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Skandale verstecken sich hinter ihren Nachfolgern: RH Bericht Wien

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Blöd für die Stadt Wien, dass das mühevoll eingefädelte „Bleiben bis zur nächsten Nationalratswahl“ durch die innenpolitischen Ereignisse im wahrsten Sinn des Wortes kürzer ausfällt, als es sich Bürgermeister Häupl wohl erhoffte,
jedenfalls ist die Veröffentlichung des Rechnungshofberichtes über den KAV medial auf die hintersten Plätze verwiesen worden. In einer ersten Stellungnahme glaubt sich auch der KAV mit Verweis auf den bereits erfolgten Abgang des Generaldirektor und natürlich schon längst eingeleiteter Reformen der Kritik entheben zu können. Wer sich die 134 Seiten des Originals nicht selbst durchlesen möchte, für den habe ich mir erlaubt einige mir persönlich relevant erscheinender Passagen hier hervorzuheben:

Beim KAV handelte es sich innerhalb der Wiener Stadtverwaltung mit rd. 27.000 von insgesamt rd. 58.000 Bediensteten (in Vollzeitäquivalenten (VZÄ)) zum Stichtag 31. Dezember 2015 um die bei weitem größte Dienststelle; auch österreichweit war die Stadt Wien mit dem KAV die größte Arbeitgeberin im Gesundheits– und Pflegebereich. In der Generaldirektion des KAV selbst waren im Jahr 2015 rd. 280 VZÄ beschäftigt.

Als strategische Vorgabe für den KAV war u.a. das aus 2011 stammende Spitalskonzept 2030 relevant; das auch mit diesem verfolgte Ziel einer erhöhten Eigenständigkeit des KAV stand im Spannungsverhältnis zur Unternehmungs–Eigenschaft des KAV.

Von den für 2013 bis 2017 festgelegten 42 Zielen waren nur fünf an eine konkrete zeitliche Vorgabe gebunden. Selbst davon war bisher nur eines vollständig umgesetzt. Die Gründe für die Nichterreichung der Ziele bzw. für die notwendig gewordene Fristverlängerung waren nicht nachvollziehbar; die Nichterreichung der Ziele hatte keine nachvollziehbaren Konsequenzen.

Die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten waren so ausgestaltet, dass der – mit dem Generaldirektor monokratisch organisierte – KAV in wesentlichen Bereichen einer regulären Geschäfts– und Betriebsführung (z.B. Personal, Finanzen) unselbstständig war.

Das Aufsichtsgremium war zwar einem gesellschaftsrechtlichen Aufsichtsrat nachgebildet, hatte jedoch nicht die entsprechenden Kompetenzen, wie etwa für Bestellung und Abberufung der Geschäftsführung.

Die für die Geschäfts– und Betriebsführung einer so großen und komplexen Organisation im Gesundheitsbereich unerlässlichen organisationsweiten Management– und Steuerungsinstrumente (Risikomanagement, Internes Kontrollsystem, Projekt– und Prozessmanagement, Beschaffungscontrolling etc.) waren nicht oder nicht in ausreichendem Maße implementiert

Aufgrund des fehlenden Gesamtkonzepts war auch für die weitreichendste Änderung – die Einführung eines Vorstandskein inhaltlicher und strategischer Kontext gegeben.

Bei der Zusammenführung jener Organisationseinheiten, die nunmehr den Vorstandsbereich HCM bilden, waren die vormaligen Führungskräfte und deren Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter mehr als ein halbes Jahr keinen Programmbereichen bzw. Themen zugeordnet.

Da der KAV eine Unternehmung im Sinne des § 71 Wiener Stadtverfassung war, bestand keine rechtliche Grundlage für eine Geschäftsführung durch ein Kollegialorgan. Trotz eines – im Vergleich zu den Mitgliedern des Vorstands bzw. der Geschäftsführung von als Kapitalgesellschaften eingerichteten Unternehmen des Bundes – geringeren Maßes an Verantwortung lagen die Gehälter der Vorstandsmitglieder des KAV jedoch deutlich über dem branchenübergreifenden Durchschnittswert von Kapitalgesellschaften mit Bundesbeteiligung.

Der Generaldirektor erließ weder nach der Änderung der Geschäftsordnung 2013 noch nach der Änderung 2015 eine entsprechend angepasste, neue Geschäftseinteilung. Dies hatte unter anderem zur Folge, dass die Zuständigkeiten der neuen Vorstandsbereiche, wie SSC Betrieb, SSC Einkauf oder HCM, nicht verbindlich geregelt waren. Erst Ende Februar 2016 erging schließlich eine neue Geschäftseinteilung.

Das von der Stadträtin eingerichtete Aufsichtsgremium beschäftigte sich – trotz seines Auftrags, die Umsetzung der strategischen Ziele zu kontrollieren – nicht mit einem unternehmensweiten Risikomanagement im KAV; die Stadträtin forderte dies auch nicht nachvollziehbar ein.

Entgegen den Vorgaben in den Bezug habenden Erlässen fasste das Aufsichtsgremium nur in Einzelfällen inhaltliche Beschlüsse; in diesen Fällen war häufig nicht erkennbar, ob diese einstimmig oder mehrheitlich zustande kamen.

Hinsichtlich der Vorgangsweise hielt der RH kritisch fest, dass erst der Erlass vom Jänner 2014 eindeutig regelte, worüber und in welcher Form das Aufsichtsgremium tätig werden sollte. Weiters bemängelte der RH, dass der Erlass sowie die Geschäftsordnung für die Generaldirektion des KAV hinsichtlich eines Aufgabenbereichs (Interne Revision) des Aufsichtsgremiums vom Statut abwichen.

Der RH empfahl daher der Stadt Wien, auf die Einhaltung der Pflichten des Vorstands hinzuwirken, um in weiterer Folge eine effiziente, nachhaltige und den rechtlichen Grundlagen entsprechende Überwachungs– und Steuerungstätigkeit des Aufsichtsgremiums sicherzustellen.

Ein KAV–weites IKS (Internes KontrollSystem) fehlte nach wie vor. Dies, obwohl der KAV u.a. seit einem Erlass des Magistratsdirektors aus 2004 verpflichtet war, ein IKS einzuführen und seit Juni 2015 ein IKS–Konzept vorlag.

Das im KAV vorhandene Projektmanagement–Wissen wurde nicht organisationsweit gebündelt (z.B. Projektcontrolling); statt hausinternen Expertinnen und Experten wurden externe Beraterinnen bzw. Berater herangezogen, obwohl hohe Projektmanagement–Kompetenz im KAV bestand. Die im Jahr 2011 in der Generaldirektion eingerichtete Stabsstelle „Multiprojektkoordination“ (MPK) war für die Abwicklung der Projekte im Rahmen des Spitalskonzepts 2030 zuständig. Bei den MPK–Projekten fehlten wesentliche Teile eines Projektportfoliomanagements (z.B. gesamthafte Kapazitätsplanung über alle Projekte oder Projektrisikomanagement); auch das MPK–Projektcontrolling war unzureichend. Nicht klar war, wer im KAV für die Projektorganisation für große Bauprojekte zuständig war.

Im KAV bestand keine umfassende zentrale Übersicht über alle Rahmenvereinbarungen und –verträge; jene Vereinbarungen und Verträge, die von den Krankenanstalten abgeschlossen wurden, waren der Generaldirektion oft gar nicht bekannt.

Seit Jahren bestanden innerhalb des KAV parallel zwei verschiedene Versionen eines Enterprise–Resource–Planning–Systems (Software, die sämtliche in einem Unternehmen ablaufenden Geschäftsprozesse unterstützt), was zusätzlicher Abstimmungen und Schnittstellen bedurfte. Auswertungen und Budgets waren dadurch nicht KAV–weit allgemein vergleichbar. Zur Unterstützung bei der Zusammenführung der beiden Versionen beauftragte der Vorstand ein externes Beratungsunternehmen. Diesem Auftrag lag ein Beratungsvertrag zugrunde, dessen Leistungsgegenstand so allgemein formuliert war, dass allein 2015 (Laufzeit des Vertrags bis 2017) Leistungen für mehr als 2,2 Mio. EUR für unterschiedliche (Groß)Projekte abgerufen wurden.

Bis zum Jahr 2014 (Budget 2015) erstreckte sich die Planung im KAV über die Monate Mai bis August. Danach forderte die Stadt Wien zusätzlich die Mehrjahresplanung per Mai ein. Durch den vorverlegten Abgabetermin war der KAV gezwungen, bereits im Jänner mit der Budgetierung zu beginnen. Aufgrund der Verlängerung des Planungsprozesses um rund vier Monate mussten die Planwerte oftmals verifiziert und überarbeitet werden, was erhebliche Personalkapazitäten band.

