Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Ich versuch Euch ja zu verstehen, liebe Demonstranten

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Gegen die Art wie in den meisten Ländern Covid-19 vulgo Corona politisch bekämpft wird, fielen mir sehr viele Gründe ein zu demonstrieren.

Zu viel Widersprüchliches und Halbwahres wurde von oben verbreitet, Verbote und Strafen wurden angedroht und Standards in Wissenschaft, Politik und medialer Berichterstattung missachtet, so dass man sich mehr als Untertan und Stimmvieh statt als Bürger und Volk fühlen musste.

Nur sorry, was da heute durch Wien demonstrierte war doch auch ein Krampusumzug von Perchten und Esoterikern, Berufsrandalierern und Mir-san-mir Theoretikern, die weniger Gemeinsamkeiten hatten als alle bisher bekannten Varianten des Virus.

Weihrauch und Walhalla, Naturburschen und Neonazis, Rabiat-Darwinisten und Raufbolde marschieren für ganz Unterschiedliches mitten am Ring. Unter unter normalen Umständen würden sie sich wohl weigern den selben Gehsteig zu benutzen.

Es gibt kein Virus, gegen das geimpft werden muss und die Spitäler sind nur wegen der Impfschäden überfüllt, wie sinngemäß Frau Kollegin Berlakowitsch kreischt. Ob sich dieser Denke die Klangschalen-Hare-Krischna-Trommelfraktion vollinhaltlich anschließen würde mag bezweifelt werden, weil dort wohl eher die Meinung vorherrscht, dass ein TCM Tee schon ganz anderes bekämpft hat, als so einen stacheligen Virus.

Jesus war 0 G stand auf einem Plakat und auf Twitter wird gekreuzigt und gestorben zusammengezählt und das ergab dann doch 2G. Die Ex-Vizebürgermeisterin liebt bereits vor Demobeginn Wien und dankt den Kämpfern gegen den Antisemitismus.

Das wirklich Tragische an der Pandemie ist, dass zu viele sie nur verwenden um ihre eigene Agenda durchzubringen und hier wie da wenig Interesse zeigen sie zu bekämpfen.

Das Gute und Dumme an der Sache ist nur, dass so oder so die meisten von uns diese Pandemie überleben werden und dann mit den geschaffenen Fakten leben müssen:

mit den Verstorbenen, den nicht völlig Geheilten, den Budgetlöchern, den Gewinnern und Verlierern.

Ich bezweifle jedich auf das Schärfste, dass die heute in Wien aufmarschierten Gruppen, dann weiter Seite an Seite brüllen werden.

Written by medicus58

4. Dezember 2021 at 22:32

Betrachtungen über glühende Hakenkreuze auf 3000 m Seehöhe

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Weh dem, der Symbole sieht“ steht auf dem Umschlag der Taschenbuchausgabe von Samuel Beckets Roman WATT.
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=39226

Es ist vermutlich inzwischen in den bildungsbürgerlichen Kanon vorgedrungen, dass das von den Nazis 1920 zum Parteiabzeichen erkorene Hackenkreuz auf die seit Jahrtausenden gebräuchlicheSwastika zurück geht.

Während die Verwendung des Symbols in vielen Ländern, so auch in Deutschland und Österreich, nach 1945 gesetzlich verboten wurde, ziert es (in verschiedenen Drehrichtungen und Variationen) unzählige hinduistische und lamaistische (tibetisch-buddhistische) Tempel.

Nirgendwo sonst, außer hier im Kloster Thikse (Ladakh), habe ich aber die Swastika als „Glühfaden“ in einer klassischen Glühbirnegefunden. Das Foto entstand 1986, also zumindest vor der europäischen Glühbirnenverordnung, so dass ich all die Ewiggestrigen warnen muss, nicht sogleich zu einer Pilgerfahrt aufzubrechen.  Ich kann natürlich keine Garantie dafür übernehmen, dass diese Birne auch keine 1000 Jahre gehalten hat und schon längst durchgebrannt ist. Vielleicht ist sie längst durch eine unverfängliche LED ersetzt worden, wer weiß..

My beautiful picture

Was ich aber garantieren kann, dass es sich hier nicht um einen photogeshopten Fake handelt!

Written by medicus58

24. März 2014 at 07:15

Warum ich mich über das Fest der Freude weniger freuen kann (Ein Bericht in SW)

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Beethoven statt Burschenschafter am 8. Mai“ titelte die Wiener Zeitung (http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/top_news/544974_Beethoven-statt-Burschenschafter-am-8.-Mai.html) am Tag danach. 
Auch wenn z.B.auf http://www.jetztzeichensetzen.at/?page_id=379 bereits im Vorjahr vom 8. 5. als „Tag der Befreiung“ gesprochen wurde und heuer schon im Vorfeld dazu aufgefordert wurde, sich „den Tag frei zu nehmen“, schien mir die Veranstaltung, die nun den Aufmarsch der gedenkwilligen Burschenschaftler verdrängte, doch ziemlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorbereitet worden zu sein.

