Sprechstunde

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Wien Digital – Qual ohne Wahl

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Dass Ihr Medicus den Segnungen der EDV im Gesundheitswesen nicht ganz vorbehaltslos gegenüber steht, darf als ausreichend dokumentiert gelten:

Krankenhaus EDV: erfassten Widerspruch im Anlassfall
KAV-IT: Ohne Worte
KAV-IT: Die Problemverursacher übernehmen die Macht
und da war da noch ELGA
Meine Paranoia mit der Spitals-EDV oder wenn alles steht, geht’s weiter wie bisher

Was die Wiener Zeitung pointiert wie immer als Die digitale Auferstehung der „1er“ umschrieb, also die Herauslösung der IT-Abteilungen des Allgemeinen Krankenhauses und des Krankenanstaltenverbunds und ihre Vereinigung mit der IT des Magistrats zur MA 1, lässt eine nachhaltige Verböserung der Situation erwarten:
1100 IT-Mitarbeiter überwachen über knapp 86.000 IT-Nutzer, betreuen 931 Breitbandstandorte, 70 Telekommunikationsanlagen mit 69.000 Nebenstellen, knapp 23.000 mobile Endgeräte, 5100 Server, 5400 Datenbanken, 9460 Terabyte Speicher und 113.800 Arbeitsplatz-Endgeräte

Zwar konnte das auf dringlichen Wunsch (?!?) von Ex-Finanz-Stadträtin Brauner bebaute Areal an der Stadtlauerstraße nun auch ausgelastet werden und der Magistratsdirektor konnte durchsetzten, dass er durch eine letztendlich unabwendbare personelle Ausgliederung des KAV nicht die Oberhoheit über all zu viele Personalakten verliert, aber ob das Monster Sinn macht, daran darf täglich gezweifelt werden, wenn man an der IT-Helpline hängt, wenn man wieder mal nicht in seinen PC kommt oder eine Telefonverbindung hakt.

Hat sich nicht Bürgermeister Häupl noch Ende 2016 rhetorisch echauffiert, was denn ein KAV Generaldirektor so für sein Geld macht, wenn er weder Finanz- noch Personalhoheit hat und dies auch noch kurz vor seinem Abgang 2018 bekräftigt:
Umgestaltung des Wiener Spitalsträgers in eine Anstalt öffentlichen Rechts mit eigener Personal- und Budgethoheit

Kann mir irgendjemand einen 30.000 Mitarbeiter Konzern zeigen, der keine eigene IT-Abteilung mehr hat?

Written by medicus58

20. Juli 2018 at 19:12

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 2: Hilfe gegen den Helpdesk)

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Schon vor vier Jahren habe ich hier unter KAV-IT: Die Problemverursacher übernehmen die Macht beschrieben,
welche überproportionalen Einfluss die IT-Verantwortlichen auf Struktur- und Ablaufentwicklung im Wiener Krankenanstaltenverbund haben.

Die vor wenigen Tagen von der Kronen Zeitung  berichteten Kostensteigerungen in diesem Bereich:

313 Millionen Euro muss die Stadt Wien in den nächsten fünf Jahren für die EDV der Spitäler ausgeben …Teuerung bei Service und Wartung Plus von 74 Prozent droht

wurden mW von keinem anderen Medium aufgegriffen, unwahrscheinlich scheinen sie nicht. Oft hat man den Eindruck, dass es leichter wäre einen zusätzlichen PC als ein EKG zu bekommen.

Völlig demoralisierend sind die täglichen Abstürze, Latenzzeiten und verschwindenden Daten, über die man sich dann bei einem Helpdesk beschweren darf.
Obwohl konstatiert werden muss, dass die dort abhebenden Mitarbeiter inzwischen zu vielen Standardfehler in Outlook und Co. ganz kompetent geworden sind und hier rasch per Remote-Zugriff helfen, wird man bei allen komplexen Fragen mit einer Ticketnummer und dem Versprechen abgespeist, dass man das Problem weitergeben wird. Betrifft das Problem aber vor anderen Firmen zugekaufte oder überhaupt gewartete Programme oder Hardware findet man sich rasch in einer Parallelwelt.