Eine langfristige Strategie des KAV für den Vorstandsbereich Personal war für den RH nicht ersichtlich, zumal im KAV nur Personalverwaltung stattfand und wesentliche Elemente eines Personalmanagements zur Zeit der Gebarungsüberprüfung fehlten.

Die Leitung des Vorstandsbereichs Personal wäre ehestens dauerhaft mit einer dafür qualifizierten Person zu besetzen.

Hinsichtlich der Personalführung erhöhten in manchen Fällen unstrukturiertes Vorgehen des Vorstands und über einen langen Zeitraum unvollendete Konzepte laut Ergebnissen von Mitarbeiterbefragungen die Unsicherheit sowie Unzufriedenheit der Belegschaft. In der Generaldirektion fanden Mitarbeiterorientierungsgespräche nicht überall und regelmäßig statt.
Personalauswertungen wurden im Wesentlichen von einem einzigen Mitarbeiter erledigt. Der Magistrat stellte der Generaldirektion Personaldaten nur sehr eingeschränkt zur Verfügung.

Seit dem Jahr 2012 verdreifachten sich die Gesamtkosten für externe Beratungsleistungen nahezu (2015: 16,98 Mio. EUR). Insgesamt gab der KAV im Zeitraum 2012 bis 2015 48,23 Mio. EUR für externe Beratungsleistungen aus, davon die Generaldirektion 37,25 Mio. EUR. Dies vor dem Hintergrund, dass vor der Beauftragung von externen Beratungsleistungen keine nachvollziehbaren Kosten– Nutzen–Analysen durchgeführt wurden.

Leistungen, die Dienststellen des Magistrats für den KAV erbrachten, mussten daher finanziell abgegolten werden. Dies betraf bspw. die von der Magistratsabteilung 6 für die Krankenanstalten des KAV erbrachten Buchhaltungsdienstleistungen.

Dem Gemeinderat waren als oberstes Organ der Stadt Wien gegenüber dem KAV wesentliche (Aufsichts–)Befugnisse vorbehalten.

Im letzten entsprechenden Erlass hatte der Magistratsdirektor die Befugnisse des ehemaligen Generaldirektors aber dahingehend erweitert, dass einzelne Dienstpostenumwandlungen innerhalb aller Berufsgruppen der Unternehmung möglich waren, sofern sich der Gesamtrahmen des Dienstpostenplans nicht änderte und das Ausmaß der Änderungen 3 % der Gesamtanzahl der systemisierten Dienstposten des KAV nicht überschritt. Dieser Erlass stammte jedoch aus dem Jahr 2005 und war mittlerweile außer Kraft. Seither traf der Magistratsdirektor entsprechende Festlegungen nicht in Erlassform, sondern zweimal per Schreiben (2010 und 2013/2014) an den Generaldirektor des KAV; er erweiterte darin die Möglichkeiten der selbstständigen Wahrnehmung der Personalangelegenheiten durch den Generaldirektor neuerlich. So lag die Grenze für das Ausmaß der Änderungen der Gesamtanzahl der systemisierten Dienstposten des KAV nunmehr bei 5 %. Änderungen, die über diese vom Magistratsdirektor festgelegten Ermächtigungen hinausgingen, oblagen weiterhin den zuständigen Dienststellen des Magistrats.

Nachvollziehbare Erläuterungen darüber, wie durch die Neuerungen im Statut eine größere Eigenständigkeit des KAV erreicht werden sollte, fehlten auch in den Materialien zum Gemeinderatsbeschluss.

Im Jahr 2013 änderten der damalige Generaldirektor, dessen Stellvertreter und der Direktor für Infrastruktur und Organisationsentwicklung in Absprache mit der Stadträtin die Aufbauorganisation der Generaldirektion – insbesondere durch Einführung eines Vorstands – grundlegend. Der damit eingeleitete Umstrukturierungsprozess dauerte an und wurde 2015 unter dem neuen Generaldirektor mit einer abermals geänderten Geschäftsordnung fortgesetzt. So wurde im Jahr 2015 die Zuständigkeit für die drei Vorstandsbereiche erneut geändert oder der gerade erst eingeführte Unternehmenszweig Support wieder aufgelöst.

Der RH empfahl daher dem KAV, in Zukunft zusammenzuführende Bereiche erst dann aufzulösen, wenn Aufbau und Rollenverteilung in der neuen Struktur bereits feststehen.

Laut Geschäftsordnung sollte der Vorstand in Verwirklichung diverser Zielvorgaben die Geschäfte der Unternehmung führen, obwohl er kein Organ im Sinne des Statuts des KAV war.

Der RH stellte kritisch fest, dass der Generaldirektor seine Zuständigkeit für sämtliche Schlüsselbereiche der Betriebs– und Geschäftsführung an die anderen Vorstandsmitglieder delegiert hatte, ohne im Rahmen seiner Richtlinienkompetenz mit den anderen Vorstandsmitgliedern Zielvorgaben zu vereinbaren.

Jede Abteilung entwickelte dabei ihre eigenen Standards (Handbücher, Formulare und Prozesse). Es existierten wenige Schnittstellen zwischen den Projektmanagement–Teams. Das Projektcontrolling war je nach Bereich unterschiedlich aufgesetzt.

Der Vorstand präsentierte im Februar 2016 auf Führungsebene sein theoretisches Modell für ein „Transformationsprogramm“; dabei handelte es sich um ein umfangreiches Umsetzungsprojekt zum Spitalskonzept, das aus Teilprojekten bestehen soll und an dem neben Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeitern von verschiedenen Abteilungen auch externe Beraterinnen bzw. Berater mitarbeiten sollen. Dieses Programm war aber zur Zeit der Gebarungsüberprüfung noch nicht gestartet; aus der vorgelegten Präsentation ging nicht hervor, ob die Stabsstelle „Asset–Management Spitalskonzept“ dabei eine Rolle spielen sollte.

Je nachdem, in welchem Bereich (z.B. Einkauf, Instandhaltungen, IT) solche Vereinbarungen/Verträge abgeschlossen wurden, erfolgte die Erfassung unterschiedlich, zum Teil auf einer Datenplattform, in unterschiedlichen Excel–Listen etc.

Der RH kritisierte, dass der KAV trotz der Größe seiner Organisation über kein aussagefähiges betriebswirtschaftliches und medizinisches Controlling verfügte. 

Der RH hielt kritisch fest, dass die Erledigung der Buchhaltung durch die Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter der MA 6 mit Reibungsverlusten belastet war.

Die Mehrjahresplanung bestand zum Großteil aus verbalen Beschreibungen und enthielt nur zwei Zahlentabellen („Finanzübersicht inkl. Maßnahmen“ und „Investitionen netto“) ohne konkretere Details.

Einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten an sehr vielen Gremien bzw. Arbeitsgruppen und Jours fixes teilzunehmen.

Durch die Einbettung des KAV in den Magistrat der Stadt Wien ergab sich für die Unternehmung – mit seinem sehr personalintensiven Kerngeschäft – eine besondere Konstellation im Personalbereich. Der Magistrat der Stadt Wien hatte die Personalhoheit über die Bediensteten; eine enge Zusammenarbeit mit der Magistratsabteilung 2 (MA 2), Personalservice, und der Hauptgruppe II der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (HG II), war notwendig und führte mitunter dazu, dass sich die Umsetzung einiger Projekte oder Umorganisationsmaßnahmen verkomplizierte bzw. verzögerte.

Weiters teilte die Stadt Wien mit, dass der häufige Wechsel in den Führungsebenen in der Generaldirektion der letzten Jahre, aber auch die laufenden Änderungen struktureller und personeller Art, es erschwert hätten, das Mitarbeiterorientierungsgespräch in der Generaldirektion flächendeckend und regelmäßig mindestens einmal in zwei Jahren anzuwenden.

Es konnten z.B. weder Wechsel von Personen innerhalb einer Dienststelle noch Zu– und Abgänge im Personalstand automatisch nachvollzogen werden. Auch war nicht eruierbar, ob die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von den Dienststellen richtig administriert wurden (z.B. richtige Zuordnung zur Kostenstelle).

Wie die Tabelle zeigt, war insgesamt rd. ein Sechstel der gesamten Beratungskosten (rd. 6,18 Mio. EUR) weder einem Projekt noch einem Auftrag zugeordnet. Während dies 2012 noch rd. 62 % der Beratungskosten betraf, betrug dieser Anteil 2015 rd. 4 %; rd. 87 % waren nunmehr sowohl einem Projekt als auch einem Auftrag zugeordnet.

