Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Woher wissen wir, wer die Guten sind?

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dormitokirche_jerusalem

Gewöhnlich sagen uns die Guten selbst, dass Sie es wären, bzw. bezeichnen alle anderen als böse.
Die Guten sind gut weil, sie eben für das Gute sind und das Gute definieren sie selbst.
Das gilt in der Religion so wie in der Politik.

Beruft sich jemand auf irgendeinen Gott, verlangt er auch für sich vorauseilende Ehrfurcht, unabhängig davon wie viele Menschen im Namen dieses Gottes bereits geopfert wurden und auf welchen hanebüchenen Widersprüchlichkeiten sein Glaube auch basiert:
Versuchen sie einmal die Erzählungen einer beliebigen Weltreligion von den tradierten Erklärungen befreit zu lesen und Sie finden sich auch außerhalb des Chan- bzw. Zen-Buddhismus plötzlich in unauflöslichen Koans (https://de.wikipedia.org/wiki/K%C5%8Dan).
Dreifaltigkeiten im Ein-Gott-Glauben, Jungfräuliche Mutterschaft, Sich-selbst-erschaffende-Schöpfergötter, ein Ahnvater dreier Religionen, die ungeachtet dessen einander bis aufs Blut bekämpfen, aber behaupten für den Frieden zu stehen, allwissende Götter, die uns eine Chance fürs Paradies lassen, ….

Auch in der Politik ersetzt die zu glaubende Behauptung den Inhalt.
Natürlich fällt uns als Beispiel der US-amerikanische Präsident elect ein,
der Spekulant, der gegen die Wallstreet wetterte,
ein Milliardär und Partylöwe als Hero des Prekariats.
Auch hier trat die lautstark vorgetragene Behauptung an die Stelle des Evidenten – und funktioniert.

Aber wir müssen nicht so weit suchen. Auch in unserem Land bestimmen oft nicht die Handlungen einer Person sondern ihre Behauptungen das mediale Urteil.

Die nie abgeleugneten Fakten,
dass der Burschenschafter Norbert Hofer Spitzenfunktionär einer rechten Partei ist, in der es immer wieder zu Äußerungen an der Grenze zur nationalsozialistischen Wiederbetätigung  gekommen ist,
er selbst einer eher konservativen Religionsinterpretation anhängt,
deutsch-national ist und
in der EU ausschließlich eine Wirtschaftsgemeinschaft sehen will,
reichten, um ihn im In- und Ausland zu dämonisieren und seinen Mitbewerber Van der Bellen zum Hoffnungsträger alles Guten zu machen.
Hofers Aussagen war prinzipiell nicht zu trauen, er war schließlich rhetorisch geschult:
(Falter: Der Schauspieler https://cms.falter.at/falter/2016/11/15/hinter-der-maske/).

Man mag mich blind nennen, aber in den aufgeregten Videobeweisen seiner Bösartigkeit sehe ich, abgesehen vom üblichen Streubereich jeder wiederholten Meinungsäußerung, stets das Hofer Bild, so wie ich es oben skizziert habe und er es selbst auch zu vermitteln trachtete.

Das Bild mag man aus guten Gründen ablehnen, aber es war inhaltlich kongruent zum Bild, das Hofer von sich selbst erzählte.
Ob man ihm nun glauben soll oder nicht, wäre bestenfalls ein Indizienprozess.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, natürlich ist es völlig legitim, dass einem jeder dieser und noch viele andere Punkte (Ablehnung Homo-Ehe, Haltung zu Einwanderung, Pro-Russland-Haltung, Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler, Eliten-Definition, …..) reichen mag, um Herrn Hofer als Kandidat NICHT zu wählen. Hier geht es aber um die Unverhältnismäßigkeit (den Spin) der medialen Aufarbeitung.

Helle Aufregung über eine (verzichtbare) Home-Story aus dem „bösen Hause Hofer“, kaum eine Augenbraue darüber, dass der „Gute, Van der Bellen“, erst kurz vor seiner Kandidatur die Notwendigkeit sah, sich scheiden zu lassen und seine aktuelle Lebensgefährtin zu heiraten, die im Standard überraschenderweise für ihn eine Wahlempfehlung abgab.

