Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Von wegen im KAV ist alles in Ordnung

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Supramaximal

Medial wird die Schlacht ja ganz professionell geführt:
KAV-Ärzte: Mehr Gehalt http://wien.orf.at/news/stories/2691951/ und Frau Stadtrat Wehsely und Parteifreund Wr. Ärztekammerpräsident Szekeres beglückwünschen sich medienwirksam zur Betriebsvereinbarung, die eigentlich die SPÖ Stadträtin der SPÖ dominierten Gewerkschaft diktiert hat.

Vom Kleingedruckten der Vereinbarung und den begleitenden Drohungen (Änderung der Arbeitszeiten per Weisung ohne Gehaltsänderung) liest man natürlich nichts.

Während schon vorher medial vermittelt wurde, dass ohnehin nur mehr das AKH ein Problem hätte, weil man sich „im KAV geeinigt habe“, nachdem die Gewerkschaft vor Verhandlungsbeginn die Ausnahmeregelungen der BV bis Mitte 2015  verlängert hat, darf dort, an seinem Arbeitsplatz, der Kammerpräsident um eine Erhöhung seines eigenen Gehaltes kämpfen. Das dieses vom VP Minister Mitterlehner (Wissenschaft) und nicht von der Parteifreundin im Wiener Rathaus bezahlt wird, hat das Verhältnis von Wehsely und Szekeres sicher nicht belastet….

Zur Sicherheit hat man die für März geplante Abstimmung über das Dienstzeitmodell ÄrztInnen (NEU) WSK (WSK = KAV-AKH) an die Wiener Ärztekammer delegiert, die aber de facto gar nicht der primäre Verhandlungspartner des Rathauses war, das waren natürlich die FSG-Gewerkschafter. D.h. ein negatives Abstimmungsergebnis unter den im KAV angestellten Ärzten, hat weder de jure noch de facto einen Einfluss. Da die Personalvertretung jedes einzelnen Spitals aber jeder Änderung individuell zustimmen muss, wird es auf den Druck ankommen, die die Kollegenschaft auf ihre (Zwangs-)Personalvertretung ausübt, ob das, was die Spitzen unterschrieben haben, lokal auch durchgeführt werden kann. Das übliche Machtspielchen kann also beginnen.

Während der um seine eigenen Besoldung im AKH kämpfende Ärztekammerpräsident, der sich übrigens in der Kammer nur auf eine wackelige Koalition stützen kann, in den Social Media nicht müde wird, die Vorteile der Vereinbarung zu loben, wird nun, zwei Wochen nach Unterschrift klar, weshalb das Originaldokument, das ja Grundlage für die Dienstpläne ab Juli sein muss, den Betroffenen noch immer nicht vorliegt.

Während die Reduktion der Nachtdiensträder, also die ärztliche Präsenz während der Nachtstunden, ein deklariertes Ziel war, das den Patienten medial als eine höhere ärztliche Präsenz in den Ambulanzen verkauft wurde, wird darüberhinaus klar, dass über 10% der Ärzteposten im Wiener Krankenanstaltenverbund eingespart werden!

Nicht nur, dass sich damit die Ärzte ihre vollmundig den Medien verkündete Erhöhung des Grundgehaltes nicht nur mit dem Verlust der gut dotierten Nachtdienste selbst finanzieren, wird sich das Rathaus auch den Gehalt für 382 Dienstposten ersparen. Davon war in den ersten Tagen nach der Einigung natürlich nicht die Rede.

Da es sich die „rote Gesundheitsstadträtin“ auch nicht mit der „roten Wiener Gebietskrankenkasse“ verderben will/kann, beinhaltet die jetzige KAV Reform aber auch nicht eine Entlastung der chronisch überfüllten Spitalsambulanzen. Diese Überlastung rührt überwiegend daher, dass eben diese Gebietskrankenkasse nicht für eine adäquate Versorgung ihrer ambulanten Versicherten zu sorgen gewillt oder befähigt ist.
Letztendlich lagert Mag.a Ingrid Reischl, die Obfrau der WGKK seit Jahren Kosten in den KAV aus, wogegen sich weder die operative noch die politische Führung des KAV zur Wehr setzt. Warum wohl?

