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Der Piratenwähler

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Wahlurnen
Ich fand meinen Gesprächspartner in tiefer Verzweiflung an: Das WLAN war down. Er ist Anfang zwanzig, hat die Walddorfschule, in die ihn seine grünalternativen Eltern gesteckt haben, weil er mit seinem ADSH in der Regelschule scheiterte, so recht und schlecht abgesessen und selten sitzengeblieben.
„Ich war etliche Jahre lang Pfadfinderführer in der Gruppe 39 – Ober Sankt Veit, dann Bachelorstudium Innovationsmanagement und M.A. Informatik, OK, nicht ganz abgeschlossen, so wie bisschen BWL und Schienenfahrzeugtechnik in Graz auch nicht so ganz.“

Also zum „Hofrat“ wird der „Pirat“ wohl nie, schoss es mir durch den Kopf, aber das scheint aktuell ohnehin nicht seine Absicht. Ob und wenn dann welche Planung in antreibt, das kontne ich aber auch nicht ganz herausfinden.

„Zu den Piraten kam ich über ein „World of Warhammer Forum“ (ein MMORPG = multiplayer online role-playing game für die Uneingeweihten). Eine meiner ersten Aufgaben in der Piratenpartei war es Moderator im Bundesforum zu werden, nachdem ich Tage „gegrillt“ wurde, zuerst pseudonym mit dem Avartar „Liquid Delegate“. Ich habe mich damals echt sehr darüber gefreut, dass ich diese Aufgabe übernehmen durfte. Die Tätigkeit habe ich zwischen September 2012 und April 2013 innegehabt und bin durch so machen Shitstorm gegangen, habe fünf Abwahl-Versuche und ungezählte Flashmobs überlebt. Dennoch bin ich nicht zufrieden wie sich die Kommunikation in dem Forum seitdem entwickelt hat. Vielleicht ist es etwas, was man technisch lösen kann, z.B. durch ein gefiltertes LiquidFeedback, dass sowohl „top down“ als auch „bottom up“ über breit delegierte „Oligrachen“ moderiert wird und das „Dissen“ der „Ochlokratie“ algorithmisch ausblendet, in mir keimt aber immer mehr der Verdacht, dass es menschliche Probleme wirklich gibt, bzw. oftmals auch Verständnisprobleme, weil manche Leute nicht wissen wie man sich schriftlich ausdrücken soll, sodass andere Menschen einen verstehen und andere Leute wiederum Probleme damit haben Texte vollinhaltlich zu verstehen.“
Mit brummt der Schädel.
„Sarkasmus und schwarzer Humor sind auch Dinge, die nicht jeder Mensch verstehen kann. Für Diskussionen mit gewissen Personen ist das Forum also geeignet, andere Leute sollte man lieber auf Ignore stellen, mit diesen zu reden ist verschwendete Zeit.“ Er fügt jedoch sogleich hinzu, dass er „Natürlich niemanden auf „ignore“ stellt!“

Mein Gesprächspartner, der verzweifelt während unseres Gesprächs an den Zugangscripts herumbastelt, ist derzeit „stark im Wiener LV“ engagiert, arbeite jedoch auch „stark mit den Bundesvorständen, sowie anderen engagierten Menschen“ zusammen. Egal welche Position man inne hat in der Piratenpartei, helfe ich überall mit, wo man was Positives voran bringen möchte oder negative Dinge verhindert.“

Natürlich hasst er FB (Facebook), hat aber ebenso natürlich einen pseudonymen Account dort, um wahllos jeden „als Freund zu akzeptieren“ der ihn anschreibt, um der NSA und der Werbeindustrie eine falsche Fährte über seinen tatsächlicher Freundeskreis zu legen. Gefinkelt, das hat ihm wohl kaum die Walddorfschule beigebracht. Kommunizieren tut er über Twitter nur „Trolliges“, den Rest über Identica (Open-Source Alternative).

„Offline Piraten sind sicher ebenso wichtig wie Online Piraten, jedoch sollten sie was onlinespezifische Themen angeht auf die Expertise der „Onliner“ vertrauen. Nicht alle Dinge in der Offline Welt sind 1:1 ins Online zu übertragen und umgekehrt.“
Ich nicke betreten.

Meine Frage nach seinen Sprachkenntnissen beantwortet er mit einer Aufzählung aller mir bekannten Computersprachen bis zu denen, die ich erst über Google von einem innerafrikanischen Slang zu unterscheiden lernte.

Seine Person charakterisierte er auf Nachfrage mit „transparent, flauschig offen und ahoi“.
Hackeln hat er nicht wirklich gelernt, dafür hackt er wie ein junger Assange, nur halt mit weniger Sexualkontakten.  Er ist für das Gute, soweit haben ihn seine Eltern sozialisiert, solange es gratis im Netz verfügbar ist und rettet den Wald, indem er nichts ausdruckt dafür ist starben bereits ein Dutzend chinesischer Bergleute, weil er alles auf den Seltenen Erden seiner Solid State Disks speichert.