Ich erspare uns nun mehr Beispiele und verweise auf nachfolgende Links. Meine zweite Bitte an den zukünftigen Generaldirektor wäre also eine Klärung,
wer im Krankenhaus denn den Kernprozess trägt und wer eigentlich nur zur Unterstützung dieser Menschen da ist!
Oder haben Sie schon einen Hund gesehen, der von seinem Schwanz gewedelt wird?

Links:
KAV-IT: Ohne Worte
Krankenhaus EDV: erfassten Widerspruch im Anlassfall
Ein Tag im KAV
KAV: Wo bleibt die Informationspflicht der Bevölkerung, wenn Spitäler still stehen?
Meine Dienstgeberin gendert: KarteireiterInnen
Meine Paranoia mit der Spitals-EDV oder wenn alles steht, geht’s weiter wie bisher

Written by medicus58

3. Juli 2017 at 16:51

Veröffentlicht in Allgemein, Gesundheitssystem

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Und dann macht’s Klick: Gedanken über Ärzte und Blogger

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maus

Jetzt führe ich seit fast 5 Jahren einen Blog.
Wie bekannt nistete ich mich zuerst auf einem inzwischen eingestellten Server ein (Ende eines Blogs http://wp.me/p1kfuX-Sf) und wechselte zuerst zögerlich und dann konsequent auf wordpress.com.

In diesen Jahren erlebten meine Artikel etwa 200.000 „Klicks„.
An meinem besten Tag (2.3.2015) war dies sogar über 2.800 mal der Fall.

Da stellt sich schon die Frage, ob man denn als Arzt für seine Umgebung nicht mehr tun sollte, als sich um ein paar Mausklicks bemühen.

Dann stolperte ich über das Freeware-Tool MouseClickr
(http://www.softpedia.com/get/System/System-Info/Mouse-Clickr.shtml),
das ohne Installation auf jedem Rechner brav die Mausklicks mitzählt, die wir alle täglich ausführen müssen, um in unserer voll durchdigitalisierten Arbeitswelt, unseren Job zu machen.

Für einen angestellten Arzt bedeutet das neben der inzwischen für uns alle üblich gewordenen Durchsicht der Mailbox auch einen Blick auf die Mitteilungen der Generaldirektion, deren Weisungen in immer kürzeren Abständen zum Geltungsdatum eintrudeln.
Aber auch in der Patientenversorgung geht nichts mehr ohne den Griff zum digitalen Nagetier.

Einloggen in das KIS,
Abfragen der Befunde der stationären oder ambulanten Patienten,
Anmelden des Patienten im RIS für die verschiedenen Röntgenuntersuchungen,
im LIS für die gewünschten Laboruntersuchungen.
Überprüfung und elektronische Signatur des Arzt- oder Ambulanzbriefes,
Suchen eines Operationsberichtes im Medarchiv, weil der Patient behauptete in einem anderen Krankenhaus vor einem Jahr „am Krebs“ operiert worden zu sein,
die Befunde des Arztes in Ausbildung gehören noch korrigiert und vidiert,
und dann kommt der Krankenträger auch nur, wenn er mittels EDV angefordert wird….

Um also überhaupt ärztlich tätig werden zu können, sind unendlich viele Mausklicks erforderlich.

Natürlich nicht unendlich viele, mit MouseClickr ließ sich das sehr leicht messen.

Pro Tag kamen somit im Mittel 8000 Klicks auf der linken Maustaste und 1500 Klicks auf der rechten Maustaste zusammen.

Insgesamt als 9500 Klicks pro Arbeitstag!