Warum wohl?

Wem da gedacht wird, also Soldat oder Nazi, Jude oder Rom, ziviles Bombenopfer oder Burschenschafter, ist ja offenbar für die jeweilige andere Gruppe nicht so klar, nur tot muss er halt sein, der dem gedacht wird und sich daher nicht mehr wehren können.

Warum freue ich mich nicht?

Ich kann mich nicht darüber freuen, wenn ein Land 68 Jahre benötigt, um draufzukommen, dass es befreit wurde:

Hätten wir uns 1938 wirklich mehrheitlich als Opfer gefühlt und nicht nur bedauert, dass die hausgemachte faschistische Minidiktatur von außen „unfreundlich übernommen“ wurde, dann wäre unsere Leitung nicht so lange gewesen.

Hätten wir uns in dem Angriffkrieg, den das Deutsche Reich 1939 lostrat als Mittäter gefühlt, hätten wir nach 1945 die 10 Jahre Besatzung durch die Alliierten als gerechtfertigte Strafe auffassen können. 
So haben wir aber erst den Abzug der Alliierten, den wir 1955 in erster Linie den Strategen des Kalten Krieges und weder der Anerkennung unseres Opferstatus noch unser demokratischen Läuterung zu verdanken hatten, als großen Tag der Befreiung hochstilisiert.
Dadurch entstand das Vakuum, in das umstrittene „Totengedenken“ der „Burschenschafter“ stieß, von dem ja auch noch zu klären ist, weshalb das „offizielle Österreich“ nicht früher eingeschritten ist, wenn ohnehin klar war, dass hier das Ende des III.Reiches betrauert wurde, bzw. dessen „Verdrängung durch Beethoven“ nun hinterfragt werden sollte, wenn die Motive der lustig gekleideten Herren so lauter waren, wie sie behaupten.

Ich kann mich nicht freuen, weil mit dem jetzigen „Fest der Freude“ keine der bestehenden Unschärfen im geschichtlichen Selbstbild Österreichs beseitigt und nur noch einige hinzugefügt wurden. 
Wir erleben eher einen Kampf um die Deutungshoheit als eine Deutung.

Dazu passt auch, dass Begriffe wie „Hitler-Deutschland“, die suggerieren, dass alles zwischen 1933 und 1935 die „Fehlleistung“ eines gescheiterten oberösterreichischen Kleinbürgers war, sich offenbar unausrottbar in unseren Sprachgebrauch eingenistet haben: (http://www.google.com/news/story?pz=1&cf=all&ned=de_at&hl=de&q=Hitlerdeutschland&ncl=dLnXtFVsg6SBx4MfetRdgoUnNG62M&cf=all&scoring=d)  

Wenn wir uns nicht einmal noch wirklich geeinigt haben, wie wir das damalige Regime nennen sollen, scheinen wir noch meilenweit von eine mehrheitsfähigen Einschätzung unserer Rolle entfernt. Wir werden auf dem jetzigen Standpunkt wohl auch noch weiterhin verweilen, wenn wir – vor lauter Angst aus der Deckung zu kommen, nicht endlich den Mut aufbringen 
von einem unrealistischen Schwarz-Weiss (SW) Denken in die Grautöne der Wirklichkeit aufzubrechen.

Opfer werden zu Tätern
Täter werden zu Opfern
Die, die nichts tun, gehören dazu …

Ich bin hier aber sehr pessimistisch, was ein kleiner Standortwechsel zeigt:
Kaiserin

Im Freiluftmuseum Niedersulz (http://www.museumsdorf.at/de/default.asp
findet sich im Rahmen einer Ausstellung, in der die Vertreibung der südmährischen „Deutschen“ thematisiert wird ein Gedenkstein, der abfeiert, dass „Am Pfingstmontag 1983 
IHRE MAJESTÄT, KAISERIN ZITA VON ÖSTERREICH“ 
eine Linde gepflanzt hat.
Das Adelsaufhebungsgesetz 1919 (http://de.wikipedia.org/wiki/Adelsaufhebungsgesetz) wurde auch bei der Bestattung Zitas von Bourbon-Parma 6 Jahre später mehrfach, jedoch straflos, missachtet, was beweist, dass unser Land selbst zu politischen Ereignissen, die fast 100 Jahre vergangen sind, keinen Zugang findet. 

