Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Posts Tagged ‘Zertifizierung

Hält sich GD Janßen endlich an meine Vorschläge? Das Ende der Qualitäts-Zertifizierung im KAV!

leave a comment »


500px-EFQM-Modell_(Qualitätsmanagement).svg

Das EFQM-Modell ist ein Qualitätsmanagement-System des Total-Quality-Management. https://de.wikipedia.org/wiki/EFQM-Modell

2013 bejubelte sich der KAV lautstark über die Zertifizierung seines QMs: 

„Recognised for Excellence 3star“ für den Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV)
Der KAV hat sich zum Ziel gesetzt, zu den besten Anbietern von Gesundheitsdienstleistungen in Europa zu gehören und Spitzenmedizin und Spitzenpflege für alle zu ermöglichen. http://www.wienkav.at/kav/ZeigeText.asp?id=37732

Europaweit stellt der KAV damit die erste Krankenhausorganisation mit dieser Anerkennung durch die Quality Austria und die EFQM dar. http://www.wienkav.at/kav/ZeigeAktuell.asp?ID=22524

Ihr Medicus hat schon vorher, auf ziemlich einsamem Posten, diesen Zertifizierungswahn kritisiert:

2011
Die Qualität der Zertifizierung der Qualität  http://wp.me/p1kfuX-4a
2012
Im Wiener Gesundheitswesen sind Zertifizierungen wie Totenscheine http://wp.me/p1kfuX-mB
Die Qualität der Zertifizierung der Qualität  http://wp.me/p1kfuX-8S
2013
Wie lange kann sich die Gesundheitspolitik noch hinter Zertifikaten verschanzen? http://wp.me/p1kfuX-HV
2014
Zertifizierte Nächstenliebe m.b.H. http://wp.me/p1kfuX-Qg

Jetzt wird wortreich intern mitgeteilt, dass das EFQM Logo von allen Schriftsorten zu entfernen ist, weil der GED-Vorstandsbereich Kommunikation „nach Abwägung des Aufwand-Nutzen-Verhältnisses der KAV die externe EFQM-Auditierung nicht mehr so engmaschig wie bisher fortsetzen (!) wird.

Im Klartext läuft das Zertifikat im Juli 2015 aus und aus ….

Wer erinnert sich noch den Sprechsprudel unser Gesundheitsstadträtin Wehsely aus 2013, in dem das EFQM noch unverzichtbares Zeichen und Werkzeug der eigenen himmelstürmenden Absichten war:

Mehr als 30.000 MitarbeiterInnen sorgen in den Spitälern, Geriatriezentren und Pflegewohnhäusern dafür, dass PatientInnen und BewohnerInnen bestens betreut sind und leisten hervorragende Arbeit“, so die Wiener Gesundheits- und Sozialstadträtin Sonja Wehsely. „Das EFQM-Excellence Modell unterstützt uns dabei, unserem Qualitätsanspruch in Zukunft noch besser gerecht zu werden. Denn die Umsetzung des Wiener Spitalskonzeptes setzt gerade auch in diesem Bereich zum Wohle der PatientInnen neue Standards.
https://www.wien.gv.at/rk/msg/2013/10/18009.html

Irgendwann lesen wir dann, was der Spaß gekostet hat, einschließlich der Vernichtung der nun unnötigen Drucksorten …

 

Written by medicus58

30. Juni 2015 at 18:46

Ärzteboykott in Südtirol: Wir arbeiten trotzdem

leave a comment »


pic

Dass Ihr Medicus kein Fanatiker von Zertifizierungen in der Medizin ist, sollte bekannt sein (https://medicus58.wordpress.com/tag/zertifizierung/).