Eigentlich ist er mir nicht unsympathisch und gerade die Enthüllungen der letzten Wochen, die uns bewiesen, dass uns die Mächtigen dieser Welt das scheinbare Paradies des Internet nicht ohne Hintergedanken und keinesfalls nur für das kostengünstige Masturbieren zur Verfügung gestellt haben, zeigten, dass seine Vorstellungen gar nicht einmal so weit weg von unseren aktuellen gesellschaftspolitischen Problemen sind, nur fehlte mir der Glaube, dass er uns von seiner Parallelwelt aus in unserem Universum wirklich helfen könnte, auch wenn er mit einem befriedigenten „drinn bin i“ kommentierte, dass er seinen WLAN Zugang wieder erzwungen hat. Zwar ins Netz des Nachbarn, aber was solls, ich habe aus dem Gespräch viel gelernt:
Unter A-Hörnchen, B-Hörnchen und C-Hörnchen versteht man Mitarbeiter, deren Namen aus Datenschutz- und sonstigen Gründen noch nicht genannt werden dürfen

Arrr sagten Piraten, warum werde ich noch nachliefern.

Aye heißt, dass man den Job annimmt.

BarCamp ist ein Treffen, auf dem man sich über verschiedene Themen und Projekte austauscht, wenn es sein muss auch offline

bashen tun die Bösen einen Blackhat, also einen Hacker der “dunklen” Seite, nur weil er eine bislang unbekannte Sicherheitslücken nutzt

Club-Mate, ein bis vor kurzem nur in Argeninien verbreiteten koffeinhaltigen Getränk, ist das Viagra für Nerds

Eichhörnchen sind Platzhalter für allgemeines Ablenkungs- und Defokussierungsmanöver: “Ein Eichhörnchen  sein”/”Eichhörnchen sehen” = leicht ablenkbar sein, “Eichhörnchen haben”  = sich grade ablenken lassen, “Eichhörnchen  fangen/dressieren/jonglieren/schießen” = viele verschiedene Dinge  gleichzeitig tun, die einen von den wirklich wichtigen Dingen abhalten. Eine andere Bedeutung hingegen hat transsexuelles Eichhörnchen.

Den „Motherfucker“ der Piratenszene nennt man „Internetausdrucker“.

Selten habe ich mich so als politischen Noob (= Neuling) gefühlt, wie in diesem Interview. „plus1“ (Zustimmung/gefällt mir) zu vielem, aber ich benötige jetzt dringend Ponytime (Unterbrechung durch eine Folge von “My little Pony” – dient der Beruhigung erhitzter Gemüter) um wieder zu downen um als „Transsexuelles Eichhörnchen“ (= legitime Ersatzbezeichnung für Pirat / Piratin / Piratenbraut / Mitglied der Piratenpartei als Antwort auf die Gender-Debatte) nach einem kurzen „twoff „ (=Offline) endlich auf „42“ zu kommen (= die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest).

Written by medicus58

24. August 2013 at 15:30

KAV-IT: Die Problemverursacher übernehmen die Macht

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Prozessmanagement

Über den Risikofaktor medizinische Informatik habe ich hier schon mehrfach geschrieben: http://wp.me/p1kfuX-uw
Meistens ging es um die lähmenden Auswirkungen auf den Patientenbetrieb: VI Control-Alt-Delete : Be patient, patient. http://wp.me/p1kfuX

Aber der auch hier angekündigte und inzwischen vollzogene Hinauswurf von Gen.Dir.Stv. Koblmüller (Bombenstimmung im KAV http://wp.me/p1kfuX-w1) zeigte, dass es hier nicht nur um die Umsetzung medizinischer Prozesse in digitale workflows ging, wie es eine Aussendung vom 27.5.2010 des Rathauses anzudeuten schien:
„impuls.kis“ vernetzt IT-Systeme Besonderes Augenmerk von „impuls.kis“ liegt auf dem Datenaustausch zwischen den verschiedenen IT-Systemen des KAV. Damit können zukünftig rund 16.000 NutzerInnen rasch medizinisch notwendige Informationen abrufen. http://www.wien.gv.at/rk/msg/2010/05/27009.html

Vielmehr ist es das Eingeständnis der im Wiener Krankenanstaltenverbund Verantwortlichen, über die Abläufe in ihrem Konzern nur ungenügend informiert zu sein und sowohl die Feststellung des Ist-Zustandes als auch die Umstrukturierung, genannt Standardisierung in die Hände der IT, sowohl der Firma Systema als auch der KAV-eigenen KAV-IT zu geben. Gemeinsam mit den zukünftigen NutzerInnen werden die Prozesse standardisiert, in „impuls.kis“ konzipiert und gemeinsam mit dem oberösterreichischen Software-Anbieter systema umgesetzt.

