Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Posts Tagged ‘Urlaub

Urlaub von Corona – ein Selbstversuch in Kurzistan

leave a comment »


Leser dieses kleinen Blogs am Rande des Netzes wissen, dass Ihr Medicus eher ein Reisender ist, den es eher in die weite als in die bucklige Welt zieht, aber heuer ist ja alles anders.

Angeblich, denn eines hat sich nicht geändert, die einzelnen Viertel und Gaue meines Heimatlandes frönen dem Föderalismus und sind ein wenig merkwürdig.

In Niederösterreich ist (derzeit) bekanntlich keine Maskenpflicht beim Betreten einer Gaststätte, in Oberösterreich schon. Das können Sie sehr gut bei einer Durchmessung, nein nicht der Welt sondern (heut flutschen die Stabreime), der Wachau überprüfen, übrigens (für den ausländischen Leser) beides türkise Stammländer, in Oberösterreich sogar  politischer Vorreiter der Bundesregierung, Tückisch-Grün.

Was merken Sie beim Betreten einer Gaststätte? In Oberösterreich werden Sie per Aufkleber auf die Maskenpflicht hingewiesen, in Niederösterreich nicht, getragen wird sie in beiden Fällen nicht. In Oberösterreich wird einem vor einem Museumseintritt sogar eine kopierte Seite der Kronenzeitung hingehalten und darauf aufmerksam gemacht, dass man (verordungskonform) im Museum unmaskiert bleiben darf (eh egal, weil keine Besucher drinnen waren), aber der Clou war, dass sich die Dame an der Kassa fürchterlich über diese Bundesregierung aufregt (die g’hört weg) obwohl die verschärfte Maskenpflicht (zB in Restaurants) ja zuerst von der Oberösterreichischen Landeregierung erlassen wurde. Landeshauptmann und seine für Gesundheit zuständige Stellvertreterin sind ebenso aus der ÖVP, wie die niederösterreichische Landesregierung und der Bundeskanzler.

Was lernen wir daraus? Selbst in unserem kleinen Land herrschen überall unterschiedliche Regel, über die wir schimpfen, obwohl wir uns an Sie ohnehin nicht halten, aber trotzdem verlieren wir diesen aufrührerischen Gestus pünktlich vor jeder Wahl und machen wie immer unser Kreuz drüber.

Übrigens tragen an den Tankstellen auch weder Kunde noch Tankwart Maske, vermutlich weil die dort freigesetzt Aerosole eh viruzid sind, was vermutlich einmal gar nicht so falsch ist….

Written by medicus58

26. Juli 2020 at 19:15

Urlaubszeit, gefährliche Zeit: Management aus dem Hinterhalt

leave a comment »


vorübergehend geschlossen

Für den Durchschnittsbürger, zumindest den, der in einem bezahlten Arbeitsverhältnis steht, ist die Urlaubszeit eigentlich etwas Nettes.
Das 13. Gehalt trudelt ein und finanziert den Urlaub irgendwo zwischen Neusiedlersee und Südsee.

OK, bis dorthin und unmittelbar danach, zumindest für alle Nicht-Lehrer, wird es etwas dicht, weil die Arbeit der urlaubenden Kollegenschaft nicht liegenbleiben darf;
Aber auch die Chefetagen machen Urlaub, so dass man mit einer gewissen Sicherheit annehmen kann,
nach seinem Urlaub seinen Arbeitsplatz annähernd so vorzufinden, wie man ihn verlassen hat.

Um wie viel besser, glaubt der Uneingeweihte, muss es da den beamteten Mitarbeitern im öffentlichen Gesundheitswesen gehen.
Im Gegensatz zu den in der „freien Wirtschaft“ Arbeitenden, müssen sie sich nicht einmal Sorgen machen, dass ihnen nach Urlaubsende ein „blauer Brief“ droht, schließlich wachen Gewerkschaft und Personalvertretung über ihr Wohl und Weh,
und ändern tut sich doch im öffentlichen Sektor ohnehin nie etwas,
glauben die Uneingeweihten.

Nun, das war einmal und seit Jahren haben wir erlebt, dass gerade die Urlaubstzeit dazu verwendet wird, überfallsartig Weisungen dann herauszugeben, wenn man sich sicher sein kann, dass es nicht so schnell zu einem konzertierten Widerstand kommen wird.