Also pro Jahr mache ich beruflich als Arzt mehr Klicks als ich bei meinen Blog-Lesern in 5 Jahren auslösen konnte.
Was man daraus nun auch immer ableiten möchte, eines sei den angehenden Kollegen und Kolleginnen ins Stammbuch geschrieben:
Während früher der Tennisarm als typische Berufserkrankungen des Arztes gelten konnte, sind wir zukünftig mehr von Karpaltunnelsyndromen bedroht. < irony off>

Written by medicus58

26. Juli 2015 at 11:03

KAV-IT: Ohne Worte

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Begrüßungsbildschirm:

KAV Server down 2 ein Mausklick weiter:

KAV Server down

 

KAV-IT: Die Problemverursacher übernehmen die Macht http://wp.me/p1kfuX-B4

KAV: Wo bleibt die Informationspflicht der Bevölkerung, wenn Spitäler still stehen? http://wp.me/p1kfuX-Zd 

Written by medicus58

25. Juni 2015 at 18:20

KAV: Wir sparen – koste es was es wolle

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Sound

Seit 2013 erfüllen die Klänge des SOUND Projekts den Wiener Krankenanstaltenverbund KAV.
Um (zumindest) im Englischkundigen Assoziation von „gesund“ und „korrekt“ auszulösen, wurde ein leicht holpriges Akronym geschaffen:

Sachkostenoptimierung. Unser Nutzen dauerhaft

Dass die Phrase to sound somebody out auch mit aushorchenübersetzt wird, ist aber auch nicht unpassend, weil hinter dem großflächigen Einsparungsversuch steht die Firma Accenture und ein schier endloses Netzwerk von anderen Beraterfirmen, die hier in den Büchern des größten österreichischen Krankenanstaltenverbundes wühlen dürfen.

Bislang wurden die versprochenen Einsparungsvolumina noch nicht erreicht, so dass ohne Rücksprache mit den Betroffenen immer komplexere Abrechnungskonstrukte entwickelt werden, um grandiose Einsparungen darstellen zu können. Die zusätzliche administrative Arbeit für das Personal ist den beteiligten Firmen ja egal, weil es nur um die Einkaufspreise geht:

Es gibt Häuser, in denen der Betrieb (z.B. in den Laboren) nicht mehr ­reibungslos läuft, weil für das Projekt Sound verschiedene Statistiken geführt werden müssen.
http://www.kiv.at/wien/szx/artikel/3492/der-sound-im-kav

Nun muss auch die nach Selbstdefinition doch so effiziente KAV-IT Federn lassen:

650.000 Euro werden wir uns ab 2014 sparen, weil wir mit Hilfe unserer Berater erkannt haben, dass wir für unsere Microsoft Office Lizenzen auf Update und Software Wartung (Software Assurance SA) verzichten.

Das SOUND Team in der KAV-IT kam zur überraschenden Erkenntnis, dass durch die Implementierung einer neuen Softwareversion ein erhöhter finanzieller Aufwand entsteht.

Chapeau, diese Erkenntnis ist nahezu Wirtschafts-Nobelpreis-verdächtig.

Das Microsoft Office Paket im KAV wird ab nun nur nach Bedarf bezogen.
Offenbar wurde es zuletzt aus Jux und Tollerei installiert …. aber zurück zum Originaltext:

Damit reduziert sich der Aufwand für die Anpassung an sämtliche Applikationen des KAV erheblich. Der Einsatz der neuen Produktversionen erfolgt ab nun im Einklang mit der KAV-internen Software-Strategie.  

Beeindruckt von diesen Einsparungen wird jetzt die Kasse der Beraterfirmen klingeln. Wenn sich dann doch herausstellt, dass die alte Version mit keiner der anderen Softwarepakete mehr kompatibel ist, die auf die Office Anwendungen zugreifen, dann kaufen wir alles zum Listenpreis nach. Dann ist aber das SOUND Projekt schon geschichte und die Beraterfirmen sind weitergezogen.

