Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Just another Day in Pandemia

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Während wir im Standard lesen können, wie sich sogenannte Experten von der Politik gängeln lassen (Corona-Kommission rudert nach „Anruf“ mit Empfehlung zurück), die Intensivstationen nicht genug Luft haben, um das Ersticken der anderen Bereiche verhindern zu können, und der Politprofi im Gesundheitsministerium zu den Öffnungsschritten das tut, was Politprofis halt so können, wortreich schweigen, schaut das woanders nicht viel anders aus.

In UK hebt die Regierung die Impfpflicht für Gesundheitspersonal im staatlichen Gesundheitssystem auf, die Berufsvertretung bezweifelt, dass das die zurück bringt, die längst gekündigt haben. BA.2 ist nicht gefährlicher als BA.1, die Rate der täglich neuen positiv Getesteten ist um 24%, die Hospitalisierung aber trotzdem nur um 8% gefallen.

In Frankreich fiel die Anzahl der täglich neu gemeldeten Fälle sogar um 27% und die Hospitalisierung um 15%, der Prozentsatz der kritisch Kranken liegt aber noch 60% über der als kritisch angesehenen Marke, um mehr zu öffnen.

Deutschland und Österreich haben inzwischen Novavax, aber wenige wollen es.

In der Schweiz fielen wie in Österreich die meisten Einschränkungen, nach einem Abfall steigen die positiven Tests wieder und die Zahl der kritisch Kranken bleibt hoch.

Belgien und Italien zeigen bei allen Pandemieindikatoren eine günstige Entwicklung, nur scheint in Italien ein Plateau in der Impfwilligkeit (auf hohem Niveau) erreicht und hat vielleicht überraschend noch kaum BA.2 des Omicron.

Auch Portugal und Spanien entwickeln sich gut, von der Maske verabschieden will man sich noch nicht.

Die USA setzten vermehrt auf eine Test to Treat Strategie, was die Pharmaindustrie freut, da sie zuletzt sowohl bei den Impfungen für die unte 5-Jährigen,noch mit den an Omicron adaptierten Impfungen erfolgreich war.

Brasilien hofft auch das Schlimmste hinter sich zu haben fürchtet aber noch allfällige Nachwirkungen illegaler Karnevalfeiern.

In Afrika bessern sich die Indikatoren, außer in Lesotho, der VR Kongo und Ghana. Marokko sperrt erstmals nach 2 Jahren die Fußballstadien auf.

In Asien erleben gerade die Staaten, die bislang mit einer No Covid Strategie (Hongkong, Neuseeland,..) gut durch die Pandemie kamen, eine starke Omicronwelle. Indien sieht fallende Indikatoren, Delhi hebt viele Sanktionen auf, behält aber die Maske bei.

In The Lancet glaubt man mit enormen statistischem Aufwand nachweisen zu können, dass weltweit zwei Drittel aller Covid Toten nicht erfasst wurden, kann die großen Unterschiede zwischen einzelnen Ländern und Regionen auch nicht wirklich klären.

Und in der Ukraine sterben Menschen mit, an und trotz Corona vorzeitig.

Ein Teil der Meldungen stammen von hier, wo es auch weiterführende Links zu den Statements gibt.

Written by medicus58

11. März 2022 at 17:00

Die Geschichte lehrt, dass wir unbelehrbar sind.

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Was wir aktuell in der Ukraine Berichterstattung erleben ist das Revival alter medialer Routinen, die wenig zur Lösung aber viel zum Verständnis unserer Vorfahren beitragen, über deren vermeintliche politische Dummheit sich gerade heute so viele empören, denen das Glück der späten Geburt zuteil wurde.

Am Anfang steht ein ungelöster Konflikt, im Fall der Ukraine seit gut zwei Jahrzehnten.

Parallele 1

Auch vor 1914 gab es mehrere Konflikte mit Serbien. Wer Krieg will stellt unerfüllbare Forderungen. Damals taten dies nur die Österreichisch – Ungarische Monarchie und das Deutsche Reich, heute tun dies sowohl Putin als auch die NATO.

Parallele 2

Wer Wahlen gewinnen will, versteckt seine Intentionen hinter einem Lügengebäude.

