Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Bemerkungen zu Van der Bellen – und den Zustand der Umstände

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Gestern hat in jovialem Ton Bundespräsident Van der Bellen ziemlich klar darauf hingewiesen, dass er von allen Bürgern und Parteien erwartet, die heute angelobte Türkise Allein- und Minderheitsregierung unter Bundeskanzler Kurz bis zu den Neuwahlen zu akzeptieren:

„Jetzt ist nicht die Zeit der Wahlkampfreden.“ „Denken Sie nicht daran, was Sie für Ihre Partei kurzfristig herausholen können, fragen Sie: Hilft das Österreich? Hilft es uns im Inneren, stärkt es unsere Glaubwürdigkeit in der Welt?“

Wir kriegen das schon hin

Allgemein wurde das als staatsmännisch bejubelt und irgendwie klang es auch nach Kaiser Wilhelm II:
Ich kenne keine Parteien mehr, nur noch Deutsche. (Link)
Damit stellte er sich vor Bundeskanzler Kurz, dessen Ambitionen nun schon die zweite Regierung gesprengt haben und belohnt ihn mit einem Wahlkampf aus dem Bundeskanzleramt.

Ein bisschen in der Erinnerung gekramt, frage ich mich jedoch ernsthaft, ob da nicht einer Wein predigt den er selbst schon sehr verwässert hat.

Deshalb ein kleiner Rückblick auf den grünen VdB und das IMHO Missverständnis, dass er eine linke, offene Politik vertreten hat, was seine Bejubler bis heute glauben möchten:

Ja, die Grünen waren zum Teil schon so. Zum Beispiel eine eine „grün bewegte Linke„, wie die große Freda Meissner-Blau nannte, die übrigens im Gegensatz zur Novomatic Glawischnig, der man noch 2009 das Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich angehängt hat, von dieser Republik bis zu ihrem Tode nie ausgezeichnet wurde.

Natürlich auch der schillernde Günther Nenning und VdBs Dissertant Peter Pilz der jenen dann von der SPÖ zu den Grünen gebracht hat, u.v.a.m., die sich ab 1993 Die Grünen – Die Grüne Alternative (Grüne) nannten.

In dieser Partei fanden sich zwar alle irgendwie im Umweltschutz, aber in Erscheinung und Zielen waren die Mitglieder sehr unterschiedlich und wurden d.h. in der Öffentlichkeit regelmäßig als zerstritten wahrgenommen.
Erst unter Van der Bellen wurde man nach außen hin eine einheitliche Bewegung. Was aber so scheinbar sozial und links daher kam, zuerst (nach seinen Worten) „großzügig linksliberal“ und später „liberal angelsächsischer Prägung“. Das alles als links zu bezeichnen sagt mehr über die eigen politische Position als über den waren Inhalt aus.


Um dieses das Bild einer einheitlichen linken und ökologischen Alternative abgeben zu können behielt VdB einige Kritiker (Voggenhuber et al) in der Partei, sorgte aber intern für beinharte Disziplinierung (Dieter Brosz et al.), so dass der Bürger nicht durch zu viel interne Diskussion verschreckt wurde und die Wahlergebnisse kletterten langsam in die Höhe.

Irgendwie war VdB somit der Erfinder der Message Control in der österreichischen Innenpolitik, die heute die türkise ÖVP perfektioniert hat.

Der Falter schrieb bereits 2007 über den von VdB installierten grünen Machttechniker Brosz sehr kritisch und das „Marxistenblattl“ hat nun wahrlich kein Fernverhältnis zu den Grünen gehabt. Aus Wiener Boden erledigte das Herr Ellensohn.
Van der Bellen hielt damit Bürgerliche an der Urne, die von „zu viel links“ verschreckt würden und gab sich auf Nebenschauplätzen bürgerlich um auch Rechts-der-Mitte anzuziehen. Daneben durften Pilz et al. so ein bisschen Revolution spielen.