Funktionieren tut dieses Management aus dem Hinterhalt zwar nicht immer, aber scheinbar immer öfters:

In einem beispiellosen Managementfehler teilte KAV GenDir Janßen z.B. an einem Freitag Nachmittag während der Urlaubszeit (1. August 2014) mit, dass ab sofort die Pflege Blutabnahmen und Infusionswechsel vorzunehmen hat und dass ihm (ich glaube mich erinnern zu können, dass er ein Monat einräumte) dann der flächendeckende Vollzug zu bestätigen wäre. Diskussion zwischen überraschten Ärzten und der nicht minder überraschten Pflege waren in den nächsten Wochen die Regel.
Selbst heute, nachdem diese Arbeitsumverteilung schon Teil der folgenden Verhandlungen über das Dienstzeitschema und der laufenden Akkreditierung von Ärzteausbildungsstellen (für die die Umsetzung des Pakets eigentlich Voraussetzung ist), hört man, dass die Umsetzung noch immer nicht überall und nicht ganz erfolgt ist….

Vor etwas mehr als einem Jahr, kurz vor der „Sommerpause“ wurde die Streikbereitschaft der Ärzteschaft groß:

Schau dir „AKH Streik 2015“ auf YouTube an: http://wp.me/p1kfuX-XI 
Streikabstimmung: Die Frage – Die Forderungen: http://wp.me/p1kfuX-Zh

Eine unter äußerst dubiosen Umständen plötzlich Anfang Juni 2015 von Wehsely am Vormittag verkündete und erst am Nachmittag von der Ärztekammer beschlossene Einigung, beendete die Diskussion abrupt und entließ alle Beteiligten in die Sommerferien.
Die Gewerkschaft triumphiert, haben ihr doch gleich drei Kammerfunktionäre für ihre Rolle gedankt und der Kammeramtsdirektor die frohe Botschaft seinem Du-Freund Meidlinger zugestellt:

KAV-Ärzte: Verwirrung um Einigung
http://www.gdgfsg.at/drupal1/index.php/nachrichten-leser/items/kav-aerzte-verwirrung-um-einigung.html

Präsidenten kommen und gehen, der wirkliche Strippenzieher der Ärztekammer bleibt. https://medicus58.wordpress.com/2015/07/05/prasidenten-kommen-und-gehen-der-wirkliche-strippenzieher-der-arztekammer-bleibt/

Nach der Urlaubszeit schlugen erneute Versuche den berechtigten Unmut von Ärzten und Pflege zu demonstrieren natürlich fehl
5. September – CARE Revolution Wien ruft zur Demonstration auf http://wp.me/p1kfuX-11G).

Wenn die Zeit auch nicht die Wunden heilt, macht sie es enorm schwer, die innere Emigration wieder zu verlassen.

Das KAAZG wurde in ganz Österreich umgesetzt, koste es was es wolle:

Neue Gehalts- und Dienstzeitschemata wurden einmal früher, einmal später, einmal im Konsens und ein anderes Mal durchgeboxt,
Fehlstunden vor sich her geschoben, so dass schon einmal ganze Abteilungen geschlossen hielten,
weil einfach am Ende des Durchrechnungszeitraumes niemand mehr ohne Verletzung der Arbeitshöchstzeit die Patienten versorgen konnte.
In Wien werden seit Monaten bestehende Dienstpläne „optimiert“ und Mitarbeiter gedrängt ihre Urlaubstage dann zu nehmen, wenn es für die Dienstgeberin am kostengünstigsten ist. Man stelle sich Ähnliches einmal bei den Metallern vor!

In vielen Bundesländern (Tirol, Bgld, OÖ, …) können immer mehr Stellen nicht besetzt werden, in Wien wird unter dem Zwang die anderweitig verplemperten Millionen plötzlich einzusparen (Da glurrt einen doch der blanke Wahnwitz an https://medicus58.wordpress.com/2016/06/14/da-glurrt-einem-doch-der-blanke-wahnwitz-an) banale Reinvestitionen zur Chefsache und trotz Arbeitszeitverkürzung zusätzliche Arztstellen und Überstunden gestrichen.

Ohne wirkliche mediale Aufmerksamkeit wird die Patientenversorgung durch Rufbereitschaft ausgehöhlt.

Die Arbeit der fehlenden Turnusärzte verrichten zunehmend Assistenzärzte, deren Facharztausbildung darunter leidet.