Selbstverständlich wäre es im besten Sinn des Wortes „kakanisch“, wenn nun die zuständige Bezirkshauptmannschaft Bundesgesetz 50/1948 die Verwaltungsstrafe von 4000 Schilling verhängen würde, aber die Angelegenheit zeigt uns auch grell die Probleme auf, die entstehen, wenn wir glauben, durch das Dickicht unserer Vergangenheit im Bedarfsfall durch eine Rettungsgasse durchflitzen zu können.

Ein „Haus der Geschichte“ hätten wir wirklich notwendig. Wir werden es kaum schaffen einen akkordierten Text zu den letzten 100 Jahren unserer Geschichte zu verfassen, aber wir können es ja so wie im Dallas Book Depository (http://www.jfk.org/) machen, wo an nebeneinander stehenden Wänden alle Theorien um Kennedys Ermordung affichiert sind. 
Zumindest der Einzelne kann daraus für sich eine Synthese ziehen, jedenfalls aber nicht mehr sagen, dass er davon nichts gewusst hat.

Das wäre ein Fest der Freude.

PS: Persönlich ziehe ich selbstverständlich Beethoven am Heldenplatz vielen anderen Aktivitäten uniformierter Männer vor, nur war das nicht das Thema …

Tot-Schlag-Argument-Nazi

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Wann wird man endlich begreifen, dass sich Begriffe abnützen können wie Schuhsohlen, wenn man zu lange darauf herumrutscht.

Der Begriff NAZI ist hier ein gutes Beispiel:

Als vorläufiger Höhepunkt der entbehrlichen Aufregung um Günter Grass und seine Meinung zu Israels Verteidigungsrhetorik, wird erneut die Nazikeule exhumiert.

Literatur-Papst Reich-Ranicki: Das ist ein „ekelhaftes Gedicht“.
Liedermacher Wolf Biermann nennt es eine „literarische Todsünde“

Eine als „Nazijägerin“ bezeichnete Frau Klarsfeld griff Grass an und der Spiegel zitiert dies am 6.4. als
„Mit seinem Israel-Gedicht spiele er die gleiche „antisemitische Musik“ wie einst der Diktator.“
(http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,826192,00.html )

„Ich sehe es als Ehre an, ihm die Einreise ins Heilige Land zu verbieten“, sagte der israelische Innenminister Eli Yishai am Sonntag.
http://www.heute.at/news/politik/art23660,687886

Bei dem Einreiseverbot gegen Grass greift Jischai auf ein Gesetz zurück, dass es der Regierung erlaubt, ehemaligen Nazis die Einreise ins Land zu verweigern. Grass hatte eingestanden, in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges in der Waffen-SS gedient zu haben.
http://www.bild.de/politik/inland/guenter-grass/guenter-grass-gedicht-israel-iran-reich-ranicki-nennt-es-ekelhaft-jerusalem-verhaengt-einreiseverbot-23540174.bild.html

Jetzt könnte man einwenden, dass es einem Staat natürlich unbenommen bleiben muss zu entscheiden, wer einreisen dürfe oder wer nicht, jedoch sollte bei Staaten, die sich als demokratisch und aufgeklärt betrachten eine gewissen Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Ungeachtet, ob es Grass nun an den Jordan zieht oder nicht.

Mir schien schon das späte Outing des Schriftstellers, er wäre als 17. Jähriger in den letzten Kriegstagen bei der Waffen SS gewesen, mehr der Versuch das Interesse an seinem aktuellen Roman zu heben als die Entledigung einer Lebenslüge, aber wer weiß.

Wenn aber heute ALLES BÖSE mit dem BEGRIFF DES NAZI umschrieben werden soll, dann führt das zu einer Inflationierung,
an deren Ende auch die wahren Verbrechen der nationalsozialistischen Herrschaft trivialisiert werden.

Als Beispiel sein nur die bekannte US-Comedy Serie Seinfeld verlinkt.

Best of The Soup Nazi
http://www.youtube.com/watch?v=uVqBzP0xdKk

Von den unzähligen PC Games, soll stellvertretend nur eines hier stehen:
http://www.nazizombies.com/
http://www.youtube.com/watch?v=_47kIOeMOI8

OK, Günter Grass ist in den Augen eines israelischen Innenministers ein
(Soup)Nazi und unsere Kinder warten darauf, daß sie ihn auf ihrer Playstation abschießen können…

Kann man das wollen?
Wird das den Opfern gerecht?

Ich glaube nicht.

Written by medicus58

8. April 2012 at 18:20

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