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Pandemiebekämpfung: Absurdität in der Praxis

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Ort der Handlung: Filiale der Bank Austria auf der Mariahilferstrasse; für nicht Ortskundige sei erwähnt, dass diese Filiale eine große 24h Halle mit mehr als einem Dutzend Selbstbedienungsautomaten hat.

Zeitpunkt: kurz vor 16:00 nachdem der Sildenafil-gehärtete Lockdown in die etwas abgeschlaffte Version überging und noch vor der großen Öffnung Mitte Mai von eh irgendwie allem.

Eine lange Schlange an Kunden wartet vor der Filiale, weil der Sicherheitsdienst vorbildlich darauf achtet, dass die behördluch erlaubte Maximalzahl an Kunden in der Filiale und die Abstände im Inneren eingehalten werden und vertröstet die Wartenden mit einem „wos soll’n ma mochen, aber um viere san ma eh weg, wos glauben S‘ wie’s a sie do obspüt jeden Tog…

Das wäre ja alles noch keine Zeile auf diesem Blog wert, wäre da nicht der Bauzaun der U-Bahn Baustelle, die seit Monaten den Gehweg der Begegnungszone gerade vor der Bankfiliale auf nicht viel mehr als einen Meter einengt und die Passantenmassen, die sich an den Wartenden vorbeiquetschen, meist maskenlos, versteht sich, weil erstens das Maskengebot im Freien aufgehoben ist, und zweitens weil es dieses auf der, auch während des harten Lockdowns auf der Mahü nie gegolten hat, obwohl es auch hier um Fressstände und andere offene Einrichtungen (Click ‚N‘ Pick) schon früher sehr dicht wurde.

Schlag 16:00 verabschiedete sich der Ordnerdienst und winkte die Wartenden alle auf einmal in die Filiale.

Sicher, eine Kleinigkeit, aber in dieser oder ähnlicher Form wahrscheinlich im ganzen Land anzutreffen. Natürlich kann man nicht 24h einen Ordnerdienst vor jeden Selfservicebereich aufstellen, aber dass behördlich genehmigte Baustellenzäune das Einhalten von Verordnungen unmöglich machen ist schon kafkaesk.

Written by medicus58

5. Mai 2021 at 08:16

Was noch fehlt: Die Covid WC Verordnung

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Präambel

In Zeiten der Covid-19 Pandemie entscheidet richtiges Verhalten über Leben und Tod. Im falschen Moment die falsche Maske aufgesetzt, den Baby Elefanten im Vorzimmer vergessen und die beste Infektionsflex kann uns nicht mehr retten.
Vorsorglich hat sich die türkis-grüne Einsatzgruppe schon der Auferstehung, dem Begräbnis und dem Tennisspiel gewidmet.
Die Alten wohl verräumt, den Jungen ihre Coronaparty versaut, haben die vor lauter Aktionismus einen wesentlichen Teil unseres Privatlebens noch unverordnet lassen, dem wird nun entgegen gehalten.

§1 Toiletten stellen einen Infektionsbrennpunkt ersten Ranges dar und unserem zügel- und rechtlosen Verhalten muss nun ein Regel vorgeschoben werden:

§2 Es gibt nur drei Gründe, die einen kurzen Aufenthalt auf dem Abort rechtfertigen: Lulu und Aa und wenn Sie einen Dritten unterstützen müssen.

§3 lit a Die beengten Verhältnisse an den gewissen Örtchen erlauben nicht die Mitnahme eines Babyelefanten, so dass sich schon daraus ergibt, dass sich im ÖNORM WC immer nur exakt mehr oder weniger eine Person rein darf, außer zu Ostern. Ob das trotzdem in einer gesonderten Verordnung geregelt werden soll ist noch Teil der Kampfhandlungen zwischen Innen- und Gesundheitsministerium, das Justizministerium ist durch seinem Generalsekretär abgelenkt.

§3 lit b Eine Schlangenbildung vor der Toilette ist durch rechtzeitige Vorreservierung zu unterbinden. Laufkunden ist die Benutzung verboten, aber das haben die Wirten eh immer so gehalten.

§4 Hoch frequentierte Toiletten, müssen mit einer Mund-Nasen Maske und fakultativ mit einer zusätzlichen Nasenklemme betreten werden. Das gilt unbedingt für die Toiletten der Wiener Verkehrsbetriebe, so sie noch nicht privatisiert wurden, weil sie dann keinen öffentlichen Raum mehr darstellen, außer der OGH findet was anderes heraus.

