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Warum ich mich über das Fest der Freude weniger freuen kann (Ein Bericht in SW)

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Beethoven statt Burschenschafter am 8. Mai“ titelte die Wiener Zeitung (http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/top_news/544974_Beethoven-statt-Burschenschafter-am-8.-Mai.html) am Tag danach. 
Auch wenn z.B.auf http://www.jetztzeichensetzen.at/?page_id=379 bereits im Vorjahr vom 8. 5. als „Tag der Befreiung“ gesprochen wurde und heuer schon im Vorfeld dazu aufgefordert wurde, sich „den Tag frei zu nehmen“, schien mir die Veranstaltung, die nun den Aufmarsch der gedenkwilligen Burschenschaftler verdrängte, doch ziemlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorbereitet worden zu sein.

Warum wohl?

Wem da gedacht wird, also Soldat oder Nazi, Jude oder Rom, ziviles Bombenopfer oder Burschenschafter, ist ja offenbar für die jeweilige andere Gruppe nicht so klar, nur tot muss er halt sein, der dem gedacht wird und sich daher nicht mehr wehren können.

Warum freue ich mich nicht?

Ich kann mich nicht darüber freuen, wenn ein Land 68 Jahre benötigt, um draufzukommen, dass es befreit wurde:

Hätten wir uns 1938 wirklich mehrheitlich als Opfer gefühlt und nicht nur bedauert, dass die hausgemachte faschistische Minidiktatur von außen „unfreundlich übernommen“ wurde, dann wäre unsere Leitung nicht so lange gewesen.

Hätten wir uns in dem Angriffkrieg, den das Deutsche Reich 1939 lostrat als Mittäter gefühlt, hätten wir nach 1945 die 10 Jahre Besatzung durch die Alliierten als gerechtfertigte Strafe auffassen können. 
So haben wir aber erst den Abzug der Alliierten, den wir 1955 in erster Linie den Strategen des Kalten Krieges und weder der Anerkennung unseres Opferstatus noch unser demokratischen Läuterung zu verdanken hatten, als großen Tag der Befreiung hochstilisiert.
Dadurch entstand das Vakuum, in das umstrittene „Totengedenken“ der „Burschenschafter“ stieß, von dem ja auch noch zu klären ist, weshalb das „offizielle Österreich“ nicht früher eingeschritten ist, wenn ohnehin klar war, dass hier das Ende des III.Reiches betrauert wurde, bzw. dessen „Verdrängung durch Beethoven“ nun hinterfragt werden sollte, wenn die Motive der lustig gekleideten Herren so lauter waren, wie sie behaupten.

Ich kann mich nicht freuen, weil mit dem jetzigen „Fest der Freude“ keine der bestehenden Unschärfen im geschichtlichen Selbstbild Österreichs beseitigt und nur noch einige hinzugefügt wurden. 
Wir erleben eher einen Kampf um die Deutungshoheit als eine Deutung.

Dazu passt auch, dass Begriffe wie „Hitler-Deutschland“, die suggerieren, dass alles zwischen 1933 und 1935 die „Fehlleistung“ eines gescheiterten oberösterreichischen Kleinbürgers war, sich offenbar unausrottbar in unseren Sprachgebrauch eingenistet haben: (http://www.google.com/news/story?pz=1&cf=all&ned=de_at&hl=de&q=Hitlerdeutschland&ncl=dLnXtFVsg6SBx4MfetRdgoUnNG62M&cf=all&scoring=d)  

Wenn wir uns nicht einmal noch wirklich geeinigt haben, wie wir das damalige Regime nennen sollen, scheinen wir noch meilenweit von eine mehrheitsfähigen Einschätzung unserer Rolle entfernt. Wir werden auf dem jetzigen Standpunkt wohl auch noch weiterhin verweilen, wenn wir – vor lauter Angst aus der Deckung zu kommen, nicht endlich den Mut aufbringen 
von einem unrealistischen Schwarz-Weiss (SW) Denken in die Grautöne der Wirklichkeit aufzubrechen.

Opfer werden zu Tätern
Täter werden zu Opfern
Die, die nichts tun, gehören dazu …

Ich bin hier aber sehr pessimistisch, was ein kleiner Standortwechsel zeigt:
Kaiserin

Im Freiluftmuseum Niedersulz (http://www.museumsdorf.at/de/default.asp
findet sich im Rahmen einer Ausstellung, in der die Vertreibung der südmährischen „Deutschen“ thematisiert wird ein Gedenkstein, der abfeiert, dass „Am Pfingstmontag 1983 
IHRE MAJESTÄT, KAISERIN ZITA VON ÖSTERREICH“ 
eine Linde gepflanzt hat.
Das Adelsaufhebungsgesetz 1919 (http://de.wikipedia.org/wiki/Adelsaufhebungsgesetz) wurde auch bei der Bestattung Zitas von Bourbon-Parma 6 Jahre später mehrfach, jedoch straflos, missachtet, was beweist, dass unser Land selbst zu politischen Ereignissen, die fast 100 Jahre vergangen sind, keinen Zugang findet. 