Wohl einzigartig ist es, dasst die Konzernführung sowohl IST-Erhebung als auch Definition des SOLL-Zustandes in die Hände einer externen Firma gegeben hat.
Natürlich sind Dutzende Mitarbeiter in verschiedenen Sitzungen angehört worden, jedoch kannten diese weder die Zielsetzung noch den exakten Auftrag der Dienstgeberin. In vielen Fällen hörten diese nur, dass dieses und jenes eben nicht beauftragt, oder eben von einem der anonymen Ausschüsse ohne nähere Begründung abgelehnt wurde.
Deshalb fehlen an manchen Abteilungen wesentliche Module des Systems, liegen Hunderte Fehlermeldungen unbearbeitet irgendwo und es werden irgendwelche workarounds erfunden, weil man auf manche Professe (Diätberaterinnen) schlicht und einfach vergessen hat.
An vielen Probeabteilungen werden wesentliche Teile des Systems einfach nicht verwendet, weil sie nicht funktionieren oder unheimlich langsam sind.
Doch die Zeit drängt, weil das uralte Krankenhausinformationssystem des KAV nächstes Jahr endgültig heruntergefahren werden muss, weil niemand mehr die Verantwortung für die Funktionalität übernehmen kann.
Gleichzeitig läuft mit Ende 2013 der Vertrag mit der Firma Systema aus, so dass noch schnell – ungeachtet der bisher aufgetretenen Probleme – alle KAV-Häuser auf das IMPULS-KIS umgestellt werden müssen.
Ausstehende Sitzungen werden ersatzlos gestrichen, Systema Mitarbeiter werden schon abgezogen oder verlassen vorsorglich überhaupt die Firma.

Masseverwalter des Chaos ist die KAV-IT, die auf dem Impuls-Logo ohnehin gleich hinter Systema genannt wird, aber sich bisher bei Problemen eher mit dem Hinweis auf die Systema zurückgelehnt hat. Die Erfahrung lehrte, dass die KAV-IT schon bisher mit der Wartung der bestehenden Infrastruktur heillos überlastet ist. Zu Sicherheit wird sie im Sommer auch in einen anderen Bezirk umziehen, so dass sie schon jetzt verkündet, in dieser Zeit in erster Linie mit sich selbst beschäftigt zu sein.
Nun stellt präsentiert die KAV-IT ihre Vorstellungen über die Zeit nach Ende des IMPULS Projektes und man staunt:
Beschwerdemanagement, Vorschlagswesen, Fehlermeldungen, Verbesserungsanträge … all das soll in Zukunft in der KAV-IT zusammenlaufen.
Die KAV-IT prüft, bewertet und allein dadurch, das sie sich diese Filterfunktion nimmt, hat sie maßgeblichen Einfluß, welche Meldungen überhaupt bis zum Management dringt.
Ein einzigartiger Fall, dass die EDV eines Unternehmens ganz offen über die Strukturen entscheidet, die sie in diesem Betrieb haben möchte und nicht mehr das Konzernmanagement entscheiden kann, welche Strukturen die EDV zu realisieren hat.

Oder auf gut Wienerisch: Gibt’s net, hamma net, kennen mir net …

Management by Process Management …

Written by medicus58

15. März 2013 at 19:46

Nervt die EDV nur oder will sie uns was sagen

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Aek Ubuntu

Über die giftigen Blüten, die die EDV in unserem Alltag treibt
seit wir uns entschlossen haben sie in alle unsere Lebensbereiche eindringen zu lassen,
wurde hier schon mehrfach lamentiert:
Zeichen an der Wand http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=48811
VI Control-Alt-Delete : Be patient, patient
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=58077
Männchen oder Weibchen? An alle ELGA Fans http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=58118
Risikofaktor medizinische Informatik http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=80056
über alles was uns krank macht http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=81093

Ganz aktuell möchte ich Ihnen einen Screenshot des Flatscreens im neu gestalteten Konferenzzentrums der Wiener Ärztekammer nicht vorenthalten, die uns zeigt, dass auch der Microsoft-lose und Apple-lose Weg so seine Tücken hat.
Wie es sich für eine Standesvertretung der Ärzte gehört, die ihren Mitgliedern gegenüber zur Sparsamkeit und der Menschheit gegenüber der Menschlichkeit verpflichtet ist, setzte man dort offenbar auf eine freie und kostenlose Linux-Distribution, deren Name UBUNTU auf Zulu  „Menschlichkeit“ bedeutet.
Die Entwickler verfolgen mit Ubuntu das Ziel, ein einfach zu installierendes und leicht zu bedienendes Betriebssystem mit aufeinander abgestimmter Software zu schaffen. (http://de.wikipedia.org/wiki/Ubuntu)

Wer aber gestern abends im Portal der Kammer wissen wollte, was sich in welchen Versammlungsälen gerade abspielt, der konnte durch den Blick auf den Flatscreen nur lernen, dass die Ärztekammer ein dringendes Update versäumt hat …..

Und da, da kamen mir Zweifel, ob ich überhaupt noch richtig liege in meiner Kritik an all den EDV Anwendungen in unserem Alltag. Möglicherweise hat diese doch schon die Intelligenz ihrer Schöpfer überflügelt …

Written by medicus58

8. Dezember 2012 at 11:27

Risikofaktor medizinische Informatik

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In welchem hohen Ausmaß die EDV (medizinische Informatik) inzwischen die Abläufe in der Medizin bestimmt und mitunter hemmt,
habe ich hier schon unter dem Titel Control-Alt-Delete : Be patient, patient. (http://wp.me/p1kfuX-hl) ausgeführt.