Der KAV vergab Anwaltsleistungen überwiegend im Wege von Direktvergaben; gemäß Bundesvergabegesetz 2006 war eine Direktvergabe nur zulässig, wenn der geschätzte Auftragswert 100.000 EUR nicht erreichte. Anhand beispielhaft ausgewählter Fälle stellte der RH Folgendes fest: – Vergleichsangebote für Anwaltsleistungen mit einem geschätzten Auftragswert unter 100.000 EUR waren in den Verfahrensunterlagen nicht dokumentiert. – In einigen Fällen wurde jeweils ein Anwalt mit offensichtlich zusammengehö- renden Beratungsleistungen im Sinne des Bundesvergabegesetzes 2006 einzeln beauftragt und der jeweilige geschätzte Auftragswert unter 100.000 EUR angesetzt. Eine nachvollziehbare Begründung für die Einzelbeauftragungen fehlte in den Verfahrensunterlagen jedoch.

Weiters wiederholte die Stadt Wien, dass die Empfehlungen des RH zur eigenen Rechtspersönlichkeit des KAV aktuell im Rahmen des Projekts „Wien Neu denken“ behandelt würden

Irgendwie kommt man da zum Schluss, dass die Probleme mit dem Abgang des Generaldirektors kaum gelöst sind, dazu sind m.E. die Kritikpunkte an Gemeinderat, Magistrat, Aufsichtsgremium und internen Strukturen und Vorgängen (insbesondere die Sache mit dem Bundesvergabegesetz) doch zu weitreichend, von der politischen Verantwortung der Stadträtin einmal ganz zu schweigen …
Es steht aber zu befürchten, dass das alles vom bundes- und landespolitischen Bäumchen-wechsle-dich-Spiel zugedeckt wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

Written by medicus58

15. Mai 2017 at 18:52

Mehr Security als Lösung für ein Totalversagen der Patientenversorgung?

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Der Boulevard rastet aus:

Täglich Gewalt-Exzesse in den Wiener Spitälern

So brutal geht es in Wiens Spitälern zu

Man hat nun beschlossen, im Wilhelminenspital einen zusätzlichen Security-Dienstposten (24 Stunden) für den Personenschutz zu beschäftigen.
Der Security sollte in kurzer Zeit verfügbar sein„, heißt es aus dem Krankenanstaltenverbund (KAV)
.

Wird aber nix bringen!

Wir erleben einfach den multidimensionalen Kollaps in der Patientenversorgung als Folge gesundheitspolitischer Fehler seit Jahrzehnten:

  • Die Politik versprach den Wählern ein medizinisches Schlaraffenland (Wehsely: Wir sind rund um die Uhr für Sie da), obwohl seit Jahren ein extra- und intramuraler Rückbau eingeleitet wurde.
  • Der Anteil der Patienten, die sich ein Ausweichen in den privaten Sektor nicht leisten kann. nahm in Wien drastisch zu (Unterschicht).
  • Viele dieser Patienten kennen aus ihrer Heimat nur das Krankenhaus als Primärversorgung.
  • Die extramurale Patientenversorgung beim Hausarzt und im Bedarfsfall beim niedergelassenen Facharzt wurde von den Krankenversicherungen ausgehungert, die Wartezeiten -auch für gesundheitliche Banalitäten – sind unzumutbar.
    Den Kassen waren beschränkte Öffnungszeiten und rasche Überweisungen in die Spitalsambulanzen nur Recht, weil für sie kostenschonend.
  • Die intramurale Patientenversorgung war von ihren Ressourcen nur für schwer kranke, aufnahmepflichtige Patienten ausgelegt, musste aber immer mehr die offensichtlichen Defizite der extramuralen Versorgung abdecken.
  • Die Reform der Ärztearbeitszeit (inklusive der von WÄK und Personalvertretung akzeptierten Postenreduktionen) führten zu einer starken Verdichtung im Kerngeschäft und Schließungen von Spitalsambulanzen und -abteilungen, so dass noch weniger Ressourcen für die Versorgung von Selbstzuweisern zur Verfügung stehen.

Gemeinsam mit einem an allen Ecken und Enden zunehmenden Aggressivität in der Gesellschaft fliegt uns das nun allen um die Ohren.

Als Sofortmaßnahme kann so ein bulliger Security in der Notaufnahme schon kurzfristig helfen, wenn man aber das Problem ausschließlich so lösen will, freue ich mich schon auf Flughafen-ähnliche Verhältnisse in unseren Spitälern.
Dann wird ein Berater aufstehen und stolz vorrechnen, dass es vielleicht billiger gewesen wäre:

  • Den Wählern die Wahrheit zu sagen.
  • Bevölkerungswachstum als Begründung für die Verschuldung zu fördern, ohne für die notwendige Infrastruktur vorzusorgen.
  • Die bestehenden Primärversorgungssystem adäquat zu finanzieren und nicht viel Geld in ein paar politik-nahe PVZ zu pumpen und zu glauben, dass das kurzfristig die Versorgung verbessert.
  • Politisch und rechtlich hinter den im Gesundheitssystem Tätigen zu stehen, wenn diese rasch triagieren und Patienten mitteilen, dass ihr Problem nicht lebensbedrohlich ist und nicht akut im Spital gelöst werden muss!

Weiters greife ich Informationen vor, die ich noch nicht Zeit hatte hier zu diskutieren:

  • Dem Wahnwitz im aktuellen ÖSG Entwurf abschwören, in dem noch mehr Primärversorgung in die Spitalsambulanzen verschoben werden soll, ohne dass es hier zu einer adäquaten Raum- und Personalaufstockung kommt.
  • Aufhören Beratern zu glauben, die behaupten, dass der deutschen Sprache kaum fähige Patientengruppen durch Telefon-Hotlines (TEWEB) oder Health Literacy Aktionen abgehalten werden können, in die Spitäler zu laufen.

Written by medicus58

5. Mai 2017 at 18:46

Janßen identifizierte sich nicht mit dem Gesamtinteresse der Stadt Wien und musste gehen

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Spätestens seit dem noch immer beim Arbeitsgericht anhängigen Verfahren Dr. Rainer gegen die Stadt Wien wissen wir, dass sich die Stadt Wien von Mitarbeitern – unabhängig von ihren sonstigen herausragenden fachlichen Fähigkeiten – trennt, wenn diese sich „nicht mit dem Gesamtinteresse der Stadt Wien“ identifizieren.
Hier haben wir das vor über einem Jahr unter Dr. Rainer kann nicht KAV Generaldirektor werden: Fehlendes Gesamtinteresse der Stadt Wien gegenüber  thematisiert.
Es darf zwar bezweifelt werden, dass es sich nun beim unfreiwilligen Abgang von Udo Janßen aus dem KAV genauso zugetragen hat,
jedoch hat es die frisch-gebackene Gesundheitsstadträtin Frauenberger ähnlicho dargestellt: Das Vertrauen ist verloren gegangen“ und aus die Maus!

Wenn für Sie, liebe Leser, die beiden Vorgänge auf den ersten Blich wenig miteinander zu tun haben, beweist dies nur, dass wir es bereits völlig akzeptiert haben, dass ungenügend definierte „Befindlichkeiten“ für die Berufskarriere bei der Gemeinde Wien wesentlicher geworden sind, als harte Fakten.
Wenn Sie aber nun glauben, dass ich Herrn Janßen auch nur eine Träne nachweine, darf ich Sie auf die nachfolgenden Links verweisen,
nur ist das nicht der Punkt.

Da die neue Organisationsstruktur (Auslagerung, …) des KAV zumindest in der Öffentlichkeit noch nicht bekannt wurde, wird es auch in dieser Phase kaum gelingen, einen ernsthaften Manager als Nachfolger zu finden. Wer übernimmt die Kapitänswürde auf einem Schiff, von dem weder bekannt ist, wohin es fahren wird, noch, ob es nicht überhaupt fliegen oder tauchen muss! Bis zu dieser Entscheidung, hätte man vom ehemaligen Heilsbringer vielleicht noch eine Gegenleistung für sein Salär verlangen können, und wenn es wie bei der Post-Auslagerung in einer Stiftung wäre …..

Vielleicht werden Sie auch sagen, dass durch den Abgang Wehselys (Ciao, Sonja Ciao; Leider nicht (16.5.) aber JETZT !!! ) das Trachtenpärchen der KAV Priviatisierung (Kleine(r) Mann/Frau was nun) gespalten war und es nur eine Frage der Zeit war, dass sich Wehselys Nachfolgerin einen Generaldirektor suchen wird, der auch ihr Vertrauen genießt, nur ist mir Vertrauen und Identifikation, so wichtig das AUCH ist, als Hauptargument zu wenig!

