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Friedhöfe aus aller Welt

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Aufmerksame Leser wissen es und von einer Leserin wurde ich verlässlich daran erinnert, dass sich dieser Blog hier alljährlich um Allerheiligen mit den angeblich friedlichsten aller menschlichen Wohnstätten beschäftigt, den Friedhöfen.
2012 habe ich schon unter Letzte Reiseziel: Friedhöfe eine Art Studienreise durch einige Friedhöfe dieser Welt unternommen und dort wollen wir heut anschließen.
Das Bild oben entstand am Cementerio Municipal de Punta Arenas  lange bevor er 2012 zum Nationaldenkmal ernannt wurde. Punta Arenas ist die südlichste Stadt Chiles und  liegt direkt an der Magellanstrasse. Viele der Grabsteine tragen deutsche oder englische Beschriftungen, wie unser nachfolgendes Beispiel.

Die Einwohner Punta Arenas behaupten überhaupt, dass ihr Friedhof der schönste der welt wäre, was vielleicht etwas übertrieben ist, aber ein ziemliches Völkergemisch weist er allemal auf.

Darauf, dass zum Beispiel auf Recoletta in Buenos Aires oft nur das exakte Sterbedatum, nicht aber das Geburtsdatum vermerkt ist, habe ich schon in dem früheren Beitrag hingewiesen. Eine so exakte Dokumentation der Sterbestunde, wie hier in Punta Arenas, fand ich aber noch selten. Keine Ahnung, wer Graciela war, aber sie verschied offenbar exakt um halb zwei, wenn man die Kleine Ungenauigkeit der Stellung des Stundenzeigers mal außer Acht lässt.

Dass sich nach Ausrottung der Ureinwohner an der Südspitze Amerikas ein bunter Haufen von Einwanderern einfand und dann irgendwo bestattet werden musste, überrascht weniger, als dass es auch am anderen Ende der Welt Friedhöfe gibt, in denen viele Reisende ihre letzte Ruhestätte fanden, was vielleicht nur als Zwischenstation geplant war.

Hakodate auf Hokkaido  war einer der ersten Häfen Japans, der für den Handel mit Ausländern geöffnet wurde. Bekanntlich schottete sich das Alte Japan lange gegen fremde Einflüsse ab und versuchte den Kontakt mit Fremden auf ganz wenige Handelspunkte zu konzentrieren. Der Friedhof für Ausländer im Stadtteil Motomachi liegt deshalb auch unmittelbar an der Küste.

Und auch hier finden sich auf so manchem Grabstein „fremdsprachliche Beschriftungen“.


Als der Hafen von Hakodate 1859 auf amerikanischen Druck geöffnet wurde, war der in Schlesien geborene Ludwig Haber gerade mal 16 Jahre alt. Er war übrigens der Onkel des Nobelpreisträgers Fritz Haber. Er kam als 30-Jähriger nach Japan nachdem er vorher längere Zeit in London lebte und Reiseberichte aus Corfu, Ägypten, Indien, Ceylon, China und Niederländisch Oste-Indien (Indonesien) verfasst hatte. In West-Afrika erkrankte er an Malaria deren Rezidiven ihn immer wieder außer Gefecht setzten, so auch im August 1874. Am 11. August 1874 wurde er in einem fremdenfeindlichen Akt von einem Samurai ermordet, er war damals gerade einmal 31 Jahre alt. Seine Ernennung zum Konsul hat ihn nicht mehr erreicht. Wen die ganze Geschichte interessiert, der sei auf diesen interessanten Blog verwiesen: http://ludwighaber.blogspot.co.at/  

Für alle, deren Nekropolophilie noch nicht gestillt ist, hier nur einige Links:

Familie Engel 
Praktischerweise gedenken wir am besten der Toten

Ooops, bald hätte ich auf die heurigen Friedhofsfotos vergessen
Grabsteinvoyeurismus

 

Written by medicus58

1. November 2017 at 19:01

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Urlaub von CEE und anderen Normen

