Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Oral Sex mit Conchita am Life Ball

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Conchita Kopie

 Lassen Sie mich vorausschicken, dass ich das „Produkt Conchita Wurst„, also das Styling, den Song, seine Interpretation und die TV Regie des dänischen Fernsehens sehr gut finde und die mir in den Medien entgegentretende „Person Neuwirth“ als sympathisch und intelligent finde.

Ich wollte eigentlich mir meinen Senf zu der hin und herumwogenden Wurstdebatte ersparen, weil ich wusste, dass auch ich (quot erat demonstarndum) mich nicht all dieser halblustigen Formulierungen enthalten werden können, die inzwischen grassieren, jedoch hätte ich gerne ein paar Antworten auf folgende Fragen:

Erstens, glaubt irgendwer, dass ein Statement, so gut es auch sein mag, in einem Forum, dass so wenig mit dem wirklichen, d.h. rein statistisch um so viel häufiger stattfindenden, Leben zu tun hat, wie der Eurovisionssongcontest oder der Life Ball, irgendeinen Einfluss auf die Bewußtseinsbildung zu tun hat?
Die philosophischen und beletristischen Bibliotheken sind seit Jahrhunderten ebenso prall gefüllt mit humanistischen Statements, wie die Klein- und Großkunstbühnen dieser Welt, ohne dass sich ein nachhaltiger Effekt eingestellt hat. Verstehen Sie mich richtig, natürlich hat sich unser Menschenbild, vielleicht auch auf Basis dieser Statements geändert, aber nicht sofort, nicht durch einen einzigen Auftritt und (dies geht in Richtung der Life Ball Veranstalter) durch Provokation.

Zweitens sollte die Diskussion darüber abgeschlossen sein, dass Menschen, gerade weil Sie sich in Teilbereichen anders verhalten, darstellen und sehen als die Mehrheit, Rechte zustehen weil sie Menschen sind. Menschenrechte verdienen nur ihren Namen, wenn sie allen Menschen aufgrund ihres Menschseins unabhängig von ihrem Verhalten gewährt werden. Dass diese Forderung in der gesellschaftlichen Praxis nicht gänzlich erfüllt wird, ist klar, aber mich beginnt zunehmend zu stören, dass sich ich eine extreme Verengung in dieser Diskussion empfinde. Wir fühlen uns alle unheimlich liberal, wenn wir Rechte von Schwulen, Lesben und Transgender einfordern während die sozialen Minderheiten (Alleinerzieher, Arbeitslose, Alte, …) jenseits von Wahlreden kaum noch wahrgenommen werden.
Die Nicht-Schönen, Fetten, Glatzköpfigen und Spinner werden in den Medien (regelmäßig durch Herrn Hermes bei Stermann und Grissemann) vorgeführt wie dereinst die Jahrmarktfreaks und kein Mensch denkt an deren Rechte.

Drittens beschäftigt mich die Frage, weshalb sich (Stichwort Life Ball Plakat 2014) https://www.google.at/search?q=life+ball+plakat+2014&es_sm=93&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ei=vHB0U6uuL8G47AbN74DgDw&ved=0CFIQsAQ&biw=1465&bih=876 ) die Anti-Heteronormativen offenbar ausschließlich durch ihre Geschlechtsmerkmale und ihren Geschlechtsverkehr definieren. Ohne die Freuden, die man sich und einander zwischen zwei Bettlaken oder irgendenwo daneben bereiten kann, klein reden zu wollen, so scheint mir auch im Zeitalter pharmakologischer Unterstützung die Zeit, die jeder von uns mit Sexualakrobatik zu verbringen in der Lage ist, im Vergleich zu anderen Tätigkeiten, in denen wir unserer Persönlichkeit einbringen können, doch verschwindend klein.

Mir scheint, und schon bin ich am Schluss, dass wir es hier mit kollektivem Oralsex zu tun haben, der darin besteht uns in unserem gleichgeschalteten Leben noch etwas Nervenkitzel zu verschaffen, indem wir über den Sex der anderen reden. Solange sich darüber noch irgendein Erzkonservativer aufregt, fühlen wir uns in unserer Libertinität auch noch bestätigt. Wo sind die Zeiten, als österreichische Popmusik (Wolfgang Ambros) viel unspektakulärer, ohne Lasershow und Glitzer, ganz einfache Wahrheiten aussprach:

A jeda gheart zu ana Minderheit,
a jedn geht wos o
A jeder hot a Handicap,
an jeden geht’s a so

http://www.golyr.de/wolfgang-ambros/songtext-minderheit-104572.html 

Written by medicus58

15. Mai 2014 um 07:12

Eine Antwort

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  1. Prägnanter kann man es nicht ausdrücken. Sehr gut!

    Conny

    15. Mai 2014 at 11:50


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