Statt der versprochenen personellen Stärkung der Notaufnahmen, um auch in den Nachtstunden die Patientenversorgung sicher zu stellen, wenn auf den Stationen immer weniger Fachärzte anwesend sind, werden Stellen gestrichen und das als konsensuale Maßnahme dargestellt (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160620_OTS0120/donauspital-weist-oevp-und-aerztekammer-kritik-an-fehlenden-nachtdiensten-zurueck).

Bei der Besetzung von Primariaten wird österreichweit (Wien, NÖ, …) gespart und Abteilungen zusammengelegt oder einfach geschlossen, als ob für die „Kontrollspanne“ Vorgesetzer keine Grenzen gelten würden und die Spitalsstrukturen so gut funktionieren würden, dass sich da jenseits der täglichen Routine keiner mehr um Strukturen und Weiterentwicklung kümmern müsste.

Einiges wird vereinfacht aber gut im folgenden Video zusammengefasst:

 

Es haben erneut die Ferien begonnen und wir werden sehen, was in dieser Zeit durchgeboxt wird?

Ausschließlich 12,h Stundendienste tagsüber und Einsparung, bestenfalls Rufbereitschaft von Fachärzte über Nacht?
Überstundenverbot?
Weitere Abteilungsschließungen? Wochenkliniken? Tageskliniken?
Stunden- oder Minutenkliniken – und die Patienten mit Komplikationen stranden in den Notfallaufnahmen?
Weitere Einsparungen durch Konzentration „teurer Therapien“ in die überfüllten Zentralspitäler?
(KAV: Superkalifragilistisch Expealigorisch https://medicus58.wordpress.com/2014/10/15/kav-superkalifragilistisch-expealigorisch/)
Weitere Übernahme der „lukarativen Fälle“ durch den privaten oder konfessionellen Bereich?
(http://www.krone.at/Oesterreich/Spital_ueberfuellt_Fast_2_Jahre_warten_auf_OP-Bandscheibenvorfall-Story-518016)

Verpflichtenden Arbeitszeitaufzeichnungen additiv zu Routinearbeit,
Zwang die Verantwortung der Rufbereitschaft zu übernehmen,
Rechtfertigungsdruck vor externen Beratern, …

Die Liste könnte endlos fortgesetzt werden ….

Wie gesagt, Urlaubszeit ist eine gefährliche Zeit, es droht Management aus dem Hinterhalt.

Und solange der Leidensdruck aller Betroffenen nicht so groß wird, dass echter Widerstand geleistet wird, wären die Verantwortlichen ja blöd, sich von ihrem Erfolgsmodell zu verabschieden …

PS: Sonntag nachts, konkret um 21:16 trudelte dann dann eine Mail eines Personalvertreters ein:

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

die Generaldirektion des Krankenanstaltenverbundes hat mir am Freitag mitgeteilt, dass folgende Maßnahmen mit 1. September 2016 auch gegen den Willen der Ärzte im KAV umgesetzt werden:

1. In allen KAV Häusern werden Wien weit 50 Nachtdiensträder ersatzlos gestrichen
2. Ca. die Hälfte der restlichen Dienste werden in 12,5 Stunden Schichtdienst einseitig umgewandelt

Ohne die in den ursprünglichen Vereinbarungen „flankierenden Maßnahmen“ des Verhandlungspaketes werden nur die Einsparungen durchgeboxt.
Weshalb unsere Personalvertreter Informationen über diese überfallartige Maßnahme erst nach zwei Tagen und dann zur nächtlichen Stunde (wohl unter Verzicht auf ihr EURO 2016 Vergnügen) weitergeben, ist eines der Mysterien des Wiener krankenanstaltenverbundes.

 

 

 

 

 

Written by medicus58

3. Juli 2016 at 18:14

Urlaub

with 3 comments


Schwein-gehabt

Während man früher die Zeit zwischen Urlaubsende und Arbeitsantritt nur mit dem Beschicken der Waschmaschine verbringen musste bzw. dem Durchwühlen vollgestopfter Postkästen, ist dieser mehr oder weniger lange Zeitraum heute mit Bildschirmarbeit angefüllt.