MS Word wird ja nicht nur isoliert benutzt, sondern es greifen mehrere andere Softwarepakete (z.B. für das Schreiben von Krankengeschichten und Befunden) darauf zu. Auch der letzte Wechsel von WIN NT auf WIN7 und von Office 2003 auf 2010 war schließlich erforderlich, weil die von Drittanbietern laufende Software weiterentwickelt wurden und nicht mehr mit den alten Versionen kompatibel waren.

Gleiches gilt für alle anderen Teile des Office Pakets.

Im KAV läuft zum Beispiel eine Version des Internet Explorers 8, auf der medizinische Fortbildungen, wie z.B. MEDSCAPE nicht mehr lauffähig sind. Egal, verwenden wir halt unsere privaten Smartphone, diese Kosten rechnen unsere SOUND Berater auch nicht ein, weil
gespart wird heute nur durch das verschieben der Kosten, nach vorne oder auf andere.

Written by medicus58

28. September 2014 at 19:37

Meine Paranoia mit der Spitals-EDV oder wenn alles steht, geht’s weiter wie bisher

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EDV down

In diesem Blog finden Sie schon eine so lange Liste, in denen die EDV/ IT Probleme in der Medizin beleuchtet werden, dass ich mir langsam Sorgen mache, ob es sich hier nicht um eine gefährliche Obsession meinerseits handelt. Schließlich scheint sich ja außer mir keiner mit dem Problem medial zu beschäftigen.

Am 14.5.2014 kam es wienweit in den Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbundes zu einem etwa zwei Stunden anhaltenden Totalausfall der netzwerkabhängigen EDV Systeme. 
Kürzlich administrierte Patienten verschwanden aus dem System,
im Zentrallabor trafen Blutproben ohne elektronischer Anforderung ein,
so dass unklar war, was denn eigentlich bestimmt werden sollte,
Drucker konnten nicht angesprochen werden, …

Bis zur völligen Wiederherstellung waren zwar nicht alle Systeme dauerhaft ausgefallen, manchmal funktionierten Teile wieder, nur um kurz darauf wieder auszufallen, jedoch bedeutete dieser Ausfall in einem Betrieb, der inzwischen alle seine Prozesse (Zuweisungen, Befundungen, Patiententransport, OP-Management, …) von seinen insuffizienten EDV-Systemen abhängig gemacht hat, eine massive Behinderung der Patientenversorgung.

Informationen über diesen Vorfall wurden von der zuständigen Abteilung (KAV-IT) weder intern noch nach außen weitergegeben, so dass es naturgemäß zu keiner öffentlichen Wahrnehmung und somit zu keiner Diskussion dieser Probleme kommt. Bedenken Sie dies bitte, ehe sie mir die ICD-10-CM F60.0 Paranoide Persönlichkeitsstörung anhängen …

