Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Zum Vertrauensverlust der Wähler

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Wählervertrauen

Ich darf auf folgende Artikel verweisen, denn meine eigene Meinung wäre möglicherweise ohnehin nicht druckreif:

Koller SN: Die erschwindelte Regierungsmehrheit:
http://www.salzburg.com/nachrichten/kolumne/standpunkt/sn/artikel/die-erschwindelte-mehrheit-82632/

Neuwirth Presse: Koalition, Kameralistik, Kabbalistik
Wenn der Kassasturz ein vor der Nationalratswahl und speziell für die Nationalratswahl gezimmertes Zahlengebäude voller Lügen zusammenfallen lässt, wird der deprimierende Rest von Experten-, Arbeits- und Untergruppen der Koalitionsverhandler weitergereicht und der Einfachheit halber zur Chefsache erklärt.
http://diepresse.com/home/meinung/kommentare/1474681/Koalition-Kameralistik-Kabbalistik

Föderl-Schmid Standard: SPÖ und ÖVP haben die Bürger bezüglich der Finanzprobleme getäuscht und belogen
http://derstandard.at/1381371932108/Verspielte-Glaubwuerdigkeit?

Written by medicus58

15. November 2013 at 19:45

Nach einem außerirdischen Wahlkampf

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Nach einem Spießrutenlauf durch die MaHü auf der einen in quietschgrüne Uniformen gequetschte Teens das unsägliche EVA Magazin aufdrängen, die ÖVP heiße Gase in gelbe Ballons bläst und ein adrett Gekleideter uns allen (!) einen für die FPÖ erfolgreichen Wahlsonntag wünscht, kann es schon passieren, dass man sich wünscht der kuppelartige Dachausbau eines Gründerzeithauses wäre ein UFO das einen da rausholt.

Nach quotensteigernden Dauerkonfrontationen mit sandgestrahlten und bis zur Unkenntlichkeit gespinnten Polit-Vertretern bleibt nur die Frage, weshalb nicht zwischen den Wahltagen nur annähernd so viel Hirnschmalz und Geld aufgewendet wird, uns die immer komplexeren gesellschaftspolitischen Fragen zur Diskussion aufzubereiten, wie hinausgeworfen wird um an unsere Kreuzerl zu kommen.

Written by medicus58

28. September 2013 at 14:48

Veröffentlicht in Allgemein, Nationalratswahl 2013

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Der KPÖ Wähler

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Wahlurnen
Letzte Woche fuhr ich extra in die Siebensterngasse in den 7. Wiener Gemeindebezirk, um endlich einen KPÖ Wähler zu treffen. Leider wurde ich auch im Café und Kulturzentrum 7stern nicht fündig. Zwar bezeichnete sich jeder 2. Lokalbesucher als „links“, aber unter all den Teilzeitlehrern, C&A XXXL gekleideten Sozialarbeiter und frühpensionierten Schachspielern, wollte sich „outen“. Bemerkenswert, dass sich aber ein halbes Dutzend der Anwesenden als „gay“ bezeichneten ….

Ich wurde ins „Depot“ in der Breite Gasse weitergeschickt und platzte in eine kritische Globalisierungsdiskussion, wo Fragen des postkolonialistische Sexistismus im postmodernen Neoliberalismus so heftig diskutiert wurden, dass ich nicht stören wollte.
Da kam mir die Königsidee: Das Volksstimmefest.

Auch wenn die nur mehr als Monatsmagazin erscheinende „Volksstimme“, also das Zentralorgan der KPÖ, heute de facto unter der Wahrnehmungsschwelle der Öffentlichkeit erscheint, ist sie seit 1946 Namensgeber für die „Fête de l’Humanité“, die fast unterbrechungslos alljährlich im Wiener Prater auf der Jesuiten(!)-wiese stattfindet.

Ich wälzte mich also letztes Wochenende durch die Spanferkel-bratenden Roma, die verdünnten Moquito schlürfenden Ché-T-Shirts-Träger und die von süßlichem Raum umwehten Chapati-Kauern, um endlich einen KPÖ Wähler befragen zu können.

Mein erster Gesprächspartner, der Heinzi, winkte mit seinem 16er-Blech etwas zungenlahm ab und gab zu, dass „die Sache mit der  Diktatur des Proletariats nicht sehr viel weitergekommen ist“. „Auch mit der klassenlosen Gesellschaft habe letztendlich alle nix g`habt, während er heute ein Haus im Grünen und einen übertragenen 3er-BMW fährt.

Ich gehe weiter und kaufe mir das letzte Album der „Chumbawamba“, das man seit Jahren nur hier und nicht beim „Müller“ oder „Media Markt“ kaufen kann.

Endlich treffe ich Hans, der etwas einsam hinter Bergen von etwas abgegriffenen Ausgaben des „Kapital“ sitzt. Die meisten in klassischen „Blau“ gebunden aus den 60er und 80er Jahren, ehe die DDR in das schwarze-CDU Loch der BRD gesaugt wurde.

„Ja, ich wähle wieder KPÖ“, meinte Hans und zog genüsslich an seiner filterlosen, Selbstgedrehten.

„Ja, aber „Stalin“, „Schauprozesse“, „Prager Frühling“ ….“

„Eh, grauslich, … eine Diktatur eben.“

„JA,“ versuche ich ihn mein Unverständnis spüren zu lassen, „aber die KPÖ war doch auf ihrem Höhepunkt, also als sie an allen Geschäften zwischen der österr. Verstastlichten und der DDR finanziell mitschnitt, der kritikloseste Speichellecker Moskaus.“

„Eh, zum scheißen, net“, grinste Hans und tat einen tiefen Lungenzug, der in einem Hustenanfall endete.