Auch einem anderen Mantra der Gesundheitsexperten steht er kritisch gegenüber:
Es gilt heute als unumstösslich, dass die ärztliche Qualität steigt, wenn „mehr von demselben“ getan wird. Es handelt sich hier um ein gutes Beispiel, dass die Umkehrung eines an sich richtigen Satzes (Ein Arzt der eine bestimmte Operation noch nie gemacht hat, wird mehr Komplikationen verursachen, wenn er es trotzdem probiert) nicht notwendigerweise zu einer richtigen Erkenntnis führen muss.
Zu glauben, dass ein Operateur mit seinem Wechsel aus der Universitäts- oder Spezialklinik bereits einmal erlernte Fähigkeiten urplötzlich verliert, ist doch absurd.
in Südtirol spielt sich aber gerade vor diesem Hintergrund eine Art Ärztestreik (bzw. ein Boykott der behördlichen Vorgaben) ab:
Ärzte in Südtirols Spitälern weigern sich, die onkologische Zertifizierung umzusetzen. In (fast) allen Krankenhäusern wird weiteroperiert – trotz strikten Verbots. Auch Drohungen seitens der Leitung des Südtiroler Sanitätsbetriebes zeigen wenig Wirkung.
http://www.tageszeitung.it/2014/06/02/der-aerzte-boykott/

Die Ärzte wollen sich jedenfalls nicht einschränken lassen. „Wir haben die Ausbildung und möchten die operativen Eingriffe durchführen. Wenn in Krankenhäusern nur mehr die Nachversorgung gemacht werden darf, verlieren die Mediziner ihre Fähigkeit und die Übung: Chirurgie ist ein Handwerk. Zudem wird sich in diesen Spitälern kein Arzt mehr ausbilden lassen. Daher wird spekuliert, dass diese Reform eingeführt wurde, damit man in der Peripherie endlich Abteilungen schließen kann“, schildert ein weiterer Arzt.

Auch in Österreich wurden vergleichbare Einschränkungen bereits vorgenommen und viele Operateure nehmen diejenigen Eingriffe, die ihnen in „ihren eigenen, öffentlichen Spitälern“ verboten sind, in privaten Krankenanstalten vor …

Ich finde den Südtiroler Weg der Konfrontation eigentlich sympathischer! 

Written by medicus58

2. Juni 2014 at 07:00

Im Wiener Gesundheitswesen sind Zertifizierungen wie Totenscheine

leave a comment »


Mit Freude entnehmen wir der Homepage des Wiener Krankenanstaltenverbundes KAV, dass

das Zentrallabor des Otto-Wagner-Spitals von der Qualitiy Austria Trainings-, Zertifizierungs- und Begutachtungs GmbH
das Zertifikat nach ISO 9001:2008 erhalten hat.

Es ist erst das vierte KAV-Zentrallabor, das dieses Qualitätszertifikat erhält und das Erste, bei dem auch eine dem Labor angeschlossene Zytologie zertifiziert wurde. Die Verleihung des Zertifikats bestätigt die hohe Qualität der medizinischen Leistungen im Otto-Wagner-Spital. http://www.wienkav.at/kav/ZeigeAktuell.asp?id=19975

Da käme doch Stolz auf, würden wir uns nicht erinnern,
dass erst unlängst Vizebürgermeisterin Vassilakou via Kronen Zeitung den Beschluß verkündet hat,
das gesamte Otto Wagner Spital zu schleifen:
http://www.steinhof-erhalten.at/Medienberichte/kronenzeitung_13-5-2012.jpg 
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=64132

Ein Einzelfall? – au contraire

Mit enormem persönlichen Engagement, hat weiland das
Preyersche Kinderspital als erstes KAV Haus ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem (UMS) etabliert
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20001005_OTS0075/umweltmanagement-im-preyerschen-kinderspital
Am 01.01.2008 wurde das Krankenhaus geschlossen und die Betten als Kinder- und Jugendabteilung des Kaiser-Franz-Josef-Spitals geführt.

Das UMS, das naturgemäß auf den örtlichen Strukturen aufbaut, kann man sich auf gut Wienerisch „in die Haare schmieren“.

Das SMZ Floridsdorf wurde 2011 zum vierten Mal nach EMAS/ISO 14001 zertifiziert. Zwischen 2005 und 2011 haben sie sechsmal die Ökoprofit Auszeichnung erhalten. Auch der Standort Floridsdorf beweist, dass ein Umweltsystem auch wirtschaftlich etwas bringt: erhebliche Einsparungen konnten im Bereich der Reinigungs- und Desinfektionsmittel erzielt werden oder durch die Umstellung der Müllcontainer für Restmüll auf eine Dichtpresse mit Verwiegung sowie der Umstellung der Gartenbewässerung auf Brunnenwasser.
http://www.wienkav.at/kav/ZeigeAktuell.asp?id=18526
und richtig:
Am 28.6. beschloss die Gesundheitsplattform das Wiener Spitalskonzept 2030, das neben der Schließung des

