Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Die lügen doch alle die Chinesen

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Seit Beginn der Covid-19 Pandemie verhindern Ressentiments gegen die VR China einen rasche Reaktion auf das SARS Cov2.

Erinnern wir uns.

In Phase 1 überschwemmen uns die Medien mit Fledermaus essenden Chinesen. Dass der Virusbringer vermutlich das Schuppentier war deutlich weniger Meldungen wert.

In Phase 2 schauderten uns die rigorosen Freiheitsbeschränkungen, die natürlich nur in einer kommunistischen Diktatur möglich schienen.

In Phase 3 schwenkten wir übergangslos von den Gruselbildern chinesischer in die der italienischen Spitäler. Obwohl chinesische Wissenschaftler 3 Tage nachdem das offizielle China die Epidemie offiziell machte, das Virus Genom der internationalen Forschung zur Verfügung stellte, glaubten die amerikanische CDC einen eigenen Weg gehen zu können (What Went Wrong with Coronavirus Testing in the U.S.) und verkannte so lange Zeit die Dimension des Problems vor der eigenen Tür. Die großen Fallzahlen in NYC resultieren zum Teil auch daraus, dass sich die Stadt von der FDA einen eigenen Test erlauben ließ, da sie erkannten, dass der CDC Test unbrauchbar war.

In Phase 4 erzählten wir uns atemlos, dass einem der chinesischen Whistle-blower erst nach seinem Tod geglaubt wurde, während auch bei uns die ersten Fälle ebenso unter den Teppich gekehrt wurden, weil sie politisch und ökonomisch nicht ins Konzept passten.

Aus China lagen wenige Wochen nach dem Ausbruch wissenschaftliche Publikationen über die klinischen Erfahrungen mit dem Problem vor und fast alle Länder übernahmen die rigorosen chin. Maßnahmen, die sie kurz davor noch kritisiert haben.

In den Medien zirkulieren weiterhin endlose Listen mit behaupteten chinesischen Lügen (The Comprehensive Timeline of China’s COVID-19 Lies), nicht nur aber besonders in den USA. Zahlreiche Modelle werden durchgerechnet und der lokale Verlauf der Infektionswelle prognostiziert, weil den Daten aus China ja nicht zu trauen ist. Nur wird da halt aus dem Palmsonntag, der Ostermontag und inzwischen Pfingsten, was ziemlich genau der Dauer der Heißen Phase in Hubei entspräche, aber den Chinesen ist nicht zu trauen.

Verstehen Sie mich richtig, mir liegt es fern das politische System in China sympathisch zu finden, aber die Verlogenheit mit der den Chinesen misstraut wird, obwohl wir im wahrsten Sinn immer atemloser auf die Lieferung von chinesischen Schutzanzügen und -masken warten ist nicht nur ärgerlich sondern auch gefährlich.

In Sachen Selbstschutz des Betreuungspersonals, Triage und Therapie hatten die Chinesen einen Vorsprung von einigen Wochen von dem wir profitieren hätten können, haben wir aber beidseits des Atlantik wohl nicht

Written by medicus58

29. März 2020 at 09:57

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Die Corona der Hysterie

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Die Gelbe Gefahr hat schon immer funktioniert. Ob ein japanisches AKW oder die chinesische Vogelgrippe, Im Zentrum, in der ZIB, ein türkiser Innenminister, dessen burgenländische Anhaltezentren dem Doskozil noch sprachloser als ohnehin in die Absolute geputscht haben, jede Menge Infektionsspezialisten, deren internistisches Sonderfach grad ausradiert wird, Krankenanstalten Direktoren, die mitten in der Grippesaison von Hunderten reservierbaren Betten sprechen, lauter Augenbrauen hochziehende Experten, die solange versichern, dass kein Grund zur Panik besteht, bis sie dadurch ausbricht.

An viralen Infekten kann man unter bestimmten Umständen sterben, ob es die „normale Grippe“ ist oder „die Rache der gesottenen Fledermaus„. Sehr wahrscheinlich ist das nicht, aber möglich. So wie am Herzinfarkt, an den Masern oder wenn einen der Blitz trifft.