Ich war etwas verdutzt, wieso Hans eine Partei wählen will, deren offensichtliche Grauslichkeiten er offenkundig nicht abstreitet. OK, wir sind auf der Jesuitenwiese und da lassen sich innere Widersprüche durch Glauben ganz lässig überbrücken, oder wie es Heinrich Heine schon sagte: „Der Teufel, der Adel und die Jesuiten existieren nur so lange, wie man an sie glaubt“. Ersetzen wir einen der Platzhalter durch „Kommunismus“ und Heine funktioniert noch immer. Da legte Hans seinen Tschick weg und das Lächeln schwand auf seinen Lippen:

„Ich erzähl Dir einmal von einem Gespräch, das ich als Jugendlicher, fast noch als Bub, mit einem älteren Herrn in meiner Nachbarschaft führte. Ich erfuhr von meinem Vater, dass er von 38 bis 45 in mehreren KZs  des Dritten Reichs verbrachte. Er war überzeugter Sozialdemokrat und sammelte deshalb für die Familie eines Genossen, der von den Nazis verschleppt wurde. Die Frau war mit ihren Kindern von einem Tag auf den anderen völlig mittellos und er und einige seine Freunde sammelten für sie etwas Geld, ganz einfach damit die nicht verhungern.

Kurz danach wurde der Typ, ein überzeugter Sozi, verhaftet und lernte eine Reihe von KZs kennen. 1945 wurde er von der US Army befreit und war seither Kommunist….“

„Ja, und?“ stieß ich hervor,“ was beweist dies, was folgert daraus?“

„Gar nix,“ sagte Hans nun wieder mit einem Grinsen:“ Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!“

Ich brach unser Gespräch ab und eilte zur Hauptbühne um noch ein paar Takte von Harri Stojka zu hören, während Hans begann seine 3-bändigen Kapitalausgaben einzupacken, für das nächste Volksstimmefest 2014.

Written by medicus58

5. September 2013 at 20:06

Der Piratenwähler

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Wahlurnen
Ich fand meinen Gesprächspartner in tiefer Verzweiflung an: Das WLAN war down. Er ist Anfang zwanzig, hat die Walddorfschule, in die ihn seine grünalternativen Eltern gesteckt haben, weil er mit seinem ADSH in der Regelschule scheiterte, so recht und schlecht abgesessen und selten sitzengeblieben.
„Ich war etliche Jahre lang Pfadfinderführer in der Gruppe 39 – Ober Sankt Veit, dann Bachelorstudium Innovationsmanagement und M.A. Informatik, OK, nicht ganz abgeschlossen, so wie bisschen BWL und Schienenfahrzeugtechnik in Graz auch nicht so ganz.“

Also zum „Hofrat“ wird der „Pirat“ wohl nie, schoss es mir durch den Kopf, aber das scheint aktuell ohnehin nicht seine Absicht. Ob und wenn dann welche Planung in antreibt, das kontne ich aber auch nicht ganz herausfinden.

„Zu den Piraten kam ich über ein „World of Warhammer Forum“ (ein MMORPG = multiplayer online role-playing game für die Uneingeweihten). Eine meiner ersten Aufgaben in der Piratenpartei war es Moderator im Bundesforum zu werden, nachdem ich Tage „gegrillt“ wurde, zuerst pseudonym mit dem Avartar „Liquid Delegate“. Ich habe mich damals echt sehr darüber gefreut, dass ich diese Aufgabe übernehmen durfte. Die Tätigkeit habe ich zwischen September 2012 und April 2013 innegehabt und bin durch so machen Shitstorm gegangen, habe fünf Abwahl-Versuche und ungezählte Flashmobs überlebt. Dennoch bin ich nicht zufrieden wie sich die Kommunikation in dem Forum seitdem entwickelt hat. Vielleicht ist es etwas, was man technisch lösen kann, z.B. durch ein gefiltertes LiquidFeedback, dass sowohl „top down“ als auch „bottom up“ über breit delegierte „Oligrachen“ moderiert wird und das „Dissen“ der „Ochlokratie“ algorithmisch ausblendet, in mir keimt aber immer mehr der Verdacht, dass es menschliche Probleme wirklich gibt, bzw. oftmals auch Verständnisprobleme, weil manche Leute nicht wissen wie man sich schriftlich ausdrücken soll, sodass andere Menschen einen verstehen und andere Leute wiederum Probleme damit haben Texte vollinhaltlich zu verstehen.“
Mit brummt der Schädel.
„Sarkasmus und schwarzer Humor sind auch Dinge, die nicht jeder Mensch verstehen kann. Für Diskussionen mit gewissen Personen ist das Forum also geeignet, andere Leute sollte man lieber auf Ignore stellen, mit diesen zu reden ist verschwendete Zeit.“ Er fügt jedoch sogleich hinzu, dass er „Natürlich niemanden auf „ignore“ stellt!“

Mein Gesprächspartner, der verzweifelt während unseres Gesprächs an den Zugangscripts herumbastelt, ist derzeit „stark im Wiener LV“ engagiert, arbeite jedoch auch „stark mit den Bundesvorständen, sowie anderen engagierten Menschen“ zusammen. Egal welche Position man inne hat in der Piratenpartei, helfe ich überall mit, wo man was Positives voran bringen möchte oder negative Dinge verhindert.“

Natürlich hasst er FB (Facebook), hat aber ebenso natürlich einen pseudonymen Account dort, um wahllos jeden „als Freund zu akzeptieren“ der ihn anschreibt, um der NSA und der Werbeindustrie eine falsche Fährte über seinen tatsächlicher Freundeskreis zu legen. Gefinkelt, das hat ihm wohl kaum die Walddorfschule beigebracht. Kommunizieren tut er über Twitter nur „Trolliges“, den Rest über Identica (Open-Source Alternative).

„Offline Piraten sind sicher ebenso wichtig wie Online Piraten, jedoch sollten sie was onlinespezifische Themen angeht auf die Expertise der „Onliner“ vertrauen. Nicht alle Dinge in der Offline Welt sind 1:1 ins Online zu übertragen und umgekehrt.“
Ich nicke betreten.

Meine Frage nach seinen Sprachkenntnissen beantwortet er mit einer Aufzählung aller mir bekannten Computersprachen bis zu denen, die ich erst über Google von einem innerafrikanischen Slang zu unterscheiden lernte.

Seine Person charakterisierte er auf Nachfrage mit „transparent, flauschig offen und ahoi“.
Hackeln hat er nicht wirklich gelernt, dafür hackt er wie ein junger Assange, nur halt mit weniger Sexualkontakten.  Er ist für das Gute, soweit haben ihn seine Eltern sozialisiert, solange es gratis im Netz verfügbar ist und rettet den Wald, indem er nichts ausdruckt dafür ist starben bereits ein Dutzend chinesischer Bergleute, weil er alles auf den Seltenen Erden seiner Solid State Disks speichert.