Kaiserin-Elisabeth-Spital
2. Platz Gesundheitspreis der Stadt Wien in der Kategorie „Medien/Öffentlichkeitsarbeit“ für das Buch „Schilddrüsenchirurgie“ von M. Hermann, Leiter der Chirurgischen Abteilung
Etablierung Stabsstelle Entlassungsmanagement
Bronze-Zertifikat „Rauchfreies Kaiserin-Elisabeth-Spital“
Auszeichnung im Rahmen des Programmes „Netz- werk Natur“
Fünfte Ökoprofit-Auszeichnung in Folge im Rahmen des ÖkoBusinessPlan Wien

des Sophienspitals,
KAV-weiter Umwelt- und Gesundheitstag 2010
Ökoprofit-Auszeichnung im Rahmen des ÖkoBusinessPlan Wien

des Otto-Wagner-Spitals (siehe oben), des Orthopädisches Krankenhaus Gersthof, der Semmelweisklinik

auch die Schließung des Krankenhaus Floridsdorf. http://www.wien.gv.at/rk/msg/2012/06/28020.html betrifft.
http://www.ows-mediation.at/App_Upload/Filemanager/618/Dokumente/KAV_GB_2010.pdf 

Wer einmal so einen Zertifizierungsprozess durchgestanden hat, weiß wieviel zusätzliche Arbeitsstunden und Engagement dies von den Mitarbeitern verlangt.
Danach zu erfahren, dass man das alles für eine kurze Jubel-Presseaussendung des KAV gemacht hat,
ist  Mitarbeiter-Motivation vom Feinsten ….

Ergänzende Links:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=39411
http://wp.me/p1kfuX-g0

Written by medicus58

5. Juli 2012 at 16:48

Die Qualität der Zertifizierung der Qualität

leave a comment »



Sie wissen sicher, wofür „ISO“ steht, nein nicht:  http://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Organisation_f%C3%BCr_Normung sondern:
Idioten – Suchen – Ordner.
Aber ernsthaft, wir leisten uns eine Kaste von Beratern und Zertifizierern, deren wesentliche Tätigkeit darin besteht, Konzepte aus der Fertigungstechnik (Stichwort: Fließband) in immer neu flip-charts zu bringen und, meist ohne eigene fachspezifische Qualifikation, der Medizin überzustülpen.

Sie können dann wählen, ob Sie in ein ISO 9001:2008 zertifiziertes Labor ihr Blut schicken wollen oder in einem KTQ ge-brandeten Röntgeninstitut durchleuchten lassen. Wenn Sie sich ihren Rücken in einem JCI (Joint Commission International) zertifizierten physikalischen Institut massieren lassen, wissen Sie wenigstens, dass dort jemand des Englischen mächtig sein muss, denn die Ordner müssen in diesem System ins Englische übersetzt vorliegen. Etwas näher beim Lieben Gott sind sie, wenn ihr Spital das Label von pCC (proCum Cert GmbH) tägt und wenn es sogar nach EFQM (European Foundation for Quality Management) ein excellence center ist,  dann dürfen sie sich so wirklich wohl fühlen. Wollen Sie es wieder etwas deutscher, dann darf es vielleicht noch KPQM sein, das auf der DIN EN ISO 9001 basiert, sowie dem EFQM-Modell noch „Aspekten eines prozessualen Disease-Managements“ hinzufügt.
Auszug aus der „Speisekarte“ eines der unendlich vielen Anbieters (LGA InterCert GmbH):

Unser Leistungsspektrum im Gesundheitswesen: KTQâ im Krankenhaus KTQâ im Niedergelassenen Bereich KTQâ und QMKD KTQâ im Bereich Rehabilitation KTQâ im Bereich Rehabilitation und QMKD KTQâ im für Altenpflegeeinrichtungen ISO 9001 ISO 9001 & DEGEMED Standard ISO 9001 & deQus Standard Zertifizierung von Krebszentren KPQM qu.no qu.bhäv physioQM QMS-Reha IQMP-Reha des BDPK BVKD-QM-Testat Arbeitsschutz MAAS-BGW dPV – Standard QEP – Qualität und Entwicklung in Praxen® QPP – Qualitätsprüfung plus: Pflege Zertifizierung von Stroke Units ISO 14001, EMAS ISO 17025 in Zusammenarbeit mit DAP