Leben ist eine prinzipiell mit dem Tode endende Daseinsform, nur sollte es nicht zu früh, nicht zu fahrlässig oder zu leichtsinnig dazu kommen. Auch wenn wir irgendwann endlich die erste echte Corinavirusinfektion unter all den aus China eingeschleppten viralen Infekten identifizieren, sollten Sie Ruhe bewahren. Mit größter Wahrscheinlichkeit werden Sie das ebenso überleben wie Ihre letzte Sommergrippe oder den letztenWinterschnupfen.

Mehr Details hier: Link

Written by medicus58

28. Januar 2020 at 00:13

Veröffentlicht in Psychopathologie der Medizin

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Vom Scheitern in China

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Es gibt wenig das den Reisenden so schmerzt wie ein geplantes Ziel nicht erreicht zu haben,
auch wenn man sich danach noch so oft einredet, dass die Reise selbst das eigentliche Ziel wäre.
Auch wenn sich die Geschichte schon vor drei Jahrzehnten zugetragen hat,
und ich auch damals nicht gerade ein Hochleistungssportler war,
bleibt sie ein Stachel in meinen Reiseerinnerungen.

Ob Sie es glauben oder nicht, es blieb bis jetzt nur eines von zwei Zielen, die ich in all den Jahren nicht erreicht habe.
Nein, der Everest war nicht das zweite meiner unerreichten Ziele, sondern ein eher unbedeutender kleiner Tempel der definitiv nicht dort gebaut wurde, wo es der Reiseführer versprach.

Der Daoismus bringt es auf insgesamt Fünf Heilige Berge und gegen Ende einer Rucksackreise durch China habe ich es mir in den Kopf gesetzt einen von ihnen, den Tai Shan zu bezwingen.
Im Alten China galt er zwar als höchster Berg der Erde und einige Herrscher ließen sich hinauftragen, um Himmel und Erde zu opfern, die Wahrheit ist aber viel unspektakulärer als sich die chinesischen Legenden anhören.

In Wahrheit ist der Tai Shan nur 1545 m hoch, was eigentlich nach kleinem Ausflug klingt.
Das Problem stellt aber nicht der zu überwindenden Höhenunterschied von 1350 m dar, sondern die 9 km Treppen mit „offiziell“ 6293 Stufen, die zum Tempel des Jadekaisers („Yuhuang Dian“) führen.

Ich kann meine brennenden Waden noch heute fühlen, als ich am späten Nachmittag, den Tempel vor Augen umkehren musste, weil ich es sonst vermutlich nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit zurück ins Hotel geschafft zu hätte.
Ich sah die Dächer des Tempels und hätte sogar noch die Anzahl der fehlenden Stufen abzählen können, aber irgendwie ging gar nichts mehr.

Auch damals wäre es schon möglich gewesen mit einem Taxi bis zur Talstation der Seilbahn in 800 m Seehöhe zu fahren und sich ganz bequem, wie viele der jährlich inzwischen 6 Millionen Besucher bis knapp vor den Tempel bringen zu lassen, aber gegen Ende eines Backpacker-Monats in Chinas war das Budget schon etwas knapp und wir mussten es noch bis Peking schaffen.
Außerdem versprach die Legende denen, die es zu Fuß schafften, ein langes Leben, so dass die Entscheidung leicht fiel. Neben meinen körperlichen Limitationen unterschätzte ich auch die sengende Sonne und die unphysiologische Belastung durch oft kleine Stufen, die mich zwangen überwiegend auf den Zehenspitzen hoch zu steigen.

Das war aber alles nicht die eigentliche Erniedrigung, die ich mit diesem Trip verbinde.
Es war auch nicht der „Zynismus der UNESCO„, die den für mich unerreichbaren Berg im Jahr davor zum Weltkulturerbe erklärt hat.
Was wirklich schmerzte waren die Lastenträger, die an mir vorbei die Stufen hinauf liefen (!).
Angeblich machen manche von Ihnen den Aufstieg zweimal pro Tag, um Güter für den Tempel und die Kioske auf den Gipfel zu bringen.
Kleine, flinke Muskelpakete, die einen wie einen gestrandeten Elefanten aussehen lassen.