1914 musste Serbien sterbien, obwohl es an der Ermordung des Thronfolgers nur sehr indirekt beteiligt war.

1939 steckte das III. Reich eigene Soldaten in polnische Uniformen und überfiel einen Radiosender, um einen Grund für den Krieg zu konstruieren.

2003 begründeten die USA und UK den 2. Irakkrieg mit Massenvernichtungswaffen und Al-Qaida. Beide Vorwürfe konnten nie erhärtet werden.

Parallele 3

Egal ob 1914, 1939, 2003 oder 2022, man kann noch soviele Berichte lesen, was auch immer wahr ist, lässt sich vielleicht in einem Jahrzehnt, keinesfalls im Augenblick klären.

Wer der Boss und wer der Gauner ist, ist anders als im Onlinespiel Mafia unklar.

Da passt das gerade von @kolbapeter getwittert wurde:

Die Oberen reden von Frieden. Kleiner Mann mache Dein Testament.

Bert Brecht

Written by medicus58

20. Februar 2022 at 18:05

Keiner mag Juden oder Palästinenser, deshalb sollten sie lernen einander zu mögen

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Dass niemand die Juden mag, beweist die europäische Geschichte seit Jahrhunderten mit schrecklicher Deutlichkeit.
Vielleicht käme der Nahe Osten einer Lösung näher, wenn auch diePalästinenser, also jene überwiegend arabisch sprechenden Menschen, die in ehemaligen britischen Mandatsgebiet Palästina wohnen, erkennen würden, dass auch sie von niemanden gemocht werden.
Sicher nicht von ihren „muslimischen Brüdern„, die sie stets nur in diesem Ausmaß bewaffnen, dass sie Israel zwar angreifen aber nicht wirklich gefährden können. Politisch ist es viel vorteilhafter die Palästinenser in Geiselhaft zu wissen, als sie zum Beispiel innerhalb den eigenen Landesgrenzen aufzunehmen (Jordanien ist hier noch eine relativ löbliche Ausnahme).
Sicher nicht von ihren „christlichen Brüdern“ (ca 20% sind Angehörige der orthodoxen Kirche), deren berechtigt schlechtes Gewissen den Juden gegenüber sie an einer eindeutigen Positionierung hindert. Die Zahl der palästinensischen Flüchtlinge ist relativ gering.
Sicher nicht von denen, denen die Schatten des Konflikts gute Geschäfte machen.

Mich erinnert das an eine Nacht, die ich in einem Kibutz an der israelisch-libanesischen Grenze verbrachte. Die Bewohner, die sehr überrascht waren, als ich abends an ihrem stacheldrahtbewehrten Eingangstor stand und Einlass verlangte, erzählten mir von den Granaten, die immer wieder bis in ihren Gemüsegarten flogen. Sie vermieteten den frei stehenden Bungalow eigentlich nicht an Ausländer (ich habe mich auf der Suche nach einem Nachtquartier einfach verfahren), machten aber eine Ausnahme. Es handelte sich um jüdische Einwanderer aus Osteuropa, überwiegend Russland, die von der israelischen Regierung hier an der zu diesem Zeitpunkt sehr unruhigen Grenze angesiedelt wurde. Sie hatten trotz dieser „Siedlungspolitik“ nicht das Gefühl Kanonenfutter in diesem Konflikt zu sein, schließlich befand sich gleich nebenan eine Kaserne der israelischen Armee, die sie ja beschützte.

Die Fenster waren verklebt, um abends keine Zielscheibe abzugeben.

Daran muss ich denken, wenn sich jetzt viele Palästinenser offenbar von der Hamas eher beschüzt als als Kanonenfutter missbraucht fühlen.

Es fiel mir bei meiner Reise durch Israel oft schwer zu entscheiden, wer Jude und wer Palästinenser war. Abgesehen von der unterschiedlichen ökonomischer und militärischer Macht, die zu disproportionalen Opferzahlen führen,scheinen mir auch die Probleme beider Gruppen viel ähnlicher, als die „politischen Führer“  auf beiden Seiten zugeben.

