Sprechstunde

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Nein zum Atom oder Atome sind mir nicht grün

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Spät aber doch. möchte ich auch „meinen Senf“ zu einer Angelegenheit geben, die Anfang des Monats zu ein paar bemerkenswerten Reaktionen geführt hat.

Vorgeschichte:
1958 wurde in Österreich das Atominstitut als interuniversitäres Institut gegründet und 1962 im Wiener Prater ein TRIGA Mark II Forschungsreaktors eröffnet. Heute ist das Atominstitut ein Institut der TU Wien und bildet zusammen mit den Instituten für Theoretische, Angewandte sowie Festkörperphysik die Fakultät für Physik an der TU Wien. Forschungsschwerpunkte sind Atom-, Kern- und Reaktorphysik,  Umweltanalytik, Radiochemie, nuklearen Messtechnik und Festkörperphysik, Quantenphysik, Quantenoptik sowie Tieftemperaturphysik und Supraleitung.  http://www.ati.ac.at Den ORF Sehern war im Zusammenhang der Fukushima-Katastrophe einer der „Jungstars“ des Instituts Georg Steinhauser (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53642) ein guter Bekannter geworden.
WAS? MITTEN IM WURSTELPRATER EIN FUKUSHIMA?
Na ja, nicht beim Watschenmann, aber (siehe Bild) inmitten eines Kleingartenvereins.
Die schien nun den Grünen (nach immerhin 50 Jahren) erstmals aufgefallen zu sein und Glawischnig diagnostiziert messerscharf, dass den Reaktor „niemand mehr wirklich braucht.“ http://derstandard.at/1336435289341/Atominstitut-Gruene-wollen-Forschungsreaktor-abdrehen?

Nicht ganz, ein ehemaliger Leiter des Instituts, der den TV Zuschauern als Sciencebuster Prof. Oberhumer bekannt ist, wies darauf hin, dass an diesem Standort Forschung betrieben wird und wundert sich ebenso, wie das Wissenschaftsministerium, weshalb die Grünen sich gegen Grundlagenforschung aussprechen. http://www.sciencebusters.at/sections/science-fu/posts/327
Natürlich kann man Oberhumer hier der berufsbedingten Parteilichkeit beschuldigen, aber zur Erklärung sei noch hinzugefügt, dass die Neutronenquelle des Reaktors u.a. für Materialprüfungen, die prinzipiel gar nichts mit der Kerntechnik, also der Entwicklung neuer Kernreaktoren zu tun hat.
ABER IST DAS NICHT GEFÄHRLICH IM KLEINGARTENVEREIN?

Die Leistung eines Forschungsreaktors ist im Vergleich zu Reaktoren, die zur Energiegewinnung verwendet werden gering (max 250 kW) und die Brennstoff-Zentraltemperatur liegt bei etwa 200 °C, so dass eine Kernschmelze, wie in Fukushima, bei der Temperaturen weit jenseits der 1000°C auftreten können, bautechnisch ausgeschlossen werden kann. Der Abbrand der Brennelemente ist entsprechend gering, so dass noch Brennelemente aus dem Jahre 1962 verwendet wurden. http://www.ati.ac.at/fileadmin/files/general/Reaktor/D_text__Bilder.PDF

Die Aufregung der Grünen entstand aber offenbar deshalb, weil nun einige Brennstäbe ausgetauscht werden mussten. Das Bundesministerium und die TU wies die Anschuldigungen wie folgt zurück:
http://www.bmwf.gv.at/startseite/mini_menue/presse_und_news/news_details/cHash/22985967eb14b25c849c0ec21feee19a/article/tu-forschungsreaktor-ministerium-und-tu-wien-weisen-unserioese-darstellung-seitens-der-gruenen-ents/

Aktuell scheint niemand mehr darüber zu reden, aber es stellt sich schon wieder die Frage, weshalb es so schwer ist, über die Anwendung ionisierender Strahlen in Forschung, Diagnostik und Therapie zu sprechen; bzw. weshalb selbst akademisch gebildete Personen einer rationalen Diskussion unzugänglich sind.

Wenn wir die Energiegewinnung in Kernreaktoren, die ich persönlich ablehne völlig unkritisch mit allen anderen Anwendungen in einen Topf werfe, dann handle ich als ob ich im Winter lieber erfrieren würde, nur weil ich mich im Sommer am Grill verbrannt habe.
Ionisierende Strahlung ist aus vielen Bereichen nicht mehr wegzudenken. Will heute noch jemand eine antibiotische oder onkologische Therapie erhalten, weil der Arzt mit seinem Stethoskop „was gehört hat“, oder weil man die Lungenentzündung oder den Lungenkrebs im Röntgen gesehen hat.
Will sich jemand seine Schilddrüse einfach operieren lassen, ohne, dass ein Schilddrüsenszintigramm die Funktion seines Knotens näher charakterisiert hat?

