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Fahren Sie lieber auf Urlaub statt krank zu werden

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Dass es während der Urlaubszeit personelle Engpässe gibt, ist ja an und für sich keine besondere Erwähnung wert.
Dass dies auch außerhalb der Urlaubszeit (z.B. bei den Krankenkassen) keine Seltenheit ist, haben wir hier zuletzt im September des Vorjahres dokumentiert (Gut versorgt: Ambulanzsperren).
Ja, und dass die Gesundheitspolitik plant obwohl die „Soldaten“ schon längst weiter gezogen sind, wurde auch seit Jahren hier immer wieder angesprochen.

So gesehen ist das Schriftstück, das gestern aus dem AKH kam „Akutmaßnahme Annahmestopp für Probeneinsendungen A/72/2018“ eigentlich auch keine Überraschung, wo die Direktion des laut KAV-Masterplans für die Supramaximalversorgung im Wiener Spitalskonzept zuständigen AKH mitteilt, dass
aufgrund eines akuten Personal- und Geräteengpasses am Klinischen Institut für Pathologie des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Wien – Medizinischer Universitätscampus vorübergehend keine Annahme/Verarbeitung von Nierenbiopsien und molekularpathologischen Untersuchungen möglich ist und die Einsendungen retourniert werden.“

Auf den ersten Blick vielleicht irritierend wird das Vorgehen wie folgt begründet:
„Diese Maßnahme dient der Patientensicherheit, die durch die verzögerte Befunderstellung gefährdet sein könnte.“

Möglicherweise führt das ebenso zu hektischen Diskussionen wie im April dieses Jahres ein Interview mit Prof. Husslein (AKH-Primar will künftig Patienten abweisen), in dem flapsig in die Kamera sagte: „Man hat Volleyball mit uns gespielt, und wir spielen jetzt Volleyball zurück und schicken die Patenten dorthin, wo sie besser aufgehoben wären.“

Blöd ist halt, dass es das „dorthin“ auch nicht mehr gibt. Die Patienten stauen sich ja in der AKH Ambulanz, WEIL der niedergelassene Bereich nicht (mehr) funktioniert.
Es gibt, um auf das aktuelle Thema zurück zu kommen, natürlich auch andere Pathologien als die im AKH, nur wird es vielleicht einen Grund haben, wenn manches ins AKH geschickt wird und nicht vor Ort befundet wird!

Ich habe den besagten Brief hier nur deshalb angesprochen, um wieder einmal darauf hinzuweisen, was in der leidigen Spitalsbetten- und Ambulanzwartezeit-Debatte immer unter den Tisch fällt, dass die Versorgungssituation auch in der Diagnostik bereits höchst prekär ist. Und ohne Diagnose gibt es keine vernünftige Therapie!

Egal, bleiben Sie gesund und machen Sie Urlaub;
nicht dass es in anderen Ländern viel besser um die Versorgung bestellt ist (Mein Patient, Dein Patient, das Budget ist nicht für alle da),
aber solange wir alle in Europa wählen, wie wir wählen und nicht Zwischen den Zeilen des Regierungsprogramms lesen, wird weiter an der Versorgungssicherheit gespart werden, bis dann nichts mehr geht!

Ja und wer glaubt, dass das alles nur urlaubsbedingt ist, möge den Text nochmals lesen, denn im AKH wird nicht nur von personellen Problemen sondern auch von einem Geräteengpass gesprochen, und Geräte fahren nicht auf Urlaub!

Written by medicus58

12. Juli 2018 at 17:44

Auf’s Timing kommt es an, auch beim Operieren

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Ich möchte Sie ja nicht verunsichern, wenn Sie endlich den Operateur Ihres Vertrauens gefunden haben oder dem Versprechen einer renommierten Krankenanstalt – eines Best-Point-of-Care Zentrums eben – Glauben schenken, dass dort erstklassig gearbeitet wird.
Sie sollten sich zusätzlich den Zeitpunkt genau überlegen, zu dem Sie sich unter das Messer legen. 

Auf einer Literatursuche über ein ganz anderes Thema stolperte ich wieder über eine bereits im November des Vorjahres im International Journal of Cancer erschienenen Studie einer schwedischen Arbeitsgruppe, die an Hand von 228.927 Krankengeschichten zwischen 1997-2014, ja dort funktioniert die elektronische Krankenakte, Erstaunliches zu Tage förderte:

Wer sich während der Urlaubszeit in einem von 16 Krebszentren operieren ließ hatte eine signifikant schlechtere Prognose als zu anderen Zeiten.

Signifikant war das für Operationen an der Brustdrüse, Leber, Gallenwege und der Bauchspeicheldrüse. Ein ähnlicher Trend fand sich auch für kolorektale Karzinome, Kopf-Hals-, Prostata-, Nieren-, Blasen- und Schilddrüsenkrebs.

Andererseits macht es sich in den USA bezahlt seinen Herzinfarkt dann zu bekommen, wenn die Experten gerade bei nationalen Meetings weilen (JAHA 2018).

Und jetzt erinnern wir uns an das gesundheitspolitische Gelaber vom Best-Point-of-Care, Schwerpunkt- und Zentrumsbildung, ut sim:

Die medizinische Versorgung ist ein hoch komplexes System an den Schnittpunkten von Wissenschaft, Praxis und gesellschaftspolitischen Phänomenen dessen Ergebnisqualität der monokausalen Lösungsvorschläge Außenstehender entzieht …

Written by medicus58

26. Mai 2018 at 17:43

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