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Volksoper:Sondheim:Empfehlung

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Sweeney Todd Volksoper

Als „Größter Stephen Sondheim-Fan ever„, wie hier im „Herrgottswinkel“ nachzulesen ist (http://wp.me/p1kfuX-6C), versteht es sich von selbst, dass ich (gestern) in die Volksoper pilgerte, um die Erstinszenierung von Sweeney Todd zu sehen. Als das Haus letztes Jahr Sondheims Frühwerk „Forum“ (dt. Die spinnen die Römer…) durchaus respektabel auf die Bühne brachte, hätte ich niemals geglaubt, dass sich die Direktion trauen würde, auch das tief-schwarze und -auch wenn es Sondheim in einem aktuellen Interview wieder nur dem Premierenregisseur Hal Prince zuschreibt- gesellschaftskritische Drama zu riskieren.
Das Risiko ist ein mehrfaches:
Sondheim ist bekannt dafür, dass er von Kritikern zwar hochgelobt, seine Werke aber vom breiten Broadwaypublikum nie lange auf dem Spielplan gehalten wird.
Die Story in der Pasteten aus Menschenfleisch als Kollateralschaden eines Rachefeldzugs zum ökonomischen Aufstieg der Mrs. Lovett führt, deren Lüge wiederum die Verzweiflung Todds zur blutrünstigen Rage steigert, verlangt eine ausgezeichnete Regie, um den schmalen Grad zwischen Drama und Farce zu halten.
Und schließlich die Sprache!  Sondheim, ein begnadeter Komponist und Texter, ist bekannt für seine komplexen inneren Reime, für Wortspiele und (Pullitzerpreis ausgezeichnete) Dialoge, die so eng an die Rhythmik der Musik angepasst sind, dass es nahezu unmöglich scheint, das alles in eine andere Sprache zu transponieren.
Wenige haben das nur annähernd so gut geschafft wie Marcel Prawy mit den Liedtexten der West Side Story.
Also schon der Mut das Stück, 34 Jahre nach seiner Premiere (!!!)in Wien heraus zu bringen, sollte anerkannt werden.

Aber eigentlich könnte man sich diese Einführung ersparen, denn das was man augenblicklich in der Volksoper erleben kann, ist eine hervorragende Inszenierung, die auch international bestehen könnte. (Auch durch die Location bedingt ganz anders als mein Lieblingsinszenierung im „Circle in the Square Theatre“ am Broadway (14.9.1989 bis 25.2.1990), die mich damals für das Stück einnahm, aber eine fast perfekte Interpretation.)
In erster Linie soll das geniale Bühnenbild von Mathias Fischer-Dieskau genannt werden.  Die Idee die Protagonisten zwischen den Zahnrädern des Mahlwerks spielen zu lassen, das einige von ihnen zur Pastetenfülle verarbeiten wird, wäre „Tony-verdächtig“ würden bei uns diese Preise vergeben werden.
Zu den Darstellern haben unsere Zeitungen schon das meiste gesagt. Auch wenn ich in Phrasierung und Tempo sehr auf die Premierenbesetzung (Angela Landsbury, Len Cariou) fixiert bin, schafft Morten Frank Larsen in der Titelrolle die Schwierige Balance zwischen Gesang und Schauspiel.  Dagmar Hellberg als Mrs. Lovett ist ein Ereignis: Gesanglich und schauspielerisch Letztendlich, was das große Manko der Verfilmung des Stoffes war, ist der Volksopernchor und seine Solisten eine für dieses Stück ganz wichtige Stütze.
Und nun zum deutschen Text. Wilfried Steiner hat, auch wenn einige Kritiker im Netz das weniger positiv sehen, seine m.E. unmögliche Aufgabe, durchaus mit Anstand erledigt. Manche Wortspiele und Reime gelangen überraschend gut, manches muss rein phonetisch unverständlich bleiben und nur wenig ist m.E. glatt danebengegangen.  Zu letzterem zählt jedoch die Übersetzung des  „They all deserve to die“ mit „Der Tod macht alle gleich“. Das ist sinnverfälschend, weil Todds in dem Moment, wo ihm der korrupte Richter entwischt, seinen Hass generalisiert und seinen Massenmord als einzige Erlösung für seine Mitmenschen sieht.
Aber in einem Kurier-Interview hat Sondheim ohnehin eine Generalpardonierung ausgesprochen: „Ich liebe die deutsche Sprache. Ihr Klang passt gut zu diesem Stück. „Sweeney“ ist ja kein zorniges Werk, aber eines von starker Entschlossenheit – etwas, das für mich in der deutschen Sprache essenziell mitschwingt. Allerdings bin ich neugierig, wie all die Silben auf meine Noten passen. Eure Wörter sind ja viel länger als die englischen Gegenstücke.
Abschließend hat sich diese Inszenierung eine lange Laufzeit verdient und man sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen zu sehen, dass Musical mehr ist als das was die Vereinen Bühnen seit Jahren – hochsubventioniert- für die Reisebüros inszenieren.