Eigentlich ist er mir nicht unsympathisch und gerade die Enthüllungen der letzten Wochen, die uns bewiesen, dass uns die Mächtigen dieser Welt das scheinbare Paradies des Internet nicht ohne Hintergedanken und keinesfalls nur für das kostengünstige Masturbieren zur Verfügung gestellt haben, zeigten, dass seine Vorstellungen gar nicht einmal so weit weg von unseren aktuellen gesellschaftspolitischen Problemen sind, nur fehlte mir der Glaube, dass er uns von seiner Parallelwelt aus in unserem Universum wirklich helfen könnte, auch wenn er mit einem befriedigenten „drinn bin i“ kommentierte, dass er seinen WLAN Zugang wieder erzwungen hat. Zwar ins Netz des Nachbarn, aber was solls, ich habe aus dem Gespräch viel gelernt:
Unter A-Hörnchen, B-Hörnchen und C-Hörnchen versteht man Mitarbeiter, deren Namen aus Datenschutz- und sonstigen Gründen noch nicht genannt werden dürfen

Arrr sagten Piraten, warum werde ich noch nachliefern.

Aye heißt, dass man den Job annimmt.

BarCamp ist ein Treffen, auf dem man sich über verschiedene Themen und Projekte austauscht, wenn es sein muss auch offline

bashen tun die Bösen einen Blackhat, also einen Hacker der “dunklen” Seite, nur weil er eine bislang unbekannte Sicherheitslücken nutzt

Club-Mate, ein bis vor kurzem nur in Argeninien verbreiteten koffeinhaltigen Getränk, ist das Viagra für Nerds

Eichhörnchen sind Platzhalter für allgemeines Ablenkungs- und Defokussierungsmanöver: “Ein Eichhörnchen  sein”/”Eichhörnchen sehen” = leicht ablenkbar sein, “Eichhörnchen haben”  = sich grade ablenken lassen, “Eichhörnchen  fangen/dressieren/jonglieren/schießen” = viele verschiedene Dinge  gleichzeitig tun, die einen von den wirklich wichtigen Dingen abhalten. Eine andere Bedeutung hingegen hat transsexuelles Eichhörnchen.

Den „Motherfucker“ der Piratenszene nennt man „Internetausdrucker“.

Selten habe ich mich so als politischen Noob (= Neuling) gefühlt, wie in diesem Interview. „plus1“ (Zustimmung/gefällt mir) zu vielem, aber ich benötige jetzt dringend Ponytime (Unterbrechung durch eine Folge von “My little Pony” – dient der Beruhigung erhitzter Gemüter) um wieder zu downen um als „Transsexuelles Eichhörnchen“ (= legitime Ersatzbezeichnung für Pirat / Piratin / Piratenbraut / Mitglied der Piratenpartei als Antwort auf die Gender-Debatte) nach einem kurzen „twoff „ (=Offline) endlich auf „42“ zu kommen (= die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest).

Written by medicus58

24. August 2013 at 15:30

Der FPÖ Wähler

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Wahlurnen
Heute stehe ich vor der massiven Holztüre eines Gründerzeithauses in einem der besseren Wohnviertel Wiens. Das Messingschild verkündete den akademischen Grad des Bewohners. Nach einigen Augenblicken öffnete mir ein distinguierter älterer Herr.

Unter seinem dunkelblauen, einreihigen Blazer trug er eine kleingemusterte, graue Weste, die Seidenkrawatte wurde von einer goldenen Krawattennadel in Position gehalten. Ein passends Einstecktuchquoll aus seiner Brusttasche. Im Schlaglicht des Stiegenhauses wirkten die beiden Narben, die sein Gesicht teilten, tiefer als sie vermutlich waren. Er stellte sich knapp und förmlich als „Dr. ……“ vor und bat mich in sein Wohnzimmer. Obwohl draußen die Sommersonne von einem unverschämt blauen Himmel herunter brannte, schluckten die dicken Vorhänge und die dunkel gebeizte, selbstverständlich altdeutsche Einrichtung fast jedes Licht. Wir ließen uns ihn breiten Samtfauteuils nieder und ich versuchte mein Gegenüber, das mit leicht überschlagenen Beinen und durchgestrecktem Rücken aus seiner Sitzgelegenheit ragte, mit den platten „Islam-Daham“-Sagern eines Herrn Kickl und den APA-Drohungen eines Peter Hojač in Übereinstimmung zu bringen.

„Das nationale Lager in diesem Lande braucht nach all den Enttäuschungen der letzten Jahrzehnte wieder eine, seiner kulturellen Bedeutung entsprechenden Repräsentation im Parlament“, begann er ungefragt das Gespräch. Auf mein Nachfragen, ob er denn auch Jörg Haider als eine solche Enttäuschung bezeichnen würde, weicht er aus indem er auf dessen untadeliges Elternhaus und seinen überraschenden Coup gegen Norbert Steger verweist, um dann fortzusetzen „ Der Jörg war ein kluger Kopf und hat viel für uns getan, hat das Rot-Schwarze-Machtkartell in unserem Kammerstaat den Menschen immer wieder ins Bewusstsein gerufen, aber es ist im Laufe de Lebens nicht leicht Kurs zu halten.“ Mein Gesprächspartner ließ keinen Zweifel, dass er weniger Probleme hatte seinen vor Jahrzehnten eingeschlagenen Kurs beizubehalten.
„Österreich ist ein Untertanenstaat in Geiselhaft einer sozialistischen Kaderpartei und einer in ihren bündischen Interessenskämpfen gefangenen Katholikenpartei, die das Volk, dessen Namen es in ihrer Parteienbezeichnung usurpiert hat, auf das Schändlichste verrät.“

„Österreich eine Missgeburt?“ warf ich ein, um ihn zu provozieren.
Er lächelte milde und ließ sich durch dieses plumpe Manöver nicht aus der Ruhe bringen. „Missgeburt würde eine Geburt voraussetzen und eine Geburt wurde diesem Land bis heute vorenthalten. Alle Versuche in dieser Richtung wurden mit kräftiger Hilfe des Auslandes und einiger inländischer Mittäter (ah, Dolchstoß, dachte ich) mit größter Brutalität und hohem Blutzoll niedergeschlagen.“
Auch ohne nachzufragen war mir bewusst, dass er jetzt nicht an Konzentrationslager dachte.