§5 lit a Für das Urinieren, bei dem es selten zu Press-Atmung kommt ist keine Maske vorgeschrieben (Ausnahmen Herren in fortgeschrittenen Alter und großem Prostatavolumen).

§5 lit b Die Abgabe aller anderen Stoffwechselprodukte (Stuhl, Harnsteine, …) verlangt zwingend eine Maske, auch wenn die Regierung/Polizei/Miliz/Bundesheer vorerst von regelmäßigen Kontrollen absieht. Die Vorschriften über das verordnungskonforme Erbrechen sind noch in Ausarbeitung. Die Kulturstaatsekretärin schaut sich das noch an.

§6 Sollte während des Defäkationsvorganges Atemnot auftreten kontaktieren Sie umgehend 1540 und diskutieren Sie in einem standardisierten Interview mit einem Medizinstudenten im ersten Semester die wesentlichen Differentialdiagnosen zwischen Obstipation und Pulmonalembolie. Die Toilette ist in diesen Fällen für die nächsten 3 Stunden für den Publikumsverkehr gesperrt. Randalierende Mitmenschen werden von der Polizei abgeführt.

§7 Ist die Verwendung von Toilettenpapier unumgänglich, ist ein mindestens 3,5-lagiges, auf Vorschlag der Grünen recyceltes, Qualitätspapier vorgeschrieben. Selbiges ist vom Toilettenbetreiber vorzuhalten, aber nach den Erfahrungen mit dem Rewe-Konzern empfiehlt sich die Mitnahme des Eigenbedarfs.

Minderwertiges (chinesisches) Toilettenpapier birgt das Risiko einer Fingerpenetration und einen direkten Kontakt mit den Stoffwechselprodukten. Für diese Fälle ist vom Betreiber ein Notfallplan zu erstellen und eine direkte Sprechverbindung mit der AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH) herzustellen, die wahlweise den Ärztenotdienst oder das Hygienezentrum der Stadt Wien – MA 15 (Entlausung-Arsenal) schicken wird.

Der Gebrauch der Gratispresse (Heute, Österreich) zur Körperreinigung ist strengstens untersagt. Einerseits ist nicht nur der Inhalt sondern auch die Papierqualität von fraglicher Qualität, andererseits wurden Millionen an Steuergeld in Regierungsinserate in diesen Druckwerken investiert, so dass diese Blätter am WC nur gelesen aber nicht missbraucht werden dürfen.

§8 Ein verpflichtender Abstrich ist nach dem Toilettenbesuch nicht vorgesehen, wird aber in Privatlabor empfohlen.

§9 Eine befreundete Werbeagentur ist bereits mit einer Kampagne zur Öffentlichkeitsarbeit betraut, die ersten Videos haben sich aber für das Vorabendprogram als nur eingeschränkt verwendbar herausgestellt.

§10 Diese Verordnung wird gemeinsam mit dem Beschluss über eine Kurz-Milliarde für die AUA und die Verteilung von Gratis-Taschentücher in Flüchtlingsheimen abgestimmt und gilt bis zum St. Nimmerleinstag, außer die Neue ÖVP schafft in Neuwahlen die Zwei-Drittel-Mehrheit und das Bundesheer bekommt die Erlaubnis die Grenzen unserer Toiletten zu schützen bzw. eine Regelung tritt in Kraft, die die Benützung eine privaten Toilette ausschließlich mit Handy-App, Schlüsselanhänger und SIM-Nasenring erlaubt.

Written by medicus58

30. April 2020 at 17:32

Sicherheitsberater: Widerstand zwecklos

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Es gibt Dinge, gegen die Widerstand zwecklos ist:

Junge Hunde (bzw. Katzen) sind lieb,
Sicherheit rechtfertigt alles,
und Berater wissen alles besser.

Sinnlos sich darüber den Kopf zu zerbrechen, ob die Menschheit je Pyramiden bauen hätte können, den Atlantik durchmessen oder auf dem Mond herumhüpfen hätte können, wenn sie auf ihre Berater gehört hätte.