16.2.2012 Pressestunde: Salon ELGA 
http://wp.me/p1kfuX-9g

10.5.2012 VI Control-Alt-Delete : Be patient, patient. 
http://wp.me/p1kfuX-hl

11.5.2012 Männchen oder Weibchen? An alle ELGA Fans
http://wp.me/p1kfuX-hp

25.5.2012 MED 2.0 Facebook for the insane
http://wp.me/p1kfuX-iK

25.10.2012 Risikofaktor medizinische Informatik
http://wp.me/p1kfuX-uw

8.11.2012 EDV: Supergau im KAV
http://wp.me/p1kfuX-vj

8.12.2012 Nervt die EDV nur oder will sie uns was sagen
http://wp.me/p1kfuX-x7

15.3.2013 KAV-IT: Die Problemverursacher übernehmen die Macht
http://wp.me/p1kfuX-B4

13.11.2013 Kunstfehler waren gestern, heute haben wir die EDV
http://wp.me/p1kfuX-Iz

12.2.2014 Die Überraschungseier der Krankenhaus EDV
http://wp.me/p1kfuX-L5

7.3.2014 Before we have been so rudely interupted
http://wp.me/p1kfuX-Lv

19.3.2014 Software kann auch töten
http://wp.me/p1kfuX-LR

25.4.2014 Da mir Minister Stöger kein Interview zu ELGA gibt
http://wp.me/p1kfuX-N2

Written by medicus58

16. Mai 2014 at 07:00

Software kann auch töten

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EDV Kreuz 

Die Überschrift mag spekulativ klingen, lässt sich aber leicht beweisen.
Dass Software niemals gänzlich problemlos abläuft, erleben wir arbeitstäglich mit unseren Microsoft Office Paketen und in der Freizeit, wenn der geilste Ego-Shooter an der Playstaion gerade dann einfriert, wenn man das Böse vor der Mündung hat.

Beides ärgerlich, aber letztendlich mit einem Ctrl-Alt-Del, abgesehen von allfällig verlorengegangenen Zwischenergebnissen, weitgehende folgenfrei zu beheben.

Als im Februar 2009 das Google Mailsystem für 2,5 Stunden down war, war rezent eingespielter Softwarcode dafür verantwortlich, das sich das System während einer Routinewartung an den europäischen Servern anders verhielt als vorhergesehen, aber auch noch kein Beinbruch.

Anders schaut die Sache aus, wenn wir es mit Software zu tun haben, die gefahrengeneigte Prozesse steuert.

1980 meldete NORAD (North American Aerospace Defense Command) fälschlicherweiseeinen Angriff russischer Raketen, während 1983 Russland glaubte von US Raketen angegriffen zu werden. Hätten die Zuständigen auf ihre Computer vertraut, hätten wir den 3. Weltkriegauch schon hinter uns …

Eine mangelhafte Software eines Elektronen-Linearbeschleuniger(LINAC, Therac-25) der in der Radioonkologie eingesetzt wird, verursachte zwischen 1985-1987 (!) bei sechs Patienten Verletzungen, die bei drei zum Tode führten, ehe der Fehler entdeckt wurde und die AECL (Atomic Energy of Canada Ltd eine Warnung an alle Therac-25 Benützer herausgab, die empfahl sich nicht auf die elektronischen Sensoren im Gerät zu verlassen und vor Bestrahlungsbeginn eine visuelle Kontrolle der Geräteposition durchzuführen.
http://formal.iti.kit.edu/~beckert/teaching/Seminar-Softwarefehler-SS03/Ausarbeitungen/pfeifer.pdf

Auch bei zwischen August 2000 und März 2001 am Instituto Oncológico Nacional (ION) in Panama überdosierten Patienten war ein Fehler des computerisierten Behandlungsplanunssystem ursächlich verantwortlich. Erst nach den ersten Todesfällen wurde der Fehler aufgedeckt.

Zwischen Februar 2008 und August 2009 führte am Cedar Sinai Medical Center in Los Angeles, USA eine Fehlkonfiguration eines CTs für Hirnperfusionsstörungen dazu, dass 206 Patients einer etwa 8x höheren Strahlenexposition ausgesetzt waren, als für das Untersuchungsverfahren üblich gewesen wäre. Vorübergehender Haarverlust und Erytheme wurden beobachtet.

Die Liste ließe sich noch mit einigen Beispielen fortsetzen (Economist:6/12: When code can kill or cure http://www.economist.com/node/21556098) und der Verdacht würde sich erhärten, dass wir die Anzahl der weniger spektakulären Fälle gar nicht abschätzen können.

Von den indirekten Folgen ungeügender Software im medizinischen Bereich als Auslöser ärztlicher Fehler (Kunstfehler waren gestern, heute haben wir die EDV http://wp.me/p1kfuX-Iz) habe ich bereits mehrfach geschrieben …

Es wäre höchst wünschenswert, wenn die EDV Verantwortlichen im medizinischen Bereich sich endlich einmal nur annähernde ähnlichen Qualitätsüberprüfungen stellen müssten wie die Gesundheitsberufe:

Kein Einspielen neuer Software ohne ausführliche Testung im Echtbetrieb und Einschulung des Personals an funktionierenden Demoversionen.