Das Konzept scheint bis heute zu wirken, sonst würden nicht alle die-hard Gegner von Tükisch-Blau ihre Hoffnungen in den Bundespräsidenten Van der Bellen setzen, er würde dieses Land vor dem Abgrund bewahren.
Weshalb der Mann, der durch seine Personalpolitik den Untergang der Grünen mit verursacht hat, nun Hoffnungsträger sein soll, erschließt sich mir nicht. Schließlich war er es nach seiner Wahlschlappe 2008, der seine Stellvertreterin Glawischnig als Nachfolgerin vorgeschlagen hat, die nun bei Novomatic, ja was eigentlich tut?

Das linke Vertrauen in VdB beruht wohl ebenso auf einem Missverständnis wie die Überzeugung von (damals) ÖVP-Nationalratspräsident Andreas Khol, Glawischnig wäre eine wunderschöne Marxistin„. Frühere Weggefährten haben übrigens erst sehr spät bei der Kärntnerin politisches Bewusstsein festgestellt und erinnerten sich vielmehr an ihre Liebe zu Äußerlichkeiten und ihre Auftritte in eine Amateurband:

Hochglanz-Fotos der Grünen Frontfrau schmückten die Titelseiten: Im bauchfreien Hochzeitsgewand, mit nach unten gerutschtem Träger beim Blutspenden und auch zuletzt noch mit kurzem Rock auf einem Sofa posierend wie News hämisch protokollierte.

Politisch fiel Glawischnig eher dadurch auf, dass unter ihr all diejenigen, die dieses Projekt groß gemacht haben, aus ihren Funktionen entfernt wurden. Andreas Wabl, Gabriela Moser, Peter Pilz, ….. und durch längst vergessene Küsserkönige oder andere Sternschnuppen ersetzt wurden.

Eine gewisse Stabilisierung der Grünen verdankten diese schließlich dem jetzigen Kandidaten für die EU-Wahl Werner Kogler der (trotz des Alterunterschieds) bereits vor VdB am Grünen Projekt arbeitete.

Die Grünen, gedacht als Stütze einer Umwelt-Demokratie-Sozial-Frauen- und Friedensbewegung und heute auch einer Bewegung für die politische Einigung Europas konnte nur deshalb an einem einzigen Tag zusammen stürzen wie ein Kartenhaus, weil sie vorher zu einem Kartenhaus gemacht wurden, und da spielte VdB eine nicht unwesentliche Rolle.

Wenn Van der Bellen nun ganz staatsmännisch an ein politisch faires Auftreten anderer appelliert, dann sollte man ihn vielleicht erinnern, wie er ins einem eigenen Wahlkampf Frau Griss mit der Nazikeule erschlagen hat und mit welcher „feinen Klinge“ er im ATV Studio vorgegangen ist.

Ich will ja niemandem seinen Hero nehmen, aber so wie VdB spätestens die zweite Hälfte seiner politischen Laufbahn hin gekriegt hat, dafür sollte man sich von ihm nicht in Geiselhaft nehmen lassen, Basti Kurz, den größten Spaltpilz der österreichischen Innenpolitik seit Wolfgang Schüssel, weiter werken zu lassen.

Links:
Mitterlehner, Glawischnig treten zurück, Häupl kämpft seinen letzten Kampf – Kurz sollte kürzertreten
Woher wissen wir, wer die Guten sind?
Vom Journalisten-Kanzler zum Drohnen-Kanzler
Welche Weichenstellung ein Bundeskanzler Kurz wirklich geschafft hätte
Nicht nur ich seh‘ ROT für die Grünen
Inserate: Unter Rot Grün wird alles anders?
Sigrid Pilz: Von Traumjobs kann man nie genug kriegen
Vassilakou untergräbt Glaubwürdigkeit der Grünen
Ein STOP BEAUFTRAGTER für WIEN muss her
Parken und Pudern in Wien – Beispiele einer erfolgreichen Stadtverdrängung
Ich sehe ROT für die GRÜNEN
Superkalifragilistigexpialigetisch – Märchen mit Glawischnig
Nein zum Atom oder Atome sind mir nicht

Written by medicus58

22. Mai 2019 um 20:41

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