Ich meine da gar nicht das Aussortieren des Dutzend wichtiger Nachrichten unter den die 1-3k Mails, die sich in beruflichen und privaten Mailboxes angesammelt haben.
Der Fotograf hatte damals ein Zwangspause bis das ausarbeitende Werk die Schätze des letzten Urlaubs in Papierform oder Diafilm lieferte und er an das Einkleben oder Rahmen schreiten konnte.
Heute sind die GB mehrerer Speicherkarten in wenigen Minuten auf der Festplatte und harren der Bearbeitung. Also aufwachen und losarbeiten, ehe die Lohnarbeit wieder beginnt.

2000 Bilder sind ja gleich ausgearbeitet, nur für das Videomaterial braucht man halt etwas länger ….

 

Written by medicus58

27. Juli 2015 at 19:04

Veröffentlicht in Reisen

Tagged with , , ,

Was in Österreich so vier Sterne hat

leave a comment »


Einige Facetten meines Berufes bringen es mit sich, dass man mitunter an Orte fahren muss, die man privat meiden würde. Dazu zählen auch weit über die Landesgrenzen beworbene Hochburgen des heimischen Tourismus jenseits des Wiener Gürtels …
Bucht man z.B. online einen idyllischen 4-Sterne Landgasthof landet man in einem offenbar günstig zugekauften und umfunktionierten Einfamilienhaus am Hang. Die Rezeption findet man 500 m weit entfernt in einem richtigen Hotel anderen Namens.

Zimmer.jpg
Holt man sich dort seinen Schlüssel „glaubt“ der junge Mann an der Rezeption,  dass das gebuchte Zimmer im zweiten Stock der vorgeschriebenen Hütte liegt, dort war er vermutlich noch nie.
Vor Ort versteht man das, wenn man sich über eine knarrende, mit nicht mehr ganz sauberem Filz belegte Treppe hochquält. Das Ambiente weckt böse Erinnerungen an mieseste Schulschikurse.
Das Zimmer ist in „frühem IKEA“ eingerichtet, der abgesteckte und ziemlich demolierte Radiowecker lässt sich sogar in Betrieb nehmen, die Badezimmerbeleuchtung leider nur gemeinsam mit einem grässlich schepperndem Abzug.
Da das Ablagebrett im Kasten einem prompt entgegen fällt, wird es vermutlich nicht das Zwischenlager meines mitgebrachten Schlepptops werden. Beim Zusammenbau des Kastens schien irgendwo ein Brett verloren gegangen zu sein:
Kasten

Es gibt wie versprochen einen Safe, aber das etwa schuhschachtelgroße Kisterl ist einfach in den Kasten gelegt … für den Kronschatz wohl etwas zu unsicher und selbst für  ein altes Smartphone kaum ein sicherer Aufbewahrungsort …

Safe

Nun habe ich endlich auch die im Zimmer angebrachten Kunstdrucke entdeckt.

wpid-2014-01-21-20.49.51.png

Nicht an jedem der in die Wände gerammten Nägel hängt so ein Bild, doch an mehreren ..
Die anderen stecken einfach so im Verputz.
Sollten Sie das Gemälde hinter dem billigen Glasscherben nicht erkennen,  ist das auch nicht schlimm, es findet sich sicher noch irgendwo ein anderes Exemplar des ADEG Kalenders aus dem es herausgerissen wurde.

Letztendlich ist das Bauernfängerei, weil die 80€ pro Tag für dieses Zimmer mit Frühstück im Nebengebäude (wohin es sich  übrigens innerhalb von 4 Tagen nicht herumgesprochen hat, dass ich dort auftauchen werde und somit kein Essplatz vorgesehen war) durchaus im Preisrange der umgebenden, wirklichen 4 Stern Unterkünfte war, schließlich handelt es sich um die Nebensaison …

Ich frage mich jetzt nur noch welcher Tourismusexperte hier geschmiert wurde, um diese Hütte mit 4 Sternen zu adeln.

Written by medicus58

21. Januar 2014 at 22:28

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

Tagged with , , ,

Die Urlaubszeit ist da

leave a comment »


Die Urlaubszeit ist da, also natürlich noch nicht die Zeit der Sommerferien, aber die Urlaubsvorbereitungszeit, also das Gustieren, Buchen, Vorfreuen …Vorfürchten.

