Sprechstunde

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Dann doch verblüffend, wenn man’s erlebt

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Spätestens seit der (gesponserten) Selfi-Orgie bei der letzten Oscarverleihung wurde die Portrait-Fotografie mittels Mobile zu sozialen Verpflichtung erhoben.
Kürzlich in einem – früher hätte man Kaffeehaus zu einem Lokal gesagt, dessen wesentliches Produkt eben dieses Methylxanthin darstellt, heute ist es ein stylischer, voll ökologischer Hangout mit Zimtgeruch und geschäumter Milch – nippte ich an meinem Espresso als ein Grüppchen junger Mädels den Nebentisch okkupierten. Statt belanglosem Tratsch oder selbstüberschätzender Weltverbesserung, wie dies zu meiner Jugend üblich war, beschränkte sich die Kommunikation auf das gegenseitige Abfotografieren, nachdem das eigene Make-up upgedatet war.
Mutmaßlich handelte es sich um Klassenkameraden,  die bereits den ganzen Tag zusammen verbracht haben und vermutlich auch die nächsten Monate ihre Schultern aneinander reiben werden, so dass es keinen für Dritte erkennbaren Grund gab, weshalb der Augenblick verewigt werden sollte. Wenn der einzige Grund jedoch darin bestand, das Konterfei ins Internet zu bringen, dann war ich hiermit behilflich.

Written by medicus58

22. Oktober 2014 at 09:52

Veröffentlicht in Generationen

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www.Wer?bung: Der fehlerhafte Algorithmus

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wwwWerbung

Ich gestehe hiermit zum wiederholten Male, mich zu wiederholen,
aber die Internetwerbung nervt nicht nur, die personalisierte und kontextbezogene Werbung ist nach meiner täglichen Erfahrung einfach unausgereift und zielsicher daneben.
Schon im Februar 2012 habe ich unter Wir sind alle reich – die nächste Blase – die nächste Krise (http://wp.me/p1kfuX-5E ) versucht nachzuweisen, dass das Finanzierungskonzept der Internetmedien durch kontextbezogene Werbung nicht rechnen kann.

Eine Reihe absurder Fehlgriffe des jeweiligen Algorithmus wurden hier dokumentiert:

Billigflüge Jordanien und Jungfernhäutchen nähen in München:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=39118

Michael Häupls Beziehungskisten:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=32139

Kritischer Artikel gegen die Privatmedizin und Werbung dafür auf medianet.at
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53958
Ich greife das Thema erneut auf, weil mich eigene persönliche Erlebnisse in meiner Meinung bestärken, dass die personalisierte Werbung nichts anderes ist, als eine riesige Blase falscher Versprechungen einer Industrie, die unsere Printmedien killt, unsere Browser verlangsamt und unseren unfreiwilligen Datentransfer erhöht.

Beispiel eins: Seit ich über booking.com einige Hotels für eine Urlaubsrundreise gebucht habe, werde ich seit Wochen mit Angeboten, exakt dieses Servers für bombardiert, die mir Hotels zu diesen Städten und Zeitpunkten, an denen ich schon dort gebucht habe, angepriesen. Dass man die mitgeschickten Promocodes, die nachträglich eine Rabattierung genau für diese, bereits gebuchten, Hotels als Verarschung empfinden könnte, hat der Algorithmus offenbar übersehen.

Beispiel zwei: Ein vor einem Jahr von mir frequentiertes Hotel im schönen Bergamo schickte mir heute unaufgefordert eine Einladung für eine verbilligte Übernachtung mit Gratisdrink zum Tag der Deutschen Einheit. Offenbar unterscheidet dieser Algorithmus nicht zwischen der deutschen Sprache und der Nationalität. Als Ösi gehen die Feiern zum Tag der  deutschen Einheit mir ziemlich am Pürzel vorbei und meine Arbeitgeberin würde sich wundern, wenn ich – ohne meinen Urlaubsanspruch zu schmälern aus dem 03.10.2014 ein verlängertes Wochenende in Italien machen wollte.

Beispiel drei: Die emotionale Bindung an einen großen Versandhändler wird nicht gerade gestärkt, wenn er seiner Kundschaft gerade diese Schuhe nochmals anbietet, die erst kürzlich erstanden wurde.

Ebenso wenig wie sich der XXXLutz offenbar darüber Gedanken macht, dass der aufwendig produzierte Werbespot bei seiner dritten Wiederholung innerhalb eines Werbeblocks eher zu einer Versöhnung mit der alten Sitzecke führt, als dass man losspringen möchte, um sich ein neues Stück zu zu legen, scheinen die Programmierer des immer elaborierter funktionieren Internet-Targetings keinen Gedanken auf den Unterschied zwischen Koinzidenz und Kausalität zu verschwenden.
Ich frage mich, wie lange die Werbeindustrie in dieses Konzept noch Milliarden lehrt. Möglicherweise aber solange, bis wir alle beschließen nur mehr dort zu kaufen, wohin uns keine Werbung jemals gelockt hat.

Written by medicus58

24. Juli 2014 at 07:10

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