Was exemplarisch an einer Fehlermeldung der „Wiener Linien“ im Beitrag „Zeichen an der Wand“ (http://wp.me/p1kfuX-61) ausgeführt und durch ein Zitat von Anton Zeilinger (elektromagentischen Puls) unterstrichen wurde, dass unsere Gesellschaft heute inzwischen durch einen EDV Ausfall in die Steinzeit zurück katapultiert werden kann, weil inzwischen kaum irgendein Prozess OHNE EDV Unterstützung lauffähig ist, daran soll in diesem Zusammenhang auch wieder erinnert werden..

Kommen Sie mir übrigens nicht mit den Notstromaggregaten, die es natürlich gibt, deren Stromspitzen beim Hochfahren aber immer wieder einen Server irreversibel lahmlegen und zu lokalen Ausfällen führte. Natürlich wird versucht, dies technisch in den Griff zu bekommen, aber …
Es benötigt auch nicht immer einen Ausfall der Hardware, um uns stillzulegen: Gerade in den letzten Wochen erlebten wir aber auch ohne Stromausfall immer wieder EDV Totalausfälle, die bisweilen auch einige Stunden dauerten und vom Krankentransport bis zur Blutanalyse zum Stillstand brachten.

Nur zum Verständnis, in einem „modernen“ Spital ist selbst der Träger, der im Notfall den Patienten in den Operationssaal zu bringen hat, nur mehr elektronisch zu verständigen. Ein Großgerät wie eine Computertomografie ist ohne Patienteneintrag in der Worklist nicht mehr in Gang zu bekommen und die Zeiten, wo wir noch im Nachtdienst auf der Chirurgie selbst den Hämatokrit eines „blutenden“ Patienten (mittels Haarröhrchen und Zentrifuge) betimmen konnten ist vorbei: Es gibt keine Kapillarröhchen oder Zentrifugen mehr aufden Stationen, wenn das Zentrallabor wegen eines EDV bedingten SUPERGAU „steht“.

Das „Gesundheitsrisiko“ der medizinischen Informatik liegt also nicht nur in der Hardware, dagegen kann man sich zum Teil durch Notstromaggregate, Backup Server oder Ähnliches wappnen, sondern immer mehr auch in einer „anfälligen“ Software.
Missverstehen Sie das alles nicht als „Technikfeindlichkeit“ oder wie in der ELGA Debatte als „Angst der Ärzte vor Transparenz„.
Selbstverständlich hat sich die Medizin auch die Vorteile der elektronischen Datenverarbeitung für Patient und Personal zu nutzen, jedoch nur wenn sich die unvermeidlichen Nachteile der angeschafften Lösungen die Vorteile nicht überwiegen und wenn die EDV Verantwortlichen sich ihres Teils der medizinischen Gesamtverantwortung bewußt werden.

Ohne hier einen Exkurs über medizinische Informatik zu beabsichtigen, kann man verschieden „Schichten“ der medizinischen Softwarearchitektur unterscheiden. Prinzipiell benötigt ein Spital einmal eine Verwaltungssoftware (KIS=Krankenhausinformationssystem), die die eigenen Prozesse (z.B. Warenwirtschaft, Leistungsabrechnung, …) und die Patientenadministration (z.B. Identifikation, Zuordnung aller Daten zum „Fall“) abwickelt (siehe Wiki-Links am Fuße des Artikels).
Darüber (manchmal als Teil des KIS, manchmal in eigenen Subsystemen realisiert) kontrolliert die nächste „Softwareschicht“ alle BettenbelegungenZuweisungen, Ambulanz- und Arztbriefe, …etc., also die Prozesse des „eigentlichen“ Medizinbetriebs.

Zusätzlich bestehen in verschiedenen Abteilungen wie z.B. dem Röntgen (RIS), dem Labor (LIMS), etc. eigene EDV Systeme, die mit den vorgenannten verzahnt werden müssen und
letztlich hat inzwischen jedes medizinische Großgerät (CT, MR, Bestrahlung (LINAC), …) bis hin zum Ergometer und zum Blutzuckermessgerät eine eigene EDV in der der Patient (mit den Daten aus dem KIS) identifiziert werden muss und deren Ergebnisse wieder in das KIS (oder PACS) zur Speicherung rückgemeldet werden. Unzählige weitere fachspezifische Subsysteme berechnen und speichern andere, nur für den betreffenden Fachbereich relevante Patientendaten (z.B.: Planunssysteme für Radioonkologie oder Prothesenimplantation, Auswertungen von Langzeit-EKGs, ….).
Auch vor ELGA exitieren schon jetzt in mehreren Krankenanstaltenverbänden zentrale Datenspeicher für all diese Text und Bildbefunde.