Regelmäßige und automatisierte Checks, ob die einmal vorgesehenen Pfade der Daten weiterhin funktionieren.

Regelmäßiger Check auf Doubletten, Inkonsistenzen und verlorengegangener Daten, …

da kämen einem viele Ideen, die für einen wissenschaftlich tätigen Arzt Routine wären …

Before we have been so rudely interupted

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Passwort

 

Sollte es dem geneigten Leser erleichternd aufgefallen sein, dass meinGesudere zuletzt nur spärlich in die Blogosphere gelangte, so steht das in gewissen Zusammenhang mit unserem heutigen Thema; will heissen,
aus der Erklärung basteln wir uns einen Blogbeitrag.

Den heutigen Titel borgte ich übrigens von William Connor, einem Journalisten des Daily Mirror, der nach Ende des Zweiten Weltkriegs seine Kolumne wieder mit den Worten aufnahm:
„As I was saying before I was so rudely interrupted, … 
[Wie ich sagte bevor ich so grob unterbrochen wurde, … ]“.

Keine Angst, meine Schreibpause begründet sich nicht durch den Krimkrieg V 2.0, über den sich nun alle zu wundern scheinen, nachdem sie die Ukraine tatkräftig in diese Lage gezerrt bzw. geschoben haben.

Es lag auch nicht an einer persönlichen Niederlage im aktuellen Krieg zwischen kleinen Erbsubstanzpartikel, vulgo Viren, und meinem Immunsystem, obwohl die aktuelle Grippewelle durchaus was damit zu tun hat, weil sie sämtliche Mitarbeiter, die an der Schnittstelle zwischen Patient und EDV agieren sollten, dahingerafft hat.

Nebbich, möge der gelernte Wiener nun greisenhaft grumbeln.
Es macht schon Freude sich gazellengleich über das eherne Alliterationsverbot  (im eigentlichen Sinn das Tautogramm-Verbot) der schreibenden Zunft hinwegzusetzen …
Krankenstände gab es doch schon immer und jemand anderer musste einspringen …

„Eh“, stimmt das EDV-gebrannte Kind, nur war das, wie so viel, halt früher einfacher …

Kommt nun ein Springer – i.d.R. eine Springerin, auf das vakante Feld(Anmeldeschalter für die Nicht-Initiierten), auf dem der Patient den EDV Systemen eines Krankenhauses nähergebracht werden soll, also seinee-card gesteckt und mit allerhand Zusatzinformationen, wie Überweiser, gewünschte Untersuchung, Kontaktperson inkl. Handynummer, … etc. „eingegeben“ werden soll, stellt sich heraus, dass das schlicht und einfach nicht geht …

Keine Frage, eine Berechtigung für das lokale EDV System lässt sich ja noch schnell irgendwo her besorgen, aber dann happert es an
den Berechtigungen für die entsprechenden Kostenstellen oder
an der Berechtigung für den elektronischen Anmeldekalender oder
an der Berechtigung für irgend eine andere Ecke von SAP, KIS, Impuls, RIS, LIS, PACS oder NIS …

Die Schlange wird größer, der Unmut verhält sich dazu exponentiell, bis man sich zum Äußersten entschliesst, zum Albtaum aller Krankenhaus-Informatiker:

Der Springer meldet sich mit fremdem User und Passwort an

und alle hoffen, dass die Grippewelle wieder vorbeigeht!

Die Überraschungseier der Krankenhaus EDV

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Ooooppppss

Überraschungen sind eigentlich etwas Nettes, doch bergen sie mitunter auch große Gefahren.
Stellen Sie sich mal vor, ihr Auto beschlösse die Funktion seiner Pedale „zu erweitern“ und beschleunigt, wenn sie das Bremspedal ganz durchdrücken.