Werkeinführung:   http://youtu.be/aEFvb52QeVY

Written by medicus58

22. September 2013 at 11:52

Stephen Sondheim

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Textdichter und Komponist einiger der besten „musical comedies“, die ich je erleben durfte.

Musical umgibt stets der Verdacht des Banalen, das sich nie von seinen Wurzeln Vaudville und Music Hall gelöst hat. Aus österreichischer Sicht wird es immer fälschlich als Fortschreibung der Operette in die Neuzeit bezeichnet, was die anderen Wurzeln außer Acht läßt. (Vergleiche Alan Jay Lerner „The Musical Theatre – a celebration“)

Sondheim 2000: You have two kinds of shows on Broadway — revivals and the same kind of musicals over and over again, all spectacles,“ says Sondheim. „You get your tickets for ’The Lion King’ a year in advance, and essentially a family comes as if to a picnic, and they pass on to their children the idea that that’s what the theater is — a spectacular musical you see once a year, a stage version of a movie. It has nothing to do with theater at all. It has to do with seeing what is familiar. We live in a recycled culture.“
http://partners.nytimes.com/library/magazine/home/20000312mag-sondheim.html

Sondheim schreibt „book musicals“, kein Wunder dass er für Company sogar den Pullitzer Preis gewonnen hat. Hier geht es um Inhalte und nicht bloß einen Vorwand für „Song and Dance“.

Abgründe menschliche Beziehungen: Company, Sweeney Todd, Passion
Künstlerisches Schaffen: Sunday in the Park, Merrily We Roll Along
American Dream : Pacific Overtures, Assassins
Showbusiness: Gypsy, Follies

Sondheim Musicals waren selten Kassenschlager, aber sie wurden zu Klassikern.
Wer zu Beginn des 2. Golfkrieges Assassins heraus bringt, in dem die Präsidentenmorde in den USA mit der Enttäuschung der Menschen erklärt werden, dass sie zwar im Laufe ihres Lebens erkennen, dass nicht jeder Präsident werde, aber jeder einen Präsidenten ermorden kann – dann ist der initiale kommerzielle Erfolg so gut wie sicher dahin.

Wer glaubt von Sondheim nichts zu kennen, dann nur zwei Hilfen:
Text von West Side Story und
Text und Musik von Send in the Clowns

Für mehr sei auf http://accuradio.com/broadway/ der Unterpunkt Simply, Sondheim empfohlen.

Mehr Infos unter:
http://sondheim.com
http://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Sondheim besser
http://en.wikipedia.org/wiki/Stephen_Sondheim

Und zum Abschluss einer der für mich bewegendsten Texte: Das Musical gilt bis heute als einer der größten Broadway-Flops, es lief nur 7 Tage lang.

Anyone can whistle,
That’s what they say-
Easy.
Anyone can whistle
Any old day-
Easy.
It’s all so simple:
Relax, let go, let fly.
So someone tell me why
Can’t I?
I can dance a tango,
I can read Greek-
Easy.
I can slay a dragon
Any old week-
Easy.
What’s hard is simple.
What’s natural comes hard.
Maybe you could show me
How to let go,
Lower my guard,
Learn to be free.
Maybe if you whistle,
Whistle for me.

I can slay a dragon
Any old week-
Easy.
What’s hard is simple.
What’s natural comes hard.
Maybe you could show me
How to let go,
Lower my guard,
Learn to be free.
Maybe if you whistle,
Whistle for me.

Leider hat You Tube nicht Sondheims eigene Interpretation vorrätig, muss ich einmal selbst aufspielen, deshalb die Versionen.
http://www.youtube.com/watch?v=vVI7BIPJuOE
http://www.youtube.com/watch?v=drfSBWmTc8Y

und wer trotzdem Webber bevorzugt ….
http://www.youtube.com/watch?v=gRUSkUnc6WY

noch ein paar interessante Links:
Anfänge: http://www.youtube.com/watch?v=yW7gTYtTN50
2010 on lyric writing: http://www.youtube.com/watch?v=MTw9JZkuIzU
2011 Eröffnung des Stephen Sondheim Theater:
http://www.youtube.com/watch?v=bs97pbZyKNY
2011 on teaching: http://www.youtube.com/watch?v=nMysXkfJikY

Stephen Sondheim hat uns am 26.11.2021 mit seinem Werk allein gelassen.

Written by medicus58

15. Februar 2012 at 11:36

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