Link:
China from China
Kennen Sie Zhengzhou? mal wieder Reiseerinnerungen
Spucken Sie bitte nicht

Written by medicus58

8. Juli 2018 at 20:50

Veröffentlicht in Reisen

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Kennen Sie Zhengzhou? mal wieder Reiseerinnerungen

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Heute breche ich ein Versprechen, dass ich vor 29 Jahren einem verschreckten Hotelmanager gegeben habe und hoffe,
dass dieser schon längst in Pension ist und nicht nachträglich belangt wird.

Kennen Sie
Zhengzou?

Zhengzou ist die Hauptstadt der Provinz Henan in der Volksrepublik China und beherbergt heute in seinem Kerngebiet rund 3,5 Millionen Menschen, im gesamten Verwaltungsgebiet leben über 8,6 Millionen. Keine Ahnung wie viele Menschen 1988 dort wohnten, aber ich erinnere mich an endlose Wohnsilos und wenig mehr. Eigentlich gab es keinen Grund als Individualreisende dort Halt zu machen, hätte die Schaffnerin, die uns beim Einsteigen die Pässe abgenommen hat, nicht schlicht und einfach vor über 100 km vergessen, uns rechtzeitig aus dem Zug zu werfen.
Unser Ziel waren eigentlich eigentlich die buddhistischen Longmen-Grotten bei Luoyang und der dortige Bahnhof, nur waren damals die wenigsten Bahnhöfe Chinas in für „Langnasen lesbarer Schrift“ gekennzeichnet, so dass man vor GPS und Google Map darauf vertrauen musste, dass die reschen Damen der Bahnverwaltung sich merkten, wo man aussteigen musste. In all den 6 Wochen hat das auch immer mehr odder weniger gut geklappt, nicht aber hier und wir zwei standen ziemlich verlassen inmitten einer völlig anonymen Millionenstadt, von der auch der Lonely Planet nicht allzu viel zu berichten wusste.

Touristenbüro? Vorerst Fehlanzeige?

Ein paar mühevoll hervorgewürgte Brocken Mandarin ernteten bei den zur Arbeit laufenden Einwohnern nur Kopfschütteln.
Nun gut, den Rucksack geschultert und darauf vertraut, dass doch innerhalb einer Tagesreise rundum den Bahnhof irgendwas wie ein Hotel zu finden sein müsste.

Es war damals gerade möglich sich in den meisten Gegenden Chinas ohne große Probleme frei zu bewegen, nur in Grenzregionen, z.B. in der Inneren Mongolei nördlich der Provinzhauptstadt, musste man sich der Dienste des staatlichen Reisebüros bedienen.
Nur war man außerhalb der typischen Touristendestinationen wie Peking, Shanghai oder Xian noch in keiner Weise auf unangemeldet aufkreuzende Individualtouristen eingestellt.
Entsprechend perplex reagierte der Portier, als wir in das erste Hotel stapften.

„Full“ schien das einzig englische Wort, das der Bewacher eines zig-stöckigen Beherbergungsbetriebes heraus brachte, obwohl der riesige Parkplatz vor dem Hotel nahezu leer gefegt schien.
Unmöglich, dass all die vielen Zimmer auf all den vielen Etagen ausgebucht waren, nur war der Mann offensichtlich bemüht Schwierigkeiten zu vermeiden und sagte „Full“.

Auch im nächsten Hotel spielte sich diese Szene ab, nur war ich jetzt, mit der Aussicht nach einer endlosen Zugfahrt müde und verschwitzt irgendwann von der chinesischen Polizei wegen Landstreicherei festgenommen zu werden, schon etwas bestimmter und verlangte nach dem Manager. Irgendwann kam dann auch wirklich ein Herr im Anzug, der gestenreich versicherte, dass sein Hotel bis Neujahr rammelvoll gebucht wäre.
Irgendwie kam die Diskussion aber dann auf das staatliche Touristenbüro und ob es in dieser Stadt eine Filiale gäbe.

„Wait“, war das nächste klar verständliche Wort, das das System für uns übrig hatte.