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Chile

Was waren das noch für Zeiten, wo der Stromhunger der Spiegelreflexkamera für ein paar Jahre aus einer kleinen Knopfzelle befriedigt werden konnte.
Bestenfalls benötigte der Blitz noch zwei bis vier Batterien, die – wenn auch zu Apothekerpreisen – selbst im hintersten Eck der Welt erstanden werden konnte. Möchte man heute seine schönsten Urlaubserlebnisse in Foto und Video dokumentieren, schleppt man bald einen ganzen Rucksack mit Akkus und Ladegeräten sowie einen Haufen von verschiedensten Kabeln in die Ferne. Mit etwas Glück kann man ein USB auf Mini-USB Kabel für mehrere Geräte verwenden, aber meist muss es noch ein Micro-USB, vielleicht sogar ein Firewire oder ein Ethernet und für den ambitionierten Videofreund gar ein Mini-HDMI Kabel sein.
Klar man bekommt schon einiges auf die großen Speichkarten, jedoch hätte man gerne auch gleich ein Backup gemacht, ehe man erst daheim daran gehen muss, die korrupt gewordene Karte mit allerlei Software wiederherzustellen. Also kommt noch eine mobile Festplatte ins Handgepäck.

Das ganze Wunderwerk, so wie das noch gar nicht erwähnte Smartphone und das GPS, benötigt natürlich einen Anschluss an das lokale Stromnetz und bei intensiver Verwendung mindestens täglich.

Das bringt uns zu unserem heutigen Thema: Die Elektrizität im Urlaubsland.

Um für die letzte Strecke zwischen den eigenen elektronischen Gadget auch den richtigen Stecker dabei zu haben, lohnt sich ein Blick auf Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A4nder%C3%BCbersicht_Steckertypen,_Netzspannungen_und_-frequenzen

Man kann natürlich immer einfach zwei blanke Drähte in die Dose fuseln, in einem chinesischen Gewerkschaftshotel war das auch für mich einmal die letzte Möglichkeit, besser hat man aber einen entsprechenden Adapter dabei.

Wie es aber davor aussieht, ist in manchen Urlaubsländern allein schon ein Foto wert.
Das Bild zu Beginn des Beitrags schoss ich in Valparaiso, Chile und mein Mitleid mit den lokalen Elektrikern war grenzenlos.
Abschließen wollen wir unsere kleine Betrachtung mit einem Beispiel aus Stone Town,Tansania.

Stone

 

Written by medicus58

31. Juli 2015 at 20:08

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Wo die Serviette Pause macht und Seepocken und Würstel hinuntergespült werden

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In der Regel verbindet man mit nachhaltig beeindruckender Küche ein gehobenes Restaurant, das irgendwer mit Sternen und Hauben überschüttet hat. Dem klassischen Backpacker sind derartige Tempel meist verschlossen, da es die dafür notwendige Bekleidung nicht in den Rucksack schafft bzw. sie dort kaum in einer akzeptablen Form wieder herauskommen würde. In Südamerika, insbesondere in Metropolen wie Buenos Aires kann man da schon in Zwangslagen kommen, aber einige der besten Gerichte, die ich im Cono sur zu mir nehmen durfte, stellten weder an die Geldbörse noch an mein Out fit größere Ansprüche. Über meine Spinnen am Ende der Welt können sie hier lesen http://wp.me/p1kfuX-t0 . in diesem Beitrag möchte ich Curanto, eine typische Spezialität der Fischer um Puerto Mont (Chile) preisen.
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Die Fischer von Angelmo bereiten den Eintopf aus (man höre und staune) verschiedenen Muscheln, Kartoffeln, Würsten, Seepocken, Hühnchen und Gemüse in kleinen Hütten gleich neben dem Strand zu und kredenzen dazu Weißwein aus riesigen, mit Stroh umflochtenen Flaschen.

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Der Stil der Etablissements ist herzlich und unkompliziert, nachdem sich die Verwunderung gelegt hat, dass auch Nicht-Einheimische an den großen Gemeinschaftstischen Platz genommen haben. Nachgefüllt wird Eintopf und Wein nach Belieben und Überschüssiges an den Lippen wischt man mit der Hand weg, denn die Damastserviette des Gedecks war augenblicklich in der Reinigung.

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Das Unglaubliche an diesem Erlebnis war, wie harmonisch dieser Eintopf schmeckte und wie grandios dieser Wein dazu mundete. Selbstverständlich habe ich in Chile aus önologischer Sicht „edlere Weine“ trinken dürfen, doch hier in dieser einfachen Hütte, mit diesen Menschen, machte dieser Tropfen mindestens so viel Freude wie deutlich hochpreisigere Gewächse. Was wiederum beweist, wie im besten Sinne relativ die wahren Genüsse sind.