Den Sommerlöchern von heute fehlt der Sommer

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Sommerloch

Erinnern Sie sich noch an die Sommerlöcher (engl. silly season) meiner Jugend?

Nessi das Monster aus Schottland,
Mann biss Hund oder
Problembär Bruno

verkürzten die Zeit bis zum wohlverdienten Urlaubsantritt oder zauberten noch ein leinmal das unbeschwerte Lächeln der vergangenen Urlaubserlebnisse herbei.

Ist es altersbedingt selektives Vergessen und nostalgische Verklärung der Zeit, in der man seine Zeit eher im Freibad als auf Twitter verbracht hat, aber der hormonverklärte Sonnenuntergang am Meer wurde schon längst vom waffeninduzierten Weltuntergang in Scheibchenform abgelöst.

Mussten sich die urlaubsbedingt ausgedünnten Nachrichtenagenturen ihre Schlagzeilen damals noch aus dem Gurkenglas fischen (Sauregurkenzeit), verdrängt der ächste militärische Gegenschlag, das nächste abgesoffene Flüchtlingsboot und der unerwartete Kollateralschaden, den scheinbar unüberbietbaren Horror der vorangegangenen Stunde.

Druck wird erhöhtRache wird geübtDemos werden abgehalten und allenthalben sterben Menschen,
dazwischen gedenken wir noch ein bißchen der Mondlandung am 20. Juli 1969.

Da hilft – wie so oft ein Blick in das, was fleissige Geister in derWikipedia zusammengetragen haben: Unter der Fülle an Ereignissen, die alle am 20. Juli stattgefunden haben (http://de.wikipedia.org/wiki/20._Juli) finden sich durchaus Beispiele dafür, dass auch früher im Sommerloch gestorben und gemordet wurde:

1546: Kaiser Karl V. verhängt über Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen und Landgraf Philipp I. von Hessen die Reichsacht. Damit wird der Schmalkaldische Krieg mit der protestantischen Seite ausgelöst.

1552: Nach der Eroberung von Temesvar wird das Banat Bestandteil des Osmanischen Reiches. Die Osmanen verbreiten den Islam.

1630: Der schwedische König Gustav II. Adolf zieht nach seinem Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg in Stettin ein.

1632: Vor Wiesloch kommt es zu ersten Kämpfen zwischen schwedischen Einheiten unter Gustav II. Adolf und kaiserlich-bayerischer Reiterei, die die Schweden für sich entscheiden.

1728: Eine französische Flotte beginnt mit der Bombardierung von Tripolis, in dem sechstägigen Beschuss wird die nordafrikanische Korsarenstadt fast völlig zerstört.

1866: Die Österreichische Marine unter Admiral Wilhelm von Tegetthoffbesiegt die überlegene italienische Marine in der Seeschlacht von Lissa.

1881: Der Sioux-Häuptling Sitting Bull kapituliert mit seinen Gefährten in Fort Buford (Norddakota) gegenüber der United States Army.

1905: In Deutsch-Ostafrika beginnt der Maji-Maji-Aufstand.

1920: Die deutsche Regierung erlässt im Hinblick auf den Polnisch-Sowjetischen Krieg ein Waffenembargo und unterstreicht damit ihre Neutralitätserklärung für diesen Konflikt.

1944: Operation Walküre: Claus Graf Schenk von Stauffenberg verübt ein Attentat auf Adolf Hitler, das jedoch scheitert.

1949: Syrien schließt als letzter Kriegsgegner im Palästinakrieg ein Waffenstillstandsabkommen mit Israel.

1951: König Abdallah I. von Jordanien wird auf dem Tempelberg in Jerusalem ermordet.

1974: Zypern-Konflikt: Die Türkei besetzt als Folge des Militärputsches vom 15. Juli unter Berufung auf den Londoner Garantievertrag 1959 den Nordteil Zyperns.

1977: Libysche Artillerieeinheiten beschießen die ägyptische Grenzstadt as Sallum und den Halfaya-Pass, nachdem ein Protestmarsch gegen die Annäherung Ägyptens an Israel von ägyptischen Soldaten gestoppt worden ist. Damit beginnt der fünftägige Libysch-Ägyptische Grenzkrieg.

