Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Life Ball & AIDS: Jenseits der bunten Condome

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Unter der bewährten Führung von Österreichs rührigstem Visagisten, Gery Keszler (http://de.wikipedia.org/wiki/Gery_Keszler),
steigt morgen erneut der Life Ball (http://www.lifeball.org/).

Der Life Ball ist eines der größten AIDS Charity Events weltweit. Sein Ziel: betroffenen Menschen auf eine außergewöhnliche Art und Weise zu helfen und HIV/AIDS nicht länger zu tabuisieren. So wird im Rahmen des Life Ball in einem ausgelassenen Fest Jahr für Jahr das Leben gefeiert und ein lautes, teils schrilles Signal im Kampf gegen HIV und AIDS gesetzt, das über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus tönt.

Sie erwarten sich hier vergeblich irgendwelche homophoben Untergriffe wie seinerzeit in der FPÖ Schrift „Zur Zeit“ oder einer Diskussion von Kezlers aktuellem Konflikt mit der „Seitenblicke-Schickeria“.

Worauf ich hinweisen möchte, dass der Life Ball mit seiner
bewusst schrillen Körperlichkeit und zur Schau gestellten Sexualität,
einer der ersten Opfergruppen des Virus nicht gerecht wird.

Auch wenn im Mission Statement darauf verwiesen wird, dass:
HIV/AIDS jeden treffen kann – ohne Rücksicht auf Geschlecht, Alter, sozialen Status oder sexuelle Orientierung.
vermittelt das „Design“ der Veranstaltung doch eher einen einseitigen Blick auf das Problem.

Zumindest in meiner ärztlichen Erfahrung, hatte sich das erste Dutzend an AIDS Patienten, die ich Anfang der 80er Jahre gesehen habe, weder durch homosexuellen noch durch heterosexuellen Vergehr angesteckt, sondern infizierte sich an HIV-kontaminierten Blutprodukten.
Meine ersten AIDS-Toten“ waren Bluter
(Hämophile, deren fehlender Gerinnungsfaktor durch „gepoolte“ Blutprodukte Gesunder ersetzt wurden).
Die verabreichten Gerinnungsfaktoren wurden aus dem Blut von 2.000 bis 5.000 Spendern extrahiert, so dass die Ansteckungsgefahr ungleich höher war als durch häufigen Geschlechtsverkehr mit Risikogruppen. Daten aus den USA zeigten zwischen 1979-1981 und 1987-1989 eine Verdreifachung der Todesfälle/Jahr unter Hämophilen, wobei mehr als die Hälfte dieser Männer an AIDS verstarb.

Die Zeitspanne zwischen erstem Verdacht auf einen kausalen Zusammenhang und entsprechenden Gegenmaßnahmen durch Industrie und Aufssichtsbehörde kostete tausenden Patienten das Leben. 

Natürlich ist es im Nachhinein einfache Kritik zu üben, wie man  damals auf Basis des ersten Verdachts handeln hätten müssen, jedoch stellte sich in den Jahren danach eindeutig heraus, dass die Tragödie aus Gewinnstreben und Desinteresse aggraviert wurde.
Artikel: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13491890.html
WDR Video: Tödlicher Ausverkauf: Wie BAYER AIDS nach Asien importierte
http://video.google.de/videoplay?docid=-6072672358568083571#

Seither sind weltweit tausende Hämophile verstorben und die Überlebenden kämpfen bis heute, z.B. bei der Hauptversammlung des Pharmakonzerns BAYER, um eine adäquate finanzielle Entschädigung (http://zwischenzeit.de/blog/2010/03/24/blut-aids-skandal-ist-thema-auf-der-hauptversammlung-2010-der-bayer-ag/).

Hier geht es selbstverständlich nicht um eine Unterscheidung der HIV+ Patienten nach ihrem Infektionsweg,
jedoch erinnert das schrille „Queer“ Getümmel vor dem Wiener Rathaus immer mehr an die legendären Fast-Nackt-Parties der 80 Jahre,
dem Jahrzehnt in dem HIV in das Bewußtsein der Ersten Welt eindrang.

Das mag alles ganz vergnüglich sein und wird durch einen hohen internationalen Promifaktor und das jährlich steigende Spendenaufkommen für die gute Sache noch sublimiert.

Den Condomverbrauch zu steigern
hat durchaus einen prophylaktischen Wert, jedoch war es mir ein Bedürfnis daran zu erinnern,
dass HIV auch andere Aspekte als

kopulative Lebenslust und
schrille Mode- und Fleischbeschau
hat, was weder in Keszlers Seitenblicken-Kämpfen noch in den
aktuellen Schlagzeilen zum Ausdruck kommt:

Life Ball 2012: Promis sind gelandet‎
http://kurier.at/freizeit/leute/4496495-life-ball-2012-promis-sind-gelandet.php
http://www.vienna.at/die-life-ball-stars-sind-in-wien-gelandet/3255597

Wirtschaftskammer: Life Ball als Imagefaktor mit hoher Wertschöpfung
Das bunteste und schrillste Benefizspektakel der Welt feiert am 19. Mai sein 20 jähriges Jubiläum. 2011 erzielte das Event eine Wertschöpfung von 9,7 Millionen Euro.
http://www.live-pr.com/jank-life-ball-als-imagefaktor-mit-r1049506066.htm

Rathaus im Zeichen des Feuers:
Der Life Ball wirft seinen heißen Schatten voraus
http://www.news.at/articles/1220/401/327863/life-ball-2012-rathaus-zeichen-feuers

Firmen Feuer und Flamme für Life Ball
Der Life Ball ist als Charity-Veranstaltung für viele Konzerne die geeignete Plattform, medienwirksam gesellschaftliche Verantwortung zu zeigen. 2012 angelte sich Life Ball-Erfinder Gery Keszler knapp 40 Hauptsponsoren, 100 Sachspender und 50 Gastronomiepartner für die gute Sache.
http://www.wirtschaftsblatt.at/archiv/firmen-feuer-und-flamme-fuer-life-ball-518395/index.do

PS: In den Jahresberichten http://www.lifeball.org/wp-content/uploads/2012/04/Geldvergabe-1993-2010_01.2012.pdf  fand ich übrigens keine Spende an eine Hämophilenorganisation.

Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Infektionen_durch_HIV-kontaminierte_Blutprodukte
http://bluter.at/
http://www.haemophilieportal.de

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