Also der perfekte Zeitpunkt um etwas in den Erinnerungen zu wühlen:

Wir vermitteln Ihnen Ihr Traumobjekt für Ihren Kurzurlaub, Urlaub oder Langzeitaufenthalt. Wir haben Kontakte zu Hauseigentümern wunderschöner Fincas und Wohnungen in den besten Gegenden Mallorcas. Täglich kommen neue Objekte hinzu.
http://www.finca-mallorcareise.com/module/immobilien/home.php  

Klang viel versprechend, was Familie Schirmer da versprach und die Bilder des Apartments in Colónia de Sant Pere schienen das auch zu halten. Der Sommerurlaub in einem gemieteten Ferienhaus hat sich in den Jahren davor als familientaugliche Alternative zwischen Fernreise und Pauschalreise erwiesen und die Erfahrungen mit privaten Vermietern in Griechenland, Italien, Portugal und Spanien waren durchwegs gut. Das angepeilte Feriendomizil wurde jedoch in diesem Fall nicht direkt vom Besitzer (wie wir später erfuhren eigentlich einer Besitzerin) angeboten, sondern über die Agentur der Familie Schirmer. Das wird sich noch als ein – für das von deutschen Aussteigern infestierte Mallorca – nicht untypisches Problem herausstellen.

Mallorca wäre ja an sich nicht eines meiner Traumziele gewesen, jedoch schien man am äußersten SO-Zipfel möglichst weit weg vom Ballermann-Trubel und daneben hat die Insel ja durchaus einige schöne Flecken. Gesagt, gebucht, schloss sich uns noch eine befreundete Familie an, die einige Tage später anreisen wollte; groß genug war das Haus ja mit seinen drei Stockwerken und drei Terrassen.
Die Anzahlung wurde im Frühjahr an Mallorcareisen übermittelt.
Bei der Ankunft schienen sich auf den ersten Blick unsere Erwartungen an das Objekt zu erfüllen; dass im Zweitbad des Untergeschosses noch ein Installateur werkte, war nicht weiter schlimm, weil unsere Freunde ohnehin erst ein paar Tage später ankommen wollten. Ein etwas muffeliger Geruch um Untergeschoss, ließ sich durch ordentliches Lüften beseitigen.

Die zweite Nacht war für unsere zwischenzeitlich angereisten Freunde durch einen, sich aus der Decke ergießenden Wasserschwall, unsanft unterbrochen. Eine nähere Untersuchung ergab, dass die Rückwand eines Kleiderkastens ziemlich verschimmelt war, was bewies, dass es auch schon früher zu einem Wassereintritt ins Untergeschoss gekommen war. Ein Anruf beim vermeintlichen Besitzer, eigentlich der Lebensgefährte der Besitzerin, der uns die Schlüssel ausgehändigt und den restlichen Mietpreis abgenommen hat, führte zu nichts, denn er kam nach einiger Zeit ziemlich stoned vorbei und beschuldigte uns, dass wir einfach das Bad im Obergeschoß überlaufen haben lassen und zog wieder ab.

Kasten

Die Agentur sah sich wegen Arbeitsüberlastung außer Stande vorbeizuschauen und unsere Freunde zogen ins Hotel
Wir verblieben in den trockenen beiden Obergeschoßen und versuchten täglich dem Agenturbesitzer klar zu machen, dass es hier in diesem Haus ein großes Problem mit den Wasserinstallationen gab, leider jedoch vergeblich.

Einige Tage später kehrten wir nach Einbruch der Dunkelheit von einem schönen Ausflug nach Port de Soller zurück und als ich im Vorzimmer das Licht anknipste zeigte der kurze Augenblick während dessen das Licht kurz aufflackerte, ehe der FI-Schalter die Stromversorgung knallend unterbrach, dass sich unser schönes Urlaubsdomizil in eine unbeschreibliche Wasserhölle verwandelt hat.
Die Treppen aus dem ersten Stock haben sich in spritzende Kaskaden verwandelt und aus der Deckenbeleuchtung des Vorzimmers schoss das Wasser im Schwall. Dann war es wieder stockdunkel.

Wassereintritt_2
Nicht unpanisch versuchte ich in dem dunklen Haus die Quelle des Übels zu eruieren und fand sie unter der Küchenspüle. Der flexible Schlauch zwischen Eckventil und Mischgarnitur war durchgerostet und offenbar während unserer Abwesenheit endgültig geplatzt. Selbstverständlich hat man hier das Eckventil eingespart.
Im bereits zentimetertiefen Wasser im Untergeschoss gelang es mir nicht einen Hauptwasserhahn zu finden, jedoch hatte ich Glück im Unglück: Gerissen ist in der Küche die Warmwasserzuleitung, so es genügte den Zufluss zum Heizwasserspeicher zu schließen, um den Fluten Einhalt zu bieten.

