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Klinik unter Psalmen

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Der Begriff Psalm leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet so viel wie in die Saiten schlagen.

Ganz treffend für das, was uns am Faschingsdienstag (!) vom Gesundheitsstadtrat Hacker lautstark mitgeteilt wurde: die verbliebenen Spitäler Wiens mit Ausnahme des AKH werden nun allesamt in Kliniken umbenannt.

Nicht besonders originell, das haben’s in Niederösterreich schon mit jedem Pimperlspital gemacht und so die Patienten glauben gemacht, sie würden von Dr. Frank Hofmann (alias Klaus Jürgen Wussow, Klinik unter Palmen) behandelt werden, wenn sie es schon nicht in die Schwarzwaldklinik geschafft haben.

Nicht besonders originell, um Skandale vergessen zu machen, so wurde schon Lainz zum KH Hietzing, Skylink zum Terminal 3 und jetzt eben das KH Nord zur Klinik Floridsdorf.

Nur wird das Google genau so wenig beeindrucken wie die Bevölkerung, die weiter Pepi- oder Triester-Spital zum Kaiser Franz Joseph Spital (alias KFJ) sagen wird ohne die Hütte je als Sozialmedizinisches Zentrum Süd angenommen zu haben, ebenso wie der Steinhof immer der Platz bleiben wird wo bald einmal das OWS gewesen sein wird.

Auch wird für die Ottakringer das Klinikum Ottakring noch die „Wilhelmine“ heißen, wenn das schon wieder eine neue ärztliche Direktion haben wird.

Schon etwas ärgerlicher könnten jene reagieren, die in Arbeitsgruppen und Wettbewerben die Bezeichnung Wien Kliniken sich ausgewählt haben, was nun Wiener Gesundheitsverbund genannt werden will, weil es nicht mehr der KAV sein will und darf.

Die, die das Ganze wieder einmal zuerst in der Zeitung lasen und nicht von ihrer Dienstgeberin hörten, wundert eh nix mehr,

aber in Wirklichkeit ärgert einfach, dass die strukturellen und organisatorischen Probleme des KAV weiterhin völlig offen sind.

Und damit meine ich jetzt nicht wie manche wahlkämpfenden Personalvertreter die emotionale Bindung an Namen, unausbezahlte Überstunden oder die in die Hose gegangene Besoldungsreform, da meine ich

die ungeklärte Führung und Struktur im Unternehmen (Masterplan, Master BO, Spitalspärchen mit Zusatzdirektionen, Doppelprimariate, zentrale Einkauf und externen Berater, … ) ,

das destruktive Spiel zwischen Stadtpolitik, Gewerkschaft/Personalvertretung und Generaldirektion und

die ungelöste Lastverteilung zwischen Niederlassung und Spital , also das Patt zwischen (noch) rot-grünem Wien, grüner Patientenanwältin und roter Gebietskrankenkasse.

Das endlich zu machen, wäre von den Machern zu erwarten gewesen und nicht ein paar PR-wirksame Benamsungen. Da unterscheidet sich das rot-grüne Wien nicht mehr von der Message-Control der Tückisch-blauen Regierung:

Gold gab ich für Eisen, Urlaubstage für die persönlichen Feiertage.

So befällt einen wirklich noch das Gefühl in einer Bananenrepublik zu leben und in einer Klinik unter Palmen zu arbeiten und es fehlt nicht mehr viel bis man sie zur Klinik unter Dolmen umbenennen sollte.

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Written by medicus58

6. März 2019 at 19:55

Speed kills – Stadt Wien – Freundschaft

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Wir haben letzten Sonntag hier berichtet, wie viele Monate zwischen der Erkenntnis eines Wiener Bürgermeisters und einer Gesetzesvorlage vergehen: 16 Monate

Die Begutachtungsfristen für die beiden nun vorgeschlagenen Gesetze enden aber in 16 Tagen (am 17.5.2018), weil es schnell gehen muss, klar.