Nach einer längeren Wartezeit, betrat plötzlich ein anderer Herr im Einheitsanzug die Lobby, nein, nicht mehr im Mao-blau, sondern undefinierbar anthrazith-grau-blau und schlecht sitzend,
verständigte sich kurz mit der Rezeption, die ihn mit Fingerzeit zu uns schickte.
Nur zur Erklärung, wir waren selbstverständlich die einzelnen Europäer dort. Überhaupt, sahen wir während unserer Wartezeit keine 10 Hotelgäste in der Lobby, und wir verbrachten dort gut zwei Stunden!
Dass wir das Ziel seines Einsatzes waren, hätte er auch ohne Kindergartenabschluss herausfinden können.

Der Koffer-Mann entpuppte sich als die hiesige Verkörperung des staatlichen Touristenbüros,
versicherte uns des rettungslosen Füllungszustandes gerade dieses Hotels, versprach uns aber ein Zimmer in einem Gewerkschaftshotel ganz in der Nähe.
Er begleitete uns auch dorthin und  übergab uns der ebenfalls perplexen Rezeption.

Es war noch relativ früh am Vormittag und unsere Zimmer müssten noch gemacht werden, jedoch könnten wir doch noch ein Frühstück einnehmen.
Das Frühstück bestand, wie damals in den meisten chinesischen Hotels in denen wir unterkamen aus einer großen Schale Nudelsuppe mit verschiedensten Einlage.
Es dauerte ziemlich lange, bis uns die zwei dampfenden Schüsseln vor die lange Nase gestellt wurden, aber schließlich war man ja nicht auf uns gefasst, und überhaupt.
Nein, nach gut eineinhalb Stunden verzichteten wir auf die angeboten zweite Schüssel und verlangten schon etwas intensiver nach unserem Zimmer.

„Wait“

Das Hotelrestaurant war landestypisch riesig und kitschig, aber sichtlich erst kürzlich eingerichtet worden. Auch die Rezeption war neu und glänzte.
Das alles konnten wir lange bewundern, nur waren unser Zimmer noch immer nicht beziehbar. Jetzt ging der Lift nicht!

Diese scheinbare Notlüge des Managements nützte ich, um wenigstens einen Zimmerschlüssel zu ergattern, weil wir waren noch jung und würden natürlich mit der Aussicht auf eine kühle Dusche gerne die zehn, zwölf Stockwerke hinauf gehen.
Wir überwanden die hektischen Bemühungen der Rezeption uns davon abzuhalten, was gut war, weil auch in den nächsten Tagen der Lift nie in Betrieb war, denn …. das sahen wir irgendwo so ab Stockwerk zwei:
Die mittleren Etagen des Hotels waren noch eine Baustelle (siehe Bild),
die Zimmer dort, soweit ersichtlich noch ohne Putz. Auf den Treppenabsätzen lag Bauschutt, und die Betonwände harrten einer Bemalung.
Ich war so verblüfft, dass ich zur Kamera griff und das Stillleben abbildete.

Als wir schwer keuchend in „unsere Etage“ gelangten, überraschten wir eine Filmcrew, die in einem der dort schon fertig gestellten Zimmer offensichtlich einen Werbefilm über das bald gänzlich eröffnete Hotel drehten.
Unser Zimmer, also das, wo unser Schlüssel passte, war dafür bis auf zwei Betten, völlig leer. Noch ahnten wir nicht, dass alle beweglichen Einrichtungsgegenstände dieser Etage an den Ort der Dreharbeiten gebracht wurden.

Neben den Betten enthielt unser Zimmer nur noch eine fest verbaute die Klimaanlage. Leider passte ihr Stecker nicht in die daneben verbaute Dose.
Kein Problem für den Bastler! Den Stecker aufgeschraubt und die blanken Drähte in die Dose gesteckt, mit Zahnstocher fixiert und schon blies das Ding relativ kühle Luft in den stickigen, heißen Raum.
Die Dusche funktionierte zwar auf Anhieb, selbst der Wasserdruck war doch der hohen Etage ausreichend, nur läutete es nun alle paar Minuten an der Türe und die Hotelangestellten brachten wieder Stück für Stück der Einrichtung in unser Zimmer.
Ich kann mich noch an einen riesigen, bock-hässlichen, schwarz lackierten Ast erinnern, der offenbar eine Art Skulptur darstellen sollte.

