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Supermarkt statt Superkrankenhaus

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Es ist ja nicht so, dass ich mich maßlos vor dem frühen Korona-Tod ängstigte, obwohl ich schon ziemlich an die oberen Risikogruppen schramme, aber natürlich habe ich mich auch an die Vorgabe meiner Dienstgeberin gehalten und trage seit über einer Woche bei jedem Patientenkontakt nun eine Mund-Nasen-Maske.

Warum das zwar im Wiener Krankenanstaltenverbund (oder wie der gerade heißt) so vorgeschrieben wurde, im Niederösterreichischen Schwesterbetrieb (noch) nicht, wollen wir jetzt mal nicht hinterfragen, die ganz großen Tröpfchen wird es schon aufhalten, in beiden Richtungen, also gut.

Seit heute wissen wir, dass der kreisenden Krisenstab um unseren Bundesmaturanten, solche Masken ab Mittwoch verbindlich in allen Supermärkten vorschreiben wird, auch gut, wenn Billa und Co. die rechtzeitig auftreiben und die Menschen lernen damit umzugehen.

Was ich aber dann nicht mehr so ganz verstehe ist, weshalb, wenn wir im Supermarkt schon aufrüsten, wir nicht auch im Patientenverkehr (in Praxen und Spitälern) auf ein etwas höheres Sicherheitsniveau gehen. Noch würde ich annehmen, dass die Vortestwahrscheinlichkeit im Gesundheitssystem auf Kranke zu treffen etwas höher sein sollte, als im Supermarkt.

Written by medicus58

30. März 2020 at 16:38

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Gangbetten – Liebe Kunden wir eröffnen in Kürze Kassa 3

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Wieder rügt der Rechnungshof den KAV für Gangbetten, wieder darf (immer ein anderer) KAV-Verantwortlicher vor der Kamera etwas von „Bettenmanagement“ und „klinischer Notwendigkeit“ sprechen um anschließend zu ver-sprechen, „darauf ganz genau zu schauen„.
Brennpunkt ist wieder einmal die Unfallchirurgie.

Warum im angeblichen rot-grünen Bollwerk gegen die tückisch-blaue Regierung, der Stadt Wien, niemand sagt oder sagen darf, dass ein Teil des Problems daraus resultiert, dass die Leistungen der AUVA seit Jahren herunter gefahren werden und den anderen Krankenanstalten aufgebürdet wird, um Lohnnebenkosten zu sparen, ist einfach erklärt.
Dieser Prozess lief auf Druck von Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer schließlich auch unkommentiert während der rot-schwarzen Regierung!

Ob man das nun gut findet, weil die Anzahl der reinen Arbeitsunfälle, für die die AUVA gegründet wurde, zurück gehen,
oder schlecht finden, weil die parallel zunehmenden arbeitsbedingten Erkrankungen des Bewegungsapparates und der Psyche unhinterfragt dem allgemeinen Versorgungssystem aufgebürdet werden, ist ein gesundheitspolitisches Problem und somit
nicht von den Krankenhausträgern sondern von der Politik zu lösen!
Da die Landespolitik aber das Management der Krankenhausträger (und der ORF Landesstudios) aussucht, werden diese sich hüten sowas anzusprechen!

Auch eine andere, ganz primitive Wahrheit, die jeder von uns fast täglich im Supermarkt und nur fallweise im Gangbett erlebt, ist der Zusammenhang zwischen Aufwand, Effizienz und Ergebnis einer Versorgung.
Das ist im Kern wieder nichts Politisches sondern ein mathematisch zu formulierender Zusammenhang.

Die Parallele zwischen Supermarkt und Gesundheitssystem liegt nun darin, dass die jeweilige Inanspruchnahme sehr fluktuierend ist.
Arbeitende Normalos kaufen selten am späten Vormittag ein, bei Glatteis brechen mehr Schenkelhälse.
Das führt uns zur Warteschlangenformel.

Vereinfacht kann man sie auch (wie schon einmal hier angesprochen) so darstellen:

Auslastung / (1 – Auslastung) = erwartete Anzahl der Kunden an der Kasse

Die „primitive Wahrheit„, die zumindest den Verantwortungsträgern einmal ins Stammbuch zu schreiben ist, dass unter diesen Bedingungen, schon bei einer durchschnittlichen 80-prozentigen Auslastung der Kassenkraft mit einem phasenweise auftretenden Anzahl von 4 Kunden an der Kasse zu rechnen ist.
Für die Beckmesser: Auslastung * erwartete Anzahl der Kunden an der Kasse = erwartete Länge der Schlange = 0,80 * 4,0 = 3,2, d.h.
in manchen Fällen werden trotz eigentlich schon relativ hoher Systemauslastung immer wieder drei Patienten im Gangbett liegen!