Dass sich unser Windoof PC oder Android-Handy nach dem Update mitunter plötzlich anders verhält, daran haben wir uns schon längst gewöhnt und nur die Gamer motzen, dass sie die Entscheidungsschlacht verloren haben, weil sich die Tastenbelegung des Joysticks hinter ihrem Rücken geändert hat – nebbich.Stellen
Sie sich aber nun vor, dass das mit dem Joystick des Operationsroboters passiert, oder mit der Bestrahlungssoftware des Radioonkologen, oder im Wordprocessor eines diagnostischen Institutes.

Pankmache? Mitnichten!

Ein nicht unterstütztes Sonderzeichen in einem Befund wird plötzlich im Ausdruck zu einem Fragezeichen, was die ursprünglich eindeutige Befundaussage doch so stark relativierte, dass der Zuweiser zum Telefonhörer griff und nachfragte –
Gott (an-den-ich-nicht-glaube) sei Dank!
Eine plötzliche Änderung im Drop-down Menü potentieller Empfängereines Arztbriefes, ermöglicht durch einen unbebasichtigten Mausklick, dass der Befund auch an den Lebensgefährten oder den geschiedenen Ehepartner abgeschickt wird. Die entsprechende Änderung wurde ohne Rücksprache oder Warnung implementiert.
Auf dem Desktop tauchen ohne Erklärung und Einschulung plötzlich neue Icons auf und alte verschwinden, als wäre das MedizinproduktegesetzMakulatur.

Irgendwo entscheidet irgendwer, dass ab sofort die Befunde eines bestimmten Labors unter einem anderen Reiter des Archivsystems einzusehen sind und die nächsten zwei Wochen verbringt man seine Arbeitszeit damit die Beschimpfungen der Kollegenschaft abzuwehren, weshalb die Untersuchung noch immer nicht befundet wurde …
Aber irgendwann wird man mürbe, verzichtet auf den Anruf beim Helpdesk und legt seine Textbausteine halt nochmals an.

Für allfällige Fehler, die in diesem Chaos zwingend irgendwann gemacht werden, haften wir Ärzte 30 Jahre lang, aber dagegen kann man sich ja versichern lassen.

PS: Das Bild zeigt zwei – an und für sich praktische – Funktionen, die plötzlich am Desktop auftauchten, ohne dass dies vorab kommuniziert wurde.
Links zum Thema:

EDV: Supergau im KAV

http://wp.me/p1kfuX-vj
Kunstfehler waren gestern, heute haben wir die EDV
http://wp.me/p1kfuX-Iz
KAV-IT: Die Problemverursacher übernehmen die Macht
http://wp.me/p1kfuX-B4
Risikofaktor medizinische Informatik
http://wp.me/p1kfuX-uw

Written by medicus58

12. Februar 2014 at 17:11

Kunstfehler waren gestern, heute haben wir die EDV

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EDV2 

Über die EDV Probleme im medizinischen Alltag und ihre möglichen Folgen wurde in der Vergangenheit schon öfters berichtet:

EDV in der Medizin
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=58077
KAV-IT: Die Problemverursacher übernehmen die Macht
http://wp.me/p1kfuX-B4
Nervt die EDV nur oder will sie uns was sagen
http://wp.me/p1kfuX-x7
EDV: Supergau im KAV
http://wp.me/p1kfuX-vj
Risikofaktor medizinische Informatik
http://wp.me/p1kfuX-uw
ELGA kommt endlich
http://wp.me/p1kfuX-tj
Pressestunde: Salon ELGA
http://wp.me/p1kfuX-9g

Nicht dass es sich zuletzt zum Besseren gewandt hätte, ganz im Gegenteil, aber ich denke es ist wieder einmal an der Zeit einen neuen Erlebnisaufsatz zu schreiben.

Es liegt in der Natur der Sache, warum eigentlich, dass nichts so alt ist, wie eine Software von gestern. Die endlose Kette an Patches, Updates und richtig großen Versionswechseln sichert die Umsätze der Hard- und Softwarebranche.