„Und wie stehen Sie denn zum Dritten Reich?“ versuchte ich es mit einer neuen Provokation.

Ohne nur den geringsten Einblick in seine wahre Befindlichkeit zu gestatten überraschte er mich mit folgender Analyse: „Versetzen Sie sich einmal in das Jahr 1933 und versuchen Sie die Parallelen zu heute zu erkennen. Die Auswirkungen einer Weltwirtschaftskrise, eine ungeheure Zunahme von Parteien, deren Führer kaum noch jemand auseinander halten konnte. Korruption wohin das Auge blickt, der Reichstag eine „Quatschbude“ in der über die wahren Probleme der Menschen kaum mehr gesprochen wird und Banken und Investoren als die wahren Staatslenker. Ist es da so schwer zu verstehen, dass sich die Menschen nach einer neuen, unverbrauchten Kraft sehnten? Politikern, die ihnen ihre Ehre als Bürger ihrer Heimat wiedergeben konnten. Eine Partei, die für jene da war, für die dieses Land schon seit Generationen Heimat war!“

„Sie leugnen also die Gräueltaten des Regimes?“ unterbrach ich ihn. „Unter dem Druck des Krieges gab es viele Entwicklungen, die aus heutiger Sicht zu verabscheuen sind, aber gilt das nicht für alle Länder? Haben die Engländer nicht deutschstämmige Juden, wie den Österreicher Max Perutz, der Nobelpreisträger für Chemie des Jahres 1953, nach Kanada in ein Internierungslager abgeschoben? Haben die USA nach Pearl Harbour nicht fast 120.000 Japaner und japanischstämmige Amerikaner in Internierungslager gesteckt und umgesiedelt? Polen haben Juden bei der Gestapo denunziiert und nach 1945 zu tausenden selbst liquidiert, wussten Sie das nicht?.“

So leicht, war der offenbar nicht zu kriegen, so dass ich das Thema wechselte und ihn auf seine „Schmisse“ ansprach. Er nannte stolz den Namen seiner Korporation und gab mir einen Exkurs über die „Träger der Revolution von 1848“ und die „lebenslange Verpflichtung für die Sache“ einzustehen.

„Wie erklären Sie es denn, dass diese akademische Tradition nun ein Nicht-Akademiker, ein Handelsschüler und Zahntechniker fortsetzen soll?“
„Der Strache war in der Phase nach den verschiedenen Spaltungen eine erstklassige Wahl. Er kam medial gut an, das ist heute leider enorm wichtig, und er konnte viele Themen unbelastet ansprechen, da er in der Sache ziemlich unbedarft ist.“
Eine harte Aussage über den eigenen Spitzenkandidaten, allemal, aber denken wir doch daran, wie der Erwin Pröll gemeinsam mit dem Faymann den Spindelegger durch den „G’mischten Satz“ gezogen hat, ohne ihn davon kosten zu lassen. Denken wir an den Seppi Bucher, wie er sein Chamäleon, die Witwe Petzner, von der Wahlliste kippte oder das Schwert mit dem Uncle Fränk in seinem Team teilt und herrscht. Jede Partei entledigt sich ab und an ihres „Grüßaugusts“.

Ich fragte meinen „alten Herrn“, was er denn vom aktuellen „Nächstenliebe-Wahlkampf“ der FPÖ hält. „Wenig! Es begann mit der peinlichen Anbiederung an die serbische Minderheit durch die zur Schau gestellte „Brojanica“ (=kordelähnliches Armband, das einen Rosenkranz symbolisieren soll), dann das Herumgefuchtel mit dem Kreuz als angebliches Symbol unserer abendländischen Kultur und nun lief der Junge mit seinem „Nächstenliebe-Gesülze“ dem Schönborn geradewegs ins Kruzifix und der weinte sich medienwirksam beim Bundespräsidenten aus. Ich komme da aus einer anderen Tradition….“

Auf die Frage, ob denn Strache – als Nicht-Akademiker – auf den nächsten Korporations-Ball geladen wird, um – wie zuletzt 2012- wieder von „der Reichskristallnacht für die neuen Juden“ sprechen zu können, lächelte er und meinte:
„2013 war er ohnehin verhindert und ….. mit dem neuen Bolognia-System kommt heute ohnehin jeder, der seinen Namen schreiben kann, irgendwann zu einem akademischen Grad. Für einen Mag. (FH) HC wird’s schon reichen, wenn er nach der Wahl wieder mehr Tagesfreizeit hat.“

Ich verlasse fröstelnd meinen Gesprächspartner und kann draußen auf der Gasse nicht einmal mehr den blauen Nachmittagshimmel völlig vorbehaltlos genießen.

Written by medicus58

18. August 2013 at 14:46

Der Männerpartei Wähler

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Wahlurnen

Unseren heutigen Gesprächspartner treffen wir in einem Fitnessstudio. Kurz bevor mich die schweiß- und testosterongeschwängerte Luft um den letzten Rest meines Verstandes bringt, reißt er sich vom Stepper los und kommt, an einer isotonischen Drink saugend, zu mir herüber.

„Es geht bei uns nicht gegen Frauen sondern für die Gleichberechtigung der Männer“ eröffnet er das Gespräch, offenbar um mich zu beruhigen.
„Wir sind auch für die Familie“ setzt er fort und erinnert mich daran, dass es sich in diesem Land niemand leisten kann gegen Katzen, Kinder und Familie zu sein, weil ein Großteil des Wahlvolkes diese drei Elemente, in allerdings wechselnden Besetzungen, als seinen Lebensinhalt definiert.
„Der Staat hält die Hälfte der Bevölkerung, die Frauen, davon ab selbst Geld zu verdienen“, vollendet er seinen Satz und ist in Gedanken offensichtlich bei den Unterhaltszahlungen, die er für seine beiden geschiedenen „Ex-en“ monatlich blechen muss.

„Ja, aber;“ wende ich ein, „was wollen Sie denn für die „Männer“ erreichen, mit dieser Forderungen könnten Sie ja auch zwanglos eine Österreichische-Emanzen-Partei bewerben?“ „Wir wollen die ökonomische Eigenständigkeit der Frauen erreichen, um das politische Dogma zu beenden, dass Frauen versorgt werden müssen, koste es die Männer, was es wolle.“
„Männer werden durch das Familienrecht aber auch durch die vorgeschriebene „Positive Diskriminierung“ bei Ausschreibungen, durch die richterlichen Entscheidungen in Scheidungverfahren und den Gender-Zwang in der veröffentlichten Meinung ausgebeutet.