Der Punkt ist, weshalb die Stadt Wien plötzlich kein Vertrauen mehr in den Mann mehr hat, den man als Wunderwuzzi von seinem deutschen Schreibtischposten weggeholt und zuerst in die Direktion eines der größten Krankenanstaltenbetreibers Europas gehievt hat.
Der Punkt ist, weshalb die Stadt Wien einst so großes Vertrauen in Janßen hatte, dass er, sobald sein Vorgänger Marhold knapp nach einer Vertragsverlängerung als Generaldirektor mehr Interesse für seine Privatordination verspürte als für den KAV, Janßen vom Direktor zum Generaldirektor emporhob, obwohl sein Führungsstil, seine Tendenz zur Fremdvergabe, ….. ja alle seine Qualifikationen schon längst offenkundig waren:
16.4.2014 Mann, ist der Mann gut, der nun im KAV aufräumt ….
14.9.2014 Miniwahr KAV: Recht v.s. Propaganda und noch was anderes in dem Zusammenhang

Wer aber dem Ex-General nun das Debakel um das KH Nord anhängen möchte, hat zwar seit 1.1.2017 (Hat der weiße Murl seine Schuldigkeit getan?) formal Recht, negiert aber, dass die wesentlichen Fehlentwicklungen lange vor seiner Bestellung passierten.

Wer dem Ex-General nun die Misere der Strahlenbetten anhängen möchte, sei auf diesen Beitrag verwiesen:
Anmerkungen zur hektischen Debatte um die Strahlentherapie

Wer dem Ex-General nun die katastrophale Kommunikation anhängen möchte, übersieht die glücklichen Gesichter derer, die diesen Weg immer mit-bejubelten: KAV: Wenn das alles ist

Ich bezweifle, dass es im Fall Dr. Rainer die angeblich fehlende Identifikation mit dem Gesamtinteresse der Stadt war, weshalb er nicht verlängert wurde und
ich bezweifle, dass es im Fall Janßen, der uns allen unendlich teuer kommen wird, um Vertrauen ging.

Mich beschleicht der Verdacht, dass Janßen jetzt plötzlich gehen musste, um ihm nicht die Gelegenheit zu geben, zum nächsten Rechnungshofbericht (diesmal über das KH Nord) öffentlich Stellung nehmen zu können. Wir werden sehen wie viel Geld der Maulkorb kostet.

 

Written by medicus58

21. März 2017 at 17:40

Veröffentlicht in Allgemein, Gesundheitssystem

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Master BO – Die tickende Zeitbombe

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Master

Erschöpft und erleichtert nehmen die meisten den Abgang von Wiens Gesundheitsstadträtin Wehsely zu Kenntnis und sie warten darauf wie lange „ihr Generaldirektor“ noch den KAV via Morgenjournal beschädigen darf (http://www.krone.at/nachrichten/wien-kav-boss-reagiert-mit-zynismus-auf-kritik-ist-schicksalhaft-story-550279).
Vermutlich darf er das ohnehin nur noch, weil der Bürgermeister zwar die angekündigte Studie über die Ausgliederung in Händen hat, aber offenbar sich weder entschieden hat oder überhaupt noch kann (http://wien.orf.at/news/stories/2820508/).

Irgendwie laufen die ganzen Abteilungs-Schließungen und -Verlagerungen, die Pärchen- und Schwerpunkt-bildungen des Spitalskonzeptes 2030 so dahin, ohne dass irgendwer zu bemerken scheint, dass das Kernstück des Konzepts, das modernste Spital Europas irgendwie noch immer nicht eröffnet ist.

Wehsely und Janßen bejubelten trotzdem im Zuge der Demission der Ersteren „die Umsetzung des Spitalskonzeptes 2030“ als die größte Leistung ihrer Zusammenarbeit.
Von der größten Zeitbomben dieses federführend von Ebner-Hohenauer-Consult (Dr. Ebner – Die „objektive“ Krake im Gesundheitssystem https://medicus58.wordpress.com/2012/12/19/dr-ebner-die-objektive-krake-im-gesundheitssystem) entwickelten Konzeptes, der Master-Betriebsorganisation, redet aber niemand.
Dabei hat es sogar die Gratiszeitung-Heute schon vor einem Jahr auf den Punkt gebracht:
Kernpunkte sind neben den drei Versorgungsregionen, der Schwerpunktbildung, den zentralen Notaufnahmen, dramatischen Änderungen im Rettungswesen, eben diese Masterbetriebsorganisation. Dort heißt es euphemistisch:

In der Master-Betriebsorganisation sind Aufgaben, Abläufe und Struktur der Zentren definiert. Auch die verbesserte Nutzung vorhandener Infrastruktur, der optimierte Einsatz von Personal und die Festlegung von einheitlichen Standards in Medizin, Pflege und Therapie sind Bestandteil der Master-Betriebsorganisation. Die Master-Betriebsorganisation legt unter anderem allgemeine Prinzipien für Arbeitsabläufe und für den strukturellen Aufbau von Stationen, Abteilungen und Häusern fest. Die Nutzung von räumlichen, technischen, personellen sowie fachlichen Ressourcen wird optimiert, es werden teils neue Organisationsformen geschaffen, zum Beispiel Zentrale Notaufnahmen, Zentral-OPs und Intensivbereiche. Für alle medizinischen Kernleistungen sind standardisierte Organisationsabläufe vorgegeben. http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/Spitalskonzept-2030-So-werden-wir-kuenftig-behandelt;art23652,1251405

In Wirklichkeit handelt es sich um die Entmachtung der Abteilungsleitungen und die Verschiebung der Entscheidungsbefugnisse von den Ärzten zu Pflege und Medizinisch-technischen Diensten.

Obwohl die Master BO seit Monaten im Intranet schlummert und Teile davon schon munter umgesetzt werden, scheint das Problem, dass hier schon 2014 angesprochen wurde (Master-Betriebsorganisation im KAV: Da fährt die Eisenbahn drüber https://medicus58.wordpress.com/2014/05/23/master-betriebsorganisation-im-kav-da-fahrt-die-eisenbahn-druber/) niemanden zu kümmern.

Beispiele gefällig?
Sekretariats-/Schalterpersonal wird gepoolt und untersteht nicht mehr den Abteilungsleitungen (Ergebnis: zwei zusätzliche Posten in der Verwaltung), die Anordnungskompetenz über eine Priorisierung der anfallenden Arbeit wird den Ärzten genommen, die Verantwortung für den Gesamtprozess natürlich nicht.
Bettenmanagement liegt in den Händen der gehobenen Pflege, die andererseits keine fachliche Entscheidung über die Entlassungsfähigkeit der stationären Patienten hat, wenn dringend ein Bett benötigt wird.

Written by medicus58

27. Januar 2017 at 20:15

Anmerkungen zur hektischen Debatte um die Strahlentherapie

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radonk

Augenblicklich überbietet sich ja die Gesundheitspolitik Ostösterreichs mit der Ankündigung immer neuer Bestrahlungseinrichtungen (http://derstandard.at/2000051304733/Strahlentherapie-KAV-verspricht-13-Geraete-bis-Jahresende) und man kann sich nur wundern wie Einrichtungen, deren Planung, Aufstellung und Bewilligung bekanntlich einige Zeit benötigt.
Auslöser der Debatte schien ein RH-Bericht zu sein, der die Unterversorgung anprangerte. In einem Radiointerview verteidigte sich GD Janßen wenig empathisch (http://www.krone.at/nachrichten/wien-kav-boss-reagiert-mit-zynismus-auf-kritik-ist-schicksalhaft-story-550279):
„Das ist sicherlich schicksalhaft und eigentlich nicht zu vertreten, aber wir können die Versäumnisse der letzten Jahre nur Zug um Zug bereinigen. In den letzten zehn Jahren hätten entsprechende Entscheidungen getroffen werden müssen.“

Ja, und das mag die Leser dieses Blog überraschen, da gebe ich ihm Recht, dass es sich hier um Versäumnisse seiner Vorgänger handelt, nur hat er sich wieder einmal nicht wirklich informiert. Das Problem liegt viel länger als nur ein Jahrzehnt zurück.