Küche

Anrufe beim Freund der Besitzerin wurden einfach nicht angenommen
Ein Anruf bei der Agentur war vergeblich, da man sich mit Hinweis auf ein gerade getrunkenes Glas Wein außer Stande war aus dem Nachbardorf herüber zu kommen. 
Anrufe bei der Polizei, sie möge den Besitzer herbringen um sicher zu stellen, dass der Hauptwasserhahn abgedreht wird, um weiteren Schaden zu verhindern, wurden mit dem Verweis auf den Europäischen Notruf beantwortet. Der Europäische Notruf verwies auf die lokale Polizei.

Mit ein paar Habseligkeiten, die wir im stockdunklen Haus finden konnten übersiedelten wir ebenfalls in das Hotel. 

Als wir etwa eine Stunde später wieder zu „unserem“ Haus kamen um sicher zu stellen, dass nicht noch Wasser aus einer zweiten Quelle sprudelte, fanden wir das aufgebrochen vor. Der Freund der Besitzerin ist mit einem befreundeten Deutschen, angeblich ein Installateur, eingestiegen. 
Seinen Zweitschlüssel hat er nicht gefunden! 

Wasser
In unproduktiver Rage hat unser deutscher Freund die Decke im Kinderzimmer herunter gerissen, weil er fälschlich annahm, dass sich dort das lecke Wasserrohr befand. Wenigstens hat er den Haupthahn abgedreht, so dass wir sicher sein konnten, dass nicht auch die Keller der Nachbarhäuser geflutet werden.

Am nächsten Morgen trafen wir uns, nun doch mit dem ausgenüchterten Agenturchef und gaben ihm die Schlüssel zurück. Anständigerweise gab er uns auch den ihm ausgehändigten Mietpreis zurück, auf die ebenfalls versprochene Rückgabe der Anzahlung warten wir bis heute. Diesbezügliche Mails werden von Mallorcareisen nicht beantwortet.

Fazit: Hände weg von Agenturen, die Häuser im Namen von Privatbesitzern vermieten.

Dass Deutsche den größten Anteil der insgesamt immer 21% Einwanderer der Insel ausmachen ist bekannt. Zu glauben, dass dies für den deutschsprachigen Urlauber ein Vorteil ist, fällt uns schwer zu glauben.

Wasser 2

Written by medicus58

27. Mai 2013 at 19:33

Veröffentlicht in Reisen

Tagged with , , ,

Life is not a Destination but a Journey

leave a comment »


Immer wenn mich die bisherigen Themenkreise diese Blogs zu sehr frustrierten, beschloss ich mit einer neuen Rubrik „Über das Reisen“ zu beginnen, ließ es aber schließlich doch immer wieder sein, weil viele der Erlebnisse schon Jahrzehnte zurück liegen und somit von fraglicher Aktualität schienen.

Andererseits hat schon Tucholsky auf die enge Verquickung zwischen Heimat und Ferne  einerseits und Gegenwart und Vergangenheit andererseits hingewiesen:

Wer die Enge seiner Heimat ermessen will, reise.
Wer die Enge seiner Zeit ermessen will, studiere Geschichte.
Kurt Tucholsky 1890-1935

Keine Angst, es ist nicht beabsichtigt hier das schriftliche Pendant zur gefürchteten Einladung zu Knabbergebäck und den ersten tausend Strandfotos vom letzten Kroatienurlaub abzuliefern, und es soll auch keine bildungsbürgerlicheUniversumfolge“ über „die letzten Paradiese der Erde“ werden.
Hier wird es um die persönlichen Erfahrungen auf Individualreisen durch (bislang) 67 Staaten dieser Welt gehen, teils mit Rucksack, teils mit Samsonite; manchmal  vorausgeplant, häufig improvisiert; einmal in einer Suite im Stadtpalast des Maharadschas, dann mit Brechdurchfall in einer indischen Bahnhofstoilette …
 
Widersprechen wir einfach Blaise Pascals lapidarer Erkenntnis:

Alles Unglück des Menschen kommt daher, dass er nicht ruhig in einem Zimmer verweilen kann.
Blaise Pascal 1623-1662