Nach dem neuen Dienstzeitmodell des KAV werden zukünftig weniger Ärzte in den Abendstunden in den Spitälern zur Verfügung stehen, wenn die Krankenkassen-Ordinationen geschlossen haben, aber durch die Personalreduktion auch weniger Ärzte für die Patienten in den Spitalsambulanzen zur Verfügung stehen.
Von parallelen Maßnahmen der Krankenkassen ist nichts zu hören!

Profitieren werden aus heutiger Sicht vom Dienstzeitmodell ÄrztInnen (NEU) in erster Linie diejenigen Ärzte profitieren, die schon jetzt keine Nachtdienste leisteten bzw. sich auf Teilzeit setzen haben lassen, um ihre Ordinationen zu führen.
So zielunsicher muss eine Reform einmal sein!
Die Mehrheit der nachtdienstleistenden ÄrztInnen im KAV wird im besten Fall keinen massiven Gehaltsverlust erleiden, wenn sie sich ans Arbeitszeitgesetz halten, aber dies durch einen Verlust an Tagesfreizeit und eine Verdichtung an Arbeitsleistung bezahlen.

Bin schon neugierig, wie die Abstimmung ausgehen wird.

 

Written by medicus58

13. Februar 2015 um 16:16

6 Antworten

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  1. Sehr geehrter Medicus 58,
    Dieser Beitrag ist leider so nicht richtig.Im KAV gibt es ein Angebot, im AKH an der MedUni noch nicht, das ist ein Faktum. Im Verhandlungsteam waren Vertreter vieler Fraktionen (Mittel/bauWahlgemeinschaft, Wilhelminenspital, FSG) und fast aller KAV Spitäler. Das Ergebnis gilt erst, wenn die Gremien zustimmen, diese richten sich zumindest in der Ärztekammer nach dem Ergebnis der Urabstimmung. Kammerfunktionäre können nur aufgrund von Gremialbeschlüssen unterschreiben.
    An der MedUni (AKH) verhandelt federführend Kollege Andreas, der Mitglied der Vereinigung und kein Sozialdemokrat ist. Der implizite Vorwurf es ginge mir nur um mein eigenes Einkommen ist unrichtig. Es geht um national und international vergleichbare Einkommen aller Wiener Ärztinnen und Ärzte.
    Das Dokument und auch zusätzliche Informationen, wie ein Rechner werden innerhalb kurzer Zeit zur Verfügung stehen. Die Nachtdienstreduktionen sind an Organisationsänderungen gekoppelt und können nur so umgesetzt werden. Finanziell gibt es keine Verlierer, wobei es weder stimmt, dass flächendeckend Schichtdienst kommt, noch, dass Nachtdienste nicht mehr bezahlt werden. Im neuen Grundgehalt sind 5 Nachtdienste hineingerechnet. Wenn diese im Rahmen von Überstunden absolviert werden, werden die Überstunden wesentlich besser als bisher (aufgrund des gestiegenen Grundgehaltes) bezahlt und werden in der Nacht mit 200% abgegolten. Ich gebe aber zu, dass es in diesem Modell finanziell vorteilhaft ist so wenige Nachtdienste, wie möglich zu machen. Das Paket hat Vor und Nachteile und ist ein Kompromiss. Allerdings haben wir verhindert, dass ein Nebenbeschäftigungsverbot, Konkurrenzverbot oder eine Erhöhung des Hausanteiles der Sonderklassehonorare kommt. Ich versuche auch auf Facebook nur objektiv zu informieren, ob die Kolleginnen und Kollegen zustimmen oder nicht, auch ob die KollegenInnne das Opt Out unterschreiben, muß individuell entschieden werden.
    Mit freundlichen Grüßen
    Thomas Szekeres