Wir schreiben den 1. Oktober 1998 als Prof. Werner Dobrowsky die Leitung der Strahlentherapie im KH Lainz (nun Hietzing) von seinem Vorgänger Alth übernimmt, der dem Institut seit 1971 vor stand. Kurz darauf werden Gerüchte laut, dass die Stadt Wien die Abteilung schließen will, kein wirkliches Einstandsgeschenk für den frisch ernannten Primarius und er mobilisierte gemeinsam mit seinem Team gegen diese Pläne. Begründet wurde die beabsichtigte Schließung mit der seit 1996 zur Verfügung stehenden, neu gebauten und erweiterten Strahlentherapie im KFJ und überdies wurde 1996 auch die Strahlentherapie im Donauspital eröffnet. Diese hatte aber nur einen einzigen Beschleuniger, für mehr war auch kein Platz, denn die Abteilung wurde erst nachträglich in den Neubau „hinein gezwängt“.
Als der frisch in Lainz (Hietzing) installierte Primar Dobrowsky während seiner „Probezeit“ eine Pressekonferenz abhielt, um auf den zunehmenden Bedarf für sein Fach hinzuweisen und eine Standortgarantie für seine Abteilung verlangte, gefiel das der Stadt Wien so wenig, dass man sich bereits im September 2000 von dem aufmüpfigen Abteilungsleiter trennte, der seither in Newcastle, einem der größten Spitäler des NHS als „Consultant Clinical Oncologist“ arbeitet.
Auch unter seinem Nachfolger verstummten die Gerüchte nicht und zwischenzeitlich plante man überhaupt den gesamten Spitalsstandort zu schließen.
Jetzt brüstet man sich mit den zu Jahresende 2017 den Betrieb aufnehmenden Beschleunigern in Hietzing, verschweigt aber geflissentlich, dass diese Eröffnung nur deshalb erforderlich wurde, weil die seit Jahren immer wieder umgeplante Erweiterung des Standortes im Donauspital nicht in die Gänge kam. Unter den unzähligen Versionen des Wiener Spitalskonzeptes 2030 finden sich schließlich auch einige, die den Standort Hietzing schließen wollten, sobald die Erweiterung im Donauspital in Betrieb gegangen war. Schließlich sah das KH Hietzing keinen onkologischen Schwerpunkt mehr vor ….. aber all das ist ohnehin Makulatur, jetzt werden beide Standorte mit neuen Geräten ausgestattet, onkologisches Zentrum hin, Schwerpunktbildung her.
Errichten lässt man sich das alles ohnehin als PPP (https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentlich-private_Partnerschaft), weil Geld und Kreditwürdigkeit hat man schon längst verspielt.

Aber eines kann man nicht behaupten, dass seit dem Abgang von Kollegen Dobrowsky niemand mehr von der Unterversorgung von Strahlentherapiepatienten im Osten Osterreichs gewarnt hätte:

2001 Wiener Grüne fordern Ankauf eines neuen „Linearbeschleunigers“
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20010711_OTS0055/gruene-pilz-akuter-handlungsbedarf-fuer-strahlentherapie-in-wien

2002 Fragestunde Wiener Gemeinderat
Im Bereich der Strahlentherapie merkte sie (Pittermann) an, dass voraussichtlich im Jahr 2005 in Krems eine eigene Strahlentherapiestation eröffnet werden wird, somit auch gewisse Entlastungen in diesem Bereich zu erwarten seien. Abschließend betonte sie, dass sie mit der ausweichenden Haltung Niederösterreichs in den Finanzbelangen ebenfalls unzufrieden sei.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20020626_OTS0089/wiener-gemeinderat-1

2013 Strahlentherapie: Ärztekammer warnt vor Unterversorgung
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20130629_OTS0002/strahlentherapie-aerztekammer-warnt-vor-unterversorgung

2015 Strahlentherapie: Österreichs Krebspatienten unterversorgt http://derstandard.at/2000027967233/Strahlentherapie-Oesterreichs-Krebspatienten-unterversorgt

2017 Kurt Wagner (SPÖ): Alle Jahre wieder: Unsachliche Oppositionskritik zu Stadtrechnungshofberichten
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20170118_OTS0133/kurt-wagner-spoe-alle-jahre-wieder-unsachliche-oppositionskritik-zu-stadtrechnungshofberichten

Und um den Kommentatoren zuvor zu kommen: Was sollen diese Erinnerungen an einen ehemaligen Kollegen?

Sie zeigen uns, dass die Probleme der Gesundheitsversorgung wirklich nicht allein durch den Abgang Wehselys und Janßens behoben oder die nun angekündigte Kuscheltour der aktuellen Stadträtin gelöst werden können, auch nicht durch das „Rauswerfen aufmüpfiger Primarärzte“ sondern nur durch einen radikalen Systemwechsel.
Erst wenn die Verantwortlichen endlich erkennen, dass man die von motivierten Ärzten aufgezeigten Probleme nicht ewig mit irgendwelchem Polit- und Propagandatheater verdrängen, wird diese Stadt wieder ihrer sozialen Tradition gerecht.

Es mag bezweifelt werden, dass dieses Wendemanöver von den augenblicklich an der Macht befindlichen Akteuren noch geschafft wird.

Written by medicus58

26. Januar 2017 at 18:31

Der Anfang vom Wahl-fang

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Wahl

War ein ziemliches Kunststück, dass Thomas Szekeres vor fast fünf Jahren da zusammengebracht hat:
Erstmals stellte „die SPÖ-Fraktion“ einen Wiener Ärztekammerpräsidenten und Kollege Steinhart, der ewige Kronprinz des bisherigen Wiener und Österreichischen Kammerpräsidenten Dorner konnte trotz Stimmenmehrheit seiner Fraktion die vermeintliche Erbpacht nicht antreten (http://wien.orf.at/news/stories/2531889/).
Die Mehrheit war knapp, Trotz Verdoppelung der persönlichen Mandate erreichte der bisherige Vizepräsident Szekeres nur 52 von 90 Stimmen in der Vollversammlung der Wiener Ärztekammer und hatte keine Chance auf die Führung in der Österreichischen Kammer, da er dort den letztendlich ebenfalls gescheiterten Reisner unterstützen musste.

Der Preis war hoch:

Erstens benötigte er eine heterogene Koalition von fast allem, was nicht „Vereinigung“ war:
„Sozialdemokratischen Ärzte“ (16 Mandate)
„Wahlgemeinschaft“ (13)
„Grüne Ärzte“ (7)
„Kammerlight“ (6)
„Turnusärzte für Turnusärzte und Assistenten“ (5)
„Wohlfahrtsfonds – Nein, Danke!“ (2)
„Team Reisner“ (2) um den Niederösterreichischen Kammerpräsidenten (!!!) = 51 Mandate.
Zweitens erhielt er erst durch die Stimme von Eva Raunig vom „Hausärzteverband“ die nötige Unterstützung auch der „Niedergelassenen“,
die Szekeres so wichtig war (ohne die er nicht das notwendige Viertel der Kurie bekommen hätte, der er selbst nicht angehört), dass er extra für sie das Amt einer Dritten Kammerpräsidentin schuf,
das wir seither zusätzlich bezahlen müssen.
http://diepresse.com/home/innenpolitik/755721/Machtwechsel-in-der-Aerztekammer-Wien_Szekeres-neuer-Chef

Trotz der zahlenmäßigen Stärke der Wiener Ärzteschaft wanderte die Führung der Österreichischen Ärztekammer an den farb- und bedeutunglosen Wechselberger.
Zum Glück muss man vermutlich sagen, denn die Alternative wäre der OÖ Kammerpräsident Niedermoser gewesen, über den und seine Rolle in der Ärzteausbildung konnte man hier schon mehrfach lesen:

Niedermoser: Who’s side are you on
https://medicus58.wordpress.com/2014/03/13/niedermoser-whos-side-are-you-on/
ÄrzteRausbildung neu https://medicus58.wordpress.com/2016/11/20/aerzterausbildung-neu/
Ärztemangel: Nimmst Du’s mir, so nehm‘ ich’s Dir – eine Art Viele-Jahre-Rückblick https://medicus58.wordpress.com/2014/12/28/arztemangel-nimmst-dus-mir-so-nehm-ichs-dir-eine-art-viele-jahre-ruckblick/
Kollege Niedermoser wurde mit der Führung der Arztakademie belohnt, wo er nun auf unser aller Kosten die Gelddruckmaschine Arztprüfung, ärztliche Fortbildung und Akkreditierung anwerfen darf.

Viel ist seither geschehen:

Von der ersten Vizepräsidentin Raunig (Hausärzteverband) war bald nichts mehr zu hören.
Der zweite Vizepräsiden Leitner (Wahlgemeinschaft) spielte keine allzu rühmliche Rolle in den Arbeitszeitverhandlungen mit Frau Wehsely und dies berät inzwischen ihren ehemaligen Lieferanten Siemens.
Der dritte Vizepräsident Steinhart (Vereinigung) ließ noch kurz vor Jahresende „seine Niedergelassenen“ streiken (Warum sowohl Ärztestreik als auch „Gesundheitsreform“ scheitern müssen https://medicus58.wordpress.com/2016/12/13/warum-sowohl-aerztestreik-als-auch-gesundheitsreform-scheitern-muessen/),
so wie das schon „die Angestellten“ schon im September taten (Alles keine Ärzte? – die Bilder zum Streiktag https://medicus58.wordpress.com/2016/09/13/alles-keine-aerzte-die-bilder-zum-streiktag/), schwang bei beiden Veranstaltungen markige Reden, vermied aber tunlichst beide Gruppen zu solidarisieren, um „der Gegenseiten“ nicht wirklich weh zu tun.
Ja und der Präsident ist schon längst aus er SPÖ ausgetreten und will angeblich bei der kommenden Wahl als eigene Liste antreten, obwohl er auf der HP der  „Sozialdemokratischen Ärzten“ (http://www.sozdemaerzte.at/servlet/ContentServer?pagename=X01/Page/Index&n=X01_3.a.a&cid=1151322337255 Abruf 22.1. 18:00 ) noch als 1. Stv . Vorsitzender genannt wird.