Als wir endlich geduscht waren und das inzwischen mit Kästchen, Statuen und Ästen vollgerammelte Zimmer bestaunten klopfte es und draußen stand der Manager.
Zerknirscht berichtete er in stotterndem Englisch, dass ihm seine Mitarbeiter berichtet hätten, dass ich Fotos vom Stiegenhaus gemacht hätte und dass er mich um den Film bitten würde, denn schließlich hat er mit dem Hotel noch viel vor und wollte schlechte Werbung vermeiden. Wenn seine Vorgesetzten die Fotos zu Gesicht bekämen, wäre seine eben begonnene Karriere vorbei.
Das Hotel wäre noch gar nicht offiziell eröffnet und das Touristenbüro hätte in auch nicht kontaktiert – offensichtlich wussten die gar nicht, dass das Hotel noch nicht fertiggebaut war!
Man habe sich doch bemüht uns ein Frühstück zu servieren, obwohl er dafür gar keine Zuteilung bekommen habe, denn ohne Gäste gibt es keine Lieferung.
Das ganze trug er völlig zerknirscht ohne offensichtlich ehrlich besorgt vor.
Ich versprach ihm mit kräftigen Händedruck, dass ich das Foto nur meinen Freunde daheim zeigen werde und selbstverständlich niemals ein schlechtes Wort über „sein Hotel“ verlieren werde.
Also bitte, erzählen Sie niemanden diese Geschichte, denn das Personal war die nächsten zwei Tage dort wirklich rührend um unser Wohlergehen bemüht, am nächsten Morgen gab es wieder Suppe zum Frühstück, und die Verabschiedung vor unser weiterreise war herzlich.

 

 

Written by medicus58

27. Juni 2017 at 23:04

Veröffentlicht in Reisen

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Health Literacy auf brutal oder alles war schon einmal da …

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Keine Gesundheitsreform der letzten Jahre kommt ohne die Forderung nach Health Literacy aus.

Eingedeutscht spricht man gerne von Gesundheitskompetenz, also der Fähigkeit des Einzelnen gesundheitsrelevante Anweisungen und gegebene Informationen zu bekommen, sinnverstehend zu lesen und danach Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken.

Gemeinsam mit einer Vorsorgemedizin, also dem Versprechen durch geeignete Maßnahmen Krankheiten entweder nicht auftreten zu lassen oder so rechtzeitig zu erkennen und behandeln zu können, dass größere „Schäden“ vermieden wird, soll eine Steigerung der Health Literacy enorme Einsparungen im Gesundheitssystem bringen, wobei die Evidenz m.E. für beide Ansätze noch etwas dürftig ist, egal.

Noch vor seiner Wiederwahl hat das EU Parlament in diesem Sinne beschlossen, dass Rauchern, die trotz der schon länger verwendeten drohenden Aufschriften nicht von ihrem Laster abließen, nun mit abschreckenden pathologischen Bildern der Glimmstängel abgewöhnt werden soll.
http://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/rauchen/eu-parlament-stimmt-ueber-schockbilder-auf-zigaretten-packungen-ab-34845154.bild.html

Jetzt soll hier gar nicht die alte Platte vom „Selbstbestimmungsrecht“ abgespielt werden, denn natürlich ist wäre ein Lebenstil wünschenswert, der das Auftreten vermeidbarer Erkrankungen verhindert, aber ich bezweifle, dass dies bei so multifaktoriellen Prozessen durch das Drehen an einer einzigen Schraube funktionieren wird.
Viele von uns verhalten sich trotz besseren Wissens wenig gesundheitsfördernd, weil eben andere Faktoren (Überlastung, Frustration, Fehlen anderer Belohnungsroutinen, …. ) überwiegen und ich bezweifle, dass dieses Dilemma durch noch „brutalere Aufklärung“ zu lösen ist.

Mich erinnert das an eine chinesische Wandzeitung, die ich vor über einem Vierteljahrhundert immerhin in Qufu, der Geburtsstadt des Großen Konfuzius (http://de.wikipedia.org/wiki/Konfuzius) bemerkte.
Sehr viel brutaler lässt sich nicht für die Einhaltung geltender Verkehrsregeln wohl kaum werben.