Seit wir uns im Rahmen der arbeitsteiligen Gesellschaft Personen leisten, die – meist fernab von jeder praktischen Tätigkeit – den ganzen Tag darüber nachdenken, was passieren könnte und wie es zu verhindern wäre, hagelt auf uns eine nicht endenwollende Fülle von Empfehlungen, Leitlinien, Richtlinien und Verordnungen herab. 
Ein Gegencheck, welche Nachteile die vorgeschlagene Lösung hat, unterbleibt, da (siehe oben) es ja um etwas von allen als anerkannt Wichtiges geht, z.B. die Sicherheit.
 
Mit der aktuellen, für 2013 geplanten EU-„Nadelstich-Verordnung“ wurde erneut ein Betätigungsfeld eröffnet, um unser aller Sicherheit auf ein noch nie geahntes Niveau zu schrauben und der Industrie zu ein bißchen Gewinn zu verhelfen. Schliesslich kann man alle Mitbewerber abhängen, die für die natürlich schon patentierte Problemlösung nicht zahlen wollen.
http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2009:0577:FIN:DE:PDF 

Geht uns da nicht eine Energiesparlampe auf?

Konkret: 
Es gibt in der EU über eine Million Nadelstichverletzungen mit Injektionsnadeln und damit die Gefahr einer Infektion (Hepatitis, HIV, …).
Eine neue Nadelform mit integriertem Nadelschutz soll das verhindern.

Originaltext der EU-Vorlage:
Was die Verhältnismäßigkeit betrifft, so geht der Vorschlag nicht über das für die Verwirklichung der angestrebten Ziele erforderliche Maß hinaus.

… und „gusch“ (für die deutschen Leser „Schnauze„), denn technische Lösungen exitieren ja schon:

http://salzburg.orf.at/news/stories/2521664/ 

Dass das „Plastikfähnchen“ eine sichere Punktion, gerade an unzugänglichen Stellen (Lokalanästhesie z.B. beim Zahnarzt) verschlechtert und schon allein dadurch wieder neue Gefahrenpotentiale aufgehen …

gusch (Schnauze)

Dass die meisten Nadelstichverletzungen NICHT unmittelbar während des Punktionsvorganges entstehen, sondern weil die Nadeln nicht in die ohnehin vorgeschriebenen Nadelbehälter entsorgt werden. 
(Den bizarrsten Vorfall, den ich kenne war ein Arzt, dem im Nachtdienst offenbar langweilig war und er seine Zeit damit verbrachte, aus gebrauchten Nadeln und einer Ein-Weg-Nierentasse aus Karton einen „Igel“ zu basteln.)

gusch (Schnauze)

Wir haben ein Problem gefunden, wir haben eine (von der Industrie angebotenen Lösung), jetzt wird daraus eine Gesetzesmaterie gemacht. Novellieren kann man immer noch.

Das Europ. Parlament votiert dafür (ja wenn es um die Sicherheit geht …), die Länder schreiben es in ihren Rechtsbestand, man kann es ja vielleicht noch immer etwas verwässern.

Nur wenn man schon den „Experten“ (Ärzten, Pflegepersonal, …) nicht zutraut, mit einem spitzen Gegenstand umzugehen, wie lange wollen wir es uns leisten, dass Nähnadeln von Hand zu Hand gehen, Schraubenzieher von mehreren Heimwerkern benützt werden, …. Regenschirme und Spazierstöcke noch in einer Spitze auslaufen und ohne Einschulung sowie behördlicher Genehmigung benutzt werden dürfen …

HANDLUNGSBEDARF FÜR DIE NÄCHSTE VERORDNUNG

In Europa werden so viele uneheliche Kinder geboren wie nie zuvor. Der Anteil an unehelichen Geburten hat in den 27 EU-Staaten inzwischen den Rekordwert von 37,4 Prozent erreicht – das ist mehr als doppelt so viel wie vor zwanzig Jahren.
Das geht aus dem neuen Jahrbuch der europäischen Statistikbehörde Eurostat hervor. 1990 erblickten nur 17,4 Prozent der Neugeborenen außerhalb einer Ehe das Licht der Welt.

 

http://www.focus.de/panorama/welt/eu-so-viele-uneheliche-kinder-wie-nie-zuvor_aid_698241.html 

Da sieht man wieder, was man mit ungeschützen spitzen Gegenständen alles anrichten kann!

Hallo, Brüssel, aufwachen!!

Link: http://www.nadelstichverletzung.de/content/home.html

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