Unsere Söhne werden in Koch- und Nähkursen vergewaltigt. Ihnen fehlt im verwässerten Rollenbild, das ihnen unsere Gesellschaft vorspielt, ein echtes Vorbild!“
Ich verweise auf Hollywoods Blockbusterlinien von Batman zu Superman, aber er unterbricht mich sogleich. „ Aber Streifen wie 300 (http://www.imdb.com/title/tt0416449/? über König Leonidas heldenhaften Kampf gegen die Perser kommt nie ins TV, dafür bringen sie die Verulkung Meet the Spartans (http://www.imdb.com/title/tt1073498/releaseinfo?).
Kein Wunder, dass die Körperlichkeit der Männer verloren geht. Sie kennen doch die Studien, die seit Jahrzehnten von einer Abnahme der täglichen Spermienproduktion in unseren „Cochones“ berichten! Das kleine Y wird auch gesellschaftlich von dem riesigen X verdrängt!“

„Wir nehmen nicht mehr kommentarlos hin, dass das Geschlecht schon als individuelle Leistung anerkannt wird und in Ausschreibungen dazu führt, dass dem XX der Vorzug gegeben wird!“ Ich gebe ihm zu bedenken, dass er nur einen Buchstaben in seinem Satz ändern müsste, um bei Alice Schwarzer zum Tee geladen zu werden und bin überrascht, dass er gar nicht sauer reagiert. „Natürlich, Sie haben es begriffen, wie die seit Jahrzehnten medial gearbeitet und das Manntum herabgewürdigt haben. Unsere Gesellschaft ist männerfeindlich geworden. Dem militanten Feminismus setzen wir eine echte Gleichberechtigung der Geschlechter entgegen, die die Männer wieder an die Spitze der Pyramide bringen wird …..“

Bei der Frage, wann er seinen eigenen Sohn zuletzt gesehen hätte, wird er etwas ruhiger und gibt zu, „dass der sich gar nicht mehr so freut, wenn ich mit ihm Wandern, Rudern oder Fußballspielen gehe. Lieber sitzt er den ganzen Tag lang vor der Playstation bei den SIMS. Zahlen darf ich für ihn, und nicht zu knapp, aber das Besuchsrecht habe ich mir bitter erkämpfen müssen. Uns Männern bürdet man immer mehr auf, aber die Frauen kriegen ein eigenes Ministerium. Vermutlich soll sich nur mehr das Integrations-Staatssekretariat mit uns beschäftigen, auf einer Stufe mit all den Asylanten.“ Das Bild scheint ihm zu gefallen: „Asylant im eigenen Land!“

In einem letzten Versuch erinnere ich, dass in allen Entscheidungsgremien seit Jahrzehnten die Männer die Mehrheit haben. „“Es ist Tatsache, dass Frauen es gar nicht möchten, dass man sie in die Karriere hineinzwängt. Denen passt es ja ins Konzept, dass ihre Männer das im Lebenskampf durchsetzen, was sie ihnen am Abend abgepresst haben. “
Und was ist mit der Gewalt der Männer gegen Frauen, widerspricht das nicht Ihrer These?
„Väter werden oft schikaniert und benutzt. Mich wundert es nicht, wenn einer dann auszuckt. Wenn ich dermaßen diskriminiert und verarscht werde, würde mir auch der Kragen platzen.“ Ich werfe einen Blick auf seine auftrainierten Mukis und beendet rasch unser Gespräch. Ihm schien das ohnehin recht, denn er bewegte sich wieder zu den Steppern hin. Sein Gesicht sprach Bände als er bemerkte, dass zwischenzeitlich alle Geräte von weiblichen Wesen besetzt waren, die sich redlich bemühten „wieder in Form zu kommen“

Written by medicus58

17. August 2013 at 17:27

Der Christenpartei Wähler

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Wahlurnen

Ich treffe meinen Gesprächspartner in Wien am Fleischmarkt.
Mit der einen Hand drängt er einen jungen Frau, die sichtlich mit dem Erbrechen kämpft, ein rosafarbenes Babypüppchen auf, mit der anderen klammert er sich an ein großes Plakat, das einen daumenlutschenden Fötus in einer transparenten Gebärmutter zeigt.
Nachdem ihm die Frau in den Toreingang entwischt ist und er trotz intensiver Suche kein weiteres zu rettendes Schäfchen ausmachen kann, kommt er mit einem kräftigen „Grüß Gott“ zu mir herüber. Meine Frage, ob er sich denn bewusst sei, dass der abgebildete Fötus bereits ein Alter hat, in dem in keinem Land der Welt eine indikationslose Abtreibung durchgeführt werden darf, beantwortet er mit einer Gegenfrage:
„Ist Ihnen bewusst, dass die Medien seit Jahrzehnten immer wieder den Holocaust der Juden hochschreiben, aber der „Stille Holocaust“ von Millionen ungeborenen Christenkindern totgeschwiegen wird?
Schon im alten Karthago wurden die überflüssigen Weisen und Witwen getötet, um Armut und Leid in der Stadt zu reduzieren. Wir sind das moderne Karthago und wir werden dasselbe Schicksal erleiden.“

Drohend setzte er ein „Ceterum censeo Carthaginem esse delendam!“ hinzu und beschwört so mühsam verdrängten Lateinstunden herauf.  Jetzt befält auch mich etwas Übelkeit und ich versuche das Thema zu wechseln.

