Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Schafft die Matura endlich ab, nachdem ihr sie schon längst abgeschafft habt

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Alle Jahre wieder sitzt eine Generation von Gymnasiasten mehr oder weniger abgeschnitten von Schummelzetteln, Schmierer und seit einiger Zeit auch WLANs in mehr oder weniger gut bewachten Klassenzimmern und schreiben ihre schriftliche Matura. In etwa einem Monat sprudeln oder stammeln sie dann Antworten auf mehr oder weniger vorbekannte Fragen bei der mündlichen Matura.

In all den Jahrzehnten in denen ich nach meiner eigenen Reifung dieses Treiben – mehr oder weniger persönlich engagiert – beobachte, hat sich viel geändert. Nein, nicht die jetzt so oft besprochene vorwissenschaftliche Arbeit, die gab es unter anderem Namen auch schon bei meiner Matura, aber Zentralmatura, Benotungssysteme, …. all das hat sich zumindest stark verkompliziert, ob verbessert mag jemand anderer beurteilen.

Aber was ich mir erlaube zu beurteilen ist die bedrückende Erkenntnis, dass all der Aufwand für die Katz ist, weil der Zettel weitgehend bedeutungslos wurde:

Noch ist in der Wikipedia zu lesen:

Mit dem Maturazeugnis (oder Maturitätszeugnis) besitzt der Maturant (in Österreich) bzw. Maturand (so die in der Deutschschweiz übliche Bezeichnung) die Hochschulreife und damit die Berechtigung für ein Studium an einer Universität oder sonstigen Hochschule.

Unser hoffnungsvoller Nachwuchs, dem durch die primär Matura-zentrierte Vorbereitung in der letzten Schulstufe sehr viel produktive Lehrzeit gestohlen wurde, in der Neues gelehrt werden hätte können, von all den Maturabällen, Maturastreichen und vorverlegten Maturareisen und –ausflügen rede ich gar nicht, wird aber schmerzhaft erfahren, dass sie das Maturazeugnis zu immer weniger Inskriptionen berechtigt. Auch sind die Zeiten längst vorbei, wo sich ganze Sektoren (Banken, Pharma, ..) noch gerne mit Maturanten geschmückt haben.

Das ganze wird noch absurder, weil man schließlich über eine Studienberechtigungsprüfung schon längst auch ohne Matura studieren kann.

Wozu all der Aufwand weiter betrieben wird, erschließt sich mir nicht, zumal es auch mit dem staatlich attestiertem Reifungsgrad, nach eigener Erfahrung, nicht weit her ist.

Also schlechte Nachrichten an alle (zu Recht) stolzen Maturanten und ihre Eltern:
Unser Bildungssystem wurde (beabsichtigt ?) so durchlöchert und verquert, dass ihr euch mit viel Aufwand durch die Matura keinen besseren Startplatz im Leben mehr erarbeiten konntet, so wie das noch zu meiner Zeit der Fall war.

Aber immerhin seid ihr berechtigt nun viel Geld in Vorbereitungskurse, Paukerkurse und letztendlich in Studiengebühren an dubiosen Privatuniversitäten und FHs zu stecken um zu erkennen, dass Euch auch diese Papierln weniger bringen als ein paar gute Freunde zum richtigen Zeitpunkt, jedenfalls in diesem Land.

Written by medicus58

12. Mai 2019 um 18:18

Veröffentlicht in Generationen, Schule Uni Bildung

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