Für Francis Bacon schien das Reisen vorwiegend eine Beschäftigung der Jugend, was im Hinblick auf die damaligen Verkehrsmittel kaum verwundert:

Reisen ist in der Jugend ein Teil der Erziehung,
im Alter ein Teil der Erfahrung.
Sir Francis Bacon (1561 – 1626)

Für Max Frisch konnte das kaum noch gelten und die Schikanen nach 9/11 hat er sich erspart. Er wird aber hier zitiert, da er uns ebenfalls darauf aufmerksam macht, dass ein wichtiger Teil des Erkenntnisgewinns erst nach der Rückkehr abläuft:

Auf Reisen gleichen wir einem Film, der belichtet wird.
Entwickeln wird ihn die Erinnerung.
Max Frisch (1911 – 1991)

Auch für mich waren meine ersten Reisen hilfreich, Österreich mit anderen Augen zu sehen.

Wo gehn wir denn hin? – Immer nach Hause!
Novalis 1772-1801

Der Mensch bereist die Welt auf der Suche nach dem, was ihm fehlt.
Und er kehrt nach Hause zurück, um es zu finden.
George Moore (1852 – 1933)

Schön ist nur, was niemals dein.
Es ist heiter, zu reisen, und schrecklich, zu sein.
Kurt Tucholsky 1890-1935

Kant, der selbst nicht gerade als Weltreisender in die Geschichte eingegangen ist,
hat diesen Erkenntnisgewinn, luzide wie immer, analysiert:
 
Das Reisen bildet sehr; es entwöhnt von allen Vorurteilen des Volkes, des Glaubens, der Familie, der Erziehung.
Es gibt den humanen duldsamen Sinn, den allgemeinen Charakter.
Wer dagegen nichts sah, was ihn in der Sphäre,
worin er lebt, umgibt, hält leicht alles für notwendig
und einzig in der Welt, weil es in seiner Heimat dafür gilt.
Immanuel Kant (1724-1804)

Damit kommen wir auch schon bei einem wichtigen Unterscheidungsmerkmal zwischen „Urlaub“ und „Reisen“:

Touristen sind Reisende, die ihren Besitz verbrauchen, um sich den Besitz anderer anzusehen.
Ernst Heimeran (1902 – 1955)

Früher zeichnete man auf Reisen, um sich erinnern zu können, wo man war.
Heute filmt man auf Reisen, um zu erfahren, wo man gewesen ist.
Albert Camus (1913-1960)

Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet
Hans Magnus Enzensberger (*1929)

Es ist ja nicht so, dass „Reisen“ nicht auch einen gewissen Erholungswert hat, jedoch findet dieser eher mental statt. In allen anderen Aspekten ist „Reisen“ harte Arbeit.

Das Reisen ist eine Passion,in dem wunderbaren Doppelsinn dieses Wortes,
der im Wort Leidenschaft vollkommen nachgeformt ist:
eine Passion, kein Vergnügen.
Erhart Kästner (1904 – 1974)

Zum Reisen gehört Geduld, Mut, guter Humor, Vergessenheit aller häuslichen Sorgen, und dass man sich durch widrige Zufälle, Schwierigkeiten, böses Wetter, schlechte Kost und der gleichen nicht niederschlagen lässt.
Adolf Freiherr v. Knigge (1752 – 1796)

Nur um richtig verstanden zu werden, hier geht es nicht um das so genannte „Abenteuer“ oder um eine Verherrlichung der Strapazen, die man „überstanden“ hat. Wer derartige Reisebeschreibungen sucht, ist bei der Fülle an einschlägiger Literatur und den allenthalben plakatierten Diavorträgen besser aufgehoben. Ich habe auch in all den Jahren unter all den Menschen, die weit aus längere und weitaus „gefährlichere“ Reisen als ich erlebt hat, niemanden gefunden, der diesen Aspekt besonders hervorgehoben hat. Ganz im Gegenteil, der „wahre Reisende“ freut sich über jeden Abend, den er bequem an einem warmen und trockenen Ort verbringen konnte, über jede Dusche die funktioniert und jede Toilette, die ihren Inhalt nicht mehr von sich gibt, weil ihm all das die Kraft gibt, die nächste Nacht, die vermutlich anders verlaufen wird, so zu überstehen, dass sein Sensorium weiterhin frei für die wesentlichen Eindrücke seiner Reise bleibt. Dafür offen zu bleiben, ist für den Reisenden unumgänglich:

Der wahre Reisende weiß nicht, wohin die Reise geht, der wahre Abenteurer weiß nicht, was er erleben wird. Seine Reisen führen ihn nicht eher in eine Richtung als in eine andere. Seine Neugierde ist nicht auf einen bestimmten Punkt gerichtet.
Chuang-tzu, ca. 365-286 v. Chr.