Ich frage ihn, ob es denn für Ihn ein Problem sei, dass die CPÖ (Christliche Partei Österreichs) in einigen Bundesländern nicht genügend Unterschriften sammeln konnten, um auch in diesen zur Nationalratswahl antreten zu können und ob das nicht eigenartig wäre, da in diesem Land über 2/3 der Bewohner einer christlichen Religionsgemeinschaft zugerechnet werden und somit potentielle Unterstützer einer Christenpartei sein müssten?
Er schwadroniert zuerst von den schikanösen Gesetzen, mit denen Gottlose und Sozialisten das Antreten verhindern würde. Meinen Einwurf, dass mit der ÖVP doch ohnehin eine sich ausdrücklich auf christliche Werte berufende Partei in der Regierung wäre, trägt mir eine verächtliche Handbewegung ein:
„Eine christliche Partei erlaubt keine Schwulen-Ehe!“
„Verpartnerung“, werfe ich ein, nur um mir ein donnerndes
„Sodom und Gomorrha: Aber die Leute zu Sodom waren böse und sündigten sehr wider den HERRN (Gen. 13,13)“ einzuhandeln.
Als ich bezweifle, dass die CPÖ eine reale Chance hat in den Nationalrat einzuziehen, verweist er auf die 5,2% der Stimmen, die ihre Spitzenkandidat Gehring bei der letzten Bundespräsidentenwahl erreicht hat und setzt mit dem Lieblingszitat seines Vorbilds fort, der gerne die Hl. Katharina v. Siena zitiert:

„Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten.“
Im übrigen würde in diesem Land einiges anders ausschauen, hätte es Gehring gegen diesen Austromarxisten Fischer geschafft.

Um die Stimmung zu heben, frage ich welche Bedeutung für ihn der Begriff der „Familie“ hat. Bereitwillig erzählt er mir, dass er mit seienr Gattin 6 Kinder hat, eigentlich wären es 8, aber zwei wären bei der Hausgeburt verstorben. Dann setzt er fort: „Die Familie ist die Keimzelle jeder Gesellschaft und somit des Staates. Sie beruht auf der „natürlichen Hinordnung von Mann und Frau zueinander“. Der Mann ist an seine Position gesetzt …… und auch die Frau. Alles andere hat den Begriff nicht verdient.“

Mich sticht der Hafer und ich wende ein, dass doch auch Gleichgeschlechtliche Zuneigung füreinander empfinden könnten. Sogleich verfinstert sich seine Miene und seine Halsgefäße treten pulsierend hervor:
“ Bei dem Gedanken an ineinander verschlungen Männerkörper, die sich schwitzend und zuckend auf dem Boden wälzen wird mir kotzübel! Das ist wider die Natur, das ist wieder das gesetzt Gottes! Der Verkehr wurde dem Menschen von Gott gegeben um Nachwuchs zu zeugen. Eine „Kinder-Mindesquote zum Staats- und Volkserhalt liegt bei 2,1. Diese muss von uns erreicht werden, sonst überschwemmen uns Andersartige und unterminieren Volk und Glauben. Die, die uns zu anderem als den heilige Bund zwischen Mann und Frau verführen wollen, tun dies in der teuflischen Absicht das christliche Abendland zu schwächen. Öffnen Sie die Augen, durch diese Welt jagt eine Welle der Christenverfolgung nach der anderen“.

Mit zunehmender Verzweiflung werfe ich ein, dass niemand das Bungee-Seil von Dompfarrer Faber durchschnitten hat und ich weit und breit keinen christenverfolgenden Nero sehe. Er bekreuzigt sich: „Das liegt nur an unseren von sozialistisch-zionistischem Gedankengut unterwanderten Medien. Zwischen 80% und 90% aller religiös Verfolgten sind Christen. Im Durchschnitt wird heute alle drei Minuten ein Christ wegen seinem Glauben umgebracht.“
Bei meiner späteren Recherche verlor ich übrigens auch noch meinen Glauben an Wikipedia: http://www.kathpedia.com/index.php?title=Christenverfolgung)

„In unserer Neuheidnische Spass und Wegwerfgesellschaft muss man sich ja als gläubiger Mensch schon rechtfertigen, wenn man für christliche Werte eintritt. In unserem Alltag ist alles Heilige verpöhnt und das Unheilige wird umjubelt, deshalb müssen Christgläubige zusammenhalten und das Kreuzerl an der richtigen Stelle machen. Nicht nur damit wir unseren korrupten  Politikern, die längst vom wahren Glauben an Gott dem Herrn abgefallen sind, einen Dämpfer verabreichen, sondern auch um all den Abweichlern und Modernisierern in unserer  heiligen, katholischen und apostolischen Kirche ein mächtiges Signal zu geben.“

Am Horizont taucht eine junge Frau auf, die in Richtung des besagten Hauseinganges zu gehen scheint. Er lässt mich stehen und versucht ihr den Weg abzuschneiden.
Sein herausforderndes „Grüss Gott“ ruft er mir schon von der gegenüberliegenden Straßenseite zu, so dass er mein Gemurmel kaum mehr verstanden haben wird:
„Grüssen Sie Ihren Gott auch für mich, ich habe meinen noch nicht gefunden.“

Written by medicus58

14. August 2013 at 18:41

Der Schwarzwähler

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Wahlurnen

Wir treffen uns in der einzigen Konditorei einer niederösterreichischen Kleinstadt. Sein Arbeitsplatz, die Hypo NÖ liegt gleich gegenüber. Er trägt trotz der aktuellen Außentemperaturen Anzug, Krawatte und Ehering.
Verheiratet, 2 fast erwachsene Kinder, „wie es sich gehört zuerst a Bub und dann des Mensch“, die Frau macht den Haushalt und pflegt seine Mutter.
Bei der nächsten Gelegenheit hofft er, dass er zum Sprecher des Pfarrgemeinderats gewählt wird.
Seine Eltern hatten noch eine kleine Landwirtschaft betrieben, waren aber froh, dass „er es zu etwas gebracht hat“. Fürs Gymnasium war er in der Kreishauptstadt. Nach seiner Ausbildung kehrte er aber gern aus dem Trubel wieder in seine Heimatstadt zurück und begann auf Intervention eines Landespolitikers, den er noch aus der Schulzeit kannte, bei der Hypo..
Die Landwirtschaft der Eltern hat er verpachtet, das Wohnhaus mit Förderungen vom Land umgebaut.
Von  Andreas Maurer hat er gehört, den plötzlichen Abgang von Siegfried Ludwig will er nicht kommentieren und „was kann man denn über den Erwin Pröll in Niederösterreich Schlechtes sagen?“

Inzwischen werden die bestellten Getränke gebracht, er trinkt einen „Cappuchino“ und ich wundere mich über seinen plötzlichen Hang zur Exotik. Ich habe eine „Melange“ bestellt und mir wurde ein „Verlängerter“ gereicht.
Also Hobby gibt er „Wandern und seine Familie“ an und fühlt sich den christlichen Werten der ÖVP verbunden. Er hat nie etwas anderes gewählt, ist aber kein Parteimitglied. „Da heraußen weiß eh jeder wofür man steht.“

Inzwischen hat er noch einen Apfelstrudel nachbestellt, den er mit dem heute noch geplanten Abendspaziergang entschuldigt.
Er fühlt sich fit und muss das auch sein. Seit seinem Präsenzdienst als Einjährig-Freiwilliger nimmt er regelmäßig an Bundesheerübungen teil, für die er natürlich beruflich freigestellt wird. Seit dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ ist es seiner Meinung noch wichtiger, dass Österreich seine Grenzen schützt. Im Norden Niederösterreichs ebenso wie in Zypern.

