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Corona: Who’s fighting and what for?

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OK, der Sager stammt von Mick Jagger als in Altamont gerade ein Konzertbesucher erstochen wurde, aber nach ein paar Monaten Coronakrise sollten wir uns diese Frage auch mal stellen.

In Berlin demonstrieren 20.000 gegen Schutzmaßnahmen, bei uns heben Verfassungsjuristen immer wieder Schutzmaßnahmen auf und lassen den Babyelefant aussterben. Klar ist das ein ungleiches Paar Schuhe, denn die einen haben mit den geltenden Regeln ein persönliches Problem, Juristen eh fast immer nur ein formales (diesmal auch ein grammatikalisches) Problem.

Ja, und für die alte Dame heute in einer Bim, ist eh alles nur ein Problem der mangelnden Disziplin, hat sie wohl noch vom Blockwart (Copyright Klenk) gelernt.

Was in dem Gedröhne zwischen Warnern und Erbosten, Virologen und Rechtsbewahrern irgendwie aus dem Focus verschwunden ist, ist doch die Frage, was wir eigentlich mit all dem Regelwerk erreichen wollen:

Das was wir wohl wollen, alles wird wie früher und niemand wird krank, wird es noch lange nicht spielen (würde übrigens so klar schon zu Beginn nur von den Schweden ausgesprochen).

Schützen wir die lieben Alten hat ja nicht so funktioniert, das Schützen wir die Spitäler haben wir aus heutiger Sicht übertrieben (Link).

Flatten the curve, war auf der Kurzstrecke erfolgreich, löst aber nicht das Problem des jetzigen Marathons.

In meinen Augen sind die aktuell größten Probleme folgende zwei:

Die Disziplinierung durch Angst (100.000 Tote) unter fleißiger Mithilfe Leser- und Zuschauergeiler Medien führte zu Nulltoleranz jedes neuen Covid-19 Krankheitsfalles. Hätten wir eine ähnliche Haltung zum Unfall- oder Herz-Kreislauf-Risiko, wären viele ärztliche Spezialisten arbeitslos.

Das zweite Problem, und da keimt ein bisschen Verständnis für die überwiegend nur bescheuerten Demonstranten, dass die Politik durch ein Feuerwerk an Anordnungen Aktivität und Kompetenz demonstrieren will, aber sich dabei viel zu sehr im Detail verliert, bis sie selbst die Übersicht in der rechtlichen Kombinatorik verliert.

Vergleichen Sie mal diesen klassischen Monty Python Sketch, wie John Cleese erklärt, wann man duschen und wann man einen Brief an die Eltern schreiben soll (der Rest ist aber auch lustig).

Also was besser machen?

Medial abrüsten, das Virus ist für ältere u/o vorgeschädigten gefährlicher als die meisten Grippewelle, aber wir sind (und waren) noch weit vom Systemkollaps entfernt. Ohne Evidenz anbieten zu können halte ich es überhaupt für wenig wahrscheinlich, dass die Menschheit Ähnliches nicht auch schon früher durchgemacht hat, halt ohne PCR gestütztes Wissen.

Möglichst wenige Regeln, die aber flächendeckend. Die Granulierung durch Bezirksampeln wird nicht die Lösung.

Mut zur Lücke und den zwei Drittel. Alle haben wir mal irgendwas in der Art des Pareto Prinzips gelernt: 80 % des Ergebnisses wird durch 20% des Gesamtaufwandes erreicht.

Erfassen des Problems als global. Ob der serbische Österreicher oder der österreichische Serbe ein- oder ausreist, ist epidemiologisch egal. Wer das Virus heute nicht kriegt, kriegt es vielleicht in den nächsten Monaten, Durchtauchen wird schwieriger als es scheint.

Wenn der Ombudsmann nun findet, dass Schutzmaßnahmen für ältere (und nachweislich häufiger sterbende) Menschen ungesetzliche waren, dann wird er vielleicht in Berlin grad mitmarschieren. In der Sache ist er ebenso kontraproduktiv, wie Regierung und Verfassungsjuristen. Aber das nur als Coda.

Written by medicus58

1. August 2020 at 18:35

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