1985: Rassenunruhen veranlassen die südafrikanische Apartheid-Regierung für 36 Bezirke im Land den Ausnahmezustand zu verkünden.

1999: Mit einer Verhaftungswelle beginnt in der Volksrepublik China die systematische Verfolgung von Falun-Gong-Praktizierenden.

1999: Ernst Volker Staub und Daniela Klette, Mitglieder der seit April 1998 offiziell aufgelösten RAF, überfallen in Duisburg einen Geldtransporter mit einer Panzerfaust.

2001: Der Italienische Aktivist Carlo Giuliani wird während einer Demonstration zum G8-Gipfel in Genua von einem Polizistenerschossen.

Ok, diese Einträge umspannen – im Gegensatz zu meinem Kurzzeitgedächtnis – fast 500 Jahre, aber scheinen das Konstrukt der ruhigen Sommerzeit doch etwas löchrig zu schiessen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es früher sinnvoller schien, den Menschen ein friedliches Umfeld vorzugaukeln, um sie nicht am Konsumieren der Wirtschaftswundertüte zu hindern und jetzt einfach mehr unsere Kooperation am propagandistischen Endkampf eingefordert wird.

NYT :15th July 2014 In Call, Obama and Merkel Discuss ‘Cooperation’ on Intelligence http://www.nytimes.com/2014/07/16/world/europe/in-call-obama-and-merkel-discuss-cooperation-on-intelligence.html?

‏ מדינת ישראל‎- Medinat Jisra’el – ‏دولة إسرائيل‎ – Daulat Isrāʾīl

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Ausgelöst durch die aktuellen Headlines:

Liveticker Krise in NahostIsrael bringt am Gazastreifen Panzer in Stellung
http://www.focus.de/politik/ausland/nahost/liveticker-krise-in-nahost-israels-armee-ruestet-sich-fuer-die-grosse-bodenoffensive_aid_861952.html
Nach Raketenangriff auf Tel Aviv: Israel schlägt massiv zurück:

http://www.stern.de/politik/ausland/nach-raketenangriff-auf-tel-aviv-israel-schlaegt-massiv-zurueck-1927161.html

möchte ich mich an ein paar Erlebnise in Israel erinnern.
Die Zeit war eine turbulente für die Region. In der ersten Woche meines Aufenthaltes „leakten“ erstmals Nachrichten vom Osloer Friedensprozess (http://de.wikipedia.org/wiki/Oslo-Friedensprozess).
In Jerusalem protestierten Gegner und Befürworter, das Militär war in Alarmbereitschaft, auf den Überlandstrassen wurde man immer wieder kontrolliert und BBC World lieferte immer neue Details über die Geheimgespräche im Hohen Norden.

Das erste Erlebnis
, von dem ich erzählen möchte, hatte ich auf meinem Weg an die libanesische Grenze mit einer israelischen Autostopperin. Mir war langweilig in meinem kleinen Fiat 127 und so freute ich mich über die Gelegenheit für ein Gespräch. Als wir wieder einmal von eienr Militärstreife angehalten wurden und uns ausweisen mussten, knurrte ich beim Weiterfahren etwas von, „… wie sehr mir diese Militärpräsenz auf die Nerven geht.“
Meine Beifahrerin, die erst vor wenigen Jahren aus Russland nach Israel emigiriert war, meinte, dass sie ihr das zwar auch seh geht, jedoch hat sie in Israel im Gegensatz zu Russland wenigstens das Gefühl, dass sie hier von ihrer eigenen Armee kontrolliert würde.

Das zweite Erlebnis
spielt in einem Kibuz knapp an der libanesischen Grenze, in dem ich die Nacht verbrachte. Ich löste bei meinem Erscheinen große Verwunderung aus, denn den Kibuz, den mein Reiseführer als Übernachtungsmöglichkeit anführte und der somit öfters mit ausländischen Gästen konfrontiert war, hatte ich um einige Kilometer verfehlt. In der Siedlung in der ich mich nun befand kamen nur fallweise einige Stammgäste aus Tel Aviv vorbei, trotzdem durfte ich es mir in einer der Holzhütten bequem machen. Die Anlage befand sich unnmittelbar neben einem Militärlager, war aber trotzdem mit Stacheldraht geschützt und abends versperrt. Noch am Abend erfuhr ich, dass hier regelmäßig aus dem Libanon abgefeuerte Raketen einschlugen und erst letzte Woche dadurch das Dach einer der Hütten durchschlagen wurde …. Ich hatte eine ruhige Nacht.