 

Den Staatssekretär Kurz findet er nicht so auf seiner Linie, räumt aber ein, dass er „ein Signal für die Jungen“ wäre. Er spricht zwar nicht gerne darüber, aber seiner Meinung nach müssten wir uns mehr gegen das langsame Eindringen des Islams zur Wehr setzen. Das äußere Zeichen unserer Dörfer und Städte ist der Kirchturm und nicht das Minarett, der Treffpunkt das Dorfwirtshaus und nicht die Kebab-Bude.

Aus diesem Grunde ist es richtig, dass die ÖVP das Innenministerium leitet, vielleicht sollte es aber in der nächsten Legislaturperiode doch wieder ein Minister sein, auch wenn das die Mikl-Leitner ganz gut macht. Auch das Verteidigungsministerium gehört wieder in ÖVP Hand, „sonst sperren’s uns da heroben noch die letzte Kaserne vor der Nase zu; auch der Truppenübungsplatz Allensteig ist enorm wichtig, … für die Region.“

 

Bei der Frage, was er vom ÖVP Wahlslogan „Wirtschaft entfesseln“ hält, meint er wenig enthusiastisch, dass „es uns nur gut geht, wenn’s der Wirtschaft besser geht“, fügt aber hinzu, dass die Förderungen, die das Landwirtschaftsministerium für den ländlichen Raum ausschüttet, mindestens ebenso wichtig wären. Bei den geplanten „Windparks“ ist es ihm nur wichtig, dass die nicht in unmittelbarer Nähe zu seiner Heimatstadt aufgestellt werden, weil „Windräder verschandeln die Landschaft“.

Zum Thema „Strasser kam aus der ÖVP NÖ“ meint er nur trocken, dass der – so glaube er – ohnehin die Partei verlassen hätte.

Den „Michi Spindelegger“ kennt er „vom Heer her“ und bewundert ihn, dass er es nach der Matura.noch zu einem Studium gebracht hat. Für ihn wäre Wien nix gewesen: „Zu viele fremde Menschen“. Ob der „Michi“ es bei der Nationalratswahl zum Bundeskanzler schaffen wird, da ist mein Gesprächspartner weniger optimistisch („Das sagt man so im Wahlkampf“), aber: „schließlich hat es der Schüssel auch geschafft!“. Nachsatz: „Der stammt aber aus Wien, da tut man sich leichter, da unten.“
Aber letztlich ist ihm die Landespolitik wichtiger, denn der Bürgermeister kann ihm seinen Acker umwidmen, der Landesrat „seinen Buam wo reinbringen“ und wenn der Landeshauptmann im Ort vorbei kommt, dann hat er auch immer wieder ein offenes Ohr für seine Anliegen. Ganz nach dem Motto der Hypo NÖ: „Freunde bringen Freunde; Empfehlen Sie uns weiter“.

 

Written by medicus58

12. August 2013 at 07:42

Der Team Fränk Wähler

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Wahlurnen

Wir treffen einander in seinem Schrebergarten. Im Hintergrund läuft auf Radio Arabella gerade Helene Fischer „Für einen Tag“. Auf dem Gartentisch aus etwas verwittertem Teakholz liegt die „Kronen-Zeitung“ von gestern.
„Das ist mein Reich, das ich mir selbst erschaffen habe“, meint der frühpensionierte Haupschullehrer.
Auf die Frage, was er denn gewählt hätte, ehe Uncle Fränk Partei gemacht hat, kommen so ziemlich alle daher, von denen er nun enttäuscht ist. ÖVP unter Mock,  FPÖ unter Haider, BZÖ unter Haider, dann Nichtwähler, weil „den Grasser konnte man ja nicht wählen“. „Das san alles Falotten, die sich in der Politik nur bereichert haben! Der Stronach hat des net notwendig, der hat eh schon alles.“

Auf die Frage, ob er denn den Namen des Spitzenkandidaten vom Team Stronach kennen würde, meint er zuerst „Richard Lugner“ und setzt dann ein zögerliches „oder so ähnlich“ nach. Sicherer ist er bei der Frage, was ihm denn am Parteiprogramm wirklich gefalle. „Der Stronach hat sich das alles erarbeitet und mit der Politik nichts zu schaffen.“ Er interessiere sich zwar persönlich weder für Autoersatzteile oder Pferderennen, aber er fühle, dass er Franks Werte teilen würde:

Runter mit dem Defizit, Runter mit den Steuern, Weg mit dem Euro! Schluss mit den Privilegien für Politiker, Weg mit den Gewerkschaftsbossen!
„Politiker sollen dem Land dienen!“ ist vermutlich der Satz, der ihn am stärksten beeindruckt hat, das erinnert ihn an Kennedy, nur ist der halt schon tot. Ich bleibe beim Thema und frage mein Gegenüber, wie er sich denn den weiteren Weg der Partei, die keine sein will sondern ein „Team“ in dem Frank alles vorgibt, so vorstellt; schließlich wird der Strohsack Franzl im September knackige 81!