Dass diese heterogene Landschaft nicht mehr zufriedenstellend funktioniert, wenn nur eine der unzähligen Schnittstellen zwischen den einzelnen Modulen nicht mehr funktioniert und alles zusammen bricht, wenn der unterste Teil steht, leuchtet vermutlich auch dem nicht so EDV-affinen Laien ein.

In diesem (und vermutlich einigen folgenden Blogeinträgen) möchte ich nun auf einige Problembereiche der EDV Struktur innerhalb des Wiener Krankenanstaltenverbundes hinweisen, wobei ich mich aus forensischen Gründen auf die Aspekte beschränken muss, dies ohnehin schon im WWW dokumentiert sind. Es besteht aber kein Grund zur Annahme, dass dies in anderen Krankenanstaltenverbünden wesentlich anders, sprich besser ist, und das Ganze möchte ich nur als Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs gesehen haben.

Beginnen wir für heute bei der untersten Schicht der krankenhaus-EDV: dem Krankenhausinformationssystem (KIS)
Das Wiener Kontrollamt fasste zusammen (http://www.kontrollamt.wien.at/berichte/2010/lang/03-23-KA-II-KAV-3-11.pdf ), wie der KAV versuchte seine heterogene EDV Landschaft zu vereinheitlichen und sein „altes selbstgestricktes KIS“ gegen neue Produkte austauschte:
Mit 1. Jänner 2002 wurde dem vormaligen Verwaltungszweig „Krankenanstaltenver-bund“ die Eigenschaft einer Unternehmung gem. § 71 der Wiener Stadtverfassung (WStV) zuerkannt. Gemäß § 13 Abs. 1 des Statuts für die Unternehmung „Wiener Kran-kenanstaltenverbund“ (KAV) hat der KAV ein Rechnungswesen nach den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung zu führen.
Zum einen stand das nach kameralen Grundsätzen geführte UHU-System (Universelle Haushaltsbuchführung auf Unix) der Magistratsabteilung 6 und zum anderen das auf doppische Grundsätze ausgerichtete SAP-System des KAV in Verwendung.
1.2 SAP-Einführung der Unternehmung „Wiener Krankenanstaltenverbund“
1.2.1 Vor dem Hintergrund der Einführung des Euro und der geplanten Unterneh-mungswerdung wurde bereits im Jahr 1997 mit dem Projekt „Erneuerung der betriebs-wirtschaftlichen Software im KAV – Einführung SAP R/3“ begonnen.

1.3 Projekt „MA 6-Integration ins KAV-SAP“
1.3.1 Das im Jahr 2004 von der GED des KAV initiierte und in Zusammenarbeit mit der Magistratsabteilung 6 durchgeführte Projekt „MA 6-Integration ins KAV-SAP“ hatte zum Ziel, auch in den anderen Einrichtungen des KAV auf ein durchgehend SAP-basiertes Buchführungssystem unter Einbeziehung der zuständigen Buchhaltungsabteilungen umzustellen. Demgemäß sollte der Aufwands- und Ertragsbereich ausschließlich durch das KAV-SAP abgedeckt werden.

Das Kontrollamt hat sich in diesem Prüfbericht primär mit den „buchhalterischen“ und nicht den medizinischen Teilen der Software beschäftigt, sah aber schon dabei:
organisatorischen bzw. technischen Verbesserungsbedarf  … vor allem als Folge der eingerichteten Schnittstellen zu Vorsystemen und bei der elektronischen Kommunikation zur Identifizierung von Patientinnen bzw. Patienten sowie beim Informationsaustausch zwischen den Krankenanstalten und den Buchhal-tungsabteilungen. Die Abwicklung des Forderungs- und Einbringungsmanagements war aufgrund technischer Unzulänglichkeiten bei einigen Funktionalitäten der Debitorenbuchhaltung nur mithilfe von provisorischen Lösungen oder erst mit erheblicher zeitlicher Verzögerung möglich.

Was in diesem Bericht nur indirekt vor kam, wieviele externe Berater und Firmen die KAV-eigene EDV Abteilung (KAV-IT) an Bord holte und wieviel Geld da umgesetzt wird:

Wenn Sie mehr darüber wissen wollen können sie sich einschulen lassen:

für 100 € excl. UST können Sie sich im Ausbildungszentrum des KAV eine SAP – Einführung genehmigen:
http://www.wienkav.at/kav/fanz/FANZ_inhalte_anzeigen.asp?kurskuerzel=SAP894&kursgruppe=0113090809&veranstalter=KAV-IGV
für 300 € excl. UST gibts dort sogar einen Überblick über die Logistik im SAP
http://www.wienkav.at/kav/fanz/FANZ_inhalte_anzeigen.asp?kurskuerzel=SAP8931&kursgruppe=0113090809&veranstalter=KAV-IGV
für 400 € excl. UST winkt SAP – Instandhaltung – Grundlagen
http://www.wienkav.at/kav/fanz/FANZ_inhalte_anzeigen.asp?kurskuerzel=SAP871&kursgruppe=424&veranstalter=KAV-IGV&anstalt=FANZ

insgesamt gibts 8 verschieden Kurse.