Selbstverständlich wäre es im besten Sinn des Wortes „kakanisch“, wenn nun die zuständige Bezirkshauptmannschaft Bundesgesetz 50/1948 die Verwaltungsstrafe von 4000 Schilling verhängen würde, aber die Angelegenheit zeigt uns auch grell die Probleme auf, die entstehen, wenn wir glauben, durch das Dickicht unserer Vergangenheit im Bedarfsfall durch eine Rettungsgasse durchflitzen zu können.

Ein „Haus der Geschichte“ hätten wir wirklich notwendig. Wir werden es kaum schaffen einen akkordierten Text zu den letzten 100 Jahren unserer Geschichte zu verfassen, aber wir können es ja so wie im Dallas Book Depository (http://www.jfk.org/) machen, wo an nebeneinander stehenden Wänden alle Theorien um Kennedys Ermordung affichiert sind. 
Zumindest der Einzelne kann daraus für sich eine Synthese ziehen, jedenfalls aber nicht mehr sagen, dass er davon nichts gewusst hat.

Das wäre ein Fest der Freude.

PS: Persönlich ziehe ich selbstverständlich Beethoven am Heldenplatz vielen anderen Aktivitäten uniformierter Männer vor, nur war das nicht das Thema …

Ein Fuß zuviel

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Wer hat noch nicht vom Geheimnis der drei Füsse auf Pieter Bruegel des Älteren Gemälde „Bauernhochzeit“ gehört?

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Bauernhochzeit

Anschauen kann man sich das ab sofort auch auf Google’s Art Project, auf dem man (nach Installation eines neuen Apps) u.a. auch durch die Hallen des
Wiener Kunsthistorischen Museums flanieren kann.

http://www.googleartproject.com/collection/kunsthistorisches-museum-vienna-museum-of-fine-arts/artwork/peasant-wedding-pieter-bruegel-the-elder/681766/

Faszinierend …. und niemand steht einem im Wege!

2.6.2011: Das vorige Jahrhundert

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Wie vermutlich die meisten Leser stamme auch ich aus dem vorigen Jahrhundert.

Trotzdem, oder vielleicht deshalb, weil es mir über Jahrzehnte eingebleut wurde, war das 20. Jahrhundert zum Synonym für die Moderne geworden. Der Versuch irgendwann danach den Begriff der Postmoderne einzuführen, fand ich immer etwas lächerlich.
In der Kunst war das 20. Jahrhundert für viele ein Synonym für Schockierendes und Abstossendes, und seine Ausstellung im Museum des 20. Jahrhunderts, gleich neben dem Südbahnhof, verursachte manchem Unbehagen.

Seit 2002 ist das 20er Haus geschlossen und seit Monaten ist der Bereich des Bahnhofs eine Riesenbaustelle, eigentlich eine G’stettn.

http://de.wikipedia.org/wiki/20er_Haus

Erst vor kurzem bemerkte ich, dass das alte Hinweisschild noch an der Kreuzung Gürtel/Arsenalstrasse hängt.

Was sagt es uns?
Das 20.Jahrhundert ist offenkundig vorbei und modern wirkt das kaum mehr.

DAS SCHILD IST INZWISCHEN ABMONTIERT WORDEN, WEIL DAS MUSEUM INZWISCHEN ALS MUSEUM DES 21. JAHRHUNDERTS ERÖFFNET WURDE (Stand Februar 2012)

Written by medicus58

24. Februar 2012 at 18:31

Karl Valentin

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Heute ist Walentinstag

damit ist es Zeit, dass auch der Herr Karl ins Herrgottwinkerl kommt.

Dass diese Distel der höheren Sprachverwendung,
mit dem kollektiven Blumenzwang der Konsumindustrie 
und deren Namensgebern
(http://de.wikipedia.org/wiki/Valentinstag
absolut nichts zu tun hat
ist doch Begründung genug. 

Die andere Begründung ist die, dass man im Gegensatz zu meiner Jugend,
heute in den Medien kaum mehr etwas über dieses Münchner Genie findet, 

und sich dessen MUSÄUM http://www.valentin-musaeum.de
zwar wohlfeil für Nicht-Kinder um 2,99 € öffnet 
aber nur zu etwas komplexen Uhrzeiten:
Mo, Di, Do:
11.01 – 17.29 Uhr
Fr, Sa:
11.01 – 17.59 Uhr
So:
10.01 – 17.59 Uhr
Jeden ersten Freitag im Monat Programm und Abendöffnung bis 21.59. 

zugänglich,
aber Mittwochs erbarmungslos geschlossenist.

Das die „Besichtigung, auch bei Regenschein, Tag und Nacht, nur von
außen und kostenlos“ möglich ist, macht diese Umstände nurwenig erträglich.

KARL VALENTIN

Der, dessen Weitblick bereits vor seinem Tode 1948 
seine eigene Homepage im WWW autorisiert hat, 
ehe dessen Vorläufer, das ARPANET 1969 entstandenen ist.