Written by medicus58

30. Juni 2014 at 19:52

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Eiffel mal in Chile statt in Paris

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Wer vom zweieffigen  Eiffel spricht, meint weder das eineffige Rheinische Schiefergebirge noch Südamerika sondern das Pariser Wahrzeichen, das untrennbar mit seinem Erbauer Gustave Eiffel(http://de.wikipedia.org/wiki/Gustave_Eiffel) verbunden ist, auch wenn der große Meister anfänglich wenig an sein Projekt glaubte und es den Ingineuren seines Büros überließ (http://de.wikipedia.org/wiki/Eiffelturm). Kaum bekannt ist, dass nach Entwürfen Eiffels Gebäude in der ganzen Welt entstanden, so auch diese Kirche in Arica, Chile, die Catedral de San Marcos. Eigentlich wurde die Kirche1875 für die Stadt Ilo in Peru geplant (andere Quellen sprechen vom Seebad Ancón), aber als eine Flutwelle das damals noch zu Peru gehörende Arica überschwemmte und alle Kirchen zerstörte, hat man die Konstruktion nach Arica verschifft.

Written by medicus58

24. Juni 2014 at 18:26

Keine Mumien mehr in der Atacama?

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Was man als pietätslos empfindet oder nicht unterliegt ja den selben Moden, wie die Höhe des Rocksaums oder die sexuelle Orientierung. Als der belgische Jesuitenpater Gustavo Le Paige(1903-1980) 1955 aus disziplinarischen Gründen 1955 aus Santiago „in die Wüste“ geschickt wurden, nahm er in San Pedro de Atacama die besten Traditionen seines Ordens auf: Er widmete sich mit größtem Eifer der Dokumentation der bis dato kaum erforschten Kultur der frühen Atacama Indios. 1957 eröffnete er im Pfarrhaus ein Museum,1963 wurde daraus ein richtiges Museum, dessen berühmtesten Ausstellungsstücke die durch Hitze und natürlichen Chemikalien der Atacamawüste mumifizierten Ureinwohner darstellten. Offenbar (http://www.holidaycheck.at/reisetipp_bewertung-Museum+Gustavo+Le+Paige+Keine+Mumien+mehr+im+Mumien+Museum-ch_rt-id_50359.html) beschloss man 2007, das die zur Schaustellung der Verstorbenen pietätlos wäre und bot sie nur mehr auf Ansichtskarten feil.
Grund genug, meine eigenen Fotos (aus 1993) hier online zu stellen.Während ich die heute offenbar akzeptierte Darbietung vögelnder Plastinate (Schau, da vögelt Opa und Oma im Museum http://wp.me/p1kfuX-B1) ablehne, empfinde ich beim Anblick der damals hier ausgestellten Exponate fast Zuneigung, jedenfalls Ehrfurcht und empfinde den Anblick keinesfalls als pietätetslos. An einem der irrwitzigsten Orte der Welt (San Pedro de Atacamahttps://www.google.com/maps/place/San+Pedro+de+Atacama/@-22.910209,-68.1978903,1467m/data=!3m1!1e3!4m2!3m1!1s0x96a84c7aa92abf3f:0x7af4614cacf997d1)  empfand ich nichts anderes als eine fast magische Verbindung zu diesen Menschen, die in einer der unwirtlichsten Wüsten der Welt, nichts anderes als Mensch waren.

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Written by medicus58

21. Juni 2014 at 19:11

San Pedro de Atacama : Nicht das Abenteuer sondern das Ziel

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Wie schon einmal in dieser Rubrik erwähnt, habe ich es 
stets abgelehnt, meine Reisen als Abenteuer zu bezeichnen
Mir waren und sind Menschen, die die wüstesten Reiseabenteuer zu berichten wissen, kaum dass sie das Flughafengebäude verlassen haben, höchst suspekt.
Der Reisende sucht nicht das Abenteuer sondern sein Ziel.
Bisweilen findet er sich aber trotzdem in einer Lage, in die er eigentlich nicht kommen wollte und die nachträglich betrachtet durchaus etwas Abenteuerliches an sich hat.

In der ersten Hälfte der 90er Jahre hatte Chile zwar die Militärdiktatur bereits abgeschüttelt, der Schatten Pinochets, der als Heereschef erst 1998 zurück trat, lag aber noch auf dem Land. Während in den meisten Regionen des Landes der öffentliche (Bus-)verkehr verlässlich und dicht war, stellte sich in Antofagasta heraus, dass die Verbindungen durch die Atacamawüste weniger dicht waren und mehr Zeit in Anspruch nehmen würden, als geplant. Ein Mietauto schien hier die einzige Möglichkeit, nicht nur die Städte an der Küste (Iquique, Arica) und den Lago Chungará im Grenzgebiet zwischen Chile und Bolivien sondern auch die weit verstreuten Geoglifas (Bilder aus gelegten Steinen) in der Atacama, vor allem aber San Pedro de Atacama (http://de.wikipedia.org/wiki/San_Pedro_de_Atacama) zu erreichen. 