In der klinischen Praxis des SAP-IS-H, wie die unterste Schicht des neuen KIS genannt wird, kommt es seither zu unzählichen Problemen, die auch die medizinischen Abläufe beeinflussen:
Manche häufige klinische Prozesse werden einfach nicht abgebildet, so dass ganz einfache Vorgänge zum logistischen Problem werden:
So ist im System z.B. nicht ersichtlich, dass ein nun ambulant auftauchender Patient schon einmal als stationärer Patient am Ambulanzschalter war, es wird eine zweite Mappe angelegt und der Patient solange als Erstuntersuchung befragt, bis er meutert, dass er das hier alles schon einmal zu Protokoll gegeben hat ….
Im Warenwirtschaftssystem muss für jede Bestellmenge ein und desselben Reagenz/Medikaments/Artikels ein eigener Eintrag aufgeschlossen werden (z.B. 10 ml, 20 ml, 55 ml, 150ml, …) dessen Gesamtsummen (wieviele ml wurden insgesamt bestellt?) sind dann nicht so leicht, mitunter überhaupt nicht mehr aus dem System selbst heraus zu kitzeln. Im Zuge von Qualitätssicherungsmaßnahmen, behördlichen Anfragen, .. etc. Behördliche AbfFür manche Fächer sind behördliche Anfragen nur durch selbstätige kleine Rechenaufgaben
In den Leistungsabrechnungen verschwinden immer wieder erbrachte Leistungen, weil grad irgendeine Schnittstelle nicht funktioniert.

Selten wird bedacht, dass der „Krampf“ mit unzulänglicher Software (Abstürze, fehlende Berechtigungen, doppelte Namenseinträge, …) die unter Druck arbeitenden Mitarbeiter oft so nervt, dass sich auch Fehler in der Krankenbehandlung oder Befundvidierung einschleichen.

Trotzdem ist das Projektteam von AT Solution Partner EDV Beratungs- & Vertriebs GmbH, das gemeinsam mit der KAV-IT die SAP Software im KAV eingeführt hat, stolz auf sich: http://www.atsp.ch/Erfolgsgeschichten/Gesundheitswesen/KAV-Wien
Es wundert auch nicht, dass die SAP, die durch das Projekt und an jeder Erweiterung gut verdient, der KAV-IT  den SAP Quality Award 2010 in Gold spendierte, man ist sich ja näher gekommen:
Natürlich nicht für den eben vollzogenen Deal, sondern für das nächste Projekt:
Projekt «Impuls, SAP Industry Solution für Healthcare – administration», Implementierungspartner AT Solution Partner EDV Beratungs- und Vertriebs GmbH (Kategorie New Business Applications) http://www.sap.com/austria/press.epx?PressID=13924

Aktuell wird mit dem Rollout des IMPULS-KIS begonnen, dabei handelt es sich um die nächste EDV Schicht, die patientennahen Prozesse (Anmeldung, Terminkalender, Bettenbelagsystem, Zuweisungen, Befundsammlung, Entlassung, …) steuert.
Pilotversuche auf einzelnen Ambulanzen und Stationen wurden abgebrochen oder auf eine eingeschränkte Funktionalität reduziert, weil das
System unausgegoren, fehleranfällig und grottenlangsam ist
Seitenlange Mängellisten werden aus den Gesprächen „mitgenommen“ und später mit den Worten, dass das „Steuerungsteam“ sich dem nicht anschliessen konnte, kübeliert.
Berufsgruppen kriegen sich in die Haare, da völlig unklar ist, wie der zusätzliche administrative Aufwand aufgeteilt werden soll.

Ungerührt rühmte sich der Geschäftsbericht des KAV aus 2010:
Mit dem Projekt für das neue Krankenhausinformations-system (KIS) „impuls.kis“ werden sowohl IT-Ziele als auch organisatorische Ziele verfolgt. Dieses Projekt leistete bereits einen wesentlichen Beitrag zur EFQM-Zertifizierung „Committed to Excellence„.

Vor einem Jahr legte KAV-Generaldirektorstellvertreter Koblmüller als „einer der Auftraggeber“ an die Fa. Systema via APA nach:
KAV.IMPULS ist voll auf Schiene
und sprach von einem Abschluss 2014
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20111213_OTS0176/kav-impulskis-ist-voll-auf-schiene

Noch forscher sieht sich die von ihm beauftragte Firma SYSTEMA unterwegs, die auf ihrer Homepage das größte IT-Projekt der österreichischen Krankenhausgeschichte bereits bis Ende 2013 flächendeckend eingeführt haben will: (http://www.systema.info/loesungen/mpa/referenzen/)

und das trotz eines nicht unbeträchtlichen turnovers im eigenen Mitarbeiterstab und verhaltenem Gemunkel gegenseitiger Schuldzuweisungen an andere an der EDV Struktur werkelnde Firmen und Mitarbeiter.