    Thomas Szekeres

    14. Februar 2015 at 00:58

    • Die Abstimmung ist eine Farce und das muss Ihnen klar sein! Abstimmen lässt man bewußt den Mitverhandler (ÄK) dessen Unterschrift irrelevant ist, da er im Ggs zur Personalvertretung/Gewerkschaft im KAV nichts zubsagen hat. Ein negatives Votum gegenüber der Personalvertretung würde diese zu einem Einspruch zwingen. Zweitens wird die Betriebsvereinbarung durch die GD des KAV bereits mit großem Druck umgesetzt, und jeder kennt die Drohungen, dass Dienstzeitänderungen trotz negativem Votum kommen würde, nur eben keine Gehaltserhöhung!

      medicus58

      14. Februar 2015 at 09:54

    • Sehr geehrter Herr Szekeres,

      Danke für Ihre persönliche Stellungnahme in dieser Debatte. Ich würde aber sehr gerne einen von Ihnen angeführten Punkt nochmals herausgreifen:

      In ihrem Statement haben Sie explizit betont, dass die Nachteile des verhandelten Paketes deshalb in Kauf genommen werden, da verhindert wurde „dass ein Nebenbeschäftigungsverbot, Konkurrenzverbot oder eine Erhöhung des Hausanteiles der Sonderklassehonorare kommt“.

      Es würde mich sehr interessieren Ihre Sicht dazu zu hören weshalb die jungen Ärzte und Ärztinnen in Ausbildung (und auch jene die in Fächern tätig sind, die ohnehin keine oder kaum Sonderklassehonorare lukrieren) das vorliegende Verhandlungsergebnis als in ihrem Sinne verstehen (und dieses bei einer Abstimmung unterstützen) sollten. Die von Ihnen zitieren Vorteil werden diese sehr große und für die Zukunft des Gesundheitssystems immanent wichtige Gruppe in der mittelfristigen Zukunft (und zum Teil auch darüber hinaus) in keiner Weise betreffen.

      Vielleicht könnten Sie deshalb noch einmal verständlich machen inwieweit die Ärztekammer hier die Interessen aller ÄrztInnen und insbesondere die der nachrückenden Generation vertritt. Zumal die Ärztekammer in der Vergangenheit ja immer wieder die große gesundheitspolitische Bedeutung der jungen Ärztinnen betont und die Verhinderung einer weiteren Abwanderung als Kernanliegen präsentiert hat.

      mit freundlichen Grüßen.

      438756

      14. Februar 2015 at 20:24

  2. Ich verstehe alle oben genannten Argumente. Aber was ich vermisse, ist ein Konzept für eine umfassende Gesundheits-Strukturreform betreffend eine gesamte gute Gesundheitsversorgung für die BürgerInnen der Stadt Wien. Was jetzt passiert, ist die (unter Zeitdruck durch die EU) längst überfällige Umsetzung der EU Arbeitszeitrichtlinie in den Wiener Spitälern, aber was geschieht denn im niedergelassenen Bereich und bei den Krankenkassen, etc.?

    Anonymous

    14. Februar 2015 at 10:53

    • Es geschieht viel:
      Downsizing der Kompetenz: Der Günstigere versorgt, nicht immer notwendigerweise der der es am Besten kann.
      Sturmfrei schießen eines Systems um es Privatisieren zu können.
      Wer mehr will muss draufzahlen.

      medicus58

      14. Februar 2015 at 18:17

  3. Die jungen Kollegen Innen profitieren, wenn sie weniger Dienste machen als bisher, sowohl was die Stundenbelastung als auch was das Gehalt, betrifft. Ich gebe gerne zu, dass es Einkommensunterschiede zwischen Fächern gibt. Einige wenige Kollegen sind Großverdiener das ist ein Fakt, gibt es aber in jeder Berufsgruppe. Ich hoffe dass das System nicht kaputtgeschossen wird, aber da sind die Politik und das Mangement zuständig, nicht die Ärztekammer. Zu den Nebenbeschäftigungen: immerhin hat jeder dritte Facharzt im KAV eine Ordi, viele gehen vertreten andere belegen in Privatspitälern. Auch diese Kolleginnen und Kollegen verdienen es von uns vertreten zu weden.
    Thomas Szekeres

    Thomas Szekeres

    15. Februar 2015 at 10:24


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