Herzlich willkommen auf der einzig autorisierten Homepage von Karl
Valentin
http://www.karl-valentin.de/

Dem Vordenker der Integration:
Fremd ist der Fremde nur in der Fremde.

Der der von sich und allem anderen schon das Wesentliche gesagt hat:
„Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.“

Der Karl Valentin, der auf sein phonetisches W mit dem Verweis
beharrte, dass es ja auch Vogel und nicht Wogel heissen würde, bzw. man
zur Villa auch „Willa“ und nicht „Filla“ sagen würde, wobei diese ja eigentlich ein kleinen Haus wäre, 
nannte sich auch Wortsteller und nicht Schriftsteller.

Dieser Karl Valentin fasziniert mich, seit dem ich mich vor Jahrzehnten
durch ein Mängelexemplar des „Großen Karl Valentin Buches“ gelacht und
durch so manchen seiner Kurzfilme gestaunt habe.

Gerade letzteres wurde lange übersehen: 
Karl Valentin war in Deutschland einer der ersten, die nicht nur die Breitenwirkung des Mediums Films sondern auch dessen experimentellen Möglichkeiten erkannte.

„Ich weiß gar net, was die Kritiker da alles finden, in meine Sachen- i
will doch bloß, daß die Leut lachen.“ 
konnte da nur Koketterie sein,
denn Valentins penible Arbeit an seinen scheinbar im Augenblick
entstandenen sprachlichen und logischen Labyrinthen sind wohl dokumentiert. 

Hier nimmt er die auf das Clowneske reduzierten Dialoge eines
„Godot“ (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=39226) oder quasi die
„Practical jokes“ eines Helmut Q (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=44602) vorweg.

Letztere Assoziation zeigt auch, dass das dumpf gemütlich konservative
Umfeld (München, Wien) offenbar einen guten Nährboden für dessen
Gegenteil darstellt.

Also gibt es heute keinen zwingenden Grund, an Karl Valentin zu erinnern, der am 11. Februar 1948, einem Rosenmontag, an einer Lungenentzündung, der Folge einer Erkältung, die er sich zugezogen hatte, als man ihn nach einem Auftritt versehentlich in ungeheizten Räumen eingeschlossen hatte, starb. Seine Unterernährung war so groß, dass andere Quellen davon berichten, dass Valentin, in der Stadt, die ihm einst zugejubelt hat, buchstäblich verhungert ist

„Ich habe meine lieben Münchner und meine Bayern kennengelernt. 
Alle anderen mit Ausnahme der Eskimos und der Indianer haben mehr Interesse an mir gehabt als meine Landsleute.“ 

Also liebe Eskimos und Indianer, gedenken wir eines Mannes, der mit höchster sprachlicher und logischer Fertigkeit den Beweis geführt hat, 
dass man damit, also der Sprache und der Logik, nicht den Eskimos und den Indianern, nicht weiter kommt, wenn man sich ihrer auch noch so behende bedient, was naturgemäß auch für die Eskimos und Indianer gilt, wenn sie logisch sprechen, oder auch nicht. 

Zum Nachlesen:
http://www.karl-valentin.de
http://parapluie.de/archiv/worte/valentin/

Zum Nachschauen:
http://www.karl-valentin.de/werk/kostproben.htm
http://www.youtube.com/watch?v=FQY6C3ad7i0
http://www.youtube.com/watch?v=4gMItpMKV7g
http://www.youtube.com/watch?v=ymBuzNoDCN8

Zum Nachhören:
Wrtlprmft
http://www.youtube.com/watch?v=9-GdyY71oz4
Zeuge Winkler
http://www.youtube.com/watch?v=AMf5fxPDzYI
Transportschwierigkeiten
http://www.youtube.com/watch?v=LgLa1oNmCGg
Der Sprachforscher
http://www.youtube.com/watch?v=xpDDlSXcKHE
Schwieriger Kuhhandel
http://www.youtube.com/watch?v=x3k4v2N93k

Written by medicus58

15. Februar 2012 at 11:37

Das vorige Jahrhundert

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Wie vermutlich die meisten Leser stamme auch ich aus dem vorigen Jahrhundert.

Trotzdem, oder vielleicht deshalb, weil es mir über Jahrzehnte eingebleut wurde, war das 20. Jahrhundert zum Synonym für die Moderne geworden. 
Der Versuch irgendwann danach den Begriff der Postmoderne einzuführen, fand ich immer etwas lächerlich. 

In der Kunst war das 20. Jahrhundert für viele ein Synonym für Schockierendes und Abstossendes, und seine Ausstellung im Museum des 20. Jahrhunderts, gleich neben dem Südbahnhof, verursachte manchem Unbehagen. 

Seit 2002 ist das 20er Haus geschlossen und seit Monaten ist der Bereich des Bahnhofs eine Riesenbaustelle, eigentlich eine G’stettn.

http://de.wikipedia.org/wiki/20er_Haus

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Was sagt es uns?

Das 20.Jahrhundert ist offenkundig vorbei und modern wirkt das kaum mehr.

Written by medicus58

3. Juni 2011 at 06:23

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