Keine Frage, eine grundlegende EDV Umwälzung geht in keinem Betrieb reibungslos über die Bühne und
Optimismus gehört zum Handwerkzeug jedes Managers,
ich bin mir aber ganz sicher, dass wir von dieser Baustelle und ihren Auswirkungen auf die Qualität medizinischen Versorgung  noch mehr hören werden als lancierte Jubelmeldungen
irgendwann einmal sicher auch wieder vom Kontrollamt, aber das liest dann ohnehin keiner mehr…

LINKS:
KIS: http://de.wikipedia.org/wiki/Krankenhausinformationssystem
RIS: http://de.wikipedia.org/wiki/Radiologieinformationssystem
LIMS: http://de.wikipedia.org/wiki/Laborinformationsystem
PACS: http://de.wikipedia.org/wiki/Picture_Archiving_and_Communication_System

Written by medicus58

25. Oktober 2012 at 17:38

VI Control-Alt-Delete : Be patient, patient.

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Ich nehme einmal an, dass Sie sich als Patient so gewisse Vorstellungen machen, womit Ihr Arzt seine Arbeitszeit verbringt, wenn er Ihnen nicht gerade sein Ohr leiht, sein Stethoskop an die Brust klatscht oder seinen Finger in eine Ihrer Körperöffnungen steckt ….

Vor Ihrem geistigen Auge tanzen vermutlich Bilder, die je nach dem Grad der Empathie, den Sie für Ihren Arzt empfinden, zwischen
gemütlichem Kaffeetrinken mit der Oberschwester oder Ordinationshilfe,
interkollegialem Austausch des Golfhandicaps oder
hektischem Ausfüllen der Steuererklärung oscillieren;

glauben Sie mir, Sie irren hier gewaltig.

Beginnen Sie einmal einen typischen Arbeitstag mit einem Spitalsarzt in einem Haus des Wiener Krankenanstaltenverbundes und erleben Sie Ihre digitalen Wunder:

Der Morgen beginnt mit dem Start des PCs und der Hoffnung, dass der nächtliche Notstromtest nicht das BIOS ausradiert hat und er zum nächsten PC pilgern müssen.

Ist er stolzer Besitzer eines Smartphones ist jetzt der Zeitpunkt schnell ein kleines Android-Spielchen zu wagen, denn der Start Ihres Win 2000 (!) Rechners benötigt mal locker 10 Minuten, in denen mehrere Logos ihn daran erinnern, dass er den Tag zwischen einem Dutzend selbstgestrickter Anwendungen verbringen wird, die er unbegabten HTL Abbrechern verdankt, die auf absurden Irrwegen in der EDV Abteilung des KAV kamen.

Glauben Sie ja nicht, dass Ihr Arzt die Zeit damit nützen könnte, einige Befunde zu erstellen oder Anordnungen zu treffen, denn ohne EDV geht einmal gar nix.

Zwischenzeitlich den Befund des gestrigen Lungenröntgens überfliegen?
Er müsste vorher das entsprechende Programm starten (auch wieder ein bis zwei Minuten Wartezeit) und nach dem Patienen suchen … Blöd, wenn der zwar Meier heißt, aber als Dipl. Ing- Meier eingetippt wurde, denn dann findet er ihn nicht unter „M“ sondern unter „D“.
Ganz blöd, wenn bei der Administration die Dame an der Aufnahme versehentlich auf die Leertaste gedrückt hat, ehe Sie „Meier“ tippte, denn dann finden er in einer alphabetischen Liste seinen Patienten nicht mitten im Alphabet sondern zu Beginn … (dieser Fehler kostete letzte Woche drei Mitarbeitern 45 Minuten!)

Aber jetzt ist der PC hoch gefahren (Sie erinnern sich, wir haben ihn ja ein paar Absätze davor gestartet) und der Arzt überfliegt seine Mails (nicht die privaten, sondern die des Dienstgebers, dazu ist er per Dienstvertrag verpflichtet). Schön, einen neue Weisung mit Link auf einen Link auf einen Link im Intranet, der zu einem PDF Text führt, den Sie nach einer Minute auch lesen können (ja der Acrobat Reader ist auch nicht die neueste Version!). OK, die Generaldirektion weist den Arzt darauf hin, dass es eine neue Liste an Diagnoseschlüsseln gibt, die man (richtig!) über einen anderen Link auch lesen kann. Hoffentlich erinnert sich Ihr Arzt, dass ihre Blähungen bei der Entlastung nun nicht mehr als XYZ654 zu codieren sind, sondern bei Diabetikern als Diabetiker mit Blähungen als ZYX456. Das ist wichtig, weil das Spital sonst weniger finanzielle Vergütung für den selben Fall bekäme.