Aufruhr, als Hofer meinte, seine Frau könne im Falle seines Wahlsieges nicht mehr Altenpflegerin sein,
Stille, dass die zukünftige First Lady, des schon vorher angeblich unabhängigen Kandidaten und als Bundespräsident jetzt zur Überparteilichkeit verpflichteten Van der Bellen, weiter den Grünen Parlamentsklub leiten wird.

Bis zuletzt schwang „der Gute die „Nazi-Käule“ ohne gegen Hofer einen einschlägigen Beweis vorbringen zu können, auch wenn dieser als Nationalratspräsident zugegeben in seinem Umfeld Personen angestellt hat, deren Hintergrund auch mir problematisch scheint. VdB griff sogar zum Haiderschen Taferl-Gag, um sich mit – laut Politbeobachter – offensichtlich einstudiertem Gestus darüber zu entrüsten, dass die ohnehin notorisch auffällige Ursula Stenzel seinen Vater – ebenfalls ohne explizite Beweise – ins Nazi-Eck stellte.
Kein Wort aber mehr darüber, dass dieser Gute (VdB) in der ORF Elefantenrunde eben diese Nazi-Käule – ohne irgendeinen Beweis – gegen Griss, seine damals schärfste Rivalin, schwang:
http://diepresse.com/home/politik/bpwahl/4973691/Ueberholtes-Geschichtsbild_Van-der-Bellen-attackiert-Griss

Helle Freude der  Twitteria über die Weltpresse, die sich freut, das Österreich einen Rechtsradikalen NICHT zum Präsidenten gewählt hat.
Kein Wort darüber, dass dieselbe Person als 3.Nationalratspräsident seit 2013 ohnehin das nach dem Bundespräsidenten zweithöchste Amt im Staate innehat.

Dieser Text ist keine Dolchstoßlegende!

Dass nach einem ekelerregenden Wahlkampf eine derartig hohe Wahlbeteiligung ein eindeutiges Wahlergebnis erbracht hat, ist nicht nur zu respektieren sondern ausdrücklich zu begrüssen. 

Ich finde es nur äußerst bedenklich, dass zum zweiten mal (nach der Wien-Wahl 2015), die faktenbefreite Dämonisierung zum entscheidenden Wahlmotiv wurde:
Nahezu alle Analysen ergaben, dass die Mehrheit der VdB Wähler nicht für ihn sondern gegen Hofer gestimmt haben!

Auch die Wiener SPÖ, die augenblicklich im innerparteilichen Zwist zwischen den selbst ernannten Linken (Wehsely, Brauner et al) und dem Rest zerbricht, verdankt ihren Wahlsieg einer Dämonisierungskampagne, die die wahren Probleme der Stadt (Korruption, innerparteiliche Kämpfe, Finanzen, Gesundheitssystem, Öffentlicher Verkehr, …) überdeckt hat.
Dass die Gesundheitsstadträtin den Krankenanstaltenverbundes sturmfrei zerschossen und die Finanzstadträtin das Stadtbudget nachhaltig zertrümmert hat, als politisch links gelten, entspricht auch nur der propagandistischen Selbstdefinition und keinen belastbaren Fakten.
Auch deren SP-Chef, der VdB-Unterstützer Häupl sieht sich unerschütterlich im Recht gekränkt zu sein (Brief vom 22.11.2016 an die Personalvertretung HG II), wenn nicht einmal mehr die Parteifreunde seinen läppische Erklärung für seinen plötzlichen Schwenk in Richtung Auslagerung des KAV bejubeln:

Ja, ich finde ein Unternehmen, das keine Personal- und Finanzhoheit hat für „seltsam“.
Und ja, ich habe vor vielen Jahren diese Regelung eine Unternehmung nach §11 der Statuten zu begründen, zugestimmt. Diese Entscheidung mag damals ihre Berechtigung gehabt haben, diese Entscheidung kann aber heute durchaus hinterfragt werden.