Soft Sleeper in der klassenlosen Gesellschaft

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Wie schon kürzlich erwähnt, zeichnete sich das Chinesische Bahnsystem in den späten 80ern durch das Fehlen von Klassen aus. Wer aber doch besser reisen wollte, oft wurde der Langnase auch im Hinblick auf seine angenommene ökonomische Ausstattung gar nichts anderers verkauft, landete in der Soft Sleeper Klasse. Der schiere Luxus bestand weniger in der plüschigen Atmosphäre noch in den ebenso harschen Zugbegleiterinnen, die einem schon in der letzten Klasse den Reisepass abnahmen, sondern in seinem hochflorigen Fußboden, der das sonst uniquitäre Ausspucken unter Strafe stellte.

(Spucken Sie bitte nicht http://wp.me/p1kfuX-Nt)

Als zusätzlicher Benefit stellte sich dort auch heraus, dass die phonetische Dauerberieselung mit markigen Sprüchen und Marschmusik unterblieb, die in der Allgemeinen Klasse erst um 22:00 verstummte und irgendwann gegen 6:00 erbramungslos wieder los ging …

Written by medicus58

14. Mai 2014 at 17:45

Spucken Sie bitte nicht

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Wer so wie ich 1988 auf eigene Faust durch China trampte, der hatte durchaus einige Probleme zu lösen.
Auch nach den diversen Managementausbildungen, die man heute so von einem Bader verlangt, ehe er sich für eine Abteilungsleitung bewerben darf, verwies ich immer wieder darauf, dass der damalige Trip mir mehr über Management und Selbstmanagement gelehrt hat, als all die gescheiten Vorträge und Bücher.

Trotz nur sehr, sehr eingeschränkter Mandarin-Kenntnisse, die ich mir mittels einiger Musikcassetten aus Londons Chinatown beibrachte, war sicher nicht das Verständigungsproblem die größte Herausforderung. Ob Sie es glauben oder nicht, die wichtigste Kulturtechnik, die man als Bahnfahrer damals erlernen musste war, entweder einen Soft Sleeper (1. Klasse gab es damals natürlich nicht im realen Sozialismus) zu buchen, weil einen die Plüschteppiche vor einem eher unangenehmen Volkssport schützten, oder keinesfalls in der Hard Sleeper Nicht-Klasse auf einem der unteren Betten zu liegen.

Aus mir bis heute nicht gänzlich zugänglichen Gründen lieben es Chinesen sich mit phonetisch aufwändigem Vorspiel ihres Speichels auch in Innenräumen zu entledigen. Ich fürchte da hat sich nicht viel geändert, weil man auch heute noch diese nachttopfartigen Spucknäpfe neben den großen Plüschsofas der Mächtigen erkennen kann.

In einem Zugsabteil, in dem sich drei Schläfer über einem ihrer Mundfeuchtigkeit entledigen und diese knapp neben der eigenen Schlafstatt auf dem Boden aufklatscht, sollte man lieber nicht übernachten, wenn man einen erholsamen Urlaub verbringen möchte. Das Foto zeigt, dass die Obrigkeiten damals auch schon einige Parks von dieser Unart freihalten wollten. Zur Sicherheit auch in einer Sprache die die Langnasen auch verstehen.

Written by medicus58

10. Mai 2014 at 23:11

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China from China

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China from China 

Wir schreiben das Jahr 1988 und damals war eine Rucksackreise durch die VR China noch etwas, das einen selbst unter hardcore backpackern noch ein bißchen Anerkennung einbrachte.

Zwar musste man beim Visumsantrag in der Botschaft noch ganz exakt angeben, wohin man sich denn eigentlich bewegen wollte (war übrigens bei meinen ersten Visumanträgen in der Indischen Botschaft auch so, jedoch wurde das vor Ort dann überraschenderweise nicht mehr allzu streng gesehen.
Klar waren bestimmte Gebiete off limits, und um meinen Wunsch in der mongolischen Grassteppe zu übernachten zu realisieren musste ich mich in Hohot (http://de.wikipedia.org/wiki/Hohhot), der Provinzhauptstadt der Inneren Mongolei (nicht zu verwechseln mit der VR Mongolei) der Dienste des staatlichen Reisebüros CITS bedienen, aber immerhin war es möglich.