Gut,
nun auf die Bettenstation und nach den Patienten schauen,
weit gefehlt:

Die Stationsschwester empfängt den Arzt aufgeregt, er soll die Anforderungen für die Blutuntersuchungen in den dortigen PC eintippen, ehe er den Patienten das Blut abnehmen darf.
OK, erneutes Anmelden am PC,
die übliche Wartefrist,
und herum geklickt in sich grottenlangsam aufbauenden Befundmasken.
Beiläufig fragt der Arzt ob Patientin X schon am Weg zum Röntgen wäre, er hat schließlich schon gestern nachmittags den CT (natürlich elektronisch) angemeldet.
Schnippisch fragt die Schwester zurück, ob er, der Arzt, denn schon den Träger angefordert hat, natürlich elektronisch und natürlich über eine anderes Programm. Dieses schickt dann eine Mail an das Handy des Trägers und beauftragt ihn Patientin X zum Röntgen zu bringen.
Das auch wenn gerade ein anderer Träger Patient Y auf die Station gebracht hat, denn der hat schon eine andere Mail bekommen, die ihn anweist, Patient Z aus dem OP abzuholen … Das System ist hoch effizient!

Wenn der Arzt sich an der Schwester rächen möchte und meint, dass die Anforderung von Trägern eigentlich Sache der Pflege ist, wird ihm die Stationsschwester müde darauf hinweisen, dass sie gerade versucht, den krankheitsbedingten Dienstwechsel von zwei Pflegekräften in den elektronischen Dienstplan einzugeben, der sich aber weigert, die Neueingabe zu akzeptieren. Überdies müsse Sie etwas aus der Apotheke bestellen, wofür sie die elektronische Vidende des Arztes benötigt. Da dieser aber verzweifelt nach den Blutbefunden fahndet, die noch vom Nachtdienst angefordert wurden (natürlich wieder in einem anderen Programm, in das er einsteigen musste, … Sie nicken schon verständnisvoll, ja Wartezeit, eh klar…)
gibt er einfach der Schwester seinen den User und sein Passwort,
nicht als Vertrauensbeweis sonder nur um nicht aufstehen, zum anderen PC gehen und sich dort erneut anmelden zu müssen ….

Als Patient fragen Sie sich nun aber, es ist inzwischen 9:15, weshalb sich in diesem Spital niemand um sie kümmert!

Einzelfälle?
Maßlose Übertreibung?

Bestenfalls etwas verdichtet, aber nur die Spitze eines elektronischen Eisberges, der unser Gesundheitssystem lähmt!

Wer im Operationssaal dringend ein Röntgen benötigt, muss das elektronisch anmelden, sonst bleibt die Röntgenröhre kalt.

Wenn bei ihrem Namen mit Migrationshintergrund unklar ist, was der Vor- und was der Familienname ist, stehen die Aktien gut, dass für Sie zwei elektronische Krankenakte angelegt wurden.

Ihr Arzt hat in seiner Ordination ein Programm laufen, dass ihn vor Verschreibung einer Medikation unterrichtet, ob diese gerade von ihrer Krankenkasse in der grünen, lila, roten oder schweinchenrosa Box getan wurde, d.h. ob er es frei verschreiben darf, nur dann verschreiben darf, wenn er eine lange Begründung dazu tippt oder er das Medikament ihnen besser gleich „schwarz“ unter der Hand verkauft, weil es ihre Kasse in diesem Monat nicht bewilligen wird …

Ich gebe zu, dass ich heute nicht gut drauf bin und der Sache wegen zu galliger Überspitzung tendiere, aber wenn Sie glauben, dass das alles übertrieben ist, darf ich noch einmal aus dem Nähkästchen plaudern:

Beim Vidieren von Befunden stieß ich vor einigen Wochen auf einen etwas schwierigeren Fall, so dass ich mich (natürlich in einer entsprechenden Software) über die Vorbefunde dieses Patienten informieren wollte.
Etwas verwundert war ich, als mir die elektronische Krankenakte mitteilte, dass der Patient schon vor zwei Jahren das Zeitliche gesegnet hätte.
Noch mehr verwunderte mich, dass seither aber eine Reihe von Ambulanzbesuchen und verschiedene Befunde dokumentiert wurden.
Als ich dann das Sekretariat befragte, weshalb Ihnen diese Absurdität bei der Administration nicht aufgefallen wäre, wurde mir glaubhaft versichert, dass den Damen dies sehr wohl komisch vorkam und sie die Identität des Patienten nochmals überprüften (d.h. zur e-card auch noch ein zweitesmal den Lichbildausweis verlangten). Dem Patienten war die Sache schon längst bekannt und er wunderte sich nicht über die auftretenden Schwierigkeiten, ein Anruf bei der EDV Abteilung des Krankenanstaltenverbundes verlief frustran, da man mitteilte, dass
„das, also das Todesdatum, halt von jemandem so eingegeben wurde und man nicht die Berechtigung hätte, es wieder zu löschen“ ….

Beim Helpdesk der KAV-IT könnte man natürlich eine Fehlermeldung abgeben und bekommt eine „Ticket“. Die Chancen sind aber hoch, dass der Fall erst dann bereinigt wird, nachdem dieser Patient wirklich verstorben ist. Dann lebt er aber in seiner elektronischen Krankenakte ewig weiter ….

Ja, und Sie glauben, dass Sie als Patient oder Ihre Krankheit das wahre Problem für Ihren Arzt darstellen? Sie müssen krank sein ….

oder von all dem nichts wissen

Written by medicus58

10. Mai 2012 at 17:19

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