Beschädigt sind sie alle, die Spitzenfunktionäre und das Amt, so dass vor der kommenden Kammerwahl auch einige andere der bisherigen Akteure die Mäntelchen wechseln.
Um vielleicht diesmal großkoalitionäre Kontrahenden zu generieren, wurde inzwischen auf Vorschlag der Kammer vom Bundesministerium auch gleich einmal das Wahlrecht geändert, um es kleinen Gruppen schwieriger zu machen überhaupt in die Kammer zu kommen (http://derstandard.at/2000035713841/Aerztekammerwahl-Mindestzahl-fuer-Kandidatenlisten-vorgesehen).
Aber schließlich schwadroniert der Bundeskanzler ja auch plötzlich vom Mehrheitswahlrecht.

Wir alle werden höllisch aufpassen müssen, dass wir und unsere Mandatare nicht nachträglich unseren Kritikern die Bestätigung dafür liefern, dass an all den Unzulänglichkeiten im Gesundheitssystem nur die „steinharte Politik“ der Ärztekammer schuld ist.

 

 

Written by medicus58

22. Januar 2017 at 19:36

Indische Betten: Die Betten am Ende des Ganges (Director’s Cut)

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Spitalsbett

Die mediale Aufregung über die Gangbetten im KAV ist groß und SP Volksanwalt Kräuter prüft (http://diepresse.com/home/panorama/wien/5150777/Gangbetten_Volksanwalt-prueft-Stadt-Wien).

Aufgeregt, aber offensichtlich ohne exakte Recherche entrüstet sich der Kurier, dass „Grippekranke Dermatologie-Patienten anstecken“ (https://kurier.at/chronik/wien/gangbetten-chaos-massnahmen-wirkungslos/240.100.342).

Die Politik macht, was sie neuerdings immer macht, die Stadtträtin dankt den Mitarbeitern und nennt alles eine politische Kampagne  (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20170109_OTS0106/wehsely-danke-an-die-mitarbeiterinnen-des-kav-wien-fuer-ihre-hervorragende-arbeit), kündigt aber sogleich ebenfalls eine eigene Prüfung an.
Dabei erfährt man, dass in der neuen gesundheitspolitischen Geheimwaffe, dem einzigen PHC Wiens am Sonntag ohnehin nur 4 (!!!) Patienten Hilfe suchten (http://derstandard.at/2000050418456/Grippewelle-Trotz-Sonntagsoeffnung-nur-vier-Patienten-in-Praxis).

Eigentlich wäre das alles doch ganz einfach, wenn auch nicht so einfach, wie die von der Stadtregierung ernannte „Patientenanwältin Pilz“ es sich macht, wenn sie meint, dass die niedergelassenen und angestellten Ärzte einfach nicht auf Weihnachtsurlaub gehen hätten dürfen (http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/5149493/Gangbetten_Pilz-sieht-Fehler-bei-Urlaubsplanung).

Im Prinzip gebe ich zwar Wehsely Recht, dass hier offensichtlich eine Kampagne läuft und der KAV Ohrfeigen bekommt, die er zwar mehr als verdient, jedoch nicht für die aktuelle Situation (Grippewelle früher und stärker als erwartbar, Widerspruch zwischen Effizienz und Vorhaltekapazität, …).

Den Dauerbrenner Gangbetten habe ich hier schon 2012, unter Gangbetten, gibt’s net (https://medicus58.wordpress.com/2012/04/19/gangbetten-gibts-net/) und 2015 unter Wehsely-Leak V 2.0 oder Indische Betten: die Betten am Ende des Ganges https://medicus58.wordpress.com/2015/04/20/wehsely-leak-v-2-0-oder-indische-betten-die-betten-am-ende-des-ganges/) thematisiert.

Der KAV Führung und seine Stadträtin verdient die medialen und politischen Ohrfeigen, weil sie in früheren Jahren das Problem negiert oder auf die organisatorische Unfähigkeit der Ärzte geschoben haben, nicht weil die aktuelle Situation ohne hellseherische Fähigkeiten und enormes Budget anders hätte bewältigt werden können.

Da gab es z.B. 2012 eine unvergessliche Pressekonferenz mit dem früheren GD Marhold, in der gerade fotografierte Gangbetten dem schweigend neben ihm sitzenden Ärztlichen Direktor als Organisationsverschulden angehängt hat und sein für jeden Insider absurdes Versprechen durch eigenes Eingreifen Gangbetten wegzuzaubern (http://wiev1.orf.at/stories/205524).

Wenn der jetzige GD Janßen plötzlich das Offensichtliche ausspricht: dass Gangbetten grundsätzlich „in jedem Land in Zentraleuropa anzufinden“ seien, „weil die Kapazitäten der Spitäler endlich sind und nicht immer auf den maximal zu erwartenden Versorgungsbedarf ausgerichtet sind. Denn das würde bedeuten, in der Regel eine Überkapazität fahren zu müssen“ .
(http://wien.orf.at/news/stories/2818327/),
mag darüber jubeln, dass nun endlich ein echter Manager, oder in seinen Worten ein teurer Spieler gekauft
(http://derstandard.at/2000050277334/Trotz-Abloesegeruechten-KAV-Chef-Janssen-sieht-sich-fest-im-Sattel) wurde, der die Dinge beim Namen nennt.

Andererseits spricht auch Janßen im selben Interview über seine Kritiker als, die sich sich in den vergangenen Jahren „ihre Nische errichtet“ hätten und von  „Menschen, die sagen: ‚Muss ich das (die Veränderungen, Anm.) haben oder zieht die Leiche des Generaldirektors noch an mir vorbei?'“.

Und weiter: „Wer in der Kirchturmspitze ist, darf sich nicht darüber beklagen, dass die Raben einen ankrähen.“

Blöd halt nur, wenn  die Kirchturmspitze eigentlich nur die Spitze eines Eisbergs ist und die Raben im Archiv kramen.

Also, kein Mitleid für die Geohrfeigten!

Written by medicus58

11. Januar 2017 at 07:40

Hat der weiße Murl seine Schuldigkeit getan?

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kh-nord

Noch ehe der Endbericht des Rechnungshofs vorliegt und noch ehe die neue Organisationsform des KAV gefunden wurde, gibt sich der Mann, der nun im KAV aufräumt …. https://medicus58.wordpress.com/2014/01/16/mann-ist-der-mann-gut-der-nun-im-kav-aufraumt/) mit 1.1.2017 (!) eine neue Geschäftsordnung.
Es mag auf den ersten Blick bezweifelt werden, dass GD Janßen das Schriftstück freiwillig herausgegeben hat.
In gewisser Weise bindet ihn die Neufassung zwar mehr an das Spitalskonzept 2030 seiner Stadträtin und schreibt ihm ein paar zusätzliche Aufgaben („integrierte Managementsysteme„) hinein, um der RH Kritik, er bekäme sein Salär für nix, da er alle Agenden an seine Vorstandskollegen abgetreten hätte, zu entkräften.

Angesichts all seiner Ausbildungen kann ihm kaum entgangen sein, dass ein zusätzlicher Absatz auf Seite 7 der neuen Geschäftsordnung geeignet ist seine Rolle als Opferlamm festzuschreiben:

Darüber hinaus obliegt dem Generaldirektor bzw. der Generaldirektorin die Bauherrenfunktion für das Programm Krankenhaus Nord.

Es könnte natürlich auch sein, dass sich der studierte Arbeits- und Organisationspsychologe auf diese Weise einen Job auf Lebenszeit sichern wollte, denn dass irgendjemand im Vollbesitz seiner geistigen und politischen Kräfte Janßens Job unter diesen Rahmenbedingungen anstrebt, nur um die Verantwortung für dieses Desaster (Krankenhaus Nord: Am teuersten Rohbau Wiens http://www.krone.at/wien/krankenhaus-nord-am-teuersten-rohbau-wiens-krone-vor-ort-story-539522) zu schultern, würde wundern.

Also entweder fällt Janßen hier dem Überlebenswillen seiner Stadträtin zum Opfer, oder sein Studienschwerpunkt Krisenmanagement an der  European Business School trägt Früchte ….