Reisen erfordert einen radikalen Umgang mit sich selbst, auch wenn Diderots Forderungen für die meisten von uns unerfüllbar sein werden:

Reisen, mein Freund, ist eine schöne Sache; aber man muss seinen Vater, seine Mutter, seine Kinder und seine Freunde verloren haben, oder nie welche besessen haben, um auf dem Globus umherzuirren. Was würden Sie von dem Besitzer eines riesigen Palastes sagen, der sein Leben damit verbrächte, treppauf, treppab zu eilen, vom Keller zum Dachboden, vom Dachboden in den Keller, anstatt sich ruhig im Kreise seiner Familie niederzulassen? Das ist das Bild des Reisenden. Dieser Mensch hat keine Moral, er wird von einer Art natürlicher Unruhe geplagt, die ihn entgegen seinem Willen von Ort zu Ort treibt.
Denis Diderot 1713-1784

Bevor wir die Reise um die Welt beginnen, sollten wir die Reise um uns selbst beendigen.
Denis Diderot 1713-1784

In jedem Fall aber ist „Reisen“ untrennbar mit einem selbst verbunden:

Der Weg zu dir selber hört nie auf
Hinter dir geht’s abwärts
Und vor dir steil bergauf
Wolfgang Ambros (*1952)

Das Ergebnis ist nicht immer im Sinne der Aufklärung:

Die Deutschen fahren ins Ausland, um auch mal andere Vorurteile kennen zu lernen.
Richard W. B. Cormack (*1941)

aber es zwingt einen zur Auseinandersetzung mit sich selbst:

Der kürzeste Weg zu sich selbst führt um die Welt herum.
Hermann Keyserling (1880 – 1946)

Vor denen, die Sven Hedin nicht verstehen:

Jeder Mensch braucht dann und wann ein bisschen Wüste!
Sven Hedin (1865 – 1952)

sei gewarnt, denn wie schon Alexander von Humboldt erkannte:

Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
Alexander von Humboldt

Am Beginn meiner Reisen stand ich vor einer kleinen südenglischen Kirche und las unter all den Sinnsprüchen, die den Gläubigen an solchen Orten mitgegeben werden:

“Life is not a Journey but a Destination”

und dachte sogleich:

“au contraire“

Was ziemlich eigenartig ist, da ich der französischen Sprache ja eigentlich nicht mächtig bin. Meinem damals ziemlich „britanophilen“ Unterbewusstsein schien es aber opportun, dieser Aussage nicht nur inhaltlich, sondern gleich in einer anderen Sprache zu widersprechen. Nicht dass ich frei jeglicher Hoffnung auf zielgerichtete Entwicklungen wäre, aber in diesem im Zusammenhang schien mir die Umkehrung dieses Satzes zutreffender; bestenfalls könnte ich  Jean Pauls zustimmen, dass Reisen und Leben ohnehin dasselbe wäre:

Nur Reisen ist Leben,
wie umgekehrt das Leben Reisen ist.
Jean Paul (1763 – 1825)

Auf einen wesentlichen Unterschied zwischen beiden weist uns Susan Heller hin:

When preparing to travel,
lay out all your clothes and all your money.
Then take half the clothes and twice the money.“
Susan Heller

 PS: Dem Amateurpsychologen wird aufgefallen sein, dass ich mich hinter ausnehmend vielen Zitaten versteckt habe, um zu verbergen, wie schwer es mir fällt etwas „Prinzipielles über das Reisen“ zu formulieren, ohne das vorweg zu nehmen, was eigentlich in den folgenden Beiträgen kommen soll. Das Bild zeigt übrigens das Haus in London, das vor vielen Jahren Ausgangspunkt für meine ganz persönliche „Vermessung der Welt“ war. Schau’n mir ‚mal, was da nach folgt …

Written by medicus58

29. August 2012 at 17:30

%d Bloggern gefällt das: