäer und das will er auch sein, schließlich hat er sich für ein EU-finanziertes Projekt beworben, das ihn die nächsten Monate das Auskommen sichern würde.

Written by medicus58

23. September 2017 um 16:07

Veröffentlicht in Nationalratswahl 2017

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