Der Ankauf der notwendigen Bahntickets war dann sowas wie ein vorgezogener Managementkurs, da meine Versuche etwas Mandarin zu lernen mich gerade mal dazu gebracht haben eine Frage zu formulieren, aber schmählich versagten, wenn der Angesprochene dann antwortete.
Die Lösung war übrigens der Dumont Kulturführer China: Als Reiseführer war die Schwarte völlig unbrauchbar, dazu benötigte man damals – und das wussten alle, die den Wahnwitz einer solchen Reise außerhalb der großen Metropolen versuchten – den Lonely Planet Traval Survival Kit. Was mich aber rettete war, dass der Dumontführer eine Liste mit den wichtigsten Ortsnamen in chinesichen Schriftzeichen hatte. Gemeinsam mit den Zeichen für „Softsleeper = 2. Bahnklasse“ malte ich das auf einen Zettel und schob ihn den stets etwas verschreckt wirkenden Bahnbeamten hin. Auch für die Entscheidung in welcher der endlosen Schlangen an den verschiedenen Schaltern man sich einreihen sollte, war diese Liste segensreich.

Über all das vielleicht einmal später. Für heute möchte ich aber ein anderes Problem ansprechen.

Auch der Rucksackreisende hat manchmal das Bedürfnis ein Souvenier mitnehmen zu wollen.

Ein typisches Rollbild mit einer Tuschezeichnung war da kein Problem, es hängt noch immer in meinem Arbeitszimmer, ein Teeservice mitzubringen machte hingegen schon Schwierigkeiten.

Nicht dass es sich dabei um ein teures Service aus der Ming-Zeit handelte, aber um es auf der Weiterreise zu zertöppern war es dann doch zu schade. Um ehrlich zu bleiben habe ich mir das gute Stück erst in der letzten Woche des mehrwöchigen Trips zugelegt, aber trotzdem war es ein ziemlicher Eiertanz die Schachtel heil nach Hause zu bringen.
Kenner erkennen an dem Milchkännchen sofort, dass es sich bei dem Service um eines für den Export bestimmtes handelt, denn vor Ort gab es in der Regel nur grünen Tee und nie Milch. Das haben chinesische Mägen mit ihrer großen Prävalenz (94% !!!) von Lactoseintoleranz nicht so gerne.

Und jetzt mache ich mir eine Tasse Tee.

Written by medicus58

11. November 2013 at 21:17

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Das Fleisch ist williger als man glaubt

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Augenblicklich durchzieht die Medienlandschaft eine makabre Geschichte:

S Korea cracks down on ’human flesh capsules’ 
http://www.aljazeera.com/news/asia-pacific/2012/05/201257142432164324.html?

Human-Flesh Capsules Vex South Korean Authorities
http://online.wsj.com/article/SB10001424052702304363104577389962580412908.html?

Südkorea fing tausende Menschenfleisch-Kapseln ab
http://derstandard.at/1334797254048/Pulverisiertes-Fleisch-Suedkorea-fing-tausende-Menschenfleisch-Kapseln-ab 

Kurz zusammengefasst enthielten die Kapseln angeblich Bestandteile aus menschlichen Feten und Babyleichen, deren Einnahme Krankheiten heilen und das Wohlbefinden und die Potenz steigern soll. 

Seit August des Vorjahres haben südkoreanische Behörden 17.500 dieser Kapseln sichergestellt, nachdem ein TV Reporter in “Lee Yeong-don’s Food X File” behauptete, dass die chin. Pharmabetriebe mit Abtreibungskliniken zusammenarbeiten. CCTV, die staatl. TV Anstalt der VRC berichtete aber, dass die Kapseln aus einer Fabrik aus der Provinz Zhejiang stammen und Abfälle aus der Lederproduktion enthalten. Woher die Produkte wirklich stammen, darüber sind sich die Agenturmeldungen aber uneinig….