Detaillierte Straßenkarten ließen sich weder beim Vermieter noch in einem der Geschäfte Antofagastas auftreiben, jedoch schien das Unternehmen nicht allzu schwierig. Zuerst der Straße No 25 bis Calama folgen und dort auf die No 23. abbiegen, die ohnehin nur nach San Pedro führt. Mit der Strichzeichnung aus dem Lonely Planet Guide machten wir uns zu zweit in einem 1,1 Liter Daihatsu auf den Weg.

Während es anfangs (Bild) wirklich auf einer asphaltierten Straße nur gerade aus ging und ab, verlor sich der Straßenbelag irgendwann einmal und wir polterten auf einer Schotterpiste dahin, von der einen so lange Pfeile (Desvio) auf eine andere Piste umleiteten, bis völlig unklar war, ob man sich noch annähernd auf dem richtigen Weg befand. 

Die etwa 300 km schienen endlos. 

Furchen und Gruben in der Piste wurden immer tiefer und ab und an saß der kleine Wagen mit seiner Bodenplatte auf.
Zuerst orientierte der Sonnenstand über die ungefähre Richtung in der unser Ziel lag, aber es wurde später und später.
Andere Fahrzeuge waren hinter Calama nicht mehr zu sehen und der Zeiger der Tankuhr neigte sich immer mehr nach links.
Habe ich vergessen zu erwähnen, dass es natürlich keine Tankstellen auf der Strecke gibt?

Nie werde ich den Anblick (Bild) vergessen, der sich uns bot, als ich schon ganz fest hoffte, von der vor uns liegenden Anhöhe bereits San Pedro erkennen zu können.
Meiner Begleitung entfuhr ein verzweifeltes 
das darf aber nun nicht wahr sein“, 
als lediglich eine Art Sanddüne hinter der Anhöhe in das nächste Tal führte. 

Der Reiseführer beschreibt eine der dortigen Landschaften wirklich als „ 
Valle de Luna“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Valle_de_la_Luna_(Chile)) 
nur sollte man sich diesem eher mit einer Reisegruppe als auf eigene Faust mit einem Kleinstauto nähern.

Ach ja, und wenn die „Nachgeborenen“ nun etwas von GPS „schwätzen“, so was gab es damals für den zivilen Gebrauch nicht einmal in Österreich, geschweige denn im Nach-Pinochet-Chile.

Die wild blinkende Tankuhr versuchte ich schon seit vielen Kilometern zu negieren, die Tanknadel hatte ihre linke Begrenzung schon längst erreicht und klebte unbeweglich an der Skala, als ich schließlich von weitem eine Gruppe von Bäumen und kurz danach das Ortsschild von San Pedro erblickte.

Das letzte Bild schoss ich knapp vor dem endgültigen Sonnenuntergang bereits in San Pedro, als die Schafe in den Stall getrieben wurden.
Mich erinnert es noch immer an das wohlige (OK, meinetwegen „wollige“) Gefühl „an einem Ziel angekommen zu sein“.
Die Alternative, irgendwo abseits der Hauptstraße mit leerem Tank liegen geblieben zu sein, mochte ich mir damals und möchte ich mir heute gar nicht vorstellen.
Wenn man http://maps.google.com/maps?q=San+Pedro+de+Atacama&hl=de&ie=UTF8&sll=37.0625,-95.677068&sspn=48.77566,45.615234&t=h&hnear=San+Pedro+de+Atacama,+El+Loa+Province,+Regi%C3%B3n+de+Antofagasta,+Chile&z=8  Glauben schenkt, 
dürfte die Straße nun komplett asphaltiert sein, so dass die Fahrt heute weniger abenteuerlich verlaufen wäre. 
Sollte ich nochmals dort hin kommen, dann habe ich sicher ein GPS, vielleicht sogar einen Reservekanister dabei, sicher ist sicher, 
denn eigentlich will ich ja nur Ziele erreichen und keine Abenteuer erleben.

Written by medicus58

2. Oktober 2012 at 16:27

Veröffentlicht in Allgemein, Reisen

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