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Die Relativitätstheorie des Coronavirus

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Österreich und seine Regierung sonnt sich in den aktuell grad mal 42 bewiesenen Neuerkrankungen pro Tag und die Medien verweisen mit Schauder auf die immer noch hohen Zahlen in Spanien und die gar nicht fallen wollenden in UK und den USA.

Oft die selben Medien berichten aber gar Grausiges vom ehemaligen Vorzeigeschüler Südkorea, dessen Handy-Abhörwahn und Testorgien man uns noch kürzlich als unabdingbar für unser Überleben hat einreden wollen:

An Corona-Fällen: In Südkorea stärkster Anstieg seit Wochen

Infektionsherd in den Bars: Südkoreaner fürchten zweite Welle ?

Jünger Partygänger steckt potentiell Tausende an. Schulen Szene unter Beschluß

Nun, dann Schau’n wir uns die aktuellen Zahlen aus Südkorea an, die zur allgemeinen Hyperventilation führten:

Am 11.5. wurden grad mal 35 neue Fälle entdeckt, also weniger als in Österreich, das sich feiern lässt. Kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit der Binsenweisheit, dass absolute Zahlen im Abstieg und im (Wieder-?) Anstieg von Exponentialkurve was anderes bedeuten, eh geschenkt. Aber auf der einen Seite Heiligsprechung und auf der anderen Seite die Apokalyptischen Reiter der Schwulenbars, das ist relativer als es Einstein erlaubt hätte.

Written by medicus58

11. Mai 2020 at 16:19

SEOUL – INWANGSAN

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In unserem Bewußtsein steht Südkorea für SAMSUNG, HYUNDAI, LG, DAEWOO und Dutzende andere  High Tec-Unternehmen. Schon vor Jahren blieb dort das heimische Handy stumm, da es kein UMTS beherrschte und scheinbar jeder zweite U-Bahnbenutzer in Seoul verfolgte eines der TV-Programme oder den neuesten Holywood Blockbuster auf seinem Telefon, Laptop oder Pad.
Mit einem Wort ist für uns Südkorea der Inbegriff von Modernität.
Da verwundert es schon sehr, wenn man mitten im Gebrodel der 10 Millionen-Metropole Seoul den winkeligen Pfad auf den Inwangsan, den „Berg des freigiebigen Königs“ hinauf steigt. Oft findet man auch die Bezeichnung des „Berges des Weißen Tigers“, jedoch leben Tiger schon längst keine mehr in diesem Gelände.
Weit muss man sich nicht über die Stadt erheben, der Berg ist gerade einmal 338 Meter hoch. Das pitoreske Panorama der sogenannten Zen rocks hat seit je her koreanische Künstler inspiriert, jedoch ist das nicht der einzige Grund, weshalb so viele Koreaner den Berg besteigen, sie suchen den Rat der Shamaninnen (Mudangs). Ja, die Angelegenheit ist weitgehend in weiblicher Hand.
Auf dem Inwangsan befindet sich der Guksadang, das Original wurde 1925 von den Japanern zerstört und hier wieder aufgebaut.
Shamaninnen vollführen hier eine Reihe magischer und ritueller Praktiken, um die „Geister“ herbei zu rufen, um Krankheiten zu kurieren, Glück zu bringen, die Zukunft voraus zu sagen oder die Geister der Verstorbenen zu besänftigen. Dazu werden den „Geistern“ Reiskuchen, Obst und selbst Schweineköpfe geopfert, da man fest davon überzeigt ist, dass derartiges auch in „der anderen Welt“ dringend benötigt wird.
Bei Befragungen erklären sich aktuell 31 % der Südkoreaner als religionslos, 23,7 % nennen sich Buddhisten, 31 % Christen (23,8 % evangelisch) und 7 % folgen verschiedenen Stammesreligionen. Der Koreanische Schamanismus, der seine Wurzeln in Sibirien wähnt, war schon längst etabliert als der Buddhismus über Indien und China das Land im 4. Jahrhundert erreichte. Auch als er 528 in Silla, einem der drei Reiche das alten Koreas, zur Staatsreligion wurde, hat der Buddhismus den im Volk fest verwurzelten Geisterglauben nicht verdrängen können, ebensowenig wie der Konfuzianismus , die christlichen Religionen oder heute das Smartphone.

Fotos der Mudangs sind nicht gerne gesehen, das Tele hier habe ich versucht möglichst unbemerkt und diskret zu „schießen“.
Als „Langnase“ fühlt man sich überhaupt etwas deplaziert und wird eher verschämt übersehen. Mag sein, dass auch Videos wie das unten verlinkte, zu dieser, für Südkorea eher ungewöhnlichen Hostilität der Einheimischen führten, egal.
Wenn man allein kommt und sich diskret in eine Ecke setzt, dann kann man unbehelligt den Praktiken folgen, die von Jung und Alt mit höchster Ernsthaftigkeit ausgeführt werden. Von denselben Menschen, die man kurz vorher und kurz nachher wie selbstverständlich mit all den elektronischen Gadgets der Neuzeit hantieren gesehen hat.

Der Gegensatz zwischen der Geschäftigkeit in Seouls Straßen und der Stille hier oben war beeindruckend.
Nicht dass ich das Gefühl hatte, dass mich die „Mudangs“ mit meinen „eigenen guten und bösen Geistern“  zu versöhnen imstande wären, aber die verschiedenen Aspekte eines Volkes so scharf nebeneinander zu erleben, wird mir unvergesslich bleiben.

http://de.wikipedia.org/wiki/Schamanismus_in_Korea
http://www.youtube.com/watch?v=Guoku_6NHLM (eher peinliches Amateurvideo)
http://youtu.be/9c12CsnjURA (eines der seltenen Videos einer Zeremonie)
http://en.wikipedia.org/wiki/Inwangsan
http://www.visitkorea.or.kr/enu/SI/SI_EN_3_6.jsp?cid=260583

Written by medicus58

6. September 2012 at 18:45

Veröffentlicht in Reisen

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