Wenn Sie nun glauben, dass hier irgendwer, z.B. die Standesvertretung, diesem Geld-verschendenden-Wahnwitz Einhalt gebietet, weit gefehlt … die österreichische Ärztekammer leistet sich (mit den Geldern ihrer Mitglieder)eine eigene Qualitätssicherungsgesellschaft (http://www.oeqmed.at/ ), nur damit sie verhindert, dass das Bundesministerium eigene „Qualitätssysteme“ implementiert.

„Ja aber, „werden Sie jetzt sagen, „bei einem so wichtigen Gut wie der Gesundheit kann es doch gar nicht genug Qualität geben!“ Im Prinzip ja, nur wer hat den je bewiesen, dass die Qualität einer Dienstleistung durch Fortbildung und Qualitätssicherungssysteme besser wird?
Großbritannien hatte in Wales einen großen Skandal hinsichtlich Fehlbehandlung durch einen Arzt. Dieser Arzt hatte in der Region aber die meisten Fortbildungspunkte gesammelt (Quelle: persönl. Kommunikation)
Und denken Sie mal weiter: Geld und Zeit sind zwei endliche Größen, das gilt ganz besonders für unsere heutigen Gesundheitssysteme! Wenn wir diese Ressource in den Rachen all der Berater, Consulter, Zertifizierer und Re-Zertifizierer werfen, dann bleibt für den Kernprozess nichts mehr übrig.
D.h. wir verbringen unsere Zeit mit dem Durchleuchten und verschriftlichen von Prozessen, die ohnehin so recht und schlecht klappen, schicken Fragebögen an die Patienten aus, die nun Kunden sind,  nur um zu erfahren, dass einmal das Essen im Spital für den einen zu heiß oder für den anderern zu kalt war, dokumentieren, dass wir dokumentiert haben, die Dokumentation archiviert zu haben und sammeln Fortbildungspunkte für das Fortbildungsdiplom in der Ordination, dass Sie sich als Patient anschauen können, während wir mit dem Zertifikator über das Farbleitsystem zum Patienten-WC diskutieren.

Letztendlich ist das alles ein Zeichen, dass man das Vertrauen verloren hat, dass unsere Ausbildungssysteme Menschen ausbilden, die ihr Handwerk verstehen. Statt immer mehr Geld in nachträgliche „Jodldiplome“ zu investieren, sollten wir die primären Ausbildungsprozesse (Kindergarten, Schule, Universität, Turnus, …) verbessern.

PS: Für alle, die nicht wissen was ein Jodldiplom ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Jodeldiplom http://www.youtube.com/watch?v=lliHC7QSiG8

Written by medicus58

16. Februar 2012 at 18:41

Die Qualität der Zertifizierung der Qualität

leave a comment »


Sie wissen sicher, wofür „ISO“ steht, nein nicht:  http://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Organisation_f%C3%BCr_Normung
sondern: 

Idioten – Suchen – Ordner.

Aber ernsthaft, wir leisten uns eine Kaste von Beratern und Zertifizierern, deren wesentliche Tätigkeit darin besteht, Konzepte aus der Fertigungstechnik (Stichwort: Fließband) in immer neu flip-charts zu bringen und, meist ohne eigene fachspezifische Qualifikation, der Medizin überzustülpen.

Sie können dann wählen, ob Sie in ein 
ISO 9001:2008 zertifiziertes Labor ihr Blut schicken wollen oder in einem 
KTQ ge-brandeten Röntgeninstitut durchleuchten lassen. Wenn Sie sich ihren Rücken in einem 
JCI (Joint Commission International) zertifizierten physikalischen Institut massieren lassen, wissen Sie wenigstens, dass dort jemand des Englischen mächtig sein muss, denn die Ordner müssen in diesem System ins Englische übersetzt vorliegen. Etwas näher beim Lieben Gott sind sie, wenn ihr Spital das Label von 
pCC (proCum Cert GmbH) tägt und wenn es sogar nach 
EFQM (European Foundation for Quality Management) ein excellence center ist,  dann dürfen sie sich so wirklich wohl fühlen.
Wollen Sie es wieder etwas deutscher, dann darf es vielleicht noch 
KPQM sein, das auf der 
DIN EN ISO 9001 basiert, sowie dem 
EFQM-Modell noch „Aspekten eines prozessualen Disease-Managements“ hinzufügt. 