Während früher in gefahrengeneigten Branchen proprietärer Software dominierte, setzten immer mehr auf die vom PC bekannten Windows- und Office-Versionen und geraten in den Strudel des Versionswirbelwinds.

Wer heute noch mit einem, sagen wir 8er Internet Explorer ins Netz geht (beachten Sie ich sagte nicht dem IE ins Netz geht, obwohl das durchaus auch seine Richtigkeit hätte) wird von jeder zweiten Seite darauf aufmerksam gemacht, dass er gefälligst updaten soll. Wenn für Ihren fallweise verfassten Brief an die Maly-Tant’ das alte Word 2003 durchaus ausreichend wäre, sie kriegen sicher früher oder später von irgendjemand ein Dokument, das in einer neueren Version geschrieben wurde und machen sich auf die Suche nach einem Konverter oder daten up.

Der Wiener Krankenanstaltenverbund versucht ebenfalls so lange wie möglich die alten Windows- und Officeversionen beizubehalten (die meisten PCs laufen noch auf Win NT und Office 2003) jedoch sieht man sich auch hier gezwungen im beschriebenen Reigen mitzumachen, da immer mehr der anderen, ebenfalls zugekauften, Softwaremodule eben keine Schnittstellen mehr für die alten Versionen anbieten. Ein bißchen SAP für die Verwaltung, ein bißchen des schon vor dem abgeschlossenen Roll out totgesagte Impuls für die täglichen Abläufe; hierein neues Laborsystem, dort ein neues Röntgeninformationssystem und PACse verschiedener Hersteller … Ja und dann hat die Generaldirektion noch so einigeSoftwaretools die irgendwo aufsitzen, wobei die Doppeldeutigkeit des Begriffs hier mehr als gewollt ist.

Vielen Anwendern ist auch nicht bewußt wie viele verschieden Module von verschiedenen Laborgeräten, Großgeräten (CT, MR, PET) aber auch kleineren Geräten (vom EKG zum Blutzuckermessgerät) und Verwaltungssoftware (Wareenwirtschaft, Leistungsstatistik, …) zu irgendeinem Zeitpunkt Daten in eine Officeanwendung (Word, Excel, Access) schicken oder abrufen. Allein auf Word greifen auf meinem Rechner mehrere Drittsysteme zu, die Erscheinungsbild und Funktionalität der Software immer wieder gravierend ändern.
Ein Spaß, glauben Sie mir!

Ehe ein Befund als elektronische Krankenakte abgelegt wird, durchläuft er mehrfache, zum Teil sogar inhaltlich entstellende Modifikationen. Dass das sogar nach der elektronischen Vidierung möglich ist, negiert man am besten ….

In dieses Minenfeld fiel nun die Entscheidung eines Updates auf Win 7 und Office 2010 und legte Prozesse für Tage nahezu lahm.
Berechtigungen waren plötzlich spurlos und verweigerte einigen gänzlich den EDV Zugang. Makros griffen auf nicht mehr definierte Befehle zu und brachten das Gerät zum Absturz.
Datenbankanwendungen stellten nahezu flächendeckend ihre Funktion ein.
Auf die erbosten Patientenfragen, weshalb denn das alles heute so lange dauert, musste so mancher „dem Mann von der Straße“ plötzlich erklären, was denn so ein „Laufzeitfehler“ denn eigentlich ist.
Die Anzahl der erforderlichem Mausklicks (Zeigefingerarthrosen werden bald als Berufserkrankungen im Gesundheitsbereich anerkannt werden) schnellte in die Höhe und so manche Mails blieben im neuen Outlook unauffindbar.

Für unseren habilitationswilligen Nachwuchs hätte ich einen Vorschlag: Man monitiere einmal die Fehlerquote einer Abteilung vor und nach EDV Umstellung und freue sich über eine fast sichere New England Publikation.

Written by medicus58

13. November 2013 at 07:09

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