Damit habe ich offenbar einen wunden Punkt getroffen, er selbst ist nämlich erst Anfang 60. „Der Adenauer ist 91 geworden und da hat der Frank noch genug Zeit. Außerdem hat er ein junges Team um sich geschart!“ Dass die ehemalige ORF Generaldirektorin Monika Lindner, der letzte Zugang zum Team Stronach, im September auch ihren 69 Geburtstag feiern wird, diesmal wohl kaum im Kreise ihrer Förderer Pröll und Konrad, findet er nicht so schlimm und schwenkt um:
„Schau’n Sie, es wäre vielleicht eh wieder Zeit, dass mehr erfahrene Männer die Politik in diesem Land bestimmen. Schließlich verdankt es Österreich der älteren Generation, dass es dorthin gekommen ist, wo es heute steht.“

Es hat ihn nicht gestört, dass Stronach seine ehemaligen Berufskollegen („6000 Problemlehrer müssen freigesetzt werden“) kritisch sieht: „Ah, da fallen mich noch mehr ein, die ich in Frühpension geschickt hätte, wenn ich was zu sagen gehabt hätte!“.
Überhaupt gefällt ihm, dass Stronach es sich einfach leisten kann „ehrlich“ zu sein, beim überheblichen Wolf in der ZIB2 und dem niederösterreichischen Landeskaiser Pröll gegenüber. „Wenn ich dem sein Geld hätte, würde ich mir das nicht antun, das imponiert mir.“

Dann erklärt sich der Versprecher vom Beginn unseres Gesprächs: “Irgendwie erinnert mich Stronach an den Lugner, auch so ein selfmade-man. Den hätte ich mir damals (1998; Anmerkung) auch als Bundespräsident vorstellen können.“ Dass Stronach im Gegensatz zum „Mörtel“ ohnehin nie versprochen hat irgend ein politisches Amt anzunehmen, ist ihm egal, denn „des san eh alles Falotten“. Womit wir das Gespräch wirklich an den Anfang zurückgeführt haben.

Links:
Hitler, Haider, Stronach uva
 http://wp.me/p1kfuX-C5
Uncle Fränk macht Partei  http://wp.me/p1kfuX-mm

Written by medicus58

11. August 2013 at 14:32

Der Grünwähler

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Wahlurnen
Er kommt etwas verschwitzt unter seiner Funktionswäsche zum Interview, weil er „is mit’m Radl do“. Den Song kenne er seit seiner frühesten Kindheit (Energiekrise, autofreier Tag und so …), nur war er damals bestenfalls auf Drei-Radl unterwegs. Heute leistet er sich selbstverständlich ein Simplon Razorblade 30 Gang im schicken Carbonrahmen, Spezialanfertigung für den Gegenwert eines kleinen Gebrauchtwagens. Das hat er sich für die Prämie nach seinem letzten Projektauftrag vom Bundesministerium geleistet, aber der ist nun auch schon etwas länger her.

 

Wir treffen uns in einem der vielen Gastgärten in Bobo-City, vormals Neubau oder 7. Wiener Gemeindebezirk, die die restlichen Parkplätze der Gegend verstellen und ordern einen Hanftee. Später werden es dann einige Aperol Spritz werden, solange der VorRAD reicht. Vorrat, natürlich, ich bin durch seinen strengen Schweißgeruch, der sein atmungsaktives Trikot durchdringt, noch immer benebelt.

 

Die Fragen nach seiner Ausbildung sind rasch abgearbeitet, Pädak, dann ein bisschen herumstudiert und an der Hochschülerschaft mitgearbeitet, hie und da „etwas für eine NGO“ gemacht, aber „das war’s nicht“. Schließlich Projektmitarbeit bei einem alternativen Meinungsforschungsinstitut, ein bisschen Grafik, Väterkarenz, dann Alimente und zuletzt eher weniger. Er hat Aussicht auf die Mitarbeit an einer Broschüre des Lebensministeriums oder ein freies Kunstprojekt im Waldviertel, man wird sehen.

Seine aktuelle Freundin ist Veganerin, er steht nur ab und an auf „Gras“. Sie mag das nicht so, deshalb hat er auch noch einen Schlafsack in der WG einer befreundeten Performancekünstlerin.

 

Auf meine Frage, was für ihn politisch denn besonders wichtig wäre, spricht er von „Freiräume wiedererobern“ und „nachhaltiger Partizipation“. Die Maria findet er eh klass, weil sie Migrationshintergrund aus Südeuropa hat, die Eva auch, Kärnten eben. Ja, beim Lichtermeer war er dabei, solange bis er seine Freundin abgeschleppt hatte, nein nicht die Veganerin, das ist lange her, die war aber auch Vegetarierin, oder so eben, nur halt viel zu links. Peter Pilz ist halt nicht so sehr seine Sache und „Wer ist Öllinger?“.

Grün wählt er weil die schon damals auf der Uni ein alternatives Kaffeehausprojekt unterstützt haben und gegen rechts waren und wegen der Umwelt eben. Seit er den alten Peugeot gegen seinen Drahtesel eingetauscht hat, ist er sich auch seiner CO2-Bilanz sicher und steckt eine Selbstgedrehte an. Ja, er hat sich das Rauchen, nicht das Gras, auch schon mehrfach abgewöhnen wollen, aber das hätte seiner Leber nicht gut getan.

Ja, aber warum er grün wählt: „Ja, ganz einfach. Schau, die Sache mit dem Klassenkampf und Arbeiterrechten so ist ja so was von retro, das haben die Sozen halt nie gecheckt. ÖVP hat sein Vater, ein Gymnasiallehrer immer gewählt, das kann er schon aus Prinzip nicht. Die Blauen haben ihn schon am Schulweg verdroschen und liberal, ja liberal ist er schon, nur halt anders rum. Meistens geht er ohnehin nicht zur Wahl, weil das „ist jetzt auch nicht so meins, verstehst?“.
Wir haben die Aperols hinter uns gelassen, haben den „Sommer“ aus dem G’spritzten weggelassen und nehmen den Französischen Landwein pur.
Das mit der Schwulenverpartnerung findet er klass, wenn sich die das antun wollen und bezüglich der Behindertenfrage, er lächelt verschmitzt, ist er ganz offen. Die geht ihm rechts rein und links raus.

„Und weißt Du“, schiebt er noch nach, nachdem ich die Rechnung übernommen habe, „das ganze Politische ist überhaupt schon so was von überholt. Es reicht, wenn man einen Standpunkt hat, da kommt’s auf das Kreuzerl nicht so an.“
Ich schau ihm versunken nach, wie er leicht meandrierend auf seinem Carbonrahmen den Gehsteig hinauffährt, den Zebrastreifen kreuzt, die rote Ampel negiert und tiefer in Bobo-City verschwindet. Die Alte, die er leicht gestreift hat, hat sich auch schon wieder aufgerappelt.

Written by medicus58

9. August 2013 at 19:30

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