Durch die Foren des Web 2.X braust eine Welle der Entrüstung und Empörung. Wer aber glaubt, dass sich derartiger Wahnsinn auf Südostasien beschränkt, dem sei gesagt, dass der Aberglaube, sich durch den Verzehr anderer Menschen deren Gesundheit oder Stärke aneignen zu können, ziemlich flächendeckend auftrat.

Das Wort „Kannibalismus“ geht auf die Kariben, die angeblich einäugigen, hundsgesichtigen und menschenfressenden Einwohnern der Insel Bohío zurück, von denen Kolumbus berichtete, wobei die Praktik seit dem Auftreten des „homo erectus“ vermutet wird. (http://de.wikipedia.org/wiki/Kannibalismus)

Der ExoKannibalismus der Besiegten war im Hochland von Papua Neuguinea wie vermutlich auch in anderen Weltregionen, so grausam das klingt, eine notwendige Form der Proteinzufuhr in einem dicht besiedelten Gebiet, das sich für die Zucht von großen Tierherden, nicht eignete. Dort existierte jedoch auch eine andere Form des Kannibalismus, nämlich des Endokannibalismus der durch die dadurch übertragbare Prionenerkrankung Kuru (http://de.wikipedia.org/wiki/Kuru_(Krankheit)) bekannt wurde. Hier wurde (vor allem von Frauen) das Gehirn verstorbener weiblicher Verwandten verzehrt, um deren „Geist“ auf die eigene Nachkommenschaft zu übertragen.

Wenn die Völker in Guyana Menschenfleisch essen, so werden sie nie durch Mangel oder durch gottesdienstlichen Aberglauben dazu getrieben, wie die Menschen auf den Südseeinseln; es beruht meist auf Rachsucht des Siegers und — wie die Missionäre sagen — auf »Verirrung des Appetits.«  

v. Humboldt : Reise in die Aequinoctialregionen des neuen Continents.

Auch der Verzehr von menschlichem Eiweiß zu medizinischen Zwecken, ist in der Wikipedia wohl dokumentiert:
 
frisches Gladiatorenblut wurde sowohl im „Alten Rom“ als auch Blut von Hingerichteten in Dänemark des 19.Jahrhunders gegen Epilepsie

Armensünderfett“, „Schelmenfleisch

Der englische König Karl II. soll täglich ein Destillat aus menschlichen Hirnen („des Königs Tropfen“) zu sich genommen haben.

Viele echte und gefälschte altägyptische Mumien wurden unter der Bezeichnung Mumia als Heilmittel betrachtet und in europäischen Apotheken verkauft. 

Wie die beliebten  „Hannibal Lecters“ dieser Welt
(http://de.wikipedia.org/wiki/Hannibal_Lecter) zeigen, scheint auch die Kunst dieser Praxis eine gewissen Faszination entgegen zu bringen und dem Protagonisten eine „teuflische“ Intelligenz zu zu billigen. 

Wenn wir uns aber nun fragen, wo denn der Ursprung all dieser Absonderlichkeiten zu suchen ist, stossen wir unweigerlich auf die Religion.

Die Ideen der „getöteten Gottheit“, die als „Nahrung“ der Menschen wieder auferstehen finden wir in ägyptischen, mittelamerikanischen und letztendlich auch im Mythos des christlichen Abendmahls. 

„Der Herr Jesus in der Nacht, als er verraten wurde, nahm er das Brot, dankte und brach es und sprach: Nehmt, esst, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; solches tut zu meinem Gedächtnis. Ebenso nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; solches tut, so oft ihr trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn so oft ihr von diesem Brot esst und von diesem Kelch trinkt, verkündigt ihr des Herrn Tod, bis er kommt.“  1 Kor 11,23–26

Die Form des „Menschenopfers“ hat sich somit in sublimierter Form bis in unsere Tage gehalten, so dass es uns nicht all zu sehr wundern sollte, wenn diese Gedankenwelt andernorts zu einer industriellen Massenproduktion führt.

Wundern soll es uns nicht, abstoßen aber: selbstverständlich.
Es sollte aber nicht beim wohligen Schauer während der Lektüre unserer Morgenzeitung bleiben, sondern uns ins Bewußtsein rufen, wie wenig weit wir uns von archaischen Mythen entfernt haben.

Bildnachweis: Wikipedia

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