Will irgend jemand sterben, nur weil er die Strahlentherapie als zu wenig homöopathisch empfindet.

Lassen wir lieber unser Haus in Vollbrand geraten, weil wir das bißchen Americium in unseren Brandmeldern ablehnen?

Offenbar manche unsere Politiker!
Deshalb besteht in Österreich eine dramatische Unterversorgung mit Strahlentherapie und Nuklearmedizin, Patienten erleiden endlose Wartezeiten und pilgern über Bundesländergrenzen, wenn irgendwo ein Gerät kaputt geht …

Es fällt immer schwerer, einige der Spitzenpolitiker der Grünen ernst zu nehmen, auf Landesebene (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=35384) und auf Bundesebene (siehe oben).

Es wird immer schwieriger bestimmte Expertisen im Lande zu halten, wenn diese „Augen zu“ und „weg mit Schaden“ Mentalität um sich greift.
Wenn ich es als (hoffentlich ist dieser Blog beweisend) kritischer Mensch sehr wohl logisch auf die Reihe bringe, GEGEN AKWs und FÜR EINE KONTROLLIERTE ANWENDUNG IONISERENDER STARHLUNG IN MEDIZIN UND FORSCHUNG zu sein, stellt sich mir doch die Frage, weshalb das andere nicht schaffen:
Wissensmangel? dem könnte man abhelfen
Blanke Ignoranz oder purer Populismus?
dann ist eine der letzten politischen Hoffnungen in diesem Lande dahin und wir segeln freudestrahlend unter der Piraternflagge in die nächste politische Wende und freuen uns auf die nächsten Untersuchungsausschüsse…

 

Screenshot: Google Maps

Was ist uns ein Universitätsprofessor wert?

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Als jemand, der seit über 28 Jahren (auch) Universitätslehrer ist, fand ich die aktuelle Meldung im Online Spiegel bemerkenswert:

Die Professorenbesoldung in Deutschland ist in Teilen verfassungswidrig. Das hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entschieden.

Konkret ging es um das Einstiegsgehalt des Jahres 2005  von zunächst 3890 Euro und Leistungsbezüge von zuätzlich knapp 24 Euro. 
Danach hat man in Deutschland das Besoldungsschema geändert und das Einstiegsgehalt weiter gesenkt, aber die jährlichen Zuwachsraten (das A&O der Beamtekarriere) abgeflacht. 
In Österreich kann man von solchen Summen nur träumen, da hat 
Frau Volkschullehrer und Bundesministerin Gehrer 
http://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_Gehrer überhaupt auf ein Vertragsbediensteten-System umgestellt, wo frisch in den Universitätsbetrieb einsteigende Mediziner 1982,20 €/Monat brutto bekommen und damit rechnen müssen, dass der Vertrag ohne Kündigung ausläuft. http://www.i-med.ac.at/betriebsrat1/info/gehalt2007-uni.html
An der TU ist es noch schlimmer: http://info.tuwien.ac.at/E093/main.htm

Das Brutto-Einstiegsgehalt lt. Spiegel von Hochschulprofessoren wa 2007 in
Deutschland 3744 Euro pro Monat, während es in
Großbritannien 5842, in 
Polen aber nur 1127 waren. 

In der Medizin hat man halt 10 Nachtdienste gemacht, um die Kongresse, Lehrbücher, Druckkostenbeiträge zu bezahlen, … etc.

Theoretiker“ hofften halt auf möglichst viele Praktika oder Seminare, um zusätzliches Einkommen zu lukrieren, … ist mir klar, aber unter all dem Eliteuni-Geschrei und frei vereinbaren Gehältern für einige Spitzenpositionen
(http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=52689) gilt noch immer

IF YOU FEED PEANUTS YOU’LL CATCH MONKEYS.

und die werden unsere Wissenschaft vorantreiben und unseren Kindern die Leidenschaft für die wissenschaftliche Forschung weitergeben.

Mir ist das Lachen vergangen und da ich nun einen anderen Brotberuf habe, halte ich viele Vorlesungen einfach gratis …

Besser als mit einem Bettellohn beleidigt zu werden, aber ich bin auch nimmer 26. Da hatte ich auch mit 14.000 ÖS/Monat eine 70 Stundenwoche (ohne Nachtdienste!) und täglich kündbaren Karenzverträgen.

Ob man sich aber gesellschaftlich immer darauf verlassen soll, solche Trottel zu finden, mag ich hinterfragen …

Link: 
http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,817360,00.html 
http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,815139,00.html
http://sciencev1.orf.at/science/news/133781 
http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/ls20120214_2bvl000410.html

 

Written by medicus58

7. März 2012 at 16:02

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