Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Grusel-Medizin

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Kaum glaubten wir uns entspannen zu können, nachdem auch die Wirtschaftswoche das Ende des Tunnels sah, obwohl Deutschland zu den am stärksten von der Grippe betroffenen Ländern in Europa zählte.
Optimismus schien sogar berechtigt, da wir heute vernahmen, dass die Medizin schon wieder einen Schritt vorangekommen ist und schon wieder ein neues Organ entdeckt hat: das Zwischengewebe.
Wer nun glaubt, die Sau wieder zu erkennen, die da durchs mediale Dorf gejagt wird, dem kann geholfen werden, den vor etwas mehr als einem Jahr war es das Gekröse, das zum neu entdeckten Organ hochgejubelt wurde. Selbstverständlich haben wir hier darüber im Jänner 2017 berichtet: Neues Organ entdeckt, nein, nicht das Großhirn.

Das Vertrauen in die Segnungen der Medizin schien kurzfristig nahezu grenzenlos, bis uns heute die Nachrichten vom Horror-Tripper um die Augen flogen:

Antibiotikaresistenzen: England meldet weltweit ersten Horror-Tripper
Super-Tripper bei Brite diagnostiziert – warum Ärzte nun besorgt sind
Brite holt sich die «weltweit schlimmste Art» von Tripper 
In Grossbritannien war er in einer festen Beziehung, das war ihm aber nicht genug. Nun kommt einem Briten ein One-Night-Stand in Asien teuer zu stehen.

Wobei wir uns nicht darauf ausreden dürfen, wieder einmal nicht gewarnt worden zu sein.
Die Welt brachte uns schon vor mehr als einem halben Jahr die Warnung der WHO nahe:
Wer an der Krankheit leidet, hat häufig einen eitrigen Ausfluss aus Scheide, Penis oder Po. 
Weltweit infizieren sich jedes Jahr 78 Millionen Menschen neu
Auch der Standard kopierte eine APA Meldung: „Tripper“ immer schwerer zu behandeln

Kurz vor Weihnachten 2017 berichtete der Kurier schon atemlos:
In der Stadt Salzburg (!) könnte eine Prostituierte Dutzende Freier mit Gonorrhö (oder umgangssprachlich Tripper) angesteckt haben.
Natürlich eine Ausländerin!
Und noch am 1.3.2018 schlug das Spektrum der Wissenschaft Alarm:
Die Rückkehr der Plagen: Krätze, Scharlach, Syphilis und Tripper treten in letzter Zeit wieder häufiger auf. 

Was hilft uns da die Erkenntnis, dass  Viagra vielleicht Darmkrebs vorbeugt wenn wir vorher am Tripper abkratzen, denn wer nimmt Viagra ohne es auszunutzen?
Auch erleben wir nach einem one night stand in Asien womöglich gar nicht mehr den Durchbruch in der Parkinsontherapie, den uns Experten noch am 9.3.2018 für in zehn bis zwanzig Jahren versprechen.

Vermutlich hilft uns auch dann auch der in Nature Nanotechnology vorgestellte Tissue Nanotransfection (THT) Chip nicht mehr, der beschädigte Haut, Nerven, Organe und sogar das Gehirn heilen können soll. Und das, indem man ihn einfach nur für eine Sekunde auf die Haut legt wie wir in Galileo erfahren durften.

Sage noch einer, dass die medizinische Berichterstattung uns nicht auf eine Jubel-Grusel-Hochschaubahn versetzt. Der Krebs wird ja schon monatlich besiegt und dann rafft uns ein verdammtes Bakterium am Höhepunkt unserer Leistungsfähigkeit dahin …
Mich erinnert das alles an ein Gespräch, dass ich noch als Medizinstudent mit einem Schulfreund hatte. Ich klagte über das breite Interesse an Medizin und dass einen alle sofort irgendetwas Medizinisches fragen wollen, sobald sie erfahren haben, was man studiert. Er aber konterte mit einer sehr weisen Erkenntnis:
Die interessieren sich nicht für Medizin, sie lieben es über Krankheiten reden!

Written by medicus58

29. März 2018 um 21:35

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