Auszug aus der „Speisekarte“ eines der unendlich vielen Anbieters (LGA InterCert GmbH):

Unser Leistungsspektrum im Gesundheitswesen:
KTQâ im Krankenhaus
KTQâ im Niedergelassenen Bereich
KTQâ und QMKD
KTQâ im Bereich Rehabilitation
KTQâ im Bereich Rehabilitation und QMKD
KTQâ im für Altenpflegeeinrichtungen
ISO 9001
ISO 9001 & DEGEMED Standard
ISO 9001 & deQus Standard
Zertifizierung von Krebszentren
KPQM
qu.no
qu.bhäv
physioQM
QMS-Reha
IQMP-Reha des BDPK
BVKD-QM-Testat
Arbeitsschutz MAAS-BGW
dPV – Standard
QEP – Qualität und Entwicklung in Praxen®
QPP – Qualitätsprüfung plus: Pflege
Zertifizierung von Stroke Units
ISO 14001, EMAS
ISO 17025 in Zusammenarbeit mit DAP

Wenn Sie nun glauben, dass hier irgendwer, z.B. die Standesvertretung, diesem Geld-verschendenden-Wahnwitz Einhalt gebietet, weit gefehlt …
die österreichische Ärztekammer leistet sich (mit den Geldern ihrer Mitglieder)eine eigene Qualitätssicherungsgesellschaft (http://www.oeqmed.at/ ), nur damit sie verhindert, dass das Bundesministerium eigene „Qualitätssysteme“ implementiert.

„Ja aber, „werden Sie jetzt sagen, „bei einem so wichtigen Gut wie der Gesundheit kann es doch gar nicht genug Qualität geben!“

 Im Prinzip ja, nur wer hat den je bewiesen, dass die Qualität einer Dienstleistung durch Fortbildung und Qualitätssicherungssysteme besser wird?

Großbritannien hatte in Wales einen großen Skandal hinsichtlich Fehlbehandlung durch einen Arzt. Dieser Arzt hatte in der Region aber die meisten Fortbildungspunkte gesammelt (Quelle: persönl. Kommunikation)

Und denken Sie mal weiter: Geld und Zeit sind zwei endliche Größen, das gilt ganz besonders für unsere heutigen Gesundheitssysteme!
Wenn wir diese Ressource in den Rachen all der Berater, Consulter, Zertifizierer und Re-Zertifizierer werfen, dann bleibt für den Kernprozess nichts mehr übrig.

 D.h. wir verbringen unsere Zeit mit dem Durchleuchten und verschriftlichen von Prozessen, die ohnehin so recht und schlecht klappen,
schicken Fragebögen an die Patienten aus, die nun Kunden sind,  nur um zu erfahren, dass einmal das Essen im Spital für den einen zu heiß oder für den anderern zu kalt war,
dokumentieren, dass wir dokumentiert haben, die Dokumentation archiviert zu haben und 
sammeln Fortbildungspunkte für das Fortbildungsdiplom in der Ordination, dass Sie sich als Patient anschauen können, während wir mit dem Zertifikator über das Farbleitsystem zum Patienten-WC diskutieren.

Letztendlich ist das alles ein Zeichen, dass man das Vertrauen verloren hat, dass unsere Ausbildungssysteme Menschen ausbilden, die ihr Handwerk verstehen. Statt immer mehr Geld in nachträgliche „Jodldiplome“ zu investieren, sollten wir die primären Ausbildungsprozesse (Kindergarten, Schule, Universität, Turnus, …) verbessern.
 

PS:
Für alle, die nicht wissen was ein Jodldiplom ist: 
http://de.wikipedia.org/wiki/Jodeldiplom
http://www.youtube.com/watch?v=lliHC7QSiG8

Written by medicus58

27. Juni 2011 at 07:51

%d Bloggern gefällt das: