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Wie globalisiert ist die Medizin? Ärztliche Ethik diesseits und jenseits des Teichs

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Welt

In Zeiten (west-)weltumspannender Konsensuspapiere und Impact-gerankter Journalweisheiten, könnte man doch glauben, dass diesseits (Europa) und jenseits (USA) des großen Wassers die Medizin in vergleichbaren Bahnen läuft.

Natürlich nicht, winkt der abgebrühte Beobachter lässig ab, jeder weiß spätestens seit „Obamacare“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Patient_Protection_and_Affordable_Care_Act), dass der Zugang zur Medizin massiv durch die ökonomischen Bedingungen des Versicherungsstatus beeinflusst wird.

Aber geh, gähnt der Fachmann, der an oft unterschiedliche Dosierungsempfehlungen und Indikationslisten im Beipacktext vieler Medikamente denkt, aber darum soll es nicht gehen.

 

Auf www.Medscape.Org, einem 1995 gegründeter Web-basierter Informationsdienst für Ärzte veröffentlichten Leslie Kane, MA (DirectorMedscape Business of Medicine) und Shelly Reese (Freelancewriter, Cincinnati, Ohio) einen Ethics-Report 2014, in dem die Antworten von 21,000 US amerikanischen und 4000 europäischen Ärzten aus über 25 Sonderfächern zu verschiedenen medizinischen Fragen gegenübergestellt werden.

Große Unterschiede fanden sich z.B. hinsichtlich des Grundkonflikts jeder ärztlichen Tätigkeit. Die Frage, ob man die möglichen Risiken einer Therapie in der Patientenaufklärung eher hinunterspielen  würde, wenn man davon überzeugt ist, dass diese zum Wohle des Patienten wäre, wurde von fast dreimal mehr europäischen Ärzten bejaht als in den US
(USA: 10% Ja, 76% Nein, 14% kommt drauf anv.s. Europa  28% Ja,  49% Nein, 23% kommt drauf an).
55% der europäischen Ärzte würden auch gegen den Willen der Angehörigen einen Patienten behandeln, wenn sie eine Heilungschancesehen, während das nur für 22% der US-Ärzte in Frage kam.
Auch sind fast doppelt so viele Europäer bereit einen Verdacht auf häusliche Gewalt für sich zu behalten.
Man könnte das auf den ersten Blick mit der größeren Angst vor juridischen Folgen der US-amerikanischen Kollegen erklären, wogegen vielleicht spricht, dass nur 14% der US-amerikanischen Ärzte v.s. 25% der Europäer meinen, dass lebenserhaltende Maßnahmen zu früh beendet werden. AlsHauptgrundwirdhieraber der Kostendruckangegeben („Individual morality is one thing,“ noted a UK physician. „Running a businessisanother.“)

Zur Frage der(passiven, physician-assisted) Sterbehilfe sind die Unterschiede eher marginal.
(USA: 54% Ja, 31%, 15% Nein, 15% kommt drauf anv.s. Europa 41%  Ja, 41% Nein, 18% kommt drauf an)
Dzt. ist sie in 5 US-Bundesstaaten und einigen europäischen Staaten erlaubt

Die Fehlerkultur ist wiederum deutlich unterschiedlich ausgeprägt. Doppelt so viele Europäer würden Fehler, die zu keinem Patientenschaden führten (nearmisses aus der Fliegersprache), unter das Leintuch kehren
(USA: 19% Ja, 60% Nein, 22% kommt drauf anv.s. Europa 37% Ja, 38% Nein, 25% kommt drauf an)

Auch in der Direktheit der Aufklärung über schwere Diagnosen bleiben die US Ärzte deutlich eher bei der Wahrheit, als die Europäer, wobei der Anteil der im Einzelfall Abwägenden bei folgender Frage sehr hoch ist.
Würden Sie eine tödliche Diagnose (terminal diagnosis) verschweigen, wenn Sie dadurch den Lebensmut (bolster a patient’sattitude) heben könnten?
(USA: 21% Ja, 3% Nein,76% kommt drauf anv.s. Europa 46% Ja, 10% Nein, 45% kommt drauf an)

Auch bezüglich schwarzer Schafe innerhalb der eigenen Gruppe sind europäische Ärzte eher bereit zu schweigen. Auf die Frage, ob Sie drogen-, alkoholabhängige oder kranke Ärzte anzeigen würden, war das Schweigen in Europa stärker ausgeprägt.

(USA: 77% Ja, 4% Nein, 20% kommt drauf anv.s. Europa 45% Ja, 20% Nein, 35% kommt drauf an)

Vielleicht statistisch nicht signifikant, aber überrascht hat mich, dass Europäer eher zu Leistungseinschränkungen am Patienten bereit sind, wenn das Budget aufgebraucht ist.

If your healthcare group will be penalized for exceeding its care budget, would you avoid or deny treating some patients?
(USA: 8% Ja, 74% Nein, 19% kommt drauf anv.s. Europa 13% Ja, 61% Nein, 26% kommt drauf an)

Der Sampling Error (am 95%-CI) betrug generell +/- 0,72 für die US Ärzte und +/- 1,55 % für die Europäer. Unter den 21.531 befragten Ärzten kamen 1% aus Österreich, nur 7% aus Deutschland, aber 17% aus UK! Auch das Geschlechterverhältnis (37% weiblich 63% männlich) mag die nationalen Verhältnisse nicht überall gleich gut repräsentieren.

 

 

 

 

Written by medicus58

9. Februar 2015 um 07:26

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