Das dritte Erlebnis hatte ich als ich scheinbar als einziger PKW über den Golan brauste. Die Straße meandrierte über die Hügel und die Sache mit der Geschwindigkeitsbeschränkung schien nicht so ernst zu nehmen. Als ich so mit ca. 120 km/h über eine Hügelkuppe brauste, erblickte ich vor mir eine Straßensperre; so mit alten Ölfässern auf der Fahrbahn und bds. hinter Sandsäcken verbarikadierten Soldaten. Ich legte eine Notbremsung hin, aber es gelang mir nicht vor der Sperre stehen zu bleiben, so dass ich in die S-Kurve, die zwischen den Fässern freigeblieben war hineinschlitterte, ehe mein Auto zum Stillstand kam. Als ich den Wagen endlich zum Stillstand gebracht habe und aufblickte, waren ein gefühltes Dutzend Maschinengewehre auf mich gerichtet. Instinktiv hob ich beide Arme und wartete, bis der Zugführer, ein 2m Prügel mit der Statur eines Basketball-Pros, mit auf mich gerichteter MP an mein Auto trat. Er schien realisiert zu haben, dass es sich bei mir nicht um einen Selbstmordattentäter handelte und verlangte aber trotzdem nach meinen Papieren. Danach fragte er mich, ob ich den wisse, was dzt. in Israel „los wäre“. Da in meinem Wagen BBC Radio lief, war ich über die Unruhen informiert. Dann meinte er nur, dass es gestern Nacht nur wenige Kilometer von hier zu einem tödlichen Anschlag auf eine Militärstreife gekommen war und dass ich mich nicht darauf verlassen sollte, dass auch seine Kollegen so starke Nerven wie er hätten.

Unvergesslich werden mir auch später in Jerusalem die Demonstration vor der Knesset bleiben, in der sich die israelischen Gegner des Friedensprozesses ihre eigne Regierung als Nazis beschimpften und die israelischen Befürworter einer Einigung mit den Palestinensern den Gegner die baldige Ausrottung wünschten ….
Es fielen jedenfalls Worte, die sich selbst der österreichische Stammtisch selten getraut in den Mund zu nehmen.

Als ich dann in einer kleinen Gruppe von österreichischen und israelischen Wissenschafters in einem der relativ wenigen Lokale, die sich der traditionell jüdischen Küche rühmten, das  Abendessen einnahm, war ich der einzige am Tisch, der sich am stundenlang gekochten, gefüllten Därmen delektierte. Die Schimpftiraden der anwesenden jüdischen (! ) Professorin über die steuerbefreiten Orthodoxen im Land, hätten so manchem österr. Antisemiten die Schamesröte ins Gesicht getrieben.

Das letzte Erlebnis, von dem ich hier berichten möchte, hatte ich bei der Ausreise am internationalen Flughafen von Tel Aviv.
Als alleinreisender Mann schien ich offenbar hoch verdächtig, so dass ich ca. 45 Minuten von einem Sicherheitsbeamten befragt wurde.
Ich habe ihm schon zu Beginn erklärt, dass ich wegen eines wissenschaftlichen Kongresses über die neuesten Erkenntnisse in der Atheroskleroseforschung
nach Israel gekommen war und einfach davor eine Woche Urlaub gemacht habe, um mir das Land anzuschauen. Mein Fehler war aber, da mich seine dauernden Fragen wo ich den war und wohin ich von dort fuhr, nervten, ihm einfach meine Straßenkarte auf den Tisch legte, in der penibel meine Reiseroute eingezeichnet war:
Libanesisches Grenzgebiet, Golan, „besetzte Gebiete“, gerade Gaza hatte ich ausgelassen.
Mag sein, das auch die Unterlagen meines Mietwagens, ich hatte das Ding nach langem Feilschen von einem „arabischen Israeli“ in Tel Aviv gemietet, ihn beunruhigten, jedenfalls berichtete er dann ausführlich seinem offensichtlichen Vorgesetzten von seinen Erkennen, der diese dann in einem neuerlichen Gespräch mit mir cross-checkte.
Der Höhepunkt kam aber zuletzt. Nachdem ich Dutzende Fragen zu meiner Anstellung an der Wiener Uni,
zu meinen bisherigen Reisen (ich hatte zum Glück einen relativ neuen Pass, so dass sich das Gratisvisum für Ägyptens nicht mehr darinnen befand)
und was weiß ich noch alles immer wieder beantwortet, kam er triumpfierend mit der letzen Frage:
Erklären Sie mir Atherosklerose …
Ich fürchte, dass ihn meine Erklärung auch nicht schlauer gemacht hat, jedenfalls durfte ich an Bord meines Fliegers gehen …