 

PS: Das Bild zeigt die vergleichbaren Stellen beider Dokumente, das bis zum Jahreswechsel gültige und das neue
PPS: Murl ist Wienerisch für den (schwarzen) Mohren

 

Written by medicus58

1. Januar 2017 at 23:05

Gesundheitsreform: Wie wäre es mal mit der ganzen Wahrheit

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rotstift

Einer der wesentlichsten Beweggründe vor ziemlich genau sechs Jahren einen Blog zu beginnen (Gedanken am Ende eines Blogs https://medicus58.wordpress.com/2014/12/09/gedanken-am-ende-eines-blogs/) lag für mich darin, dass ich es satt hatte, dass Krankenhausportiere, Sprechstundenhilfen und Ambulanzpersonal einen immer größeren Teil ihrer Arbeitszeit damit zu verbringen hatten, die Patienten darüber aufzuklären, was sie für ihre Krankenversicherung und Steuern eben nicht erwarten dürfen, während ihnen die weiterhin Gesundheitspolitik das Paradies auf  Erden versprach.
Der gesellschaftspolitische Diskurs um unser Gesundheitssystem fand nicht an der Wahlurne sondern am Ambulanz- und Ordinationsschalter statt.

Spitzenmedizin für alle rund um die Uhr und überhaupt. 

Sechs Jahre lang schien die Phalanx der Gesundbeter in der Gesundheitspolitik dicht geschlossen und jede Systemkritik wurde von Gesundheitspolitikern, Gewerkschaftern und Interessenvertretern bestenfalls als Einzelproblem oder  Verfehlung einzelner schwarzer Schafe dargestellt.

Newcomer wie Team StrohsackNeos oder chronische Oppositionspolitiker wie viele FPler und die Wiener Schwarzen übten natürlich auch Kritik, aber eben immer nur an einzelnen Vorgängen. Wiener und Niederösterreichische Patientenanwälte rieben sich an einigen, angeblichen bösen Ärzten oder Landesärztekammerpräsidenten, stellten aber das System, das sie schließlich auch sehr gut nährte, natürlich nie in Frage.

Wenn es den Gewerkschaftern in den politischen Kram passte, dann sahen sie auch früher schon mal das Gesundheitssystem vor dem Kollaps (Dem Wiener Gesundheitssystem droht der Kollaps https://medicus58.wordpress.com/2015/09/16/dem-wiener-gesundheitssystem-droht-der-kollaps/), kurz danach sah man sich aber stets in angeblich sehr konstruktiven Gespräche wieder am Verhandlungstisch.

Als der damalige Sozialminister Hundstorfer nach 13 Jahren Bedenkzeit im Schnelldurchgang die Ärztearbeitszeit regelte (Da ist irgendwo der Hund drinnen, Herr Minister Hundstorfer! https://medicus58.wordpress.com/2015/03/10/da-ist-irgendwo-der-hund-drinnen-herr-minister-hundstorfer/) brodelte es in allen Ländern mehr oder weniger heftig, was aber nur als Arbeitskampf geldgieriger Ärzte dargestellt wurde. Dass die Arbeitsverdichtung in den Spitälern die Folge der seit vielen Jahren immer insuffizienteren extramuralen Versorgung war, weil die ebenfalls parteipolitisch kontrollierten Krankenkassen den Verpflichtungen gegenüber ihren Versicherten nicht nachkamen und darin von ihren meist politisch-gleichfärbigen Landes-Gesundheitspolitiker auf Kosten der Krankenhäuser gedeckt wurden, war natürlich kein Thema.

Als z.B. in Wien die KAV-angestellten Ärzte im Sommer 2016 endlich streikten, blieb die Unterstützung des Präsidenten der Österreichischen Ärztekammer, eines Tiroler Praktikers ziemlich schaumgebremst, die Gewerkschaft war überhaupt offen feindselig.

In den vergangenen sechs Jahren habe ich hier zahllose Beispiele angeführt, wie die ehemals vielleicht teure, aber gute Gesundheitsversorgung in Österreich schrittweise löchrig geschossen wurde. Stichwort: Die Potemkinschen Spitäler https://medicus58.wordpress.com/2012/07/11/die-potemkinschen-spitaler

2012 Sommerloch Reprisen: Reform=Stillschweigen zur Errichtung eines Potemkinschen Dorfes https://medicus58.wordpress.com/2016/07/26/sommerloch-reprisen-reformstillschweigen-zur-errichtung-eines-potemkinschen-dorfes/)
2013 Nun gibt die Politik die Potemkinschen Spitäler langsam zu, schiebt aber Verantwortung auf Ärzte https://medicus58.wordpress.com/2013/03/21/nun-gibt-die-politik-die-potemkinschen-spitaler-langsam-zu-schiebt-aber-verantwortung-auf-arzte/

Das alles führte dazu, dass sich in einem der am wenigsten gelesenen Beiträge dieses Blogs kürzlich vergeblich die Frage aufwarf:
Fragt einmal, was der Staat für Euch tun muss … https://medicus58.wordpress.com/2016/10/29/fragt-einmal-was-der-staat-fuer-euch-tun-muss/
da mir scheint, dass sich viel zu viele Bürger in falscher Sicherheit wiegen, dass doch irgendwo festgehalten sein muss, dass der Staat, die Länder, … die Gesellschaft von Rechts wegen eine bestimmte Gesundheitsversorgung zu garantieren hätte.

Was sich aber nun seit einigen Tagen im Umfeld der 15a Vereinbarungen abspielt, lässt auf plötzlichen Gesinnungswandel schließen:

Dass der Präsident der Österr. Ärztekammer “ den brennenden Hut im Gesundheitssystem ausmacht“ (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20161110_OTS0212/oeaek-wechselberger-im-gesundheitssystem-brennt-der-hut ), dass die Wiener Ärztekammer vorsorglich einen Generalstreik beschließt (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20161116_OTS0027/aerztekammervorstand-beschliesst-resolution-gegen-15a-vereinbarung) und die NÖ Ärztekammer ein Volksbegehren gegen die Demontage des Gesundheitssystem initiert (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20161110_OTS0033/einladung-pksos-medizin-noe-aerztekammer-initiiert-oesterreichweites-volksbegehren-gegen-demontage-des-gesundheitssystems) überrascht vielleicht in seiner Geschlossenheit, kann aber als Standespolitik aufgefasst werden.

Aber wenn am kommenden Montag der Gemeindebund zu einer Pressekonferenz „über medizinische Versorgung am Land“ lädt, dann scheint die Unruhe schon größere Kreise erfasst zu haben (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20161116_OTS0161/einladung-zur-pressekonferenz-die-zukunft-der-medizinischen-versorgung-am-land).

Wenn die Gesundheitsministerin im NR versichert, gut auf unser Gesundheitssystem aufzupassen (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20161110_OTS0196/nationalrat-oberhauser-versichert-gut-auf-unser-gesundheitssystem-aufzupassen) dann kommt leicht Panik auf und erinnert das verdächtig an das Mantra der Wiener Gesundheitsstadträtin Wehsely vor den Landtagswahlen, dass ja nur die SPÖ ein Grant für ein öffentliches Gesundheitssystem in Wien wäre, während seit Monaten am KAV for Sale gebastelt wird.

Die Wiener Ärztekammer „leakte“ den Entwurf zum VUG 17 (http://www.aekwien.at/aekmedia/161113_Umsetzungsgesetz.pdf), um zu zeigen, dass

Durch sogenannte „Kostendämpfungspfade“ dem Gesundheitssystem weitere 4,5 Milliarden Euro entzogen werden soll (was Schelling prompt dementierte)
Das Parlament (und die Ärzteschaft) in Gesundheitsversorgungsfragen umgangen werden soll (ist ja mal ganz was Neues).
Großkonzerne statt ärztliche Ordinationen
 die extramurale Versorgung übernehmen werden (hat bei diagnostischen Fächern (Labor) die Kämmerer bislang auch nicht gestört).

Gleichzeitig versicherte die Kammer ihren Ärzten:
Seien Sie unbesorgt: Die Verstaatlichung der Gesundheitsplanung ohne Einbeziehung ärztlichen Wissens und der Ersatz freiberuflicher Ärztinnen und Ärzte durch Großkonzerne kann und wird von uns nicht akzeptiert werden. (als ob sich im letzten Jahrzehnt um diese Akzeptanz noch irgendein Stakeholder  bemüht hätte)

In Wien rühren sich aber nun auch die Gewerkschaften!
Die Younion erinnerte am 10.11. den Bürgermeister verärgert, dass für ihn einst „die Gemeindebediensteten als Gladiatoren, als Speerspitze, als Fundament der Stadt“ waren, während er nun öffentlich über eine Ausgliederung des KAV nachdenkt und damit 30.000 Bedienstete verunsichert. (bis vor kurzem saßen sie nach eigenen Angaben ja noch selbst am Verhandlungstisch und tun plötzlich überrascht (Zieht sich da jemand rechtzeitig zurück um nicht dabei gewesen zu sein? http://wp.me/p1kfuX-1e8)

Was offenbar den KAV und den zum Abschuss freigegeben Generaldirektor und seine Mitdirektoren am 17.11. dazu veranlasste alle KAV Mitarbeiter wie folgt zu beruhigen:

Sehr geehrte Damen und Herren!
Geschätzte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!