Jede weitere Steigerung der Auslastung lässt phasenweise die Warteschlangen explodieren (z.B. 90% Auslastung der Kassenkraft = 9 Kunden).
Erst bei einer kaum finanzierbaren durchschnittlichen Auslastung der Kassenkräfte von 50 Prozent erreicht man das „Ideal“ von durchschnittlich nur einem Kunden pro Kasse bzw. einem systematisierten Bett pro Patient!

Wie man das Problem angeht, erleben wir bei Lidl, Billa, Hofer et al.  Seit einiger Zeit spielen die dort ein ständiges Kassa auf Kassa zu Spiel, um zwischen den Spitzenzeiten die Mitarbeiter mit anderen Arbeiten zu beschäftigen. Das führt wiederum dazu, dass Kunden auf den Gängen über immer mehr Paletten mit nur teilweise eingeschlichteten Produkten stolpern.
In den Krankenhäusern versucht man das Problem mit interdisziplinären Stationen und immer mehr Transferierungen zu lösen, was inzwischen zu einem überproportionalen Organisationsaufwand bei sinkender Effizienz führt, wenn ein Patient am Tag vor seiner Entlassung auf eine fachfremde Station transferiert wird, wo sich kaum jemand mit seinen speziellen Bedürfnissen zum Entlassungszeitpunkt auskennt.

Bei allem Verständnis dafür, dass die Verantwortlichen ja nach außen etwas dazu sagen müssen und deshalb immer hektischer an der internen Organisation herumdoktern, irgendwann werden es auch die Supermärkte begreifen, dass die Kollateralschäden durch hin- und herlaufender Mitarbeiter (Stress bei Mitarbeitern und Frust bei Kunden durch permanent unterbrochene Arbeitsabläufe, Folgefehler, Unübersichtlichkeit …) und der ebenfalls exponentiell ansteigende Organisations- und Überwachungsaufwand sich nicht rechnet.
Je höher der Spezialisierungsgrad einzelner Mitarbeiter wird, und da sind wir im Gesundheitssystem, desto früher wird dieser Punkt erreicht sein.
Meines Erachtens ist er in den Wiener Krankenhäusern schon längst überschritten und wir reiben uns nur mehr mit dem Organisieren und Optimieren auf.

Also abseits des politisch korrekten Geschwubels wäre es einmal erfrischend zu hören:

Das sind die Rahmenbedingungen, das sind die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen,
damit sind bestimmte Dinge machbar, wobei jede Organisationsänderung wieder zu anderen Kollateralschäden führt.
Machen Sie uns bitte für fachliche Fehler aber nicht für Dinge außerhalb unseres Einflussbereiches verantwortlich und
lernen Sie Mathematik, junger Mann,
um Kreisky zu paraphrasieren.

Würde man aber das sagen, wäre die Karriere sowohl im Gesundheitsmanagement als auch in der Politik abrupt beendet.

Links zum Thema:
Gangbetten gibt’s net
Indische Betten: Die Betten am Ende des Ganges (Director’s Cut)
Rock ’n’ Roll in der Geriatrie; Warum Wien bald mehr neurochirurgische Gangbetten hat
SP-Wagner: Engagiertes KAV-Personal stellt PatientInnen-Versorgung jederzeit sicher
Der scheinbare Sieg: Verkürzte Wartezeiten in der Radiologie
Ist 2030 schon vorbei, oder? Bemerkungen zum Wiener Spitalskonzept 
Selten liegt es daran, dass man es nicht besser wüsste 

 

Written by medicus58

18. Januar 2018 at 18:00

Natürlich kann mein Foto

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der köstlichen Beobachtung auf: http://denkmoment.meinblog.at/?blogId=40208 nicht das Wasser reichen, aber zum Thema „kann uns der Supermarkt zu denken geben“ reicht es hoffentlich.

Samstag vor einer Woche: Billa im Gerngross, Wien Mariahilf

Seit Jahren wird dort mit einer scheinbaren Videothek der Eindruck erweckt, hier gäbe es, abseits des Wein-Mainstream im Regal, die wirklich edlen Tropfen.

Ich weiß ja nicht, wie die Maresi dort ins Weinkisterln gekommen ist. Ob ein Blick ins Börserl dem eiligen Einkäufer signalisierte, dass sich dieser Einkauf nun nimmer ausgeht, ob es ein Schelm der Anonymen Alkoholiker war, oder es die Rache eines Mitarbeiters für die schlechte Bezahlung war, einerlei: 
unter den „Reservas“, war sie thematisch nichteinmal so fehlgereiht.
 
Der Eindruck der Luxusware Wein war weg, mir zauberte es ein Lächeln ins Gesicht und mein Blog für heute war gerettet ….

Written by medicus58

15. Februar 2012 at 09:30

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