Ich finde es seltsam, dass der Bürgermeister erst jetzt betriebswirtschaftliche Widersprüche sieht. Schließlich stand im von ihm im Gemeinderat (56/1999) mit beschlossenen „Statut für die Unternehmung Wiener KAV“ noch ausdrücklich:
§2 (3) Personalangelegenheiten der Bediensteten der Unternehmung „Wiener Krankenanstaltenverbund“ werden von der Unternehmung wahrgenommen, soweit sie nicht gemäß § 9 dem Magistratsdirektor vorbehalten sind oder ausdrücklich nach der Geschäftseinteilung für den Magistrat der Stadt Wien anderen Dienststellen zugewiesen wurden.

Dafür bestand damals wie heute keine andere „Berechtigung“ als die Realität der Machtverhältnisse (zwischen Bürgermeister und Magistrat) und ein Budgetproblem  (damals Schuldenlast nach Maastricht, heute Schuldenlast mit und ohne Maastricht). 

Ja, und war davon im Wiener Wahlkampf 2015 nur ein Wort zu vernehmen?

Nein, es ging nahezu ausschließlich um die gute Willkommenkultur und gegen die böse Fremdenhasser.
Andere Fragen gingen in der „Größe der Stunde“ unter.
Widerspruch war fremdenfeindlich, böse.

Wer nun einwendet, dass es doch unser allerhöchstes politisches Ziel sein müsste, angebliche oder wirkliche nationalsozialistische Wiederbetätigung zu verhindern und wir deshalb all die Verfehlungen der selbsternannten Guten stillschweigend, wenn auch missbilligend in Kauf zu nehmen haben, macht sich stärker zum Handlanger echter Wiederbetätigung, als es ihm vielleicht bewusst ist.

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

PS: Das Bild zeigt die Dormitio Basilika am Berg Zion aus dem Jahr 1993 (https://de.wikipedia.org/wiki/Dormitio-Basilika)

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Written by medicus58

8. Dezember 2016 um 19:40

8 Antworten

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  1. Wer ist der Beste?

    Christine Kainz

    9. Dezember 2016 at 00:50

  2. Nicht ganz ihrer Meinung.
    Wenn sich jemand selber aktiv ins rechte Eck stellt (freiwillige Mitgliedschaft in einer deutschnationalen Burschenschaft, das Tragen der Kornblume), dann ist es auch legitim darauf hinzuweisen, dass er eben dort steht.
    Herr Hofer war ebenfalls in keinster Weise ein Gentleman in seiner Rhetorik, daher beide Seiten haben sich nichts geschenkt.

    Trotzdem, wer nichts für Nationalismus und Faschismus übrig hat, konnte nur einen der beiden Wählen.

    tropenordination

    9. Dezember 2016 at 09:40

    • Ich habe mir die Wahlsendungen nicht angetan, ABER:

      Als politisch Unbedarfte, bitte ich Sie, mir zu erklären, warum H 3. Nationalratspräsident sein darf und warum da niemand dagegen protestiert – oder habe ich da etwas verpasst? Danke im Voraus!

      „… Das Amt ist in Österreich, ähnlich wie der Bundespräsident, eine Institution der Identitätstiftung und der überparteilichen Politik. In der protokollarischen Rangordnung der Republik Österreich steht der Präsident des Nationalrates nach dem Bundespräsidenten an zweiter Stelle, noch vor dem Bundeskanzler als Regierungschef.“
      Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalratspr%C3%A4sident_(%C3%96sterreich)

      Christine Kainz

      9. Dezember 2016 at 16:13

    • Ich fürchte, ich habe es nicht geschafft, Ihnen mein wirkliches Anliegen zu vermitteln.

      medicus58

      9. Dezember 2016 at 21:28

    • Unser hochangesehener Bürgermeister Häuptl war doch auch 8 Jahre lang Mitgleid einer schlagenden deutschnationalen Burschenschaft und ist kein Gentleman in seiner Rhetorik. Von den österreichischen Medien wird das nicht thematisiert. Warum ist das so ?

      rohkost

      10. Dezember 2016 at 20:50

  3. https://www.welt.de/vermischtes/article150891449/Die-Nerven-in-Deutschlands-Krankenhaeusern-liegen-blank.html
    Das steht uns im KAV noch bevor. Gnade Gott den Patienten und den Bediensteten !!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Aesculap

    10. Dezember 2016 at 20:36


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