Ob mir meine zwei Wochen in Israel gefallen haben?
Schwer zu sagen, interessant waren sie auf jeden Fall.
Als ich im Vorjahr von Akkabah (Jordanien) wieder nach Eilat (Israel) blickte dachte ich an meine damalige Israelreise und den damals geschlossenen Grenzübergang zwischen beiden Ländern – kurz vorher kam es in Eilat (vermutlich von Sinai aus) zu einem tödlichen Anschlag auf das israelische Militär.
Auch im Vorjahr waren der Grenzübergang dort geschlossen. Ich bin sicher, dass das auch im Augenblick wieder so ist,
denn der Status quo nützt den Machthabern in Israel, in Palestina, in Washington und Moskau (und Peking, und Paris und Berlin und …….)

Wem er sicher nicht nützt, ist den Israelis und den Palestinensern.

Written by medicus58

16. November 2012 at 16:31

Das Böse hat ein Gesicht und wir können weitermachen wie bisher

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Gestern wurde Ratko Mladic verhaftet und zum Kriegsverbrechertribunal nach Den Haag ausgeflogen.
http://derstandard.at/1304552984760/Mladic-Verhaftung-bringt-Belgrad-dem-EU-Beitritt-naeher
Wenn er nur für einen Bruchteil der Vergehen, der er sich selbst brüstet, verantwortlich gemacht werden kann, dann wird eine Verurteilung wohl nur von denen nicht bedauert werden, die vielleicht besser selbst in Den Haag angeklagt werden sollten.
Meinem Rechtsempfinden kommt es durchaus entgegen, dass es diesen Prozess geben wird. Es wäre erschüttert worden, hätte man Mladic nach Auffindung nur einfach abgeschlachtet. (Siehe Es war einmalhttp://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=37655 )

Worüber ich seit Jahrzehnten grüble, ist das abstossende Phänomen, dass nach „flächendeckenden Verbrechen“, wie es Genozide, Angriffskriege, …etc. darstellen, an denen ein kleiner Teil einer Bevölkerung „aktivst“ und ein großer Teil der Bevölkerung „positiv permissiv“ Anteil haben, das Verbrechen letztlich auf wenige Personen („Führer“) personalisiert wird und somit für den Rest scheinbar aus der Welt geschafft ist.

Es haben schon andere darauf hingewiesen, dass das der einzige Weg ist, wie eine Gesellschaft nach derartigen Ereignissen „weitermachen“ kann, jedoch erklärt es auch eine Groteske der letzten Tage: Hitler’s Ehrenbürgerschaften in einigen österreichischen Städten 
http://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler_als_Ehrenb%C3%BCrger
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,764739,00.html http://www.netz-gegen-nazis.de/frage/welche-staedte-fuehren-adolf-hitler-immer-noch-als-ehrenbuerger http://www.sueddeutsche.de/panorama/ehrenbuerger-hitler-laestige-vergangenheitsbewaeltigung-1.826248

Moralische „Unsauberkeiten“ verschwinden nicht durch Zeitablauf, sie treten als Groteske auch noch nach Generationen wieder zu Tage.

Written by medicus58

27. Mai 2011 at 06:29

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