Es wird eine Studie in Auftrag gegeben, die prüft, welche Organisationsform für die künftigen Anforderungen an den KAV bestgeeignet ist und die notwendige Selbstständigkeit gibt. Unabhängig von der künftigen Organisationsform wird die Stadt Wien weiterhin 100-prozentige Eigentümerin des KAV bleiben.
Eine Entscheidung über einen Umsetzungsauftrag anhand dieser strategischen Schlüsselfragen soll Anfang 2017 fallen.

Ob es einen wirklich beruhigt, dass nach jahrelangem, nicht gerade erfolgreichem Umbau (Impulsprojekt, Spitalskonzept 2030, Master BO, …) eines der größten öffentlichen Krankenanstaltenbetreibers, dieser nun in zwei, drei Monate durch Projektleiter Mag. Richard Gauss (Abteilungsleiter der MA 24) und Stadträtin Wehsely in eine neue und erfolgreiche Organisationsform übergeführt werden kann, mag bezweifelt werden, aber eines wird langsam klar:

Da tut sich was und die Phase des Schönredens ist vorbei!

Jetzt wäre es auch einmal Zeit, die ganze Wahrheit anzusprechen:

Die Ärztekammern sind – trotz aller berechtigten Kritik – in erster Linie deshalb beunruhigt, weil ihnen durch den neuen politischen Kurs ihre einzige wirkliche Waffe weggenommen werden soll:
Das Verhandlungsrecht mit den Krankenkassen über die Kassenverträge/ -tarife und somit über die Ökonomie ihrer niedergelassenen Pflichtmitglieder zu entscheiden.
Ihre Berechtigung zu Kollektivverhandlungen ist erst im Zuge des Wiener Arbeitskampfes überhaupt thematisiert worden und war eigentlich irrelevant, so lange die Mehrheit der angestellten Ärzte beamtet waren, denn für Beamte existiert kein Kollektivvertrag!
Die dritte Säule allfälliger Machtausübung der Ärztekammern, die Verhandlungen über die Sonderklassetarife der Privatversicherungen steht auf wackeligen Beinen und existiert nicht in allen Bundesländern.

Die Wiener Gewerkschafter sind über die Auslagerungspläne des KAV beunruhigt, weil ihnen durch den neuen politischen Kurs ihre einzige wirkliche Waffe weggenommen werden soll:
Als Personalvertreter, im Gegensatz zur Rolle einer Gewerkschaft, sind sie sich alle KAV Mitarbeiter als Pflichtmitglieder sicher. Gewerkschaftsmitglied ist man freiwillig. In einer KAV  Ges.m.b.H. müsste man Kollektivverträge verhandeln und müsste sich irgendwann die Frage gefallen lassen, wie viele innerhalb einer bestimmten Berufsgruppe überhaupt noch Gewerkschaftsmitglieder der Younion wären. Vergessen wir nicht, es existieren schon reine Ärzte- und reine Pflegegewerkschaften!

Eine vielleicht überraschende Parallele zwischen Kammer und Younion, die vielleicht zu Synergien führt, aber keinen Grund für Jubel darstellt. Sie zeigt schließlich auf, dass die Aufregung der Interessenvertreter in erster Linie dann auftritt, wenn ihre eigenen Interessen in Gefahr sind und es weniger um die von ihr Vertretenen und erst ganz zum Schluss um die Qualität des Gesamtsystems geht.

Trotzdem, wäre es gut, würden beide in ihrer Kritik auch öffentlich dazu stehen, dass sie sich primär gegen ihre eigenen Marginalisierung wehren!
Zumindest sollte das die Ärztekammer tun.
Dieses Land hat ja tatenlos akzeptiert, dass Wirtschaftskammer und Gewerkschaft auf anachronistischen Strukturen wie der Gewerbeordnung des Alten Kaiser beharren , weil dieser ihnen Einfluss sichert. Die Metaller würden innerhalb von Sekunden den Generalstreik ausrufen, würde man ihnen das Recht auf Kollektivverhandlungen nehmen.
Seit Jahren werden Gesundheitsreformen durchgepeitscht, bei denen eh schon alle mehr Mitspracherecht haben, als die Ärzte(kammer).
Vielleicht wäre es einmal eine gute Strategie, sich nicht hinter irgendwelchen fadenscheinigen Argumenten zu verstecken und einfach dazu zu stehen, dass wir Ärzte neben Wissen auch Interessen haben.  

 

Written by medicus58

18. November 2016 at 00:03

Das Muster Post für den Wiener Krankenanstaltenverbund

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simpa

Während mögliche Privatisierungen (http://wien.orf.at/news/stories/2806801/) des Wiener Krankenanstaltenverbundes inzwischen kaum mehr bezweifelt werden,
scheint noch unklar, wohin die Reise wirklich gehen wird. Da kann uns vielleicht ein Blick ins Archiv helfen, denn

Zeig mir welche Berater Du einlädst und ich sag Dir, was Du vor hast!

Nach dem Köck auch den Bock zum Gärtner … https://medicus58.wordpress.com/2012/03/13/nach-dem-kock-auch-den-bock-zum-gartner/

Reich wird, wer das Seine jedem verkauft: Die Gesundheitsberater https://medicus58.wordpress.com/2014/07/06/reich-wird-wer-das-seine-jedem-verkauft-die-gesundheitsberater/

I had a Dream: KAV for Sale https://medicus58.wordpress.com/2014/02/11/i-had-a-dream-kav-for-sale/

Am 17.12.2014 lud der KAV Herrn DI Georg Mündl zu seiner Führungskräftetagung, der zuerst von seiner Berufskarriere schwadronierte,
die ihn auf der Mobilfunk-Welle von max.mobil (vom Startup zur Hyper Growth Company) über HT mobile (Kroatien) ab 2012 zum Sr Vice President – Mail Solutions der Austrian Post Group machte.

Danach machte er die Anwesenden glauben, dass er die 24h Selbstbedienungszonen erfunden hätte,
als Beweis, dass man Kundenzufriedenheit durch Automatsierung auch ohne Personal erreichen kann:

Schließlich zog er folgende Conclusio:

Es muß (sic) eine Vision (sic) einen Plan geben

Veränderung muß (sic) bewußt (sic) gewollt werden
Staheholder müssen im Boot sein

Das Neue muß (sic) kommuniziert werden,
immer wieder (Wiederholen!)

Erfolge kommunizieren!

Spaß bei der Arbeit & Motivation

Sie können nun nachdenken, wie der Transformationsprozess damals bei der Post ablief (https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichische_Post)
und ihre Schlüsse bezüglich des KAV ziehen,
ich möchte aber eher auf die letzten beiden Empfehlungen des Vortragenden zurück kommen und Ihnen persönliche Erlebnisse berichten:

Vor einigen Wochen wollte ich in einem der 24h SB Bereiche der Post ein Paket aufgeben.
Ich maß und wog das Ding und bezahlte das berechnete Porto.
Ich klebte den Ausdruck auf das Paket und las den Barcode beim Einwurf ein,
nur um zu erfahren, dass das Fach überfüllt war,
und ich somit mein Paket zwar bezahlen durfte,
aber doch am nächsten Tag zum Schalter musste, um es abzugeben.

Auf eine logische Verbindung zwischen Porto-Automat und Einwurf-Automat hat Herr DI Mündl offenbar vergessen oder versehentlich den Programmiere zu früh gekündigt.
Erfolge kommunizieren!

Kürzlich erfuhr ich von noch einer bizarreren Geschichte:
Ein gemessenen und gewogenen Paket wurde bezahlt,
danach das ausgedruckte Porto-Aufkleber aufgeklebt.
Auch hier scheiterte der Versuch das Paket auch einzuwerfen,
weil der Barcode nicht lesbar war.
Auch hier wurde am nächsten Tag versucht, das Paket am Schalter
EINEM MITARBEITER, ja ein paar gibt’s noch,
zu übergeben, der aber die Annahme ebenfalls verweigerte,
weil der automatische Aufkleber-Ausdrucker einen wesentlichen Teil des Streifens abgeschnitten hat.
Der Mitarbeiter bestand darauf, dass das Porto nochmals bezahlt wurde und verwies auf eine Beschwerdestelle,
bei der man unter Vorlage des beschädigten Porto-Aufklebers Ersatz einfordern könnte.

Blöd, denn dort benötigt es dann halt noch einen Mitarbeiter.

Zeig mir welche Berater Du einlädst und ich sag Dir, was Du vor hast!

Written by medicus58

5. November 2016 at 09:49

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