Neben dem Gesetz, mit dem das Wien Kliniken-Errichtungsgesetz und das Wien Kliniken-Zuweisungsgesetz erlassen sowie die Wiener Stadtverfassung, das Wiener Krankenanstaltengesetz 1987, das Wiener Gesundheitsfonds-Gesetz 2017, das Wiener Sozialhilfegesetz, die Dienstordnung 1994, die Besoldungsordnung 1994, die Vertragsbedienstetenordnung 1995, das Wiener Bedienstetengesetz, das Wiener Personalvertretungsgesetz, das Wiener Gleichbehandlungsgesetz und das Wiener Zuweisungsgesetz geändert werden (Wiener Anstaltsgesetz 2018)

ist auch das
Gesetz, mit dem das Verfassungsgesetz über die Voraussetzungen für die Veräußerung von Anteilen an der Anstalt Wien Kliniken erlassen wird (Wien Kliniken – Anteilsgesetz, WK-AG) 

nicht uninteressant. Das Werk hat grad mal 2 Paragraphen

Artikel I §1
(Verfassungsbestimmung) Zu einem Beschluss des Gemeinderates über die Veräußerung der Anstalt Wien Kliniken, von Teilen an dieser bzw. deren Umwandlung in eine andere Gesellschaft und die Veräußerung der Anteile an dieser ist die Anwesenheit der Hälfte der Mitglieder sowie eine Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen erforderlich. Dies gilt auch für sonstige Verfügungen, die im Ergebnis einer Veräußerung gleich oder ähnlich sind.

Artikel II
(Verfassungsbestimmung) Art. I tritt am 1. Jänner 2019 in Kraft.
Der Landeshauptmann: Häupl
Der Landesamtsdirektor: Hechtner

In der Präambel ist zu lesen:
Ziele und wesentlicher Inhalt:
Festlegung erhöhter Quoren für eine Veräußerung von Anteilen an der Anstalt Wien Kliniken.
Auswirkungen des Regelungsvorhabens:
Eine Veräußerung von Anteilen wird dadurch erschwert.

Also scheinen die Warnungen vor einem Verkauf der Wiener Krankenanstalten an private Betreiber, die ich hier immer wieder ausgesprochen habe falsch?

Nicht notwendigerweise. Die finanziellen Rahmenbedingungen im öffentlichen Gesundheitswesen, dort wo Vollversorgung angeboten wird, sind so schlecht, dass ohnehin kein Investor daran denkt dort sein Geld zu versenken.
Erst kürzlich hat das VAMED Chef Wastler ganz deutlich gesagt:
Vamed-Konzern will AUVA-Spitäler nicht übernehmen
Das österreichische Erstattungssystem lasse es – im Gegensatz zum deutschen – nicht zu, in der Akutversorgung Gewinne zu erwirtschaften.  

Ist aber kein Beinbruch, denn betreiben tut die VAMED schon eine Reihe von scheinbar öffentlichen Krankenanstalten für konfessionelle und kommunale Träger.
Wird der KAV privatisiert? Ein Indizienprozess bei dem wir baden gehen

Auch an der Therme Wien Ges. m. b.H. hält die Stadt Wien in Form der Wien Holding nur mehr 35% und Vienna Insurance Group 15%, Erste Group Bank 15% und UniCredit Bank Austria 15% sowie VAMED-KMB Krankenhausmanagement und Betriebsführungsges.m.b.H 19,99% (Link). Die Kosten für die enorme Standortaufwertung durch den U-Bahn Anschluss, trägt die Stadt Wien aber zu 100%.
So rechnen sich dann Investitionen rasch wieder ….

Freundschaft

Bezüglich allfälliger Einsprüche finden sie hier die E-Mail Adressen: https://www.wien.gv.at/recht/landesrecht-wien/begutachtung/index.htm

Written by medicus58

1. Mai 2018 at 18:33

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